Kapitel 14 – Das Kapitel in dem sich alle verändern… mit Masken

Dereks Haus

Meredith öffnete vorsichtig ihre Zimmertür. Der schlimmste Tag des Jahres war gekommen und sie lebte mitten in der Hölle. Da sie schon in den vergangenen Jahren Dereks Sinn für Halloween mitbekommen hatte, wusste sie, dass sie vorsichtig sein musste. Sie zog die Tür ruckartig zurück und wartete darauf, dass sie irgendetwas anspringen würde, doch nichts passierte. Erstaunt streckte sie die Nase auf den Flur und sah in beide Richtungen. Nichts. Irritiert folgte sie dem wohligen Duft von frisch gekochtem Kaffee. Kaum war sie in der Küche angekommen, begrüßte sie Derek mit einem freundlichen Lächeln.

„Wer bist du und wo hast du Derek gelassen?" Sie ließ sich auf einen Stuhl nieder und beäugte Dereks Schritte misstrauisch.

„Dir auch einen guten Morgen." Er stellte eine Tasse Kaffee vor sie hin und hielt ihr dann noch einen Korb mit frischen Brötchen vor die Nase. Da Meredith aber weder den Kaffee trank, noch zu den Brötchen griff, atmete er tief durch. „Meredith, wir wohnen jetzt schon eine ganze Weile zusammen und ich werde keine Späße mit dem Essen treiben. Noch nicht einmal an Halloween."

Er war zu nett. Meredith seufzte frustriert auf. Wie konnte sie denn ihre vorbereiteten Späße genießen, wenn er so nett war? Das war nicht nett von ihm. Sie griff trotzdem nach einem der Brötchen und nahm anschließend einen großen Schluck ihres morgendlichen Lebensspenders.

„Ich muss jetzt schon los. Fahren wir trotzdem zusammen oder kommst du später nach?" Er stellte die Kaffeemaschine aus und sah dann zu Meredith hinüber, die ihn aber nicht wirklich wahrnahm. Um sie aus ihrem Halbschlaf zu wecken, klatschte er laut in seine Hände, woraufhin sie sich einen Teil ihres Kaffees über die Hand kippte.

„Was? Au." Meredith verzog das Gesicht und stellte die Tasse auf dem Tisch ab. Noch bevor sie etwas sagen konnte hatte Derek ihr bereits ein kühlendes Tuch gereicht. „Danke." Sie sah in sein besorgtes Gesicht hoch. „Ist schon wieder in Ordnung. War nur der Schreck."

„Dann ist ja gut." Er küsste sie sanft auf die Schläfe bevor sich von ihr abwandte, um nach den Autoschlüsseln zu greifen. „Also was ist jetzt? Kommst du jetzt schon mit oder fährst du mit deinem Auto?"

„Ich komme nach." Sie lächelte ihn freundlich an und sah ihm dann hinterher bis er aus der Küche verschwunden war. Denn in seinem Auto befand sich immerhin ihr erster Streich. Bei dem Gedanken grinste sie noch breiter, doch als sie auf das nasse Tuch auf ihrer Hand sah, sprang sie wie von der Tarantel gestochen auf und ihm hinterher. Zu ihrem Leidwesen hatte er sein Auto schon erreicht und er hielt sich vor Schreck die Hand auf sein Herz. Eigentlich hatte sie es witzig gefunden bei der Planung. Der Fischer bekommt Würmer… viele Würmer, die sich aus einem Behältnis ergießen sollten, sobald er die Tür des Wagens öffnete. Es hatte funktioniert und sie sah mit Derek zusammen auf einen Berg von Würmern, der sich über seinen Sitz bewegte.

„Happy Halloween?" Flüsterte Meredith zaghaft, doch Dereks finstere Miene verriet ihr zwei Sachen. Erstens würde es kein fröhliches Fest werden und zweitens. Sie war geliefert.

Unterwegs im Auto

Nervös kaute Izzie auf den Fingerknöcheln ihrer gesunden Hand herum, während sie Alex verstohlen von der Seite betrachtete. Seitdem sie von zuhause losgefahren waren, hatte er nicht ein Wort mit ihr gewechselt. Stattdessen hatte er den Blick starr geradeaus auf die Strasse gerichtet und schien sie kaum wahr zu nehmen. Auf der einen Seite war Izzie froh, dass er nicht auf sie achtete, denn mit der Geschwindigkeit, die er unterwegs war, wäre es fast lebensmüde, auch nur den Blick zur Seite zu wenden. Sie fühlte sich unwohl in ihrer Haut. Und das lag nicht nur daran, dass sie sich gemeinsam in einem Raum befanden und dieselbe Luft atmeten. Seine Nervosität war fast greifbar. Dabei verstand sie nicht, wieso er so nervös war. Es war nichts mehr vorgefallen, seit der Nacht, in dem ein Stromausfall alles lahmgelegt hatte. Zwei Wochen waren seitdem vergangen. Sie waren sich danach, wie immer, aus dem Weg gegangen. Niemand hatte mehr ein Wort darüber verloren, dass sie sich beinahe geküsst hätten – und zum wiederholten Male dabei unterbrochen worden waren. Izzie hatte sich mehr als einmal gefragt, was wohl passiert wäre, wenn der Kater die Kerze nicht umgestoßen hätte. Sie hätten sie geküsst, und sie hätte ihre Arme um seinen Hals gelegt und er seine um ihre Taille. Dann wären sie in ihre Wohnung gegangen und er hätte sie vorsichtig auf dem Bett abgelegt und sich über sie gebeugt und ... Izzie drückte auf den Knopf für die Fensterheber, und ein Schwall kühler Luft strömte in den Innenraum des Wagens.

„Ist dir schlecht?" Alex sah sie besorgt von der Seite an.

Izzie presste ihre zitternde Hand gegen ihre glühende Wange. „Nein." Sie konnte ihm schlecht erzählen, was ihr gerade im Kopf herumging.

Alex wandte sich wieder der Strasse zu, doch er war mit seinen Gedanken ganz woanders. Die letzten zwei Wochen waren psychischer Stress gewesen. Er hatte versucht, Izzie aus dem Weg zu gehen. Doch auch wenn sie körperlich nicht anwesend war, spukte sie in seinem Kopf herum. Seit zwei Tagen arbeitete sie wieder. Die Wunde an ihrer Hand war gut verheilt. Aber damit hatten die Probleme erst richtig begonnen. Hatte er ihr im Haus noch ausweichen können, gab es nun keine Fluchtmöglichkeit mehr. Susanna hatte schließlich auch erfahren, dass sie beiden zusammen in einer Abteilung arbeiteten. Die Luft wurde immer dünner. Er musste endlich mit Susanna reden, bevor das ganze total ausuferte. Und er musste auch Izzie endlich gestehen, dass er sich in sie verliebt hatte. Er warf ihr wieder einen verstohlenen Blick von der Seite zu. Sie saß stocksteif da, ihre Hände verkrampft ineinander geschlungen. Ihr Verhalten war irgendwie merkwürdig. Aber vielleicht lag es auch daran, dass Halloween war. Da benahmen sich die Menschen alle etwas anders als sonst. Er hielt nicht viel davon, aber er hatte schon mitbekommen, dass Izzie anscheinend ein Fan dieses ganzen Hokuspokus war, denn als er sie vor einer halben Stunde abgeholt hatte, war er über einen grinsenden Kürbis gestolpert, der direkt vor ihrer Wohnungstür gestanden hatte. Sie hatte ihn dann mit den Worten „Happy Halloween!" fröhlich begrüßt.

„Gehst du nach Feierabend auch zu Joe's Halloween-Party?" warf Izzie plötzlich ein, als ob sie ahnte, woran er gerade dachte.

„Ich denke nicht", sagte Alex schnell. Die Wahrheit war, dass er noch nicht darüber nachgedacht und bisher auch noch keine Einladung erhalten hatte. Er lenkte den Wagen auf den Parkplatz vor dem Krankenhaus und hielt.

Izzie versuchte sich nicht anmerken zu lassen, wie enttäuscht sie darüber war, dass er nicht zu Joe's Party kommen würde. Wieso sie so enttäuscht war wusste sie allerdings selber nicht. Wie gewohnt wollte sie die Treppe benutzen, als sie das Krankenhaus betreten hatten, doch er hielt sie am Arm fest. „Sei nicht albern! Wir fahren zusammen in einem Auto. Da werden wir wohl gemeinsam einen Aufzug benutzen können."

Izzie nickte und betrat zögernd hinter ihm den Aufzug. Sie fühlte sich nicht wohl, mit ihm alleine in einer engen Kabine zu sein. Was allerdings nicht an Alex lag, sondern an ihr. Die merkwürdigsten Dinge kamen ihr dann immer in den Sinn, wenn sie irgendwo mit ihm alleine war. Und es war egal, ob es im Aufzug war, im Auto oder auf der obersten Treppenstufe zu ihrer Wohnung.

Alex hatte sich an die Wand gelehnt und schaute auf die wechselnde Anzeige, während Izzie immer nervöser wurde. Die Spannung, die in der Kabine herrschte, war mittlerweile fast körperlich spürbar.

„Wann findet diese Party bei Joe statt?" fragte Alex plötzlich unvermittelt.

Izzie zuckte leicht zusammen, als er anfing zu sprechen. Sie hatte nicht damit gerechnet, nachdem er die ganze Zeit geschwiegen hatte. „Nach ... nach Feierabend .. ich glaube ab ... 8 Uhr", stotterte sie.

Alex nickte. „Gut, dann bleibt noch genügend Zeit."

„Zeit ... wofür?" Izzie sah ihn verwirrt an.

„Um nach Hause zu fahren und mich umzuziehen", meinte er lässig.

„Du willst zur Party?" Izzie sah ihn mit ungläubigem Blick an.

Alex runzelte die Stirn. „Du hast mich doch gerade gefragt, ob ich kommen will."

„Du hast „nein" gesagt." Izzie zog die Stirn kraus. „Ich dachte, wenn Männer „nein" sagen, dann bedeutet es auch nein und nicht wie bei uns Frauen, dass wir eigentlich „ja" meinen." Sie hätte sich für den Satz am liebsten selber geohrfeigt. Ihre Mutter hatte Recht. Wenn sie nervös war redete sie einfach zuviel und nur dummes Zeug. Sie versuchte, ihr wild klopfendes Herz und die Euphorie, die sie bei dem Gedanken überkam, dass er doch an der Party teilnehmen wollte, zu ignorieren. Der Mann war verheiratet!

Ein amüsiertes Grinsen zeichnete sich auf seinem Gesicht ab. „Ist das bei dir so? Sagst du „nein", wenn du eigentlich „ja" meinst?"

Izzie spürte, wie ihre Wangen wieder heiß wurden. Das Gespräch wurde ihr eindeutig zu persönlich. Sie war froh als der Aufzug hielt. Schnell trat sie auf den Flur hinaus und ging eilig auf den Umkleideraum zu.

„Man könnte meinen, dass du mich nicht dabei haben willst. Ist das so?" rief er ihr hinterher.

Izzie stoppte und drehte sich langsam zu ihm um „Ob du es glaubst oder nicht, es ist mir egal." Sie zuckte scheinbar gleichgültig mit den Schultern. „Ich habe dich nur nie als Party-Typ gesehen."

„Muss man bestimmte Voraussetzungen mitbringen, um auf diese Party zu gehen?"

„Es ist Kostümzwang." Izzie hob vielsagend die Augenbrauen. „Hast du ein Kostüm?" Der Gedanke an einen verkleideten Alex erschien ihr irgendwie absurd.

Alex verzog säuerlich das Gesicht. „Kostümzwang ...?" Er kratzte sich nachdenklich am Kopf. „Hätte ich mir ja denken können, da das ganze „Halloween-Party" heißt." Er verdrehte die Augen. „Na schön, irgend so einen dunklen Umhang werde ich wohl zuhause im Keller finden." Er seufzte. „Aber jetzt sollten wir uns erst einmal um unsere beruflichen Verpflichtungen kümmern." Er hielt ihr die Tür zum Umkleidraum auf.

Izzie sah ihn stirnrunzelnd an. Sie fragte sich, was diesen Sinneswandel verursacht hatte. Vielleicht würde sie es später noch erfahren. Zögernd betrat sie die Umkleide, ging zu ihrem Spind hinüber und begann sich umzuziehen.

Im Krankenhaus – Parkplatz

Mark kniete hinter einer Bank und beobachtete sorgfältig, was auf dem Parkplatz vor sich ging. In der Hand hielt er eine Gummimaske, die er voller Vorfreude eindrückte. Halloween war ein besonderer Tag. Es war der Tag, an dem er Streiche spielen und dann auf gewisse Traditionen verweisen konnte, die das in einem gewissen Sinne rechtfertigten. Als er sein Zielobjekt endlich erspäht hatte, zog er sich die Maske über den Kopf und schlich sich langsam heran. Er packte Cristina an der Seite und gackerte auf. Cristina sprang mit einem schrillen Schrei auf und schlug um sich.

„Autsch." Mark hielt sich lachend den Oberarm. „Oder sollte ich sagen.. boooik?"

„Was ist das?" Cristina hielt sich schwer atmend die Brust. „Oder besser was soll das?" Ihre Stimme klang schon fester als sie auf der Maske herumfingerte.

„Das nennt man eine Halloween Maske." Noch immer lachend zog er sich die Maske wieder vom Kopf, weswegen Cristina erneut aufschrie.

„Zieh lieber wieder die Maske auf, Mark." Sie hob eine Augenbraue, wandte sich aber schnell von Mark ab, der ihr schmollend hinterher sah.

„Warum kannst du nicht einmal locker sein?" Er trottete hinter ihr her, doch schon hatte er seine nächsten Schritte im Kopf. Da die Maske wieder verstauen musste, hatte er einen guten Grund, ihr in die Umkleidekabine zu folgen, obwohl er längst für die Arbeit umgezogen war.

„Wenn du eine Peep Show willst, dann gebe ich dir Geld, damit du die entsprechenden Orte besuchen kannst." Cristina hatte sich zu ihm umgedreht, nachdem sie ihn immer noch hinter sich gespürt hatte.

„Ich will lediglich meine Maske verstauen." Erwiderte Mark so unschuldig wie er nur konnte. „Außerdem hast du mir schon mehr von dir gezeigt als ich jetzt vielleicht zu sehen bekommen würde."

Cristina musterte ihn für einen Moment, zuckte dann aber mit den Schulten bevor sie ihren Weg in die Umkleidekabine fortsetzte. Dort angekommen beäugte sie Mark weiterhin misstrauisch, doch da er tatsächlich nur seine Maske verstaute, zog sie sich für die Arbeit um. Danach folgte sie ihm schweigend zur Schwesternstation, wo sie sich die Unterlagen ihrer Patienten geben ließ. Als sie einen Kugelschreiber aus ihrem Kittel ziehen wollte, bemerkte sie, dass sie keinen bei sich hatte. Stirnrunzelnd sah sie zu Mark, der inzwischen in seine Akten vertieft war.

„Kannst du mir einen Kugelschreiber ausleihen? Ich habe meine wohl vergessen." Nachdenklich beobachtete sie, wie Mark einen aus seiner Tasche zog und ihr dann mit einem merkwürdigen Gesichtsausdruck überreichte. „Danke."

Kaum hatte Cristina den Kugelschreiber bereit machen wollen, wurde sie mit einer dunklen Tinte voll gespritzt. Neben ihr fing Mark zu lachen an, doch da er mit einem todesbringenden Blick bedacht wurde, verstummte er gleich wieder und murmelte eine kaum verständliche Entschuldigung.

„Bist du jetzt fertig mit deinen schlechten Scherzen? Da ich mich wieder umziehen darf, hast du Gelegenheit, dir eine passende Entschuldigung zu überlegen." Noch immer würden Cristinas Blicke töten, wenn sie es tatsächlich könnten. Mark hielt deswegen einen Mindestabstand ein, da er so langsam um sein Leben fürchtete. Als Cristina neben ihm aufschrie sah er verwundert nach oben.

"Himmel, auch wenn Halloween ist. Müssen sie so eine Maske tragen, bei der man einen Herzinfarkt bekommt?" Cristina drehte bei dem Anblick, den ihr die Brünette OP Schwester bot, angewidert den Kopf weg.

"Aber ich trage doch keine Maske." Protestierte diese sichtlich irritiert.

"Dann ist es ja noch schlimmer." Cristina schüttelte sich leicht und griff Mark am Kragen. "Komm jetzt, das waren schon 2 ekelhafte Anblicke genug für heute."

Umkleidekabine

Meredith ging nervös hin und her. Derek hatte an diesem Tag alles gemacht, außer sie zu erschrecken. Eigentlich ein Grund sich zu freuen, aber nicht heute. Nicht an Halloween. Sie war seine Streiche gewohnt. Zwar verfluchte sie hinterher immer seine Knochen, doch im Grunde freute sie sich, wenn er wie ein kleines Kind strahlte. Aber heute gab es keinen Streich. Kein strahlendes Gesicht und sie war Schuld. Als die Tür zur Umkleidekabine geöffnet wurde, wirbelte sie herum.

„Derek, bitte. Nur ein Streich." Sie lief zu ihm hin und griff nach seinen Händen. „Ich halte es nicht mehr aus. Jedes Jahr hast du mich erschreckt und dieses Halloween ist fast vorbei. Bitte."

„Ich denke, dass es nicht mehr angebracht ist. Wir wohnen zusammen und überhaupt. Es ist albern und kindisch." Er löste seine Hände und ging zu seinem Spind hinüber.

„Das meinst du nicht ernst." Sie schüttelte fassungslos den Kopf. „Es ist wegen heute Morgen, nicht wahr?"

„Ich weiß nicht, was du meinst." Er leerte die Taschen seines Kittels und stutzte als er eine Schere herauszog, die eindeutig nicht ihm gehörte. „Erinnere mich daran, die nachher in der Notaufnahme abzugeben. Ich muss sie aus Versehen eingesteckt haben." Er ließ sie wieder in die Tasche gleiten und zog danach seinen Kittel aus, den er über die Tür seines Spindes hing.

Meredith lehnte sich seufzend neben seinen Spind und sah ihn dann tief in die Augen. „Dein Auto ist dir heilig und das mit den Würmern war nicht in Ordnung. Ich werde alles reinigen." Sie legte ihre Hand auf seinen Arm. „Es tut mir aufrichtig leid und jetzt fang an, deine Späße zu treiben. Überschütte mich mit ekligen Gummispinnen oder erschrecke mich aus dem Hinterhalt. Irgendwas."

Derek fing laut an zu lachen. „Meredith, das ist doch albern. Ich hatte rein gar nichts geplant. Vergiss das Auto und die Würmer."

Sie schüttelte verzweifelt den Kopf als sie sich von den Schränken abstieß und erneut umherlief. „Du bist sauer auf mich, weil ich zu weit gegangen bin." Sie verschränkte die Arme vor der Brust und starrte zu Derek hinüber, der sie mit einem wunderlichen Blick ansah. „Hör auf mich so anzusehen. Ich habe mich entschuldigt und du könntest das ganze jetzt auf sich beruhen lassen." Unbewusst hatte sie ihre Stimme erhoben während sie fassungslos mit dem Kopf schüttelte.

„Du bist verrückt. Nur weil ich dir keinen Schrecken einjagen will, wirst du sauer?" Er ging grinsend auf sie zu. Als er ihre Schultern berührte, stieß sie ihn wütend von sich, wodurch er ins stolpern geriet. Er streckte die Arme nach vorne, um den Sturz gegen den Spind abzufangen, doch er knallte mit voller Wucht gegen die Tür und schrie auf. Instinktiv drückte er die Hände auf seine Brust, die sich schnell rot verfärbte.

Zunächst schlug Meredith entsetzt die Hände vor den Mund, doch schnell kam die Ärztin in ihr durch und sie stürmte zu Derek, der auf den Boden gesunken war. „Es tut mir so leid." Stieß sie hervor, als sie ihre Hand auf die Wunde drückte, um die Blutung zu stoppen. „Deine verfluchte Schere." Sie zog ihren Arztkittel aus und legte ihn auf den Boden. „Leg dich darauf."

Sie half einem vor Schmerzen stöhnenden Derek dabei, sich auf ihren Arztkittel zu legen, dann stand sie auf, um die Schere aus Dereks Kittel zu holen. „Ich muss mir die Wunde ansehen, Derek." Sie schnitt sein OP Hemd auf und erstarrte. „Du blöder Affe." Sie trommelte auf seine Brust ein während Derek anfing zu lachen, so dass ihm bald Tränen die Wangen hinunter liefen. Nur mit Mühe konnte er ihre Hände festhalten.

„Zufrieden? Genug erschreckt?" Er zeigte ihr den Beutel mit roter Farbe, den er über sich selber ausgedrückt hatte, um das Blut vorzutäuschen.

„Idiot." Sie ließ von ihm ab und verbarg ihr tränenverschmiertes Gesicht in ihren Händen. Als sie seine Arme um sich spürte, schüttelte sie sich, doch er verstärkte die Umarmung nur.

„Es tut mir leid, aber dein Streich hatte die perfekte Revanche gebraucht." Er legte seinen Arm um ihre Schultern und zog sie damit näher an sich, so dass sie ihren Kopf auf seine Schulter legen konnte. „Du warst ziemlich gut heute Morgen."

„Ich fürchte mich jetzt schon vor dem nächsten Jahr." Gestand sie ihm mit einem leisen seufzen.

„Wie wäre es mit einer großen Gummispinne in deinem Bett?" Er lehnte seinen Kopf gegen den ihren während er ihr beruhigend über den Oberarm strich.

„Hört sich gut an." Murmelte sie zufrieden. Sie hatte sich nach dem Schock über seine vermeintliche Verletzung wieder erholt und genoss die Vertrautheit, in seinen Armen zu liegen.

„Können wir jetzt zu Joe gehen und uns amüsieren?" Er hob seinen Kopf wieder an und sah zu ihr hinunter. Als sie ihm zunickte, küsste er sie sanft auf die Stirn. „Dir hätte auffallen sollen, dass der Winkel zur Schere niemals hätte stimmen können." Lachend stand er vom Boden auf und streckte dann seine Hand nach ihr aus.

„Das nächste Mal lasse ich dich verbluten und kontrolliere erst, ob du dich wirklich hättest verletzen können." Sie nahm seine Hand und ließ sich von ihm hochziehen. Da er zuviel Kraft aufgewendet hatte, stieß sie gegen ihn. Für einen Moment blieb ihr die Luft weg als sie ihm in die Augen sah. Ihre Hand glitt über seine nackte Brust. Sie befeuchtete instinktiv die Lippen während sich ihre Köpfe langsam näherten. Sein Atem war bereits auf ihrer Haut spürbar und verursachte ein kribbeln in ihrer Magengrube. Sie waren nur noch Bruchteile voneinander entfernt als die Tür zur Umkleidekabine aufgerissen wurde. Erschrocken trat Meredith einen Schritt zurück, nur um dann um ihn herum in Richtung Tür zu gehen.

In Joe's Bar

Lächelnd griff Joe nach seinen Vampirzähnen, die er hinter sich auf einen Tisch abgelegt hatte und platzierte sie vorsichtig in seinem Mund, bevor er sich an den nächsten Kunden wandte und die Bestellung aufnahm. Mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck ließ er danach seinen Blick durch den Raum schweifen. Schon jetzt konnte man zu Recht sagen, dass die Halloween-Party zu der er eingeladen hatte, ein voller Erfolg war. Fast jeder der Ärzte aus dem SGH war seinem Ruf gefolgt. Sogar diejenigen, die sonst eher selten die Bar besuchten, waren gekommen, wie Dr. Webber, Dr. Bailey und auch noch einige der jüngeren Assistenzärzte im ersten Jahr. Sie alle hatten weder Kosten noch Mühen gescheut, sich für diesen besonderen Abend entsprechend herzurichten. Und es war ein Vergnügen und Augenschmaus, die Vielfalt und Farbenpracht der unterschiedlichsten Kostüme zu bewundern. Um Mitternacht sollte deshalb auch das schönste Kostüm gewählt werden. Wobei Joe schon seinen Favoriten, bzw. Favoritin gefunden hatte.

Sein Blick wanderte wieder zur anderen Ecke, wo ein paar, als Werwölfe verkleidete junge Männer, Dart spielten. Doch seine Aufmerksamkeit war nicht auf die Wölfe gerichtet sondern auf ein liebliches Wesen in einem cremefarbenen bodenlangen Satinkleid und einem Blütendiadem auf dem blonden Lockenkopf. Ihren silberfarbenen Feenstab hatte sie an die Wand gelehnt. Er störte nur bei ihrer Tätigkeit, die kleinen Dartpfeile in Richtung Scheibe zu werfen. Die meisten gingen allerdings daneben, da sie schon nicht mehr so ganz sicher auf den Beinen stand, wie noch vor zwei Stunden, als sie die Bar mit Graf Dracula betreten hatte. Joe lächelte. Diese Izzie Stevens war nicht nur verdammt hübsch, sie wusste auch, wie man sich richtig amüsierte. Im Gegensatz zu ihrem Begleister, der schon seit über einer Stunde verbissen an einem Glas Bier festhielt und dabei starr seinen Blick auf die Dart spielenden Gäste gerichtet hatte.

"Noch ein Bier vielleicht?" erkundigte sich Joe vorsichtig bei seinem ganz in schwarz gekleideten Gast. Vielleicht würde es ihm im Gegensatz zu seiner Begleiterin ganz gut tun, ein wenig betrunkener zu sein, um mehr Lockerheit zu bekommen.

Alex schüttelte den Kopf. "Ich muss noch Auto fahren", sagte er knapp. "Außerdem sollte wenigstens einer nüchtern bleiben."

"Wie du meinst." Joe zuckte mit den Schultern. "Du hast mir übrigens das Kostüm geklaut."

"Was kann ich dafür, wenn ich nichts anderes gefunden habe?" Alex warf zum wiederholten Mal einen genervten Blick auf die Uhr.

"Es passt zu dir", bemerkte Joe trocken. "Du hast eine genauso dunkle Seele und bist genauso humorlos wie dieser Vampir." Er rollte mit den Augen. Er wies zu der jungen Fee hinüber. "Sieht so aus, als ob es noch eine lange Nacht werden wird, wenn du auf sie warten willst", meinte er grinsend. Ihm war Alex' erneuter Blick auf die Uhr nicht entgangen. "Vielleicht gibst du ihr einfach Taxigeld und fährst schon einmal nach Hause."

Alex schüttelte langsam den Kopf, während er seinen Blick weiterhin auf Izzie gerichtet hatte, die sich anscheinend wirklich köstlich amüsierte. Seine Hände schlossen sich um das Bierglas, und er versuchte, die Wut und Eifersucht zu unterdrücken, die langsam in ihm hoch kochte. Sie war zwar mit ihm gekommen, hatte ihn aber die ganze Zeit nur ignoriert. Anscheinend hatte sie seine Bemerkung zu wörtlich genommen, als er sie ermahnt hatte, sich möglichst neutral ihm gegenüber zu verhalten, damit keiner Verdacht schöpfen konnte. Nur war ihre Neutralität mittlerweile in totale Ignoranz ausgeartet. Was ihm ebenso mißfiel war die Tatsache, dass sie dem Alkohol schon reichlich zugesprochen hatte. Eine leichte Beute für die Männer, die in der Bar nur nach einem Abenteuer suchten.

Joe war Alex' Blick gefolgt und begann amüsiert zu grinsen. "Hey, pass auf, dass dir die Augen nicht raus fallen! Wenn ich nicht wüsste, dass du verheiratet bist würde ich vermuten, dass du eifersüchtig bist." Er lachte leise.

Alex wandte den Kopf schnell ab und senkte seinen Blick tief in sein leeres Bierglas, um Joe's prüfendem Blick zu entgehen. Er hatte Angst, dass man die Wahrheit in seinen Augen ablesen konnte.

Doch Joe hatte bereits genug gesehen und zog seine eigenen Schlüsse daraus. "Mein Gott, du bist eifersüchtig!" stieß er dann hervor.

Alex hielt den Kopf weiterhin gesenkt. Wenn Joe vermutete, dass er Gefühle für Izzie hatte, dann würden es auch bald alle anderen wissen.

"Alex?" Joe beugte sich weiter vor. "Du brauchst es gar nicht zu leugnen. Ich habe sozusagen den siebten Sinn in solchen Sachen, falls du verstehst was ich meine." Er rollte viel sagend mit den Augen.

Alex hob kurz den Kopf und sah Joe flehend an. "Es ist mir egal, was du denkst. Hauptsache, du behältst es für dich!" zischte er ihm leise zu.

Joe sah ihn empört an. "Was denkst du denn von mir? Das ich eine Klatschbase bin? Meine Lippen sind versiegelt." Er hob den Kopf und lächelte, als er sah, wie Izzie auf den Tresen zukam.

"Hey Joe!" begrüßte sie den Barmann fröhlich. Ihre Wangen waren leicht gerötet und ihre Augen glänzten. "Ich hätte gerne noch etwas von dem leckeren …" Sie hickste und begann albern zu kichern … "Champagner, den ich vorhin hatte."

"Nein!" Alex war aufgesprungen, bevor Joe antworten konnte. "Ich denke, du hast genug Alkohol für diesen Abend getrunken."

"Was?" Irritiert sah sie ihn an, was ihr leichte Mühe bereitete, da sie nicht mehr klar fokussieren konnte.

Joe warf ebenfalls einen tadelnden Blick zu Alex hinüber. "Ich denke Dr. Stevens ist alt genug, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen."

Alex ignorierte Joe's Einwand und griff nach Izzie's Arm. "Hol deinen Zauberstab und dann fahren wir nach Hause!" sagte er bestimmt.

"Ich will aber noch nicht fahren." Sie riss sich los, wobei sie leicht zu schwanken begann und sah ihn wütend an. "Außerdem ist es ein Feenstab und kein Zauberstab", korrigierte sie schnippisch. "Wer sind sie überhaupt? Ich kenne sie gar nicht."

Alex war für einen Moment zu verblüfft, um reagieren zu können. "Das Spiel ist vorbei", sagte er nach einer Weile. "Wir fahren ... und zwar jetzt!" wiederholte er noch einmal.

"Nein!" Izzie verschränkte die Arme vor dem Körper. Sie versuchte zu ignorieren, dass sich der Boden unter ihr plötzlich leicht zu bewegen schien.

"Du bist betrunken!" Alex' Augen hatten sich verdunkelt.

"Bin ich nicht!" Izzie stampfte zornig mit dem Fuß auf. Eine leichte Übelkeit überkam sie. "Es geht mir ..." Sie schloss kurz die Augen und öffnete sie dann wieder. " ... prima."

Joe sah zwischen den beiden hin und her. Das sah nach dicker Luft aus. "Also wenn ich vielleicht auch einmal etwas sagen darf …" versuchte er einen Einwand, doch Alex hatte bereits Izzie's Arm ergriffen und schob sie unsanft vor sich her Richtung Ausgang.

"Lass mich gefälligst los!" schrie sie ihn an, als sie draussen angekommen waren. "Ich will noch nicht fahren. Ich habe mich da drinnen sehr gut ..." Sie hickste erneut. "... amüsiert."

"Ja, das habe ich gesehen", stieß er sarkastisch hervor. "Noch eine Flasche Champagner mehr und du hättest dich vermutlich nicht einmal gewundert, wenn du am nächsten Morgen gleich neben drei Männern wach geworden wärst."

Izzie wusste nicht, ob es die Wut darüber war, dass er sie einfach gegen ihren Willen nach draußen geschleppt hatte oder die Tatsache, dass er sie für ein Flittchen hielt, oder einfach der ungewohnt hohe Alkoholpegel, der sie Dinge sagen und machen ließ, die sie nicht wollte. Auf jeden Fall dachte sie nicht lange darüber nach, als sie ihren Arm hob und ihre Hand auf seine Wange niedersausen ließ. Erschrocken über ihre eigene Tat starrte sie ihn danach an.

Alex ließ sie sofort los und trat einen Schritt zurück. Erschrocken flog seine Hand zu seiner geschundenen Wange, während er sie mit ungläubigem Blick ansah. Doch der Moment des Schreckens dauerte nur kurz an. Er griff in seine Hosentasche und zog seine Brieftasche hervor. Achtlos warf er einen Geldschein vor ihre Füße. "Hier, falls du es doch vorziehen solltest, ein Taxi zu nehmen", sagte er mit leiser, sich mühsam beherrschender Stimme. Er deutete zum Eingang der Bar. "Geh wieder rein und amüsier dich! Ich werde dich nicht davon abhalten."

Tränen strömten mit einem Mal über Izzie's Wangen. Die frische Luft gepaart mit dem Champagner gab ihr nun den Rest. Sie fühlte sich mit einem Mal müde und der Boden unter ihr bewegte sich viel schneller als sie gehen konnte. Durch einen Schleier von Tränen sah sie, wie Alex zum Wagen ging. "Warte!" Mit unsicheren, leicht torkelnden Schritten, folgte sie ihm hinterher.

Er zögerte einen Moment, bevor er sich schließlich doch zu ihr umdrehte. "Was ist noch? Geh zurück!" stieß er unwirsch hervor.

Izzie hatte das Gefühl, dass ihre Beine sie nicht mehr lange tragen würden. Der Boden unter ihr begann sich eigenartig zu wellen. "Ich … ich will mich nicht … amüsieren", stieß sie hervor, als sie ihn endlich erreicht hatte. "… nicht ohne dich …" Sie war erleichtert, dass sie etwas hatte, woran sie sich festhalten konnte, als sie ihre Arme um seinen Hals schlang und dabei ihre Lippen auf seinen Mund presste.

Alex hatte mit allem gerechnet, nur nicht damit, nach dieser Ohrfeige, von der seine Wange immer noch brannte, geküsst zu werden. Er war so überrascht, dass er erst zögerte, bevor er den Kuss schließlich erwiderte und seine Arme um sie legte. Die ganze Zeit hatte er sich vorgestellt, wie es sein würde. Doch in seinen kühnsten Träumen hatte er sich nicht vorgestellt, was er nun empfand. Obwohl er wusste, dass es falsch war und ihm bewusst war, dass Izzie sich vermutlich am nächsten Tag nicht mehr daran erinnern konnte, genoss er den Moment, sie fest in seinen Armen zu halten und ihre weichen Lippen zu spüren. Doch der Moment war schnell verflogen, als sie in seinen Armen plötzlich zusammensackte.

"Izzie?" Alarmiert sah er sie an. Doch er stellte schnell fest, dass sie nur eingeschlafen war. Ohne zu zögern hob er sie auf seine Arme und trug sie zum Auto hinüber.

Joe's Bar

Derek rückte sich seinen Piratenhut zurecht bevor er die Tür zu Joe's Bar öffnete. Kaum hatte er die gefüllte Kneipe betreten, fand er sich in bester Gesellschaft mit Vampiren, Superhelden und leicht bekleideten Krankenschwestern. Er liebte Halloween. Grinsend sah er zu den Krankenschwestern, die ihm zuzwinkerten. Nachdem er sich einen Überblick verschafft hatte, begab er sich zum Tresen.

„Unverkennbar. Ein Pirat." Joe stellte ihm ein Bier hin und musterte dann Dereks Outfit. „Ich hatte allerdings auf Batman gewettet."

Derek nahm dankend das Bier an. „Nachdem Meredith mich in alle Fluch der Karibik Filme geschleppt hatte, kam ich im Laden nicht an dem hier vorbei." Um Joe einen besseren Blick zu gewähren trat er einen Schritt zurück. „Wie kommst du darauf, dass ich als Batman komme?"

„Wegen der Katze da hinten." Er deutete auf eine Frau in einem eng sitzenden Katzenkotüm. Derek folgte dem Blick. Kaum hatte er die Katze erkannt, fing er an zu lächeln. „Ich denke, dass ich dann die nächsten Gäste bewirten sollte." Joe zwinkerte Derek noch einmal zu bevor sich einem Mann mit grüner Maske zuwandte.

Meredith hatte sich an den Tresen gelehnt und bereute seit den letzten beiden Anmachsprüchen, sich für ein Katzenkostüm der engeren Variante entschieden zu haben. An ihrem Bier nippend hoffte sie, dass Derek oder zumindest Cristina bald auftauchen würden, da sie nicht mehr länger allein herum stehen wollte.

„Und ich dachte, du wärst ein Hundetyp." Raunte Derek in Merediths Ohr, die daraufhin erleichtert aufatmete.

„Aber Katzen sind beweglicher und das trifft auf mich zu." Sie drehte ihren Kopf leicht zur Seite, um in Dereks grinsendes Gesicht sehen zu können.

„Das mit der Beweglichkeit kann ich bestätigen." Er küsste sie zur Begrüßung sanft auf die Wange und trat dann um sie herum, nicht ohne sich ihre weiblichen Rundungen in dem engen Kostüm genau zu Gemüte zu führen. „Hätte ich eher als Batman kommen sollen?"

Meredith ließ ihren Blick an seinem Körper hinab gleiten und schüttelte dann verneinend den Kopf. „Piraten sind definitiv besser als Fledermäuse. Außerdem liegst du damit eher im Trend. Allerdings könnte dir die Piratenbraut hinter dir Konkurrenz machen."

Derek drehte seinen Kopf um und erschauderte leicht als er die Frau erkannte. Mit einem angeekelten Blick wandte er sich wieder Meredith zu, die zu lachen begann. Verwundert riskierte er erneut einen Blick, nur um zu seinem entsetzen festzustellen, dass sie mit einem zahnreichen Grinsen auf ihn zu steuerte. Schnell griff er nach Merediths Hand. „Rette mich. Tanz mit mir."

„Du tanzt nicht in der Öffentlichkeit." Bemerkte Meredith mit einem breiten Grinsen.

„Meredith, ich weiß nicht, ob diese schwarzen Zähne von ihr künstlich sind oder von ihrem Lakritz." Er sah sie flehentlich an. „Wenn dir was an mir liegt, dann tanz mit mir."

Lachend zog Meredith Derek von dem Tresen weg und legte dann ihre Arme um seinen Hals. „Soll ich auch noch führen?"

Derek legte seine Arme um ihre Taille und zog sie näher zu sich heran. Langsam bewegten sie sich zu dem Rhythmus der im Hintergrund spielenden Musik. „Danke für die Lebensrettung."

„Gern geschehen." Mit einem zufriedenen Lächeln legte sie ihren Kopf auf seine Schulter während sie mit seinen Nackenhaaren spielte. Als Dereks Hände über ihren Rücken strichen, schloss sie Augen, um den Moment besser genießen zu können. Erst als sie seine Hände auf einer Region ihres Körpers spürte, den sie anatomisch gesehen eindeutig nicht mehr zu ihrem Rücken zählte, öffnete sie ihre Augen wieder. Sie presste ihren Körper instinktiv näher an seinen an, doch als sie etwas hartes an ihrem Bauch spürte, löste sie sich mit einem gespielten Husten von ihm.

„Und ich dachte schon, dass ich euch chirurgisch trennen muss." Marks Stimme ließ die beiden erschrocken aufsehen. „Nette Kostüme. Ist der Dolch echt?" Er deutete auf Dereks Gürtel.

„Nein, natürlich nicht. Aber er sieht trotzdem ganz gut aus." Derek richtete sich den Gürtel wieder, sah dann aber besorgt zu Meredith, die jetzt noch lauter hustete. „Alles in Ordnung, Meredith?"

„Ja." Sie hielt sich die Hand vor den Mund, wenngleich sie lieber ihr hochrotes Gesicht verdecken wollte. Ihr war es peinlich, weil sie den Dolch als etwas anderes gedeutete hatte. „Ich werde mir etwas zu trinken besorgen." Mit einer Handbewegung deutete sie zum Tresen, dann bahnte sie sich auch schon einen Weg dorthin.

„Miau." Mark sah ihr kurz grinsend hinterher. „Da will man ja fast Batman sein." Als er Dereks gequälten Gesichtsausdruck sah, hob er interessiert die Augenbraue. „Und was ist mit dir los?"

„Nichts. Aber würdest du mir den Gefallen tun und aufhören Meredith so anzupreisen?" Derek schüttelte über sich selber den Kopf während er tief durchatmete.

„Was?" Mark sah ihn jetzt mit leichter Verwunderung an, zumal Derek krampfhaft versuchte sein Kostüm zurecht zu rücken. „Ich glaube du brauchst auch etwas zu trinken. Sollen wir nicht auch rüber gehen?"

„Das geht nicht." Wieder schüttelte Derek den Kopf, dieses Mal räusperte er sich verlegen als er mit den Augen nach unten deutete.

Mark fing schallend an zu lachen. „Ich sehe schon. Junior ist zum Senior gewachsen." Er klopfte Derek auf die Schulter. „Aber ich kann dir helfen."

„Mark, das ist nicht die Zeit für Scherze." Derek verdrehte genervt die Augen.

„Nein, nein. Dreh dich mal um." Mit einer Kopfbewegung deutete er auf etwas, was sich hinter Derek befand. Kaum hatte dieser sich umgedreht, sah er auch schon wieder angewidert zu Mark.

„Ist es Lakritz oder ein falscher schwarzer Zahn?" Derek schüttelte sich leicht. „Egal. Hauptsache es hat geholfen."

„Gut, dann können wir ja jetzt Meredith vor dem grünen Maskenmonster bewahren." Mark hatte sich bereits in Bewegung gesetzt, wurde aber schnell von Derek überholt, der fast zu Meredith hingelaufen war. Er hatte den Tresen fast erreicht, als er Derek noch sagen hörte, dass Meredith seine Katze sei und damit waren die beiden auch schon wieder in der Menge verschwunden. Kopfschüttelnd lehnte er sich gegen den Tresen. Als er dem Mann mit der Maske etwas sagen wollte, zuckte er zusammen, da er sich sicher war, den Mann dahinter erkannt zu haben. Doch bevor er ihn ansprechen konnte, war er aufgestanden und folgte Derek und Meredith aus der Bar. Verwundert sah er den drei nach.

Joe's Bar

"Das ist wirklich zu süß von dir, dass du mit mir auf diese Party gehst." Eliza Jenkins, ihres Zeichens Krankenschwester im SGH und Ex-Betthäschen von George, hatte Mühe ihrem Begleiter zu folgen, als sie beide über den Parkplatz Richtung Bar gingen.

"Schon gut", brummte George unwirsch. Er warf einen eher gelangweilten Blick zu seiner Begleiterin hinüber, die wahrlich himmlisch in ihrem Engelkostüm aussah. Man konnte nicht gerade sagen, dass er wirklich dazu passte, auch wenn jeder, der die beiden zusammen sah, einen interessanten Kontrast feststellte. Denn er hatte sich als Teufel mit einem roten Gewand und spitzen Hörnern auf dem Kopf verkleidet. Während er die Tür zur Bar öffnete, konnte er nicht umhin, sich zu fragen, als was Callie wohl erscheinen würde. Doch er brauchte nicht lange auf die Antwort zu warten, als er sie auf der Tanzfläche entdeckte. Sie trug ein klassisches rot/schwarz gerüschtes Flamencokleid, dass ihr bis zu den Knöcheln reichte. Ihre schwarzen Haare hatte sie zu einem kunstvollen Turban hochgesteckt und in der Hand hielt sie einen kleinen Fächer, mit dem sie sich hin und wieder Luft zufächelte. Ihr Begleiter trug, passend zum Outfit seiner Verlobten, das entsprechende männliche Gegenstück und war gekleidet in einem weißen Hemd, schwarzer Hose und einem Bolero-Jäckchen mit passender Schärpe. George musste neidlos gestehen, dass sie einfach fabelhaft auf der Tanzfläche miteinander harmonierten.

"George, nun komm doch endlich!" Ungeduldig zerrte Eliza an seinem Arm. "Ich bin am Verdursten."

Widerwillig wandte er seinen Blick ab und ließ sich von seiner Begleiterin zum Tresen hinüber ziehen. "Ein Bier, bitte!" orderte er bei Joe und wandte sich dann an Eliza. "Und was möchtest du?"

"Eine Bloody Mary, bitte!" Sie lächelte, während sie in ihren Rücken griff und ihre Flügel ordnete. "Es ist ganz schön voll hier", sagte sie zu Joe gewand.

Er nickte. "Ja, ich bin ganz erstaunt. Es sind wirklich alle gekommen, die eingeladen waren."

"Und auch einige andere…" murmelte George und griff nach seinem Bier. Er sah wieder zu dem tanzenden Paar hinüber. "Sind sie schon lange hier?"

Joe nickte. "Und seitdem sie hier sind tanzen sie." Er lehnte sich über den Tresen und sah den beiden ebenfalls zu, wie sie sich im Takt der Musik wiegten. "Sieh dir die Geschmeidigkeit seiner Bewegungen an", sagte er schwärmerisch. "Und wie sicher er sie führt." Er seufzte. "Ich wünschte, Walter könnte tanzen. Aber er hat zwei linke Füße."

George verzog spöttisch grinsend das Gesicht. "Vielleicht kannst du Callie ja mal fragen, ob sie ihn dir für eine Nacht ausleiht."

Joe bedachte ihn mit einem empörten Blick. "Du hast auch immer nur das eine im Kopf", sagte er kopfschüttelnd.

"Hallo? Ich bin auch noch da!" Eliza sah beleidigt zwischen den beiden hin und her. "Würdet ihr mich mal aufklären, worum es hier geht?" fragte sie neugierig.

George machte eine lapidare Handbewegung. "Schon gut. Nichts, worüber du dir dein hübsches Köpfchen zerbrechen musst." Er lächelte gezwungen.

Eliza's Augen begannen zu strahlen. "Du findest wirklich dass ich hübsch bin? Oh George …" Sie rückte näher an ihn heran.

"Pass auf, dass dir deine Flügel nicht abbrechen." Joe sah sie belustigt an. Er fragte sich, ob an dem Vorurteil, dass alle Blondinen dumm waren, etwas dran war. Zumindest bei Eliza schien dies zuzutreffen.

George und Joe schauten erschrocken hoch, als Eliza einen spitzen Schrei von sich gab. "Oh nein, jetzt habe ich mir das Kleid ruiniert!" Sie schaute auf den immer größer werdenden roten Fleck, den ihre verschüttete Bloody Mary verursacht hatte.

"Dahinten sind die Waschräume", sagte Joe und wies um den Tresen herum. Er drückte ihr einen Lappen in die Hand. "Versuch es damit auszuwaschen. Aber ich sage dir gleich, dass Tomatenflecke recht hartnäckig sind." Er zuckte mit den Schultern. "Aber ein Versuch kann nicht schaden."

"Mein Kleid ist ruiniert!" jammerte Eliza, während sie sich langsam erhob und George noch einmal einen entschuldigenden Blick zuwarf, bevor sie nach hinten huschte.

Erleichtert atmete er auf. "Noch ein Bier, bitte!"

"Sag mal, wo hast du die denn aufgegabelt?" erkundigte sich Joe neugierig, während er George ein weiteres Bier reichte.

Er seufzte tief. "Sie ist Krankenschwester." Er beugte sich weiter zu Joe. "Wir hatten mal was miteinander ... du weißt schon ..." Er rollte viel sagend mit den Augen.

Joe grinste amüsiert. "So tief kann man also sinken, ja? Quantität vor Qualität?"

"Hey, sie war wirklich gut im Bett." George nahm einen Schluck aus seinem Bierglas, während er wieder zu Callie und Marcus hinüber schielte, die nun aufgehört hatten zu tanzen und zurück zu ihrem Tisch gingen.

"Nur nichts fürs Herz, oder?" Joe grinste schief. Er gab George einen leichten Schubs, als er sah, wie Marcus aufstand und in Richtung Waschraum ging. "Deine Chance ist gekommen, Mann. Also geh und sprich sie an." Er lachte leise. "Ich lege auch eine extra langsame Scheibe auf."

Wie?" George sah ihn verwirrt an. "Ich soll mit Callie tanzen?"

Joe rollte ungeduldig mit den Augen. "Wenn du noch eine Stunde länger wartest, dann ist ihr feuriger Verlobter von der Toilette zurück. Also spute dich!"

George zögerte noch einen kurzen Moment, bevor er schließlich zu Callie's Tisch hinüber ging. "Hey …!" Er grinste verlegen und verschränkte die Hände hinter dem Rücken. "Meine Mutter sagte, dass du Benji zu ihr gebracht hättest."

Callie nickte. "Ich wollte erst nicht auf die Party gehen. Aber Marcus hat mich überredet." Sie hob den Kopf Richtung Jukebox, als die ersten Töne eines ihr bekannten Songs ertönten. "Möchtest du tanzen?" fragte sie mit leiser Stimme.

I gotta take a little time
A little time to think things over
I better read between the lines
In case I need it when Im older

Now this mountain I must climb
Feels like a world upon my shoulders
I through the clouds I see love shine
It keeps me warm as life grows colder

In my life theres been heartache and pain
I dont know if I can face it again
Cant stop now, Ive traveled so far
To change this lonely life

George nickte. Erinnerungen wurden mit einem Mal wach. Das war der Song zu dem sie das erste Mal getanzt hatten, als sie sich in der Bar das erste Mal getroffen hatten. 5 Jahre war das nun her. Aber der Song hatte nie an Wirkung verloren. Auch jetzt nicht, als er ihre Hand in seine nahm und sie auf die Tanzfläche führte.

I wanna know what love is
I want you to show me
I wanna feel what love is
I know you can show me

Im gonna take a little time
A little time to look around me
Ive got nowhere left to hide
It looks like love has finally found me

Callie hielt für einen Moment den Atem an, als er seinen Arm um ihre Taille legte. Zögernd legte sie ihre Hände auf seine Schultern, während sie den direkten Augenkontakt mit ihm vermied. Nur ein Blick in ihre Augen, und er würde wissen, dass sie ihn die ganze Zeit nur angelogen hatte.

In my life theres been heartache and pain
I dont know if I can face it again
I cant stop now, Ive traveled so far
To change this lonely life

I wanna know what love is
I want you to show me
I wanna feel what love is
I know you can show me

George spürte, wie sich sein Puls beschleunigte, während er sie über die Tanzfläche führte. Er versuchte sich zu erinnern, wann sie sich das letzte Mal so nahe gewesen waren. Die Erinnerung war verblasst aber das alte, vertraute Gefühl, wie sich ihr Körper an seinen angeschmiegt anfühlte, war wieder da.

I wanna know what love is, lets talk about love
I want you to show me, I wanna feel it too
I wanna feel what love is, I want to feel it too
And I know and I know, I know you can show me
Show me love is real, yeah
I wanna know what love is...

Callie legte ihren Kopf auf seine Schulter und schloss die Augen, während sie sich von der Melodie treiben ließ. Sie wollte jetzt nicht darüber nachdenken, dass es nicht ihr Verlobter war, mit dem sie so innig tanzte und von dem sie sich wünschte, dass er sie küssen würde.

"Callie?"

Erschrocken riss sie die Augen auf. Marcus stand vor ihr und sah sie mit einem irritierten Blick an.

Schnell befreite sie sich aus George's Armen und senkte verlegen den Blick.

George lächelte gezwungen. "Ich gebe sie unbeschadet an sie zurück", sagte er und schob Callie zu Marcus hinüber. "Ich hoffe, es hat sie nicht gestört, dass ich mit ihrer Verlobten getanzt habe?" Er ließ die Frage offen im Raum hängen.

Marcus schüttelte den Kopf. "Nein … nein, sicher nicht." Er rang sich ebenfalls ein Lächeln ab. "Sie sind George O'Malley, nicht wahr? Benji's Vater?"

George nickte.

"Lass uns zurück zum Tisch gehen, Marcus", sagte Callie und griff nach seinem Arm. Sie hielt den Blick immer noch gesenkt. Die ganze Situation war ihr peinlich.

"Gleich, Liebling." Marcus legte eine Hand auf George's Schulter. "Ich finde es gut, dass sie weiterhin Kontakt halten wegen Benji. Der Kleine sollte nicht unter der Situation leiden. Und wenn Callie und ich erst verheiratet sind, werden wir sicher auch eine für alle Beteiligten praktische Lösung finden."

George nickte erneut, doch in seinem Inneren brodelte es. Dieser Marcus war aalglatt und hatte wahrscheinlich für alles eine Lösung parat. Er hob den Kopf und sah, wie Callie ihm einen flehenden Blick zuwarf. Er hätte gerne noch etwas darauf erwidert, doch er zog es dann doch vor, zu schweigen. Er wollte Callie nicht in Schwierigkeiten bringen. "Ich glaube, meine Begleiterin wartet auf mich", sagte er steif und wies hinüber zum Tresen, wo Eliza gerade über eine Witz von Joe lachte.

"Einen schönen Abend noch, Dr. O'Malley." Marcus nahm Callie's Arm und ging mit ihr zurück zum Tisch.

George schlenderte langsam zu Joe und Eliza hinüber und legte ein paar Scheine auf den Tresen. "Gib dem Engel, was er möchte. Ich werde jetzt nach Hause fahren."

Joe nickte, während Eliza unmutig ihr Gesicht verzog. "Du willst schon fahren? Und wie komme ich nach Hause?"

"Nimm ein Taxi." Es war ihm egal, was seine Begleiterin tat. Er wollte nur so schnell wie möglich hier raus. Er hatte geglaubt, dass er es akzeptieren könnte, Callie mit diesem Marcus zusammen zu sehen. Doch nach dem gemeinsamen Tanz wusste er, dass es eben doch nicht so einfach war. Er nickte Joe noch einmal zu, bevor er Richtung Ausgang ging.

Schmunzelnd sah ihm Joe hinterher. "Ich hatte also Recht", murmelte er.

"Womit?" Eliza sah ihn verwirrt an.

"Ach schon gut, Süße." Joe wies auf ihr leeres Glas. "Die nächste Bloody Mary geht auf mich. Einverstanden?"

Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht. "Einverstanden! Das Kleid ist sowieso schon ruiniert."

"Eine gute Einstellung." Während Joe die Bloody Mary zusammenmixte wanderte sein Blick immer wieder hinüber zu Callie und Marcus. Er war sich auf einmal nicht mehr so sicher, ob die beiden wirklich so perfekt zusammen passten.