Kapitel 8 – Das Kapitel mit den drohenden Kopfschmerzen

Merediths stöhnen wurde durch das Kissen, in das sie ihr vergraben hatte, gedämpft. Kaum hatte sie die Augen aufgemacht, wurde ihr wieder klar, warum Alkohol zwei Eigenschaften hatte. Man vergisst durch ihn und wird dann wieder erinnert. Das Vergessen war in Ordnung für sie, doch das Erinnern, dass Alkohol zu starken Kopfschmerzen führte, gefiel ihr überhaupt nicht. Mühsam richtete sie sich auf und sah sich verwundert im Raum um. Nachdenklich kratzte sie sich am Kopf, denn sie hatte keine Ahnung wo sie war. Ihre letzte Erinnerung an die vergangene Nacht war, dass sie mit Derek bei Joe war. Sie blickte zur Seite, doch das Bett neben ihr war leer. Kopfschüttelnd warf sie die Decke zur Seite, nur um dann erschrocken die Decke wieder bis an ihr Kinn zu ziehen. Die Tatsache, dass sie sich an nichts erinnern konnte kombiniert mit ihrem Eva Kostüm bereiteten ihr noch stärkere Kopfschmerzen.

Nachdenklich wickelte sie die Decke um ihren Körper als sie aus dem Bett gekrochen war. Sie sah sich kurz in dem Raum um, der sie stark an ein Hotelzimmer erinnerte. Ihr Blick fiel auf eine halb geöffnete Tür, hinter der sich das Badezimmer verbarg. Noch immer erschöpft schlich sie hinein. Ohne sich weiter umzusehen ließ sie die Decke fallen und beugte sich über die Badewanne, die an der Seite stand. Ihr war mehr nach einem Bad als nach einer Dusche und somit ließ sie das Wasser laufen.

Derek schrie auf als er von dem kalten Wasser getroffen wurde und richtete sich augenblicklich auf, was dazu führte, dass Meredith zu schreien anfing. „Au." Derek schrie erneut auf, nachdem er bei dem Versuch aufzustehen in der nassen Wanne ausgerutscht war und er unsanft mit dem Kopf auf dem Rand aufkam.

„Was machst du hier?" Meredith hatte die Hand vor den Mund geschlagen. Als ihr auffiel, dass sie erneut alles zeigte, versuchte sie ihren Körper mit ihren Armen zu bedecken.

„Ich versuche zu schlafen." Murmelte Derek nachdem er endlich aus der Wanne ausgestiegen war. Ein breites Grinsen machte sich auf seinem Gesicht breit als er Meredith betrachtete. „Dafür ist es zu spät. Ich habe bereits alles gesehen." Er hob die Decke hoch und hielt sie Meredith hin.

„Derek, was immer gestern passiert ist." Sie sah ihn mit einem verzweifelten Gesichtsausdruck an.

„Gar nichts. Als ob wir dazu in der Lage gewesen wären." Er zwinkerte ihr zu. „Du hast nur versucht, dich zu duschen. Mit deinen Kleidern."

„Oh." Sie zog die Decke fester um sich und sah sich im Bad um. „Wo sind meine Kleider?"

„Das Hotel kümmert sich darum." Erklärte Derek ihr, sein Blick über ihren Körper streifend.

„Könntest du aufhören mich so anzusehen?" Sie stemmte eine Hand in die Seite, was dazu führte, dass die Decke leicht nach unten rutschte.

„Dich anzusehen?" Er hob amüsiert die Augenbrauen. „Wie sehe ich dich denn an?"

„Als ob du mich nackt gesehen hättest. Also hör auf damit." Sie rückte die Decke wieder zurecht, bevor wieder etwas von ihrem Körper preis gegeben wurde, was verborgen bleiben sollte.

„Okay, ich höre auf dich so anzusehen." Derek schloss Augen, was augenblicklich zu einem noch breiteren Grinsen führte.

„Hör auf damit." Sie boxte ihn gegen die Schulter. „Du sollst dir auch nicht vorstellen, wie ich nackt aussehe."

„Zu spät." Er öffnete die Augen wieder. „Zumal mir gefallen hat, was ich sehen durfte."

Aus Merediths Gesicht entwich das letzte bisschen Farbe, was noch übrig war. Als sie sich wieder gefangen hatte, schluckte sie hart. „Du bist doch nicht hier im Bad, weil du dir?" Sie sah an seinem Körper hinunter.

Als Derek verstanden hatte, worauf sie anspielte, schüttelte er lachend den Kopf. „Nein, ich habe nur einen Ort gesucht, an dem ich schlafen konnte. So sexuell frustriert bin ich dann doch nicht."

„Natürlich nicht." Sie lächelte ihn gezwungen an. „Und warum hast du dann nicht im Bett geschlafen?"

„Meredith, ich war müde und neben einem Presslufthammer wäre es leiser gewesen als neben dir. Du schnarchst." Als Meredith ihn entrüstet ansah, fing er erneut an zu lachen. „Aber du siehst mich beeindruckt."

„Schön, dass du gestern deinen Spaß hattest." Sie drehte sich schmollend um und verließ das Badezimmer wieder. Als sie vor dem Bett zu stehen kam, sackten ihre Schultern nach unten. Vermutlich war er genauso weit davon entfernt, den gestrigen Tag als einen Spaßtag bezeichnen zu können wie sie. Seufzend drehte sie sich wieder um, zuckte aber überrascht zusammen als Derek vor ihr stand.

„Es tut mir Leid. Statt dankbar zu sein, mache ich mich lustig." Er sah bedrückt zu Boden.

„Nein, es muss dir nicht Leid tun." Sie hob sein Kinn mit ihrem Zeigefinger an, damit er ihr in die Augen sah. „Meine Kopfschmerzen bewirken wohl meine Zickigkeit."

„Du bist nicht zickig." Derek nahm Merediths Hand und küsste ihren Zeigefinger. „Du bist wundervoll und ich bin froh, dich als Freundin zu haben."

Für einen Moment war Meredith sich sicher, dass ihr Herz ausgesetzt hatte. Sie wollte plötzlich dort weiter machen, wo sie abends in Joe's Bar aufgehört hatten, nachdem sie entschieden hatten, es sei für ihre Freundschaft nicht gut. Aber da sie auch das Gefühl bekommen hatte, dass seine Lippen auf ihrem Körper richtig sind, konnte sie die Entscheidung nicht mehr nachvollziehen. Ihre Augen wanderten von ihrer Hand zu seinen Augen und dann zu seinen Lippen. Sie verspürte den Drang, durch seine zerzausten Haare fahren zu wollen und ließ die Decke erneut fallen, als sie dem Drang nachgab. Langsam zog sie seinen Kopf näher zu sich heran und sie konnte bereits seinen Atem spüren, der ihr eine Gänsehaut bescherte. Sie schloss die Augen und bereitete sich darauf vor, seine Lippen auf ihren zu spüren, doch ein lautes Klopfen an die Zimmertür schreckte sie auf. Instinktiv griff sie zur Decke und rannte ins Badezimmer. Sie schloss die Tür hinter sich und lehnte sich dann gegen sie. Mit einem rasenden Herzen hörte sie, wie Derek die Zimmertür öffnete und dann mit einem vom Hotel sprach. Sie wusste nicht, wann es passiert war, aber sie konnte es nicht mehr leugnen, dass sie sich in ihren besten Freund verliebt hatte.

Haus der Karev's

Langsam ging Izzie die Auffahrt hinauf, während sie wieder und wieder einen Blick auf die Zeitungsanzeige warf. Nein, kein Zweifel, sie war hier tatsächlich richtig. Alleine schon die Auffahrt zum Haus war der absolute Hammer. Hier, in diese Nobelsiedlung, sollte sie einziehen? Sie ging noch einen kleinen Hügel hinauf und starrte dann voller Bewunderung das prachtvolle, 3-stöckige Einfamilien-Holzhaus im architektonischen Craftsman Stil an. Das Grundstück war riesig, was man auf den ersten Blick erkennen konnte. Das Haus glich mehr einer Villa als einem normalen Wohnhaus und war umsäumt von einem wunderschönen Garten mit Natursteinen. Izzie lächelte. Vor ihrem geistigen Auge erschien ein Bild, wie zwei kleine Kinder auf dem Rasen umhertollten und vor Freude jauchzten. Alleine schon der Anblick des Gartens ließ keine Wünsche offen.

Die Entscheidung, doch im SGH zu bleiben, hatte schließlich auch die Frage aufgeworfen, wo sie in Zukunft wohnen sollte. Das Hotel war nur eine Übergangslösung gewesen. Izzie schaute nach oben. Ohne Zweifel waren die Besitzer vermögend. Sonst hätten sie sich nicht so einen Prachtbau leisten können. Izzie ging die paar Steinstufen in den Garten hinunter. Von hier aus hatte man einen perfekten Blick auf das obere Dachgeschoss. Izzie lächelte erneut. Ihr neues Zuhause - vielleicht. Sie war so in ihre Gedanken vertieft, dass sie leicht zusammenzuckte, als sich etwas weiches, warmes, an ihre Beine schmiegte.

„Hey!" Sie beugte sich zu der rabenschwarzen Katze herab und strich ihr sanft übers Fell. „Wo kommst du denn her?"

„Das ist Devil", sagte plötzlich eine Stimme hinter ihr.

Izzie drehte sich um und schaute in Susanna Karev's lebhaft blickende grau-blaue Augen. "Ich bin Izzie Stevens. Ich hatte angerufen wegen der Wohnung", stellte sie sich vor.

„Hi, ich bin Susanna, die Besitzern des Hauses." Susanna bückte sich und hob den Kater auf den Arm. „Ich hoffe, er hat sie nicht belästigt." Sie deutete zum Hauseingang hinüber. „Lassen sie uns gleich nach oben gehen. Ich habe leider nicht sehr viel Zeit."

Izzie nickte, während sie die Hausbesitzerin näher betrachtete. Susanna war perfekt gekleidet in einem dunkelgrünen Hosenanzug und dazu farblich passenden Pumps. Ihre aschblonden, schulterlangen Haare fielen locker über ihre Schultern, und ihre ganze Haltung drückte Eleganz und Grazie aus. Izzie fragte sich, was sie wohl beruflich machte. Sie sah nicht so aus, als ob sie einen Job hätte, wo man sich die Hände dreckig machen mußte. Je näher sie dem Hauseingang kamen, desto sicherer war sich Izzie mit einem Mal, dass hier keine Kinder mit im Haushalt lebten. Dafür war alles zu perfekt und ... zu ruhig.

Susanna setzte den Kater auf dem Boden ab, als sie das Haus betreten hatten und deutete zur Treppe. "Hier geht es nach oben. Ich hoffe, es stört sie nicht, dass sie durchs Haus müssen, um zu ihrer Wohnung zu kommen?"

Izzie schüttelte den Kopf. "Nein, wenn es sie nicht stört." Ein vertrauter Geruch stieg ihr in die Nase. Doch sie konnte ihn beim besten Willen nicht zuordnen.

Susanna schüttelte ebenfalls den Kopf und ging dann die Treppe hinauf und schloss die Tür zur oberen Wohnung auf.

Izzie trat hinter Susanna ein und sah sich um. „Was soll die Wohnung denn kosten?"

„Nun, wir dachten an 300 Dollar im Monat. Aber wenn es ihnen zu viel ist, dann können wir ihnen auch gerne entgegen kommen", erklärte Susanna.

„Bleiben die Sachen drin?" fragte Izzie neugierig und deutete auf die Einrichtungsgegenstände.

„Das ist uns eigentlich egal. Wir wollten sie eigentlich möbliert vermieten, aber wenn sie eigene Sachen haben, dürfen sie die natürlich mitbringen."

"Ich habe die Möbel im Haus meiner Eltern gelassen, als ich hierher gezogen bin. Derzeit wohne ich noch im Hotel", erklärte Izzie.

Susanna nickte. "Sie müssen sich nicht gleich entscheiden. Wir können die Sachen erst einmal hier lassen."

Izzie öffnete eine hölzerne Schiebetür und betrat das angrenzende Schlafzimmer. „Es ist wirklich alles wunderschön und perfekt", stieß sie voller Begeisterung hervor. „Ich glaube, ich nehme es!"

„Prima!" Susanna's Augen begannen zu strahlen. „Dann sollten wir jetzt nach unten ins Wohnzimmer gehen und die vertraglichen Dinge besprechen."

Izzie nickte. Während sie die Stufen nach unten ging, fiel ihr plötzlich wieder ein, woher sie diesen Geruch, der überall hing, kannte. Das war Alex' Aftershave! Sie folgte Susanna ins Wohnzimmer, und mit einem Mal fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Mit einem Blick voller Entsetzen und Fassungslosigkeit starrte sie auf das gerahmte Bild auf dem Kaminsims, dass einen Mann und eine Frau in Hochzeitskleidung zeigte - Alex und Susanna an ihrem Hochzeitstag! Izzie begann nach Luft zu schnappen, und ihre Beine fühlten sich mit einem Mal ganz weich an.

„Setzen sie sich doch! Ich hole gleich den Mietvertrag. Darf ich ihnen vorher noch eine Erfrischung anbieten?"

Es schien der Hausherrin gar nicht aufzufallen, dass ihre neue Mieterin kurz vor einem Nervenzusammenbruch stand. Izzie schüttelte wie betäubt den Kopf. Flucht, war das einzige, woran sie jetzt dachte. Sie konnte unmöglich mit Alex unter einem Dach leben! Es fiel ihr schon im Krankenhaus schwer, ihre Finger von ihm zu lassen. Wenn sie beide unter einem Dach leben würden, dann konnte sie für gar nichts mehr garantieren. Ihr Blick ging wieder zurück zum Bild. Er sah schlicht und einfach umwerfend in seinem schwarzen Anzug aus. Und er lächelte aus dem Rahmen auf sie herab, dass ihr fast der Atem stockte.

Susanna schob Izzie den Mietvertrag zu. „Jetzt brauche ich nur noch ihre Unterschrift, und dann ist der Deal perfekt."

Izzie starrte den Mietvertrag an. Die Lage des Hauses war perfekt, die Wohnung ein absoluter Traum. Sie würde niemals wieder so ein Angebot bekommen. Aber wenn sie jetzt unterschreiben würde, bedeutete das auch, dass sie mit Alex und seiner Frau unter einem Dach leben würde – wenn auch auf getrennten Etagen. Konnte sie das? Wollte sie das überhaupt?

„Izzie?" Susanna bemerkte ihr Zögern und runzelte die Stirn. „Haben sie noch irgendwelche Fragen, bevor sie unterschreiben?"

Izzie lächelte gequält. Sie fühlte sich hin und her gerissen. „Nein ..." Sie griff nach dem Stift. Augen zu und durch. Sie wollte sich jetzt noch keine Gedanken über Alex' Reaktion machen. Sie waren Arbeitskollegen - mehr nicht.

Susanna begann ungeduldig mit den Fingern auf der Tischplatte herumzutrommeln. „Wenn sie möchten können sie es sich auch noch einmal überlegen." Sie schaute auf die Uhr. „Ich muss leider gleich weg. Nehmen sie den Vertrag mit und überlegen sie in Ruhe, in Ordnung?" Sie erhob sich vom Sofa. „Tut mir wirklich leid!" sagte sie bedauernd.

Izzie fühlte einen Kloß in ihrem Hals. Wenn sie jetzt nicht unterschreiben würde, würde sie es wohl nie mehr tun. Zuviel Zeit zum Nachdenken würde eher das Gegenteil bewirken. Außerdem war es ihr Leben. Was ging es Alex an? Sie holte noch einmal tief Luft und kritzelte dann so schnell es ging, ihre Unterschrift auf das Papier.

„Na dann, herzlich willkommen!" Susanna ergriff erleichtert Izzie's Hand und drückte sie leicht. Sie händigte ihr den Haustürschlüssel und den Mietvertrag aus und begleitete sie dann nach draußen. „Dann bis morgen!" verabschiedete sie sich und schloss die Tür.

Ein wenig verloren verharrte Izzie vor der Tür und starrte auf den Haustürschlüssel in ihrer Hand. Erst jetzt wurde ihr die Tragweite ihrer Entscheidung bewusst. Sie würde von nun an mit Alex und seiner Frau unter einem Dach leben. Was hatte sie nur getan?

Im Krankenhaus – Umkleidekabine

Cristina öffnete seufzend die Tür zur Umkleidekabine. Sie war noch immer erschöpft, da sie Mark geholfen hatte, ein paar Sachen zusammen zu packen, nachdem Derek das Haus verlassen hatte. Inzwischen war sie sich nicht mehr so sicher, ob es richtig gewesen war, Mark bei seinem Problem zu helfen. Als sie ihren Spind erreicht hatte, lehnte sie sich mit geschlossenen Augen dagegen.

„Ist Mark so erschöpfend?" Meredith öffnete ihren Spind und stieß dabei Cristina an, die überrascht aufblickte.

„Meredith?" Cristina räusperte sich laut, um etwas Zeit zu gewinnen, da sie sich erst noch sammeln wollte. „Was hat Derek dir denn erzählt?"

„Nur, dass du irgendwann einmal Reitstunden genommen hattest." Meredith zuckte dabei mit den Schultern. Sie zog ihre Hose aus, die sie danach eher ungalant in ihren Spin warf.

Cristina räusperte sich erneut. „Nicht alles ist so wie es anfangs scheint." Sie sah zu Meredith hinüber, die daraufhin die Augen verdrehte. „Zwischen den beiden lief es doch schon seit einiger Zeit nicht mehr."

„Schon klar." Meredith band sich verärgert ihre OP Hose zu und schlüpfte danach in ihre Schuhe. Seufzend schloss sie die Augen. „Ich weiß, dass sie Probleme hatten." Sie öffnete wieder die Augen und fixierte Cristina. „Aber das gibt dir nicht das Recht, dich einzumischen."

„Als ob du nicht ständig auf Derek eingeredet hättest." Warf Cristina wütend ein.

„Das habe ich nicht." Meredith schüttelte den Kopf. Für einen Moment runzelte die Stirn, dann fing sie zu nicken an. „Also schön. Ich habe mit ihm geredet. Geredet ist aber nicht auf ihm reiten."

„Meinetwegen. Es war unsensibel." Cristina rollte mit den Augen als sie sich von Meredith abwandte.

„Unsensibel?" Meredith hob ihre Stimme an, so dass auch andere Assistenzärzte aufblickten, sich aber schnell wieder wegdrehten, nachdem Meredith sie verärgert ansah. „Ihr hättet ihn auch gleich mit einem Laster überfahren können."

„Meredith, es war notwendig." Cristina atmete tief durch. „Mark war schon länger untreu und Derek hat Mark besser mit mir erwischt als mit einer anderen."

„Was hättest du denn gerne als Dankeschön? Ein Strauß Blumen oder doch lieber Steigbügel?" Meredith schüttelte verächtlich den Kopf während sie zu einer Bank ging, um sich hinzusetzen. Nachdem sie sich kurz gesammelt hatte, sah sie wieder zu Cristina auf. „Wie lange geht das schon mit euch beiden?"

„Frag lieber nicht." Cristina wandte sich ab und begann sich jetzt ebenfalls umzuziehen. Als sie fertig war, schloss sie seufzend ihren Schrank. „Wir wissen doch beide, dass die beiden sich etwas vorgemacht haben."

„Das gibt dir immer noch nicht das Recht." Meredith schnaubte jetzt wütend auf. „Ein dezenter Hinweis hätte auch gereicht."

Cristina schlug mit ihrer Faust gegen ihren Spind. „Was glaubst du eigentlich, wen du vor dir hast? Ich habe Mark mehr als einmal darauf angesprochen, aber Derek hat es ihm immer schwer gemacht. Jetzt haben wir es eben vorgetäuscht, damit endgültig Schluss ist zwischen den beiden."

Meredith runzelte fragend die Stirn. „Moment mal. Was hast du gerade gesagt?" Sie rieb sich nachdenklich über den Nasenrücken. „Was meinst du damit, dass ihr das vorgetäuscht habt?"

Cristina setzte sich neben Meredith auf die Bank und vergrub ihr Gesicht in ihren Händen. Bevor sie wieder aufblickte, atmete sie noch einmal tief durch. „Ich weiß nicht, ob ich dir das überhaupt erzählen soll."

„Zu spät. Jetzt will ich alles wissen." Meredith drehte sich zu Cristina um und sah sie eindringlich an.

„Es ist nichts passiert zwischen Mark und mir. Wir haben das nur gespielt." Cristina schüttelte seufzend den Kopf. „Wir haben darauf gewartet, dass er nach Hause kommt und dann nur so getan als ob. Mark wusste, dass Derek nichts mehr mit ihm zu tun haben will, wenn er ihn mit jemand anderes im Bett erwischen würde." Tief durchatmend wartete sie auf Merediths Reaktion. Da diese sie weiterhin nur ungläubig ansah, nahm sie erneut tief Luft. „Meredith, sag was."

„Was." Meredith stand mit hochrotem Kopf auf. „Ich fasse es nicht, dass ihr so ein Kasperltheater abzieht. Und ich fasse es nicht, dass ich Derek jetzt auch noch anlügen muss, weil ich ihm das sagen müsste und es nicht kann." Sie schnappte nach Luft. „Seit ihr denn noch bei Verstand?"

Cristina sprang jetzt ebenfalls auf. „Jetzt tu nicht so, als ob dir das ganze nicht recht wäre." Sie deutete mit dem Zeigefinger auf Merediths Brust. „Deswegen hast du doch die ganze Zeit auf Derek eingeredet. Damit er endlich wieder zu haben ist."

„Ich habe mit ihm geredet, weil die Beziehung ein Witz war. Es ist doch nur nach einer betrunkenen Nacht entstanden. Und auch nur, weil seine Beziehung davor in die Brüche ging." Verteidigte sich Meredith vehement, auch wenn sie Cristina bei einem Punkt Recht geben musste. Sie war froh, dass Derek wieder Single war.

„Wenn du nicht diese Blitzhochzeit mit Finn veranstaltet hättest, dann wärst du doch schon längst mit Derek zusammen." Cristina hatte sich von Meredith abgewendet. Als von ihrer Freundin kein Widerspruch kam, drehte sie sich wieder um. „Was ist mit dir?"

„Finn hat in die Scheidung eingewilligt." Murmelte Meredith kleinlaut.

„Aber das ist doch gut." Cristina runzelte die Stirn. „Das wolltest du doch." Da Meredith sich seufzend gegen ihren Spind gelehnt hatte, setzte sich Cristina nachdenklich auf die Bank. „Ich verstehe, dass das nicht unbedingt ein freudiger Moment ist, aber wo ist das Problem?"

Meredith biss sich nervös auf die Unterlippe. Sie seufzte erneut auf als sie sich von ihrem Spind abdrückte und sich neben Cristina setzte. „Das Problem ist, dass ich für Derek nur eine Freundin bin."

„Oh." Cristina sah kopfschüttelnd Meredith an. „Raus aus dem Liebeskummer, rein in den nächsten. Muss ich dich jetzt in den Arm nehmen?"

Meredith rang sich ein schmunzeln ab. „Wir umarmen nicht. Außerdem bin ich immer noch sauer auf dich. Es war nicht richtig, was du mit Mark abgezogen hast."

„Kann schon sein." Cristina starrte für einen Moment auf ihre Schuhe. „Nachdem du endlich dahinter gekommen bist. Derek wird es bald auch erkennen und zum ersten Mal seit ihr beide verfügbar."

„Ich hoffe du hast Recht." Meredith sah mit traurigen Augen zu ihrer besten Freundin.

„Wann begreifst du es endlich? Ich habe immer Recht." Cristina stand von der Bank auf. „Ich muss los." Sie wartete auf Merediths Kopfnicken und ging dann aus der Umkleidekabine heraus. Seufzend lehnte sie sich gegen die Wand. Irgendwie war jetzt alles komplizierter als vorher und dabei wollte sie am Abend zuvor ein Problem lösen und kein neues schaffen.

Joe's Bar

George öffnete die Tür zu Joe's Bar und ging direkt auf den Tresen zu. „Hey, Joe", grüßte er den Barmann", kannst du mal ein Bier rüber reichen?"

Joe's Stirn zog sich in Falten. „Es überrascht mich, dich heute hier zu sehen", bemerkte er trocken.

George sah ihn verwirrt an. „Ich habe Feierabend und bin hergekommen, um mir noch einen Absacker zu genehmigen. Was ist daran so besonderes?"

Joe deutete schweigend über George's Kopf hinweg zu einem kleinen Tisch hinüber, wo ein Mann und eine Frau saßen und sich anscheinend bestens amüsierten. Soweit man das den fröhlichen Gesichtern entnehmen konnte.

George folgte Joe's Blick und erstarrte augenblicklich beim Anblick des glücklichen Paares.

„Das meinte ich damit, als ich sagte, dass es mich wundern würde, dich heute hier zu sehen." Joe hob vielsagend die Augenbrauen. „Ich dachte, du würdest auf Benji aufpassen, während sie sich hier amüsiert."

George drehte sich wieder zu Joe und sah ihn mit finsterer Miene an. „Ich hatte keine Ahnung, dass sie sich wieder mit jemandem trifft", stieß er hervor.

„Ich denke nicht, dass sie dir Rechenschaft darüber ablegen muss. Ihr seid nicht mehr zusammen." Er grinste amüsiert. „Aber wie ich sehe habe ich da einen wunden Punkt bei dir getroffen, stimmt's?"

„Habe ich dir eigentlich schon gesagt, dass du manchmal ziemlich nerven kannst?" George griff mürrisch nach seinem Bier, dass Joe vor ihm abgestellt hatte und nahm einen Schluck daraus. Er drehte sich wieder nach dem Pärchen um, das allerdings so miteinander beschäftigt war, dass es nicht mitbekam, was um es herum passierte. George sah, wie Callie den Kopf zurück warf und laut lachte. Er drehte sich wieder zum Tresen und nahm einen erneuten Schluck aus seinem Glas. Ein wenig Mut antrinken hatte noch niemandem geschadet. Und jetzt war er auch bereit, sich dem Gegner zu stellen. Er stellte das Bierglas unsanft auf dem Tresen ab und erhob sich vom Hocker.

„Was hast du vor?" fragte Joe misstrauisch. Doch er konnte sich seine Frage sofort selber beantworten. „Oh nein, du wirst nicht dort hinüber gehen! Lass die beiden in Ruhe! Denkst du nicht, dass es für Eifersuchtsszenen ein bisschen zu spät ist?"

„Hat dich jemand um deine Meinung gebeten?" stieß George aufgebracht hervor.

Joe schüttelte den Kopf.

„Dann halt auch die Klappe!" sagte George harsch. Er setzte sein Ziel unbeirrt fort und blieb erst stehen, als er Callie's Tisch und den ihres Begleiters erreicht hatte.

Callie hob den Kopf, als sie George näher kommen sah, und das Lächeln erstarb auf ihren Lippen. Sie konnte an seiner Miene erkennen, dass er nicht besonders guter Laune war. Mit einem flehendem Blick gab sie ihm zu verstehen, dass er keine Szene machen sollte.

„Hallo!" begrüßte George die beiden lässig.

„Hallo!" Callie's Begleiter schaute leicht irritiert, lächelte dann aber doch freundlich.

Callie fühlte sich genötigt, etwas zu sagen. „Marcus, das ist George, George ... Marcus ..." stellte sie die beiden gegenseitig vor. Unbehaglich rutschte sie auf ihrem Stuhl hin und her.

George zog die Stirn in Falten, während er Callie's Begleiter kritisch betrachtete. Dieser Marcus war ihm spontan unsympathisch. Und er fragte sich, in welchem Verhältnis er zu Callie stand.

„Wo ist Benji?" George war sich bewusst, dass diese Frage eine Menge Ärger nach sich ziehen würde. Aber tatsächlich war es das einzige, was ihn derzeit interessierte. Mit Genugtuung sah er, dass sich auf Marcus Stirn eine steile Falte bildete, während Callie's Gesicht an Farbe verlor.

„Wer ist Benji?" Marcus sah Callie mit einem verwirrten Blick an.

„Würdest du uns kurz entschuldigen?" Sie schob den Stuhl zurück und stand auf. Unsanft griff sie George's Arm und drängte ihn Richtung Tresen. Ihr war bewusst, dass diese Szene befremdlich auf Marcus wirken musste. Doch sie musste erst einige Dinge mit George klären, bevor sie zurück an ihren Tisch gehen konnte.

Widerwillig ließ sich George nach hinten führen. Als sie im hinteren Bereich der Bar standen wagte er schließlich einen Einwand. „Was willst du von mir?"

„Das frage ich dich!" Sie ließ ihn los und stemmte die Hände in die Hüften. „Was sollte der Auftritt?"

„Ich habe lediglich gefragt, wo Benji ist." Er zuckte mit den Schultern. „Die Frage wird ja wohl erlaubt sein."

Callie sah ihn fassungslos an. „Du findest es also völlig in Ordnung, einfach an meinen Tisch zu kommen und mein Date zu ruinieren?" stieß sie wütend hervor.

„Wer ist dieser Affe?" Er ignorierte Callie's Einwand und richtete sich weiter auf.

„Marcus ist kein Affe!" Callie's Augen funkelten wütend. „Außerdem geht es dich überhaupt nichts an, was ich tue und mit wem ich mich treffe!"

„Es geht mich etwas an, weil es auch Benji betrifft!" konterte George. „Ich will nicht, dass mein Sohn von so einem Affen großgezogen wird!"

Callie fiel die Kinnlade nach unten und sie sah George mit fassungslosem Blick an. „Was redest du da für einen Blödsinn?" stieß sie hervor, als sie ihre Sprache wiedergefunden hatte. „Marcus ist ein Freund – mehr nicht. Ich hatte nicht vor, ihn zu heiraten", fügte sie ironisch hinzu. „Wir haben uns erst kürzlich kennen gelernt, und bisher hatte ich noch keine Gelegenheit, ihm von Benji zu erzählen." Sie stoppte und holte tief Luft. "Benji ist übrigens bei deiner Mutter. Es war ihre Idee, dass ich mal wieder mit einem Mann ausgehen sollte."

„Du hast dich mit meiner Mutter gegen mich verbündet?"

Callie hob irritiert die Augenbrauen. „Ich glaube, wir beenden dieses Gespräch jetzt. Du bist beleidigend und anscheinend auch nicht mehr ganz nüchtern." Sie schickte sich an, zurück zu ihrem Tisch zu gehen.

„Callie?"

Sie drehte sich zu ihm um. „Was ist?" fragte sie unwirsch.

Er deutete zum Tisch hinüber, wo Marcus immer noch auf Callie wartete. „Wirklich nur ein Freund?"

Sie warf ihm einen undefinierbaren Blick zu, bevor sie schließlich ihren Weg fortsetzte.

George lehnte sich gegen die Wand, als sie gegangen war. Ein merkwürdiges Gefühl machte sich langsam in seinem Magen breit. Er schlug die Hände vors Gesicht und stöhnte leise. Die Erkenntnis traf ihn hart. Er war eifersüchtig!

Krankenhaus – Parkplatz

Derek hatte es endlich geschafft. Sein Auto stand in greifbarer Nähe und er konnte dem Krankenhaus entfliehen. Selbst mehrere Tabletten gegen Kopfschmerzen konnten seinen Kater bekämpfen. Da war es alles andere als hilfreich, sich mit schreienden Menschen auseinander zu setzen. Zugegeben. Es hatte keiner geschrieen, aber auch lautes Reden oder reden überhaupt hatte er als eine schmerzhafte Erfahrung erlebt. Zudem war Meredith ihm irgendwie aus dem Weg gegangen. Seufzend kramte er in seiner Jackentasche nach dem Autoschlüssel. Als er ihn endlich gefunden hatte, sah er auf und wieder auf den Boden.

„Können wir kurz reden, Derek?" Mark kam auf ihn zu und versperrte ihm somit den Weg.

„Hast du deine Sachen gepackt?" Fragte Derek nach, der noch immer auf den Boden sah.

„Ja, habe ich." Mark rückte noch einen Schritt näher heran, was jedoch dazu führte, dass Derek in einem großen Boden um ihn herum ging. „Können wir das wie Erwachsene regeln?"

„Du wolltest reden. Ich habe dir eine Frage gestellt. Du hast geantwortet. Das entspricht der Definition eines Gesprächs. Folglich haben wir geredet." Derek sah verärgert zu Mark. „Darüber hinaus sind wir durch."

„Was heißt das für unsere Freundschaft?" Hakte Mark beharrlich nach als er sich Derek wieder näherte.

„Freundschaft?" Derek lachte höhnisch auf. „Freunde betrügen sich nicht. Sie sagen sich die Wahrheit. Auch wenn die schmerzhaft ist." Er schluckte hart, um den Kloß in seinem Hals wegzubekommen. „Aber sie betrügen sich nicht."

„Was erwartest du als Antwort?" Mark verschränkte die Arme vor der Brust.

„Gar nichts." Derek fuhr sich nachdenklich durch das Gesicht. „Gib mir einfach Zeit und dann sehen wir weiter."

„Damit kann ich leben." Mark wartete für einen Moment, doch da Derek sich nicht weiter regte, ging er wieder zurück in das Krankenhaus.

Derek lehnte sich seufzend gegen sein Auto. Da er starr nach unten sah, bemerkte er Meredith nicht, die sich neben ihn gestellt hatte.

„Ihr habt geredet? Was hat Mark gesagt?" Meredith legte eine Hand auf Dereks Schulter, der daraufhin erschrocken zusammen zuckte.

„Nichts." Derek schüttelte den Kopf, nachdem er sich wieder gesammelt hatte. „Das übliche, aber nichts wesentliches."

„Kommst du klar?" Sie verspürte den Drang, Derek in die Arme nehmen zu wollen, wusste aber nicht warum. War es nur, weil man Freunde in den Arm nahm, wenn sie traurig sind oder weil sie seinen Körper nah an ihrem spüren wollte. Kopfschüttelnd verdrehte sie die Augen über sich selbst.

Ehrlich gesagt nein." Er sah sie mit traurigen Augen an. „Immerhin war er mein bester Freund und das schon immer. Jetzt habe ich das verloren."

„Was kann ich machen, damit es besser wird?" Sie griff nach seiner Hand und drückte sie leicht.

„Ich will heute Abend nicht alleine sein. Seine Sachen sind weg und ich will nicht… allein sein." Er lächelte sie gequält an. „Du musst nicht. Immerhin lebst du jetzt in Scheidung und brauchst selber Zeit für dich."

„Nein, schon gut." Sie drückte erneut seine Hand, während sie sich ein Lächeln abrang. „Mir ist auch nicht nach allein sein."

„Habe ich dir schon gesagt, dass du eine wundervolle Freundin bist?" Er beugte sich zu ihr hinunter, um sie auf die Wange zu küssen. „Du sagt mir die Wahrheit ins Gesicht und lügst mich nicht an."

Meredith räusperte sich verlegen und fing dann nervös an zu lachen als sie zu Boden blickte. „Als Freundin gehört sich so etwas auch nicht." Sie musste sich zwingen, ihn wieder anzusehen, denn inzwischen hatte sie bereits zwei Geheimnisse vor ihm.

„Ist alles in Ordnung?" Er sah sie fragend an, als sie nervös auf ihrer Unterlippe zu kauen begann. „Wenn du lieber das mit dir und Finn verarbeiten willst, dann ist das in Ordnung. Ich kann das verstehen."

„Nein, Finn und ich sind vorbei. Geschichte. Die Scheidung ist nur Formsache." Sie winkte mit ihrer freien Hand ab. „Finn ist nicht das Problem."

„Sondern?" Derek runzelte verwundert die Stirn.

„Sondern, was?" Sie sah ihn unschuldig an während sie nervös von einem Bein auf das andere trat.

„Du hast gesagt, dass Finn nicht das Problem sei. Sondern? Was für ein Problem hast du?" Er richtete sich auf, da Merediths verhalten seine Kopfschmerzen verstärkte, weil er anfing, sich Gedanken um sie zu machen.

„Da ist kein Problem." Sie schüttelte verneinend den Kopf. „Höchstens das, was wir heute Abend machen? Als Freunde. Denn wir machen ja etwas als Freunde." Sie biss sich erneut auf die Unterlippe, um sich selber davor zu bewahren noch mehr wirre Sachen zu sagen.

„Film und Pizza?" Sein Verdacht, dass etwas nicht stimmte hatte sich soeben erhärtet. „Und Tequila, damit ich herausbekomme, was mit dir nicht stimmt." Fügte er grinsend hinzu. Bevor Meredith protestieren konnte hatte er seinen Zeigefinger auf ihre Lippen gelegt. „Ich vertraue dir. Wenn du sagst, es ist alles in Ordnung, dann glaube ich dir das."

Meredith schloss seufzend die Augen. Sie wusste, dass sie ihm zumindest eine Sache gestehen sollte. Vielleicht würde der versprochene Tequila ihr bei der Entscheidung helfen, welche es ist. Sie lehnte sich gegen seine Brust und atmete tief durch. „Mir geht nur viel durch den Kopf, Derek. Das ist alles."

„Mir geht es genauso. Lass uns fahren, damit wir den Tag beenden können." Er legte seinen Arm um ihre Schulter und führte sie anschließend zur Beifahrerseite. Als er sich kurze Zeit später hinter dem Lenkrad Platz genommen hatte, griff er erneut nach ihrer Hand. „Danke, unsere Freundschaft bedeutet mir viel."

„Mir auch." Meredith rang sich ein Lächeln ab. Noch hatte sie keine Ahnung wie sie sich ihm gegenüber verhalten sollte. Vielleicht würde er langsam fahren, damit sie noch Zeit hatte, um das herauszufinden.

Haus der Karev's

Als Alex am Abend das Haus betrat, war er erstaunt, wie ruhig es war. Er ging ins Wohnzimmer und dann weiter in die Küche, weil er hoffte, dass Susanna ihm wenigstens eine Nachricht hinterlassen hatte, wohin sie gegangen war. Doch Fehlanzeige. Keine Nachricht und auch keine Susanna. Er hörte ein leises Maunzen und schaute nach unten. „Hey Devil!" Er beugte sich herab und strich dem Kater übers Fell. "Du weißt nicht zufällig, wo dein Frauchen ist?" Überrascht sah er dem Kater hinterher, als dieser blitzschnell die Treppe nach oben lief. Neugierig ging Alex hinterher und blieb dann überrascht im geöffneten Türrahmen zur Dachgeschosswohnung stehen.

„Was ist denn hier los?" Er beobachtete mit gerunzelter Stirn, wie Susanna dabei war, den gefliesten Fußboden zu wischen.

„Oh ... Hi Alex ..." Sie hob kurz den Kopf und wandte sich dann wieder ihrer Arbeit zu. „Ich fahre morgen eine Woche nach Mailand und wollte vorher noch alles in Ordnung bringen", erklärte sie.

„In Ordnung?" Er zog verwirrt die Augenbrauen nach oben.

Susanna nickte eifrig, während sie sich aufrichtete und sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht strich. „Stell dir vor, ich habe jemanden gefunden, der die Wohnung mietet!" Ihr Gesicht begann zu strahlen. „Du wirst unsere Mieterin dann morgen kennen lernen. Sie macht einen wirklich sympathischen Eindruck."

Alex nickte. „Okay, dann hätten wir eine Sorge weniger." Er dachte einen Moment nach. „Ist sie jung oder alt?"

„Jung." Susanna wrang den Putzlappen aus. „Vielleicht ein paar Jahre jünger als wir."

„Und was macht sie beruflich? Wo hat sie vorher gewohnt?"

„Herrgott Alex!" Sie rollte mit den Augen. „Ich hatte nicht vor, sie zu adoptieren. Sie soll nur hier wohnen."

„Ich möchte trotzdem wissen, mit wem ich es zu tun habe", warf er ein. „Schließlich wird sie mit in unserem Haus leben."

„Aber wir werden nicht viel mit ihr zu tun haben", gab Susanna zu bedenken.

Alex rollte mit den Augen. „Du nicht, weil du jeden Monat mindestens drei Wochen unterwegs bist." Ein Hauch von Ironie klang in seiner Stimme mit.

„Als ich damals das Angebot erhielt, meine eigene Modelagentur zu gründen, warst du völlig begeistert", hielt sie ihm vor.

„Ja." Er nickte seufzend. „Aber da wusste ich auch noch nicht, dass du ständig unterwegs sein würdest und was es für unsere Ehe bedeutet."

„Fang nicht wieder damit an!" Ihre Augen verdunkelten sich. „Ich habe mir das alles schwer erarbeitet. Du hast gewusst, worauf du dich einlässt, als wir geheiratet haben."

Er schüttelte den Kopf. „Nein, ich habe es nicht gewusst." Er zögerte einen Moment. „Wenn ich es gewusst hätte, dann hätte ich mich vielleicht anders entschieden", beendete er den Satz dann.

Verwirrt sah sie ihm hinterher, als er die Stufen wieder hinunter rannte. Es war das erste Mal seit langem, dass sie wieder miteinander über persönliche Dinge geredet hatten. Aber Susanna fragte sich in dem Moment, ob es nicht besser gewesen wäre, über bestimmte Dinge für immer zu schweigen. Seufzend griff sie nach Eimer und Schrubber und verließ die Dachgeschosswohnung.