Achtung! Spoiler für: DW: "The Fires of Pompeij","The Stolen Earth", "Journey's End","Planet of the Dead", "Waters of Mars", „Dreamland" und indirekt „The End of Time". TW für: "The Devil and Miss Carew", "Submission" und "The House of the Dead" (also die neuen TW-Audio-Dramen) und natürlich "Children of Earth".


3.2. Der Doctor

In all den Jahren, die Jack damit verbracht hatte, auf eine Wiedervereinigung mit dem Doctor zu warten, hatte er sich oft vorgestellt, was er tun würde, wenn er das Materialisierungsgeräusch der Tardis in seiner unmittelbaren Umgebung hören würde. Als es dann endlich soweit war, kam alles ganz anders als geplant. Deswegen war er etwas überrascht und planlos, als er es einige Zeit nach dem U-Boot-Trip auf den Grund des Marianen-Graben plötzlich wieder hörte.

Er hatte den Doctor seit der Dalek-Invasion nicht mehr gesehen und hatte eigentlich auch nicht mit einem Überraschungsbesuch gerechnet, weswegen sein erster Gedanke, als er das Tardis-Geräusch hörte, trauriger Weise sofort beinhaltete, dass die Erde in unmittelbarer Gefahr war. Doch das war diesmal zur Abwechslung nicht der Fall.

„Ich wollte einfach nur mal wieder auftanken", erklärte der Doctor, der seine Tardis an ihren üblichen Platz über den Riss erscheinen hatte lassen, „Und dachte mir, ich besuche einen alten Freund."

Da der Doctor so etwas normalerweise nicht tat, kam es Jack gleich verdächtig vor. „So? Nun, ich werde mich nicht beschweren. Wie ist es dir so ergangen in der letzten Zeit? Aufregende Abenteuer gemeistert?", erwiderte er und musterte den dünnen Mann bei dieser Frage aufmerksam in der Hoffnung einen Hinweis darauf zu bekommen, was im Kopf des Doctors gerade vorging.

„Ach, nur das Übliche. Und Area 51 – das war ein Spaß. Und Wasserzombies auf dem Mars, was weniger lustig war. Und seit dem war ich viel unterwegs. Mal hier, mal dort. Jetzt wo sich mein Lied dem Ende zuneigt, und ich auf letzte Klopfen warte, bin ich ein wenig unruhig geworden", erklärte der Doctor leichthin, „Und irgendwie nostalgisch."

„Was den Besuch bei mir erklärt", vermutete Jack, „Was soll das heißen, dein Lied geht zu Ende? Und was hat es mit diesem Klopfen auf sich?"

Der Doctor zuckte die Schultern. „Wer weiß das schon. Kryptische Prophezeiungen sind nie leicht zu verstehen", tat er es ab, „Und was hat sich bei dir so getan?"

Jack dachte einen Moment lang nach. „Nun ja, da war die Sache mit dem uralten Außerirdischen im Marianen-Graben. Oh, und wusstest du, dass der ganze Elektrosmog in der Atmosphäre der Erde den Planeten eigentlich sogar vor einer Invasion durch Außerirdische schützt?"

„Da sieht man wieder einmal, dass Fortschritt doch etwas bringt", verkündete der Doctor.

„Ja." Sie schenkten einander ein wissendes Lächeln.

Warum ist er hier? Irgendwie nahm Jack ihm nicht ab, dass es einfache „nostalgische" Gründe waren.

„Jack, erinnerst du dich noch an das Konzept von fixierten Punkten im Lauf der Zeit?", wollte der Doctor dann von ihm wissen.

„Die könnte ich nicht mal vergessen, wenn ich es wollte. Zeitagententum 01. Es war nicht unbedingt leicht für mich den zweiten Weltkrieg einfach so zuzusehen. Warum fragst du?" Offenbar kamen sie den wahren Grund für die Anwesenheit des Time-Lords näher.

Der Doctor starrte in die Ferne. „Als letzter der Time-Lords, dachte ich, dass ich das ändern könnte. So einen fixierten Punkt ignorieren, die Zeitlinie nach meinen Wünschen verändern und auf diese Weise ein Leben retten zu können. Ich habe mich geirrt. Und ich hätte es gar nicht erst versuchen sollen, das weiß ich jetzt. Mit Donna in Pompeij war es anders. Wir konnten etwas ändern. Aber nur im Kleinen. Und ich dachte wirklich, dass es mir möglich ist das diesmal auch zu schaffen. Ich hätte es nie versuchen dürfen. Mein Lied mag bald enden, aber eines habe ich jetzt doch noch gelernt: Manche Dinge müssen passieren und ich sollte gar nicht erst in ihre Nähe geraten, weil es zu schmerzhaft wäre, daneben zu stehen und nichts tun zu können, aber jeder Versuch etwas zu tun potentiell eine Katastrophe heraufbeschwören könnte. Macht mich das zu einer schlechten Person, Jack? Dass ich mir den Schmerz ersparen möchte?"

Also möchte er Absolution. Deswegen ist er gekommen. Und er ist zu mir gekommen, weil Martha das niemals verstehen würde. Oder Sarah Jane. Oder Mickey. Aber ich, ich verstehe es. Ich weiß, wie es ist die harten Entscheidungen treffen zu müssen, und ich weiß, wie es ist, wenn das Raumzeitkontinuum den Punkt erreicht hat, an dem es sich weigert nachzugeben und nur noch brechen oder hart bleiben kann.

Jack legt seine Hand auf den Arm des Doctors. „Nein, das macht dich zu jemanden, den es immer noch kümmert, obwohl es tausend Gründe dafür gäbe, das alles einfach nicht mehr an sich heran zu lassen", befand er.

Zu seiner Überraschung beugte sich der Doctor zu ihm herüber und küsste ihn sanft auf die Lippen. „Danke, Jack. Und es tut mir so unendlich leid, dass du es alleine durchstehen musst. Ich muss jetzt gehen", sagte er noch und ließ den anderen Mann dann verwirrt stehen.

Was meint er damit denn schon wieder? Nun, immerhin handelte es sich um den Doctor. Es war normal nicht zu wissen, wovon er sprach, nicht wahr?

Jack sah dem Zeitreisenden kurz nachdenklich hinterher und beschloss dann, dass es an der Zeit war sich mit Ianto zu treffen. Sie mussten sich um diesen außerirdischen Hitchhiker kümmern.

Fünf Tage später wusste Jack dann, was der Doctor gemeint hatte. Und er konnte nicht fassen, dass er es trotz dieses Besuches nicht hatte kommen sehen.


10. Gwen Cooper

Mitten in der Nacht in fremde Wohnungen einzusteigen war eigentlich nicht Jacks Ding. Trotzdem tat er es alle paar Jahre immer wieder Mal.

„Jack? Bist du das? Weißt du, wie spät es ist?" Gwen blinzelte ihn an und schien immer noch halb zu schlafen. Rhys regelmäßiges Schnarchen erklang deutlich hörbar aus dem Schlafzimmer.

Jack hatte Gwen Cooper recht lange nicht mehr gesehen und bewunderte einen kurzen Moment lang ihren riesigen Babybauch, bevor es aus ihm herausbrach: „Ich habe ihn gesehen, Gwen. Ich habe Ianto gesehen."

Gwen erwiderte nichts. Aus offensichtlichen Gründen.

„Ich war im Haus der Toten in dessen letzter Nacht. Und Ianto war auch dort. Und für einen kurzen Moment, da war es so wie früher. Ich hatte ihn wieder, Gwen. Und sie haben mir angeboten… Und ich war bereit dazu. Für diesen einen Moment war ich bereit dazu, war ich schwach, aber Ianto … er war es nicht. Und zuerst war er so wütend, und dann hat er mich ausgetrickst und … Ich hab ihn verloren, schon wieder. Er hat sich geopfert, um uns alle zu retten", sprudelte es aus ihm heraus, während er schon wieder zu Weinen begann. Manchmal hatte er das Gefühl in den letzten sechs Monaten nichts anderes getan zu haben.

„Oh, Jack." Gwen umarmte ihn, was angesichts ihres Babybauches ein seltsam ungewohntes Gefühl war. „Ja, das ist unser Ianto", murmelte sie und Jack wusste nicht, ob sie ihm glaubte oder ob sie das einfach so sagte, um ihn zu beruhigen, während sie heimlich davon überzeugt war, dass er durch seine Trauer den Verstand verloren hatte. Eigentlich war es ihm auch egal.

Er schluchzte einige Zeit lang in ihren Armen und bemerkte darüber nicht einmal, dass Rhys Schnarchen verstummt war und Gwen ihm beruhigende Dinge zu murmelte.

Nachdem er sich ein wenig beruhigt hatte, sah er Gwen wieder an und für eine Sekunde sah er wieder die junge Polizisten vor sich, die sich in Basis einer geheimen Organisation namens Torchwood eingeschlichen hatte, um herauszufinden, was es damit auf sich hatte und dabei von der ersten Sekunde an durchschaut war.

Er beugte sich vor und berührte ihre Lippen für den Hauch eines Augenblicks. Dann wusste er, was er zu tun hatte.

Er musste gehen. Bevor er sie auch noch umbrachte. Sie und Rhys und ihr Baby. Und Martha. Und Alice.

Er musste gehen, weil es hier auf Erden nichts mehr für ihn gab, und weil er Gwen Cooper zu sehr liebte, um ihr auch noch beim Sterben zu zusehen. Vor langer langer Zeit, die objektiv gesehen nur ein paar Jahre her war, hatte sie ihn einmal geküsst, nachdem er etwas getan hatte, das sie bewundert hatte. Was er nun vorhatte, würde sie ihm hingegen übel nehmen, das wusste er.

Sie würde es vielleicht niemals verstehen, nie begreifen, dass er es für sie getan hatte. Dass er den Menschen, die ihm nahe standen, nur Unglück und Tod brachte. Selbst dem Doctor, wie es schien. Die paar Davongekommenen waren ohne ihn besser dran. Diese würden es natürlich anders sehen, aber missverstanden zu werden, war er inzwischen gewöhnt. Und der Einzige, den er so sehr geliebt hatte, dass er nicht bereit gewesen wäre ihn zu verlassen, war nun für immer fort.

Zeit weiterzuziehen.

The End.


A/N: Ein paar Bemerkungen zu der Zeitlinie der letzten beiden „Küsse":

Das Doctor-Kapitel findet für diesen vor „The End of Time" und für Jack direkt vor „Children of Earth: Day One" statt.

Das Gwen-Kapitel spielt direkt nach „The House of the Dead" und vor der letzten Szene von „Children of Earth: Day Five", in der Jack die Erde verlässt. Ich fand ja übrigens immer, dass Gwen in dieser Szene zu schwanger für die Tatsache, dass nur sechs Monate vergangen waren, aussah.

Ein kurzes Wort vielleicht noch zu „Torchwood: Miracle Day": Das war 10 Stunden Lebenszeitverschwendung der Extra-Klasse. Eine Folge lang hatte man das Gefühl „Torchwood" zu sehen (das war die einzige Folge, die mir gefallen hat), der Rest war ein sinnfreier Agentenlangweiler ohne Aliens, der Hinten und Vorn keinen Sinn ergibt. Eine weitere Staffel würde ich mir nicht antun anzusehen. „Children of Earth" habe ich wenigstens mit Leidenschaft gehasst, weil es gut angefangen hat und Potential gehabt hat und danach ziemlich scheiße wurde. Aber „Miracle Day" ärgert mich hauptsächlich deswegen, weil ich die Zeit, die ich investiert habe um es mir anzusehen, besser hätte verwenden können.

Reviews würden mich wie immer sehr freuen.