Titel: Leere?
Genres: Drama, Sad, Romance
Warnings: Slash, Lemon (später) und anfangs Depri!Harry
Beta: Nici Black
Disclaimer: Alles -- Rowling, Idee -- Meine; bitte fragt wenn ihr euch was ausleihen wollt. Danke.

A/N: Fröhliche Weihnachten an alle! Erhaltet viele Geschenke und genießt die, hoffentlich, ruhigere Zeit.

Kapitel 11


Wieder einmal stand Harry in Severus' Labor und musste eine Knolle schälen und anschließen würfeln, für einen Trank der angeblich Fleischwunden verheilen ließ. Doch von Rote Beete-Knollen in Heiltränken hatte er noch nie etwas gehört. Er warf der dunkellila Wurzel mürrische Blicke zu.

Seit einiger Zeit musste er Severus' Launen ertragen, wenn irgendein Schüler wieder Mal irgendeinen Trank in die Luft gejagt hatte. Während seine Gedanken wanderten, schälte und schnitt er langsam die Wurzel.

Als ob es seine Schuld wäre, wenn Severus' Unterrichtsstil nicht gerade die Konzentration förderte. Aber er würde ihm das garantiert nicht sagen. Auch wenn Harry in letzter Zeit furchtbar flatterig wurde, stand Severus auch nur fünf Schritt entfernt! Entweder hatte er gewaltigen Schiss vor ihm oder er war gerade dabei sich zu verlieben...

Nur über seine Leiche.

Severus bewies ihm zwar, dass er ganz nett sein konnte aber zum verlieben reichte es garantiert nicht aus... Wer wollte schon diese Fledermaus. Kurz hielten seine Hände inne, dann fuhren sie wieder mit dem Schälen fort.

Selbst ein solcher Mensch wie Severus verdiente zu lieben. Und alle, die er bis jetzt gemocht hatte, starben... Wie mochte es dann erst für jemanden laufen, den er liebte? Weitaus schrecklicher. Er würde schon einen sehr sicheren Ort benötigen; Hogwarts jedenfalls war es nicht mehr.

Tot, wegen ihm...

Harrys Hände zitterten und seine Augen begannen sich mit Tränen zu füllen. Urplötzlich wurde die Tür zu den Kerkergängen aufgedrückt und ein vor Wut schnaubender Severus Snape betrat das Labor. Er schmiss seine Unterlagen auf einen freien Tisch und warf einen Blick auf Harrys Arbeit.

«Kannst du nicht einmal etwas richtig machen?»

Der Novize reagierte nicht sondern starrte auf seine Hände. Vor Schreck, die Tür aufschlagen zu hören, hatte er sich in die Finger geschnitten, aus denen nun Blut floss.

«Bei Merlin, was ist denn schon wie...»

Doch der Tränkemeister konnte nicht aussprechen, denn Harry schluchzte laut auf, ließ die Wurzel samt Messer fallen und sank auf den Boden.

«Meine Schuld, alles meine Schuld...», leise murmelnd presste der Schüler die Hände auf die Augen und begann am ganzen Körper zu zittern. Blut floss ihm über das Gesicht.


Severus stand daneben, war vor Schock starr und sah einige Sekunden lang nur zu. Dann entschloss er sich etwas zu tun. Irgendwas.

Er trat schnell zu dem bebenden Mann und ließ sich neben ihn auf den Boden sinken.

«Ich bin Schuld, wegen mir sind sie tot...»

Was zum Teufel meinte Harry? Der hob indessen den Kopf und stieß, einem Schrei ähnlicher als einer sinnvollen Anordnung von Buchstaben, ein Wort zwischen den zusammengepressten Lippen hervor: «Sirius...»

Harry fühlte sich noch immer verantwortlich...! Was konnte er nur tun? Einige Sekunden verharrte Severus noch untätig, dann fiel seine Entscheidung. Er musste jetzt etwas unternehmen.

Also rutschte er näher zu dem weinenden Bündel Mensch und schloss Harry kurzerhand in die Arme.


In seiner eigenen kleinen Welt versunken, bemerkte Harry kaum was er tat oder sagte. Die Gewissheit, für all diese Tode verantwortlich zu sein erschütterte schon lange seine Grundfesten und machte sich nun endlich Platz.

ER war schuld und niemand anderes. Nur er! Und er wollte auf keinen Fall für einen weiteren Verantwortlich sein. Lieber würde er sterben... oder seine Gefühle für immer verstecken. Völlig apathisch starrte er aus leeren Augen vor sich hin und registrierte die Umarmung nicht.

Auch, dass er von starken Armen vom Boden gehoben und in ein kühles Bett gelegt wurde, erfasste er nicht. Erst nach einigen Minuten nahm er die Worte wahr, die im schon länger ins Ohr geflüstert wurden.

«Du trägst keine Schuld... Schsch... Niemand ist wegen dir gestorben... Du bist unschuldig.», die Stimme war angenehm zu hören, entschied Harry und lauschte weiter diesen Silben, die für ihn nur zögernd an Sinn gewannen.

Zuerst fühlte er die streichelnde Hand an seinem Rücken, dann den Samt unter ihnen und schließlich die Wärme, die von der Brust, gegen die er gelehnt war, ausging. Langsam beruhigte er sich und kuschelte sich näher an den anderen; ihm war vollkommen egal wer ihn da tröstete. Hauptschache er würde nicht aufhören.

Harry dämmerte in die Stille und Erholung des Schlafes hinüber.


Severus hingegen konnte keinen Schlaf finden. Das Bündel Mensch in seinen Armen sorgte ihn. Er hätte nicht gedacht, dass Harry einen solchen Anfall bekommen könnte. Doch eigentlich war es vorauszusehen, erkannte er seufzend. Er hatte wohl noch immer nicht verarbeitet was geschehen war. Trotz des Gesprächs vor vier Monaten. Vielleicht sollte er ihn darauf ansprechen. Oder doch nicht?

Harry regte sich leicht, drängte sich näher an ihn und Severus hielt unwillkürlich die Luft an. Gleich darauf ärgerte er sich, warum sollte er atemlos sein, das war doch nur Potter, um Himmelswillen! Doch ein sehr anschmiegsamer Harry Potter stellte er fest, als Harry einen Arm um seine Hüfte legte.

Noch einmal schalt er sich im Stillen, dass sein Herz raste und sein Puls in die Höhe schoss. Nur Harry Potter, verdammt! Die Wut verrauchte schnell und Severus befasste sich mit den wirklich wichtigen Dingen. Zum Beispiel wie weich sich Harrys Haar an seinem Hals anfühlte...

'Aaarhg!'

Das war nun aber nicht von Bedeutung. Der streichelnde Atem gegen seine Haut schon... Frustriert wollte er sich durch die Haare fahren, erinnerte sich aber noch rechtzeitig an die Person in seinen Armen

Wie sollte er einen weiteren Kollaps verhindern? Egal, entschied Severus, als sich die zweite Hand gegen seine Brust legte. Endlich schlief auch er ein – mit fliegendem Puls und federleichten Herzen. Im Schlaf rückten die beiden Körper noch näher zusammen, als wollten sie einander nie mehr loslassen.

Als Harry aufwachte, bemerkte er als Erstes, dass es nicht sein Bett war, in dem er schlief. Genauso wenig gehörte ihm die atmende Brust, gegen die er gedrückt wurde. Von Händen die mehr auf seinem Hintern als auf seinem Rücken lagen, ganz zu schweigen. Und es war ihm auch herzlich egal, dass sich das Hemd schön auf seiner Haut anfühlte, nachdem ihm aufging wem es gehörte.

Severus Snape!

Er lag hier allen Ernstes so gut wie unter Severus und konnte sich an nichts erinnern? Das war nicht gut. Doch die Erinnerung an den letzten Abend kam und er begriff, was passiert sein musste.

'Ich bin zusammengebrochen und Severus muss mich in sein Bett gebracht haben.'

Wenigstens hoffte er, dass nicht mehr geschehen war. Obwohl der Gedanke ihn nicht mehr sonderlich störte, nachdem er sich wieder an den anderen gekuschelt hatte. Was dachte er da? Sex mit Severus? Gestern mussten schon einige Sicherungen durchgebrannt sein, wenn er so etwas auch nur in Betracht zog.

Aber wenn der Bauch unter diesem Hemd so gebaut war, wie er sich anfühlte, konnte es nicht sonderlich schlimm sein.

'Nein!', schrie sein Verstand mit aller Kraft. Er durfte nichts anderes für Severus fühlen als einfache Freundschaft. Sonst wäre er doch auch in Gefahr... oder?

Er wachte von dem Gefühl auf, dass jemand auf seiner Brust kleine Kreise zog. Ruhig blieb er weiter liegen, genoss ganz das Gefühl, das die Fingerspitzen von...

Blitzschnell öffnete er die Augen und sah pechschwarzes Haar. Kurzerhand wollte er zur Seite rücken, aber der zweite Arm auf seinem Rücken verhinderte das schon nach wenigen Millimetern.

Doch diese kleine Bewegung ließ die Fingerspitzen verschwinden. Ergeben seufzte Severus in Gedanken und lag wieder still, in der Hoffnung die Finger mögen zurückkehren. Dieses Gefühl war einfach zu angenehm gewesen. Einige Minuten wartete er und wollte sich schon bewegen als die Spitzen doch wieder anfingen, Kreise zu zeichnen.

Entspannung machte sich in ihm breit und das Kribbeln in seiner Brust wanderte durch seinen Bauch und dann tiefer. Wieder öffnete er die Augen. Was zum...

«Guten Morgen, Severus.»

Grüne, klare Augen sahen direkt in seine. Er brachte kein Wort heraus.

«Entschuldige wegen gestern Abend. Ich habe die Nerven verloren.»

Lange, schwarze Wimpern verdeckten ihm die Aussicht und wieder musste er gegen das Kribbeln in tiefen Regionen ankämpfen. Er musste jetzt etwas sagen! Rau räusperte er sich.

«Du musst dich nicht entschuldigen. Um ehrlich zu sein, ich bin froh, dass ich endlich weis was los ist. Wirst du mit mir darüber reden?»

Mit gehobener Augenbraue blickte er in diese unglaublichen Augen, die nun verlegen seinen auswichen. Ein Nicken und ein leises «Wenn du darauf bestehst, Severus.» waren das einzige was er als Antwort bekam.

«Gut, dann können wir ja jetzt aufstehen?»

Er wartete auf eine Reaktion, doch Harry sah ihn einfach nur mit großen Augen an.

«Dazu müsstest du mich loslassen, Harry.»

Errötend hob der den Arm von seiner Hüfte und Severus lief ein kleiner Schauer den Rücken hinunter, den er nicht wirklich einzuordnen vermochte. Er stand auf, drehte sich um und sagte zu dem, noch immer im Bett liegenden Harry: «Ich glaube wir lassen den Unterricht bis zum Mittagessen besser sein.»

Stumm nickte Harry und krabbelte ebenfalls aus dem Bett. Die katzenartigen Bewegungen die er dabei machte, ließen Severus nicht gerade an Unterricht im herkömmlichen Sinn denken, darum wandte er sich hastig der Badezimmertür zu. Er brauchte jetzt unbedingt eine Dusche. Und zwar eine eiskalte!


Harry tat es ihm gleich und trat ebenfalls unter das kühlende Nass; allerdings in seiner eigenen Dusche.

Er hatte ihn einfach berühren müssen. Wie ein unsichtbarer Zwang hatte er die Finger gehoben und den schwarzen Stoff berührt. Er konnte es nicht lassen, bis er bemerkte, dass Severus wach war, da hatte er dann die Unsicherheit wegen seiner Berührungen mit einem 'Guten Morgen' überspielt.

Gedankenverloren strich er mit dem Daumen über seine Fingerspitzen. Was war nur in ihn gefahren?

Dann schüttelte er energisch den Kopf und sagte sich selbst, niemals wieder Gefühle, die über Freundschaft hinausgingen, zuzulassen. Mit diesem Gedanken verließ er das Bad, um sein Frühstück, vorsichtshalber in seinen Räumen, zu genießen. Und hoffentlich nicht mehr an dieses Gefühl zu denken, dass in seinem Bauch herumgeisterte und ihn so fahrig machte.

Ärgerlich schmiss er das Handtuch auf den Boden.

Er sollte sich nicht ständig über seinen Meister nachdenken. Oder vielleicht doch. Vor allem musste er überlegen, was er tun sollte wenn Severus ihn über den Zusammenbruch ausfragen würde. Die Wahrheit? Dass er niemanden Lieben durfte, weil jeder, den er mochte, zum Tode verurteilt war? Nein, das konnte er ihm nicht sagen!

Verzweifelt kaute Harry auf seinen Lippen. Er wusste absolut nicht, was er tun oder sagen sollte. Vielleicht übernahm Severus die Initiative. Er seufzte. Dass er diesen Augenblick auch noch mal erleben durfte; Harry Potter will dass Severus Snape etwas tat.

Wieder musste er Seufzen.


Eigentlich hatte Severus ja vorgehabt, mit der ganzen Sache zu warten. Aber jetzt, nach der Dusche, waren seine Gedanken kristallklar und die liebe Logik sagte ihm eindeutig, noch heute darauf zurückzukommen. Manchmal hasste er die Logik wirklich – und wünschte sich einmal völlig sinnlos zu Handeln. In der Sekunde danach schalt er sich einen Narren.

Nun, jedenfalls stand er jetzt schon seit fünf Minuten vor Harrys Portrait und hatte noch immer nicht angeklopft. Hoffentlich sah ihn kein Slyhterin. Endlich überwand er sich. Und keine Antwort kam.

Ungeduldig wiederholte er das Klopfen. Wieder keine Reaktion. Nun, dann eben ohne Höflichkeit.

«Serpens Aeterna!», bellte er und trat dann sofort ärgerlich durch die Öffnung. Und blieb überrascht stehen.

Harry saß vor seinem Frühstück, das völlig unberührt aussah, und biss sich auf die Lippen. Verblüfft stellte Severus fest, dass diese Lippen einladend schimmerten. Er schüttelte den Kopf. Dafür war er nicht hergekommen.

Er trat näher an seinen Schüler heran und bemerkte, dass Harry vollkommen in Gedanken versunken war und nur auf seinen, mittlerweile kalten Toast starrte.

Ein fieses Lächeln schlich sich um Severus' Mundwinkel. Er positionierte sich links neben Harry und sagte laut und deutlich in sein Ohr: «Guten Morgen!» Die Reaktion war erstaunlich.

Harry fuhr wie von Sinnen auf, sprang auf die Füße, zog seinen Zauberstab und sah Severus. Daraufhin lies er den Holzstab fallen als er zusammenzuckte und lief so schnell rot an, dass sich der Tränkemeister wunderte, wo all das Blut abgezogen wurde.

Offenbar vom Hirn, denn Harry fing an zu stottern: «Se..ever..us, wa..has...», schließlich verschluckte er sich vor lauter Hast und musste Husten. Sich leicht vorbeugend, da sich seine Bauchmuskeln zusammenzogen, entdeckte er seinen Zauberstab am Boden und bückte sich prompt. Von dort unten sah er auf.

Severus selbst hatte sich köstlich amüsiert, bis ihm die Luft ausging, als er seinen Novizen so aufschauen sah. Eine seltsame Atemlosigkeit zwang ihn dazu, durch den Mund zu atmen und Beklemmung machte sich in seiner Brust breit. Er wollte das Gefühl gerade abschütteln, da stand der Kniende auf. Er stand nur Zentimeter von ihm entfernt. Er konnte Harrys Geruch wahrnehmen und sein Pulsschlag verdoppelte und verdreifachte sich und wollte sich einfach nicht mehr einkriegen.


Als Harry am Boden kauerte und hochsah, bemerkte er das seltsame Schimmern in Severus' Augen und sein leichtes Keuchen. Er stand auf um zu fragen und wurde gefesselt vom Ausdruck seines Lehrers. Mit leicht geöffnetem Mund, zitternden Lippen und glänzend schwarzen Opalen stand er ihm gegenüber.

Harrys Atmung beschleunigte sich und er meinte sein Brustkorb müsste zerspringen so schnell schlug sein Herz. Noch immer sah er in Severus' Augen und konnte sich nicht losreißen. Stille breitete sich zwischen Ihnen aus. Dann, laut und erschreckend, klopfte es am Portrait. Beide sahen gleichzeitig zum Bildrücken.

Als wäre er eine andere Person, hörte Harry sich «Herein.» sagen.


Neville wollte Harry besuchen, doch das vergaß er sofort bei dem Bild das sich ihm bot. Snape und Harry standen nebeneinander und nur Millimeter voneinander entfernt hinter dem Tisch und sahen ihn an. Beider Augen glitzerten feucht. Leichte Röte zog sich über Harrys Wangen und sogar Snapes Haut zeigte den Anflug von Farbe.

Der Gryffindor musste grinsen. Da hatte es wohl jemanden erwischt. Und er platzte natürlich genau im falschen Moment herein.

«Entschuldigung.»

Er hatte zwar schon alles zerstört, aber noch länger wollte er nicht stören. Er drehte sich um und kletterte wieder auf den Gang. Lächelnd beschloss er, Blaise einen Überraschungsbesuch abzustatten.


Wie aus einer Trance wachte Severus auf, und erfasste sofort, dass etwas schief gegangen war. Abrupt verließ er Harrys Räume und ging in seine eigenen. Dort begann er auf und ab zu gehen. Vom Kamin zum Bücherregal. Immer und immer wieder. Und seine Gedanken wirbelten nicht minder verwirrt herum.

Was zum Teufel war da passiert? Hatte er wirklich minutenlang Harry angestarrt und sich nicht lösen können? Von Sprechen ganz zu schweigen. Warum klopfte sein Herz so hart und schnell gegen sein Rippen? Warum war er außer Puste, als hätte er einen Marathon gelaufen? Wegen Harry?

'Nein, garantiert nicht. Nicht wegen meinem SCHÜLER!', ermahnte er sich selbst und ignorierte die kleine Stimme in seinem Hirn, die ihm zurief er wäre verliebt. Am liebsten würde er seinen Kopf gegen die Wand geschlagen, so aber begnügte er sich mit einem wütendem Schlag sämtliche Papiere von seinem Schreibtisch zu wischen und sich dann unzufrieden in einen Sessel fallen zu lassen.

Leise raschelten hinter ihm die Blätter. Bis auf dieses Geräusch war der Raum still. Erschreckend still und leer.

«Nein. Ich. Bin. Nicht. In. Harry. Verliebt.»


Eben jener war zusammengezuckt, als Severus so schnell, fast fliehend, seine Räume verlassen hatte. Hart und schmerzhaft pochte sein Herz in seiner Brust. Ein fast körperliches Gefühl von Verlust machte sich in ihm breit. Und Harry wusste mit einem Mal, was das bedeutete. Er hatte dasselbe gefühlt, als sein Pate in den Vorhang gefallen war.

'Ich liebe ihn.'

Harrys Schultern sackten nach unten und seine gesamte Haltung drückte Aussichtslosigkeit aus. Er konnte nicht länger in diesem Raum sein, nicht wenn noch vor Sekunden an dieser Stelle Severus gestanden hatte. Er trat durch das Portrait und lief durch Hogwarts, ohne zu sehen wohin er ging. Schließlich fand er sich am See wieder. Dort wo er schon gesessen hatte. Damals, als er morgens aufgewacht war und überall Blut gesehen hatte. Wortlos setzte er sich.

Lange Zeit hatte er auf die glatte Wasseroberfläche gesehen. Er dachte nach. Über Dinge, die er sich selbst geschworen hatte und die ihm nun unmöglich erschienen. Er selbst hatte noch gestern gesagt, seine Liebe niemals zu zeigen. Doch jetzt...

Harry erinnerte sich an die Gefühle, mit denen er heute Morgen aufgewacht war – aufgewacht in Severus' Armen und Bett. Geborgenheit, Sicherheit und einen Frieden, der ihm nun nicht mehr möglich war. Diese Gefühle wollte er nicht mehr missen und doch verunsicherten sie ihn gleichzeitig. Sollte er sie zeigen oder nicht? Severus in Gefahr bringen oder nicht? Natürlich nicht, aber er wollte, sehnte sich so danach.

«So wie du Stöhnst, muss jemand gestorben sein.»

Überrascht fuhr Harry hoch. Das war jetzt schon das zweite Mal! Dann erkannte er Neville. Der ganz blass war.

«Tut mir leid. Du hast mich erschreckt.», sagte Harry und senkte seinen Zauberstab.

«Du hast gute Reflexe.», lächelte der jetzt nicht mehr ganz so bleiche Mann. Harry schnaubte.

«Das rettet mich auch nicht vor Dummheiten.», trübsinnig starrte er wieder auf die Uferböschung.

Neville ahnte was Harrys Stimmung ausgelöst hatte, aber er verstand nicht warum. Eigentlich müsste er doch vor Glück strahlen, «Wovor hat es dich nicht gerettet?», da musste er wohl Amor spielen.

«Vor mir selbst.»

«Was?», verblüfft musterte der Gryffindor seinen Freund. Harry warf ihm einen mürrischen Blick zu.

«Das hast du doch gesehen.»

«Aber was ist daran so schlimm, dass ihr euch geküsst habt?»

Mit weit aufgerissenen Augen sah Harry ihn an. «Wir haben uns nicht geküsst! Wie kommst du darauf?», fügte er dann misstrauisch hinzu.

«Na, ihr habt so ausgesehen.», lachte Neville und beschrieb, wie er es gesehen hatte.

Daraufhin sah der andere ihn lange an. Schließlich begann er zögernd: «Das muss jetzt unter uns beiden bleiben...»

«Ich verspreche es.»

«Ich darf nichts mit Severus haben. Oder ihn überhaupt lieben.», Sehnsucht hatte sich in Harrys Stimme geschlichen, doch Neville sah ihn erschrocken an.

«Warum denn nicht?»

«Weil...», Harry unterbrach sich kurz und warf dann alle Zweifel über Bord. Er hatte Neville schon einmal vertrauen können. «Weil alle, die mir nahe stehen in Gefahr sind. Wie wird es Severus dann ergehen, wenn ich mit ihm zusammen bin?», verzweifelt sah er Neville an.


Der musste zuerst fassen, was er da gehört hatte. Harry dachte, dass er den Tod brachte. Das erschütterte den leicht tollpatschigen Gryffindor. Natürlich waren alle gefährdet, die etwas mit ihm zu tun hatten, aber das hieß noch lange nicht, dass Harry Schuld war.

Doch plötzlich machte alles Sinn und Neville ging ein ganzer Kronleuchter auf. Sirius' Tod musste das ausgelöst haben. Harry hatte sich von allen abgesondert, damit er niemanden in Gefahr brachte! Aber warum hatte er sich dann wieder mit ihm angefreundet? Daran musste er ansetzten.

«Harry, dann bin ich auch in Gefahr.», verwirrt blickte Angesprochener auf den anderen.

«Und Blaise ist es auch. Und ganz Gryffindor. Dumbledore, die Lehrer. Und Snape auch.», Neville sah in Harrys schneeweißes Gesicht, «Er ist sowie so gefährdet. Weil du sein Novize bist!»

«Aber...aber dann...», stotterte Harry. Seine gesamte Welt brach zusammen. Musste er wieder so einsam sein, wie in den letzten zwei Jahren?

«Aber...», und jetzt spielte Neville seinen letzten Trumpf aus, «du kannst ihn schützen.»

«Schützen...?», langsam wiederholt der Grünäugige das Wort.

«Ja. Schützen.», überzeugt nickte der Gryffindor, «Wenn du in seiner Nähe bist, kannst du ihn doch besser beschützen, als wenn du ihn wegstößt.» Neville betete zu allen Göttern die er kannte, dass Harry das annahm.

«Aber... ich kann doch nicht mit zu Voldemort...», Neville zuckte zusammen, doch er fasste sich schnell. Er durfte jetzt nicht die Kontrolle verlieren. Wenn sich Harry in seiner Verzweiflung eingrub, konnte er nichts mehr machen.

«Der war in letzter Zeit sowie so sehr still. Frag Snape doch einfach.»

Erstaunt sah Harry auf seinen Freund. Ja... das konnte er doch machen, oder? Er räusperte sich.

«Danke, Neville. Ich gehe jetzt schlafen.», damit stand er auf und ging.

Und der Angesprochene wunderte sich, warum Harry schon Nachmittags ins Bett gehen wollte.


A/N:

heikeandrea
Sorry, da kann man nichts machen. Im Gegenteil, genieß es doch! Du kannst immer sicher sein, dass du nicht wochenlang warten musst!

Reinadoreen
Deine Vermutung hat sich mal wieder als vollkommen richtig erwiesen. In den nächsten Kapiteln nähert es sich dem Showdown...

Ella
drück dich

R&R

Dreamdance