Titel: Leere?
Genres: Drama, Sad, Romance
Warnings: Slash, Lemon (später) und anfangs Depri!Harry
Beta: Nici Black
Disclaimer: Alles -- Rowling, Idee -- Meine; bitte fragt wenn ihr euch was ausleihen wollt. Danke.

Kapitel 10


Nun war er schon eine Woche lang offiziell Severus' Novize, und noch immer hatten sich die anderen Schüler nicht daran gewöhnt. Noch immer blickten sie ihm flüsternd hinterher, wenn er durch die oberirdischen Gänge eilte. Die Bemerkungen über seine geistige Zurechnungsfähigkeit – natürlich nicht unter diesem Begriff – hatten nachgelassen, oder er hörte sie einfach nicht mehr.

Seufzend blieb Harry an einem Fenster stehen. Warum nur machten sie es ihm so schwer? Er wollte doch nur endlich eigene Entscheidungen treffen und seinen Weg gehen. Ohne Bevormundung. Weder durch Dumbledore noch Fudge.

Ein Grinsen zog sich über sein Gesicht. Dumbledore... Der hatte ihn zu sich rufen lassen, vor dem Frühstück noch, bei dem er seine gewählte Zukunft verkünden sollte. Der Schulleiter hatte ihn gefragt, mit was Severus ihn erpresst hatte.

Apropos Severus. Wie viel Uhr war eigentlich? Harry sah kurz auf seine Uhr und hastete dann sofort weiter.

Verflucht. Er hätte schon vor fünf Minuten bei ihm sein sollen. Wenn sein Meister etwas hasste – außer ihm unvorbereitet unter die Augen zu treten – dann war es zu spät zu kommen. Schnaufend stieß er die Tür zu dem privaten Labor auf, in dem er unterrichtet wurde.

«Du bist zu spät!»


Warum konnte Harry nicht ein einziges Mal rechtzeitig kommen? Weshalb beschleunigte sich sein Pulsschlag eigentlich? Nur weil dieser unpünktliche Ju...Mann keuchte? Und was zum Teufel hatte dieser Gedanke eigentlich in seinem Gehirn zu suchen?

'Er ist ein Schüler!', rief Severus sich innerlich zur Raison, 'Mein Novize um genau zu sein.'

«Wir fangen heute mit den Blutverdünnungstränken an.»

Der andere reagierte nicht, sondern starrte weiterhin den Holztisch.

«Harry...?»


Eine dunkle Stimme drang in seine Gedanken und ließ es ihm angenehm den Rücken hinunterlaufen. So hatte es seit seinem 'Ausrutscher' mit Cho nicht mehr geknistert. In diese Stimme konnte er sich durchaus ver...

«Potter!»

Ruckartig hob Angesprochener den Kopf und sah direkt in die schwarzen Augen Severus'. Der hatte sich auf dem Tisch mit den Händen abgestützt, das Gesicht nur Millimeter von dem seinen entfernt.

'Oh du liebe Güte.'

«Potter.»

Wieder diese absolut gö... grausige Stimme.

Trocken räusperte er sich. Seit wann hatte er das Gefühl, im Boden versinken zu müssen? «Ja?»

Eine schwarze, geschwungene Braue wurde in die Höhe gezogen, «Auch wieder aufgewacht?»

«Ja.», Harry hatte das Gefühl seine Wangen würden brennen, doch trotzdem hielt er dem Blick stand. Severus sah als erster weg. Er richtete sich auf und drehte sich zu seinem Pult um. Harry atmete auf. Sehr viel länger hätte er diesem intensiven Blick nicht mehr standgehalten.

«Severus?», ein wenig kratze es noch im Hals.

«Ja?» Erstaunte, schwarze Augen blickten ihn an.

«Ich komme nicht mehr zu spät.»

Ein Nicken war die einzige Antwort.

Der Unterricht ging weiter, und Severus kaute sämtliche Verdünnungstränke bis zum Erbrechen durch. Am nächsten Tag standen Blutverdickungstränke auf dem Programm.

Langsam kam Harry sich vor, als würde er ständig so schnell er konnte rennen, um doch nie das Ziel zu erreichen. Jede Woche wurde ein neues Thema aufgegriffen. Zuerst Tränke zur Ernährung von Ohnmächtigen, dann welche die Schwindel erzeugen konnten, Sinnverwirrungs – Tränke, einige die einen frösteln ließen, erwärmende Tränke, verschiedene Heilungstränke, Schmerz verursachende Tränke, Gegengifte zu einigen tödlichen Kräutern und jetzt Blutveränderungs – Tränke.

Miesepetrig stocherte Harry in seinem Frühstück herum. Langsam hatte er keine Lust mehr. Diese drei Monate hatten ihm klar gemacht, dass es alles andere als einfach sein würde, Meister zu werden.

«Morgen, Harry!», erstaunt blickte er auf. Und sah in Nevilles lachendes Gesicht.

«Morgen.», knurrte er und wollte damit fortfahren, seine Eier tot zustarren (die zum Frühstück natürlich!), als eine fremde Stimme sagte: «Du wirst Snape immer ähnlicher!»

Ruckartig sah Harry auf und fokussierte das Gesicht eines... Slytherins. Blaue, klare Augen funkelten ihn an. Schwarze, schulterlange und leicht lockige Haare umrahmten ein blasses Gesicht.

«Das sagt der richtige!», konterte Harry und sah zu Neville. Der nickte andeutungsweise und konnte einen leichten Rotschimmer nicht verhindern.

«Du musst Blaise sein, richtig?»

Nevilles Freund blinzelte überrascht und nahm dann die ausgestreckte Hand an.

«Neville hat schon von dir erzählt.»

«So.», ein kurzer Blick glitt zu Neville, der prompt noch röter wurde, «Was denn alles?»

Neville wollte etwas sagen, doch Harry kam ihm zuvor: «Soll ich dir das wirklich in der Großen Halle und am Gryffindor – Tisch erzählen?»

Blaise lachte, zog Neville an seine Seite und fragte dann: «Hast du Lust mit 'raus zu kommen? Wir haben zwei Freistunden.»

Harry öffnete den Mund um abzulehnen, ließ es aber dann doch, «Warum nicht? Ein bisschen Entspannung wird auch mir gut tun.»

Er stand auf, folgte dem Paar bis sie im strahlenden Sonnenschein am See Halt machten und legte sich lässig auf den Rücken. Als er die Augen wieder öffnete, grinste Neville ihn noch immer an und sagte dann: «Du solltest wirklich weniger lernen und dich mehr entspannen.»

«Das solltest du nicht Hermine hören lassen.», ein verwirrter Zug huschte über Harrys Gesicht, «Sie war ja zuerst begeistert, aber jetzt...», er schüttelte den Kopf und blinzelte gegen die Sonne an.

«Was hast du erwartet?», unerwartet und scharf klinkte sich Blaise in das Gespräch ein. Erstaunt blickte ihn Harry an.

«Wie meinst du das? So schockierend kann das doch auch nicht gewesen sein...?»

«Schockierend ist gar kein Ausdruck!», Blaise rollte mit den Augen über Harrys offensichtliche Naivität und auch sein Freund stimmte ihm zu: «Keiner hat erwartet, dass du Tränkemeister wirst. Jedem war klar, entweder Quidditch – Spieler oder Auror...»

«Und dann auch noch unter Snape.», fiel ihm der Slytherin ins Wort, «Ich meine, du als Gryffindor und Liebling von Dumbledore...»

«Dumbledore...», Harrys Stimme war kalt wie Eis und auch die Wärme der Sonnenstrahlen schien nicht mehr zu den Dreien durchzudringen, so als würde sie auf eine Wand treffen. Eine Wand aus Wut und mühsam kontrollierter Magie.

«Der Direktor...», er betone das Wort mit einem fremden Klang in der Stimme, «...ist mir egal. Ich bin weder sein Eigentum noch seine Marionette.», harte, seltsam leblose Augen blickten auf das Pärchen, «Und wenn er meine Entscheidung ändern möchte... diese Möglichkeit hat er seit meinem fünften Schuljahr verspielt!»

Blaise und Neville waren zu überrascht um etwas zu entgegnen, doch in den Augen des Gryffindors schimmerte Verständnis. Und Freundschaft. Leise fragte er: «Willst du es uns erzählen?»

Harry sah sie an und alles Fremde war aus ihm gewichen. Verunsichert streiften seine Augen, die jetzt wieder lebendiger wirkten, über die Umgebung. Niemand war in der Nähe.

«Vielleicht.», ein vorsichtiger Blick traf den Slytherin, doch dann lächelte Harry wieder, «Erzählt mir lieber, wie euer Unterricht ist. Ich kann ja nicht mehr kommen.», bedauernd schüttelte er den Kopf.

Neville ließ sich leicht ablenken und erzählte sofort, welche Ansicht sämtliche Lehrer in Schloss vertraten: Lernen bis zum Umfallen. Sogar einen Nervenzusammenbruch hatte es schon gegeben. Lisa Turpin war im Verwandlungsunterricht auf ihrem Stuhl in Ohnmacht und dann auf den Boden gefallen. Die Lehrer machten immer weiter Druck, und – das verriet Neville mit spitzbübischem Gesicht – das Gerücht ging um, Ronald Weasley wäre in der Bibliothek gesichtet worden. Ohne seine Freundin.

Blaise jedoch hielt sich weitgehend aus dem Gespräch heraus, überlegte verbissen vor sich hin ob die Gerüchte doch stimmen würden und musterte Harry sorgfältig.


Als Blaise an diesem Abend in den Slytherin – Gemeinschaftsraum zurückkehrte und sich neben seinen guten Freund Draco Malfoy setzte, dachte er noch immer über den Nachmittag nach.

Draco, der diese außergewöhnliche Abwesenheit interessiert beobachtete, fragte schließlich nach: «Heute so nachdenklich, Blaise.»

Endlich richtete sich dessen Aufmerksamkeit nicht mehr auf das Geschehene sondern auf den anderen Slytherin. Sie waren seit ihrer Kindheit befreundet, was von ihren Eltern begrüßt wurde. Blaise' Eltern hatten es sich in den Kopf gesetzt Draco mit seiner kleineren Schwester – die mit 16 Jahren nicht mehr ganz so jung war – zu verbinden, weswegen sich eine Freundschaft zwischen den beiden Erben nicht nachteilig auswirken würde. So kannte er den anderen gut und verstand auch die versteckte Aufforderung.

«Ja.», schnell überlegte Blaise und entschloss sich das Risiko eines explodierenden Dracos einzugehen, «Heute ist etwas interessantes geschehen.»

Die einzige offensichtliche Reaktion des Malfoy – Erben bestand aus einem Augenbrauenhochziehen. Doch Blaise bemerkte sehr wohl die plötzlich glitzernden Augen. Draco wollte immer alles Bemerkenswerte in Hogwarts wissen.

«Am Besten erzähle ich es dir in unsrem Zimmer.»

Er stand auf und ging zu den Treppen voraus ohne auf den Freund zu warten. Draco würde sich das nie entgehen lassen und ihm folgen. Was auch passierte. In dem Zweierzimmer angekommen ließen sie sich auf die Betten fallen.

«Es geht um Potter.», eröffnete Blaise das Thema ohne um den heißen Brei herum zureden. Wie erwartet zog Draco sofort ärgerlich die Augen zusammen und blaffte: «Das ist dein interessantes Erlebnis? Darauf kann ich wirklich verzichten!», immer wenn Harry Potter angesprochen wurde, reagierte der Malfoy so aufgebracht. Für seinen Teil vermutete Blaise, dass Draco schlichtweg verknallt war, aber er würde das ganz sicher nicht aussprechen. Schließlich hing er an seinem Leben.

«Beruhige dich, Draco.», er wartete ein wenig, doch der Angesprochene schnaubte nur, «Es ist wegen diesem Gerücht, das die Runde macht.»

«Potter und nicht hinter Dumbledore?», Draco hatte schon immer das Talent besessen, komplizierte Sachverhalte mit einem Satz auf den Punkt zu bringen, «Du glaubst doch nicht plötzlich diesen Spinnern, oder?», empört schüttelte er den Kopf, und so was nannte sich Zabini.

«Warte doch.», grinste Blaise seinen vorschnellen Freund an und begann zu erzählen. Einige Minuten später blickte Draco ihn nachdenklich an.

«Wenn deine Vermutung stimmt...», er beendete den Satz nicht, sondern starrte auf die Wand mit dem Slytherinwappen.

Auch Blaise ging seinen Gedanken nach. Wenn Harry nicht mehr hinter dem Direktor stand, könnte man ihn auf die dunkle Seite bringen. Oder zumindest auf eine Neutralität hoffen. Er verzog das Gesicht. Harry Potter und den dunklen Lord unterstützen? Dann doch eher die zweite Möglichkeit. Natürlich wäre auch...

«Professor Snape sollte das wissen.»

«Hä?», völlig überrumpelt blickte Blaise auf seinen Freund, der die Augen verdrehte.

«Wirklich, du solltest aufmerksamer sein. Ich sagte, Snape sollte das wissen.»

Langsam schaltete sich die Logik wieder ein und Blaise verstand, worauf Draco hinaus wollte. Stumm nickte er und folgte ihm zu dem Büro des Tränkemeisters.

Poch, poch.

Müde hob Severus den Kopf. Wer zum Teufel wollte ihn um halb Elf in der Nacht sprechen? Frustriert rieb er sich über die Nasenwurzel. Er hätte Harry nicht annehmen sollen. Es war mehr Arbeit als er gedacht hatte. Langsam aber sicher wuchs ihm das über den Kopf.

«Herein!»

Zu seiner Überraschung und seinem Ärger zugleich traten Blaise Zabini und Draco Malfoy durch seine Tür. Wenn diese beiden ihn sprechen wollten, dann war garantiert was im Busch.

«Was ist es diesmal?», nein, heute war nicht gut Kirschenessen mit ihm.

Malfoy sah ihn an und sagte direkt: «Potter.»

Eine Weile wartete Severus, ob noch etwas nachkam, dann fragte er genervt nach: «Was ist mit ihm?», verdrießlich fügte er hinzu, «Wenn es nicht wichtig ist dann...»

«Doch, doch.», hastig unterbrach ihn Zabini. Dann warf er Draco einen hilfesuchenden Blick zu und sagte: «Es ist wegen dem Gerücht...»

«Kommen Sie endlich auf den Punkt, Zabini!», fuhr ihn Severus wütend an. Er hatte um diese Uhrzeit wirklich keine Geduld.

«Ich war heute Nachmittag mit ihm und meinem Freund am See und das Gespräch ist auf Dumbledore gekommen.», Blaise holte hastig Luft, «Harry war überhaupt nicht begeistert von ihm. Er hat eiskalt geklungen und gesagt, Dumbledore sei ihm egal.», erleichtert, weil endlich hinter sich, blickte er den Lehrer an.

Doch Severus war in Gedanken weit weg und die Geduld der Schüler wurde auf eine harte Probe gestellt. «Ihr könnt gehen.»

Fassungslos standen die Beiden im Gang und konnten nicht fassen, dass überhaupt keine Reaktion gekommen war.

So, Harry mochte Dumbledore also nicht mehr? Das war interessant, dachte sich Severus und setzte sich nachdenklich in einen Sessel vor seinem Kamin. Die Schülerarbeiten und die Müdigkeit waren aus seinem Kopf verschwunden.

Um genau zu sein, das kam seinem Plan eigentlich sehr gelegen. Somit dürfte es leichter werden, Harry vollkommen hinter sich zu haben. Natürliche Antipathie zu unterstützen und zu verstärken war entschieden einfacher als sie erst zu erschaffen.

Er grinste vor sich hin. Wobei, da war doch noch eine Sache... was noch mal?

Plötzlich fiel es Severus wie Schuppen von den Augen. Der Pokal! Den hatte er doch vollkommen vergessen. Wie hatten Dumbledore und McGonagall noch mal beschrieben...?

Das ist nicht gut... und dieser Pokal... er sieht zu sehr nach einem Slytherin aus. Trotz den Rubinen, die eingearbeitet sind. Er ist Silber, hat einige Linien, die eindeutig nach Schlangen aussehen. Und auch der alte Goldrand macht mir Sorgen... es sieht so aus als würde ihn weitere Benutzung zerstören. Sieh, in den Steinen schimmert es in der Mitte grünlich...

Hm, das klang wirklich sehr nach einem Slytherin. Hatte Harry vielleicht doch in sein Haus gekonnt? Und warum war er es nicht? Viele Fragen und kaum Antworten, entschied Severus. 'Ich könnte ihn fragen.' Nein, er würde nicht antworten. Oder? Einen Versuch wäre es wert.

Seufzend stand er auf und ging nachdenklich in sein Bett. Doch einschlafen konnte er noch lange nicht. Severus dachte nach, und je länger er das tat, desto sicher war er: irgendwie müssten alle Puzzelteile zusammenpassen. Aber ihm wollte die Lösung einfach nicht einfallen.


A/N:
Reinadoreen
Tja, Harry der brave Gryffindor und Harry der Novize passen halt für die anderen einfach nicht zusammen... 'grins'

Heikeandrea
'lach' Es geht immer Sonntags weiter, das weißt du doch!

Ellen
Hey, hey! Schön zu sehen, dass sich mehr Leute trauen, ein Review zu hinterlassen. Tja, Neville weiß eben wie es ist, von allen verlassen zu werden.

R&R

Dreamdancer