Kapitel 18 – Das Kapitel, das Weihnachtsgefühle verbreitet (oder auch nicht...)
Krankenhaus – Umkleidekabine
Lächelnd verstaute Meredith ein paar Kugelschreiber in ihrem Arztkittel. Sie schloss die Schranktür, nur um sie dann wieder zu öffnen, da sie ihr Stethoskop vergessen hatte. Normalerweise würde sie ein frustriertes Stöhnen von sich geben, aber die Tatsache, dass sie an den nächsten 3 Tagen nicht arbeiten musste, vergnügte sie leicht. Wobei sie sich noch nicht sicher war, ob es die freien Tage waren, die sie erfreuten oder die Tatsache, dass sie diese mit Derek verbringen würde. Er hatte mal wieder an den Dienstplänen gemauschelt, so dass sie gemeinsam über Weihnachten frei hatten. Es war ihr zunehmend egal, was sie so vergnügte als sie die Tür zu ihrem Spind wieder schloss. Als sie sich herumdrehte, zuckte sie zusammen.
„Finn?" Sie hielt sich eine Hand auf die Brust und versuchte den Schock zu überwinden. „Was machst du denn hier?"
„Dir auch frohe Weihnachten." Begrüßte Finn sie lächelnd. „Ich wollte dir nur bescheid geben, dass es gegen 8 Uhr Essen geben wird. Ich mache dein Lieblingsgericht."
Irritiert runzelte Meredith die Stirn. „Dir ist schon klar, dass wir nicht mehr zusammen sind?"
„Meredith, Liebes. Du redest immer so ulkiges Zeug." Lachend hielt er sich den Bauch. „Also könntest du es einrichten, wenigstens heute einmal pünktlich zu sein? Immerhin ist Weihnachten."
„Der einzige, der hier wirres Zeug redet bist du." Sie stemmte eine Faust in ihre Seite und starrte Finn finster an. „Du kannst machen was du willst. Ich bin fertig mit dir. Und du solltest von hier verschwinden." Mit dem Finger deutete sie auf die Tür, doch Finn regte sich nicht weiter. „Finn, verschwinde von hier."
„Meredith, warum machst du so einen Aufstand?" Er schüttelte leicht den Kopf. „Ich habe dir längst deine kleine Affäre mit diesem Arzt verziehen und ich bin mir sicher, dass du darüber hinweg kommst."
„Ich glaube, ich spinne." Sie rieb sich ihre pochende Schläfe, auch wenn es ihr kaum Besserung bescherte. „Finn, zum letzten Mal. Derek und ich sind Freunde. Die besten Freunde um genau zu sein. Lass es endlich."
„Dann ist ja gut." Finn nickte ihr lächelnd zu. „Ich hätte mir größere Sorgen gemacht, wenn du ihm noch nachtrauern würdest."
„Nachtrauern?" Sie runzelte seufzend die Stirn. „Ich habe keine Ahnung wovon du sprichst."
„Derek ist doch mit dieser sympathischen OP Schwester zusammen." Grinste Finn sie freudig an. „So sind doch alle glücklich." Er blickte auf seine Armbanduhr und seufzte dann traurig auf. „Schon so spät? Ich wünschte, ich könnte noch länger mit dir plaudern, aber ich muss noch ein paar Besorgungen machen. Immerhin feiern wir Weihnachten zusammen. Ich hol dich heute Abend ab." Bevor Meredith etwas erwidern konnte hatte er sich umgedreht und war aus der Umkleide verschwunden.
Meredith stand erstarrt vor ihrem Spind. Sie bemerkte noch nicht einmal, dass sich ihr jemand angenähert hatte. Erst ein harter Stoß gegen ihre Schulter ließ sie aufblicken.
„Was ist denn mit dir los? Du siehst aus, als ob du ein Geist gesehen hättest." Cristina sah ihre Freundin misstrauisch an, entschloss sich dann aber schnell dazu, sich für die Arbeit fertig zu machen.
„Ich glaube, dass ich wirklich einen gesehen habe." Murmelte Meredith leise, noch immer verwirrt darüber, was Finn ihr gesagt hatte.
„Und ich dachte, dass du Derek daran hättest hindern können, dieses Ding aufzuziehen." Cristina rümpfte leicht die Nase, nachdem sie sich ihr OP Oberteil über gezogen hatte. „Will er etwa mit dieser albernen Mütze den ganzen Tag rum laufen?"
„Was? Welche Mütze?" Meredith sah jetzt zum ersten Mal zu Cristina, die sich ihren Arztkittel zurecht zupfte. „Wir sind mit getrennten Autos hier. Ich habe mit Derek noch nicht sprechen können."
„Das erklärt die Mütze." Fand Cristina und fuhr mit ihren Vorbereitungen fort.
Meredith lehnte sich mit einem traurigen Blick gegen ihren Spind. „Sag mal. Hat Derek ein Auge auf eine OP Schwester geworfen?"
Cristina fiel fast ihr Stethoskop zu Boden. Verwundert betrachtete sie sich Meredith, die nervös an ihrem Kittel zupfte. „Gegenfrage. Nimmt Derek überhaupt noch andere Frauen wahr?" Sie schüttelte ungläubig den Kopf. „Dein Geist scheint eine Gehirnwäsche mit dir betrieben zu haben."
„Was? Nein." Meredith atmete tief durch. „Heißt das jetzt ja?"
„Nein." Etwas unwirsch knallte Cristina den Schrank zu. „Wie kommst du auf so einen Schwachsinn? Er hat seinen Dienst getauscht, damit ihr zusammen Weihachten feiern könnt und soll dann Interesse für eine andere haben?" Für einen Moment sah Cristina mit einem ernsten Gesichtsausdruck zu Meredith hinüber bevor sie laut zu lachen anfing. „Danke, für den Lacher. Derek ist an einer anderen Frau als dir interessiert."
„Wir sind nur Freunde." Protestierte Meredith schmollend. „Ich sollte aufhören auf Finn zu hören."
„Finn?" Cristina verstummte augenblicklich. „Hat er dich angerufen?" Neugierig betrachtete sie sich Merediths Gesichtszüge, die einen Hauch von Panik enthielten. „Er war hier?"
„Er bereitet ein Essen für uns vor und will mich heute Abend abholen." Berichtete Meredith wahrheitsgemäß. Auch wenn sie wusste, dass ihr das einen 24 Stunden Begleitservice einbringen würde.
„Du wirst nirgendwo alleine hingehen." Bestätigte Cristina Merediths Gedanken sofort. „Ich traue Finn nicht über den Weg."
„Gut zu wissen." Nickte Meredith ihr zu als sie sich von ihrem Spind abdrückte. „Denn ich habe eine Vermutung, welche OP Schwester er gemeint hat und Dereks Geschmack kann nicht so schlecht geworden sein."
„Du meinst die Gifteiche?" Cristina hob amüsiert eine Augenbraue. „Die hypnotisiert die Kerle mit ihren riesigen Augen. Allerdings hat sie bei Derek keine Chance, denn er hat keine Augen für sie."
„Na hoffentlich." Murmelte Meredith als sie Cristina aus der Umkleidekabine folgte. Aber vermutlich hatte ihre Freundin recht. Immerhin hätte Derek ihr längst gebeichtet, wenn er sich wieder mit Frauen treffen würde.
Ron Murphy's Haus
Susanna wurde aus ihrem Schlaf geweckt, als sich ein Arm um sie schlang. Sie lächelte und rutschte näher an ihren Bettgenossen heran. Seit einer Woche lebte sie nun schon in seinem Haus in Seattle. Und sie genoss es, jeden Morgen an seiner Seite aufzuwachen.
„Denkst du, dass ich Alex anrufen sollte?" Sie wandte sich zu ihm um und sah ihn an.
„Wieso willst du ihn anrufen?" Er begann, ihren Nacken zu küssen. „Das bringt ihn nur auf falsche Ideen", murmelte er an ihrem Hals. „Was hast du ihm erzählt?"
„Das eine Kollegin krank geworden ist und du mich gebeten hattest, für sie einzuspringen." Sie seufzte leise und vergrub ihren Kopf in seiner Halsbeuge. "Er denkt ich bin in Paris."
Sein kehliges Lachen erfüllte den Raum. „Ich wette, du bist dabei nicht einmal rot geworden, ihn so anzulügen", meinte er dann grinsend.
Susanna schlug ihm spielerisch empört auf die nackte Brust. „Denkst du, es macht mir Spaß? Dieses Doppelleben ist anstrengend. Ständig muss man aufpassen, sich nicht zu verplappern." Sie rollte mit den Augen. „Das da ..." Sie klopfte leicht auf ihren Bauch", ist die gerechte Strafe für all meine Sünden."
„Nun werde nicht gleich überdramatisch." Ron rollte mit den Augen. Er drehte sich auf die Seite und stützte den Ellbogen auf. „Außerdem habe ich mich bereits darum gekümmert."
„Was soll das bedeuten?" Susanna sah ihn mit rätselhaftem Blick an.
„Ich kenne da eine Frau", druckste er herum. „Sie ist so eine Art ... Hebamme. Aber nebenbei kümmert sie sich auch um Frauen, die ungewollt schwanger wurden..."
Susanna's Augen weiteten sich vor Entsetzen. „Du meinst, sie ist so eine Art Engelmacherin? Sie führt Abtreibungen durch?"
Ron nickte. „Mach dir keine Sorgen wegen der Bezahlung. Das übernehme ich."
Susanna setzte sich abrupt auf. „Du schickst mich zu einer Pfuscherin?" Sie konnte es immer noch nicht fassen, dass er ihr diesen Vorschlag machte.
„Sie versteht ihr Handwerk." Er zuckte mit den Schultern. „Sie hat mal für einen Arzt gearbeitet und konnte ihm dabei über die Schulter gucken. Außerdem hat sie schon viele Kinder auf die Welt geholt."
„Das ist wohl kaum dasselbe", bemerkte Susanna trocken.
„Vielleicht nicht. Aber sie ist ziemlich bekannt hier in Seattle. Und was ich bisher gehört habe, hat sie schon vielen unglücklichen Paaren geholfen."
„Ich dachte, ich ... wir hätten uns darauf geeinigt, dass ich in eine Abtreibungsklinik gehe", stotterte Susanna immer noch völlig unter Schock.
„Nun ja ..." Er setzte sich nun ebenfalls auf und rieb sich das Kinn. „Das war, bevor ich erfahren habe, dass die Abtreibungskliniken mit den hiesigen Großkliniken in Kontakt stehen. Außerdem musst du ein Formular ausfüllen mit all deinen Daten ... Name, Alter, Adresse, Arzt, etc. Und im Falle, dass etwas schief läuft kommst du sowieso ins Krankenhaus." Er rollte wieder mit den Augen. „Stell dir den Spaß vor, wie dein Mann reagieren wird, wenn er erfährt, dass du das Kind eines anderen Mannes abgetrieben hast."
„Oh Gott ..." Susanna presste ihre Hand auf den Mund. Jegliche Farbe war aus ihrem Gesicht gewichen und sie fühlte sich, als ob sie jeden Moment speien müsste. Alex würde ihr das niemals verzeihen. Und jeder würde davon erfahren. Sie musste das unbedingt verhindern. „Wo hast du die Adresse von dieser ... Hebamme?" Sie hatte Mühe, den Satz zu beenden. Alles in ihr sträubte sich dagegen, aber sie hatte wohl keine andere Wahl.
„Warte!" Er lehnte sich zum Nachttisch hinüber und nahm einen kleinen Zettel auf. „Hier ist die Adresse. Wie gesagt, sie ist sehr diskret. Keine unbequemen Fragen und alles anonym."
Susanna nahm den Zettel wie betäubt aus seiner Hand und starrte ihn an. „Schön, dann rufe ich sie morgen an und mache einen Termin aus."
Er räusperte sich verlegen. „Das habe ich schon erledigt. Du kannst heute Abend um 7 Uhr zu ihr kommen. Du solltest frische Kleidung mitbringen und Damenbinden. Ach ja, und sie meinte, dass du die erste Zeit nicht baden solltest und auch keinen Sex haben darfst." Er grinste anzüglich. „Es wird mir zwar schwer fallen, darauf zu verzichten, aber der Zweck heiligt die Mittel."
„Heute ist ... Heiligabend .." brachte Susanna mühsam hervor.
„Tut mir leid." Er grinste schief. „Sie war bis nächste Woche ausgebucht. Und du willst es doch möglichst schnell hinter dich bringen, oder?" Er strich ihr sanft über die Wange.
Susanna blieb ihm die Antwort schuldig. „Würdest... du mich jetzt bitte ... entschuldigen?" Sie warf die Bettdecke zurück und ging mit wackeligen Knien hinüber ins Badezimmer. Dort angekommen verriegelte sie die Tür und lehnte sich zitternd dagegen. „Alex ..." flüsterte sie leise, während sich ihre Augen langsam mit Tränen füllten.
Im Krankenhaus
Derek zog eine Schachtel aus seinem Kittel. Nervös schaute er sich um. Als er sich sicher war, dass niemand ungebetenes mitbekam, was er zu zeigen hatte, formte sich ein Lächeln auf seinen Lippen.
„Also was hältst du davon?" Er öffnete die Schachtel und hielt sie dann Mark hin.
„Sieht teuer aus." Mark nahm die Schachtel in die Hand und wollte sich den Inhalt genauer betrachten, doch Derek hielt ihn am Arm fest.
„Ich will nicht, dass das noch jemand zu sehen bekommt." Zischte Derek leicht erbost und sah sich erneut um.
„Dann solltest du es nicht an einer Schwesternstation zeigen." Erwiderte Mark genervt, nahm die Schachtel aber trotzdem in seinen Besitz. „Und du bist dir sicher, dass du ihr das schenken willst?"
„Sie hatte es sich mit großen Augen betrachtet." Erklärte Derek mit einem Schulterzucken. „Aber jetzt bin ich mir unsicher, ob es das richtige Geschenk für sie ist." Nachdenklich fuhr er sich mit der Hand durch die Haare.
„Wenn es ihr einmal gefallen hat, dann auch ein zweites Mal." Mark händigte ihm die Schachtel wieder aus. Als er Dereks besorgten Gesichtsausdruck sah, seufzte er laut auf. „Ernsthaft, Derek. Du könntest ihr Klaps auf den Hintern schenken und sie würde dich anlächeln."
„Wie konnte ich nur jemals etwas mit dir anfangen?" Derek schüttelte über sich selber den Kopf. „Nie wieder Alkohol. Nie wieder."
„Ach komm schon. Es hat doch auch Spaß gemacht." Fing Mark an zu lachen. Da Derek ihn weiterhin nur mit einem ungläubigen Blick bedachte, räusperte er sich deutlich hörbar. „Vielleicht auch nicht. Aber das da wird ihr gefallen. Du hast doch selber gesagt, dass sie es mit großen Augen angesehen hat."
„Hoffentlich." Murmelte Derek abwesend als er sich den Inhalt der Schachtel wieder betrachtete.
„Ich habe nichts gesehen." Zirpte eine Stimme, die sowohl Derek als auch Mark zusammen zucken ließ. „Ich freue mich so auf Weihnachten."
„Privatgespräche belauschen ist ein Verbrechen." Klärte Mark mit einem angewiderten Gesichtsausdruck auf. „Und so viel Lakritz soll der Libido schaden. Nicht, dass das in diesem Kreis von Bedeutung wäre, aber ich sehe mich gezwungen, darauf hinzuweisen."
„Ach du." Die Brünette klopfte Mark lachend auf die Schulter, wandte sich aber schnell wieder Derek zu. „Und ich habe wirklich nicht genau gesehen was es ist." Sie deutete mit einem Finger auf die inzwischen wieder geschlossene Schachtel.
„Das geht sie auch rein gar nichts an, was da drin ist." Murrte Derek laut während er die Schachtel wieder in seiner Kitteltasche verschwinden ließ. „Gibt es einen Grund, warum sie uns bei einem Gespräch stören müssen?"
„Ich habe mich nur gefragt, wie sie es an Weihnachten gerne hätten." Sinnierte die Brünette als sie eine Tüte mit Lakritz aus einer Tasche zog. „Nachdem Dr. Grey jetzt mit ihrem reizenden Gatten feiert, dachte ich, dass sie nicht allein sein sollten."
Derek runzelte verwundert die Stirn. Sein Blick fiel auf Mark, der ihm zu verstehen gab, dass er nichts davon gehört zu haben schien. „Meredith feiert mit Finn? Wer sagt das?"
„Ich ihn heute Morgen getroffen und da hat er mit von seinen Plänen erzählt." Sie biss ein großes Stück von ihrer Lakritzstange ab und kaute darauf herum. „Es gibt ja nichts romantischeres als eine Versöhnung zur Weihnachtszeit." Seufzend verstaute sie ihre Lakritztüte wieder. „Also, Derek? Wann sollen wir uns treffen?"
Erneut runzelte Derek die Stirn. „Da müsste man mich schon unter Drogen setzen, damit das passiert." Er drehte sich von der Brünetten weg und zog dann Mark hinter sich her. Als sie außerhalb der Reichweite der Brünetten waren, blieben sie stehen und sahen sich verwirrt an.
„Vielleicht ist sie schon auf Drogen?" Brach Mark schließlich die Stille.
„Wer? Meredith oder dieses Lakritzding?" Aufgebracht fing Derek an hin und her zu gehen. „Das ist doch wohl ein Scherz." Er warf aufgebracht seine Hände in die Höhe.
„Du glaubst der doch nicht etwa?" Mark deutete in die Richtung, aus der sie gerade gekommen waren. „Meredith würde das niemals machen und das weißt du auch."
Derek stoppte vor Mark und sah ihn eindringlich an. Ganz so als ob er in dessen Gesicht die Antworten auf seine Fragen finden würde. Nach einer Weile nickte er mit dem Kopf. „Du hast Recht."
„Sag ich doch." Grinste Mark ihn verschmitzt an. „Und endlich erkennst du das auch."
Gerade wollte Derek ansetzen, um eine passende Antwort zu geben, als ihn ein mulmiges Gefühl in seiner Magengrube beschlich. „Hat sie nicht gesagt, dass sie Finn getroffen hatte?"
„Er war hier." Bestätigte Mark leise. Die beiden stürmten ohne ein weiteres Wort zu sagen zu den nächsten Aufzügen.
George's Apartment
Als George die Tür öffnete blieb er für einen Moment sprachlos im Türrahmen stehen und genoss den Anblick, der sich ihm bot. Callie sah bezaubernd aus in ihrem rubinroten, körperbetonten Satinkleid, dass ihr bis knapp über die Knie reichte. Sie trug ihre dunklen Haar offen, so wie George es am liebsten mochte, und ihre Füße steckten in silberfarbenen Riemchensandalen. Über dem Arm trug sie ihren langen schwarzen Mantel, den sie auf der Fahrt zu seinem Apartment angehabt hatte.
Wow …" War alles, was ihm dazu einfiel.
Callie lächelte. „Willst du uns nicht hereinlassen?"
„Sicher." George öffnete die Tür und ließ Callie eintreten. Erst jetzt fiel sein Blick auf seinen 3 ½ jährigen Sohn, der sich ein wenig scheu an die Beine seiner Mutter gedrückt hatte. „Hey Buddy! Wie geht's?"
Callie zog Benji hinter ihren Beinen hervor und schob ihn hinüber zu George. „Ich weiß auch nicht, was er hat. Er ist schon den ganzen Tag so still. Ich glaube, er wird krank."
George nickte und bückte sich dann, um Benji hochzuheben. „Er scheint Fieber zu haben", stellte er fest, nachdem er die Hand auf die Stirn des Kleinkindes gelegt hatte.
„Wirklich?" Callie sah ihren Sohn besorgt an. „Als wir von zuhause losfuhren hatte er noch keins." Sie beugte sich über Benji, der seinen Kopf gegen George's Brust gelehnt hatte. „Hast du irgendwo Aua?"
Benji schüttelte den Kopf. Er steckte seinen Daumen in den Mund und kuschelte sich noch enger in den Arm seines Vaters.
„Oh je …" Callie rollte mit den Augen. „Sieht so aus, als ob unser Weihnachtsessen ausfallen würde. Vielleicht ist es besser, wenn ich wieder nach Hause fahre."
George schüttelte empört den Kopf. „Und lässt mich hier alleine mit dem ganzen Essen? Auf keinen Fall!"
Callie's Blick fiel auf den liebevoll gedeckten Tisch, auf dem auch nicht das kleinste Detail fehlte. Sogar an Kerzen hatte George gedacht. „Das hast du alles alleine gemacht?" fragte sie erstaunt.
Er trat verlegen von einem Fuss auf den anderen. „Ja … nein, also fast. Meine Haushälterin hat mir ein wenig geholfen."
Callie lächelte. Ihr Blick fiel auf Benji. „George, ich glaube, er ist eingeschlafen."
Überrascht schaute George auf seinen schlafenden Sohn herab. „Ich hatte mich schon gewundert, warum er auf einmal so schwer wird." Er lächelte. „Legen wir ihn einfach ins Schlafzimmer aufs Bett. Dort kann er sich gesund schlafen."
Sie folgte George ins Schlafzimmer und sah dann zu, wie er den Kleinen aufs Bett legte und ihm die Schuhe auszog. „Ich lasse die Tür einen Spalt auf, damit wir hören, wenn er uns rufen sollte." Er berührte Callie's Arm. „Geh schon einmal nach drüben. Ich schaue schnell im Backofen nach, ob der Braten fertig ist."
„Ist gut." Callie sah noch einmal auf ihren schlafenden Sohn herab, bevor sie ins Wohnzimmer hinüber ging. Erst jetzt hatte sie Zeit, sich umzuschauen. George hatte sich wirklich Mühe gegeben, den Raum festlich zu schmücken. In einer Ecke auf einem kleinen Tischchen stand ein Weihnachtsbaum, der mit Kugeln und Kerzen in den Farben rot und gold geschmückt war. Sie ging hinüber zur Stereoanlage und drückte den Startknopf. Sie war neugierig, was George für sie ausgesucht hatte. Als die ersten Takte von „I Wanna Know What Love Is" hörte, wurde sie unwillkürlich wieder an den Abend bei Joe's erinnert, wo sie zu diesem Lied eng umschlungen getanzt hatten.
George hatte das Wohnzimmer unbemerkt betreten und blieb nun abrupt stehen. "Das Essen braucht noch ein paar Minuten", sagte er mit entschuldigendem Blick, während er zu ihr hinüber ging. "Möchtest du tanzen?" Er streckte seine Hand nach ihr aus.
Callie zögerte. War es klug, mit ihm zu tanzen? Sie hatte schon bei Joe's gespürt, welche Wirkung er immer noch auf sie hatte. Ihr Blick fiel auf ihren Verlobungsring. Langsam schüttelte sie den Kopf. "Ich glaube, das ist keine so gute Idee."
George senkte den Kopf. "Vermutlich nicht", murmelte er. Er wies zum Sofa hinüber. "Wollen wir uns setzen?"
Callie nickte. Sie fühlte sich mit einem Mal seltsam befangen ihm gegenüber. Vielleicht hätte sie sein Angebot, gemeinsam Abend zu essen, nicht annehmen sollen. Es machte die Dinge unnötig kompliziert.
George griff hinter sich und förderte eine kleine, in Goldpapier gewickelte Schachtel, zutage, die er Callie lächelnd entgegen hielt. "Frohe Weihnachten!"
Überrascht wanderte ihr Blick von der Schachtel zu seinem Gesicht. "Du hast ein Weihnachtsgeschenk für mich?" fragte sie erstaunt.
George nickte. "Es ist nichts besonderes. Ich meine, ich habe es nicht gekauft …" Er brach ab, weil ihm gerade noch rechtzeitig einfiel, wie missverständlich sich das anhören musste.
"Du hast für mich gebastelt?" fragte Callie schmunzelnd.
George lächelte verlegen. "Nicht direkt." Er deutete zur Schachtel. "Mach es einfach auf."
Callie runzelte die Stirn auf seinen Kommentar hin, entfernte dann aber doch das Geschenkpapier, mit dem die Schachtel eingewickelt war. Als sie den Deckel hob stockte ihr für einen Moment der Atem. "George … das ist … zu kostbar. Das kann ich nicht annehmen."
"Gefällt es dir nicht?" fragte er enttäuscht.
"Doch, es ist … wunderschön", beeilte sich Callie zu sagen.
"Es gehörte meiner Großmutter."
Callie schluckte, während sie die Halskette mit dem gläsernen, herzförmigen Anhänger aus der Schachtel nahm. "Es ist …" Ihr fehlten einfach die Worte.
"Es ist zerbrechlich." George schaute auf seine Hände. Er hatte eine Woche Zeit gehabt, sich vorzubereiten. Lange hatte er mit sich gerungen, ob er ihr die Wahrheit sagen sollte. Callie würde bald heiraten. Es kam nicht mehr darauf an. Aber er hatte ihr vorher unbedingt noch sagen wollen, was er für sie fühlte. Langsam hob er den Kopf und beobachtete ängstlich ihre Reaktion.
Callie versuchte gegen die Tränen anzukämpfen, die langsam in ihr hochstiegen. Da saß sie nun und hielt das Herz des Mannes in ihren Händen, den sie über alles liebte und gleichzeitig trug sie den Ring des Mannes, den sie in wenigen Wochen heiraten würde. Sie verstand die Symbolik, die hinter dem Geschenk stand, auch ohne, dass George etwas sagen musste. Sie hatte es die letzten Wochen immer häufiger bemerkt. Die Art, wie er sie angesehen hatte, die kleinen liebevollen Gesten, die Weise, wie er über Marcus gesprochen hatte und nicht zuletzt ihr gemeinsamer Tanz, der so voller unterdrückter Leidenschaft gewesen war. Sie hob den Kopf und sah ihn durch einen Schleier von Tränen an. "George … ich …" Weiter kam sie nicht, denn er hatte sich blitzschnell vorgebeugt und seinen Mund auf ihre weichen Lippen gepresst. Callie wollte den Kuss gerade erwidern, als sie aus dem Zimmer nebenan leises Weinen hörte das in einen bellenden Husten überging.
George unterbrach den Kuss, und beide schauten sich an. Benji! Callie hatte einige Mühe, George so schnell zu folgen, weil sich ihre Beine unwirklich weich anfühlten. Eine Reaktion auf den Kuss. Doch sie wurde schlagartig wieder klar, als sie ihren kleinen Sohn keuchend atmen hörte. "Benji? Was hat er?" Ängstlich schaute Callie zu George hinüber, der dabei war, seinen Sohn aufrecht hinzusetzen.
"Ich bin kein Kinderarzt, aber es könnte Keuchhusten sein." Alarmiert beobachtete er, wie sich Benji's Lippen bläulich verfärbten und sich bei jedem Atemzug der Brustkorb einzog.
"Er bekommt keine Luft mehr …" Callie schaute entsetzt zu, wie Benji immer mehr Mühe hatte, seine Lungen mit Sauerstoff zu füllen, während ein pfeifendes Geräusch zu hören war.
"Er reagiert zyanotisch!" Ohne lange zu überlegen, nahm George Benji auf seine Arme und trug ihn aus dem Schlafzimmer. "Wir müssen ihn so schnell es geht, ins Krankenhaus bringen. Ich habe hier nichts, womit ich eine Erstversorgung vornehmen könnte." Er sah zu Callie hinüber. "Können wir dein Auto nehmen? Es ist größer."
Callie nickte wie betäubt. Sie reagierte nur noch mechanisch auf die Anweisungen, die George ihr gab. Bevor sie hinter den beiden das Apartment verließ, ging sie in die Küche und drehte den Herd ab. Als sie durchs Wohnzimmer ging, fiel ihr Blick noch einmal zum Sofa hinüber. Als sie aufgesprungen war, hatte sie anscheinend die Kette fallen lassen, denn das kleine Glasherz lag zerbrochen auf dem Fußboden.
Im Krankenhaus
Seufzend fuhr sich Derek durch das Gesicht. Statt weiter nach Meredith suchen zu können, wurde er zu einem Notfall gerufen. Zumindest hatte trotz der Ablenkung die OP erfolgreich hinter sich gebracht und er konnte sich wieder auf die Suche machen. Er bog um die Ecke und knallte hart mit einer Person zusammen.
„Entschuldigung." Brachte er es keuchend hervor und rieb sich die schmerzende Rippe. Erst als er einen zweiten Blick riskierte, erkannte er Meredith, die sich ihre schmerzende Schulter festhielt. „Meredith, endlich." Ohne weiter auf seine Rippen zu achten, riss er sie an sich und umarmte sie fest.
„Ich bekomme keine Luft mehr." Keuchte Meredith nach einer Weile, auch wenn sie froh war, Derek über den Weg gelaufen zu sein. Vielleicht freute sie sich auch mehr darüber, dass er sie umarmte und nicht irgendeine OP Schwester.
Derek ließ schweren Herzens wieder von ihr ab und sah ihr tief in die Augen. „Leugne gar nicht erst, dass Finn da war."
„Er war da." Seufzte sie bedrückt. „Und er hat vor, mir ein Essen zu kochen."
„Normalerweise keine schlechte Idee. Zumindest bei deinen Kochkünsten." Er grinste sie verschmitzt an, auch wenn sie ihm einen eher vorwurfsvollen Blick zuwarf. „Allerdings kommt er wohl ein klein wenig zu spät. Hoffe ich." Fügte er kleinlaut hinzu, das Grinsen gänzlich aus seinem Gesicht verschwunden.
„Natürlich." Sie schüttelte lächelnd den Kopf als sie ihm einen Stups gegen die Schulter verpasste. „Und ich habe auch mein Handy immer griffbereit, sollte er wieder auftauchen."
Derek atmete erleichtert auf. „Gut und du wartest nachher auf mich."
„Wir sind mit getrennten Autos da und ich habe früher Schluss." Protestierte sie leicht, auch wenn sie bereits ahnte, dass sie sich wahrscheinlich nicht gegen ihn durchsetzen würde. „Ich passe auf und fahre auf direktem Weg nach Hause."
Derek schüttelte verneinend den Kopf. „Du wartest. Am besten sogar in meinem Büro oder du kommst mit mir in den OP."
„Mit Sicherheit nicht. Ich werde ohnehin schon merkwürdig angesehen, seit du dich als mein Bodyguard aufführst." Sie rieb sich die pochende Schläfe. Noch immer konnte sie sich nicht vorstellen, dass Finn etwas machen könnte, was ihr schadet. Wobei sie so langsam glaubte, dass er eher Derek Schaden zufügen will. Denn sie konnte sich nicht vorstellen, dass die ständigen Änderungen im Dienstplan bei den anderen Chirurgen gut ankamen.
„Ich mache nur was nötig ist." Konterte Derek mit fester Stimme. „Vielleicht kann ich früher raus, dann können wir gemeinsam losfahren."
Da sowohl Derek als auch Meredith dermaßen vertieft in ihre Gedanken waren, hatten sie nicht bemerkt, dass jemand den letzten Teil des Gespräches mitgehört hatte. Wütend trat Chief Webber auf die beiden zu, wo er sich lautstark räusperte, um die Aufmerksamkeit der beiden zu erlangen.
„Chief." Derek sah verwundert hoch und stellte sich danach schnell einen Schritt vor Meredith.
„Normalerweise liegt es mir nicht, die Gespräche anderer mitzuhören, aber in diesem Fall mache ich eine Ausnahme." Webber verschränkte verärgert seine Arme vor der Brust. „Wie ich höre wollen sie schon wieder früher gehen."
„Ja, nein." Derek kratzte sich am Kopf, da er sich nicht sicher war, was er sagen durfte und was nicht. Ihm war klar, dass seine Anschuldigungen gegen Finn nicht beweisbar waren und er somit nur auf Verdacht gehandelt hatte.
„Was denn jetzt?" Forderte der Chief leicht gereizt. Sein Blick fiel auf Meredith, die Derek zur Seite schob. „Dr. Grey, haben sie mir etwas zu sagen?"
„Hat sie nicht." Erneut stellte Derek sich vor Meredith, nachdem er ihr einen warnenden Blick zugeworfen hatte, der allerdings auch von Chief Webber bemerkt worden war. „Sie hat nichts mit den Dienstplanänderungen zu tun."
„So wie ich es mitbekommen habe, wollen sie gemeinsam irgendwohin fahren." Webber sah von Meredith zu Derek und dann wieder zu Meredith. „Wenn meine Personalakten stimmen, dann ist Dr. Grey verheiratet. Ich habe ein Problem damit, wenn das Privatleben zweier Angestellten Einfluss nimmt auf die Arbeit. Besonders dann, wenn einer oder beide verheiratet sind."
„Meredith… Dr. Grey lebt in Scheidung." Erklärte Derek so sachlich wie möglich. „Darüber hinaus sind wir Freunde und ich helfe ihr nur. Das ist doch erlaubt?"
Webber betrachtete sich die beiden misstrauisch und schüttelte dann den Kopf. „Freunden zu helfen ist erlaubt, sofern dabei nicht irgendwelche Grenzen überschritten werden. Sie nutzen derzeit ihre Stellung aus, Dr. Shepherd. Das würde ich als Grenzüberschreitung bezeichnen."
„Ich hatte meine Gründe, Chief." Derek verschränkte die Arme vor der Brust. „War es das?"
„Sie werden nicht früher gehen, Dr. Shepherd. Und diese ständigen Tauschaktionen werden auch aufhören." Webber wartete ab bis Derek widerwillig zustimmte, dann drehte er sich von den beiden weg und ging den Flur entlang.
„Er hat Recht. Du solltest nicht mehr deine Position ausnutzen." Meredith legte eine Hand auf seinen Arm und sah ihn dabei eindringlich an.
„Du wartest auf mich." Erwiderte Derek mit monotoner Stimmlage. Als sie ihm zunickte, beugte er sich zu ihr vor und küsste sie sanft auf die Wange. „Bis später dann." Ihm war nicht wohl bei der Sache. Aber er konnte sich schlecht gegen den Chief stellen, zumal Meredith auf dessen Seite stand. Er beobachtete wie Meredith hinter einer Ecke verschwand und schluckte dann hart, um den Kloß in seinem Hals zu beseitigen.
Haus der Karevs
"Als du mich gefragt hattest, ob wir am Heiligen Abend zusammen essen wollen, da hatte ich eher an ein Restaurant gedacht." Izzie pustete eine widerspenstige Haarsträhne aus der Stirn und wischte ihre Hände dann doch an der Schürze ab, als ihr Versuch misslang. Ungeduldig schob sie die Strähne zurück in ihre ursprüngliche Position, bevor sie anfing, die Kartoffeln zu schälen.
"Hatte ich das gesagt?" Alex schaute von seiner Tätigkeit auf, Sahne in einen Siffon zu füllen.
"Nein, hattest du nicht." Izzie warf die geschälte Kartoffel in den Kochtopf. "Ich würde es mal so formulieren …" Sie griff nach der nächsten Kartoffel und begann sie zu schälen. "Frauen haben eine andere Art als Männer bestimmte Dinge zu assoziieren."
Alex hob amüsiert eine Augenbraue. "Ach so, und du assoziierst also "essen" mit "Restaurant" … interessant."
Izzie warf ihm einen bösen Blick zu. "Gib zu, dass du mich nur eingespannt hast, weil du eine billige Köchin gebraucht hast."
Alex stellte das Tablett mit fertig verzierten Muffins auf den abgekühlten Herd. "Stimmt, wir haben noch gar nicht über deine Bezahlung geredet." Er kratzte sich nachdenklich am Kopf, als ob er wirklich darüber nachdenken würde.
Izzie nahm die halb geschälte Kartoffel und zielte damit auf ihn. Der Wurf traf, und Alex griff sich an die Brust und krümmte sich stöhnend zusammen.
Erschrocken eilte Izzie zu ihm hinüber. "Ist alles in Ordnung? Das wollte ich nicht." Sie sah sein Grinsen, als er sich wieder langsam aufrichtete.
"Hereingelegt!" sagte er und griff blitzschnell nach dem Sahnesiffon und ging damit auf sie zu.
"Was hast du damit vor?" Izzie sah ihn misstrauisch an, während sie immer weiter nach hinten wich.
"Nichts." Er zuckte gleichgültig mit den Schultern. Doch sein harmloses Gebaren konnte Izzie nicht täuschen. Sie hatte sehr wohl sein spöttisch amüsiertes Grinsen gesehen.
"Glaub nicht, dass ich danach deine Küche putze!" sagte sie warnend. Da sie rückwärts ging bemerkte sie zu spät, dass sie mit dem Rücken zur Tür stand. Und nun gab es kein Entrinnen mehr, denn die Tür war verschlossen und Alex zielte mit dem Siffon direkt auf sie. Sie schloss die Augen, um zu verhindern, dass sie die Sahne direkt in die Augen bekam. Doch statt süßer Sahne spürte sie, wie sich warme weiche Lippen auf ihren Mund legten. Doch bevor sie auf seinen Kuss reagieren konnte zog er sich zurück und deutete dann lächelnd nach oben.
"Du nimmst es mir nicht übel, dass ich das ausgenutzt habe?" fragte er leise.
Izzie folgte seinem Blick und ihr Herz sank. Er hatte sie nur geküsst, weil sie unter einem Mistelzweig gestanden hatten? Er hatte sie nur geküsst wegen einer dummen Tradition? Und überhaupt, welcher Idiot hatte den Zweig in der Küche aufgehangen? Izzie fühlte, wie Wut in ihr hochstieg. Sie hatte gedacht, dass der Kuss ihm viel mehr bedeutet hätte. Ihr hatte er mehr bedeutet. Reflexartig riss sie ihm den Sahnesiffon aus der Hand und drückte den Knopf bis zum Anschlag durch.
Alex war zu verblüfft, um reagieren zu können. Erst als er über und über von Kopf bis Fuß mit Sahne bedeckt war, starrte er fassungslos an sich herunter. "Was …?" Ihm blieben die Worte im Hals stecken.
Izzie warf den leeren Siffon achtlos in die Spüle und verschränkte die Arme vor der Brust. "Ich denke, jetzt sind wir quitt!"
Alex nickte wie betäubt. "Ich glaube, ich werde dann mal duschen gehen", meinte er kleinlaut. Er schaute auf den Sahneberg unter sich. "Und danach werde ich die Küche putzen", fügte er schnell hinzu, als er Izzie's finsteren Gesichtsausdruck sah. Er hatte keine Ahnung, womit er sie verärgert hatte, aber das sie wütend war, konnte ein Blinder sehen.
Schmunzelnd sah Izzie ihm nach, als er die Küche verließ. Sie wollte sich gerade wieder ihren Kartoffeln zuwenden, als das Telefon zu schellen begann. Izzie ging hinüber ins Wohnzimmer und überlegte, ob sie rangehen sollte. Sie entschied sich dagegen, als sie sah, dass der Anrufbeantworter ansprang.
"Alex? … Alex, bist du da, dann heb bitte ab! Bitte!"
Izzie stand für einen Moment wie erstarrt, bevor sie den Hörer schließlich hoch nahm. Das war eindeutig Susanna's Stimme. Und sie klang ziemlich verzweifelt.
"Susanna? Hier ist Izzie. Was ist denn los?"
"Izzie? Oh, Gott sei Dank … Du musst mir helfen! Hast du … etwas zu schreiben?"
Izzie griff mechanisch nach Notizblock und Stift, die neben dem Telefon lagen. "Ja, habe ich. Was ist denn los?" wiederholte sie ihre Frage. Sie hörte ein leises Stöhnen und fühlte, wie ihr Herz vor Aufregung schneller schlug. "Susanna? Hörst du mich?" Wieder nur Stöhnen. "Susanna, antworte doch!"
"44, Fairfield Road … Bitte komm … schnell!"
Izzie umklammerte den Hörer fester. Sie hatte keine Ahnung, was das alles bedeutete, aber sie hatte die Panik in Susanna's Stimme hören können. Und es war kein gutes Zeichen, dass sie einfach aufgelegt hatte. Izzie riss den Zettel mit der Adresse vom Block ab und kritzelte schnell eine Nachricht für Alex auf ein anderes Stück Papier. Ihr blieb keine Zeit mehr. Schnell band sie die Schürze ab und rannte die Treppe zu ihrer Wohnung hoch. Sie griff schnell ihre Autoschlüssel und Handtasche und rannte die Treppe wieder hinunter. Sie öffnete die Haustür und verließ das Haus.
Im Krankenhaus – Lobby
Derek sah ungeduldig auf seine Uhr. Dank eines Zwischenfalls auf der Intensivstation war er viel später dran, als er erhofft hatte. Immerhin war das Krankenhaus aufgrund der Feiertage voller Besucher und Meredith würde nicht allein in der Lobby warten. Vor ihm lag nur noch eine Ecke und dann war er endlich am Ziel. Als er den Eingangsbereich schließlich vor sich sah, suchte er sofort nach Meredith. Unruhig durchquerte er die Lobby, doch er konnte sie nicht finden. Er zog aus seiner Tasche sein Handy heraus, um sie anzurufen, doch er wurde sofort zur Mailbox weiter geleitet. Stirnrunzelnd suchte er erneut die Lobby ab, doch sie blieb immer noch verschwunden. Fluchend rannte er zum nächsten Treppenhaus, das ihn zu seinem Büro brachte. Doch auch dort wurde er nicht fündig, was ihn immer mehr beunruhigte. Als er wieder aus seinem Büro stürmte, prallte er auf Mark.
„Ich dachte, dass du schon weg wärst." Irritiert runzelte Mark die Stirn.
„Hast du Meredith gesehen?" Keuchte Derek noch immer schwer atmend von seinem Spurt durch das halbe Krankenhaus. Da Mark mit versteinerter Miene den Kopf schüttelte, sackte er kurz zusammen. „Vielleicht weiß Cristina etwas."
„Die war auf dem Weg zur Umkleidekabine." Erklärte Mark, was dazu führte, dass die beiden sofort losrannten und dabei alle umrissen, die sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten.
Kaum hatten sie die Umkleidekabine erreicht, stürmten sie durch die Tür, was dazu führte, dass sie von mehreren Gesichtern fragend angesehen wurden. Derek deutete mit seinem Zeigefinger zu Cristina, die sich ungerührt weiter umgezogen hatte.
„Hast du Meredith gesehen?" Wiederholte Derek seine Frage, dieses mal an Cristina gerichtet, die sich abrupt umdrehte.
„Hast du mich erschreckt." Sie schüttelte sich leicht und betrachtete sich anschließend die beiden keuchenden Männer vor sich. „Hatte sie nicht schon länger Dienstschluss?" Als ihr klar war, warum Derek so außer Atem war, schlug sie ihm hart gegen die Schulter. „Und warst du nicht dafür verantwortlich, dass ihr nichts passiert?"
„Das heißt, dass du sie schon länger nicht mehr gesehen hast?" Hakte Derek nach, wobei er nicht auf eine Antwort zu warten brauchte, so wie Cristina ihn ansah. Verzweifelt fuhr er sich mit der Hand durch das Gesicht.
„Ist ihr Auto eigentlich noch da?" Fragte Mark nach, nachdem er wieder zu Atem gekommen war. Kaum hatte Derek verneinend den Kopf geschüttelt, stürmten die drei aus der Umkleide heraus. Erneut konnten sich die übrigen Krankenhausangestellten nur mit knapper Mühe in Sicherheit bringen.
Als Derek den Parkplatz erreicht hatte, stoppte er abrupt, da er sofort Merediths Wagen ausmachen konnte. Durch sein stehen bleiben, schaffte es Mark nicht mehr rechtzeitig zu bremsen, wodurch er unsanft auf Derek prallte.
„Du hättest auch eine Warnung abgeben können." Keuchte Mark außer Atmen während er sich seine schmerzende Schulter rieb. „Und warum bleibst du überhaupt stehen?" Erkundigte er sich neugierig, folgte aber gleichzeitig Dereks Blick. Stirnrunzelnd sah er wieder zu Derek.
„Irgendetwas stimmt nicht." Murmelte Derek mehr zu sich selbst.
Als auch Cristina auf dem Parkplatz angekommen war, drehte sich Mark zu ihr um. „Irgendetwas scheint nicht in Ordnung zu sein." Mutmaßte er, auch wenn er nicht wusste, um was es sich genau handelte.
„Scheint so." Bestätigte Cristina mit den Augen rollend. Sie folgte Derek, der sich wieder in Gang gesetzt hatte. „Warum habt ihr eigentlich eine Kaffeepause eingelegt?" Ihr Blick fiel auf Mark, der nur mit den Schultern zuckte.
„Der da ist stehen geblieben." Mark deutete mit dem Finger auf den vor sich gehenden Derek. „Wir sollten es wieder auf Merediths Handy probieren. Immerhin steht ihr Auto noch hier."
Verwundert sah Cristina zu Mark auf. Kopfschüttelnd beschleunigte sie ihren Schritt, damit sie neben Derek her gehen konnte. „Wie hat Mark es eigentlich geschafft, Arzt zu werden? Logisches Denken scheint nicht so seine Stärke zu sein."
Derek schaute überrascht neben sich. Er war so in Gedanken gewesen, dass er die anderen gar nicht mehr wahr genommen hatte. „Was?"
„Vergiss es." Cristina winkte mit der Hand ab, zumal sie jetzt neben Merediths Auto zum Stillstand gekommen waren. Sie folgte weiterhin Derek, der sich genauer umsah.
„Wonach suchst du eigentlich?" Mark hatte sich gegen einen kleinen Pfosten gelehnt und beobachtete interessiert wie Derek sich Merediths Autotür betrachtete.
„Weiß ich noch nicht." Murmelte Derek während er den Boden vor der Fahrertür genauer inspizierte.
„Vielleicht sollten wir die Polizei anrufen?" Fragte Mark nach, der stirnrunzeld zu Cristina blickte. Da er keine Antwort bekam, seufzte er laut auf. „Ernsthaft. Dieses rumsuchen bringt uns doch nicht weiter."
„Und was willst du der Polizei sagen?" Cristina stellte sich mit verschränkten Armen vor ihn. „Immerhin könnte Meredith auch irgendwo im Krankenhaus sein und einfach nur ihr Handy ausgeschaltet haben."
„Hat sie nicht." Derek fuhr sich mit der Hand durch das Gesicht. Seufzend stellte er sich neben Merediths Wagen. Als er die Blicke der anderen auf sich spürte, sah er zu ihnen auf. „Sie hat mir versprochen, es nicht zu machen und außerdem habe ich ihr Handy unter dem Auto gefunden." Er hielt zur Bestätigung Merediths Handy hoch.
Cristina atmete tief durch. „Und was hat das jetzt zu bedeuten?"
Derek verstaute Merediths Handy in seiner Tasche. Als er wieder aufsah, atmete er tief aus. „So wie es aussieht, hat Finn sie doch abgefangen." Sein Blick ging ins Leere als er realisierte, dass genau das eingetreten war, wovor er sich die ganze Zeit gefürchtet hatte.
To be continued!
