Kapitel 2

Alle Rechte gehören JK Rowlings und wem auch immer sie diese verkauft hat – ich war es nicht. So viel Geld werde ich nie besitzen…..

Kapitel 2

Eine weitere schlaflose Nacht folgte. Nach einigen Stunden, in denen er sich hin und her wälzte, endete Remus wieder auf seinem Posten auf der Fensterbank. Seine Augen waren besser als die anderer Menschen und so kurz vor der Transformation waren seine Sinne noch weiter geschärft. Er konnte einige Hasen am Rand des Waldes erkennen und später kamen Hirsche zum äsen heraus. Er sah niemanden vom Rudel. Er konnte sie aber spüren. Sie beobachteten das Schloss, die morgige Jagd planend.

Er wusste, dass sein Leben, wie es war, richtig war. Alles andere wäre unmoralisch und ungesund. Aber der Wolf in ihm wollte jagen, töten. Er hasste es, sich immer kontrollieren zu müssen. Er wollte frei sein. Er hasst diese zwei Seelen in seiner Brust, die ihn langsam zerrissen.

"Nein, Mutter – nicht. Ich habe nichts…..aaaah!" Mit ein paar Schritten war Remus an Sirius Bett. Auf der Stirn des schlafenden Jungen stand Schweiß, seine Hände suchten ziellos nach einem Halt auf dem Bett.

"Sirius!" Remus schüttelte ihn an den Schultern. "Sirius! Alles ist in Ordnung! Du träumst nur!" Sirius begann sich gegen Remus' Griff zu wehren. Er versuchte sich auf zu setzen und dabei schlugen ihre Köpfe hart gegeneinander. „Ah!" Remus lies ihn los und fasste an sein schmerzendes Kinn.

"Verdammt, Black! Dein Kopf ist härter als ein Stein!"

Sirius hielt sich seine Stirn. Er starrte Remus mit weiten Augen verwirrt an.

"Lupin, was zum Teufel machst du in meinem Bett?" Ein Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus. "Ist doch was an den Gerüchten dran?"

Remus drehte sich um und bezog wieder seinen Platz am Fenster. "Davon träumst du!" Nach einigen Sekunden fügte er ernsthaft hinzu. „Du hattest einen Alptraum und wenn ich dich nicht geweckt hätte, hättest du die anderen geweckt."

Er musste sich nicht umdrehen um zu wissen, dass Sirius Gesicht eine Mischung aus Peinlichkeit, Niedergeschlagenheit und Resignation zeigt. Er hatte es zu oft gesehen.

Remus hatte nie nach den Albträumen gefragt, die sein Freund über seine Mutter hatte. Nachdem er sie einmal getroffen hatte, hatte er auch nicht mehr versucht es sich vor zu stellen. Er war sich nicht sicher, ob seine Fantasie ausreichen würde.

Sirius stand auf und ging zum Bad. Auf dem Rückweg zu seinem Bett, stoppte er neben Remus. „Nervös wegen Morgen?"

"Ein Rudel ist da draußen."

Stille fiel zwischen die zwei Freunde. Nach einiger Zeit begann Sirius mit den Füßen zu scharren. „Das Mädchen ist also nicht alleine gekommen?" Remus schüttelte den Kopf, ohne die grasende Hirschkuh vor Hagrid's Hütte aus den Augen zu lassen.

"Haben Sie dich gefragt, ob du mit ihnen gehst?" Remus nickte. Schwer fühlte er Sirius Hand auf seiner Schulter. „Wenn du dich auch entscheidest, vergiß' nicht, dass wir deine Freunde sind!" Remus fühlte, wie Sirius noch einmal zudrückte, bevor er seine Hand langsam von Remus Schulter gleiten lies.

„Ich werde noch mal versuchen zu schlafen."

--

Der darauf folgende Tag verging in einem Nebel aus Gesichtern und Gerüchen. Er konnte sich auf nichts konzentrieren. Seine Sinne wurden von Minute zu Minute schärfer. Sein Bewusstsein war überflutet von den Wahrnehmungen aus seiner Umgebung. Seine Klassenkameraden mischten einen beunruhigenden Pheromon-Cocktail aus Angst, Unsicherheiten, Neid, Liebe, Hass und Teenager-Hormonen. Sein Blut rauschte in seinen Ohren mit dem Drang auszubrechen. Der Hunger nach der Jagd, dem Blut und dem Gefühl seine Zähne in warmes, rohes Fleisch zu schlagen wurde fast übermächtig. Das Verlangen diesem Ruf zu folgen wuchs beständig.

In einen tranceartigen Zustand folgte er automatisch der Schulroutine. Er ging allen aus dem Weg und sprach mit keinem.

Als die Zeit kam, gingen seine Freunde mit ihm zur Heulenden Hütte. Alle drei versiegelten die Hütte mit starken Bannzaubern. Der Mond würde in einer Stunde aufgehen. Als seine Freunde gehen wollten und ihm versicherten, sie würden nach Zapfenstreich wieder kommen, erklärte er ihnen in einer tonlosen Stimme, er wolle alleine sein. Sie sollten ihn dieses Mal erst am Morgen wieder holen. Er sah an den Blicken, den seine Freunde austauschten, dass die drei bereits über ihn und das Rudel gesprochen hatten.

Stumm nickten die drei. Es war deutlich, dass ihnen nicht wohl dabei war.

Die Transformation war unerträglich wie jedes Mal. Wenn der Wolf die Obermacht hatte, dann bestand er nur noch aus reinem Instinkt. Er hatte immer das Bedürfnis auszubrechen, frei zu sein, zu jagen. Aber das war nichts im Vergleich zu den Gefühlen, die ihn durchfuhren als er das erste Heulen des Leitwolfes hörte. Er rief das Rudel zusammen.

Immer wieder lief er gegen die Tür an, versuchte dann das Fenster zu durchbrechen. Er begann aus mehreren Wunden zu bluten, aber er merkte es nicht. Wieder und immer wieder versuchte er aus der kleinen Hütte zu entkommen. Er musste raus. Er hielt es nicht aus. Sein Heulen war verzweifelt. Er hörte die anderen jagen.

Das Rudel war weit verstreut. Die Rufe kamen aus unterschiedlichen Richtungen. Dann näherten sie sich aneinander an. Dann war nichts zu hören. Er spürte den Jagdtrieb stärker werden. Er wusste dass die anderen sich eine Beute gesucht hatten und nun begann das Anschleichen, Umkreisen und Stellen. Dann hörte er einen Schrei die Nacht durchdringen. Ein lautes Heulen und Gebell signalisierte die Endphase der Jagd. Die Beute wurde gerissen. Er verstärkte noch einmal seine Versuche die Tür zu durchbrechen. Dann hörte er das siegreiche Heulen des Leitwolfes. Die Jagd war beendet.

Er lies sich erschöpft fallen und legte seine Schnauze auf seine Vorderpfoten und begann leise zu winseln. Einsamkeit erfüllte seinen Körper wie zuvor die Jagdlust.

Einige Zeit später spürte er ihre Anwesenheit, dann hörte er wie sie sich der Hütte näherten. Neue Energie durchpulste ihn. Er war nicht alleine. Er begann an der Tür zu scharren. Er konnte hören, wie sie von der anderen Seite an der Tür kratzten.

Aber die Herumtreiber hatten für einen solchen Fall den Boden hart wie Zement gezaubert. Bald schon begann einer seiner Brüder frustriert zu heulen. Die Attacken gegen die Tür wurden wütender. Dann ebbten sie wieder ab.

Er bellte und knurrte leise. Ihr leises Wimmern lies ihn wieder verzweifelt werden. Er schmiegte sich so eng gegen die Tür wie möglich und winselte. Seine Brüder hatten aufgegeben.

Er spürte wie sie sich ebenfalls außen vor der Tür hinlegten. So verbrachten sie den Rest der Nacht.

--

Peter fand Remus am nächsten Morgen zu einem Ball zusammengerollt direkt hinter der Tür. Als er die schwarzen Blutergüsse auf dessen Körper und die blutigen Hände sah, schnappte er erschrocken nach Luft.

"Was ist passiert?" Remus setzte sich auf und lehnte mit dem Rücken an die Tür. "Raue Nacht!" Peter hockte sich vor ihm hin. "Lass' mich deine Hände sehen." Sie waren nur noch eine Masse aus rohem Fleisch und abgebrochenen Nägeln. Nach dem ersten Schreck begann Peter die Hände zu heilen. Er hatte zuerst Zweifel, aber scheinbar waren seine Zauber gut genug, denn die Wunden schlossen sich schnell.

Dann sah er sich in der Hütte um. Am Boden vor der Tür waren blutige Kratzspuren. Das alleine zeigte, wie verzweifelt er gewesen sein musste. An den Holzlatten, die das Fenster verschlossen sah er auch Spuren von Krallen und dunklere Blutspuren. „Das hast du noch nie gemacht"

Remus starrte immer noch mit blutunterlaufenen Augen auf den Boden vor sich. „Ich habe die anderen gehört."

Peter hatte sie auch gehört. Er hatte in seinem Bett gelegen und angsterfüllt an die Decke gestarrt. Kalter Schweiß war ihm ausgebrochen als er das Heulen und Bellen gehört hatte.

Remus zog die Kleidung an, die Peter ihm gebracht hatte. Als er angezogen war, hielt er seine Hand auf und Peter gab ihm seinen Zauberstab. Remus drehte sich um, starrte auf die Tür und murmelte einen Gegenzauber. Leise öffnete sich die Tür.

Peter gab einen erstickten Ton von sich als er die gleichen Spuren an der Außenseite der Tür sah. Seine Augen wurden wie magisch von einem Objekt links von der Tür angezogen. Er starrte blicklos auf das Ding. Dann wurde ihm bewusst auf was er starrte. Er drehte sich um und entleerte seinen Magen auf den Boden. Sein Verstand raste. Er konnte immer noch die Finger und die zerfetzten Sehnen und Muskeln, den weißen Knochen vor seinem Inneren Augen sehen. Eine menschliche Hand – das Rudel hatte einen Menschen umgebracht. Und die Monster hatten Remus seinen Anteil des Festessens gebracht.

Als nur noch Galle kam, versuchte er sich zu beruhigen. Er atmete tief ein, straffte sich und drehte sich zu Remus. Er begrub die Hand unter einem nahen Baum. Ein paar Bewegungen mit seinem Zauberstab später betrat er wieder die Hütte.

Mit einer weiteren Bewegung verschwand die Sauerei, die Peter gemacht hatte. Dann lief er ohne sich um Peter zu kümmern durch den Tunnel Richtung Schloss.

Peter folgte ihm stumm. Immer noch mit dem Rücken zu ihm gewandt, sagte Remus tonlos "Weißt du jetzt, warum ich nicht mit ihnen gehen kann?" Schweigend liefen sie weiter bis sie vor dem Porträt der Fetten Lady angekommen waren.

Peter räusperte sich und Remus drehte sich zum ersten Mal zu ihm. Peter war weiß wie eine Wand. Er schluckte schwer. „Weißt du, wer...?" Seine Stimme brach. Remus sah ihm nicht in die Augen. "Es war einer der Zentauren."

Peter fühlte sich sofort erleichtert. Nur einer der Zentauren, kein Zauberer, keine Hexe, nicht mal ein Muggel!

Er blieb den ganzen Tag nahe bei Remus. Er hatte seinen Freund nie zuvor so zerschlagen, so hoffnungslos gesehen. Während des Unterrichts starrte Remus aus dem Fenster Richtung Wald. Er strahlte eine tiefe Sehnsucht aus. Seinen Freund so zerrissen zu sehen, machte Peter hilflos.

Als der Unterricht beendet war, stand Remus auf und verließ die Klasse ohne auch nur einen Blick auf seine Freunde zu werfen. Die drei wechselten einen hastigen Blick und folgten dann Remus nach draußen.

Auf halbem Weg zum Wald holten sie ihn ein. „Remus! Warte!" James bekam ihn am Arm zu fassen und zog ihn zurück. Remus wirbelte herum. Er entriss ihm seinen Arm. Sein ganzer Körper zeigte seine Angriffslust. „Was, James?" Seine Stimme war ein tiefes Knurren. Seine Augen glitzerten gefährlich. James trat erstaunt einen Schritt zurück. Er hatte seinen Freund noch nie so reagieren sehen.

James hielt seine Hände abwehrend in die Luft. „Hey, beruhig' dich! Kein Grund mir gleich den Kopf abzureißen!" Man konnte seinem Gesicht ansehen, dass er sich innerlich wegen seiner Wortwahl verfluchte.

Ein bösartiges Grinsen breitete sich auf Remus Zügen aus. „Ist das so?" Das war nicht ihr spielerisches Reviergehabe, das war todernst. Die zwei starrten einander an: Jäger und Beute.

Sirius trat zwischen die beiden. „Remus, sprich mit uns! Wir wissen, dass es schwieriger ist als sonst. Aber wir können dir nicht helfen, wenn du nicht mit uns redest!" Seine Stimme klang schon fast bettelnd. Es wurde immer deutlicher wie nahe sie daran waren ihren Freund zu verlieren.

Remus starrte Sirius mit einem stechenden Blick an. „Du weißt was, Black? Du denkst, du weißt, wie ich mich fühle? Du willst also wirklich dass ich meine Gefühle zum Ausdruck bringe?" er spuckte die Wörter voller Verachtung aus. „Gut! Ich werde reden!"

Remus Körper war angespannt. Er sah aus als würde er jeden Moment zum Angriff übergehen. Keiner seiner Freunde traute sich auch nur zu Blinzeln. Wie gebannt starrten alle Remus an.

Der Werwolf zog seine Lippen hoch und seine Zähne schimmerten Furcht einflößend. Er ging näher auf Sirius zu und sagte leise, mit drohendem Unterton. „Ich kann dich riechen. Ich kann riechen, wenn du von einer deiner kleinen Schlampen zurückkommst. Du riechst dann köstlich. Würzig wie indisches Essen. Ich kann dein Blut durch deinen Körper rasen hören und es macht mich ganz verrückt. Meine Gier nach einem Bissen wird dann unerträglich. Gier danach dein Blut zu trinken und zu sehen, ob dein Fleisch so würzig ist, wie ich es mir vorstelle."

Sirius wurde leichenblass und machte einige unsichere Schritte zurück. Remus Gesicht zeigte reine Verachtung, als er den zurückweichenden Jungen betrachtete. Er drehte sich zu James um. „Willst du auch reden?" er lies seinen Blick über James wandern. Abschätzend von oben nach unten. „Angst, James? Wo ist denn dein Gryffindor Mut geblieben? Ich kann deine Furcht riechen!"

Er drehte sich zu Peter, der zwar wie angewurzelt da stand, aber trotzdem relative ruhig wirkte. „Peter, mein Freund, du scheinst recht überzeugt davon, dass ich keinen Bissen von dir kosten möchte. Was macht dich so sicher?" Peter blinzelte nicht einmal. „Vielleicht ist es mir egal!"

Remus begann zu lachen. "Es sollte dir nicht egal sein. Vielleicht würde ich dich nicht einfach nur "kontaminieren" und damit zum Werwolf machen, vielleicht töte ich dich auch einfach nur und mache ein Festmahl daraus. Du riechst wie all die Süßigkeiten, die du so gerne isst. Und du weißt genau, wie gerne ich Süßigkeiten essen, oder?"

Peters Augen weiteten sich. Jetzt erst dämmerte ihm, wie gefährlich die Situation in Wirklichkeit war. Er begann zu zittern. Was für eine schreckliche Art zu sterben. Getötet zu werden von so einer niederen Kreatur wie einem Werwolf!

„Hör auf, Remus!" James war nun wütend. "Was zum Teufel willst du uns beweisen? Wir wissen dass du gefährlich bist! Wir wissen wozu ein Werwolf im Stande ist! Wir sind deine Freunde! Wir wollen doch nur das Beste für dich!"

Mit zwei schnellen Schritten stand Remus vor ihm und seine rechte Hand schloss sich um James Kehle. „So, James – du weißt also wie gefährlich ich bin? Du denkst, du weißt, was für mich am besten ist? Was glaubst du eigentlich wer du bist? Der Leitwolf?"

James versuchte sich zu winden und Remus zu treten. Aber den Werwolf schienen die Bemühungen unbeeindruckt zu lassen. James fasste mit beiden Händen die Faust, die seine Kehle im tödlichen Griff hielt. Er begann schon leuchtende Punkte zu sehen und ihm wurde bewusst dass er binnen Kurzem ohnmächtig würde oder schlimmeres, wenn nicht etwas passierte.

Sirius erwachte aus seiner Starre. Er rammte Remus von der Seite. Remus lies James los um seinen Sturz abzufangen und drehte sich schon im Fallen zu Sirius um ihn anzugreifen. Sirius hatte kein Bedürfnis einen Kampf mit den Fäusten zu beginnen, daher stolperte er sofort rückwärts aus dem Gefahrenbereich.

Endlich kam auch wieder Bewegung in Peter und er zog James zurück. Alle drei zogen sich langsam rückwärts aus der direkten Reichweite von Remus zurück.

Dieser kniete auf einem Bein und hatte den Oberkörper geduckt in Angriffshaltung. Er würde jeden Moment auf einen der drei losspringen. Beängstigende Töne kamen aus seiner Kehle und er starrte seine drei Freunde hasserfüllt an.

"Genug!" Sirius hatte endlich seinen Zauberstab gezogen. Zitterns richtete er ihn auf den Wolf. James und Peter folgten seinem Beispiel.

„Ihr würdet mir doch nichts tun – ich bin doch euer Freund!" Remus Worte troffen nur vor Sarkasmus. Dann drehte er sich plötzlich um und rannte in den Wald. Binnen einiger Sekunden war er im Unterholz verschwunden.

"Verdammt! Warum haben wir ihn nicht betäubt?" James trat nach einem Grasbüschel. Peter, der immer noch wackelig auf den Beinen war, starrte auf den Wald und sagte leise „Vielleicht ist das etwas, bei dem wir ihm nicht helfen können. Vielleicht muss er da alleine durch."

„Wir haben ihn verloren!" Sirius Stimme klang brüchig.

Sie standen noch lange da, starrten auf den Wald und versuchten ihrer Hilflosigkeit Herr zu werden.

--

Remus fand sie leicht. Zwei erfahrene Jäger wachten über eine Lichtung auf der einige Zelte aufgestellt waren. Die zwei schauten nur kurz auf, ließen Remus passieren, dann liefen sie weiter ihre Runde um die Lichtung.

In dem Moment, in dem er die Lichtung betrat, kam Fenrir aus einem der Zelte getreten. „Remus! Ich wusste, dass du kommen würdest!" Er umarmte Remus wie seinen verlorenen Sohn. "Komm' und begrüße das Rudel!" Er folgte Greyback in das größte Zelt. Es war dämmrig im Inneren. Aber Remus Augen hatten sich schnell an das Dämmerlicht gewöhnt. Das Zelt bestand nur aus einem magisch vergrößerten runden Raum. Remus schätze, dass es zwanzig Quadratmeter im Durchmesser waren. Kissen und Decken in allen Größen und Farben bedeckten den gesamten Boden. Das ganze erinnerte Remus an eine Szene aus einem Muggelfilm den er einmal mit seinem Vater gesehen hatte. Dabei war der Held in eine der Opiumhöhlen im China des letzten Jahrhunderts geraten. Nur der Rauch fehlte. Die Mitglieder des Rudels lagen verstreut auf dem Boden. Manche aneinander geschmiegt, andere alleine.

Er spürte Tasha, Benno und Dave im hinteren Teil des Raumes.

„Heißt unser neues Familienmitglied willkommen!" Fenrir machte eine ausholende Geste mit den Armen. Seine Augen strahlten glücklich.

Was ein Schmierenkomödiant! Sein Verstand hatte noch nicht ganz ausgesetzt. Aber schon überkamen ihn andere Gefühle. Das Rudel begann leise zustimmende Geräusche von sich zu geben. Sie begrüßten ihn als einen der ihren.

Fenrir wandte sich wieder an ihn. „Geh und Ruhe dich aus. Du musst bereit sein für deine erste Jagd heute Nacht. Wenn du etwas brauchst, frage einen deiner Brüder – sie helfen dir gerne. Ich muss noch einiges erledigen. Ich bin zurück, wenn der Mond aufgeht." Er klopfte Remus noch einmal auf die Schulter, dann verschwand er.

Remus lief in den hinteren Teil zu den jungen Wölfen. Tasha knurrte ein wenig, als er sich mit etwas Abstand auf den Boden fallen lies. Dave und Benno hoben nur müde die Köpfe und lächelten ihn an.

Er suchte sich einige Kissen und Decken, baute sich ein gemütliches Nest. Sobald er sich hingelegt hatte, schlief er ein. Die schlaflosen Nächte verlangten ihren Tribut.

--

Er wurde durch unsanftes Schütteln aus dem Schlaf gerissen. „Aufwachen, Kleiner! Du willst die Jagd doch nicht verschlafen!"

Der ältere Mann lief schon weiter. Remus versuchte sich aus dem klebrigen Nebel des Schlafes zu befreien. Ein erwartungsvolles Summen lag in der Luft. Als er auf die Lichtung hinaustrat fühlte er die Energie die von dem Rudel ausging.

Sein Blut stimmte in das Lied des Mondes ein. Er war noch nie so entspannt vor der Verwandlung gewesen. Niemals so im Einklang mit sich selbst. Seine Sinne begannen sich zu schärfen. Der Wind streichelte seine Haut. Er fühlte seinen Platz in der Natur. Jetzt und hier gehörte er hin. Die Natur hieß ihn willkommen. Der verlorene Sohn war Heim gekehrt.

Dann fühlte er den ersten Schimmer des Mondes. Ale Haare standen ihm zu Berge, dann begannen sie zu wachsen, sie zogen aus seiner Haut hinaus. Sein Blut rauschte laut in seinen Ohren. Seine Knochen fühlten sich eisig an, dann begannen sie sich zu strecken und sich in neue Formen zu wandeln. Er fühlte wie seine Zähne in seine Lippe stachen, Sekunden bevor sich seine Kiefer streckten und zu einer Schnauze formten. Seine Beine wurden kürzer und die Arme länger und er fiel auf seine Vorderläufe.

Er kämpfte diesmal nicht gegen die Verwandlung an. Er hieß sie willkommen und es fühlte sich gut an. Er fühlte sich als würde er eins werden mit seiner wahren Natur. Seinem Schicksal. Er fühlte seine Stärke. Er badete förmlich in diesem Gefühl.

Fenrir bellte einen Befehl und das Rudel formierte sich zur Jagd. Sie folgten ihm durch den Wald. Sie hielten weiten Abstand zueinander. Er konnte die Zentauren spüren und andere Kreaturen, die sich in der Nacht bewegten. Keines wagte, sich der Gruppe zu nähern.

Als sie den Außenbezirk von Hogsmead erreichten, verteilten sich die einzelnen Wölfe und durchstreiften die Straßen. Es waren nur ein paar Menschen unterwegs. Fenrir würde die Beute bestimmen.

Remus wusste genau, was er tun musste. Er fühlte wie das Leben durch ihn pulsierte. Er folgte seinem Ruf. Er tat, wozu er geboren war. Er konnte alle Familienmitglieder spüren und auch die paar Menschen. Sie begannen nun den kleinsten der Kreaturen ein zu kreisen ohne ein bewusste Signal. Er konnte Angst riechen. Die Beute hatte einen seiner Brüder gesehen. Die Beute begann zu rennen. Das war das Zeichen für das Rudel. Wie ein Körper begannen sie ebenfalls die Geschwindigkeit zu erhöhen.

Auf einem kleinen Platz stellten sie die Beute. Es war ein Junges und die Panik rollte in Wellen von ihm zu den Wölfen. Remus fühlte kein Mitleid. Was für eine armselige Kreatur. Es würde keinen Kampf geben, es war einfach zu schwach und ängstlich. Es war sein Leben nicht Wert. Er wollte es nur schnell töten, damit es endlich ein Ende hatte. Die Angst und Panik von dem Wesen verursachten ihm leichte Übelkeit.

Er wollte schnell töten, seine Zähne in das warme Fleisch schlagen. Sein Magen knurrte. Er leckte seine Reißzähne.

Der Anführer beendete die Jagd mit einem kurzen Heulen und sprang dann als erster die Beute an. Kaum hatten sich seine Zähne in die Kehle der Beute geschlagen, stürzte das Rudel sich ebenfalls auf die Kreatur. Innerhalb weniger Sekunden war die Beute tot. Der Geruch des warmen Blutes überwältigte Remus und er attackierte mit den anderen ihre Beute.

Innerhalb einiger Minuten war das trocknende Blut auf dem Platz der einzige Zeuge der Tat.

Nachdem die Beute gestellt war, lief das Rudel auseinander. Fenrir war verschwunden. Remus fühlte das Weibchen an seiner Seite. Tasha. Sie knurrte ihn an. Zusammen liefen sie Richtung Wald. In einer Seitenstraße trafen sie auf einen weiteren Wolf, der konzentriert an einem Knochen nagte. Dave. Sie sprangen ihn spielerisch an. Zu dritt balgten sie sich bis ein Bellen sie rief. Benno stand am Stadtrand und zu viert trabten sie in den Wald. Spielten fangen, balgten sich oder versuchten kleine Tiere zu fangen.

Auf einer Lichtung ließen sie sich nieder und schliefen vollkommen glücklich aneinander gekuschelt ein.