Alle Charaktere und sämtliche Rechte an ‚NCIS: Los Angeles' gehören CBS und Shane Brennan Productions. Die folgende Geschichte dient keinerlei kommerziellen Zwecken, sondern wurde nur zum Vergnügen für Fans geschrieben. Eine Verletzung des Copyrights ist nicht beabsichtigt. Alle weiteren Personen gehören der Autorin.

Ich bin keine Fachfrau in Bereichen wie Medizin, Drogen, Flugzeugtechnik, Waffen oder Undercoverarbeit. Sollten Euch also Fehler auffallen, lasse ich mich gerne korrigieren.

Viel Spaß beim Lesen und ich freue mich auf Eure Rückmeldungen.

Kapitel 8 - Auszeit

„Guten Morgen." Lautlos wie immer, trat Hetty in die Ops. Dort hatte sich das Team versammelt. „Ich höre." Aufmerksam lauschte Hetty den einzelnen Berichten. Dann nickte sie. „Sie alle haben gegen die Anweisung verstoßen, sich aus dem Entführungsfall herauszuhalten. Von dem Missbrauch von Behördeneigentum sowie der widerrechtlichen Nutzung von Sattelitenzeit will ich gar nicht sprechen. Illegale Einreise in Mexiko, die Zerstörung von mexikanischem Privateigentum, Behinderung polizeilicher Ermittlungen, Einsatz von Zivilisten und Mitarbeitern anderer Behörden, Abzug eines Agenten aus seinem Undercovereinsatz." Hetty schüttelte den Kopf. „Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass meine besten Leute so einen Mist bauen können."

Völlig unerwartet erschien ein Schmunzeln auf Hettys Gesicht. „Wirklich gute Arbeit, ich bin sehr zufrieden mit Ihnen. Sie haben Miss Blye lebend zurück gebracht und der Drogenmafia einen üblen Schlag versetzt." Das Schmunzeln wurde von einem sehr harten Blick abgelöst. „Niemand vergreift sich ungestraft an meinen Leuten. Wer das versucht, muss mit den Konsequenzen leben." Dann mustere Hetty nacheinander jeden einzelnen. „Ich erwarte von Ihnen allen Berichte. Allerdings etwas weniger detailliert als üblich. Außerdem möchte ich, dass Sie sich alles ansehen, was die Forensiker mitgebracht haben. Wir wissen immer noch nicht, was vom Kartell versteckt wurde." Da sich niemand rührte, machte Hetty scheuchende Armbewegungen. „Na los, an die Arbeit." Dann verließ sie die Ops genauso lautlos, wie sie gekommen war.

Die Anspannung verließ das Team und Erleichterung machte sich breit.

„Das ist ja noch mal gut gegangen." Deeks sah sich kurz um. Nicht, dass Hetty das mitbekommen hatte.

Ray nickte. „Damit hatte ich nicht gerechnet. Eher mit einer heftigen Strafpredigt und einer Suspendierung."

„Ich weiß, ich auch." Joann war erleichtert.

„Das ist eben Hetty." Callen ließ sich seine eigene Überraschung nicht anmerken. „Schreiben wir unsere Berichte und dann sehen wir weiter."

Diesmal dauerte es etwas länger als üblich, die Berichte zu schreiben. Gewisse Informationen und Handlungen sollten darin besser nicht erscheinen. Immer wieder verglichen sie, änderten ab oder schrieben neu. Eine gereizte Stimmung entstand, keiner von ihnen mochte den Papierkram. Deeks warf als erster alles hin.

„Mir reicht's, ich fahre jetzt zu Kensi ins Krankenhaus."

„Wenn Du fertig bist, Deeks, kein Problem." Callen sah ihn scharf an.

Aufstöhnend setze sich Deeks wieder hin.

„Warum verlegen wir nicht den Arbeitsort?" Joann sah sich in der Runde um. „Wir schnappen unsere Laptops, fahren zu uns, bestellen Pizza und gehen die Berichte etwas lockerer an." Es gab keine Reaktion. „Kommt schon, Leute. Bei uns können wir entspannter über alles sprechen, weil es keine ungebetenen Zuhörer gibt. Marty, Du machst auf dem Weg einen Abstecher zu Kensi und kannst uns dann anschließend erzählen, wie es ihr geht. Okay?"

„Jo hat Recht. Packt zusammen, wir fahren zu uns. Nell, Eric, das gilt auch für Euch. Deeks, welche Pizza willst Du haben?"

Mit einem leisen Stöhnen ließ sich Joann auf die Couch fallen. Im Wohnzimmer sah es total chaotisch aus. Überall lagen leerer Pizzaschachtel herum, zwischen allem verteilt standen Kaffeebecher, Bierflaschen, Limodosen und Gläser. In der Küche sah es nicht besser aus. Einen Moment schloss Joann die Augen. Dann seufzte sie laut, stand auf und begann, aufzuräumen.

„Liebes, lass alles liegen. Ich mach das schon." Callen sah seine Freundin aufmerksam an. Sie sah vollkommen erschöpft aus.

„Nein, dass ist meine Aufgabe. Ich hatte die Idee, hierher zu kommen."

„Das ist Unsinn, Jo, ich war schließlich damit einverstanden. Es war eine gute Idee."

Callen räumte die Pizzaschachteln zusammen und trug sie in die Küche. Joann sammelte die Kaffeebecher und Gläser ein und räumte sie dann in die Spülmaschine. Eines der Gläser fiel ihr aus der Hand und zerbrach auf dem Boden. Einen Moment sah Joann auf ihre zitternde Hand, dann fluchte sie unterdrückt aber ausgiebig.

„Jo, lass gut sein. Ich mach das schon. Geh schlafen."

Mit funkelnden Augen richtete sich Joann auf. „Nein, ich mach das. Ja, ich bin müde, erledigt, habe Kopfschmerzen und der Sonnebrand macht mich irre, aber ich kann tun, was notwendig ist."

„Joann, hör auf, Theater zu machen und leg Dich hin. Ich bin durchaus in der Lage, hier alleine aufzuräumen."

„Du kannst mich mal!"

Wütend verließ Joann die Küche und schlug die Schlafzimmertür mit einem lauten Knall hinter sich zu. Langsam beruhigte sie sich wieder. G hatte Recht, sie war ziemlich am Ende und brauchte Schlaf. Aber sie legte so viel Wert auf Gleichberechtigung, dass sie es hasste, wenn sie gegen einen Mann schwach aussah. Auch wenn dieser Mann ihr Freund und Kollege war. Oder vielleicht auch gerade deswegen. Joann seufzte. Sie verhielt sich unlogisch. Niemand in diesem Team hatte sie je anders behandelt, weil sie eine Frau war. Sie wurde von allen als Freundin und fähige Kollegin betrachtet. Und nach allem, was geschehen war, hatte sie ein Recht darauf, müde und erschöpft zu sein. Was war bloß los mit ihr? Joann ließ sich aufs Bett fallen und starrte die Decke an.

G blieb einen Moment vor der Schlafzimmertür stehen. Alle waren müde und fertig. Sie hatten heute intensiv gearbeitet und die Zeit vorher in Mexiko war für jeden anstrengend gewesen. Aber Joann konnte mit ihrer eigenen Schwäche nur schlecht umgehen, auch wenn diese nach so einem Einsatz berechtigt war. Manchmal war sie wirklich schwierig.

„Jo?" Sie lag mit geschlossenen Augen auf dem Bett, aber Callen war sicher, dass sie nicht schlief.

„Es tut mir leid, G. Ich komm gleich wieder und helfe Dir." Langsam richtete sich Joann auf.

„Das ist nicht notwendig, ich bin schon fertig. Aber Du musst ein paar Sachen packen, für drei Tage, und nimm etwas Warmes mit. Wir fahren in einer halben Stunde los."

„Was ist passiert?" Die Anspannung in Joanns Stimme war nicht zu überhören.

„Es ist alles in Ordnung, Jo. Ich habe nur gerade beschlossen, dass wir für drei Tagen verschwinden. Ich habe etwas für uns arrangiert. Nun pack schon Deine Sachen. Wir werden mal ausspannen." Callen gab ihr einen Kuss und ging.

Verblüfft sah Joann ihm nach. Sie war müde, hatte Kopfschmerzen und der Sonnebrand würde ihr noch einige Tage zu schaffen machen. Daher beschloss sie, nicht mit G zu diskutieren, und begann, eine Reisetasche zu packen.

„Wo geht es hin, G?"

„Das verrate ich nicht, Liebes. Setz Dich in Deinen Wagen und schlaf ein bisschen. Ich werde fahren."

„Nur wenn Du versprichst, mich zu wecken, wenn Du müde wirst. Ich will nicht, dass Du einen Unfall baust."

„In Ordnung. Aber Du wirst auch wirklich schlafen, ja?"

Joann nickte. Es dauerte auch nicht lange, da hatte ihre Erschöpfung gewonnen und sie schlief feste.

Als Joann die Augen öffnete, war sie alleine im Wagen. Es war stockdunkel, also war es Mitten in der Nacht. Der Wagen stand vor einer Schranke und die einzige Lichtquelle war die Lampe über dem Eingang eines kleinen Hauses. Gerade, als Joann beschlossen hatte, auszusteigen und G zu suchen, ging die Tür auf. Ein ihr unbekannter Mann und Callen traten unter die Lampe. Nachdem sie noch ein paar Worte gewechselt hatten, schüttelten sie sich die Hände. Callen ging auf den SUV zu.

„Geht es Dir ein bisschen besser?" Callen lächelte sie an.

„Ja, ich denke schon. Immer noch müde. Wo sind wir hier?"

„Das verrate ich Dir nicht. Wenn Du weißt, wo Du bist, läufst Du mir nachher weg." G grinste sie an.

Joann zuckte nur mit den Schultern. Sie war nicht wirklich wach und munter genug, um sich mit Callen ein Wortgefecht zu liefern. „Wenn Du mich irgendwo hinbringst, wo ich nicht sein will, fahre ich Dir eben einfach weg. Das ist mein Wagen."

Callen lachte. Dann ging die Schranke auf und er fuhr los. Joann schloss wieder die Augen, wollte noch ein wenig schlafen, aber das funktionierte nicht. Sie waren nicht mehr auf einer Straße unterwegs, sondern auf einem Forstweg. Deswegen wurde sie kräftig durchgeschüttelt. Zweimal bog Callen ab, obwohl Joann keine Markierung erkennen konnte. Der Weg wurde immer schlechter. Er endete schließlich in einer Lichtung, auf der ein kleines Haus und ein Schuppen stand.

„Hier, das ist der Schlüssel. Ich starte den Generator, damit wir Strom haben."

Sich neugierig umschauend, betrat Joann das Haus. Kurz hinter dem Eingang gingen zwei Türen rechts ab. Joann öffnete sie nacheinander. Hinter der ersten fand sie eine Abstellkammer, hinter der zweiten ein einfaches Bad. Gerade als sie aus dem Flur trat, ging das Licht an. Joann stand in einem großen Raum. Links von ihr befand sich eine Küchenzeile mit einer Bar davor, rechts war ein Kamin mit einem Sofa und zwei Sesseln. An der Wand gegenüber der Küchenzeile stand ein schmales Doppelbett, eine Kommode und ein kleiner Kleiderschrank. Geradeaus war eine Fensterfront, durch die sie aber im Dunkeln nichts sehen konnte. Mitten im Raum stand ein runder Tisch mit vier Stühlen. Durch bunte Decken, Vorhänge und einige Bilder wirkte der Raum freundlich und anheimelnd.

„Na, Kleine, was sagst Du? Ist doch nett hier?" G lächelte sie an.

„Wenn ich nicht so müde wäre, würde Dir die ‚Kleine' ein paar um die Ohren hauen. Das Bett soll doch nicht etwa für uns beide sein? Ein bisschen schmal, nicht? Ich fürchte, Du wirst wohl auf der Couch schlafen müssen."

Obwohl ihr das Haus gefiel, war sie knurrig. Zu wenig Schlaf, eine Beule am Kopf auf Grund eines Schlagloches und das Gefühl, Mitten im Nirgendwo zu sein, waren die Ursache. Callen war das klar, deswegen ignorierte er das Gemurre.

„Hör auf zu knurren und geh schlafen, Jo. Ich hol die restlichen Sachen aus dem Wagen."

Als G ins Bett kam, schlief Joann schon fast. Im Halbschlaf kuschelte sie sich an ihn. Er schlang seine Arme um sie und vergrub sein Gesicht in ihren Haaren. G wusste, dass Joann ein Morgenmuffel war und bei Schlafmangel grantig wurde. Also nahm er das ganze nie persönlich. Wenn sie wirklich sauer auf ihn gewesen wäre, hätte sich Joann niemals an ihn gekuschelt. Da war sie sehr eigen.

Als Joann wach wurde, war sie alleine. Sie stand auf und ging zur Küchenzeile. Auf der Bar stand eine Warmhaltekanne und ein Kaffeebecher. Joann musste lächeln, als sie sich den Kaffee eingoss. Mit der Tasse in der Hand trat sie an die Fensterfront. Ihr bot sich ein wunderschöner Ausblick auf einen See. Joann entdeckte G auf dem Steg, der am Ende der Treppe war, die zum Wasser hinunter führte.

Callen sah über das Wasser. Er war schon seit Sonnenaufgang wach und hing seine Gedanken nach. Heute morgen kam ihm die Idee, Joann hierher zu bringen, gar nicht mehr so gut vor. Sie war ein typischer Stadtmensch und hier ziemlich weit von der Stadt weg. Allerdings hatte Jo dringend eine Auszeit nötig und die hätte sie in der Stadt niemals bekommen. Sein Instinkt meldete sich plötzlich und er drehte sich um. Callen lächelte, als er Joann am Fenster sah. Er winkte ihr zu und lief dann die Treppe hinauf.

„Ich gebe zu, ich war skeptisch, G, aber es war ein schöner Tag. Gut, dass Du mich entführt hast."

Joann ging mit zwei Bechern Tee in der Hand auf Callen zu. Der hatte im Kamin ein Feuer entzündet und sich dann auf der Couch niedergelassen. Jetzt setzte sich Joann zu ihm.

„Du musstest mal raus und hier hast Du wirklich Ruhe. Kein Telefon, kein Internet, keine üblen Fälle."

Callen zog sie an sich und gab ihr einen Kuss.

„Weiß jemand, wo wir sind? Ich meine ja nur, für den Notfall…"

„Ich habe Hetty und Sam eine Nachricht hinterlassen. Sie sind informiert, dass wir drei Tage nicht erreichbar sind."

Eine Weile saßen die beiden schweigend zusammen und starrten ins Feuer.

„Ist schon eine Weile her, dass wir Zeit für uns beide hatten…" Joann war nachdenklich. „Ich kann mir kein anderes Leben vorstellen, aber manchmal gibt es Zeiten, da denke ich, so ein 08/15-Job wäre auch nicht schlecht. Wir hätten jeden Abend Zeit für uns und jedes Wochenende. Und niemand würde auf uns schießen."

„Klingt nicht schlecht. Sich nicht immer um die Kollegen Sorgen machen, sich am Wochenende mit Freunden und Nachbarn zum Barbecue treffen. Trotzdem, Du hast Recht, ich kann mir auch kein anderes Leben vorstellen, als das, was wir haben."

„Wir sind schon ganz schön verrückt, nicht?"

Joann lachte leise vor sich hin. Dann stellte sie ihren Teebecher ab und küsste G. Leidenschaftlich erwiderte er ihren Kuss. Joann ließ ihre Hände unter sein Hemd gleiten und fuhr vorsichtig mit ihren Fingernägeln seinen Rücken hinunter. Callen stöhnte auf und zog sie fester in seine Arme.

Eng aneinander geschmiegt und wohlig erschöpft lagen die beiden vor dem Kamin. Joann fuhr spielerisch mit ihren Fingern über Callens Brust. Genießerisch schloss er die Augen.

„Mmh, mach ruhig weiter…"

„Du kannst wohl nie genug kriegen, oder?" Joann ließ ihre Lippen und Zunge die Arbeit ihrer Finger fortsetzen.

„Ich sollte Dich öfter entführen, wenn das so eine Wirkung auf Dich hat." Callen ließ sich weiter von Joann verwöhnen, die sich ausgiebig für seine vorhergehenden Zärtlichkeiten revanchierte.

„Als Du mich hergebracht hast, habe ich nicht gedacht, dass ich das sagen würde, aber es tut mir leid, dass wir schon fahren." Joann packte die letzten Sachen in ihre Tasche. „Ich war schon lange nicht mehr so entspannt und erholt." Sie seufzte.

Callen nahm sie in die Arme. „Wir können wiederkommen, Jo. Oder an einem anderen Ort ein paar Tage frei machen." Er lächelte sie an. „Vielleicht suche ich uns das nächste Mal eine einsame Bucht am Meer aus."

„Das würde mir gefallen…" Joann sah ein wenig wehmütig aus. Sie warf noch mal einen Blick durch den Raum, bevor sie ihre Tasche ergriff und Callen zum Wagen folgte.

to be continued…

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