Alle Charaktere und sämtliche Rechte an ‚NCIS: Los Angeles' gehören CBS und Shane Brennan Productions. Die folgende Geschichte dient keinerlei kommerziellen Zwecken, sondern wurde nur zum Vergnügen für Fans geschrieben. Eine Verletzung des Copyrights ist nicht beabsichtigt. Alle weiteren Personen gehören der Autorin.

Ich bin keine Fachfrau in Bereichen wie Medizin, Drogen, Flugzeugtechnik, Waffen oder Undercoverarbeit. Sollten Euch also Fehler auffallen, lasse ich mich gerne korrigieren.

Viel Spaß beim Lesen und ich freue mich auf Eure Rückmeldungen.

Kapitel 6 - In der Wüste Teil 2

„Wie lange noch, bis es dunkel wird?" Matt sah besorgt Richtung Sonne, die sich immer mehr dem Horizont näherte.

„Vielleicht noch eine Stunde, eher weniger." Scotts Stimme klang gepresst. Je länger Joann und ihre Freunde draußen in der Wüste waren, um so mehr sank ihre Überlebenschance. Scott schüttelte den Kopf. Seine Joann war ein Stadtmensch. Dort konnte sie untertauchen, mit ihrer Umgebung verschmelzen oder in ihr auffallen, was immer sie wollte. Dort konnte sie überleben. Er seufzte leise.

Jason hörte seinen Vater seufzen. Er machte sich bestimmt nicht weniger Sorgen, aber er vergaß auch nicht, dass Joann niemals aufgab. „Dad, wir werden sie rechtzeitig finden."

„Jason hat Recht, Scott." Callen schien vollkommen ruhig. „Joann mag zwar kein Naturkind sein, aber sie wird klar kommen. Sie hat einen klugen Kopf und, was noch wichtiger ist, sie ist nicht alleine. Deeks, Kensi und Joann sind ein gutes Gespann. Die drei erreichen zusammen alles, was sie sich vornehmen."

Mit ruhiger Stimme ergriff Sam das Wort. „Wir werden sie finden. Lebend. Joann und Kensi sind die zähesten Frauen, die ich kenne. Die stellen sogar die meisten Männer problemlos in den Schatten. Deeks ist eine Nervensäge, aber auch er gibt nie auf. Jeder von ihnen ist viel zu stur, um zu sterben."

Die Männer waren sich nicht sicher, ob Sam sich selbst oder ihnen Mut machen wollte. Aber Tatsache war, dass er Recht hatte.

„Okay, suchen wir weiter. Ausruhen können wir uns nach Sonnenuntergang. Ein Planquadrat schaffen wir noch." Callen stieg wieder in den Wagen und die übrigen folgten seinem Beispiel.

Mit Erleichterung sah Joann die Sonne untergehen. Jetzt würde es endlich kühler werden. Müde, erschöpft und durstig stolperte sie weiter.

Besorgt beobachtete Deeks, dass Joann immer unsicherer lief. Auch ihm fiel jeder Schritt schwerer. Inzwischen musste er Kensi tragen, sie konnte nicht mehr laufen. „Wir müssen uns ausruhen, Jo."

„Noch nicht, Marty. So lange der Mond scheint, können wir weitergehen." Sie stolperte schon wieder.

„Jo, Du kannst nicht mehr und ich bin auch fertig. Wir können nicht weiter." Deeks klang entschlossen.

„Marty, wir haben kein Wasser mehr. Wir kommen also noch genauso weit, wie uns unsere Füße tragen. Sobald die Sonne wieder aufgeht, müssen wir einen schattigen Platz suchen und hoffen, dass die SMS durchgegangen ist. Dann können wir nämlich nur noch warten."

Einen Moment starrte Deeks sie nur an. Dann wurde ihm etwas klar. „Wann hast Du das letzte Mal etwas getrunken, bevor uns das Wasser ausging?" Er erhielt keine Antwort. „Joann MacKenzie, ich habe Dich etwas gefragt!"

Sie seufzte. „Heute morgen, Marty. Du und Kensi, Ihr hattet es nötiger."

„Das ist Unsinn, dass weißt Du genau! Verdammt noch mal, es war dumm und leichtsinnig! Ich kann schließlich nicht Euch beide tragen!" Deeks war wirklich sauer.

„Das musst Du auch nicht! Ich halte so lange durch, wie es notwendig ist!" Diesmal stolperte Joann nicht nur sonder fiel lang hin. Fluchend rappelte sie sich wieder auf.

„Willst Du so bis Sonnenaufgang weitermachen? Du brichst Dir bei einem Deiner nächsten Stürze noch die Knochen!" Deeks schwankte zwischen Wut und Sorge.

Einen Moment schloss Joann die Augen und holte dann tief Luft. „Ich muss durchhalten, Marty, und ich werde es. Bis Sonnenaufgang."

In dem Zwielicht konnte Deeks ihren Gesichtsausdruck nicht mehr sehen, aber ihre Stimme klang sehr entschlossen. Er gab nach. „Okay, bis Sonnenaufgang."

Langsam gingen sie weiter.

Die Männer hatten sich einen Platz zum Übernachten gesucht, die Wachen verteilt und sich nach einem kargen Abendessen schlafen gelegt. Als Sam Callen wecken wollte, weil seine Wache dran war, musste er feststellen, dass der gar nicht geschlafen hatte.

„G, ich weiß, dass Du weniger Schlaf brauchst, als alle Menschen, die ich kenne. Trotzdem, ein paar Stunden brauchst Du auch."

„Mir geht es gut."

Als Antwort darauf stieß Sam nur ein ungläubiges Schnauben aus.

„Wirklich, Sam, es ist alles in Ordnung." Callen versuchte, seinen Freund zu beruhigen. „Ich habe etwas geschlafen und bin erst seit ein paar Minuten wach."

Sam schnaubte wieder, er glaubte Callen kein Wort. „Irgendwo da draußen in der Wüste sind drei von uns verschollen. Sie sind Deine Kollegen und Deine Freunde. Mal abgesehen davon, dass die Frau, die Du liebst, dabei ist. Sag mir noch mal, dass es Dir gut geht, und zwar so, dass ich es Dir glaube."

Einen Moment schwieg Callen. Dann gab er nach. Sam hatte es verdient, dass er ihm gegenüber offen war. „Ja, Du hast Recht, es geht mir nicht gut. Ich mache mir ernsthaft Sorgen. Die Situation an sich ist schon gefährlich genug. Dazu kommt, dass sie nicht viel Wasser haben können. Du hast die Kühlbox gesehen. Der Boden unter dem Wagen war noch nass, als wir ihn gefunden haben." Callen schluckte, machte kurz eine Pause. „Kaum Wasser, wenig oder keine Nahrung, ohne zu wissen, wo sie sind, Kensi möglicherweise verletzt. Und dann ausgerechnet Jo und Deeks. Die beiden einzigen im Team, die außerhalb der Stadt aufgeschmissen sind. Wir beide wären mit der Situation besser klar gekommen."

„Glaubst Du, G, Du hättest Deeks davon abhalten können, Kensi nach Mexiko zu folgen? Oder Joann, ihn zu begleiten?"

„Nein, Deeks wäre auf jeden Fall nach Mexiko gegangen. Aber Joann wäre in L.A. geblieben, wenn einer von uns beiden Deeks begleitet hätte. Dann wäre das alles anders ausgegangen."

„Vielleicht, G. Aber ich bin mir nicht so sicher, ob Joann in L.A. geblieben wäre, selbst wenn Du oder ich Deeks begleitet hätten. Außerdem war der Plan mit dem Surferpärchen wirklich gut. Damit haben die beiden innerhalb von zwei Tagen alles rausgefunden, was sie wissen mussten."

„Klar, Sam, und warum waren sie dann so leichtsinnig, ohne uns einzugreifen?"

„Keine Ahnung, G, aber sie werden einen Grund gehabt haben. Den werden die zwei uns dann schon sagen, wenn wir sie gefunden haben. Danach darfst Du ihnen auch gerne den Arsch aufreißen." Sams Grinsen war gezwungen.

„Keine Sorge, dass werde ich dann schon machen." Callen erwiderte das gezwungene Grinsen. Doch dann folgte ein echtes Lächeln. „Danke, Sam."

„Schon gut, Kumpel."

Verwirrt fuhr Eric hoch. Er brauchte einen Moment, um sich zu orientieren. Dann wurde ihm klar, dass er über seinem Laptop eingeschlafen war. Eric sah sich nach Nell um. Sie hatte sich im Wohnzimmer auf dem Sofa zusammengerollt und schlief. Was hatte ihn geweckt? Eric sah sich um. Als sein Blick auf sein Handy traf, fiel der Groschen. Es war ein SMS-Signal gewesen. Hastig griff Eric nach seinem Handy.

„Nell, Nell, wach auf, wir haben sie!"

„Was?" Nell schoss auf der Couch hoch. „Eric, was ist passiert?"

„Sie haben uns eine SMS geschickt! Mit Koordinaten und Richtungsangabe. Ich maile sie gerade an Ray. Wir wissen jetzt genau, wo Callen und die andere suchen müssen. Ruf sie an, Nell, sie sollen sofort losfahren!"

Nell lief so hastig zu Eric, dass sie stolperte. „Zeig her!" Eric schob ihr sein Handy zu. „Das ist ja fantastisch!" Suchend blickte sie sich um, entdeckte dann ihr eigenes Telefon. Sie griff danach, wollte Callens Nummer wählen und hielt abrupt inne. „Ich habe die SMS auch bekommen. Eric, sie ist schon mehrere Stunden alt! Wieso kommt sie jetzt erst an?"

„Keine Ahnung, darum kümmern wir uns später. Ruf Callen an, dass ist jetzt wichtiger."

„Callen."

„Wir haben sie! Wir wissen wo sie sind! Eric hat Ray alle Daten gemailt." Nell war immer noch ganz hektisch vor Aufregung.

„Warte, Nell, einen Augenblick. Ray? Ray, aufwachen! Wirf den Laptop an! Okay, Nell, was ist los?"

„Eric und ich habe eine SMS bekommen. Darin gibt Joann ihre Koordinaten an und die Richtung, in die sie gehen werden. Eric hat die Daten in die Karte eingegeben. Irgendwo auf dem Vektor müssen sie sein!"

„Ray?" Callen wurde ungeduldig. Alle anderen waren inzwischen auch wach und warteten gespannt, was passiert war.

„Ja, ich habe Erics Mail." Ray prüfte die Koordinaten. „Wir sind nicht weit weg von dem Vektor, den er angibt."

„Nell, wir haben alles. Wann hat Joann die SMS geschickt?"

„Das ist schon gestern gewesen. Wir wissen nicht, warum es so lange gedauert hat, bis sie ankam."

„Danke, Nell, Euch beiden. Das war gute Arbeit." Callen holte tief Luft. „Wir brechen auf, sobald die Sonne aufgegangen ist. Nein, Ray, nicht früher." Callen fiel ihm direkte ins Wort. „Wir wissen nicht, wie weit sie auf diesem Vektor gekommen sind. Wenn sie sich ein wenig abseits davon einen sicheren Platz gesucht haben, fahren wir im Dunkeln an ihnen vorbei."

Ray verkniff sich jeden weiteren Kommentar und nickte nur.

„Wie viel Sprit haben wir noch?" Renko wandte sich den praktischen Erwägungen zu.

Die Männer machten eine Bestandsaufnahme und bereiteten sich auf den Aufbruch vor.

Langsam fuhren sie durch die Wüste, immer die Richtung entlang, die ihnen Joann vorgegeben hatte. Aufmerksam musterten sie die Gebiete rechts und links.

„Wie weit können sie gekommen sein?" Renko warf einen Blick auf sein Telefon. Ray hatte die Karte an alle weitergeleitet.

„Schwer zu sagen. Keine richtige Ausrüstung, Kensi möglicherweise verletzt, da sollten sie nicht so weit kommen. Aber sie wissen nicht, dass sie nicht mehr verfolgt werden oder dass wir ihre Nachricht bekommen haben. Also werden sie alles aus sich herausholen, was nur irgendwie möglich ist." Sam klang nachdenklich.

„Du meinst, sie werden uns überraschen?" Matt warf Sam einen hoffnungsvollen Blick zu.

Entschlossen nickte Sam. „Das werden sie."

„Marty…" Joann hatte Mühe, zu sprechen. Ihre Stimme krächzte nur noch.

„Was?" Deeks klang nicht besser.

„Die Staubwolke da vorne…ist die echt oder eine Fata Morgana?" Joann richtete sich auf und deutete in eine Richtung.

Deeks drehte sich langsam um. Sein Blick folgte Joanns ausgestrecktem Arm. Er blinzelte. „Ich glaube, die ist echt…Aber wer macht sie?"

Die beiden tauschten einen kurzen Blick aus. Es gab hier keine Versteckmöglichkeiten. Die kleine Felsgruppe, bei der sie in der Nacht schließlich angehalten hatten, bot ihnen lediglich Schatten. Deeks stand auf und trat einen Schritt nach vorne. Einen Moment schwankte er vor Erschöpfung und Durst, fasste sich dann aber wieder. Joann kniete sich vor Kensi hin. Die hatte nichts mitbekommen. Joann war sich nicht sicher, ob Kensi schlief oder bewusstlos war. Aber das war jetzt auch nicht wichtig. Die Staubwolke kam schnell näher.

„Callen, auf elf Uhr!" Rays Luchsaugen hatten die Plane zwischen der kleinen Felsgruppe entdeckt.

Scott griff zu seinem Fernglas und schaute in die angegebene Richtung. „Ich sehe eine Plane und zwei Leute…nein, es sind drei! Ich glaube, wir haben sie gefunden." Scott schwankte zwischen Angst und Erleichterung.

Ohne weitere Rückfragen hatte Callen die Richtung geändert und hielt jetzt direkt auf die kleine Felsgruppe zu. Sam folgte ihm.

„Es sind zwei Fahrzeuge, Jo. Keine Ahnung, woher." Deeks zog seine Waffe und machte sich bereit.

Auch Joann brachte sich in Schussposition. Wer immer da auch kam, sie würden es ihnen nicht leicht machen. „Zeigen wir denen, dass wir keine leichte Beute sind."

In diesem Moment rührte sich Kensi. „Was ist los?", flüsterte sie.

Joann konnte sie kaum verstehen. „Es ist alles in Ordnung, Kensi. Schlaf weiter, ja?"

„Du lügst und das ziemlich schlecht." Kensi zog sich hoch und sah in die Richtung, in die Joann und Deeks zielten. Dann sackte sie wieder zusammen und schloss die Augen.

„Joann? Deeks? Könnt Ihr mich hören?" Callen versuchte, die zwei über sein Ohrmikro zu erreichen. Sie waren jetzt in Reichweite, allerdings wusste er nicht, ob sie die noch trugen.

„Was ist, wenn sie es nicht sind?" Jason sprach so leise, dass nur Callen und sein Vater ihn hören konnten. „Wenn das Kartell uns eine Falle stellt?"

„Das werden wir früh genug merken, Großer. Gehen wir vom Besten aus, nicht vom Schlimmsten." Scott versuchte, sich selber auch zu beruhigen.

„Joann? Deeks? Meldet Euch, verdammt noch mal!" Callen hatte sich die ganze Zeit zusammengerissen, aber jetzt bröckelte sein Schutzwall.

„G, benutzt die Lichthupe!" Sam schaltete sich ein. „Wenn sie ihre Ohrmikros nicht mehr tragen, kannst Du sie rufen, soviel Du willst."

„Nur Kensi kann morsen. Joann und Deeks können damit nichts anfangen, Sam." Trotzdem begann Callen, mit der Lichthupe Signale zu geben.

„Was machen die da?" Deeks starrte auf die Fahrzeuge, von denen das vordere unregelmäßig mit dem Licht blinkte.

Joann brauchte einen Moment, um zu registrieren, was Deeks meinte. Sie blinzelte. Das Denken fiel ihr schwer, sie war so durstig. Doch dann machte es klick. „Kensi, kannst Du mal schauen? Ich glaube, das sind Morsesignale…"

Mühsam richtete Kensi sich wieder auf und sah angestrengt in Richtung der Fahrzeuge. „Du…hast…Recht…Jo…Es…heißt…" Kensi fiel das Sprechen immer schwerer. „Es…heißt…N…C…I…S!"

„Es sind unsere Leute!" Joann krächzte inzwischen nur noch.

Deeks war nicht überzeugt. „Das kann auch eine Falle sein. Wir müssen vorsichtig bleiben."

„Nein, keine Falle, Marty. Nur unsere Leute wissen, dass Kensi morsen kann. Wir beide sehen bloß blinkende Scheinwerfer." Joann hustete.

„Ohr…mikros" Kensi schaltete sich wieder ein.

Verwirrt sahen Joann und Deeks sie an.

„Oh!" Joann fischte hastig in ihrer Jeans und setzte sich das kleine Teil wieder in ihr Ohr. Deeks tat es ihr nach.

„Joann? Deeks? Könnt Ihr mich hören? Meldet Euch!"

„G?"

„Joann! Nicht schießen, wir sind das in den Fahrzeugen, wir sind gleich bei Euch! Hast Du gehört? Nicht schießen!"

„Ja, G, verstanden!" Joann schluchzte trocken auf vor Erleichterung. „Marty, hast Du G gehört?"

Deeks nickte und setzte sich dann abrupt hin. „Sie haben uns gefunden…"

„Sie leben! Habt Ihr es gehört? Sie leben!" Ray sprudelte geradezu über vor Erleichterung. „Fahrt schneller!"

Das ließen sich Callen und Sam nicht zweimal sagen. Als sie die Felsgruppe erreichten, sprangen alle schnell aus den Wagen und rannten auf die drei zu.

Callen ging bei Joann in die Knie und nahm sie feste in die Arme. „Jo!" Sanft streichelte er sie, während Joann trocken schluchzte.

„Hier!" Scott reichte Callen eine Flasche Wasser. „Sie muss dringend trinken!"

Joann registriert nicht, dass Scott und Jason bei ihr auftauchten. Sie konzentrierte sich nur auf das Wasser, das Callen ihr gab.

„Nicht so schnell, Kleines, sonst erbrichst Du alles wieder. Wir haben genug, keine Sorge." Callen zog ihr vorsichtig die Flasche weg.

Joann griff trotzdem wieder nach der Flasche. „Kensi, ich muss Kensi Wasser geben!"

„Sie bekommt schon etwas. Renko und Matt Bernhart kümmern sich um sie, Sam und Ray um Deeks. Ihr werdet alle versorgt." Callen versuchte, Joann wieder zu beruhigen.

„Sie sollen vorsichtig mit Kensi sein. Sie hat vielleicht innere Verletzungen." Nach dem der größte Durst gestillt war, konnte Joann wieder halbwegs klar denken und entdeckte ihre Familie. „Pops! Jason!"

Sam und Ray liefen direkt auf Deeks zu. Er hockte immer noch völlig fassungslos auf dem Boden. „Hier, schön langsam trinken." Sam hielt ihm eine Flasche Wasser hin.

„Nein, gib Kensi zuerst etwas." Deeks schob die Flasche weg.

„Du kannst beruhigt trinken. Sie bekommt gerade Wasser von Renko. Hier." Sam gab Deeks die Flasche zurück.

Diesmal nahm er sie an und trank gierig.

„Nicht so schnell, es ist genug da!" Sam nahm ihm die Flasche weg. „Ich habe doch gesagt, Du sollst langsam trinken." Sam schüttelte den Kopf. „Hörst Du eigentlich nie auf das, was ich Dir sage?"

„Komm, Kensi, mach die Augen auf. Du musst etwas trinken." Renko hatte Kensi aufgerichtet und ein Stöhnen dafür geerntet. Schließlich flatterten ihre Augenlieder und sah sie ihn direkt an. „Hier, ganz langsam, in kleinen Schlucken." Vorsichtig flößte Renko ihr das Wasser ein. „So ist es gut, schön langsam."

Nach wenigen Schlucken hörte Kensi schon wieder auf, zu trinken, und schloss ihre Augen.

„Hey, nichts da, Blye. Ich dachte immer, Du bist hart im Nehmen. Du lässt Dich doch nicht wirklich von ein paar Drogendealern und ein bisschen Wüste fertig machen, oder?" Matt Bernhart war entsetzt, als er Kensi sah, versuchte aber, sich das nicht anmerken zu lassen.

Die Augen gingen wieder auf und Kensi schaffte es sogar, ein kleines Funkeln darin erscheinen zu lassen. Dann griff sie nach der Flasche und trank. Renko und Matt grinsten sich erleichtert an.

Callen richtete sich auf und sah sich um. Dabei entdeckte er die Staubfahne. „Leute, bringen wir sie in die Fahrzeuge und machen, dass wir aus Mexiko raus kommen. Wir kriegen Gesellschaft." Jason, Scott und er beugten sich gleichzeitig zu Joann hinunter, doch sie schlang ihre Arme um Callens Hals. „Ray, Du kommst zu uns. Jason, Du fährst." Callen erwartete keine Antwort und ging, mit Joann in den Armen, zurück zum Wagen.

Sam zog Marty hoch. „Na, komm, Deeks, beeil Dich, die paar Schritte schaffst Du schon noch."

„Kensi…" Deeks drehte sich zu ihr um.

„Alles in Ordnung, mir geht's gut." Kensi krächzte immer noch ein wenig, aber sie klang schon viel besser als die letzten Stunden.

Mit Sams Unterstützung humpelte Deeks zum Wagen. „Und Jo?"

„G, Jason und Scott streiten sich darum, wer ihr helfen darf." Sam schmunzelte. „G hat gewonnen."

Deeks grinste. „Wer auch sonst." Dann runzelte er die Stirn. „Die beiden großen Kerle, dass sind Jos Vater und Bruder?"

„Yep." Sam grinste über Deeks' Gesichtsausdruck.

„Hast Du ihren Kopf, Deeks?" Vorsichtig reichte Renko Kensi an ihn weiter.

„Ja. Liegst Du gut, Kens?" Besorgt sah Deeks seine Freundin an.

Sie lächelte müde, griff nach seiner Hand und drückte sie. „Mir geht's gut." Mit einem leisen Seufzer schloss sie ihre Augen.

Matt stieg ebenfalls hinten ein und hob vorsichtig Kensis Beine hoch. Für einen Moment öffnete sie die Augen und nickte ihm zu.

„Ihr beide müsst weiter trinken. Ihr seid ganz schön dehydriert." Sam drehte sich zu Kensi und Deeks um. „Matt wird dafür sorgen. Verstanden?"

Alle drei nickten.

„Alle mal herhören. Wir müssen uns beeilen. Das Kartell hat die Spur gefunden. Renko, sprich mit Deinem Kontakt. Wir brauchen wieder einen sicheren Grenzabschnitt. Bis wir wissen, wo genau wir rüber gehen, fahren wir nach Norden. Scott, ruf Eric an. Er soll Hetty informieren. Wir brauchen ein sicheres Krankenhaus. Ich glaube nicht, dass es eine gute Idee ist, Kensi bis Los Angeles im Auto zu transportieren. Verstanden?" Umgehend kamen die Bestätigungen. „Na, dann los."

„Jason? Hast Du es gesehen?"

„Ja, Sam, ich beobachte es seit ungefähr einer viertel Stunde."

„Sie kommt näher. Kein gutes Zeichen."

„Wie nah sind sie, Sam?"

„Schwer zu sagen, aber auf jeden Fall zu nahe. Wir müssen schneller fahren, um zumindest den Abstand zu halten. G?"

Callen war klar, das dies ein Risiko für Kensi war. Aber es war ein Risiko für alle, in einen Schusswechsel mit dem Kartell zu geraten. „Sam, Jason, erhöht das Tempo. Sie dürfen uns nicht näher kommen."

„Verstanden."

„Callen, es gibt ein Problem. Wir bewegen uns auf einen Grenzbereich zu, für den mein Kontakt nicht zuständig ist. Er kann uns keinen sicheren Übergang verschaffen."

„Wie weit sind wir von seinem Bereich weg, Renko?"

„Die Entfernung ist nicht das Problem, Callen. Um dorthin zu kommen, müssen wir durch ein vom Kartell kontrolliertes Gebiet. Ich denke nicht, dass wir da unbemerkt durchfahren können."

„Haben Eric und Nell noch Zugriff auf die Satteliten? Dann könnten sie uns einen sicheren Übergang suchen." Scott mischte sich ein.

„Gute Idee. Renko, ruf sie an und klär das ab." Callen war schon während des ganzen Einsatzes beeindruckt von Scott. Obwohl Joanns Adoptivvater schon eine Weile im Ruhestand war, hatte er nichts vergessen, was er mal als Navy Seal gelernt hatte. Dazu kam eine eindrucksvolle körperliche Fitness. Er war der Älteste im Rettungsteam, aber er hielt locker mit den jungen bzw. jüngeren Männern mit. Zudem war Scott die ganze Zeit sehr ruhig und besonnen gewesen, obwohl er sich nicht wenig Sorgen gemacht hatte. Callen war froh, dass er sich entschlossen hatte, ihn und Jason um Hilfe zu bitten.

„Jason, wie nah sind unsere Verfolger?"

„Sie kommen langsam in Schussweite, Callen. Wir müssen noch schneller fahren."

„Keine Chance, Jason. Wenn Kensi wirklich innere Verletzungen hat, bringen wir sie um, wenn wir noch schneller fahren. Außerdem wird das Gelände immer schwieriger, wir könnten die höhere Geschwindigkeit sowieso nicht lange halten." Callen schwieg einen Moment, dachte nach. „Jo, kannst Du Dich aufsetzten? Und schießen?"

Der Sonnebrand tat bei jeder Bewegung höllisch weh, aber Joann gab keinen Laut von sich, als sie sich aufrichtete. „Ich brauche Munition, G. Mit drei Schuss komme ich nicht weit."

Callen griff nach hinten und zog eine der Taschen an sich heran. „Reicht das?"

„Hängt davon ab, wie schießfreudig das Kartell ist." Joann machte sich schussbereit.

„Sam, wir lassen uns zurückfallen und erledigen dass. Ihr bringt Kensi raus. Wir holen Euch dann wieder ein."

„G, es ist sicherer, wenn wir zusammen bleiben. Wir können das Kartell auf Abstand halten." Sam war mit der Trennung des Rettungsteams nicht einverstanden.

„Nein, können wir nicht, Sam. Sie haben niemanden, auf den sie Rücksicht nehmen müssen, und können auf volles Risiko fahren. Wir holen Euch vor der Grenze wieder ein. Jason, lass Dich zurück fallen." Callen war entschlossen. Nacheinander sah er alle im Auto an.

Jason konzentrierte sich ganz aufs Fahren und Ray hatte den Laptop gegen seine Waffe getauscht. Scotts Miene war ausdruckslos, er erinnerte Callen gerade stark an Sam. Und Joann verkniff sich bei jeder Bewegung ein Stöhnen. Ihr Sonnenbrand sah wirklich übel aus. Trotzdem hielt sie ihre Waffe entschlossen in der Hand und machte sich für den Einsatz bereit. Auf ihre Art wie sie genauso eine Kämpfernatur wie Kensi.

„Ich gehe nach hinten. Ihr nehmt die Seitenfenster." Mühsam kletterte Joann in den Kofferraum und öffnete die Heckscheibe.

Callen und Scott tauschten einen kurzen Blick und machten sich dann bereit. Wenige Momente später wurde auf sie geschossen und entschlossen erwiderten sie das Feuer. Joann nahm den Fahrer unter Beschuss, während Scott und Callen auf die Reifen zielten. Das unebene Gelände machte das Zielen schwierig. Zudem tauchten hinter dem Fahrzeug, auf das sie schossen, zwei weitere auf. Als die Heckscheibe von Schüssen getroffen wurde, fluchte Joann lästerlich. Dann wurde sie ganz ruhig, verdrängte die Schmerzen, die Erschöpfung, die Angst und die Sorgen um Kensi. Ihre Schüsse wurden präziser, was auch Callen und Scott auffiel. Einen Moment wurden beide von einem Gefühl der Erleichterung durchflutet, bevor sie sich wieder auf den Schusswechsel konzentrierten.

„So funktioniert das nicht! Haben wir den Granatwerfer oder ist der im anderen Wagen?" Scott war entschlossen, der Situation ein Ende zu bereiten.

„Nein, der ist bei Sam." Callen runzelte kurz die Stirn. „Jo, schau mal in dem Rucksack neben Dir nach. Da müssten Handgranaten drin sein."

„Ja, ich hab sie." Joann reichte den Rucksack an Callen und konzentrierte sich dann wieder auf ihre Schüsse.

Scott und Callen betätigten sich als Werfer. Die ersten Granaten verlangsamten die drei Fahrzeuge nur ein wenig, doch dann konnte Scott den ersten richtigen Treffer landen. Die Granate explodierte direkt an einem der Vorderreifen. Der Wagen geriet ins Schleudern und überschlug sich.

„Guter Wurf, Pops. Einer weniger." Joann klang sehr zufrieden, während sie ihre Waffe nachlud. „Jason, fahr noch etwas langsamer und nimm nicht jeden Felsen und jedes Loch mit, dass Du siehst."

„Kaum geht es Dir besser, musst Du mich wieder herumkommandieren, was?" Trotz seines Protestes reduzierte Jason die Geschwindigkeit und versuchte, das Fahrzeug ruhiger zu halten. Angesichts des holprigen Untergrundes war das nicht einfach.

Joann nutzte eine ruhigen Moment und schaltete einen der Fahrer aus. Eine Granate traf außerdem noch die Motorhaube, so dass sie es jetzt nur noch mit einem Verfolger zu tun. Der setzte jetzt alles auf eine Karte und nahm Joann hart unter Beschuss.

„Runter, Jo, runter! Alle festhalten!" Jason gab Gas und lies den Wagen dann um 180° herumschleudern. Mit durchdrehenden Reifen fuhr er wieder an und hielt direkt auf ihren Gegner zu.

Ray lehnte sich aus dem Seitenfenster und eröffnete das Feuer. Callen und Scott waren bei dem Manöver etwas durchgeschüttelt worden, machten sich jetzt aber wieder wurfbereit. Joann lag stöhnend im Kofferraum. Sie hatte sich nicht festhalten können, so dass sie jetzt zusätzlich zu ihrem Sonnenbrand auch noch einen Haufen Prellungen hatte.

Die Leute vom Kartell wurden durch Jasons abrupte Kehrtwendung vollkommen überrascht. Noch überraschender für sie war jedoch, dass Jason nun direkt auf sie zuhielt. Bevor sie richtig reagieren konnten, hatte Ray schon begonnen, die Frontscheibe und den Motorblock zu durchlöchern. Dazu kamen die Granaten, die in direkter Nähe explodierten. Der Fahrer wurde nervös, machte einen Fahrfehler und der Wagen kippte um. Erneut machte Jason eine 180°-Kehre und fuhr in Richtung Grenze.

„Alle unverletzt?" Jason warf einen kurzen Blick in den Rückspiegel. Von Callen und seinem Vater erhielt er ein kurzes Nicken. „Joann? Kleine, bist Du unverletzt?"

Stöhnend kletterte Joann wieder aus dem Kofferraum auf die Rückbank. „Ja, mir geht's gut. Dein Fahrstil hat mir nur ein paar Prellungen verpasst."

„Na gut, dann sehen wir zu, dass wir die anderen einholen." Jason gab Gas und fuhr in halsbrecherischem Tempo Richtung Norden.

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