Kapitel 13 – Das Kapitel in dem die Lichter ausgehen

Im Krankenhaus

Meredith sprintete zur Schwesternstation, zu der sie wegen eines Notrufs angefunkt worden war. Ihr war nicht nach Notruf. Derek aus dem Weg zu gehen war anstrengender als sie gedacht hatte. Besonders nach dem Zwischenfall vom Vortag mied sie sämtliche Orte, an denen er sich aufhalten könnte.

Schwer atmend von ihrem Sprint erreichte sie schließlich den Tresen, wo sie mit großen Augen angesehen wurde.

„Was machen sie denn hier?" Fragte eine gedrungene Krankenschwester sichtlich irritiert.

„Was ich hier mache?" Keuchte Meredith empört. „Ich wurde angefunkt, dass ich hierher kommen soll."

„Sie sollen in den OP. Dr. Kayson wurde wegen seiner Erkältung nach Hause geschickt und Dr. Shepherd braucht dringend einen Assistenzarzt. Sie sind die einzig verfügbare." Erklärte die Krankenschwester mit den Schultern zuckend.

Meredith spürte wie ihr das Blut aus dem Kopf nach unten sackte. Ihr Herz befand sich auch irgendwo unterhalb ihrer Socken und nicht mehr an dem eigentlich anatomisch günstigen Platz in ihrem Körper. Sie schluckte hart und drehte sich dann um, da sie keine andere Wahl hatte als sich ihren Dämonen zu stellen. Mit weichen Knien näherte sie sich dem Waschraum und somit dem OP Saal. Der einzige Ort, an dem sie Derek nicht entkommen konnte. Weder seinen Blicken, noch seinen Händen. Die sie als sehr geschickt empfand… im OP selbstverständlich. Sie schüttelte über sich selbst den Kopf. Gedanken an ihre gemeinsame Nacht mit ihm würden ihr nicht helfen so dicht neben ihm stehen zu können. Mit pochendem Herzen öffnete sie schließlich die Tür. Phantastisch. Da stand er also und wusch sich seine perfekten Hände.

„Oh." Entfuhr es Derek als er sich umdrehte, nur um direkt in ihre Augen zu blicken. „Ich hatte nach irgendeinem rufen lassen." Erklärte er mit leiser Stimme.

„Ich weiß." Sie nickte ihm zu und griff nach einem Mundschutz, den sie sich etwas umständlich umband, da ihre Hände zitterten. „Bringen wir es einfach hinter uns." Murmelte sie ihm zu, was er mit einem zaghaften Nicken quittierte.

„Derek." Eine aufgeregte Stimme durchbrach die Stille als eine OP Schwester in den Waschraum eilte. Etwas irritiert musterte sie Meredith, die sie verwundert ansah. „Dr. Shepherd… ich wollte sie fragen." Sie unterbrach ihren Satz, da Meredith sie inzwischen ungläubig anstarrte. Räuspernd lehnte sie sich lasziv gegen den Türrahmen. „Das hat auch Zeit bis später. Wir wären hier drinnen so weit."

„Danke." Derek hatte unlängst seinen Blick wieder auf den Wasserstrahl vor sich gerichtet und schenkte der OP Schwester keine Beachtung mehr. Lediglich das Stoppen von Merediths Bewegungen ließ ihn wieder aufsehen. „Ist was?"

„Nein, es ist nichts." Meredith schüttelte verneinend den Kopf. Ihr kam die Stimme der OP Schwester bekannt vor, wusste sie aber nicht mehr einzuordnen. „Ich bin gleich soweit." Informierte sie Derek, der sie neugierig ansah und gleich darauf im OP Saal verschwand.

Normalerweise mochte Derek es, mit Meredith zu arbeiten. Nein, er liebte es. Sie verstand seinen Humor und hatte auf jeden seiner Sprüche einen noch besseren parat. Ohne sie würde er Gefahr laufen in die höheren Sphären der Arroganz abzuheben, bei all den Lobhuddeleien, die er öfter Mal über sich ergehen lassen musste. Doch Meredith brachte ihn stets rechtzeitig zurück auf den Boden. Sie forderte ihn heraus und er liebte es. Doch heute war es eine Qual, mit ihr so eng am OP Tisch zu stehen. Sie redeten nicht miteinander. Das unweigerliche Berühren der Hände wurde zur Folter, weil sie nicht wegziehen konnten. Seine letzte Option, die OP unbeschadet zu überstehen war es, einen neuen Rekord aufstellen zu wollen. Strikte Anweisungen, kein Small Talk.

Am Ende hatte er den Rekord zwar nicht gebrochen, aber zumindest waren sie fertig. Er blickte zu Meredith hinüber, der Augen noch immer auf dem Patienten waren. „Machst du… machen sie zu Dr. Grey?" Was für eine bescheuerte Frage schoss es ihm sofort durch den Kopf. Er sah Meredith entschuldigend an. Als sie ihm zunickte, verließ er fluchtartig den OP Saal. So schnell er konnte riss er sich den Kittel samt Handschuhen herunter und atmete tief durch als er den Mundschutz abgenommen hatte.

„Alles in Ordnung, Derek?" Die OP Schwester, die vorher schon einmal im Waschraum war, hatte abermals den Kopf hereingesteckt. Sie sah ihn mit großen Augen an und man konnte den Anflug eines Lächelns hinter ihrer Maske erkennen.

„Ja, ich habe mich nur kurz klaustrophobisch gefühlt und musste raus." Er verwarf die benutzen Sachen und machte sich dann an das obligatorische Händewaschen.

Die OP Schwester nahm ebenfalls ihren Mundschutz ab und lehnte sich neben Derek an das Waschbecken. „Wenn du reden willst. Ich habe Zeit." Sie lächelte ihn mit ihren vielen Zähnen an, weswegen Derek leicht irritiert einen Schritt zur Seite trat.

„Nein, schon gut. Das passiert manchmal. Ist aber keine große Sache." Er schüttelte den Kopf und registrierte mit einigem Unbehagen, dass sie wieder näher an ihn herangerutscht war.

„Wir könnten heute etwas trinken gehen. Ich habe gesehen, dass du früher Schluss haben." Sie beugte sich langsam zu ihm hinüber, so dass er ihren Lakritz Atem deutlich riechen konnte. Ein Geräusch im Hintergrund stoppte ihre Bewegung und sie sah genervt nach oben.

„Sie bringen ihn auf die Intensiv zu Beobachtung." Informierte Meredith leise. Jetzt wo sie die OP Schwester wieder erkannt hatte, spürte sie wie sich ihre Magengrube zusammen zog. Sie wusste, dass die Brünette sich schon länger für Derek interessierte.

„Es dürfte keine Komplikationen geben." Dankbar, dass Meredith endlich da war, lächelte er ihr zu. Doch da sie nur mit einem traurigen Blick auf ihre Hände sah, erfror sein Lächeln sofort wieder.

„Derek, wie ist es denn jetzt? Treffen wir uns bei Joe drüben?" Die OP Schwester tippte ihn gegen die Schulter, um wieder seine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.

„Ich hatte für heute Abend etwas anderes geplant." Derek trat um Meredith herum, um sich mit den Papiertaschentüchern die Hände abzutrocknen. Da Meredith ihn noch immer nicht ansah, verließ er wortlos den Waschraum.

„Ich frage mich, was er für uns geplant hat." Grinsend verließ die OP Schwester ebenfalls den Waschraum.

Meredith starrte mit Tränen in den Augen auf den Wasserstrahl vor sich. Das schlimme für sie war, dass sie Derek noch nicht einmal einen Vorwurf machen konnte.

Im Krankenhaus

Callie war sich sicher, dass George ihr aus dem Weg ging. Wenn es nicht um Benji's Zukunft gegangen wäre, hätte sie die Sache auf sich beruhen lassen. Doch es ging um ihr Baby. Und wie jede Mutter reagierte sie emotional, wenn es um das Glück ihres Kindes ging. Aber anscheinend waren dies Gefühle, die George fremd waren. Denn gerade eben hatte er wieder demonstrativ die Cafeteria verlassen, als er sah, wie sie mit einem Tablett dieselbe betrat. Doch dieses Mal wollte sie ihn nicht so einfach gehen lassen. Sie stellte ihr Tablett auf dem Tisch ab und rannte wieder zur Tür hinaus. Sie sah gerade noch, wie er um die Ecke bog und setzte ihm nach. "Zum Teufel mit dir, George O'Malley!" schrie sie unbeherrscht hinter ihm her, so dass ein paar Krankenschwestern, die gerade den Gang entlang kamen, entsetzt davon huschten.

George überlegte erst, ob er seinen Schritt noch weiter beschleunigen sollte, doch er entschied sich dagegen. Er stoppte und drehte sich langsam zu ihr um. "Was willst du, Callie? Ich dachte, wir hätten alles geklärt", sagte er kühl.

Sie schüttelte energisch den Kopf. "Du vielleicht, aber ich habe noch nicht einmal angefangen", schnaubte sie wütend. Sie packte ihn grob am Arm und drängte ihn in einen Materialraum hinein. "So, hier sind wir ungestört." Sie ließ seinen Arm los und stemmte stattdessen ihre Hände in die Hüften. "Und nun will ich wissen, was mit dir los ist!"

Er stand vor ihr, perplex und unfähig, auch nur ein Wort von sich zu geben. Er fragte sich, was Callie so aufgebracht hatte. So kannte er sie gar nicht. "Was … meinst du?" Ihr forsches Auftreten verunsicherte ihn.

Sie gestikulierte wild und unkontrolliert mit den Armen. "Ich will wissen, wieso du mir ausweichst, wieso du vor mir davon läufst, wenn wir uns zufällig treffen."

George fühlte sich wie in einer Falle, die gleich zuschnappen würde. "Ich … laufe nicht davon", brachte er kläglich hervor.

"Doch, das tust du!" Callie nickte so heftig mit dem Kopf, dass ihre Haare flogen. "Aber es geht hier nicht um mich, sondern um Benji." Sie holte tief Luft, bevor sie weiter sprach. "Du hast dich seit 4 Tagen nicht mehr bei uns gemeldet. Er fragt jeden Tag nach dir. Und weißt du, was das schlimmste ist? Er glaubt, dass er Schuld daran ist, dass du nicht mehr kommst. Er glaubt, dass du auf ihn böse bist."

George hatte Callie schweigend zugehört, und mit jedem weiteren Satz hatte sich sein Magen mehr zusammen gezogen. Benji glaubte, dass es seine Schuld war, dass er nicht mehr kam? Er konnte weder Callie's anklagenden Blick länger ertragen noch den Gedanken, dass sein Sohn sich schuldig fühlte. Schnell drehte er sich weg und presste beide Hände gegen das Regal, dass hinter ihm gestanden hatte.

Callie wusste nicht, wie sie seine Geste deuten sollte. War das wieder eine Form von Flucht? Sie trat einen Schritt auf ihn zu und legte ihm vorsichtig die Hand auf die Schulter. "George?" Sie sah, wie er seinen Kopf noch ein Stück weiter nach unten senkte und sich sein Oberkörper hob und senkte, als ob er schwer atmete. Sofort überkam sie das schlechte Gewissen. Vielleicht waren ihre Worte doch zu heftig gewesen. Sie wusste, wie sensibel er in der Vergangenheit auf das Thema Benji reagiert hatte. Aber wieso wich er ihr aus? Wieso hatte er sich tagelang nicht mehr bei ihr gemeldet, wenn ihm doch anscheinend etwas an seinem Sohn lag? Für Callie ein Widerspruch in sich selbst.

George blinzelte die Tränen weg. Er wollte vor Callie keine Schwäche zeigen, auch wenn er sich hundeelend fühlte. Sie hatte genau seinen schwachen Punkt getroffen. Er wollte nicht, dass ein anderer Benji großzog außer ihm. Doch es ging nicht nur um Benji, weshalb er so fertig war. Es ging vor allen Dingen um Callie und dass sie demnächst einen Mann heiraten würde, den er für den größten Volltrottel auf Erden hielt. Er konnte überhaupt nicht verstehen, was Callie an diesem Marcus fand. Er sah nicht einmal gut aus, und er war sicher ein ganz lausiger Liebhaber. Er zwang sich, den Gedanken an Sex zwischen Callie und Marcus, zu unterbrechen. Ihm wurde schlecht, wenn er nur daran dachte.

"George, sag bitte etwas!" Callie fühlte sich massiv verunsichert durch seine Reaktion. "Ich wollte dich nicht anschreien. Ich war nur so wütend, weil du seit Tagen vor mit weggelaufen bist." Ihr Griff verstärkte sich um seine Schulter. "Ist es wegen Marcus?" fragte sie vorsichtig. "Bist du deshalb so ... merkwürdig?"

Er drehte sich abrupt um. "Sag Benji, dass ich ihn heute Abend nach Feierabend abholen werde", sagte er so gefasst wie möglich. "Du hast doch nichts dagegen, dass er die Nacht über bei mir bleibt? Ich bringe ihn auch morgens in den Kindergarten."

Callie nickte mechanisch. Sie hatte eigentlich eine andere Reaktion auf ihre Frage erwartet. Er war ihr mal wieder ausgewichen. "Alles okay mit dir?"

George nickte. Sie brauchte nicht zu wissen, wie es wirklich in ihm aussah. Es würde auch nichts ändern. Sie war verlobt und würde bald heiraten. Er ging zur Tür und öffnete sie. "Wir sehen uns dann später", sagte er, bevor er den Raum endgültig verließ.

Callie sah ihm mit besorgtem Blick hinterher. Sie wusste nicht wieso, aber sie hatte das Gefühl, dass er etwas vor ihr verbarg. Sie erinnerte sich plötzlich daran, dass ihr Essen ja noch in der Cafeteria stand. Seufzend verließ sie den Raum und machte sich auf zur Cafeteria.

Dereks Haus

Meredith öffnete die Autotür. Nervös sah sie zum Haus hinüber. Da sie Dereks Wagen bereits erspäht hatte, wusste sie, dass er zuhause war. Oder noch. Mit hängenden Schultern stieg sie schließlich aus. Es hinter sich zu bringen war immer noch besser als stundenlang im Regen zu stehen. Ihr Plan sah ohnehin vor, dass sie schnell in die Küche laufen wollte. Dort etwas essbares finden, einpacken und damit dann in ihrem Zimmer verschwinden. Sich für das Bett fertig machen, das Essen in sich hinein stopfen und nicht mehr über Dereks Date nachzudenken. Ein perfekter Plan, den es jetzt nur noch umzusetzen galt.

Tief durchatmend öffnete sie die Haustür. Sie lauschte in eine Stille, die sie dazu ermutigte, weiter gehen zu können. Die Küche war nur ein paar Meter entfernt und zu ihrer Erleichterung lag das Wohnzimmer schon einmal im Dunkeln. Irgendwie hatte sie die gesamte Fahrt über ein Bild vor Augen gehabt, dass sie Derek mit dieser OP Schwester wild herum machend dort vorfinden würde. Da sie auch keine verdächtigen Geräusche aus der Küche hörte, stieß sie die Tür auf, nur um erschrocken stehen zu bleiben.

Der Tisch war hergerichtet für zwei Personen. Überall in der Küche standen Kerzen, von denen ein paar bereits angezündet waren. Erst jetzt nahm sie war, dass er gekocht hatte. Ihr stieg der Geruch von einer Champagner Sauce in die Nase. Unweigerlich drehte sie ihren Kopf zum Herd, auf dem die zubereiten Speisen warm gehalten wurden und sich so das Aroma in der Küche ausbreitete. Ihr Blick fiel wieder zu dem gedeckten Tisch, auf dem sie jetzt auch einen Eiskübel erkennen konnte, neben dem ein Strauß Blumen stand. Jetzt wusste sie, was diese OP Schwester erwarten würde und ihr war es als ob jemand ihr Herz herausgerissen hatte.

Sie wollte nur noch weg. Ein Gefühl der Panik kroch langsam in ihr hoch und sie stürmte aus der Küche, nur um blindlings gegen eine harte Männerbrust zu rennen.

„Du bist da." Derek begrüßte sie mit einem Lächeln, welches schnell bei ihrem Anblick erstarb. „Was hast du?"

„Ich wollte mir nur etwas zu essen holen." Sie fühlte sich leicht unbehaglich und sah auf den Boden. „Ich kann auch ganz weggehen, wenn du das Haus für dich haben willst."

Derek sah verwundert zu ihr und schüttelte dann grinsend den Kopf. „Ich käme mir recht merkwürdig vor, wenn ich alleine essen sollte."

„Alleine?" Sie hob fragend den Kopf. So wie sich diese OP Schwester verhielt, würde sie wohl kaum eine Einladung ausschlagen. Allerdings brachte es auch der Beruf einer OP Schwester mit sich, dass Verabredungen nicht eingehalten werden konnten. „Sie kann wohl nicht kommen." Meredith sah wieder nach unten, da sie seine Enttäuschung über das Nichterscheinen der OP Schwester nicht sehen wollte.

„Wer kann nicht kommen?" Derek lehnte sich gegen den Türrahmen und sah Meredith amüsiert an.

„Diese OP Schwester. Wie heißt sie noch mal gleich?" Noch immer mied sie seinen Blick.

„Ich habe keine Ahnung, wie sie heißt. Geschweige denn weiß ich, von wem du sprichst." Er hob ihren Kopf an, damit sie ihn endlich ansah. „Ich wollte mich heute bei meiner besten Freundin entschuldigen, weil die vergangenen Tage nicht leicht waren."

„Das ist für mich?" Flüsterte Meredith leise, so dass Derek es mehr von ihren Lippen ablesen musste. Als Derek ihr zunickte schlug sie die Hand vor den Mund. Sie sah zum Tisch hinüber und dann wieder zu Derek. Mit einem Schritt verkürzte sie die Distanz zu ihm und lehnte sich gegen seine Brust. Kaum spürte sie seine Arme um sich, ließ sie sich ganz fallen.

„Können wir einfach vergessen, dass wir Sex hatten und wieder Freunde sein?" Er strich ihre sanft über das Haar als er gespannt auf ihre Antwort wartete. Da sie sich nicht rührte, drückte er sie etwas von sich, damit er ihr in die Augen sehen konnte. „Ich vermisse meine Freundin und ich will dich nicht verlieren, nur weil wir für einen Moment… für einen sehr langen und atemberaubenden Moment schwach waren."

Meredith atmete tief durch und nickte ihm schließlich zu. „Ich habe dich auch vermisst." Auf ihrem Gesicht spiegelte sich bald sein Lächeln wieder. „Und nur damit du es weißt. Ich will nicht, dass du dich auf diese OP Schwester einlässt."

„Und nur damit du es weißt. Ich habe wirklich keine Ahnung, von wem du sprichst." Er legte seinen Arm um ihre Schulter und führte sie zu dem Tisch.

„Die Brünette." Sie sah zu ihm hoch, doch statt der großen Erkenntnis sah sie nur nachdenklich Falten. „Die mit dem Lakritz Tick. Hat ständig was zwischen den Zähnen."

Derek rümpfte die Nase. „Oh, die meinst du." Er schüttelte sich leicht und sah dann verwundert zu Meredith, die inzwischen am Tisch Platz genommen hatte. „Kein Interesse. Noch nicht einmal wenn ich für längere Zeit ohne auskommen müsste." Er schenkte Meredith und sich Champagner ein und kniete sich dann vor sie.

„Machst du mir jetzt einen Antrag?" Sie hob überrascht die Augenbraue als sie Derek vor sich sah. Auch wenn sie es ihm niemals anvertrauen würde, aber der Anblick gefiel ihr irgendwie.

„Ruinier nicht den Moment." Ermahnte Derek, doch da Meredith ihn weiterhin mit einem breiten Grinsen ansah, seufzte er laut auf. „Zu spät." Bevor er wieder aufstehen konnte, hielt Meredith ihn an der Schulter fest.

„Was wolltest du sagen, Derek?" Sie sah ihn jetzt mit ernster Miene an, da sie spürte, dass es ihm wichtig war.

„Nichts weiter." Er schüttelte den Kopf. „Mir ist unsere Freundschaft wichtig. Das wollte ich sagen. Nur mit anderen Worten." Lächelnd griff er nach ihrer Hand und drückte sie leicht. Als er wieder aufstand küsste er sie sanft auf die Wange. „Und jetzt habe ich Hunger."

Lächelnd beobachtete Meredith Derek dabei, wie er ihr Essen auf den Tellern anrichtete. In ihr machte sich ein Gefühl der Erleichterung breit. Nicht nur, weil er kein Interesse an dieser OP Schwester hatte, sondern auch weil sie wieder normal miteinander umgehen konnten. Allerdings mischte sich auch eine gewisse Traurigkeit unter ihre eigentlich freudige Stimmung. Zwar würde sie ein Abendessen bei Kerzenlicht zu sich nehmen, aber nur mit ihrem besten Freund und nicht mit dem Mann, mit dem sie zusammen sein wollte.

Joe's Bar

Als George Joe's Bar betrat wurde er gleich vom Barkeeper freundlich begrüßt.

"Hey, George! Wie geht es denn so? Ich habe dich ja schon ein paar Tage nicht mehr gesehen." Joe lachte. "Das Übliche?"

George winkte gleich ab. "Nein, heute mal nichts Alkoholisches." Er nahm direkt am Tresen Platz. "Hey Joe!" erwiderte er nun auch den Gruß. "Nur eine Cola wenn es geht."

"Bist du krank?" Der Barmann sah ihn mit prüfendem Blick an.

George lachte. "Nein, mir geht's gut. Ich will nur gleich zu Callie fahren. Benji soll bei mir übernachten."

Joe zog mit einem vielsagenden Blick die Augenbrauen nach oben. "Läuft wieder was zwischen euch beiden?"

George nahm die Cola, die Joe ihm über den Tresen schob entgegen und genehmigte sich einen Schluck. "Ich dachte, du weißt immer alles. Anscheinend ist dir der neueste Klatsch wohl entgangen", bemerkte er trocken, nachdem er das Glas wieder abgestellt hatte.

"Nun, vielleicht liegt es daran, dass Schwester Debbie gerade Urlaub in Europa macht." Joe zuckte mit den Schultern. "Was soll ich sagen. Sie ist meine Quelle. Ohne Quelle keine Informationen." Er beugte sich weiter über den Tresen. "Aber im Gegensatz zu mir scheinst du bestens informiert zu sein. Also los, spuck's aus! Um was geht es?"

George nahm einen erneuten Schluck aus seinem Glas. "Callie hat sich verlobt!" kam er gleich ohne lange Umschweife zur Sache.

"Wow …" Joe fiel sichtbar die Kinnlade nach unten. "Na dann, herzlichen Glückwunsch!" sagte er fröhlich, nachdem er sich wieder gefangen hatte.

"Wie?" George sah ihn verwirrt an. "Wieso gratulierst du mir? Ich habe mich nicht verlobt!"

"Nicht?" Joe machte ein betretenes Gesicht. "Nun, ich dachte, dass ihr beiden …" Er stoppte mitten im Satz und räusperte sich. "Vergiss was ich dachte." Er beugte sich noch ein Stück weiter zu George. "Und wer ist der Glückliche, wenn ich fragen darf?"

"Du kennst ihn." George nahm einen Schluck aus seinem Glas und drehte dann den Kopf in die Richtung des Tisches, an dem er Callie das letzte Mal mit Marcus gesehen hatte.

Joe war seinem Blick gefolgt und stutzte. "Du meinst …" Er brach erneut ab. "Du redest von diesem geschniegelten Geschäftsmann im Nadelstreifenanzug?" Er rollte mit den Augen. "Wow …" entfuhr es ihm wieder.

"Was soll dieses "Wow" bedeuten?" George runzelte die Stirn. "Wow" gut oder "Wow" schlecht?"

"Was fragst du mich das?" Joe rollte mit den Augen. "Nur weil ich ein Kerl bin der auf Kerle steht heißt das nicht, dass ich mich gleich in jede optisch ansprechende Hülle verliebe."

"Callie tut es." George griff nach seinem Glas und stellte es wieder unverrichteter Dinge ab, als er feststellte, dass es leer war. "Noch eine Cola!"

"Frusttrinken bringt nichts." Joe schüttelte den Kopf. "Außerdem ist das Zeug purer Zucker und enthält Null Nährstoffe. Absolutes Gift für die Organe, wenn du mich fragst. Aber wenn du eines Tages an Organversagen sterben möchtest, dann nur zu!"

George schoss ihm einen empörten Blick zu. "Du verstehst es wirklich, deine Kunden zu vergraulen. Schlechte Propaganda ist schlecht fürs Geschäft." Er seufzte tief. "Okay, von Kerl zu Kerl … Was schlägst du vor?"

"Trink das nächste Mal lieber Bier."

"Nein, ich meine wegen Callie!" George verdrehte die Augen.

"DU fragst mich um Rat?" Joe sah ihn überrascht an. "Ich kann mich erinnern, dass du mir letztes Mal ganz schön über den Mund gefahren bist, als ich meine Meinung gesagt habe."

"Damals hast du dich ungefragt eingemischt. Nun frage ich dich ja. Das ist was anderes", sagte George kleinlaut. Erwartungsvoll sah er den Barmann an. "Nun?"

Joe kratzte sich nachdenklich an der Stirn. "Du willst sie zurück? Dann rede mit ihr. Das ist die einfachste Geschichte von der Welt. Einfach und geradeheraus. Wieso macht ihr immer alles so kompliziert?" Er seufzte leise.

"Halt! Moment mal! Wer sagt, dass ich Callie zurückhaben will? Davon war keine Rede." George verzog das Gesicht. "Du ziehst völlig falsche Schlüsse aus dem ganzen."

Joe zog die Stirn in Falten. "Tja, also wenn dir nichts an ihr liegt, dann verstehe ich nicht, wieso du dich so aufregst. Lass sie heiraten und glücklich werden." Er zuckte lässig mit den Schultern. "Du musst einsehen, dass sie was schlechteres hätte abkriegen können."

"Er wird Benji erziehen", warf George ein.

"Na und? Das heißt ja nicht, dass du ihn nicht mehr sehen darfst, oder?" Joe sah ihn fragend an. "Oder hat sie dir den Umgang mit ihm ab jetzt verboten?"

George schüttelte den Kopf. "Nein … im Gegenteil."

Ein Lächeln machte sich in Joe's Gesicht breit. "Dann ist ja alles bestens. Also was willst du dann?"

George blies langsam die Luft aus, die er inne gehalten hatte und sah Joe mit ratlosem Blick an.

"Oh je …" Der Barmann stöhnte leise auf. "Für Menschen, die nicht einmal wissen, was sie wollen, habe ich keine Ratschläge parat. Aber soll ich dir trotzdem sagen, was ich denke?"

"Was?" George sah ihn neugierig an.

"Ich sage dir gleich, dass du mir nicht glauben wirst", fügte Joe als Warnung hinzu.

"Nun sag schon!" George wurde allmählich ungeduldig.

"Der Grund, wieso du so eine Welle machst ist nicht der, dass dieser feine Gentleman deinen Sohn erzieht. Der Grund ist der, dass du nicht möchtest, dass er Callie anfasst. Und soll ich dir sagen, wieso du das nicht möchtest?" Joe ließ George erst gar nicht zu Worte kommen sondern fuhr gleich fort. "Du liebst sie! Du bist eifersüchtig! So einfach ist das." Er grinste schief. "Liege ich in etwa richtig mit meiner Vermutung?"

George griff in seine Hosentasche, fischte eine Münze heraus und legte sie auf den Tresen. "Nein, du liegst völlig daneben!" Er sprang auf. "Ich muss los, Benji abholen." Ohne noch Joe's Antwort abzuwarten, verließ er beinahe fluchtartig die Bar.

Joe nahm die Münze vom Tresen, warf sie in die Luft und fing sie wieder auf. Ein leichtes Schmunzeln umspielte seine Lippen. Er wusste, dass er Recht gehabt hatte. Die Frage war nur, ob George das auch wusste.

Joe's Bar

Cristina stellte mit einem lauten Knall ihr Glas auf den Tisch, weswegen Marks Kopf erschrocken nach oben schnellte.

„Guten Morgen." Cristina stützte sich mit dem Ellenbogen auf dem Tisch ab. Mit einem mürrischen Blick beäugte sie Mark.

„Wäre es Morgen, wäre er mit Sicherheit nicht gut." Mark zog sein Glas wieder zu sich und drehte es danach auf dem Tisch herum.

Cristina beobachtete ihn eine Weile, dann stand sie zu seiner Überraschung wutentbrannt auf und stürmte zum Tresen, wo sie sich etwas zu trinken holte. Auf ihrem Weg zurück stieß sie gegen eine Brünette, die sich in der Bar umsah. Leise fluchend setzte sie sich kurze Zeit später wieder an den Tisch.

„Was hat Joe dir denn in den Tequila gemixt." Mark runzelte wegen ihres Verhaltens die Stirn.

„Die Frage ist eher, was mit dir los ist. Wir sind noch nicht einmal eine halbe Stunde hier und du hängst schon mit dem Kopf auf dem Tisch." Sie schüttelte aufgebracht den Kopf. „Normalerweise dauert das mindestens 2 Stunden."

Mark zuckte mit der Schulter. „Darf ich nicht auch einmal nachdenklich sein?"

„Über was denkst du denn nach? Ob du die Gynäkologie vor der Psychiatrie ran nimmst? Besser wäre es, nicht dass du noch geheilt wirst." Sie fing herzhaft an zu lachen. Auch als Mark sie verärgert ansah, konnte sie sich nicht beruhigen.

„Schön, dass ich deine Stimmung wieder heben konnte." Raunte er ihr zu. „Ich kann ja dann gehen. Denn so wie es aussieht, brauchst du mich nicht mehr."

Cristina wischte sich eine Träne von der Wange. „Nein, bleib. Mir ist nicht danach, dumm von der Seite angesprochen zu werden. Mit dir an meiner Seite werde ich eher in Ruhe gelassen."

„Entschuldigung, wenn ich störe." Die brünette OP Schwester tippte Cristina auf die Schulter.

„Oder auch nicht." Murmelte Cristina gequält als sie kurz hochsah, wer sie belästigte.

„Haben sie zufällig Dr. Shepherd gesehen?" Fragte die Brünette scheinbar unbeeindruckt weiter. Sie blickte von Cristina zu Mark, woraufhin sich ihr Gesicht aufhellte und sie noch mehr Zähne blitzen ließ. „Mark? Hast du Derek gesehen?"

„Ich bin nicht sein Privatsekretär." Er verdrehte die Augen und blickte stur weiter auf sein Glas vor sich. Da er aber weiterhin ihre großen Augen erahnen konnte, die auf ihn gerichtet waren, sah er zu ihr hoch. „Warum wollen sie das überhaupt wissen?"

„Wir sind verabredet." Klärte die Brünette auf als sei es die größte Selbstverständlichkeit.

„Ihr seid ver… abredet?" Mark verschluckte sich und fing an zu husten. Sein Blick fiel auf Cristina, die seelenruhig auf ihrem Stuhl saß und die Brünette anlächelte.

„Ja. Ich hatte die Bar vorgeschlagen, aber er meinte, dass er etwas anderes im Sinn hätte." Die Brünette blickte sich erneut in der Bar um, sah aber nach einer Weile wieder zu Mark. „Im Krankenhaus hieß es, dass er längst weg sei. Da dachte ich mir, dass er vielleicht hier auf mich warten würde."

„Vielleicht sollten sie lieber da vorne beim Tresen warten." Griff Cristina in das Gespräch ein. Sie deutete mit ihrer Hand zu Joe hinüber, der gerade ein paar Gäste bediente. „Derek hält seine Verabredungen immer ein und wird sicher bald kommen."

Die Brünette sah misstrauisch zu Cristina hinüber. Doch der freundliche Gesichtsausdruck der Ärztin überzeugte sie schließlich. „Sie haben Recht. Entschuldigen sie noch mal die Störung." Sie trottete strahlend zum Tresen hinüber und richtete ihre Aufmerksamkeit sofort der Tür.

„Sag mal geht es dir noch gut?" Mark schüttelte fassungslos den Kopf. „Wie kannst du so ruhig bleiben?" Er ließ sich auf dem Stuhl zurückfallen nur um sich dann sofort wieder zu Cristina nach vorne zu beugen. „Vielleicht hast du es nicht mitbekommen, aber deine beste Freundin hat was für Derek übrig."

„Das da." Cristina deutete erneut zum Tresen. „Das ist nicht sein Geschmack. Denn den kenne ich sehr gut." Sie lehnte sich auf dem Stuhl zurück und grinste von dort aus Mark an. „Und außerdem kenne ich Dereks Pläne für den heutigen Abend."

Mark wartete gespannt darauf, was Cristina ihm zu berichten hatte, doch diese amüsierte sich lieber über den Anblick der wartenden Brünetten. Ungeduldig schnipste er ihr vor dem Gesicht herum. „Wie lauten denn seine Pläne?"

„Keine Ahnung, was er genau vor hat." Sie runzelte die Stirn, während sie angestrengt nachdachte. „Ich weiß nur, dass alles was er heute vor hat, Meredith beinhaltet und nicht die da am Tresen."

„Und woher weißt du das?" Noch immer traute er Cristina nicht so recht über den Weg, zumal sie abermals die Stirn in Falten gesetzt hatte.

„Also wie war das? Die eine Schwester hatte mitbekommen, dass er Bailey gefragt hat wo Webber sei und dann hat Tyler gehört, dass Bailey zu einer Schwester gesagt hat, Derek wäre schon zu Hause." Sie schüttelte den Kopf. „Nein, halt Tyler hat es Bailey gesagt, was er von einer Schwester gehört hatte. Ist auch egal." Sie sah in ein verwirrtes Gesicht und zuckte dann mit den Schultern. „Außerdem hat Derek mich angerufen, ob Meredith schon unterwegs sei, weil er sich dann mit dem Essen beeilen müsste."

Marks Kopf knallte mit einem lauten poltern auf den Tisch.

„Wusste ich es doch, dass er heute nicht in Form ist." Sie zuckte erneut mit den Schultern als sie seinen Anblick mit einem amüsierten Grinsen bedachte. Danach widmete sie sich wieder der Brünetten. Ihr Lächeln erstarb etwas, da sie sich nicht mehr so ganz sicher war, ob sie nicht doch noch für Ärger sorgen konnte.

Haus der Karevs

Gelangweilt zappte Alex durch die Fernsehprogramme, ohne sich für eins entscheiden zu können. Er hatte gehofft, ein klärendes Gespräch mit Susanna führen zu können. Doch sie hatte es vorgezogen, frühzeitig schlafen zu gehen. Sie litt immer noch unter dem Jetlag und brauchte immer ein paar Tage, um sich wieder an das Klima in Seattle zu gewöhnen. Seufzend griff er nach einem Motorradmagazin, dass auf dem Tisch lag und begann darin eher lustlos zu blättern. Vielleicht sollte er auch besser schlafen gehen. Er klappte das Magazin wieder zu und wollte gerade auch den Fernseher ausschalten, als es plötzlich rabenschwarz um ihn herum wurde. Er brauchte ein paar Sekunden, um zu realisieren, dass es sich wohl um einem Stromausfall handelte. Nichts ging mehr. Alles war dunkel. Er stand auf und tastete sich langsam bis zum Fenster. Sogar die Straßenlaterne draußen war ausgefallen. Also schien es etwas größeres zu sein. Zum Glück wusste er, wo Susanna ihre Zigaretten und das Feuerzeug aufbewahrte. Er tastete sich weiter zum Sideboard und entflammte das Feuerzeug. Jetzt entdeckte er auch einige Kerzen, die im Regal hinter ihm standen. Er nahm eine heraus und wollte sie gerade anzünden, als er über sich ein lautes Poltern hörte, auf das kurz darauf Totenstille folgte. Izzie! So schnell er konnte rannte er mit der Kerze aus dem Wohnzimmer die Treppe zur Dachgeschosswohnung hinauf. Schweratmend blieb er einen Moment vor der Tür stehen und lauschte. Nichts. Kein Geräusch drang nach außen. Besorgnis machte sich bei ihm breit. Vielleicht war sie gestürzt und lag nun ohnmächtig und blutend auf dem Boden. Ungeachtet der Uhrzeit und dass er nur eine Jogginghose und Unterhemd trug, klopfte er an ihre Tür. "Izzie? Ist alles okay?" Es schien ihm eine Ewigkeit zu dauern, bis sie schließlich die Tür öffnete.

"Alex?" fragte sie verwundert. "Ist etwas passiert?"

"Das wollte ich dich gerade fragen", stieß er hervor. "Ich dachte vorhin, dass das ganze Haus in die Luft fliegen würde." Er versuchte zu ignorieren, dass sie nur ein kurzes, dünnes Nachthemd trug und darin sehr verführerisch aussah.

"Tut mir leid." Sie biss sich auf die Lippen. "Ich bin gegen den Stuhl gestoßen und da ist er umgefallen. Habe ich euch geweckt?" Sie verschränkte ihre Arme vor der Brust, weil ihr mit einem Mal bewusst wurde, dass ihr Nachthemd mehr von ihrem Körper preisgab als es verhüllte.

Er schüttelte den Kopf. "Mich nicht. Ich war noch wach, und Susanna ist atombombengetestet." Er verzog das Gesicht zu einem schiefen Grinsen.

"Oh … gut." Sie lächelte dünn. Seine Nähe machte sie nervös, zumal er unglaublich sexy mit halb entblößtem Oberkörper aussah. "Ich wollte gerade ins Bett gehen, als es plötzlich überall dunkel wurde", versuchte sie ihren spärlichen Aufzug zu erklären.

Alex nickte, während er seinen Blick nicht von ihr wenden konnte. Der dünne Stoff ihres Nachthemdes schmiegte sich wie eine zweite Haut um ihre schlanken Kurven. Alex spürte, wie sich sein Puls beschleunigte und sein Mund trocken wurde. "Brauchst du vielleicht Kerzen?" brachte er mit heiserer Stimme hervor. Das war sicher die dümmste Frage, die er jemals einer Frau gestellt hatte. Aber ihm fiel in dem Moment nichts geistreicheres ein.

Izzie sah hoch und schüttelte lächelnd den Kopf. Ein Fehler, wie sie gleich darauf feststellen musste, denn Alex' Blick begann sich an ihrem festzusaugen. Wie zwei Magneten strebten sie aufeinander zu.

Alex löste seinen Blick kurz von Izzie's und bückte sich, um die Kerze neben sich abzustellen. Er wollte seine Hände freihaben, wenn er sie in seine Arme zog.

Izzie wusste nicht, ob es die Kälte war oder ihre Nervosität, weshalb sie plötzlich zu zittern anfing. Sie blieb unbeweglich stehen, als er einen Schritt vorwärts machte und seine Hand um ihre Taille legte. Gleich würde er sie küssen, ging es ihr durch den Kopf. Doch bevor es dazu kommen konnte, fühlte sie, wie etwas weiches an ihrem Bein entlang huschte und dann die Dunkelheit über sie kam.

"Verflucht!" Alex ließ Izzie los und bückte sich nach der Kerze, die nun umgekippt auf dem Fußboden lag. "Was war das?"

"Der Kater …" Izzie hatte Mühe, ihre Stimme wieder zu finden. Sie stand noch immer unter dem Eindruck des Fast-Kusses. "Warte, ich … ich habe drinnen auch noch Kerzen und ein Feuerzeug." Sie war froh, der Situation entfliehen zu können. Jetzt, wo sie wieder halbwegs bei klarem Verstand war fragte sie sich, was ihr nur in den Sinn gekommen war, halb nackend an der Tür zu erscheinen. War doch klar, dass ein Mann da auf falsche Ideen kam. Auf Alex musste es wie eine Einladung gewirkt haben. Wie peinlich! Izzie griff hektisch nach einer der Kerzen, die schon brennend auf dem Küchentisch gestanden hatte und ging damit zu Alex zurück. Sie drückte ihm die Kerze in die Hand und sah ihn verlegen an. "Du kannst sie behalten. Ich habe noch mehr davon. Damit du deinen Weg auch sicher zurück findest."

Er nickte. Der Zauber des Moments war verflogen. Sie waren beide wieder in die Realität zurück gekehrt. Und vielleicht war es auch besser so. Schließlich war er verheiratet, und seine Ehefrau schlief genau unter ihnen.

"Gute Nacht, Alex!" Sie hätte ihm gerne etwas Liebes gesagt, vielleicht auch mit etwas mehr Emotionen, denn sie lief fast über davor.

Sie sah so bezaubernd aus in ihrem Hauch aus Nichts, die blonden Haare offen über ihre schmalen Schultern fallend. Er musste den Wunsch unterdrücken, sie erneut zu berühren. Nervös räusperte er sich. "Gute Nacht, Izzie!"

Beide schauten nach unten, als sie ein leises Miauen hörten. Alex bückte sich und hob den Kater auf den Arm. "Du kleiner Teufel", zischte er ihm leise ins Ohr.

Izzie sah den beiden nachdenklich hinterher, bevor sie die Wohnungstür leise hinter sich schloss und eine weitere Kerze anzündete. An Schlaf war jetzt sowieso nicht mehr zu denken.