6. Ianto Jones

Der erste Kuss zwischen Jack und Ianto Jones fand nicht gerade unter romantischen Umständen statt.

Nach dem Stalking und dem Abenteuer mit dem Flugsaurier und der Schokolade hatte sich Jack eigentlich eine rasche intensive Romanze erhofft, aber irgendwie kam es ganz anders. Während Ianto zuerst keine Chance ausgelassen hatte mit ihm zu flirten, um so seine Chancen angestellt zu werden zu verbessern, entpuppte er sich, sobald er angestellt worden war, als äußerst zurückhaltend, ja fast schon schüchtern. Jacks Versuche mit ihm zu flirten schienen dem jungen Mann fast schon unangenehm zu sein, selbst wenn keiner der anderen dabei war. Im Prinzip machte das alles Jack aber auch nichts aus. Im Gegenteil: Er liebte Herausforderungen und obwohl er im Grunde nichts gegen eine einfachere Eroberung ab und an einzuwenden hatte, waren diejenigen, die nicht gleich bereit waren mit ihm ins Bett zu hüpfen, letztlich immer die besseren und eindrucksvolleren Liebhaber.

Also beschloss Jack es langsam anzugehen, was die Tatsache, dass er Ianto zum ersten Mal nur sieben Tage nachdem er ihn eingestellt hatte, küsste, umso ironischer machte.

Suzie hatte den verdächtigen Behälter an den Docks gefunden, ganz in der Nähe des Touristeneingangs der Basis. Owens Scans führten zu keinem brauchbaren Ergebnis. Also versuchten sie den Behälter zu öffnen.

Obwohl sie sämtliche Sicherheits- und Quarantänevorschriften beachtet hatte, entwich der im Behälter eingesperrte Aliennebel aber aus der Quarantänezone und suchte sich als Paarungspartner aus allen in der Basis ausgerechnet Ianto aus. Leider waren die Paarungsgewohnheiten des Aliennebels potentiell tödlich für Humanoide, und Ianto drohte nach wenigen Momenten zu ersticken.

„Jack, du musst was machen, es entzieht ihm gerade so ziemlich alles, was der menschliche Körper zum Überleben braucht!", zischte Owen aufgeregt, während er dabei war hektisch mit ein wenig Unterstützung von Tosh einen Cocktail aus irgendwelchen Flüssigkeiten zusammenzumischen, die das Wesen wohl vernichten sollten, „Verschaff mir ein paar Sekunden!"

Jack warf Owen einen wütenden Blick zu (was bitte konnte er schon tun?), seufzte tief und packte dann den hyperventilierenden Ianto an den Schultern, zog ihn an sich und küsste ihn innig. Ianto schien das zu beruhigen, den Aliennebel machte es allerdings wütend. Sehr wütend.

Als Jack wieder zu sich kam umringten ihn Owen, Tosh, Suzie und Ianto mit besorgten Gesichtern. Er war nass und auf ihm klebten Reste von etwas, das die gleiche Farbe hatte, wie der Aliennebel.

„Was Besseres ist dir wohl nicht eingefallen, oder?", kommentierte Owen spöttisch.

Jack zuckte die Schultern. „Nein, ist es nicht. Ich dachte mir, dass es dann vielleicht eifersüchtig werden würde und wenigstens vom Paarungsritual ablassen würde. Oder sich auf einen Dreier einlassen würde, was uns auch mehr Zeit verschafft hätte", erwiderte er ungerührt, „Schade eigentlich."

„Von allen verantwortungslosen sinnfreien Aktionen, die du jemals…", doch Jack hörte Owen schon gar nicht mehr zu.

Stattdessen grinste er Ianto entschuldigend an. „Mach dir nichts draus, Ianto. Wer nicht innerhalb seiner ersten Woche hier von einem Alien und dem Boss sexuell belästigt wird, gehört nicht wirklich zum Team. Du hast es immer noch besser erwischt als Suzie. Oder Owen. Seine Schwellungen haben erst nach drei Wochen nachgelassen, und er hat nicht mal einen Kuss als Trostpreis bekommen", meinte er. Was Owen dazu brachte den Mund zu halten und Ianto dazu zu erröten. Was eigentlich zwei gute Dinge auf einmal waren.

Einen Verlust im Team, einen Neugewinn und einen gewissen Zwischenfall mit einer Cyberwoman später, entschied sich Jack dafür mit ihren zweiten Kuss noch zu etwas länger zu warten, als er eigentlich vor gehabt hatte.

Ianto war nur wenige Stunden zuvor fast von walisischen Kannibalen gefressen worden und einigermaßen traumatisiert.

„Ich glaube, ich bin nicht für den Außendienst geschaffen", murmelte er, „Danke, dass du mich … nach Hause gefahren hast."

„Du warst heute sehr tapfer, Ianto. Versuch etwas zu schlafen und ruf mich an, wenn du irgendetwas brauchst. Oder ruf' Tosh an", erwiderte Jack und musterte den jungen Mann, der so verletzlich und klein wirkte als er neben ihm im SUV saß.

Ianto hob den Kopf und sah ihn zum ersten Mal seit sie zurück in der Stadt waren an. Sein Blick spiegelte eine Vielzahl von Emotionen wieder. Jack erkannte sie alle. Und er wusste, auf welche von diesen er zu hören hatte.

Statt dem Impuls, sich hinüber zu den anderen Mann zu beugen, nachzugeben, stellte er den Motor ab und meinte: „Andererseits habe ich es nicht eilig zurück an die Arbeit zu gehen. Ich könnte noch etwas bleiben, was hältst du davon? Nach all dem, was heute passiert ist, ist mir nicht danach alleine zu sein. Und meine Hände behalte ich bei mir, versprochen."

Und er hielt sich auch daran.


7. Jack Harkness

Mancher Liebhaber in der Vergangenheit hatte ihn nach dem Besten gefragt, den er bisher gehabt hatte. Jack hatte es immer abgelehnt diese Frage zu beantworten. (Dafür gab es Gründe). Aber über den besten Kuss in seinem bisherigen Leben sprach er jedoch immer gerne und ausführlicher als den meisten Fragestellern lieb war. Der idorinianische Mehrfüßer mit den vier Zungen war auch besser im Küssen gewesen als erlaubt sein sollte. (Immerhin besaß er vier Zungen!)

Erst nachdem der Mann, der sich seit über hundert Jahren Captain Jack Harkness nannte, den Mann, von dem er sich diesen Namen „ausgeborgt" hatte, kennengelernt und gleich wieder verloren hatte, begann er sich zu fragen, ob er trotz all seiner Lebenserfahrung und der langen Liste von romantischen Verwicklungen in seiner Vergangenheit bisher vielleicht überhaupt keine Ahnung davon gehabt hatte, was ein guter Kuss eigentlich war.

Und er begann sich auch zu fragen, ob die Tatsache, dass dies mit ziemlicher Sicherheit der letzte Kuss im Leben des wirklichen Jack Harkness' gewesen war, die Erinnerung an diesen besonderen Moment in seinem Leben für immer verderben würde.


A/N: Owen ist der nächste.

Prinzipiell sind alle meine TW-Fanfictions sowie die DW-Fanfiction „Captain Jack und die Tardis" Teil derselben Reihe mit Ausnahme von „Das Evangelium nach Captain Jack Harkness". Der Grund dafür ist, dass „Das Evangelium nach Captain Jack Harkness" überhaupt nicht zu „Acht (unter anderem) von Captain Jack Harkness" passt und wohl mit dieser Fic hier gemeinsam auch nur bedingt funktioniert (kein Wunder, immerhin ist das hier ja das Companion-Piece zu „Acht (unter anderem)". „Heroes", „Der Luvar-Zwischenfall" und „Captain Jack und die Tardis" hingegen sollten eigentlich auch ganz gut mit „Das Evangelium nach Captain Jack Harkness" funktionieren. Diese Fic hier bis zu einem gewissen Grad auch, aber eben nur bis zu einem gewissen Grad.

Ianto-Fans sollten wenn sie Gelegenheit dazu haben sich übrigens die neuen TW-Radio-Dramen zu Gemüte führen. Das erste ist ein Gwen-Stück, aber „Submussion" dreht sich um Ianto und „House oft he Dead" ist eigentlich bis zu einem gewissen Grad ein Fix-It für „Kinder der Erde" (rechnet aber bitte nicht mit einer Auferstehung oder so was, soweit geht es nicht).

Im Gegensatz dazu ist die Starz-TV-Serie einfach nur „24" mit ein bisschen Anstrich von Übernatürlichen und Aliens, aber da in den ersten drei Folgen nur ganz am Rande über die Möglichkeit, dass Aliens für das alles verantwortlich sind, spekuliert wird, hat es eher einen „Fringe" als einen „Akte X"-Anstrich. Man weiß nur, dass es TW ist, weil Jack Bauer und Chloe – ich meine Rex und Esther – gemeinsam mit Jack und Gwen herumrennen. Oh und weil in der ersten Folge Cardiff vorkommt.

Die dritte Folge dürfte für Janto-Shiper einfach nur ärgerlich sein (war sie sogar für mich, obwohl ich mich eigentlich emotional mit TW und Ianto abgeschlossen hatte und beides begraben hatte und mir nichts mehr erwarte. Mich würde nicht mal mehr Rhys schrecklicher Tod und ein darauf folgender Jack/Gwen-Forever-Handlungsumschwung wundern, danach dürfte ich aber wenigstens zu recht für immer aufhören TW anzusehen, aber soviel Glück werde ich nicht haben), obwohl Gwen zumindest scheinbar endlich gelernt hat Prioritäten in dieser Hinsicht zu setzen. Während eine gewisse andere Szene mit ihr in dieser Folge einfach nur schrecklich dumm inszeniert war (Stichwort: verstecken).

Zumindest der Bill Pullman-Handlungsstrang hat Potential. Bisher ist es aber meistens irgendwie langweilig (ich fand schon „Kinder der Erde" langweilig und da hatten sie wenigstens Aliens und nur halb so viele Folgen mit mehr Plot). Natürlich ist es aber immer noch möglich, dass die neue Serie innerhalb der nächsten 7 Folgen gut wird und wer „Kinder der Erde" mochte, wird das hier vielleicht auch mögen, sofern einem die doch sehr extreme Amerikanisierung und ein A##loch als neuer defakto-Hauptcharakter (sprich das was früher Gwen Cooper war, der defakto-Hauptcharakter meine ich, nicht das A##loch) nicht stören (Rex Matheson ).

Ach ja, weil ich darauf angesprochen wurde: Ich hatte nicht wirklich aufgehört hieran zu schreiben. Ich hatte nur keine Zeit bzw. mich danach erst mal daran gemacht die Fanfics abzudaten, die ich schon länger nicht mehr upgedatet hatte.

Die nächsten Küsse kommen hoffentlich schneller.

Reviews freuen mich wie immer sehr.