Noch einmal: mir gehört nur der Gedanke!
Epilog
Er wachte auf steinigem Boden auf. Sein Kopf dröhnte und seine Schulter brannte. Schlapp setzte er sich auf. Die Decke, die auf ihm gelegen hatte, rutschte zu seinen Hüften.
„Schön dass sie wach sind." Remus hob den Kopf und sah seinen Schulleiter in einem bequemen Ohrensessel sitzen. Er lächelte ihn gütig an. Ein kurzer Blick in die Runde zeigte, dass sie sich in einem der Verließe des Schlosses befanden und alleine waren.
Er würde zweifellos von der Schule verwiesen werden. Sein Schicksal würde sich nun so entscheiden, wie die anderen es prophezeit hatten. Und er hatte es verdient. Er hatte geholfen einen Menschen zu töten. Er hatte das Dumbledores Vertrauen missbraucht. Er war es nicht Wert an dieser Schule zu bleiben, Freunde zu haben.
„Mr. Lupin, ich möchte sagen, dass ich sehr stolz auf sie bin!" Verblüfft hob Remus den Kopf. Er hatte gewusst, dass der Schulleiter merkwürdig war, aber er hätte ihn nie wirklich für verrückt gehalten.
„Sie haben gestern Nacht etwas vollbracht, von dem ich noch nie gehört habe! Sie haben sich gegen das Rudel gestellt um Mr. Black und Mr. Potter zu beschützen." Dumbledore lief nun aufgeregt vor Remus auf und ab.
„Sie wissen sicher, dass Werwolfsrudel stärkere Banden haben als gemeine Wölfe. Es ist dem einzelnen Wolf fast unmöglich sich gegen den Leitwolf zu stellen. Und wenn, dann werden solche Kämpfe nur über die Vorherrschaft im Rudel angefangen. Aber noch niemals hat ein Werwolf einen Menschen beschützt!" Er drehte sich nun zu Remus, der ihm die ganzen Zeit mit den Augen gefolgt war.
„Sie Mr. Lupin haben einen außerordentlichen Charakter! Ich bin stolz sie in meiner Schule zu haben!" Er stand auf und mit einem Schwung seines Zauberstabes war der Sessel verschwunden.
„Ich werde nicht von der Schule verwiesen?"
„Nein, mein Junge! Ich wäre allerdings froh gewesen, wenn sie zu mir gekommen wären und mir von unserem Besuch erzählt hätten. Das nächste Mal würde ich gerne wissen, wenn ein Rudel in der Nähe ist!"
Remus lies den Kopf sinken und kaute auf seiner Lippe. Leise sagte er „ich habe das nicht verdient. Ich habe … gemordet."
Plötzlich sah er den Saum von Dumbledores Gewand und kurz darauf spürte er die Hand des ältern Mannes auf seinem Kopf.
„Remus, du hast dich aber für die richtige Seite entschieden. Du bist stark und gut. Jeder macht einen Fehler, aber erwachsen werden heißt auch sich selber zu verzeihen. Ich möchte mir die Qualen und die Verwirrung gar nicht vorstellen, in denen ein Werwolf steckt. Du gehörst hier her. Wenn deine Taten von vergangener Nacht nicht das bewiesen haben, dann wüsste ich nicht, was es beweisen kann."
Die Hand verschwand von seinem Kopf und das Gewand aus seinem Blickfeld. Dann fiel es ihm wieder en. „Was ist mit…Dave!" Seine Stimme versagte beinahe. Der Verlust fühlte sich unendlich groß an. Der mutige Junge, der ihm zur Seite gestanden hatte. Tränen liefen ihm die Wangen hinab.
„Eine junge Frau und ein junger Mann haben ihn heute Morgen abgeholt. Sie wissen wohl, wo seine Familie ist." Dumbledore machte eine Pause. „Und ich soll ihnen auch eine Nachricht überbringen."
Remus sah auf. „Ich bin jetzt Beute…ich weiß." Traurig lächelte der Schulleiter. „Ja, das war die offizielle Botschaft von Fenrir. Aber die junge Dame hatte noch eine etwas persönlichere. Sie sagte, dass sie ihnen nie den Tod ihres Freundes verzeihen würde und den Verrat der damit einherging. Sie würde sie persönlich bis ans Ende der Welt jagen. Und sie sagte, sie würde sich Zeit lassen. Sie würden nicht immer zur Schule gehen."
Dumbledore ging zur Tür. „Ich habe Ihnen Ihre Schuluniform bringen lassen. In zehn Minuten beginnt das Frühstück. Ich erwarte von ihnen, dass sie den Stoff der letzten Tage nachholen." Damit verließ er den Kerker.
Remus seufzte. Wie würde sein Leben jetzt aussehen? Er würde natürlich wieder jeden Monat in der Heulenden Hütte sein. Keine Ausflüge mehr! Auch nicht mit seinen verwandelten Freunden. Er müsste einiges an Abbitte gegenüber seinen Freunden leisten. Er wusste, sie würden ihm verzeihen. Würde er sich auch selbst verzeihen können?
Irgendwann würden auch Fenrir und Tasha wieder auftauchen. Selbst wenn er sie lange genug ignorierte, sie würden nicht ihm zuliebe verschwinden. Er seufzte noch einmal. Damit würde er sich beschäftigen, wenn es soweit war.
Sein Magen knurrte. Mit verwirrenden Gedanken im Kopf zog er sich an und ging zum Frühstück.
