4. Kapitel – Das Kapitel mit den meisten Konfrontationen

Parkplatz

Meredith sah verzweifelt auf die Uhr. Sie war definitiv zu spät dran. Trotzdem beugte sie sich abermals über den Beifahrersitz, da ihr Handy hinuntergefallen war. Keuchend streckte sie sich danach, doch sie bekam immer nur eine Ecke zu greifen und dann fiel es wieder hinunter. Frustriert richtete sie sich wieder auf. Ihr Blick fiel auf dem Seitenfenster. Natürlich musste sich Derek genau neben sie stellen. Kopfschüttelnd stieg sie aus ihrem Auto aus.

„Du bist spät dran." Verkündete Derek mit einem Grinsen im Gesicht.

„Und sie auch Dr. Shepherd." Meredith wollte schon ihr Auto zusperren, doch die Tatsache, dass ihr Handy noch immer unter dem Beifahrersitz lag wurmte sie zu sehr.

„Dr. Shepherd?" Er hob leicht die Augenbraue während er sich vor ihren Wagen stellte und auf sie wartete. „Sonst ist es Derek und heute ist es Dr. Shepherd?"

„Gibt es etwas dienstliches zu besprechen, Dr. Shepherd?" Sie sah erst gar nicht mehr zu ihm hinüber, da sie nicht weich werden wollte. Er hatte sie gekränkt und sie wollte eine ernst gemeinte Entschuldigung hören.

Derek runzelte die Stirn. Tief ausatmend schulterte er die Tasche seines Laptops. „Wegen unseres Gesprächs. Du bist mir immer noch böse?"

„Das wäre dann also nichts dienstliches, Dr. Shepherd." Erwiderte sie mit inzwischen deutlich genervter Stimme. Sie hatte die Beifahrertür vorsichtig geöffnet, da Derek sein Auto zu dicht an ihres geparkt hatte. Deswegen konnte sie das Handy nicht so einfach herausfischen wie sie es gehofft hatte.

„Ich nehme das als ein ‚ja, ich bin dir noch böse'." Erneut atmete er tief durch. „Wir haben beide Sachen gesagt, die nicht richtig waren."

„Irrtum. Meine Sachen waren richtig und du hast dich falsch verhalten." Endlich hatte sie ihr Handy in der Hand. Ein Lächeln huschte ihr über das Gesicht, auch wenn sie es schnell wieder verschwinden ließ, da sie Derek keine Angriffsfläche bieten wollte.

„Du hast Recht und ich nicht?" Derek sah sie verwundert an. Kopfschüttelnd sah er auf die Uhr. „Sie sind spät dran, Dr. Grey." Das Scheppern zweier gegeneinander geschlagener Bleche ließ ihn aufsehen. Kombiniert mit einem Kratzgeräusch führten ihn seine Beine ohne große Überlegung um das Auto herum.

Meredith stand mit einem verärgerten Gesichtsausdruck und der Hand an ihrer Autotür neben ihrem Wagen. Als Derek sich ihr gegenüberstellte, ließ sie ihre Autotür zufallen und sperrte danach die Tür ab. „Sie sollten nicht so eng parken. So können leicht Unfälle passieren." Schnaubend stieß sie Derek zur Seite, der ihr mit großen Augen hinterher sah.

Im Krankenhaus - Bei den Aufzügen

Izzie betrat das Krankenhaus und ging direkt auf die Aufzüge zu. Während sie geduldig davor wartete, bis der nächste kam, zog sie einen kleinen Spiegel aus der Tasche und prüfte, ob ihr Make Up in Ordnung war. Es war das erste Mal, dass Izzie sich überhaupt schminkte. Aber sie hatte schnell mitbekommen, dass man schnell zum Außenseiter wurde, wenn man sich nicht anpasste. Aber wenn sie wirklich ehrlich zu sich selber war, dann tat sie es für Alex Karev. Sie wusste nicht, wieso sie für ihn schön sein wollte, schließlich war er verheiratet und schien sie überhaupt nicht als weibliches Wesen wahr zu nehmen. Wenn man es genau nahm, dann nahm er sie nicht einmal als Kollegin wahr. Sie hätte nackend vor ihm her laufen können, und er hätte wohl nur müde mit den Schultern gezuckt und sie in die Geheimnisse der Misgav-Ladach-Methode, den sanften Kaiserschnitt, eingeweiht. Izzie war so in ihre Gedanken vertieft, dass sie nicht mitbekam, dass sich jemand hinter sie gestellt hatte, der ebenfalls auf den Aufzug wartete.

„Spieglein, Spieglein, an der Wand ..."

Izzie wusste selber nicht, wieso sie plötzlich erschrocken zusammenzuckte und dabei der kleine Spiegel ihren Händen entglitt. Vielleicht war es die Tatsache, dass der Mann, über den sie gerade so intensiv nachgedacht hatte, direkt hinter ihr stand. Oder vielleicht lag es auch daran, dass genau im selben Moment der Aufzug hielt und die Türen auseinander glitten. Sie schloss kurz die Augen und versuchte das klirrende Geräusch zerbrechenden Glases zu ignorieren.

„Mein Gott, können sie eigentlich nichts festhalten?" Kopfschüttelnd sah er sie an.

Izzie spürte Hitze in sich aufsteigen. Wieso mussten ihr immer in seiner Nähe diese Missgeschicke passieren? Aber vielleicht war er ja auch der Grund dafür, wieso ihr dann alles aus den Händen glitt. Alex bloße Anwesenheit machte sie nervös. Sie bückte sich nach den Scherben, um sie aufzusammeln, als er ihren Arm ergriff und sie wieder hochzog.

„Lassen sie es liegen!" sagte er im Befehlston. „Bei ihrem Glück schneiden sie sich noch die Pulsadern auf und verbluten im Flur!" Er zog vielsagend die Augenbrauen hoch. „Apropos Glück ..." Er schaute auf den Scherbenhaufen herab. „Das bedeutet 7 Jahre Pech."

Widerstrebend ließ sie sich von ihm in den wartenden Aufzug schieben und schaute ein letztes Mal auf ihren zerborstenen Spiegel, bevor sich die Türen schlossen. „Ein anderer könnte sich daran verletzen", murmelte Izzie.

„Andere machen einen Bogen darum oder benutzen die Treppe", bemerkte er trocken. "Sie dagegen ..." Er ließ den Satz offen und stieß stattdessen einen leisen Seufzer aus.

Izzie öffnete den Mund, um etwas darauf zu entgegnen, doch sie entschied sich dann anders. Ganz offensichtlich hatte er seine Meinung über sie schon gebildet. Und die war wenig schmeichelhaft. Während der Aufzug nach oben fuhr, sah sie ihn verstohlen von der Seite an. Sollte sie beunruhigt sein? Er stand direkt neben ihr, so nahe, dass sich ihre Arme beinahe berührten. Der Duft seines Aftershaves stieg ihr in die Nase, und sie fühlte sich wieder willen erregt. Sie schaute auf die Anzeige. Für einen Moment stellte sie sich vor, wie es wäre, wenn der Aufzug nun stecken bleiben würde. Schon alleine der Gedanke daran ließ sie schwindelig werden. Wenn sie solche Situationen in Zukunft nicht meiden würde, würde sie wahrscheinlich irgendwann über ihn herfallen. Ein furchtbarer Gedanke. Zumal sie sich schon lebhaft die Konsequenzen ausmalen konnte.

„Wir sind da." Er wartete, bis der Aufzug gehalten hatte und machte dann eine Geste, dass sie aussteigen sollte.

Mit unsichereren Schritten verließ Izzie den Aufzug und ging dann zum Umkleideraum hinüber. Hektisch zog sie sich um. Im OP Hemd und dem Kittel darüber fühlte sie sich schon wesentlich gefestigter, ihm gegenüber zu treten. Irritierend war jedoch sein prüfender und zugleich kritischer Blick, mit dem er sie ansah.

„Was ist, sitzt meine Nase schief im Gesicht?" Sie war selber erstaunt über ihren Mut, ihn so direkt zu konfrontieren. Womöglich besaß der Kittel Zauberkräfte, der sie Dinge sagen ließ, die sie sich sonst nicht getraut hätte.

Er ging einen Schritt auf sie zu und hob beide Hände auf Geschichtshöhe. „Darf ich?"

Izzie nickte mechanisch. Sie hatte keine Ahnung, was er vorhatte. Aber der Gedanke, dass er sie vielleicht gleich berühren würde, jagte ihr Schauer über den Rücken. Angenehme Schauer.

Alex legte seine Hände seitlich an Izzie's Brillenbügel und zog ihr die Brille dann vorsichtig von der Nase. „Viel besser", sagte er nickend, nachdem er sie eingehend betrachtet hatte. Er drückte ihr die Brille in die Hand und wandte sich zur Tür. „Worauf warten sie denn noch?" sagte er ungeduldig. "Wir haben gleich eine OP." Ohne ihre Antwort abzuwarten verließ er den Umkleideraum.

Izzie stand da wie betäubt, während sie auf die Brille in ihrer Hand starrte. Der Mann verwirrte sie. Noch vor 24 Stunden hatte sie über ihn gesagt, dass er ein totaler Gefühlskrüppel war. Doch nun war sie sich nicht mehr ganz so sicher. Kopfschüttelnd setzte sie ihre Brille wieder auf und eilte ihm dann nach.

Waschraum

Derek war sich nicht sicher. Er war sich nicht sicher, ob es sicher war mit Meredith zusammen im OP zu stehen. Und zwar sicher für ihn. Sämtliche Blicke ihrerseits, die in seine Richtung geworfen wurden, wären tödlich gewesen, wenn Blicke tatsächlich töten könnten. Seufzend ließ er Wasser über seine Hände laufen. Gerade als er zur Seife greifen wollte, wurde die Tür zum Waschraum aufgestoßen. Meredith sah ihn nur kurz an, bevor sie sich einen Mundschutz griff und ihn umband. Danach begann sie ebenfalls, Wasser über ihre Hände und Unterarme laufen zu lassen.

„Wird eine lange OP werden." Derek fand es selber albern, ein Gespräch auf diese Art zu beginnen, aber eine zerbeulte Autotür am Tag reichte ihm vollkommen.

Meredith zog es vor, ihn zu ignorieren. Statt auf seinen sinnlosen Kommentar zu antworten, schrubbte sie härter, so dass die Seife schnell schaumig wurde.

„Ich bin froh, eine erfahrene Assistenzärztin dabei zu haben. Da kann ich auch schon mal Arbeit abgeben." Das war nicht nur albern, sondern erbärmlich. Derek hätte sich selber am liebsten gegen den Hinterkopf gehauen, doch dann müsste er erneut anfangen sich zu waschen, was er nicht wollte.

Auf Dereks peinlichen Versuch, sich einzuschleimen drehte Meredith den Kopf zu ihm hinüber und musterte ihn kurz. Mit den Schultern zuckend wandte sie sich wieder ab und widmete sich vehement ihren Unterarmen.

„Ein Gespräch wird dann zum Gespräch, wenn mindestens zwei Personen miteinander sprechen." Er beugte sich zu ihr hinüber. „Und wie der Zufall es so will. In diesem Raum befinden sich zwei Personen."

Meredith runzelte die Stirn und sah sich dann im Waschraum um. Als letztes sah sie wieder zu Derek hinüber und verdrehte die Augen.

„Aha. Du willst nicht mit mir reden." Er nickte dabei mit dem Kopf. „Du lässt lieber Bleche miteinander reden."

„Nein, ich hätte dich auch gerne überfahren, aber ich war spät dran." Mit einem letzten Blick zu Derek beendete sie ihre Tätigkeit und ging in den OP Saal.

Derek sah ihr hinterher. Mit hängenden Schultern folgte er ihr schließlich. Er wusste es besser und sagte erst gar nicht, dass das ein Grund sein könnte, warum er lieber mit Männern zu tun haben wollte als mit Frauen.

Im Krankenhaus - Cafeteria

Mit einem unwohlen Gefühl im Bauch und feuchten Händen öffnete George die Tür zur Cafeteria und schaute sich um. Er sah sie sofort, denn sie hatte sich einen Tisch genau in der Mitte ausgewählt. Als sie ihn hereinkommen sah, verzog sie leicht den Mund und machte eine Geste, dass er sich zu ihr setzen sollte.

„Du hast mich angepiept?" Er räusperte sich, um seiner Stimme mehr Festigkeit zu geben.

„Ja." Sie schlug die Beine übereinander und sah ihn mit ihren großen dunklen Augen an. „Wir müssen reden, George!"

Das war der Moment, vor dem er sich die ganze Zeit gefürchtet hatte. Er hatte keine Ahnung, wie sie es herausgefunden hatte. Aber anscheinend war er nicht diskret genug gewesen. Besonders Sexgeschichten sprachen sich im Krankenhaus herum wie ein Lauffeuer.

„Ich ... es ist nicht so, wie du denkst", versuchte er sich zu verteidigen, obwohl sie ihn noch nicht einmal mit der Wahrheit konfrontiert hatte.

„Wovon zum Teufel redest du?" Sie zog verwirrt die Augenbrauen nach oben.

„Wovon redest du denn?" Vielleicht war es taktisch klüger, erst einmal den Unwissenden zu spielen, ging ihm gerade noch rechtzeitig durch den Kopf.

„Ich rede davon, dass ich nächstes Wochenende zu meinen Eltern fliegen werde." Sie hatte ihre Augenbrauen immer noch zusammengezogen und sah ihn misstrauisch an. „Und wovon redest du?"

George lächelte nervös. „Schon gut. Das ist nicht so wichtig." Erst jetzt wurde ihm bewusst, was sie gerade gesagt hatte. „Du willst verreisen?" fragte er erstaunt. „Zu deinen Eltern? Und was ist mit Benji?"

„Ich nehme ihn natürlich mit." Sie richtete sich weiter auf, um ihre Überlegenheit in dieser Sache zu demonstrieren.

„Auf keinen Fall!" Seine Augen verdüsterten sich.

„George, er ist ihr Enkel! Sie haben ihn seit einem Jahr nicht mehr gesehen", sagte sie so ruhig wie möglich.

„Seit wann haben Großeltern mehr Rechte als Väter?" Er straffte ebenfalls seine Schultern.

„Du kannst ihn immer haben."

„Aber ich habe ihm versprochen, dass wir dieses Wochenende in den Zoo gehen."

„Dann geht ihr eben ein anderes Mal." Sie konnte nicht verstehen, dass er so stur war. „Es macht doch wohl keinen Unterschied ob dieses Wochenende oder in einem Monat." Sie verdrehte genervt die Augen.

„Für Benji schon", beharrte er trotzig.

„Er ist dreieinhalb Jahre alt, George! Er tut noch, was man ihm sagt." Sie seufzte und strich sich eine dunkle Haarsträhne aus der Stirn. „Mein Gott, muss ich eigentlich mein ganzes Leben lang für diesen einen Fehler bezahlen?" entfuhr es ihr.

„Du nennst unseren Sohn einen Fehler?" Er sah sie empört an.

„Nein." Sie schüttelte den Kopf, dass ihre Locken flogen. „Dich habe ich damit gemeint! Wenn ich mich damals nicht auf dich eingelassen hätte, dann wäre ich nicht schwanger geworden."

„Du meinst wohl, dass es ein Fehler war, mir zu verschweigen, dass du nicht verhütest?" drehte er den Spieß um.

„Ach jetzt bin ich also Schuld?" fuhr sie ihn wütend an. „Zum Schwangerwerden gehören immer noch zwei!"

Sie hatte ihre Stimme so laut erhoben, dass bereits einige der anwesenden Ärzte und Schwestern auf die Streithähne aufmerksam wurden und anfingen zu tuscheln.

„Callie ... zügele dein Temperament!" George hatte sich blitzschnell über den Tisch gebeugt und ergriff ihren Arm. „Ich bin nicht hier, um mit dir zu streiten. Ich möchte nur, was das beste für Benji ist", sagte er etwas ruhiger und sah ihr in die Augen.

„Ach so, und du glaubst, dass es nicht das beste ist mit seiner Mutter zusammenzusein?" fragte sie im provokanten Tonfall.

„Das habe ich doch gar nicht gesagt." Er rollte genervt mit den Augen. „Ich möchte nur nicht, dass du dieses Wochenende fliegst." Er ließ ihren Arm los und sah sie bittend an.

„Es tut mir leid, George, aber ich habe bereits den Flug für Benji und mich gebucht." Sie versuchte, seinem Blick standzuhalten. „Meine Eltern haben mir angeboten, dass wir drei Wochen bleiben können. Und ich habe bereits meinen Urlaub bei Dr. Bailey eingereicht. Sie ist einverstanden."

Er sah sie mit einem fassungslosen Blick an. „Du hast das einfach so entschieden, ja?"

Sie nickte.

Er wusste, dass er nichts mehr ausrichten konnte. Wenn Callie sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann setzte sie es bis zum letzten Atemzug durch. „Darf ich ihn wenigstens nochmal sehen?"

Callie kämpfte mit dem Kloss, der sich in ihrem Hals gebildet hatte. „Ich halte das für keine gute Idee."

„Ich verstehe." Er versuchte sich nicht anmerken zu lassen, wie weh ihm der Gedanke tat, seinen Sohn drei Wochen nicht sehen zu können. „Dann gibt es wohl nichts mehr zu sagen." Er schob den Stuhl zurück und stand auf. „Guten Flug!" presste er noch schnell hervor bevor er sich umdrehte und eilig Richtung Ausgang ging.

Callie sah ihm mit brennenden Augen hinterher. Sie fühlte sich mies, so mies, wie schon lange nicht mehr. Leise stöhnend stützte sie die Ellenbogen auf dem Tisch auf und ließ ihr Gesicht hinein fallen.

Galerie

Meredith öffnete die Tür zur Galerie. Da Cristina ihr den ganzen Morgen schon von ihrer spannenden OP erzählt hatte, die ein Meilenstein in der Geschichte der Herz-Thorax Chirurgie werden würde, konnte Meredith nicht anders und sie musste dem beiwohnen. Da Cristina wohl nicht nur ihr etwas gesagt hatte, sondern einen Aushang am schwarzen Brett getätigt haben muss, war die Galerie voll besucht. Sie suchte in dem Raum nach Mark, der ihr versprochen hatte, einen Platz frei zu halten. Kaum hatte sie ihn gefunden, verdunkelte sich ihre Miene, da Derek ebenfalls die OP verfolgen wollte. Mürrisch drängte sie sich bis zu ihrem Platz.

„Immer noch dicke Luft?" Mark sah von Derek zu Meredith und dann wieder zu seinem Freund.

„Mit so einem Dickkopf wie ihr ist das kein Wunder." Murmelte Derek vor sich hin, doch er konnte aus den Augenwinkeln Merediths verärgertes Gesicht sehen.

„Ich würde es eher so sagen, dass wenn ich ohnehin nur dumme Gedanken habe, ich besser nichts sage." Meredith lehnte sich zurück und beobachtete Cristina, die in ihren letzten Vorbereitungen war.

„Besser wäre es." Murmelte Derek erneut und dieses Mal bewusst laut, so dass Meredith es hören musste.

„Ich höre nichts und ich sage nichts." Mit verschränkten Armen starrte Meredith nach unten.

„Ich höre dich reden." Entgegnete Derek mit einem schiefen Grinsen.

„Mark, würdest du Dr. Shepherd von mir ausrichten, dass ich nicht mit ihm geredet habe." Sie hatte Mark am Arm gepackt, so dass er sie ansehen musste.

„Derek, Grey will nicht mit dir reden." Gab Mark nach einer Weile weiter. Er war sich zwar nicht sicher, ob es für ihn gut war, zwischen den beiden zu sitzen, aber immerhin besser als die beiden aufeinander los zu lassen.

„Wenn sie nicht mit mir reden will, dann richte ihr bitte aus, dass ich ihr die Rechnung mit der Post zuschicken werde." Derek sah von Mark zu Meredith, die daraufhin leicht errötete, da ihr der kleine Wutausbruch vom Morgen so langsam dämlich vorkam.

„Rechnung? Was für eine Rechnung?" Mark sah zwischen den beiden hin und her.

„Sie hat mit ihrer Autotür mein Auto demoliert. Diese Rechnung." Klärte Derek auf, seine Augen noch immer auf Meredith gerichtet, die inzwischen angestrengt in den OP Saal blickte.

Marks Augen weiteten sich bevor er zu lachen anfing. Als er bemerkte, dass Derek keinen Scherz betrieb, sah er Meredith mit offenem Mund an. „Du hast sein Auto angegriffen?" Wieder fing er an zu lachen.

„Ich finde das nicht lustig." Derek schlug Mark gegen die Schulter, der inzwischen Tränen in den Augen hatte vor Lachen.

„Entschuldige, Derek. Aber so langsam wird es lächerlich zwischen euch beiden. Umarmt euch endlich. Ihr wollt euch doch gar nicht streiten." Wieder sah er zwischen den beiden hin und her. Da keiner der beiden sich regte, schüttelte er frustriert den Kopf. „Okay, nachdem Grey den härteren Dickschädel hat. Derek würdest du ihr bitte sagen, dass es dir leid tut. Und es ist mir egal, was den Streit ausgelöst hat."

„Ihre dummen Ideen haben den Streit ausgelöst und ich werde mich nicht entschuldigen." Derek stand wütend von seinem Platz auf. „Vor allem nicht nachdem sie so gewalttätig ist."

„Das ist nicht hilfreich. Sag schön, Entschuldigung Meredith." Mark sah Derek mit einem verschmitzten Grinsen an, der aber nur den Kopf schüttelte. „Derek, ich weiß doch, dass du dich nicht streiten willst."

„Ich werde dann jetzt mein Auto in die Werkstatt bringen." Da er Mark keine Chance mehr geben wollte, darauf zu reagieren, stürmte Derek aufgebracht aus der Galerie.

„Na das lief doch super." Kopfschüttelnd sah Mark zu Meredith, die inzwischen noch tiefer gerutscht war, um den Blicken der anderen zu entgehen. Doch Marks starrer Blick gab ihr keine andere Wahl als wieder aufzusehen. „Darf ich fragen, was in euch gefahren ist?"

„Er beschuldigt mich, dass ich Schuld sei an seiner Krise, was seine sexuelle Orientierung betrifft." Erklärte Meredith flüsternd, da nicht jeder mitbekommen sollte, was los war.

„Du bist also daran Schuld, dass bei uns nichts mehr läuft." Mark drehte sich von Meredith weg, die ihn mit großen Augen anblickte.

„Oh nein, du nicht auch noch." Sie konnte nicht fassen, mit was für merkwürdigen Freunden sie gesegnet war. Zumindest brauchte sie so keine Feinde mehr. „Ich kaufe es Derek schon nicht ab, aber bei dir?"

„Du weißt, warum ich es mache." Mark lehnte sich seufzend zurück.

„Und es ist falsch." Sie sah ihn mit gerunzelter Stirn an. „Warum beendest du es nicht einfach, damit er zu Sinnen kommt."

„Wer sagt denn, dass ich keinen Gefallen daran habe?" Er sah sie mit einem breiten Grinsen an.

„Mark."

„Was, wenn ich nur alte College Tage wieder durchlebe?" Sein Grinsen wurde noch breiter. „Sei ehrlich. Du hast auch experimentiert und deine Mitbewohnerin kam dir sehr gelegen." Er musterte Meredith mit einem schiefem Grinsen. „Mir würde der Gedanke gefallen."

„Ich werde dieses Gespräch einfach beenden." Sie verschränkte die Arme vor der Brust und schüttelte energisch den Kopf. Mit einem vielsagenden Blick ließ sie Mark wissen, dass er am besten nicht weiter nachbohren sollte. Als sie sich sicher war, dass er das Thema fallen gelassen hatte, atmete sie tief durch bevor sie sich ihm wieder zuwandte. „Sag Derek, dass mir das mit dem Auto Leid tut."

„Sag es ihm selber." Mark wartete das Kopfnicken von Meredith ab, dann machte er es sich wieder auf dem Stuhl bequem, um Cristina bei der Arbeit entspannt zusehen zu können.

Joe's Bar

Izzie öffnete die Tür zu Joe's Bar und ging mit zögernden Schritten auf einen der Tische zu und nahm dort Platz. Sie fühlte sich ein wenig deplaziert, denn Barbesuche gehörten normalerweise nicht zu ihren Freizeitbeschäftigungen. Aber es war ein Ort, wo man Menschen studieren und auch kennen lernen konnte. Und was Izzie dringend brauchte waren Freunde. Sie war immer ein Außenseiter gewesen, weil sie nie die typischen Sachen mitgemacht hatte, wie ihre Kollegen. Das Provinznest aus dem sie kam, bot auch nicht viel an Freizeitaktivitäten. So hatte sie die meiste Zeit zuhause verbracht, die Nachbarskinder gebabysittet und gelesen. Sie schaute sich neugierig um und zog dann die Haarnadeln aus ihrem Haar, nachdem sie sicher gestellt hatte, dass niemand zu ihr hinüber sah. Vorsichtig kämmte sie mit ihren Fingern durch ihr schulterlanges, blondes Haar und schüttelte leicht den Kopf. Zuhause trug sie die Haare immer offen. Nur bei der Arbeit war es praktischer, sie hochzustecken.

„Hey, wir kennen uns doch!"

Izzie drehte erschrocken ihren Kopf in die Richtung aus der die Stimme kam. „Oh ja ..." Sie bemühte sich um Fassung, als sie ihn erkannte. „Dr. O'Malley, nicht wahr?"

Er lächelte und zeigte dabei seine Zähne. „Darf ich mich setzen?" Er wartete ihre Antwort erst gar nicht ab, sondern zog sich gleich einen Stuhl heran und nahm ihr gegenüber Platz. Unsanft stellte er sein halb ausgetrunkenes Bier mitten auf dem Tisch ab.

Eine leichte Alkoholfahne wehte zu ihr herüber und Unbehagen machte sich bei ihr breit. Hilfesuchend sah sie zum Bartresen hinüber, wo der Barkeeper eifrig dabei war, einige Gäste zu bedienen.

„Sagen sie mir, was sie trinken möchten", sagte George einladend. "Ich besorge ihnen was sie wollen."

„Vielen Dank, aber ich möchte nichts." Izzie machte sich steif, als er plötzlich ohne Vorwarnung näher rückte. An seiner Artikulation konnte sie erkennen, dass er nicht mehr ganz nüchtern zu sein schien.

„Ach kommen sie schon! Ich hatte heute einen beschissenen Tag. Und alleine trinke ich nicht so gerne", verlegte er sich aufs Bitten. „Ich bin übrigens George", stellte er sich vor. „Dr. O'Malley klingt so förmlich."

Izzie rutschte unbehaglich auf ihrem Stuhl hin und her. Sie hatte absolut keine Lust auf eine Konversation mit diesem O'Malley. Sie konnte Betrunkene nicht leiden, und Meredith Grey's Warnung klang ihr immer noch im Ohr. Sie erinnerte sich plötzlich wieder daran, wieso sie nicht in Bars ging. Die Typen, die dort abhingen, hatten nur eins im Sinn: Frauen betrunken zu machen und sie dann abzuschleppen. „Ich möchte wirklich nichts trinken", wiederholte sie noch einmal, in der Hoffnung, dass er dann verschwinden würde.

George zuckte bedauernd mit den Schultern, nahm einen Schluck aus seinem Bierglas und hob dann den Kopf, um Izzie genauer anzuschauen. „Sie haben ein sehr markantes Gesicht", stellte er nach eingehender Betrachtung fest. „Aber vielleicht könnte man ihre Wangenknochen etwas höher setzen und die Nase verschmälern."

Izzie sah ihn leicht schockiert an. „Ich mag mein Gesicht so wie es ist", stieß sie schnell hervor. „Ich würde mich auch niemals unters Messer legen."

George nahm erneut einen Schluck aus seinem Glas. „Menschen sind nun mal nicht perfekt", sagte er und zuckte wieder mit den Schultern, nachdem er das Glas abgesetzt hatte. „Aber sie brauchen sich dafür nicht zu schämen. Denn mit der richtigen OP Technik und einem fähigen Chirurgen ..."

„ ... Der du ganz sicher nicht bist", sagte plötzlich eine Stimme hinter George.

Überrascht drehte er sich um. „Alex!" stieß er hervor. „Was willst du denn hier?"

„Danke, dass du meinen Platz vorgewärmt hast." Er verzog das Gesicht zu einem spöttischen Grinsen, während er George leicht auf die Schulter klopfte. „Geh und such dir ein anderes Opfer! Dr. Stevens ist für heute Abend schon vergeben."

George fiel die Kinnlade nach unten, während er Alex ungläubig ansah. „Du hast ein Date mit ihr?"

Alex nickte leicht.

George sah irritiert zwischen Izzie und Alex hin und her. „Weiß deine Frau, was du hier abziehst?" fragte er mit vielsagendem Blick.

„Weiß Callie, dass du wieder rückfällig geworden bist?" konterte Alex zurück. Er tippte sich an die Stirn. „Soweit ich mich erinnern kann hattet ihr doch eine Abmachung wegen des Besuchsrechts."

George wurde blass. „Du ... du weißt darüber Bescheid?"

„Susanna und Callie sind befreundet, wie du weißt." Er nickte. „Ja, ich weiß darüber Bescheid. Also wenn es dir nichts ausmacht, würde ich jetzt gerne meinen Platz an diesem Tisch einnehmen."

Widerwillig erhob sich George und drückte sein Bierglas an sich. „1:0 für dich, Karev", murmelte er, bevor er sich umdrehte und zum Tresen hinüber ging.

Izzie hatte schweigend die Auseinandersetzung zwischen den beiden verfolgt. Erst als Alex Platz genommen hatte, mischte sie sich ein. „Sie haben gelogen!" stellte sie simpel fest.

„Inwiefern?"

„Wir sind nicht verabredet."

„Na und?" Er zuckte gleichgültig mit den Schultern. „Sie sollten in Zukunft vielleicht ein wenig wählerischer in der Auswahl der Männer sein mit der sie sich treffen", bemerkte er trocken.

"Ich habe mich nicht mit ihm getroffen. Er hat sich einfach an den Tisch gesetzt", stellte Izzie richtig.

"Wie auch immer ..." Alex machte eine lapidare Handbewegung. "Seien sie einfach in Zukunft vorsichtiger."

„Hat sie jemand um ihre Meinung gebeten!" begehrte Izzie auf.

„Undank ist der Welten Lohn." Er verdrehte die Augen. „Sie sollten froh sein, dass sie ihn los sind. Er ist schlimmer als eine Seuche."

„Also das ist doch wohl ..." Ihr fehlten die Worte. Wut stieg in ihr hoch. „Was kümmert es sie, was ich mache? Ich kann mich nicht erinnern, sie gebeten zu haben, den Aufpasser zu spielen!"

Er hob erstaunt die Augenbrauen. Einen derartigen Gefühlsausbruch hätte er der schüchternen Miss Stevens nicht zugetraut.

Auch Izzie selber war ein wenig erschrocken über ihre heftige Reaktion. Im Grunde genommen hätte sie sich geschmeichelt fühlen müssen, dass er sich Sorgen um sie machte. Aber der bittere Nachgeschmack blieb, dass er das nur tat, weil er dachte, dass sie bemitleidenswert und lebensunfähig war. Sie wollte nicht, dass er mit ihr sprach, als wäre sie ein unmündiges Kind. Er war nicht ihr Vater! Das war einfach demütigend. Sie schob den Stuhl zurück und stand auf.

„Was haben sie vor?" Er sah sie verwirrt an.

„Nach Hause fahren", antwortete Izzie knapp. Keine Minute hielt sie es mehr länger in der Bar aus.

Er ließ sie gehen, obwohl er dem Drang wiederstehen musste, hinter ihr her zu laufen. Er hob die Hand und gab Joe ein Zeichen, dass er ihm ein Bier bringen sollte. Nachdenklich begann er mit seinem Ehering zu spielen, während er über Izzie's letzten Satz nachdachte. Ja, wieso interessierte es ihn überhaupt, was sie tat? Er wusste keine Antwort darauf.