Alle Charaktere und sämtliche Rechte an ‚NCIS: Los Angeles' gehören CBS und Shane Brennan Productions. Die folgende Geschichte dient keinerlei kommerziellen Zwecken, sondern wurde nur zum Vergnügen für Fans geschrieben. Eine Verletzung des Copyrights ist nicht beabsichtigt. Alle weiteren Personen gehören der Autorin.
Ich bin keine Fachfrau in Bereichen wie Medizin, Drogen, Flugzeugtechnik, Waffen oder Undercoverarbeit. Sollten Euch also Fehler auffallen, lasse ich mich gerne korrigieren.
Viel Spaß beim Lesen und ich freue mich auf Eure Rückmeldungen.
Kapitel 7 - Zurück
Sie holten die anderen trotz Jasons Fahrstil unfallfrei ein. Sam hatte sich in der Zwischenzeit mit Eric und Nell in Verbindung gesetzt und sie über die Probleme mit Renkos Kontakt informiert. Nach ausgiebiger Suche hatte Nell einen nur schwach überwachten Grenzbereich gefunden. Sie würden ungefähr zur Zeit des Sonnenunterganges dort sein. Deeks und Joann ging es den Umständen entsprechend gut, aber Kensi machte ihnen allen Sorgen. Sie hatte schon zweimal das Wasser erbrochen, das Deeks ihr gegeben hatte und wirkte sehr schlapp. Die Spuren der Prügel traten trotzt des Sonnenbrandes deutlich hervor.
…
Schließlich ging die Sonne unter. Als es komplett dunkel war, hielten sie an.
„Jason, Sam, fahrt Ihr weiter oder sollen wir Euch ablösen?" Alle waren kurz ausgestiegen. Im Schein der Taschenlampe sah Sam ziemlich müde aus, so dass Callen sich zu dieser Frage veranlasst sah.
„Ich fahre weiter, kein Problem." Jason klang überraschend frisch.
Sam zögerte. Er war seit Beginn der Rettungsaktion ununterbrochen gefahren, mochte aber nicht zugeben, fertig zu sein. Schließlich siegte seine Professionalität über sein Ego. „Es ist besser, wenn jemand anderes fährt."
„Ich übernehme, Callen." Renko griff schon nach dem Nachtsichtgerät.
G nickte. „In Ordnung. Dann lasst uns fahren."
Im Dunkeln ging es weiter. Ray griff zum Telefon und rief Nell an. „Was ist mit dem Grenzabschnitt, an dem wir rüber wollen?"
„Kein Problem, weiterhin alles frei. Ihr solltet keine Schwierigkeiten haben." Nell zögerte einen Moment. „Ray, wie geht es ihnen?"
„Joann streitet sich schon wieder mit Callen und Deeks klopft seine üblichen dummen Sprüche."
„Und Kensi?" Das Schweigen, dass ihrer Frage folge, sagte Nell alles.
Callen klopfte Ray auf die Schulter. „Lass mich mit Nell sprechen."
Ray nickte und reichte ihm das Telefon nach hinten.
„Nell, Callen hier. Habt Ihr schon mit Hetty gesprochen?"
„Ja, Eric hat sie informiert. Sie wollte sich um ein paar Dinge kümmern. Sobald Ihr über die Grenze seid, sollen wir Ihr Bescheid geben."
„In Ordnung, Nell. Bis dann." Er gab Ray sein Telefon zurück. „Wie weit noch bis zur Grenze?"
Ray warf einen Blick auf das GPS-Gerät. „Ungefähr 15 Meilen, Callen. Das Gelände scheint nicht allzu schwierig zu sein."
„Danke, Ray."
Joann hatte sich wieder auf der Rückbank lang gemacht und gähnte jetzt herzhaft.
„Du solltest versuchen, etwas zu schlafen." Zärtlich strich er Joann ein paar verschwitzte Haarsträhnen aus der Stirn. „Ich wecke Dich, wenn wir drüben sind."
„Ich liebe Dich." Joann wisperte diese drei Worte so leise, dass nur Callen sie hören konnte.
Zur Antwort drückte er ihre Hand.
…
„Callen." Ray sah auf das GPS-Gerät. „Wir haben die Grenze erreicht."
„Danke, Ray. Jason, wie sieht es aus?"
„Scheint alles ruhig zu sein. Wir sollten es versuchen."
Callen aktivierte sein Ohrmikro. „Renko?"
„Alles klar, Callen. Ich kann keine Bewegungen entdecken. Lass uns fahren."
„Dann los."
Die Überquerung lief ohne Probleme. Nachdem sie den Highway erreicht hatten, griff Callen zum Telefon.
„Jones."
„Wir sind zurück. Hat Hetty sich gemeldet?"
„Ja. Sie hat einen Treffpunkt mit einem Helikopter ausgemacht. Damit sollen Kensi, Deeks und Joann nach Los Angeles ins Krankenhaus gebracht werden. Ihr sollt mit den Wagen zurückkommen und Euch nach Eurer Ankunft bei ihr melden. Alles weitere dann."
„Verstanden, Nell. Wo sollen wir hin?" Callen gab den Ort an Ray weiter, der den kürzesten Weg berechnete. „Danke, Nell, auch an Eric. Ohne Eure Unterstützung hätten wir das nicht geschafft. Ihr könnt jetzt alles abbauen. Wir tauschen die Fahrzeuge, dann kommen wir direkt zurück."
„Bist Du sicher? Sollten wir nicht besser warten, bis Ihr hier seid?" Nell war besorgt.
„Ihr bekommt sicher auch so schon genug Ärger mit Hetty. Lasst es nicht auf mehr ankommen."
Nell schluckte. „Ihr auch nicht. Wir sehen uns dann."
…
Die Männer sahen dem abfliegenden Helikopter nach. Jetzt, wo alles vorbei war, kam bei ihnen die Erschöpfung durch. Es waren harte, anstrengende Tage gewesen, voller Sorgen. Kensi, Deeks und Joann waren in Sicherheit, auch wenn es Kensi nicht gut ging. Sie würde bestimmt wieder gesund werden, trotzdem konnten sie nicht aufhören, sich zu sorgen. Die Rückfahrt nach Los Angeles verlief schweigend. Unterwegs hielten sie zweimal an. Einmal, um die Fahrzeuge zurück zu tauschen und ein zweites Mal, um Renko aussteigen zu lassen. Sein Undercoverauftrag war schließlich noch nicht beendet.
„Danke für Deine Unterstützung, Mike." Callen schüttelte ihm die Hand.
„Kein Problem, Callen, jederzeit wieder. Lasst mich wissen, wie es Kensi geht, ja?"
„Natürlich, das ist doch klar."
„Und sag Kensi von mir, sie soll sich das nächste Mal nettere Gesellschaft suchen."
Die Männer lächelten sich verstehend an. „Mach ich. Pass auf Dich auf."
…
Müde betraten sie Scotts Haus. Eric und Nell hatten sich an Callens Anweisung gehalten und ihre Sachen zusammengepackt. Auf dem Esstisch lag eine Nachricht, die besage, dass sie ins Krankenhaus gefahren waren.
Ray deutete auf die Nachricht. „Wir sollten auch so schnell wie möglich dorthin fahren."
Doch Scott schüttelte den Kopf. „Jason, Du fährst zu Carol und den Kindern. Sie sollen wissen, dass es allen gut geht. Deine Familie braucht Dich jetzt mehr als Joann." Dann sah er die drei NCIS Mitarbeiter an. „Ich weiß, dass Ihr so schnell wie möglich ins Krankenhaus wollt. Aber ich halte es für besser, wenn Ihr erst nach Hause fahrt und Euch frisch macht. So erregt Ihr nur unnötige Aufmerksamkeit."
Callen, Sam und Ray sahen an sich hinunter. Scott hatte Recht. Sie waren verschwitzt und verdreckt, hatte eine Weile ihre Sachen nicht gewechselt.
„Habt Ihr Zugang zu Kensis und Martys Appartements? Sie hätten bestimmt auch gerne frische eigene Sachen anstelle der Krankenhaushemdchen."
„Kensi hat uns einen Schlüssel gegeben. Aber ich glaube nicht, dass es in ihrem Sinn wäre, wenn einer von uns Männern in ihren Sachen wühlt." Callen dachte an die Zeit, als er Joann kennen gelernt hatte. „Das sollte besser eine Frau machen."
Scott nickte. „Wenn Du meinst. Vielleicht fragst Du Nell. Oder wartest bis morgen, dann kann Joann das erledigen. Was ist mit Marty?"
Alle schüttelten den Kopf.
„Ich kümmere mich darum." Sam klang gelassen. „Treffen wir uns im Krankenhaus?"
„Ja, aber ich werde vorher noch die Waffen zurückbringen. Es ist keine gute Idee, sie im Wagen zu lassen." Callen stand auf. „Bis nachher."
„Ich komme mit und helfe Dir." Ray erhob sich ebenfalls. „Falls Hetty da sein sollte, bekommst Du das Donnerwetter nicht alleine ab."
Callen verzog keine Miene. „Falls sie da sein sollte, wird sie außer ein paar spitzen Bemerkungen nichts sagen. Das Donnerwetter bekommen wir alle gemeinsam. Nachdem sicher ist, dass es den dreien gut geht. Aber zu einer helfenden Hand sag ich nicht nein."
„Ich muss sowieso mitkommen, G, mein Wagen steht noch am Hauptquartier." Sam schloss sich den beiden an.
…
Hetty war nicht im Hauptquartier. Callen hatte das auch nicht wirklich angenommen. Sie war sicher im Krankenhaus. Zu Hause nahm er eine schnelle Dusche, zog frische Sachen an und packte eine kleine Tasche für Joann. Callen hatte keinen Zweifel, dass sie nicht lange dort bleiben würde. Schließlich war sie nicht verletzt. Was im übrigen auch für Deeks galt.
In Deeks' Appartement einzubrechen, war für Sam kein Problem. Er würde mit ihm mal eine ernste Unterhaltung über Sicherheitsschlösser und andere Maßnahmen gegen Einbruch führen müssen. Sam fand eine Sporttasche und packte frische Kleidung für Deeks ein.
…
Ray kam als erster im Krankenhaus an und sah sich alleine Hetty gegenüberstehen. Bei ihrem durchdringenden Blick zuckte er innerlich zusammen, hielt ihm aber stand. „Wie geht es den dreien, Hetty?"
„Miss MacKenzie und Mr. Deeks hat man an den Tropf gehängt, um sie zu rehydrieren. Die Sonnebrände hat sich ein Spezialist angesehen, aber sie sind nicht gravierend. Man hat sie entsprechend versorgt." Hetty seufzte leise. „Miss Blye hat zwei gebrochene Rippen, schwere Prellungen am ganzen Körper und eine Gehirnerschütterung, zusätzlich zur Dehydration und dem Sonnebrand. Ihr geht es nicht so gut." Hetty musterte Ray erneut. „Wie sieht es bei Ihnen aus?"
„Alle sind unverletzt zurück gekommen, sie werden bald hier sein." Ray hatte eine Menge von seinen Kollegen gelernt. Er ließ sich daher von Hetty nicht aus der Ruhe bringen. „Kann ich die drei sehen?"
„Sie können zu Miss MacKenzie und Mr. Deeks. Miss Blye soll sich ausruhen und nicht gestört werden." Hetty gab ihm die Zimmernummern.
„Danke, Hetty."
…
Ray ging als erstes zu Joann, sie war schließlich seine Partnerin. „Hey, Jo, wie sieht's aus?"
Sie starrte ihn mit funkelnden Augen an. „Was für eine dämliche Frage, Ray."
Er lachte schallend. „Ich sehe schon, es geht Dir bereits besser. Das sind gute Neuigkeiten."
Einen Moment funkelte Joann ihren Partner noch an, dann grinste sie schwach. „Ich soll vierundzwanzig Stunden hier bleiben, nur zur Sicherheit. Das nervt. Ich würde lieber arbeiten und herausfinden, was Kensi entdeckt hat. Sie weiß es nämlich nicht."
Jetzt war Ray verblüfft. „Kensi weiß nicht, warum das Kartell sie entführt hat?"
Joann schüttelte den Kopf. „Sie hat bei der erneuten Durchsuchung nichts entdeckt. Das Kartell war aber aus irgendeinem Grund der Meinung, dass sie etwas gefunden haben muss. Sie wollten wissen, wohin Kensi es gebracht hat und als sie keine Antwort bekamen, haben sie Kensi entführt. Soviel hat sie uns auf der Flucht erzählt. Hetty hat erneut ein forensisches Team hingeschickt, die zerlegen gerade das Haus in seine Einzelteile."
„Dann kannst Du sowieso nichts machen, bis die fertig sind. Also entspann Dich." Jetzt musste Ray grinsen. „Lass Dich hier doch mal so richtig verwöhnen: Du darfst den ganzen Tag im Bett bleiben, man serviert Dir ein köstliches Essen und man will hier nur Dein Bestes. Also, worüber beschwerst Du Dich eigentlich?"
Einen Moment sah Joann ihn entgeistert an. Dann warf sie ihm schwungvoll ihr Kissen an den Kopf und fing schließlich an, zu lachen. Es klang ziemlich krächzend und Rays Grinsen verschwand. Aber dann sah er das fröhliche Funkeln in ihren Augen und lächelte wieder.
„Da es Dir gut geht, werde ich mal nach Deeks sehen."
Joann nickte. „Mach das."
…
Selbst wenn er nicht gewusst hätte, in welchem Zimmer Deeks untergebracht war, so hätte er ihn doch schnell gefunden. Seine Schimpftiraden waren über den ganzen Flur zu hören. Ray schüttelte grinsend den Kopf. Als er die Tür öffnete, legte Deeks sofort los.
„Bringen Sie mich jetzt endlich zu meiner Partnerin? Wenn nicht, werde ich selber gehen! Sie haben mir schon den zweiten Tropf angehängt, es reicht! Ich…oh, Du bist es Ray, ich dachte, es wäre die Schwester."
„Schön zu sehen, dass es Dir auch schon wieder gut geht. Joanns Stimmung ist nicht viel besser als Deine."
„Sie lassen mich nicht zu Kensi! Sie sagen mir nicht mal, in welchem Zimmer sie ist! Ich…" Deeks war so aufgebracht, dass ihm ausnahmsweise mal die Worte fehlten.
Ray seufzte. „Wenn Du aufhörst, so rumzubrüllen, lasse ich mir etwas einfallen. Klar?"
Einen Moment musterte Deeks ihn, dann nickte er. „Okay. Leg los."
Nachdem er einen vorsichtigen Blick in den Flur geworfen hatte, denn Ray wollte auf keinen Fall Hetty in die Arme laufen, machte er sich daran, seinen spontan gefassten Plan, in die Tat umzusetzen. Kurze Zeit später erschien er wieder in Deeks' Zimmer.
„Dann mach's Dir mal bequem." Ray grinste den verblüfften Deeks an. „Nun setz Dich schon, ich hänge noch Deinen Tropf um, dann geht's los." Grummelnd setzte sich Deeks in den Rollstuhl. Da er noch mit einem Krankenhaushemd bekleidet war, gab Ray ihm die ebenfalls mitgebrachte Decke. „Wir sollten doch anstößige Aussichten vermeiden, wenn wir nicht auffallen wollen." Ray schmunzelte über Deeks' Gesichtsausdruck.
…
„Nell, Eric? Was macht Ihr hier?" Ray hatte die beiden als erster entdeckt. Die zwei wirkten ein wenig verloren, wie sie da auf dem Krankenhausflur saßen.
„Wir wollten Kensi nicht alleine lassen, durften aber nicht bei ihr im Zimmer bleiben. Also haben wir hier gewartet. Wo sind die anderen? Geht es Ihnen gut?" Nell war hastig aufgesprungen.
„Ja, alles in Ordnung. Nicht zuletzt dank Euch." Ray lächelte sie an. „Sie müssen jeden Moment hier sein." Er warf einen kurzen Blick auf Deeks, der sehr angespannt wirkte. „Ist jemand bei Kensi drin?"
Diesmal gab Eric die Antwort. „Nein. Eine der Schwestern hat vor ein paar Minuten den Tropf gewechselt, das war's."
„Gut." Zufrieden schob Ray Deeks in Kensis Zimmer, direkt an ihr Bett. Sie schien zu schlafen. Leise ging Ray wieder hinaus.
„Ist das eine gute Idee? Kensi soll doch Ruhe haben." Nervös blickte Nell den Flur rauf und runter.
„Deeks wird nichts machen, was Kensi schaden könnte. Das solltest Du auch wissen."
Einen Moment sah es so aus, als wollte sie Ray widersprechen, doch dann nickte sie nur.
…
In der Zwischenzeit erreichten auch Scott, Callen und Sam das Krankenhaus. Prompt liefen sie Hetty in die Arme. Aber außer einem sehr beredeten Blick gab sie kein Kommentar ab. In ihrer ruhigen Art unterrichtete Hetty sie über den aktuellen Stand der Dinge.
„Ach, Mr. Hanna, ich glaube übrigens nicht, dass Sie Mr. Deeks auf seinem Zimmer finden werden." Hetty deutete auf die Tasche in seiner Hand. „Es sah so aus, als hätte Mr. Wingate ihn zu Miss Blye gebracht, gegen die ausdrückliche Anweisung des Arztes." Seufzend schüttelte sie den Kopf. „Allerdings ist es seit dem deutlich ruhiger auf diesem Flur geworden." Das Schmunzeln saß nur in ihren Mund- und Augenwinkeln, war aber trotzdem zu erkennen.
…
Vorsichtig nahm Callen Joann in die Arme. „Alles klar, Kleine?" Dann überließ er sie für einen Moment Scott.
Der umarmte sie ebenfalls und murmelte: „Du machst aber auch Sachen, Kleine. Einfach in die Wüste zu laufen…" Kopfschüttelnd ließ er sie los.
Joann funkelte die beiden an und fauchte dann: „Die ‚Kleine' könnt Ihr Euch beide stecken! Ich will hier raus! Mir geht es schließlich gut! Also, tut gefälligst was!"
Nach einem Augenblick der Verblüffung tauschten die beiden Männer einen verstehenden Blick.
„Mir ist egal, wie Du Dich fühlst. Der Arzt sagt, Du musst bleiben, also wirst Du das auch." In diesem Moment war Scott ganz Vater. Sein Ton ließ keinen Widerspruch zu.
Mit offenem Mund starrte Joann Scott an und wandte sich dann an Callen. „G…"
„Nein, Jo, Dein Dad hat Recht. Ich bin da ganz seiner Meinung." Callen verzog keine Miene. „Und da es Dir ja gut geht, kannst Du mir bitte mal erklären, was Ihr Euch gedacht habt, als Ihr Kensi ohne uns befreit habt."
Joann schnappte nach Luft, ihre Augen verengten sich zu Schlitzen. Doch bevor sie loslegen konnte, wurde sie von Callen sofort wieder ausgebremst.
„Keine Diskussionen, Joann. Wir hatten das anders abgesprochen und Euer eigenmächtiges Handeln hätte Euch beinahe Euer Leben gekostet. Dafür will ich eine Erklärung."
Tief Luft holend, versuchte Joann, sich zu beruhigen. Dafür brauchte sie etwas Zeit. Schließlich war sie in der Lage, Callen zu antworten.
„Marty und ich haben das Gelände beobachtet und mit dem Richtmikrofon abgehört. Zwei Wachen haben sich darüber unterhalten, dass der Boss die amerikanische Geisel töten will. Daraufhin haben wir uns bei Eric erkundigt, wie weit weg Ihr zu diesem Zeitpunkt gewesen seid. Es war zu weit, also sind wir rein. Trotzdem wären wir beinahe zu spät gekommen. Es hat Kensi das Leben gerettet, dass die Wachen unseren Wagen entdeckt haben. Der Boss wollte erst wissen, was es damit auf sich hat, bevor er sie tötet." Joann schluckte heftig. „Das haben wir Kensi nicht erzählt." Wieder brauchte Joann eine Pause. „Marty und ich waren uns bewusst, dass es sehr gefährlich werden würde, ohne Euch da rein zu gehen. Aber ich würde es immer wieder tun. Nicht nur für Kensi, für jeden von Euch."
Callens Gesichtsausdruck ließ nicht erkennen, was er dachte. Scott dagegen war die Bestürzung deutlich anzusehen. Er griff nach Joanns Hand und drückte sie. Seine Tochter und ihr Kollege hatten eine gefährliche Entscheidung getroffen. Es war schon fast ein Wunder, dass alle überlebt hatten. Dazu noch das Wissen, dass es nur einem Zufall zu verdanken war, dass sie Kensi retten konnten, anstatt ihre Leiche zu finden. Scott kannte Joann gut genug um zu wissen, dass dieses Wissen sie belastete. Aber er hatte auch ihren entschlossenen Blick gesehen, als sie sagte, dass sie diese Entscheidung immer wieder treffen würde.
Auch Callen hatte diesen Blick gesehen. Nicht nur Scott war klar, was in Joann vorging. Er wusste nicht, was er jetzt noch sagen sollte, denn seine Entscheidung wäre ebenso ausgefallen. Joann hatte nichts getan, was er nicht auch getan hätte. Schließlich traf er eine Entscheidung.
„Wir werden Kensi nichts davon sagen, wie knapp sie überlebt hat. Aber ich werde Hetty einweihen, damit es zu diesem Thema keine bohrenden Fragen gibt." Ernst sah er Joann und Scott an.
„Wird Sam nicht merken, dass das etwas ist? Ich meine, G, er merkt immer, wenn irgendetwas im Busch ist."
„Ja, ich weiß, Jo. Aber Sam weiß auch, wann er besser keine Fragen stellt."
Schweigend tauschten sie einen Blick. Dann sahen sie Scott an, der ruhig nickte.
„Eine kluge Entscheidung." Dann stand er auf und gab Joann eine Kuss auf die Stirn. „Kleine, benimm Dich jetzt, morgen kannst Du hier raus. Ich werde Jason sagen, dass er aufhören kann, sich um Dich zu sorgen."
„Ich rufe Dich an, wenn ich zu Hause bin. Danke, Pops." Joann drückte feste seine Hand.
Scott lächelte, blieb dabei aber ernst. „Jederzeit wieder, Kleine, auch wenn ich hoffe, dass es nicht notwendig sein wird. Callen." Die Männer schüttelten sich die Hände. „Wir sehen uns."
„Auf jeden Fall. Danke, Scott. Für alles."
…
Als Ray Deeks in sein Zimmer zurück brachte, wartete Sam dort.
„Wie geht es Kensi?"
„Sie wird wieder werden. Es dauert nur eine Weile, bis alles verheilt ist. In sechs bis acht Wochen kann sie wieder arbeiten." Rays Erleichterung war unüberhörbar. „Sie schläft jetzt."
Sam nickte. „Gut." Er warf Ray einen durchdringenden Blick zu.
„Ich geh mir mal einen Kaffee holen und schau noch mal bei Jo rein. Sie will sicher auch wissen, was mit Kensi ist." Dann wandte er sich an Deeks. „Hör auf, die Schwestern zu ärgern, Deeks, die machen auch nur ihre Arbeit. Klar?"
Bevor Deeks eine passende Antwort geben konnte, war Ray schon raus. Sam grinste.
„Der Junge hat Recht. Im Moment kannst Du für Kensi nur eines tun: Sie in Ruhe lassen, damit sie sich erholt. Eine Gehirnerschütterung ist nicht ohne."
Wieder bekam Deeks keine Gelegenheit, eine passende Antwort zu geben.
„Hier, ich habe Dir etwas mitgebracht. Wir müssen uns mal über Sicherheitsmaßnahmen und Einbruchschutz unterhalten, Deeks. Bei Dir reinzukommen war ein Klacks."
„Du bist bei mir eingebrochen? Hast Du wenigstens daran gedacht, meine Blumen zu gießen, wenn Du schon drin warst?" Deeks sah nach, was Sam ihm mitgebracht hatte.
Sams Mundwinkel zuckten. „Da es Dir ja schon wieder gut geht, werden wir dieses Gespräch jetzt führen."
…
„Was machst Du da, G?" Mit gerunzelter Stirn sah Joann zu, wie Callen es sich auf den zwei Besucherstühlen bequem machte.
„Ich bleibe heute nacht hier, was hast Du denn gedacht?" Callen war erstaunt. Es war nicht das erste Mal, dass er bei Joann blieb, wenn sie im Krankenhaus lag.
Wütend zische sie ihn an. „Ich bleibe nicht hier! Mir egal, was die Ärzte sagen. Es geht mir gut, ich will sofort nach Hause!"
„Ich werde nicht jedes Mal diese Diskussion mit Dir führen, wenn Du im Krankenhaus landest. Du bleibst mindestens bis morgen früh hier. Hör auf, Dich wie eine verzogene Göre zu benehmen." Callen stand auf. „Ich hole Dich morgen früh hier ab, Jo. Alles, was Du brauchst, ist in der Tasche." Dann verließ er das Zimmer und ließ eine verdutzte und wütende Joann zurück.
…
In der Lobby trafen Sam und Callen aufeinander.
„Alles klar, G?" Durchdringend sah Sam seinen Freund an.
Der zuckte mit den Schultern. „Joann und ihr Sturkopf. Manchmal frage ich mich ernsthaft, wie sie damit so weit kommen konnte."
Sam lachte leise vor sich hin. „Dann erklär mir mal, wie Deeks so lange überleben konnte, obwohl er der Leichtsinn auf zwei Beinen ist."
Callen grinste. „Zwei weitere ungelöste Rätsel, mit denen wir leben müssen."
„Na ja, G, Hauptsache ist doch, es geht ihnen gut."
Schmunzelnd gingen die beiden zu ihren Wagen.
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