Kapitel 10 – Das Kapitel mit den besten Tipps wie man Stalker wird

Haus der Karevs

Mit wild klopfendem Herzen stand Izzie vor ihrem neuen Zuhause, den Haustürschlüssel fest umklammernd. Schon auf dem Weg zum Karev Haus hatte sie sich zurechtgelegt, was sie Alex sagen wollte. Denn nun war es soweit – die Stunde der Wahrheit war gekommen. Bedingt durch ihre unterschiedlichen Arbeitszeiten hatte sie nicht einmal die Gelegenheit gehabt, vorher mit ihm darüber zu reden. Wenn sie morgens kam, war er schon längst zuhause und umgekehrt. Es war wie verhext! Dabei hatte sie gehofft, es ihm vorher sagen zu können. Aber nun war es zu spät. Sie hatte gerade im Hotel ihr Zimmer gekündigt und den Schlüssel abgegeben. Sie konnte nicht mehr zurück. Von nun an würde sie hier wohnen und leben müssen – direkt über Alex und seiner Frau.

Ein leichtes Frösteln überkam sie, und Izzie wußte, dass es nicht an der kühlen Morgenluft lag, sondern daran, dass ihr Kreislauf verrückt spielte. Wieso sollte sie es sich nicht eingestehen? Sie hatte Angst. Die Frage war nur wovor. Wenn sie ehrlich zu sich selber war, dann wusste sie es. Es waren Alex' warme braune Augen und dieser Blick, mit dem er sie ansah, wenn er dachte, dass sie es nicht bemerkte. Sie konnte nicht ganz zuordnen, was dieser Blick bedeutete. Aber damals war sie wirklich der festen Überzeugung gewesen, dass er sie geküsst hätte, wenn der Aufzug nicht gehalten hätte. Wenn er sie mit diesem Blick ansah, dann fühlte sie, wie ihr Widerstand wie Schnee in der Sonne dahinschmolz. Dann kam sie sich vor wie ein 17 jähriger verliebter Backfisch.

Izzie versuchte den Gedanken abzuschütteln, indem sie resolut den Schlüssel ins Schloss steckte. Erschrocken sprang sie gleich darauf einen Schritt zurück, als sich die Tür wie von Geisterhand selber öffnete und Susanna Karev mit einem Lächeln auf den Lippen im Türrahmen erschien.

„Ich habe sie schon kommen sehen. Herzlich willkommen in ihrem neuen Zuhause!" Sie deutete auf Izzie's Koffer. „Ist das alles?"

Izzie nickte. „Es sind nur ein paar Kleider und ein paar Wertsachen. Nichts besonderes. Als ich damals ins Hotel gezogen bin konnte ich nicht soviel mitnehmen."

„Ich verstehe." Susanna nickte und nahm den Koffer hoch und ging ins Haus.

Suchend schaute sich Izzie um. Alex hatte Spätschicht gehabt. Von daher musste er eigentlich zuhause sein. Wo steckte er nur?

Susanna deutete Izzie's suchenden Blick völlig falsch. „Ich habe Devil eingesperrt. So kann er uns wenigstens nicht stören", erklärte sie.

Izzie lächelte gezwungen. Woher sollte Susanna auch wissen, dass sie ihren Ehemann meinte und nicht den Kater? Woher sollte sie überhaupt wissen, dass sie beide sich kannten? „Ja, das ist vielleicht besser", würgte sie hervor. Ein leichter Geruch von Alex' Aftershave schlug ihr entgegen, als sie den Flur betreten und Susanna die Tür hinter sich geschlossen hatte.

„Möchten sie gleich nach oben gehen, oder wollen wir vielleicht im Wohnzimmer noch einen Begrüßungsschluck zusammen nehmen?" Susanna lächelte liebenswürdig und machte eine einladende Geste Richtung Wohnzimmer.

Und dann wieder das Foto vor Augen zu haben, dass Susanna und Alex an ihrem Hochzeitstag zeigte? Izzie's Magen krampfte sich bei dem Gedanken zusammen. „Ich habe nicht soviel Zeit. Meine Arbeit beginnt gleich", lehnte sie dankend ab.

„Was arbeiten sie denn?"

Fragen nach der Arbeit waren normalerweise harmlos und für die meisten eine freundliche Floskel, aber Izzie spürte, wie sich ihr Puls beschleunigte und sich ihre Wangen rot färbten. „Ich ... ich arbeite im ..."

Das Schellen des Telefons unterbrach ihren Satz.

Susanna rollte leicht genervt mit den Augen und ging dann mit eiligen Schritten ins Wohnzimmer hinüber.

Izzie stand ein wenig verloren im Flur und überlegte, was sie tun sollte. Sie fürchtete, dass jeden Moment Alex um die Ecke gebogen kommen würde, und dann? Sie wollte nicht weiter darüber nachdenken.

„Es tut mir leid!" Susanna kam aus dem Wohnzimmer und ging gleich zur Garderobe hinüber. „Mein Chef benötigt mich dringend in der Agentur", erklärte sie, während sie ihre Jacke anzog und nach der Handtasche griff. Sie sah Izzie bedauernd an. „Ich dachte, wir hätten noch ein halbes Stündchen für uns." Nervös schaute sie auf die Uhr. „Mein Mann hat sich etwas hingelegt, um zu schlafen. Aber das muss sie ja nicht stören. Er weiß, dass sie heute kommen." Sie wies die Treppe hinauf. „Ich habe ein wenig sauber gemacht. Unsere Putzfrau hat derzeit Urlaub. Ich hoffe, es genügt ihren Ansprüchen." Sie lächelte wieder. „Und nun muss ich leider los!" Sie nickte Izzie noch einmal zu und verließ dann eilig das Haus.

Izzie zuckte leicht zusammen, als die Tür ins Schloss fiel. Wie betäubt stand sie inmitten des Flurs, während das Chaos in ihr tobte. Irgendwie hoffte sie gerade, dass das alles nur ein Traum war, aus dem sie bald erwachen würde. Doch als sie ein leises Maunzen hörte wusste sie, dass sie nicht träumte. Das Geräusch hörte sich sehr real an. Izzie begab sich auf die Suche und fand den Kater schließlich in einem Raum, der wohl als Büroraum genutzt wurde. Freudig kam das Tier auf sie zu und strich um ihre Beine.

„Hallo Devil!" Izzie ging in die Hocke und begann das samtige, schwarze Fell zu streicheln. Sie lächelte, als Devil anfing zu schnurren. „Hat dein Frauchen dich einfach vergessen." Während sie forfuhr, den Kater zu streicheln, bemerkte sie nicht, dass jemand den Raum betrat. Erst als sie ihren Namen hörte schaute sie auf.

„Izzie?!"

Im Krankenhaus

Finn rückte seine Jacke zurecht als er in der Lobby des Krankenhauses stand. Er hatte sich schon vor längerer Zeit erkundigt, wann Meredith Dienstschluss hatte, doch es war wie immer. Sie verspätete sich. Ungeduldig trat er von einem Fuß auf den anderen als er zu den Aufzügen blickte, die in einem stetigen Rhythmus Krankenhausmitarbeiter und Besucher frei gaben. Doch von Meredith war keine Spur. Seufzend schaute er auf die Uhr. Als er wieder nach oben blickte, sah er eine Brünette Frau vor sich, die ihn mit großen Augen und einem zahnreichen Lächeln ansah.

„Sie müssen Finn Dandridge sein. Der Tierarzt und Dr. Grey's Ehemann." Sie reichte ihm die Hand hin, die er zögerlich entgegen nahm.

„Der bin ich und mit wem habe ich es zu tun?" Nachdenklich versuchte er in seinen Erinnerungen herauszufinden, woher er sie kannte. Das Gesicht kam ihm bekannt vor, doch wusste er sie nicht mehr einzuordnen, ob sie die Besitzerin eines seiner Patienten war oder ob er sie vom Krankenhaus her kannte.

„Sie können mich Rose nennen." Aufgeregt griff sie in ihre Tasche und zog eine kleine Tüte heraus. „Wollen sie auch Lakritz essen?" Sie hielt ihm die Tüte unter die Nase, doch Finn schüttelte ablehnend den Kopf. „Ich habe sie beobachtet. Ihre grüne Jacke ist mir gleich aufgefallen."

„Oh wirklich?" Finns Gesicht erstrahlte förmlich. „Sie stammt noch von meiner ersten Frau Liz. Sie ist bei einem Unfall gestorben."

„Das tut mir sehr Leid." Sie bedachte ihn mit einem mitfühlenden Gesichtsausdruck, weswegen sie sogar für einen Moment aufgehört hatte, auf ihrer Lakritzstange herumzukauen. Als sie sich wieder gesammelt hatte, lächelte sie ihn schüchtern an. „Ihre erste Frau hatte einen exzellenten Farbgeschmack. Ich trage auch gerne grün."

„Ich kombiniere grün gerne mit braun, weil ich so das Gefühl bekomme in der Natur unsichtbar zu sein. Deswegen denken die Leute oft, dass ich mich an sie heranschleiche." Er lachte auf. „Verrückt nicht?"

„Manche Menschen verstehen es nicht. Wir machen uns doch nur Sorgen und sind deswegen besonders aufmerksam." Sie nahm sich eine weitere Stange Lakritz aus der Tüte. Seufzend biss sie ab und kaute auf dem Stück herum. Als sie untergeschluckt hatte, nahm sie tief Luft. „Ich mag sie und deswegen sollte ich ihnen einfach sagen, was mir zufällig aufgefallen ist."

Erneut trat Finn nervös von einem Fuß auf den anderen. „Und das wäre?"

„Ihre Frau. Ich sollte mich eigentlich daraus halten. Aber sie sind so ein netter Mann." Sie räusperte sich verlegen. „Aber gerade deswegen sollten sie wissen, was vorgefallen ist. Ihre Frau trifft sich heimlich mit einem Kollegen. Zuerst nur in einem Hotelzimmer und jetzt auch bei ihm zuhause." Traurig nickte sie mit dem Kopf.

„Und sie wissen nicht zufällig wie lange das schon geht?" Mit leicht verärgerter Miene hatte er seine Arme vor der Brust verschränkt als er auf ihre Antwort wartete. Doch bevor sie etwas sagen konnte, klopfte Meredith ihm auf die Schulter.

„Was machst du denn hier?" Fragte Meredith neugierig. Sie sah von Finn zu Rose, die mit den Schultern zuckte.

„Ich sollte dann mal wieder gehen. Es war nett sie kennen gelernt zu haben, Mr. Dandridge." Rose lächelte Meredith süffisant an bevor sie sich umdrehte und aus dem Krankenhaus ging.

„Was wollte sie von dir?" Meredith sah von der Eingangstür wieder zu Finn, der sie wütend anfunkelte.

„Sie hat mir nur mitgeteilt, wo du dich herum treibst. Interessante Geschichte. Zuerst im Hotelzimmer und jetzt bei ihm zuhause? Wer ist es?" Mit hochrotem Gesicht baute er sich vor Meredith auf, die erschrocken zusammen zuckte.

„Wovon redest du?" Sie schüttelte den Kopf als ihr bewusst wurde, worauf er anspielte. „Du verstehst das falsch. Ich habe Derek getroffen und weil wir beide keinen Platz zum schlafen hatten, haben wir uns ein Hotelzimmer genommen. Und jetzt lässt er mich in seinem Gästezimmer übernachten bis ich etwas passendes gefunden habe." Tief durchatmend wartete sie auf seine Reaktion.

„Du schläfst bei Derek? Dem Derek?" Ungläubig hob er seine Augenbraue? „Ich dachte er wohnt mit seinem Freund zusammen?"

„Sie haben Schluss gemacht, was dich aber eigentlich nichts angeht. Er war mies drauf, ich war traurig. So ist das ganze entstanden." Erklärte Meredith ein wenig zu hastig für ihren Geschmack. Sie Wollte nicht das Gefühl aufkommen lassen, dass sie eine Sache zu verbergen hatte. Nämlich die Kleinigkeit, dass sie nichts gegen eine Beziehung mit Derek einzuwenden hätte.

Finn begutachtete sie für ein paar Sekunden. Dann schüttelte er den Kopf. „Es ist mir nicht Recht, dass du bei einem Kerl übernachtest."

„Derek ist mein bester Freund. Soll ich etwas im Krankenhaus schlafen?" Sie stemmte ihre Fäuste in die Seite. „Außerdem geht es dich nichts an. Wir lassen uns scheiden."

„Eben und deswegen solltest du dich nicht schon bevor die Scheidung durch ist, von irgendwelchen Kerlen trösten lassen." Erneut trat er auf Meredith zu, die ihn jetzt wütend anfunkelte. „Und gerade nicht von deinem Derek. Ich weiß, dass du mehr von ihm willst. Als wir uns kennen gelernt haben, da wärst du doch lieber mit ihm zusammen gekommen als mit mir."

Meredith biss sich auf die Zunge, um nichts unüberlegtes zu sagen. Tief ein und ausatmend starrte sie Finn in die Augen. „Ich wäre dir dankbar, wenn wir die Scheidung so schnell wie möglich hinter uns bringen könnten. Lass Derek aus dem Spiel. Er ist ein Freund. Mehr nicht." Jetzt trat sie einen Schritt auf Finn zu und deutete mit ihrem Zeigefinger auf seine Brust. „Und wenn du das nächste Mal auf irgendwelche Lügen von irgendwelchen daher gelaufenen Personen hören willst, dann erkundige dich lieber vorher bei mir, ob es stimmt oder nicht." Noch einmal nahm sie tief Luft. „Ich werde jetzt zu meinem besten Freund Derek fahren, der mit großzügigerweise sein Gästezimmer zur Verfügung stellt, damit ich einen bequemen Platz zum Schlafen habe." Ohne Finn eine Gelegenheit zu geben, noch etwas sagen zu können, drehte sie sich um. Er musste ja nicht wissen, dass sich ihre Gefühle für Derek verändert hatten, zumal das die Scheidung nur verkomplizieren würde.

Haus der Karevs

Obwohl Izzie schon auf dem Boden hockte, duckte sie sich noch ein wenig tiefer. Sie wäre jetzt gerne in dem berühmten Mauseloch verschwunden, was immer zitiert wurde, wenn man sich in einer peinlichen Situation befand. „Alex ..." Sie schaute verlegen lächelnd zu ihm auf und versuchte seinen Blick, eine Mischung aus Überraschung und Schock, zu ignorieren.

„Was tust du da?" stieß er hervor, als er sich wieder etwas gefangen hatte.

„Ich ..." Sie räusperte sich nervös und zeigte dann auf den Kater. „Ich wollte ihn befreien. Er war eingesperrt und hat so kläglich gejammert."

Alex schüttelte den Kopf. „Nein, ich meinte, was tust du HIER?" Er unterstrich seine Worte, indem er wild mit den Armen gestikulierte.

Izzie's Mut sank. Er sah nicht so aus, als ob er sich darüber freuen würde, sie als neue Mieterin zu bekommen. Aber noch wusste er ja gar nichts davon. „Deine Frau war so nett, mir die Tür zu öffnen ..." Sie brach den Satz ab, als sie sah, wie Alex dunkle Augen noch eine Nuance dunkler wurden.

Er deutete auf den Koffer im Flur. „Ist das deiner?"

Izzie spürte, wie der Kloß in ihrem Hals immer dicker wurde. Sie nickte. Zu mehr war sie in diesem Moment nicht fähig. Sie streichelte den Kater noch einmal und richtete sich dann auf. Sie hatte geglaubt, ihm Auge in Auge gegenüber zu stehen, wäre einfacher, doch da hatte sie sich geirrt. Wie festgenagelt blieb sie stehen, als er einen Schritt auf sie zuging.

„Du willst hier einziehen?!" Ungläubigkeit schwang in seiner Stimme mit während er sie mit einem fassunglosen Blick ansah.

Izzie nickte erneut. Normalerweise funktionierte ihre innere Stimme ganz gut, wenn es darum ging, falschen Entscheidungen aus dem Weg zu gehen. Wo war ihre innere Stimme gewesen, als sie den Mietvertrag unterschrieben hatte? „Alex, ich ... ich wollte es dir sagen ... ehrlich!" stieß sie stockend hervor. „Ich wusste nur nicht wie. Es ist ... nur ein dummer Zufall, dass ich ausgerechnet diese Wohnung in der Zeitung rot umrandet habe. Es hat nichts mit dir zu tun. Ich wollte ..." Sie brach verwirrt ab, als er noch einen Schritt näher kam.

„Du kannst nicht hier einziehen", sagte er leise, während er seine Hand nach ihr ausstreckte und mit seinen Fingerspitzen sacht über ihre Wange strich.

„Wieso nicht?" Ihre Stimme war nur noch ein Flüstern, während sie unbewusst noch ein Stück näher an ihn heranrückte.

Die Situation erinnerte sie an die Szene im Aufzug. Und jetzt waren sie wieder alleine. Keiner war da, der sie aufhalten würde das zu tun, was sie beide schon lange tun wollten. Oder interpretierte sie Alex' hungrigen, sehnsuchtsvollen Blick falsch? Sie schloss die Augen. Gleich würde es passieren. Gleich würde er sie küssen. Wie sehr hatte sie sich danach gesehnt. Es würde die Dinge zwar verkomplizieren, aber darüber wollte sie jetzt, in diesem Moment, nicht nachdenken. Es war fast so, als ob sie seine Lippen schon auf ihrem Mund spüren konnte und als ob Raum und Zeit plötzlich ohne Bedeutung wären. Ein Geräusch, dass ein Schlüssel verursachte, wenn man ihn im Schloss herumdrehte, holte sie in die Gegenwart zurück. Instinktiv trat sie einen Schritt zurück, und Alex' Kuss ging ins Leere.

Susanna sah überrascht zwischen den beiden hin und her, nachdem sie die Tür zum Arbeitszimmer geöffnet hatte. „Alex ... Schatz!" Sie ging auf ihn zu und küsste flüchtig seine Wange. „Du bist ja schon auf. Habt ihr euch schon bekannt gemacht?" Sie legte wieder ihr alt bekanntes Lächeln auf. „Nein?" beantwortete sie sich ihre Frage selber, als beide zögerten. „Das ist Izzie Stevens, die neue Bewohnerin der oberen Etage und das ist Alex, mein Mann", stellte sie die beiden gegenseitig vor.

Izzie warf schnell einen Blick zu Alex hinüber, der wie versteinert da stand. Anscheinend wusste er auch nicht so recht, wie er die Situation meistern sollte.

„Ich war schon auf dem Weg ins Büro, als mir einfiel, dass ich ja Devil im Arbeitszimmer eingesperrt hatte." Sie schlug sich gegen die Stirn und lächelte. „So was Dummes aber auch! Wie ich sehe habt ihr ihn aber schon befreit. Na, dann kann ich ja wieder beruhigt fahren." Sie ging zur Tür und drehte sich dann noch einmal nach beiden um. „Dann bis heute Abend!"

Alex' Erstarrung löste sich erst, als er hörte, wie draußen der Motor des Autos aufheulte. Er vergrub seine Hände in den Hosentaschen seiner Jeans und sah Izzie beinahe verlegen an. „Soll ich dich zur Arbeit fahren?"

Izzie schüttelte den Kopf. Sie war erleichtert, dass er das Thema wechselte. Die Spannung die vorher noch greifbar im Raum gehangen hatte, hatte sich ein wenig gelegt. Sie konnten wieder ganz normal miteinander umgehen. „Ich fahre lieber selber. Ich möchte nicht, dass die Leute vielleicht auf dumme Gedanken kommen." Sie biss sich auf die Lippen. Wieso hatte sie das Thema jetzt wieder hochgebracht? Sie wollte es doch beenden.

Alex hob mit vielsagendem Blick die Augenbrauen. „Was könnten die Leute denn denken, wenn ich dich zur Arbeit bringe?"

Izzie senkte schnell den Kopf. War das so etwas wie Ironie gewesen, dass sie in seinen Augen hatte aufblitzen sehen? Wieso konnte sie nicht einmal ihre Klappe halten! „Nichts!" presste sie schnell hervor. Sie lächelte nervös. „Ich bringe jetzt meine Sachen nach oben und werde dann fahren." Sie verzog das Gesicht zu etwas, dass einem Lächeln ähneln sollte. „Dr. Bailey reißt mir sonst den Kopf ab, wenn ich zu spät komme."

Alex nickte. „Darf ich wenigstens den Koffer nach oben bringen?"

Am liebsten hätte Izzie das Angebot abgelehnt, aber der Koffer war wirklich sehr schwer, und es war sicher kein Vergnügen, das schwere Ding die vielen Stufen hinaufzutragen. Deshalb nickte sie.

Alex nahm den Koffer und war mit ein paar Schritten auf dem oberen Treppenabsatz, wo er ihn abstellte. „Kommst du alleine klar?"

Izzie nickte, während sie die Tür zu ihrer neuen Wohnung öffnete. „Danke, es geht schon." Seine Nähe war beklemmend. Der obere Flur war schmal, und sie war nur eine Armlänge von ihm entfernt. Nervös wartete sie darauf, dass er endlich ging.

„Ich schätze, dann sehen wir uns jetzt wohl öfter." Mit dem Satz, der doppeldeutiger nicht sein konnte, drehte er sich um und ging den Weg zurück.

Erleichtert lehnte sich Izzie am Türrahmen an, während sie ihm nachschaute. Nicht das erste Mal plagten sie Zweifel, ob es wirklich eine gute Idee gewesen war, hier einzuziehen. Ihr Blick fiel auf die Uhr. Viel Zeit blieb ihr nicht mehr. In einer halben Stunde fing ihre Schicht an. Izzie zog die Tür zu und rannte die Treppe wieder hinunter.

Derek's Haus

Derek schlich gähnend die Treppe hoch. Alles was er noch vor sich sehen konnte war sein Kissen in Verbindung mit einem bequemen Bett. Irgendwie hatte er den ganzen Tag das Gefühl auf der Flucht zu sein. Ständig wollte einer etwas von ihm. Seufzend ging er an Merediths Zimmer vorbei. Überrascht, dass noch ein Lichtstrahl unter der Tür durchschimmerte blieb er stehen. Sachte klopfte er an die Tür. Als er ihre Stimme hörte, runzelte er nachdenklich die Stirn, öffnete die Tür aber sofort.

„Du bist noch wach?" Er lehnte sich gegen den Türrahmen und erwartete eine simple Begründung ihrerseits, die dazu führte, dass er seinen Weg Richtung Bett fortführen konnte.

Meredith sah mit traurigen Augen zu ihm auf bevor sie sich langsam aufrichtete. „Harter Tag. Mir geht so einiges im Kopf herum."

„Verstehe." Derek räusperte sich, um Zeit zu schinden. Eigentlich war er zu müde, um jetzt noch ein Gespräch anzufangen, aber dann hätte er auch nicht anklopfen dürfen. „Willst du reden?" Tief durchatmend setzte er sich in Bewegung, nachdem sie ihm zugenickt hatte. Zumindest stimmte eine Richtung. Er ging auf ein Bett zu.

„Du siehst müde aus. Wir müssen nicht. Wenn du lieber schlafen gehen willst. Ich verstehe das." Sie legte sich wieder zurück und seufzte leise. Ihr Blick glitt von Derek ins Leere hinein als sie ihre Augen in Richtung Decke drehte.

Derek betrachtete sich Meredith eine Weile, dann zog er die Schuhe aus. Als er seinen Pullover über den Kopf zog, sah Meredith zu ihm hinüber. Sie runzelte die Stirn als dann auch noch er seine Hose öffnete und sie auf den Boden gleiten ließ. Auf Dereks Gesicht zeichnete sich ein verschmitztes Grinsen ab als er zu Meredith schielte. „Entschuldige, dass ich keinen perfekten Strip hingelegt habe."

„Perfekt oder nicht perfekt. Warum machst du es überhaupt." Sie konnte sich nicht anders helfen. Fast scannte sie Dereks Körper und er bot ihr die beste Sicht als er näher an ihr Bett heran trat.

„Du willst reden und ich mich hinlegen." Er kletterte neben ihr ins Bett und stützte sich auf seinem Ellenbogen ab. „Ich liege. Jetzt musst du nur noch reden."

Meredith seufzte leise, legte sich dann aber auf die Seite, damit sie Derek ansehen konnte. „Finn war da." Sie schloss kurz die Augen und holte dann tief Luft. „Er… es ist nicht so wichtig." Damit drehte sie sich wieder auf den Rücken und starrte die Decke an.

„In Ordnung." Jetzt drehte auch Derek sich auf den Rücken. Nach einer Weile stieß er Meredith sachte mit dem Ellenbogen an. „Erscheint bei dir eine Antwort? Ich kann an der Decke nichts erkennen."

Leicht verwundert wandte sich Meredith wieder Derek zu, der angestrengt an die Decke blickte. Schmunzelnd schüttelte sie den Kopf, nur um sich kurz darauf an Derek anzuschmiegen, der auch gleich seinen Arm um sie legte. „Dir ist schon klar, dass du manchmal verrückt bist?"

„Du machst mich verrückt." Er drückte sie schmunzelnd an sich. „Also was wollte Finn? Macht er Ärger wegen der Scheidung?"

„Nein." Seufzend legte sie den Arm um seine Taille. „Er findet es nur nicht in Ordnung, dass wir zusammen wohnen."

„Willst du es rückgängig machen?" Er sah mitfühlend zu ihr hinunter. Ihr Schweigen ließ in ihm ein bedrückendes Gefühl aufkommen. Auch wenn er es öffentlich nie zugeben würde, so mochte er es, sie so nahe bei sich zu haben. „Meredith, ich würde es verstehen." Brach er schließlich die Stille.

Meredith drückte sich von Derek ab und richtete sich auf. Kopfschüttelnd wandte sie sich Derek zu. „Ich habe viel zu lange auf Finn's Gefühle Rücksicht genommen und meine Wünsche unterdrückt. Nach allem was passiert ist will ich nicht irgendwo alleine herum sitzen. Das hatte ich während meiner Ehe schon viel zu oft machen müssen." Sie griff nach Dereks Hand und drückte sie leicht. „Es sei denn, dass du dich Unwohl fühlst, wenn ich weiterhin hier wohnen bleibe."

„Ja, deswegen lege ich lausige Strips hin. Weil ich mich Unwohl fühle, jetzt wo du da bist." Er verdrehte die Augen und schüttelte dabei den Kopf. Da Meredith ihn mit einem ungläubigen Blick bedachte, öffnete er seine Arme. „Ich habe dich gerne um mich herum. Ob in Scheidung lebend oder nicht."

Lächelnd ließ sich Meredith in seine ausgebreiteten Arme sinken. Als sie ihren Kopf auf seine Brust ablegte, schloss sie die Augen, um den Moment besser genießen zu können. Nach einer Weile bemerkte sie nicht nur seine langsame und gleichmäßige Atmung, sondern auch ihr schlechtes Gewissen. Sie hatte das Gefühl, ihm dass sie ihm nur eine gute Freundin vorspielte, jetzt wo sie eindeutig mehr als nur Freundschaft von ihm wollte.

George's Apartment

Schwer bepackt stand Callie vor George's Apartmenttür, indem sie zeitgleich versuchte, einen schlafenden Benji auf ihrem Arm zu halten und eine Tasche über ihrer Schulter. Sie war erleichtert, als George schließlich die Tür öffnete.

„Er ist auf dem Weg hierher im Auto eingeschlafen", erklärte sie und drückte ihm den schlafenden Benji in den Arm. „Hier ist die Tasche mit seinen Sachen. Ich hole ihn morgen früh wieder ab."

George schaute seinen schlafenden Sohn an und musterte dann Callie ungeniert von oben bis unten. Für seinen Geschmack war sie für ein einfaches Klassentreffen zu chic angezogen. „Wo findet denn euer Klassentreffen stand?" fragte er misstrauisch. Er wußte nicht wieso, aber er zweifelte Callie's Ehrlichkeit an. Wahrscheinlich wollte sie sich nur mit ihrer neuen Eroberung, Marcus, treffen.

„In einem Restaurant, etwas außerhalb der Stadt", gab sie Auskunft.

Wie praktisch, dachte George. So konnte er wenigstens nicht nachforschen, ob es auch stimmte, was sie ihm erzählte. „Meine Mutter hat wohl keine Zeit gehabt?" erkundigte er sich neugierig.

Callie rollte mit den Augen. „Du weißt doch, dass deine Mutter heute ihren Bridge Abend hat. Sie hätte sonst auf ihn aufgepasst." Sie lächelte gezwungen. „Ich finde es wirklich lieb von dir, dass du für sie einspringst."

„Er ist mein Sohn!" Er drückte Benji noch ein wenig fester an seine Brust, um seine Worte zu unterstreichen. Er machte Callie ein Zeichen, dass sie ihm ins Schlafzimmer folgen sollte. Vorsichtig legte er den Kleinen auf dem Bett ab.

Als beide vor dem Bett standen und auf ihren schlafenden Sohn herab schauten war es fast so, als ob sie wirklich eine kleine Familie wären. George sah zu Callie hinüber und lächelte. „Wenn er schläft sieht er wie ein Engel aus."

Callie nickte. Sie riss sich gewaltsam von George's Blick los und schaute schnell auf den Boden.

„Wenn ich dich jetzt etwas frage, versprichst du mir, nicht sauer zu werden?" begann er zögernd. Er legte den Kopf schief und kaute verlegen auf seiner Unterlippe herum.

„Was gibt es?" Sie hob den Kopf wieder und sah ihn an.

„Nun, ich dachte, dass du vielleicht ... ich meine, dass du mir vielleicht nicht die Wahrheit sagst, weil du Angst hast, dass ich vielleicht nicht damit einverstanden bin..." begann er zögernd.

Callie sah ihn verwirrt an. „Du sprichst in Rätseln."

George holte tief Luft. „Gehst du wirklich zu dem Klassentreffen oder triffst du dich wieder mit diesem ... Matthew ... Magnus ..." Er brach ab und kratzte sich am Kopf.

„Marcus ..." Callie sah ihn schmunzelnd an. „Bist du eifersüchtig?"

George's Kopf schnellte nach oben. „Wie kommst du denn darauf?" stieß er empört hervor. „Blödsinn! Du kannst ausgehen, mit wem du willst."

„Nun, ich dachte nur." Callie räusperte sich und schaute auf die Uhr. „Ich muss wirklich los. Und ich kann dich beruhigen. Ich gehe wirklich zum Klassentreffen." Sie beugte sich noch einmal zu Benji herab und küsste ihn sanft auf die Stirn, bevor sie das Schlafzimmer verließ und zur Eingangstür ging.

George begleitete sie, und für einen Moment standen sie sich nur schweigend gegenüber und schauten sich an.

"Dann bis morgen früh." Callie rang sich noch ein Lächeln ab und öffnete dann schnell die Tür und trat auf den Flur hinaus.

"Viel Spaß!" rief George noch hinterher, bevor er die Tür wieder hinter sich schloss. Er war erleichtert, dass sie ihm noch gesagt hatte, dass sie nicht mit Marcus ausging. Beschwingt ging er zum Schlafzimmer hinüber, schaute noch einmal nach, ob Benji auch wirklch schlief und zog dann die Tür zu.