Alle Charaktere und sämtliche Rechte an ‚NCIS: Los Angeles' gehören CBS und Shane Brennan Productions. Die folgende Geschichte dient keinerlei kommerziellen Zwecken, sondern wurde nur zum Vergnügen für Fans geschrieben. Eine Verletzung des Copyrights ist nicht beabsichtigt. Alle weiteren Personen gehören der Autorin.

Ich bin keine Fachfrau in Bereichen wie Medizin, Drogen, Flugzeugtechnik, Waffen oder Undercoverarbeit. Sollten Euch also Fehler auffallen, lasse ich mich gerne korrigieren.

Viel Spaß beim Lesen und ich freue mich auf Eure Rückmeldungen.

Kapitel 5 - In der Wüste Teil 1

„Callen, ich habe keinen Kontakt mehr zu Deeks und Joann." Erics Stimme klang gepresst. „Sie haben mit ihrem Wagen das Gelände des Kartells verlassen und sind in die Wüste gefahren. Plötzlich war der Kontakt weg."

„Was soll das heißen?", fragte Callen scharf.

„Der Handykontakt wurde unterbrochen und die Sattelitenüberwachung war gestört. Als die Störung vorbei war, konnten wir die drei nicht mehr erreichen. Nell versucht jetzt, sie mit Hilfe des Satteliten zu finden. Aber wir wissen nicht, in welche Richtung sie gefahren sind."

Callen gab die Informationen an die anderen weiter. Sofort kamen Antworten.

„Nach Norden. Dort ist die Grenze." Sam klang ruhiger, als er tatsächlich war.

„Nein, Joann wird vorher versuchen, ihre Verfolger abzuhängen. Wahrscheinlicher ist, dass sie tiefer in die Wüste gefahren sind." Scott klang sehr überzeugt, obwohl auch er nur hoffen konnte, dass es so war.

„Nur, wenn ihr GPS-Gerät funktioniert. Joann ist ein Stadtmensch. Ohne technische Hilfe findet sie sich in der freien Wildbahn nicht zurecht." Stille breitete sich nach Jasons Bemerkung aus.

„Eric? Nell? Wenn eine Störung das Sattelitentelefon und Eure Überwachung außer Funktion gesetzt hat, wie ist es mit einem mobilen GPS-Gerät?"

„Das von Joann und Deeks, Callen?"

„Ja, Eric, genau das."

„Es funktioniert auch nicht. Das Störsignal geht gezielt gegen Sattelitenkommunikation vor."

„Danke, Nell. Ich melde mich gleich wieder." Callen seufzte leise.

Scott bekam es dennoch mit. „Was ist los?"

„Nell sagt, dass jegliche Sattelitenkommunikation gestört wird. Die drei wissen also nicht, wohin sie fahren. Außerdem bedeutet es, dass wir den Kontakt nach L.A. verlieren, sobald wir in die Reichweite des Störsenders kommen."

„Das ist übel." Jasons Stimme klang rau.

„Kensi ist bei ihnen. Sie kann sich auch ohne Technik orientieren. Wo immer sie jetzt auch sind, sie werden sich nach Norden begeben." Sam klang absolut überzeugt.

„Was ist mit den Ohrmikros, werden sie auch gestört?" Ray war unsicher. Bisher hielten sie den Kontakt zwischen den beiden Fahrzeugen über die Ohrmikros.

„Ich glaube nicht, Ray, sie haben eine andere Arbeitsweise. Nell hätte uns bestimmt gewarnt, wenn das der Fall wäre." Callen klang sicherer, als er war. „Leute, wir können im Moment nicht machen. In ein paar Minuten haben wir unser Ziel erreicht, dann sehen wir weiter."

Auf dem Kartellgelände herrschte hektische Betriebsamkeit. Die Anzahl der Wachen war verdoppelt worden und man hatte in aller Eile zusätzliche Scheinwerfer aufgestellt, um das Gelände besser beleuchten zu können. Einige Männer waren dabei, dass Tor zu reparieren, das Joann durchbrochen hatte.

„Die sind ja ganz schön aufgeschreckt worden, G."

Sam und Callen hatten sich auf einem Hügel positioniert und beobachteten das Gelände durch Infrarotferngläser.

„Kein Wunder, Sam. Zwei Amerikaner sind unbemerkt eingedrungen, haben eine wichtige Geisel befreit und sind entkommen, obwohl sie es mit einem zahlenmäßig deutlich überlegenen Gegner zu tun hatten."

„Ich wünschte, wir könnte verstehen, was dort gesprochen wird. Dann bekämen wir vielleicht eine Ahnung, wo wir suchen müssen."

„Eric und Nell werden sie finden. Ganz sicher, Sam."

Sam gab dazu keinen Kommentar ab, musterte nur weiter das Gelände.

„Wir sollten die noch weiter beschäftigt halten. Je mehr sie zu tun haben, desto weniger Leute können sie auf die Suche schicken. Ich habe dazu genau das Richtige aus der Waffenkammer mitgenommen."

Callen sah zu seinem Freund rüber, konnte aber in der Dunkelheit nur Umrisse sehen. „Was hast Du vor?" Aufmerksam lauschte er Sams Plan. „Gut, so machen wir es."

Vorsichtig zogen sich die beiden zu den Wagen zurück.

„Nell, wir brauchen die letzten Koordinaten, die Du von Joann und Deeks hast. Vielleicht können wir sie von hier aus finden."

„Klar, Callen. Ich maile sie Dir sofort."

„Sam, wie weit bist Du?"

„Kann losgehen, G."

Scott beobachtete den Blickaustausch zwischen den beiden. „Was habt Ihr vor?"

„Wir werden denen jetzt ein bisschen einheizen." Callen wollte keine weiteren Angaben machen.

Als Scott den Granatwerfer sah, den Sam aus dem Kofferraum holte, nickte er zustimmend. „Wenn sie beschäftigt sind, schicken sie keine weiteren Verfolger los."

Auf Grund der Sattelitenaufnahmen, die Nell tagsüber gemacht hatte, fanden sie den perfekten Abschussort. Callen begleitete Sam als Rückendeckung. Der feuerte in aller Ruhe die zwölf Schuss aus dem Magazin in das Gelände. Zwei der Granaten trafen Chemikalienlager. Die daraus resultierenden Explosionen und Feuer verursachten ein Chaos, dass durch die anderen Treffer noch gefördert wurde. Zufrieden machten sich die Männer auf zu den Koordinaten, die Nell ihnen gegeben hatte.

„Okay, und was jetzt?" Suchend sah Ray sich im Licht der Scheinwerfer und Taschenlampen um.

Die Antwort kam von Scott. „Wir suchen die Spuren ihres Fahrzeuges und folgen ihnen dann."

„Im Dunkeln?" Matt Bernhart glaubte, sich verhört zu haben.

Renko zuckte nur mit den Schultern. „Du hast es hier mit Seals und Marines zu tun. Wenn die jemanden unbedingt finden wollen, finden sie auch eine Spur in der Wüste bei Sandsturm. Hier geht es um Kensi und Joann. Sie werden die Spur finden."

„Du hast Deeks vergessen." Matts Stimme war scharf.

„Nein, Matt, ganz bestimmt nicht." Renko ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.

„Zuzugeben, dass ihnen die Frauen wichtig sind, ist einfacher. Sie würden für Deeks genau dasselbe tun, es aber immer runterspielen. Genau wie Deeks umgekehrt." Ray kannte seine Kollegen nur zu gut.

„Hier lang." Sam stand auf und begann, der gefundenen Spur zu folgen.

„Wie kannst Du sicher sein, Sam, hier sind reichlich Fahrzeugspuren." Matt musterte im Lichtkegel seiner Taschenlampe den sandigen Boden.

Sam, Scott, Jason und Callen drehten sich gleichzeitig zu Matt um und starrten ihn an.

„Schon gut, Leute, war ja nur 'ne Frage…" Matt hielt den Blicken stand.

Eine Weile reichten die Scheinwerfer aus, um der Spur zu folgen. Doch dann wurde der Boden immer steiniger und schließlich war sie weg. Wieder stiegen die vier aus und begannen, zu suchen. Diesmal fand Jason die Spur wieder. Er ging den Wagen voraus und führte sie so weiter. Schließlich erreichten sie das liegengebliebene Fahrzeug von Joann und Deeks.

„Den hat's übel erwischt." Mit kritischer Miene sah sich Renko den liegengebliebenen Wagen an. „Ein Wunder, dass sie es bis hierher geschafft haben."

„Sie scheinen aber nicht verletzt zu sein, denn ich sehe nirgendwo Blut." Man hörte Ray die Erleichterung an.

„Aber wir werden Schwierigkeiten haben, ihnen weiter zu folgen." Sam sah nicht glücklich aus. Der Boden war zu steinig, um Fußspuren zu entdecken. „Wir müssen warten, bis es hell wird."

„Vielleicht nicht." Callen griff zu seinem Telefon. „Nell, Eric, wir brauchen Eure Hilfe." Knapp schilderte er den beiden die Situation. „Ihr müsst Euch etwas einfallen lassen, sonst können wir nur raten, wo sie sind."

„Verstanden, Callen, wir kümmern uns darum."

Eric sah Nell besorgt an. „Wir suchen schon die ganze Zeit mit den Satteliten, aber das ist, wie die Nadel im Heuhaufen zu finden."

„Ich weiß. Wir müssen die Suche anders angehen. In zwei Stunden geht die Sonne auf, bis dahin müssen wir sie gefunden haben, Eric."

„Hast Du eine Vorstellung, was wir ändern können? Ständig ist das Sattelitensignal weg, wie sollen wir da weiter kommen?" Wütend wandte sich Eric seinem Laptop zu.

Nell sah ihn nachdenklich an. „Das ist es. Das Störsignal. Wir können sie nicht erreichen, also sind sie im Bereich des Störsignals. Das grenzt das Gebiet ein, in dem sie sich aufhalten. Ich kann da ein paar Algorithmen anpassen…" Nell murmelte leise vor sich hin, während sie mit fliegenden Fingern auf ihrer Tastatur tippte.

„Natürlich, warum bin ich da nicht eher drauf gekommen." Eric schüttelte den Kopf über sich selber. Für einen Moment blickte er Nell über die Schulter. „Das könnte funktionieren…"

„Callen, ich denke, wir haben da eine Idee. Solange wir Joann und Deeks nicht über ihre Telefone erreichen, sind sie im Bereich des Störsenders. Der hat nur eine begrenzte Reichweite. Wir haben den Bereich die „blinde Zone" genannt. Die Koordinaten habe ich Euch bereits gemailt."

„Ja, sie sind angekommen, Nell. Aber das Gebiet ist immer noch sehr groß. Außerdem verlieren wir den Kontakt zu Euch, wenn wir da rein gehen."

„An dem Problem arbeiten wir noch. Wir dachten, Ihr könntet um die „blinde Zone" herum fahren und von Norden aus darauf zu." Nell zögerte kurz. „Ihr wart Euch doch sicher, dass sie nach Norden unterwegs sind, oder?"

„Das sind wir immer noch, Nell. Aber was dann? Das Gebiet hat einen Durchmesser von ca. 30 km und das ist verdammt groß." Callen war nicht überzeugt.

„Wir arbeiten an einem Plan, wie Ihr den Störsender ausschalten könnt." Eric schaltete sich ein. „Ist die technische Ausrüstung noch in dem Wagen?"

„Moment." Callen sah nach. „Ja, die haben sie nicht mitgenommen. Warum?"

„Packt sie ein. Wie gesagt, wir arbeiten noch an dem Plan." Eric war nicht bereit, ins Detail zu gehen. „Ihr solltet ausreichend Abstand zu den Koordinaten halten, damit Ihr nicht bei einem Richtungswechsel hinein geratet."

„Sicher, Eric. Wir machen uns dann wieder auf den Weg." Callen seufzte. „Okay, Leute, Eric und Nell wollen, dass wir die technische Ausrüstung mitnehmen. Am Besten packen wir alles ein, was Deeks und Joann zurückgelassen haben."

„Was planen die zwei?", wollte Sam wissen.

„Sie wollen das Störsignal aufheben. Wahrscheinlich müssen wir dazu irgendetwas basteln." Callen war sich nicht sicher, was er von der Idee halten sollte. Dann gab er den Inhalt des Telefongespräches wieder.

„Es dauert nicht mehr lange, dann geht die Sonne auf." Joann stolperte vor Müdigkeit. Sie war zwar gut trainiert, aber nichts hatte sie auf einen nächtlichen Wüstenmarsch vorbereitet. Die Schultern taten ihr von dem ungewohnten, schweren Rucksack weh.

„Wie lange laufen wir weiter?" Deeks war auch erledigt. Die ganze Zeit hatte er Kensi gestützt und sie streckenweise getragen.

„So lange wir es durchhalten." Schon wieder stolperte Joann, diesmal fiel sie hin.

„Jo?"

„Nichts passiert, Marty." Sie rappelte sich wieder auf. „Ich bin nun mal ein Stadtmensch und diese unebenen Wege nicht gewohnt."

Diese Bemerkung entlockte Deeks ein gequältes Grinsen. „Klar, Du bewegst Dich ausschließlich auf Highheels über perfekt gepflasterte Promenaden."

Joann lachte müde.

„Idiot!" Kensis keuchende Stimme löste große Besorgnis bei beiden aus.

„Dein Wortschatz war schon größer, Kens. Lass Dir mal was Neues einfallen."

Zur Antwort gab sie Deeks einen Faustschlag gegen den Oberarm. Er fiel nicht sehr kräftig aus.

Trotzdem jaulte er auf und rieb sich den Arm. „Autsch! Musst Du immer so feste zuschlagen?"

Joann lächelte schwach über Deeks' Versuch, Kensi ein gutes Gefühl zu geben. Dann gingen sie weiter.

„Das funktioniert alles nicht, Nell. Es fehlen einfach zu viele Komponenten." Eric gab endlich zu, dass er geschlagen war. „Was machen wir nun?"

„Ich weiß es auch nicht." Nell seufzte. „Wir müssen es den anderen sagen."

„Ich rufe Callen an."

Schweigend lauschte Callen Erics Ausführungen. „Verstanden. Wir melden uns dann wieder bei Euch." Dann wandte er sich den anderen zu. „Nell und Eric finden keine Möglichkeit gegen das Störsignal. Wir können nur hoffen, dass die Leute vom Kartell aufgeben."

„Und was machen wir in der Zeit? Sollten wir sie nicht suchen?" Matt wandte sich an Callen. „Wir haben doch die Richtung von ihrem letzten Aufenthaltsort. Wir könnte sie bestimmt finden."

„Sie könnten die Richtung gewechselt haben. Norden ist relativ. Vielleicht sind sie nach Nordwesten oder -osten weitergegangen. Was ist, wenn sie sich nicht mit Eric in Verbindung setzten, weil ihre Handys aus anderen Gründen nicht funktionieren. Vielleicht wurden die bei der Schießerei beschädigt oder sie haben sie auf der Flucht verloren." Jason gab die Antwort, auch wenn Matt Callen angesprochen hatte.

„Ich glaube, sie werden nicht mehr verfolgt." Ray mischte sich in das Gespräch ein.

„Was?" Sofort drehten sich alle zu ihm um.

„Ich beobachte schon eine ganze Weile Nells ‚blinde Zone'. Erst hat sie ihre Stellung nicht geändert und jetzt wandert sie nach Süden. Ich denke, die Verfolger geben auf."

Alle scharrten sich um Ray und beobachteten das Sattelitenbild. Er hatte Recht. Callen griff sofort zum Telefon.

„Beale."

„Eric, seht Ihr das auch? Das Störsignal verlagert sich nach Süden."

„Was? … Ja, Du hast Recht! Sieht aus, als wollten sie in ihr Hauptquartier zurück. Hey, jetzt ist es ganz weg! Callen, wir versuchen sofort, die beiden zu erreichen." Abrupt beendete Eric das Gespräch.

Es dauerte eine Weile, bis Joann begriff, dass ihr Sattelitentelefon klingelte. „Marty, warte, dass ist mein Telefon!" Hastig kramte Joann im Rucksack nach dem Gerät. „MacKenzie."

„Joann, kannst…mich…suchen…nicht…weg. Joann? Jo?"

„Hallo? Eric? Kannst Du mich hören? Eric?…Verdammt, die Leitung ist tot!" Wütend sah Joann auf ihr Display, dann sah sie hoch zu Deeks. „Der blöde Akku ist am Ende. Was ist mit Deinem Telefon?"

Deeks seufzte. „Das wurde auf unserer Flucht beschädigt. Es funktionierte schon vor dem Störsignal nicht mehr." Dann runzelte er die Stirn. „Was ist mit dem GPS-Gerät?"

Wieder kramte Joann im Rucksack. „Es geht!" Große Erleichterung schwang in ihrer Stimme mit. „Wir sind auf dem richtigen Weg, aber ich glaube, wir müssen etwas mehr nach Westen."

„Nein, das ist nicht gut." Kensi war immer schlechter zu verstehen. „Sie suchen uns im Norden. Wenn wir nach Nordwesten gehen, können sie uns nicht finden."

Joanns Gedanken überschlugen sich in ihrem Kopf richtig. Sie war körperlich total erschöpft, aber das klingelnde Telefon hatte sie wieder motiviert. „Was ist an Deinem Gerät kaputt, Marty? Funktioniert der Akku noch?"

Sofort begriff Deeks, worauf sie hinaus wollte und entfernte den Akku. „Hier, versuch es!"

Gespannt starrten beide auf das Display.

„Das ist nicht viel Saft. Ich glaube nicht, dass es für ein Gespräch reicht." Joann war enttäuscht.

„SMS."

„Was? Kensi, ich habe Dich nicht verstanden." Joann sah ihre Freundin an.

„S-M-S!" Kensi klang schon fast verzweifelt.

„Sicher, für eine SMS dürfte der Saft noch reichen. Gute Idee, Kens." Liebevoll sah Deeks sie an. „Dann müssen wir uns nur noch überlegen, wem wir welche Nachricht schicken."

Joann starrte auf das GPS-Gerät. „Unsere Koordinaten und die Richtung, die wir einschlagen werden. Dann können sie uns auf der Linie abfangen."

„Ja, klingt gut. Willst Du sie Callen schicken?"

„Nein, Marty, an Eric und Nell. Ihre Handys werden auf jeden Fall funktionieren. Möglicherweise ist der Störsender an den leeren Akkus schuld, dann könnte die Geräte der anderen auch betroffen sein."

Doch Deeks schüttelte den Kopf. „Dann würde das GPS-Gerät auch nicht mehr funktionieren. Trotzdem, mach das." Er warf einen kurzen, nachdenklichen Blick auf Kensi. „Wenn Du ihnen unsere Richtung mitteilst, könnten wir doch nach Nordwesten gehen."

„Nein." Kensi sah die beiden eindringlich an. „Immer direkt nach Norden. Das ist besser."

Joann verstand nicht, warum Kensi so eindringlich auf Norden bestand. Gleichgültig, in welche Richtung sie gingen, überall war Wüste.

Kensi erkannte den Zweifel in Joanns Augen. „Im Nordwesten sind Dörfer, die das Kartell beherrscht. Im Norden ist nur Wüste."

„Okay, dann machen wir das so." Joann las die Daten ab, tippte sie ein und verschickte dann die Nachricht. „Gehen wir weiter. Auch wenn anscheinend das Störsignal weg ist, können sie uns immer noch verfolgen."

Während Joann die Sachen wieder in den Rucksack packte, warf Deeks einen Blick hinein.

„Jo?" Er flüsterte.

Erstaunt sah Joann zu ihm hoch. „Was ist?" Auch sie flüsterte.

„Wo ist das Wasser? Hast Du vergessen, es einzupacken?" Deeks konnte kaum glauben, was er da Joann gefragt hatte.

„Nein. Die Kühlbox wurde getroffen. Ich habe so viel von dem ausgelaufenen Wasser aufgefangen, wie ich konnte."

Die beiden sahen sich an und warfen dann einen Blick zu Kensi. Als sich ihre Blicke wieder trafen, verstanden sie sich auch ohne Worte.

„Ich hatte sie ganz kurz, aber dann war die Verbindung wieder weg. Ich glaube nicht, dass Joann mich verstanden hat." Eric war tief enttäuscht.

„Konntet Ihr sie orten, Eric?" Callen hatte so gehofft, dass Eric Joann telefonisch erreichen würde.

„Nein, der Kontakt war zu kurz." Nell war müde und deprimiert. Da war es Deeks und Joann gelungen, Kensi zu befreien und jetzt hatten Eric und sie die drei in der Wüste verloren. Das war eine echt grandiose Leistung.

„Verstanden." Callen überlegte kurz. „Ihr müsst die Sattelitenaufnahmen prüfen, die nördlich der ‚blinden Zone' gemacht wurden, nachdem die Verfolgung abgebrochen wurde. In dem Gebiet müssen sie sein. Mail Ray einen Teil der Aufnahmen, er soll Euch von hier aus helfen." Nachdem Eric bestätigt hatte, beendete Callen das Gespräch. Auf die fragenden Blicke schüttelte er nur den Kopf. „Die Verbindung war zu kurz und zu schlecht. Ray, sie schicken Dir Sattelitenaufnahmen."

Müde nickte er. „Ja, ich sehe sie mir dann an. Und was machen wir von hier aus?"

Diese Frage löste eine hitzige Diskussion aus. Callen hörte ihnen eine Weile ruhig zu, dann griff er zu seinem Telefon.

„Eric, Du musst ein paar Daten für mich eingeben und sie dann auf die Karte des Gebietes hier legen."

„Leg los, ich bin soweit." Neugierig sah Nell ihm über die Schultern. „Alles drin, Callen, die Mail muss jeden Moment bei Euch sein."

Inzwischen umringten alle Ray, um einen Blick auf den Laptop zu werfen. Callen deutete auf einen Punkt in der Karte.

„Wenn die drei ihre Richtung beibehalten haben, dürften sie jetzt ungefähr hier sein. Allerdings ist es wahrscheinlicher, dass sie von der direkten Linie abgewichen sind. Das Gelände ist nicht einfach, wir wissen nicht, wie schnell sie sind und die Orientierung nur nach den Sternen ist nicht exakt. Daher dürften sie etwa in diesem Gebiet sein." Callen zeigte auf einen größeren Bereich um den vorher bezeichneten Punkt herum.

„Das ist noch eine Menge Wüste, G, die wir absuchen müssen." Sam sah Callen ernst an.

„Deswegen fangen wir sofort an. Wir teilen uns auf. Ray, leg ein Raster über das Gebiet und sobald ein Feld abgesucht ist, markier es. Schick uns die Karte auf die Telefone und wiederhol das nach jeder Änderung. Scott, Renko, Ihr fahrt mit mir, alle anderen mit Sam. Beeilen wir uns."

Joann wusste nicht, wie oft sie inzwischen gestürzt war. Sie war müde, erschöpft und durstig. Die Sonne brannte erbarmungslos vom Himmel. Deeks wurde auch immer langsamer, da er Kensi inzwischen fast die ganze Zeit tragen musste.

„Wir müssen eine Pause machen, bis die schlimmste Hitze vorbei ist, sonst kommen wir irgendwann gar nicht mehr weiter."

Deeks nickte nur. Sein Mund war zu trocken, um zu sprechen. Joann sah sich um und deutete dann auf eine Felsengruppe etwas abseits ihrer Richtung.

„Lass uns dahin gehen, okay?"

Statt einer Antwort änderte Deeks nur die Richtung. Im Schatten der Felsen öffnete Joann den Rucksack. Sie mussten sparsam mit dem Wasser sein, aber ohne ging es nicht. Vorsichtig nahm sie einen kleinen Schluck und reichte die Flasche dann weiter. Deeks begnügte sich mit der gleichen kleinen Menge, bevor er vorsichtig die Flasche Kensi an die Lippen hielt. Langsam ließ er das kostbare Nass in ihren Mund laufen.

„Tut mir Leid, Kens, aber mehr gibt es nicht. Wir müssen uns das Wasser einteilen." Deeks schob ihre Hände von der Flasche weg und gab sie Joann zurück. Schwach nickte Kensi.

Die nächsten Stunden verbrachten sie im Schatten. Deeks und Joann wechselten sich mit dem Schlafen ab, damit immer einer von ihnen auf Kensi aufpassen konnte. Die rührte sich kaum und war ziemlich blass. Joann hatte Angst, dass die Schläge innere Verletzungen verursacht hatten. Sollte dies der Fall sein, würde sie langsam innerlich verbluten. Immer wieder sagte sich Joann, dass Kensi es schon schaffen würde. Niemand sonst hätte so lange durchgehalten.

„Wir müssen langsam weiter. Es wird noch etwas dauern, bis es dunkel wird, aber da wir Nachts nicht so schnell voran kommen…" Joann beendete den Satz nicht, da Deeks schon aufgestanden war. Vorsichtig zog er Kensi hoch und der Marsch ging weiter.

8