7. Kapitel – Das Kapitel mit dem Ende und dem Anfang
Die Türen zum Aufzug glitten langsam auseinander und gaben den Blick auf super lange schlanke Beine in einem kurzen Minirock frei, die in High Heels steckten. Er spürte sofort, wie sich sein Pulsschlag bei ihrem Anblick verdoppelte. Sie lächelte ihn mit diesem lasziven Lächeln an, dem kein Mann widerstehen konnte und warf ihre lange blonde Mähne schwungvoll nach hinten.
„Nach oben oder nach unten?" fragte sie und leckte sich über die vollen blutroten Lippen.
„Oben ... unten?" Sein Kragen wurde spürbar enger.
„Himmel oder Hölle?" Sie lachte und stieß sich mit einem Ruck von der Wand ab, an der sie gelehnt hatte und ging auf ihn zu. Ihre Hüften bewegten sich sanft hin und her, während sie die Distanz zwischen ihnen immer weiter verkürzte.
Sein Atem ging schneller, als sie ihn gegen die Wand drückte und mit ihren schlanken, flinken Fingern die Knöpfe seines Hemdes öffnete. Er schloss die Augen, als sie ihre weichen Lippen über seinen nackten Oberkörper gleiten ließ.
„Zieh die Hose aus!" verlangte sie, und trat einen Schritt zurück. Erwartungsvoll sah sie ihn an und lächelte, als er ihrer Aufforderung nachkam.
„Schon viel besser." Sie legte ihre Arme um seinen Nacken und zog ihn näher zu sich heran, bis sich ihre Lippen fast berührten. „Sag es!" hauchte sie ihm zu, kurz bevor sich ihre Lippen endgültig trafen.
Ein leicht süßlicher, betörender Duft stieg ihm plötzlich in die Nase. Er begann zu zittern und nach Luft zu ringen ...
„Alex! Wach auf!
Eine Hand schüttelte ihn unsanft an der Schulter. „Was .. was ist ... los?" stammelte er verstört. Er brauchte eine Weile um zu realisieren, dass er sich nicht mehr im Aufzug befand sondern in seinem Bett lag.
„Du hast so komisch gestöhnt und nach Luft gerungen." Susanna fuhr sich durch ihr strubbeliges Haar. „Geht es dir nicht gut?" Sie sah ihn besorgt an.
Alex setzte sich auf und fuhr sich mit der zittrigen Hand über die schweißnasse Stirn. „Geträumt ... ich habe geträumt ... ein Alptraum ..." Er zwinkerte mit den Augen, doch die Bilder wollten nicht verschwinden. Na toll, dachte er bei sich. Ich liege im Bett mit meiner Frau und träume davon, mit einer anderen zu schlafen.
„Muss ja ein komischer Alptraum gewesen sein." Sie legte die Stirn in Falten.
Alex fühlte sich ertappt. „Habe ich ... etwas gesagt?" Oh nein, das fehlte ihm gerade noch, dass er vielleicht Izzie's Namen gerufen hatte. Reichte es nicht, dass sie ihm schon tagsüber, während der Arbeit, nicht mehr aus dem Kopf ging? Musste sie ihn jetzt auch noch in seine Träume verfolgen?
Susanna nickte. „Eine Menge wirres Zeug. Aber eins habe ich ganz deutlich verstanden ..."
Alex fühlte, wie sein Herz schneller schlug, - und diesmal war es nicht vor Erregung. „Ach ja ... was?" Er hielt den Atem an.
„Pfirsich-Maracuja." Susanna schüttelte den Kopf und lachte. "Also ich weiß ja nicht, was du für komische Träume hast, aber ich habe noch keinen Mann erlebt, der von Früchten träumt. Die meisten träumen von schönen Frauen, Autos oder Motorrädern."
Alex lächelte dünn, während er innerlich aufatmete. „Ich bin eben etwas besonderes."
„Scheint so." Susanna gähnte. „Können wir jetzt weiter schlafen? Ich muss morgen früh raus. Sie rutschte wieder tiefer.
Alex löschte das Licht. Susanna war schon längst wieder eingeschlafen, als er immer noch wach lag und in die Dunkelheit starrte. Diesmal hatte er noch Glück gehabt, aber wie würde es die anderen Nächte sein? Es war nur eine Frage der Zeit, bis er Izzie's Namen im Schlaf ausstoßen würde. Leise stöhnend rollte er sich auf die Seite und schloss die Augen.
Merediths und Finns Haus
Meredith saß schon fast eine Stunde in ihrem Auto. Sie war sich sicher, dass Finn sie längst bemerkt hatte. Doch so wie er nicht zu ihr wollte, wollte sie nicht zu ihm. Er hatte sie den ganzen Tag über versucht zu erreichen, weil er mit ihr reden wollte. Zwar war sie es gewesen, die auf eine Scheidung gedrängt hatte, doch die Möglichkeit, dass er eingelenkt hatte, machte diese einleuchtende Entscheidung jetzt doch fraglich. Zwar hatte sie nur noch wage Erinnerungen, wann sie mit ihm glücklich war, was sie jetzt jedoch nicht davon abhielt zu grübeln, ob es die richtige Entscheidung war. Immer wieder kam in ihr die Frage hoch, ob sie wirklich genug für die Ehe getan hatte. Es nur auf ihren Beruf zu schieben, dass es oft schwierig war, hielt sie für eine unhaltbare Ausrede.
Seufzend öffnete sie die Autotür und stieg mit zitternden Beinen aus ihrem Wagen. Der Moment der Wahrheit rückte näher. Sie ermutigte sich damit, dass die Scheidung notwendig sei, um im Leben weiter zu kommen. Sowohl für sie als auch für ihn. Doch trotz der vernünftigen Überzeugung, dass richtige zu machen, wollte sich ihr Magen nicht beruhigen als sie sich der Haustür näherte. Tief durchatmend öffnete sie dir Tür zu einem Haus, dass ihr schon fremd vorkam.
„Ich dachte schon, dass du im Wagen übernachten wolltest." Begrüßte Finn sie mit verschränkten Armen.
„Ich freue mich auch, dich zu sehen." Sie ließ ihre Tasche auf den Boden sinken und streifte danach ihre Jacke von der Schulter. Ohne Finn weiter anzusehen, hing sie sie an einen Haken. „Du wolltest mich sprechen?"
„Das wollte ich tatsächlich. Aber jetzt nicht mehr so sehr." Schulterzuckend drehte er sich zur Treppe um.
„Was meinst du damit?" Meredith runzelte verwundert die Stirn. „Ich hatte einen harten Tag im Krankenhaus und die Scheidung fällt mir genauso schwer wie dir."
„Das bezweifle ich." Er wirbelte wieder zu ihr herum und verkürzte die Distanz mit zwei großen Schritten. „Du willst das ganze und ich nicht. Also spiel nicht die trauernde Ehefrau. Oder Exfrau."
„Du glaubst, dass ich das gerne mache? Zuzustimmen, dass das nicht geklappt hat?" Wutentbrannt riss sie die Arme hoch. „Wer hat denn versucht, das zu retten, was noch zu retten war? Statt mir jede Sekunde nachzurennen hättest du lieber einmal unseren Problemen ins Auge sehen sollen."
„Das einzige Problem sind deine Freunde, Meredith." Er schüttelte verächtlich den Kopf. „Vermutlich wirst du auch gleich wieder losfahren, weil du lieber bei ihnen sein willst als bei mir."
„Was nicht wirklich deinen Punkt stärkt, in Anbetracht der Tatsache, dass wir uns scheiden lassen wollen." Resigniert strich sie sich durch das Gesicht.
„Falsch. Du willst dich scheiden lassen und nicht wir. Ich liebe dich und ich will das, was wir uns an unserem Hochzeitstag versprochen hatten." Er kam einen weiteren Schritt auf sie zu, weswegen Meredith stirnrunzelnd zurückwich. „Und wieder weichst du mir aus."
„Ich weiche dir nicht aus, ich will die Scheidung." Ihre Stimme klang härter, als sie es eigentlich wollte. Doch so langsam ging ihr die Geduld aus. Sie konnte ihn verstehen, dass er nicht sofort alles unterschreiben wollte. Fast fühlte sie sich geschmeichelt, weil er trotz allem mit ihr zusammen sein wollte. Allerdings reicht das nicht aus, um eine stabile Ehe zu führen.
„Du wiederholst dich." Stellte Finn mit einem koketten Grinsen fest.
„Und du siehst nicht, wo das Problem ist." Sie deutete zwischen sich und Finn. „Wir beide sind auf verschiedenen Ebenen. Wir waren es immer und das was einmal zwischen uns war, reicht nicht aus, um eine Ehe zu führen."
„Was muss ich machen, damit du glücklich bist?" Wieder ging Finn einen Schritt auf sie zu.
Seufzend trat Meredith einen Schritt zurück, um die alte Distanz herzustellen. „Wenn du genau wissen willst, was mich glücklich machen könnte. Unterschreib die Papiere und lass uns alles in Freundschaft regeln. Oder zumindest ohne einen Rosenkrieg anzufangen."
Finn sah sie für einen Moment fragend an. Dann musterte er sie von oben bis unten. Als er ihr wieder in die Augen sah, drehte er sich wortlos um und ging weg. Niedergeschlagen starrte Meredith auf den Fußboden. Da Finn auch nach ein paar Minuten nicht zurückkam, zog sie wieder ihre Jacke an und schulterte ihre Tasche. Mit einem letzten Blick in die Richtung, in die Finn verschwunden war, wandte sie sich der Tür zu.
„Meredith, warte." Finn kam schwer atmend zu ihr gelaufen und drückte ihr etwas in die Hand. Bevor sie etwas sagen konnte, war er erneut verschwunden.
Überrascht sah sie auf die Papiere, die Finn ihr gegeben hatte. Mit Tränen in den Augen steckte sie die Scheidungspapiere in ihre Tasche und verließ das Haus.
Frühchenstation
Nur mit Mühe gelang es Izzie, ein weiteres Gähnen zu unterdrücken, während sie rote Kreise auf einem Stück Zeitungspapier malte. Es waren nicht irgendwelche roten Kreise, es waren Markierungen für die Wohnungen, die sie sich anschauen wollte. Sie saß auf einem unbequemen Hocker auf der Frühchenstation und überwachte die kleine Tochter ihre Patientin Tess Foster, die in der 27. SSW als Frühchen vor zwei Wochen auf die Welt gekommen war. Sie hatte der Mutter versprochen, sich persönlich um die Kleine zu kümmern, und Izzie hatte zugestimmt, die Nachtschichten zu übernehmen. Ob es daran lag, dass Tess Foster Izzie spontan sympathisch gefunden hatte oder weil sie wusste, dass Izzie sich um das Frühchen kümmerte - auf jeden Fall hatte das kleine Mädchen den Namen „Isobel" bekommen. Izzie hatte ihre Zeitung mit den Wohnungeannoncen hervorgekramt, nachdem Isobel eingeschlafen war. Bis jetzt hatte sie erst wenig attraktive Angebote gefunden. Doch eine Anzeige hatte sofort ihr Interesse geweckt.
Gemütliche Dachgeschosswohnung mit Sonnenbalkon in einem Einfamilienhaus – Größe 67 qm, aufgeteilt auf zwei Zimmer, Kochnische und Bad separat.
Was wollte man mehr? Genau das richtige für Izzie. Und der Preis war auch akzeptabel. Eine Telefonnummer war angegeben und der Ort, wo sich die Wohnung befand. Nach einem Namen des Vermieters suchte sie allerdings vergeblich. Aber das war auch nicht so wichtig. Sie würde einfach anrufen und fragen, ob die Wohnung noch frei war. Nur musste sie erst einmal die Zeit finden. Und die Nachtschichten waren so kräftezehrend, dass sie tagsüber mehr schlief als sich um andere Dinge zu kümmern.
Izzie schob die Zeitung beiseite und stand auf. Während sie die Temperatur des Inkubators und die Ernährungversorgungsleitung checkte, unterdrückte sie erneut ein Gähnen. Sie ging wieder zu ihrem Platz zurück und stützte einen Arm mit dem Ellenbogen ab. 10 Std. Nachtschicht zeigten allmählich ihre Wirkung. Izzie's Augen wurden schwer, und sie schloss sie für einen Moment. Erschrocken zuckte sie zusammen, als sie eine Hand auf ihrer Schulter spürte.
„Gehen sie nach Hause, Dr. Stevens! Dr. Karev wird sicher auch gleich hier sein. Ich übernehme so lange für sie."
Izzie schaute hoch und sah in Dr. Bailey's freundlich lächelndes Gesicht. „Oh ich ... muss eingeschlafen sein", murmelte sie.
„Schon gut. Wenn etwas gewesen wäre, dann wäre der Alarm losgegangen, und ich wäre sofort benachrichtigt worden." Dr. Bailey deutete auf die Zeitung und die roten Kringel. „Wohnungsannoncen?" Sie zog fragend die Augenbrauen hoch.
Izzie nickte. "Ich wohne derzeit noch im Hotel. Auf Dauer ist es zu teuer. Und außerdem möchte ich gerne mein eigenes Reich haben."
„Das kann ich gut verstehen." Dr. Bailey lächelte wieder, als sie sah, wie Izzie hinter vorgehaltener Hand gähnte. „Nun gehen sie schon! Ich kümmere mich um die Kleine."
Izzie erhob sich. „Danke, Dr. Bailey!" Sie wollte sich gerade umdrehen, um die Station zu verlassen, als Dr. Bailey sie zurückrief.
„Vergessen sie ihre Zeitung nicht, Dr. Stevens! Sonst müssen sie weiterhin im Hotel ihr Dasein fristen."
Izzie nahm schmunzelnd die Zeitung entgegen und klemmte sie sich unter den Arm. „Ich werde es sie wissen lassen, ob und was ich gefunden habe." Sie zwinkerte Dr. Bailey noch einmal zu und verließ dann die Station.
Dereks Haus
Statt einer langen erfolgreichen OP hatte Derek lediglich eine lange Erklärung für die Ehefrau seines Patienten gehabt. Jetzt war er einfach nur froh, vor seinem Haus einen Parkplatz gefunden zu haben und die Aussicht darauf, dass Mark zu Hause war. Zumindest sah er vor sich Marks Auto, was für ihn fast schon ein seltener Anblick war. Trotz der Müdigkeit hellte sich sein Gesicht leicht auf. Auch wenn die Konfusion der letzten Wochen ihn schnell wieder auf den Boden der Tatsachen brachte. Er wurde schon seit einiger Zeit das Gefühl nicht los, dass etwas nicht stimmte, konnte aber nicht ausmachen, was es war. Der Drang, seinem Körper eine Pause zu gönnen, verdrängte aber die Gedanken, etwas sei nicht in Ordnung.
Als er die Haustür öffnete fiel ihm gleich auf, dass das untere Stockwerk verlassen war. Sein Blick fiel auf Marks Haustürschlüssel, der arglos auf dem Boden lag. Mit den Augen rollend hob er ihn auf, nur um ihn gleich ordnungsgemäß an das Schlüsselbrett zu hängen. Er schüttelte über Marks Schlamperei den Kopf als er ein Gähnen unterdrückte und auf die Treppe zusteuerte. Kaum hatte sein Fuß die erste Stufe berührt, überkam ihn ein merkwürdiges Gefühl, dass etwas anders war. Er sah sich aufmerksam um, nur um festzustellen, dass alles normal war, aber doch anders. Mit einem mulmigen Gefühl in der Magengrube beschritt er Stufe um Stufe. Als er oben angekommen war erspähte er schon von weitem, dass vor dem Schlafzimmer Kleider lagen, die eindeutig nicht ihm gehörten.
Er wollte nicht näher ans Schlafzimmer heran gehen, denn die Geräusche, die ihm allmählich in den Ohren dröhnten waren zu eindeutig, um sie missverstehen zu können. Doch trotz seines Unbehagens trugen seine Füße ihn immer weiter. Sein Blick fiel zu einer Jacke, die unachtsam auf dem Boden trollte. Es waren nur Stunden her, dass er sie gesehen hatte und somit wusste er, was ihn erwarten würde, wenn er die Tür öffnete. Schwer atmend und mit einer zittrigen Hand tätigte er den notwendigen Schritt und stieß die Tür auf.
Noch war er sich nicht sicher, ob es gut war, kaum etwas gegessen zu haben. Das Umdrehen seines Magens wäre wohl mit Inhalt leichter zu ertragen gewesen bei dem Anblick von Cristina, die auf Mark saß und dabei dessen Namen stöhnte. Ohne es zu wollen, ließ er seinen Blick länger auf den beiden als er wollte. Doch bevor sich der spärliche Mageninhalt doch noch auf dem Fußboden ausbreitete, knallte er die Tür lautstark hinter sich zu. Wütend stürmte er die Treppen hinunter, blieb aber am Fuß stehen und atmete tief durch. Als er seine Atmung beruhigt hatte, setzte er sich auf die Treppenstufe.
Es dauerte nicht lange bis er Mark hörte, der ebenfalls die Treppen hinunter gestürmt kam. Mit dem Kopf nickend stand Derek wieder auf und drehte sich zu Mark um, der erstaunt stehen blieb. „Ich werde jetzt gehen und wenn ich morgen Abend nach Hause komme, dann erwarte ich, dass deine Sachen komplett verschwunden sind." Derek konnte seine Stimme mit großer Anstrengung sachlich halten, auch wenn er am liebsten laut schreien wollte.
„Derek, darf ich dir erklären.." Mark sah seinen Freund schuldbewusst an, der ihn aber keines Blickes mehr würdigte, sondern lediglich die Hand gehoben hatte.
„Lass es. Ich will deine billigen Entschuldigungen nicht hören." Derek hob angewidert seinen Kopf. „Ich hätte es von dir aus mehreren Gründen nicht erwartet, aber das spielt jetzt auch keine Rolle mehr." Er schüttelte nachdenklich den Kopf. „Morgen Abend will ich nichts mehr von dir sehen."
„Und wo soll ich meine Sachen so schnell unterbringen?" Fragte Mark nach als er eine Stufe weiter auf Derek zu ging.
„Das könnte natürlich ein Problem werden." Derek runzelte die Stirn als er in Marks Richtung blickte. „Vielleicht ist deine Freundin dabei hilfreich? Immerhin teilt ihr schon Körperflüssigkeiten aus."
„Okay, lass Cristina aus dem Spiel." Mark verschränkte die Arme von der Brust.
„Das würde ich gerne, aber du hast sie ja auch nicht aus meinem Bett herausgehalten." Derek ahmte Mark nach, indem auch er die Arme vor der Brust verschränkte. „Ist sie die erste oder mit wie vielen hast du mich betrogen?" Als Mark seinen Blick wieder auf den Boden richtete, schnaubte Derek schockiert auf. „Wie lange schon?"
„Derek, wir hatten doch schon von Anfang an Probleme. Wir sind nicht dafür geschaffen. Sie es als Phase an, die wir jetzt beenden." Erneut ging Mark auf Derek zu, der ihm aber kopfschüttelnd auswich. „Das sollte unsere Freundschaft nicht ruinieren."
„Das da." Derek deutete mit dem Zeigefinger auf das obere Stockwerk. „Das hätte nicht passieren dürfen. Ob ich mit so einem wie dir überhaupt noch befreundet sein will, muss ich mir noch überlegen." Er drehte sich von Mark weg als er zur Tür ging. „Wenn ich morgen wieder komme, dann sind deine Sachen weg. Und wenn du wirklich ein Freund bist, dann nimmst du die Bettlaken mit oder verbrennst sie." Ohne sich noch einmal zu Mark umzudrehen ging er aus dem Haus. Tief durchatmend sah er zu seinem Auto. Er wusste noch nicht einmal zu wem er fahren sollte. Seufzend schlenderte er zu seinem Wagen. Vielleicht war es sogar besser, dass keiner da war. So war es einfacher den Frust weg zu trinken. Kopfschmerzen würde er morgen ohnehin haben.
In Izzie's Hotelzimmer
Erschöpft ließ sich Izzie in ihrem Hotelzimmer auf das Bett fallen und kickte ihre Schuhe von den Füssen. Sie unterdrückte erneut ein Gähnen während sie nach dem Telefonhörer griff. Sie wollte noch diesen einen Anruf erledigen, bevor sie sich ins Bett legen und schlafen würde. Seufzend zog sie ihre Zeitung hervor und schlug sie auf. Während sie die Nummer eintippte überlegte sie, was sie sagen könnte. Die meisten Vermieter, bei denen sie sich schon um Wohnungen beworben hatte, hatten vor allen Dingen wissen wollen, ob sie öfter Männerbesuch erhielt. Und obwohl sie versichert hatte, dass sie ledig und solide sei, hatte sie jedes Mal eine Absage bekommen. Was war das für eine Welt, in der man nicht glaubte, dass eine junge 30 jährige Ärztin etwas anderes im Kopf hatte als nur Sex? Izzie hatte die Nummer fertig eingetippt und lauschte nun. Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis schließlich jemand abnahm.
„Hallo?" Sie hörte anfangs nur ein Knacken, doch der Ruf war anscheinend durchgegangen. Izzie klopfte leicht an den Hörer. „Hören sie mich?"
„Hallo? Ich verstehe sie ganz schlecht. Ich sitze gerade im Auto. Bin auf dem Weg zur Arbeit."
Erst jetzt dämmerte es Izzie, dass es sich bei der Nummer wohl um einen Handy-Anschluss handelte. „Ich rufe an wegen der Wohnung!" rief sie so laut wie sie konnte in den Hörer, um das leichte Knacken zu übertönen.
„Wie bitte?"
Izzie rollte mit den Augen. Das Gespräch fing ja gut an, wenn der Teilnehmer sie nicht einmal verstand. Das einzige, was sie ausmachen konnte war, dass es sich um eine Frau handelte. „Ich sagte, dass ich mich für die Wohnung interessiere", wiederholte sie noch einmal den Satz.
„Oh ... ja ... prima. Entschuldigung, aber die Verbindung ist wirklich sehr schlecht. Kann ich sie zurückrufen?"
Izzie nickte, bevor ihr einfiel, dass die Gesprächsteilnehmerin das wohl kaum sehen konnte. „Meine Nummer ist Vorwahl Seattle und dann 2467 ..."
„Ich kann mir Nummern so schlecht merken, und ich habe gerade nichts zu schreiben hier. Könnten sie später noch einmal anrufen?"
Izzie hielt verwirrt den Hörer ein Stück vom Ohr weg. Was denn nun – anrufen oder angerufen werden? „Sicher." Sie nickte wieder.
„Ach oder wissen sie was? Kommen sie doch morgen vorbei. Ich bin vormittags da. Dann können wir in Ruhe ... „
Izzie hörte wieder nur ein Knacken und verdrehte die Augen. Sie hatte sich die Wohnungssuche nicht so kompliziert vorgestellt. „Ja, von mir aus."
„Okay, sagen wir morgen, 10.30 Uhr?"
„Klar." Izzie schaute auf die Adresse in der Anzeige. „Soll ich direkt zum Haus kommen?"
„Sie wissen wo das ist?"
„Es steht in der Anzeige."
„Prima, dann bis morgen. Ich freue mich."
Izzie wollte noch etwas darauf entgegen, doch ihre Gesprächsteilnehmerin hatte bereits aufgelegt. Seufzend warf sie das Telefon aufs Bett und begab sich dann in die Horizontale. Sie konnte kaum noch die Augen offen halten. Wenn das mit der Wohnung klappen sollte, dann hatte sie bald ihr eigenes Reich, dass sie sich so gestalten konnte, wie sie es wollte. Das Hotelzimmer war eher spartanisch eingerichtet, praktisch und preisgünstig. Nichts, wo man ein Leben lang wohnen wollte. Izzie schloss die Augen und war bald darauf eingeschlafen.
Joe's Bar
Meredith sah aus dem Fenster ihres Wagens. Stirnrunzelnd stieg sie langsam aus und sah zum Eingang von Joe's Bar. Sie konnte sich daran erinnern, dass Derek noch einen Patienten in den OP bringen wollte. Der Blick zu ihrer Armbanduhr verriet ihr aber, dass er viel zu früh war und er eigentlich noch am OP Tisch stehen sollte. Da sie aber neben seinem Auto geparkt hatte, vermutete sie stark, dass die OP nicht gut verlaufen sein musste. Sie schüttelte traurig den Kopf. Statt sich sinnlos zu betrinken, weil ihre Ehe gescheitert war, würde sie Derek aufbauen müssen.
Kaum hatte sie die Kneipe betreten, fing sie an, ihn zu suchen. Sie sah zu Joe hinüber, in der Hoffnung, dass er ihr weiter helfen könnte. Als er sie entdeckt hatte, stellte er ein Glas und eine Flasche Tequila auf den Tresen.
„Wo ist Derek denn?" Fragte Meredith mit einem dankbaren Lächeln als sie die beiden benötigten Utensilien in Empfang nahm.
„Hinterste Ecke und trotzdem vergrault er mir die Kundschaft." Joe deutete zusätzlich mit dem Finger in die Richtung, doch Meredith konnte die traurige Gestalt an einem der hintersten Tische schnell ausmachen.
„Danke, Joe." Sie sah noch wie Joe ihr zuzwinkerte, doch ihre Gedanken waren längst bei Derek. Seufzend bahnte sie sich ihren Weg durch die Bar. Als sie an seinem Tisch angekommen war, zog sie den Stuhl neben ihm heraus und ließ sich darauf fallen. Die Tatsache, dass er sie noch nicht einmal ansah, war für sie Hinweis genug, seinen Alkohollevel schnell aufholen zu müssen. Deswegen zögerte sie auch nicht lange und füllte ihr erstes Glas, gefolgt von dem zweiten.
„Wenn du gegessen hast, dann wirkt es nicht so schnell." Derek deutete auf seine Flasche Scotch. „Und dann ist er ein schlechter Freund."
„Der Scotch?" Fragte Meredith nach, bevor sie das dritte Glas Tequila leerte.
„Nein, Scotch ist kein Freund." Er runzelte die Stirn als er sich das Etikett näher betrachtete. „Was hört sich besser an? Derek Scotch oder Scotch Shepherd?" Fragend drehte er sich zu Meredith um, die sich nachdenklich an der Stirn kratzte."
„Hört sich beides nicht toll an." Sie blickte zu Derek hinüber, der ihr zunickte. „Sollen wir reden oder trinken wir nur?"
„Trinken." Antwortete Derek knapp und griff zu seinem Glas, was er in einem Zug leerte.
Meredith seufzte leise, folgte aber Dereks Wunsch und leerte ihrerseits ein weiteres Glas. Inzwischen merkte sie schon, dass der Alkohol ihre Sinne anfing zu benebeln. Sie schüttelte sich kurz und legte dann eine Hand auf Dereks Arm, der daraufhin seinen Kopf hob. „Bevor ich zu betrunken bin, wollte ich dir noch sagen, dass es nicht deine Schuld war. Solche Dinge passieren und es ist nicht fair. Denn man macht alles was man kann und am Ende steht man doch mit leeren Händen da." Sie drückte seinen Arm leicht und sah ihm dann in die Augen. „Aber es war nicht deine Schuld."
„Cristina hatte also den Nerv, dich anzurufen?" Derek hob fragend die Augenbraue.
„Cristina? Nein, ich habe nicht mit Cristina gesprochen." Sie schüttelte verneinend den Kopf. „Ich habe nur dein Auto gesehen und da wusste ich, dass die OP nicht gut verlaufen sein musste."
„Die OP? Du sprichst von der OP?" Derek wartete auf Merediths Bestätigung bevor er laut loslachte. Er wischte sich nach einer Weile einige Tränen von der Wange. „Du betrinkst dich aus dem falschen Grund, Meredith."
Verwundert nahm Meredith ihre Hand von seinem Arm. „Ich betrinke mich aus dem falschen Grund? Warum trinkst du denn?"
„Weil deine beste Freundin eine gute Reiterin ist." Derek füllte sein Glas und sah es dann angewidert an. „Und ich weiß es, weil sie ihre Fähigkeiten Mark demonstriert hat." Mit einem Zug leerte er das Glas und ließ es dann auf den Tisch knallen. „Sie war sogar so zuvorkommend, dass sie es ihm in meinem Bett gezeigt hat."
Meredith riss ihre Augen weit auf. Geschockt schnappte sie nach Luft während ihre Gedanken Achterbahn fuhren. Sie hatte zwar Dereks Worte gehört, doch sie ergaben keinen Sinn für sie. „Ich glaube, dass ich schon zu betrunken bin." Sie lachte laut los. „Du hast gerade gesagt, dass Cristina und Mark. Das sie. Sie. Du hast gesagt, dass die beiden es in deinem Bett?" Erschrocken vernahm sie sein Nicken. „Nein. Cristina und Mark?"
„Genau die beiden." Allein, dass er wieder an das Bild der beiden denken musste verursachte, dass sich sein Magen zusammenzog.
„Derek, das ist." Noch immer versuchte Meredith die Informationen in ihrem Kopf zusammen zu fügen. Als ihr Blick auf Derek fiel, atmete sie tief durch. Sie rückte ihren Stuhl näher an seinen heran und legte ihren Kopf auf seine Schulter. „Es tut mir Leid."
„Du warst es ja nicht, die seinen Namen gestöhnt hat." Er schüttelte abwesend den Kopf während er sein Glas auf dem Tisch hin und her schob. „Und was mache ich jetzt. So wie es aussieht, bleibt kein Geschlecht übrig. Beide sind gleich und Tiere sind verboten."
„Tiere sind definitiv verboten." Meredith hob kurz ihren Kopf an, bevor sie ihren Arm um seine Schulter legte und es sich dann wieder auf seiner Schulter gemütlich machte.
„Du solltest aufhören zu trinken. Immerhin musst du mich heute vor einer Dummheit bewahren." Er lehnte seinen Kopf an den ihren und seufzte dann laut auf. „Damals hast du schrecklich versagt und was hat es mir gebracht? Mark betrügt mich."
„Ich war verheiratet, Derek." Erinnerte Meredith ihn. Sie schloss die Augen, um irgendwie den Tag zu beenden, der schlechter nicht hätte sein können.
„Du bist es immer noch." Murmelte Derek traurig. Als Meredith ihren Kopf anhob, drehte er sich fragend zu ihr um.
„Er hat mir die Papiere unterschrieben zurück gegeben. Von jetzt an ist es nur noch Formsache mit der Scheidung." Sie sah traurig auf den Tisch und zur ihrem Tequila. Als Derek ihre Hand wegzog, blickte sie wieder auf.
„Das tut mir Leid." Er strich mit seiner freien Hand sanft über ihre Wange während er ihr in die Augen sah. Als sein Blick langsam zu ihren Lippen wanderte, musste er den starken Drank, sie küssen zu wollen mit aller kraft unterdrücken, was Dank des Alkohols noch schwieriger war als jemals zuvor. Um nicht der Versuchung zu verfallen, sah er wieder hoch. Es war leicht die Leute um ihn herum zu ignorieren als er ihre Lippen auf seinen spürte.
