Und meine Cameo-Bücherwürmer möchten sich artig für den Zuspruch bedanken. Wer wissen will, wo die eigentlich herkommen, kann ja mal hier reinschauen, ich würde mich freuen:

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5. Kapitel

Summend machte ich mich auf den Rückweg von den Gewächshäusern zum Schloss. Da Hannah heute mit Susan einen klassischen Frauenabend veranstalten wollte, würde ich zum Abendessen im Schloss bleiben und mir danach noch eine nette Plauderrunde im Lehrerzimmer gönnen, ehe ich nach Hause apparierte. Ich war ja gespannt, was die zwei Damen schon wieder ausheckten. Jetzt, so kurz vor den Sommerferien, den Abschlussprüfungen, dem Ende meines ersten Arbeitsjahres als Lehrer und meiner Hochzeit, hatte ich mehr um die Ohren, als ich mir je vorgestellt hätte. Und Merlin, ich genoss es in vollen Zügen.

Nur die Sache mit der entfleuchten Teufelsschlinge lag mir noch ein bisschen im Magen. Trotz einiger Nachforschungen hatten wir nicht herausgefunden, wie der Ableger im See gelandet war. Die Theorien reichten von „während der Schlacht hat Pomona ihre alte Schlinge auf die Todesser gehetzt, da wird wohl ein Schlingenstück im See gelandet sein" bis zu Sabotage... letzten Endes wussten wir es nicht. Und mein Ableger? Der war nach einer Woche eingegangen. Die Hybride wuchs also nur in „freier Wildbahn". Trotzdem kam es nicht in Frage, den kleinen Ableger wieder in den See zu schmeißen...

Von einem kräuterkundlerischen Standpunkt aus gesehen war das sehr schade. Ich überlegte seither fieberhaft, wie man so eine Schlinge im Wassertank ziehen konnte... Gerade, als ich die Eingangshalle betrat, fasste ich den Entschluss, eine Eule zu Pomona zu schicken und meine alte Professorin um Rat zu fragen. Immerhin war sie eine Expertin für Schlingen!

Von den Kerkern her kamen Professor Snape und Hermione – in überraschender Eintracht. Hermione hatte einen Becher in der Hand, aus dem es ziemlich dampfte – ach ja, heute Nacht war ja wieder Vollmond. Lupins letzte Portion Wolfsbanntrank.

„Neville", begrüßte Hermione mich freudig, Professor Snape nickte mir zu.

Ich deutete mit dem Kinn auf den dampfenden Becher. „Ist das schon die Modifikation oder noch Belbys Version?"

Professor Snape sah Hermione schief an. „Du hast ihm nicht gesagt, was wir heute planen?"

Hermione schüttelte so heftig den Kopf, dass der Trank in ihrer Hand beinahe überschwappte. „Nein, ich wusste ja nicht, dass Neville jetzt noch hier ist. Ich dachte, er wäre in London."

„Also, Longbottom, heute starten wir den Versuch mit unserer Version des Wolfsbanntrankes. Lupin wird die ganze Nacht in einem abgesicherten Zimmer im Kerker eingesperrt sein, die Korridore davor sind mit Bannen belegt, falls der Trank nicht wirkt."

Ich nickte langsam. In die Heulende Hütte konnten sie Remus ja nicht sperren, denn die war kurz nach dem Krieg urplötzlich in sich zusammengefallen, und niemand hatte sich die Mühe gemacht, sie je wieder aufzubauen.

Dennoch... trotz aller Banne wäre es sicherlich angebracht, heute Nacht dafür zu sorgen, dass bloß kein Schüler sich außerhalb der Betten aufhielt.

„Dann ist es ja gut, dass ich sowieso noch eine Weile hier sein werde", sagte ich gelassen. Auf Hermiones fragenden Blick hin erklärte ich noch „Frauenabend im Kessel".

Gemeinsam machten wir uns auf den Weg zum Lehrerzimmer, wobei zumindest ich über die Absurdität dieser Personenkonstellation schmunzeln musste. Und über die Eintracht, die von uns ausging, als wir einem Grüppchen Schüler begegneten. Interessanterweise war es nicht Severus, der die Jugendlichen mit scharfer Stimme aufforderte, sofort in ihren Gemeinschaftsraum zu gehen und dort bis zum Morgen zu bleiben, sondern Hermione.

Im Lehrerzimmer trafen wir auf Remus, Minerva, Filius und Poppy, allesamt in verschiedenen Stadien der Nervosität. Hermione lächelte zuversichtlich in die Runde und stellte ihren Trank gut sichtbar mitten auf den Tisch. „Alle Tests, die wir ‚trocken' ausgeführt haben, haben tadellos funktioniert. Wir sind wirklich zuversichtlich, dass der Trank funktioniert, sonst würden wir das Risiko niemals eingehen – das wisst ihr doch."

Remus' Lippen zuckten in seinem Versuch, zu lächeln. Er griff nach dem Trank und setzte gerade dazu an, den Becher vom Tisch zu nehmen, als die Tür krachend aufflog und Tonks hereinbrach. Auf dem Weg stolperte sie, und Severus, der ihr am nächsten stand, fing sie geistesgegenwärtig auf.

„Dora, Dora, was ist?", wollte Remus wissen und packte seine Frau, der Tränen über die Wangen liefen, an den Armen.

„Es... es ist... ich finde Teddy nicht", rief Tonks mit sich überschlagender Stimme. „Seit heute Mittag hat er mich bearbeitet, dir zumindest noch ‚Gute Nacht' sagen zu können, ehe ich ihn zu meiner Mum bringe... aber er ist weg! Seit einer halben Stunde hab ich das Schloss durchsucht, und ich finde ihn einfach nicht! Niemand hat ihn gesehen, an seinen üblichen Plätzen ist er nicht..."

Remus nahm Tonks in die Arme und rieb ihr beruhigend über den Rücken. „Kann es sein, dass er sich irgendwohin verzogen hat, um zu schmollen? Du weißt doch, dass er sich besser hier auskennt als jeder Andere. Und Harry hat ihn im Verdacht, die Karte des Rumtreibers gemopst zu haben..."

Tonks schüttelte den Kopf und machte sich energisch von ihrem Mann los. „Nein, Remus, das ist es nicht... ich... ich hab ein total mieses Gefühl..."

„Lupin, dein Trank", erinnerte Severus den Werwolf ruhig. „Trink, bevor wir eine Sorge mehr haben!"

Geistesabwesend griff Remus nach dem Becher und leerte ihn in einem Zug, ohne mit der Wimper zu zucken. Geschmacklich schien er wirklich eine Verbesserung zu sein...

Aber das interessierte gerade überhaupt keinen.

Minerva war inzwischen an Tonks herangetreten und legte ihr einen Arm um die Schultern. „Dora, sag uns, wo du deinen Kleinen zuletzt gesehen hast."

Tonks atmete tief durch, scheinbar beruhigte es sie, dass Minerva ihre Sorge ernst nahm und bereit war, über das weitere Vorgehen nachzudenken. „Das war, bevor ich duschen gegangen bin. Er war bei uns in der Wohnung... und als ich aus der Dusche kam, war er weg!"

Unsere Chefin sah in die Runde und nickte energisch. „Dann machen wir uns auf die Suche. Severus, du und Hermione übernehmt die Kerker und alarmiert die Hauselfen. Neville, Sie und ich kümmern uns um die Stockwerke eins bis drei. Poppy und Filius übernehmen vier und fünf, Tonks und Remus... wie viel Zeit bleibt dir, Remus?"

Remus wurde aschgrau im Gesicht. Der Gedanke, die Suche nach seinem Kind abzubrechen, um sich einsperren zu lassen, behagte ihm gar nicht. Verständlich, wie ich fand.

„Ungefähr eine Stunde... plus/minus ein paar Minuten", sagte er schließlich. „Ich nehme mit Severus die Kerker, dann muss ich keine Viertelstunde abziehen, um dorthin zu kommen, sondern kann so lange suchen, wie... wie mir Zeit bleibt."

„Was ist mit deinen Sinnen? Kannst du deinen Sohn nicht aufspüren?", fragte Hermione mit gerunzelter Stirn.

Remus schnaubte und rieb sich die Stirn. „Nein. Seit ich euren Trank nehme, haben meine Sinne schlagartig an... Feinheit verloren. Ich... ich weiß nicht, warum..."

„Lupin, du Trottel, warum sagst du uns so was nicht!", fauchte Snape ihn an. Mit flatterndem Umhang drehte er sich um. „Mach dich wenigstens jetzt nützlich und hilf mir in den Kerkern!"


Eine Dreiviertelstunde später war ich nahe dran, zu verzweifeln. Ich hetzte auf die Eingangshalle zu, die wir als Treffpunkt ausgemacht hatten, sollte niemand Teddy finden. Da immer noch niemand einen Patronus mit Entwarnung geschickt hatte, machte ich mir inzwischen Sorgen. Ich war nie besonders gut in Wahrsagen gewesen, aber... nicht nur Tonks hatte inzwischen ein mieses Gefühl!

In der Eingangshalle begegneten mir Winky als Vertreterin der Hauselfen und ein aufgelöster Hagrid, aber ansonsten waren alle wohl noch unterwegs.

„Winky, Hagrid, wie sieht es aus?", fragte ich und nahm die letzten fünf Stufen mit einem Satz.

„Master Longbottom, Sir, wir konnten Master Teddy nirgendwo finden, keine Spur von ihm, Sir! Winky macht sich große Sorgen!", meinte die Hauselfe und schlackerte traurig mit den Ohren. Ich wusste, dass sie sich jetzt sehnlichst eine Flasche Butterbier wünschte, und hoffte, dass sie standhaft bleiben würde.

„Hagrid?"

„Teddy is nich auf den Ländereien, zumindest nirgends, wo ich ihn so auf die Schnelle gefunden hätt. Nich mal Fang konnt ihn aufspüren", berichtete Hagrid, und auch er machte auf mich den Eindruck, als hätte er gerne etwas Alkoholisches auf den Schrecken. „Ich hab Firenze in'n Wald geschickt, damit die da mal nach dem Kleinen gucken..."

Ich atmete tief durch und rieb mir über die Stirn.

Nein, das Ganze gefiel mir gar nicht.


Tonks weinte, als sie ihren Mann in den Kerker begleitete, und auch Remus sah nicht gut aus. In der letzten Viertelstunde hatte Minerva die Auroren alarmiert, dass in Hogwarts ein Kind verloren gegangen war.

Eigentlich hatte Tonks bei der weiteren Suche nach ihrem Kind helfen wollen, aber solange die Suchaktion sich noch in der Planungsphase befand, sollte sie abwarten und erst einmal ihrem Mann beistehen. Die Diskussion um die Sache war zwischen ihr und Severus ausgeführt worden und hatte keine halbe Minute gedauert. („Ich bin Aurorin!" – „Du bist hysterisch. Du hilfst weder deinem Kind noch deinem Mann, wenn du jetzt kopflos losrennst.")

Drei Auroren waren innerhalb weniger Minuten im Schloss angekommen, darunter Harry. Unter anderen Umständen hätte ich mich gefreut, meinen alten Schulkameraden wieder zu sehen, aber so, wie die Dinge standen...

Wir – das heißt, Minerva, Severus, Hermione, Harry, seine Kollegen, die sich als Crowford und Pantherfield vorgestellt hatten, und ich versammelten uns wieder im Lehrerzimmer zu einer Krisenkonferenz. Offenbar waren Pantherfield und Crowford speziell für solche Fälle ausgebildet, denn sie fragten ganz gezielt, wer Teddy wo und wann zuletzt gesehen hatte, was er anhatte und ob er schon mal ausgerückt war, während Harry vor dem Kamin herumtigerte und sich die Haare raufte.

So kamen wir innerhalb weniger Minuten darauf, dass Argus Filch der letzte Hogwartianer gewesen ist, der Teddy gesehen hatte. (Er hatte sich bei Minerva beschwert, dass der Junge Dreck hereintrug, als die auf dem Weg ins Lehrerzimmer war, um Remus noch viel Glück für die Nacht zu wünschen.)

Im Nu stand Argus im Lehrerzimmer, seine inzwischen uralte Katze auf dem Arm.

„Argus, Sie haben sich bei mir vorhin darüber beschwert, dass Teddy Lupin wieder mal die Korridore verschmutzt hat", setzte Minerva sofort an. „Wann haben Sie ihn zuletzt gesehen?"

„Das war so ungefähr vor zwei Stunden, Ma'am", antwortete der ewig schlecht gelaunte Hausmeister prompt. „Da war der Bursche mal wieder von oben bis unten dreckig, man hat ganz deutlich gesehen, dass der draußen irgendwo im Gebüsch..."

Wo haben Sie ihn gesehen?"

„In der Eingangshalle, Ma'am. Ich wollt ihm noch den Kopf waschen..."

„In welche Richtung ist er gegangen?"

„Jetzt lassen Sie mich doch mal ausreden, Ma'am! Ich wollt dem noch den Kopf waschen, weil er wieder mal so'n Erdferkel war, aber dann hat sich Professor Broom den schon geschnappt gehabt und ihn mit sich die Treppe hoch gezerrt..."

Schweigen senkte sich über uns. Entsetzt starrten wir uns an. Warum war uns nicht vorher aufgefallen, dass nicht nur Teddy weg war, sondern auch Broom?

Und wo war Broom?