Surprise, surprise! Beim Einteilen der Kapitel hab ich Mist gebaut, und daher gibt es insgesamt ein Kapitel mehr. Bitte um Verzeihung deswegen!
Für meine Mitbücherwürmer.
7. Kapitel
Der Raum der Wünsche lag in Schutt und Asche. Die große Fläche war zwar immer noch vorhanden, aber überall lagen losgebrochene, schwarz verfärbte Mauerstücke, dazwischen Aschehaufen. Crabbe hatte mit dem Dämonsfeuer offensichtlich ganze Arbeit geleistet.
Inmitten all des Gerölls standen zwei Gestalten – eine davon unverkennbar Teddy, die andere sein Entführer.
Es war tatsächlich Broom.
Oder wohl eher ein Schatten von Broom. Mir war bisher nicht aufgefallen, dass der Mann, der am Anfang des Schuljahres noch recht korpulent gewesen war, inzwischen eher einem Strich in der Landschaft ähnelte. Doch am auffälligsten an ihm waren wohl seine Augen, die in einem irren Glanz leuchteten.
Oder die Tatsache, dass er Teddy umklammert hielt und ihn mit dem Zauberstab bedrohte – zumindest, bis Remus durch die Tür brach.
„Stupor!" Der Fluch prallte an dem Werwolf ab, als wäre nichts gewesen.
„Incendio!"
„Petrificus Totalus!"
Alle Flüche prallten von Remus ab, nicht einmal sein Fell sträubte sich ... oder würde sich nicht sträuben, wenn es nicht von vorneherein schon zu Berge stehen würde. Broom schien auch zu merken, dass seine Zauber nichts brachten, denn seine Augen weiteten sich vor Entsetzen, als Remus in gebückter Haltung auf ihn zu pirschte. Eilig zerrte Broom Teddy vor sich, der schreckstarr in seinem Griff hing. Der Kleine sah im Moment aus wie eine Miniatur von Tonks, warum, konnte ich nicht sagen. Sogar das bonbonrosa Haar imitierte er.
„Bleib stehen, Wolf, wenn dir... du sollst stehen bleiben!"
Brooms Blick war so auf Remus fixiert, dass er uns nicht wirklich zu bemerken schien. Zugegeben, wir hielten uns gerade einigermaßen bedeckt.
Remus ließ sich von Brooms Drohung nicht aufhalten und pirschte weiter an ihn heran.
Entsetzt riss Broom die Augen auf und machte zwei Schritte rückwärts. Er hielt Teddy auf Armeslänge von sich und richtete die Hand mit dem Zauberstab auf den Werwolf. „Ava..."
„STUPOR!"
„EXPELLIARMUS!"
Der vierfache Stupor von Tonks, Hermione, Severus und mir riss Broom von den Füßen und fegte ihn quer durch den Raum. Da er Teddys Kragen nicht losließ, wurde der Junge mitgeschleift. Harrys Expelliarmus ließ Brooms Zauberstab ebenso durch die Luft fliegen.
„Teddy!", schrie Tonks und rannte quer durch den Raum; wir folgten ihr auf den Fersen.
Teddy schien wundersamerweise nichts weiter passiert zu sein. Er war wohl auf Broom gefallen – und keiner unserer Zauber hatte ihn erwischt. Jetzt rappelte er sich auf, wand sich aus Brooms schockstarrem Griff und trat seinem Entführer, als er wieder stand, kräftig ans Schienbein.
Dann hatte Tonks ihn in den Armen. „Teddy, Teddy, geht es dir gut?"
Der Junge vergrub das Gesicht in der Schulterbeuge seiner Mutter – und brach in Tränen aus. „Mum..."
Seine Mutter rieb ihm über den Rücken, flüsterte ihm irgendwas ins Ohr und ignorierte, dass ihr selber auch Tränen über die Wangen flossen. Dabei zog sie ihren Sohn einige Meter von Broom weg. Hermione begleitete sie, hielt sich aber zurück.
Da Teddy auf den ersten Blick in Ordnung schien, wandten Harry, Remus, Severus und ich unsere Aufmerksamkeit auf den gefällten Broom.
„Vier Schockzauber", murmelte ich und pfiff leise durch die Zähne. „Mein lieber Giftpilz..."
„Ein Glück, dass keiner von uns Teddy erwischt hat", meinte Harry und fuhr sich unruhig mit der zauberstablosen Hand durch die Haare.
„Ist ja nicht so, als hätten wir eine großartige Wahl gehabt, oder?"
„Nein. Aber trotzdem ist es ein Glück."
„Das allerdings."
Severus machte einen entschlossenen Schritt auf Broom zu. „Enervate."
Es dauerte eine Weile, bis Broom mit einem Stöhnen die Augen aufschlug. Er ächzte laut und erntete ein tiefes, drohendes Knurren von Remus.
Sofort setzte er sich auf, presste sich aber im gleichen Moment mit einem Jammerlaut eine Hand auf die Brust. Er war aschgrau im Gesicht.
Ich konnte mir ein kleines Grinsen nicht verkneifen.
Harry übernahm von nun an das Ruder. Er stellte sich ganz gelassen neben Remus und befragte Broom noch vor Ort. Der nervöse junge Mann aus dem Lehrerzimmer war verschwunden. Jetzt, da er sich keine Sorgen mehr um seinen Patensohn machen musste, trat der Harry hervor, den ich noch aus der DA kannte.
Und Broom sang. Wenn er stockte, brauchte es nur wahlweise ein drohendes Knurren von Remus (der zwar permanent leise knurrte, aber auch mal die Lautstärke in die Höhe schraubte, wenn Not am Mann war) oder einen finsteren Blick von Severus (ich hatte ihn in einer von Brooms verstockten Redepausen beiläufig gefragt, ob er immer noch so gut Legilimentik beherrschte).
Das Ende vom Lied war, dass Broom Werwölfe hasste und eine halbwegs panische Angst vor ihnen hatte, seit er als Erstklässler in einer Vollmondnacht ausgerückt und auf dem Schulgelände einem geifernden Ungeheuer begegnet war, das ihn auf den nächsten Baum gejagt hatte – der glücklicherweise nur einen Meter von Broom entfernt gewesen war, während der Wolf vom Verbotenen Wald aus angespurtet kam. Erst die vereinten Kräfte eines großen, schwarzen Hundes und eines nicht weniger großen Hirschs hatten den Wolf von der Jagd abbringen können. Broom war bis Sonnenaufgang mit vollen Hosen auf dem Baum hocken geblieben und hatte zu guter Letzt noch eine saftige Strafarbeit bekommen, als er auf dem Rückweg in seinen Gemeinschaftsraum von Slughorn erwischt worden war – dieser hatte sich weniger wegen des Ausbleibens bei Nacht echauffiert als wegen der vollen Hosen, auch wenn Broom die Strafarbeit hauptsächlich wegen Ersterem aufgedrückt bekommen hatte.
Von dieser Nacht an hasste er Wölfe. Seine Großtante Dolores Umbridge, der er die Geschichte erzählt hatte, bestärkte ihn darin nur. Doch das eigentliche Unglück begann, als er letzten Sommer in der Winkelgasse den Lupins begegnet war. Die Familie hatte bei Florean Fortescue gesessen, und weil es so voll war, hatte Tonks, um Teddy die Wartezeit zu verkürzen, alle möglichen Dinge mit ihrem Äußeren angestellt – von der Schweineschnauze bis zu hauselfenartigen Ohren. Und für ihren Mann hatte sie auch einmal ein blondhaariges, kurviges Modell gegeben.
Broom war von ihrer Darbietung begeistert gewesen.
Und ihr Mann hatte sie angeknurrt.
Daraufhin hatte Broom sich die wildesten Theorien zusammengesponnen, was eine Frau wie Tonks bei einem Wolf wie Remus verloren hatte, und war zu dem Schluss gekommen, dass sie nur bei ihm blieb, weil sie ein Kind mit ihm hatte. Und weil Mutterliebe eben Mutterliebe war. „Eine Frau, die noch alle ihre Sinne beieinander hat, wird doch niemals freiwillig mit einem Halbwesen zusammen sein! Dora wäre sicherlich schon lange mit mir auf und davon, wenn das Kind sie nicht an den Wolf binden würde!"
Dass die Lupins im Laufe des Jahres immer öfter gestritten hatten, war Broom nicht entgangen. Er hatte sich in seiner Theorie bestärkt gefunden.
Er hatte die jetzige Mondphase abgewartet und mit seinen Vorbereitungen angefangen. Den Raum der Wünsche konnte er mit seinem Fanatismus beeinflussen (Broom sah das freilich anders – er fühlte sich von Hogwarts unterstützt), Remus jagte er hinterrücks einen Fluch auf den Hals, der seine Sinne abstumpfte. Peinlich für den Lehrer für Verteidigung gegen die Dunkle Künste, dass er das nicht gemerkt hatte – und gut für Hermione und Severus, dass ihr Trank diese Nebenwirkung wohl doch nicht hatte. Die Wirkung des sinnbeeinflussenden Zaubers war allerdings bei Remus' Verwandlung im Nichts verpufft, was Broom nicht bedacht hatte.
Und schließlich hatte Broom Teddy entführt, mit der festen Absicht, ihn zu ... beseitigen, wie er es nannte. (Remus' Knurren wurde an dieser Stelle so laut, dass Harry ihm mit einem Silencio drohte.) Allerdings hatte Broom es nicht über sich gebracht, dem Kleinen etwas zu tun, denn er war Tonks ja so ähnlich. (Offenbar hatte der Junge das Aussehen seiner Mutter nicht ohne Grund nachgeahmt. Eine Glanzleistung für einen entführten Siebenjährigen!)
„Wenn es das Balg nicht gäbe, würde Dora sich nicht verpflichtet fühlen, bei diesem Halbwesen zu bleiben ... und dann wäre sie frei, mit mir neu anzufangen ... ich will ja gar nicht wissen, warum es überhaupt dazu kam, dass die arme Frau ein Kind von einem Wolf hat", schloss Broom schließlich mit irre leuchtenden Augen.
Ich schüttelte den Kopf, fassungslos darüber, wie liebestoll (war das überhaupt Liebe?) jemand sein konnte, wie verblendet ... wie wahnsinnig, um ein unschuldiges Kind töten zu wollen, für eine Beziehung, die niemals bestehen würde. Auch die Unterstellung, dass Remus Tonks ...
Fassungslos waren wir wohl alle, aber Remus fing sich am schnellsten wieder. In tief gebückter Haltung machte er einen Satz auf Broom zu, wie es aussah, um zu beenden, was er vor Jahrzehnten schon begonnen hatte.
Gemeinsam mit Severus und Harry riss auch ich den Zauberstab wieder hoch, um ...
„Daddy?"
Teddys Stimme klang hoch und piepsig. Mir wurde schlagartig bewusst, dass er seinen Vater zum allerersten Mal in Wolfsgestalt sah. Und dann ging Remus gleich jemandem an die Kehle!
Remus' Reaktion hätte nicht deutlicher sein können, als sein Sohn ihn mit so verschreckter Stimme ansprach. Der riesige Werwolf zuckte zusammen, drehte erst die Ohren zur Stimme seines Sohnes hin, dann wandte er langsam den Kopf. Das tiefe, kehlige Knurren war sofort verstummt.
Teddy löste sich aus dem Klammergriff seiner Mutter und stakste auf seinen Vater zu. Dieser legte abwartend und ein bisschen ungläubig dreinschauend (sofern man dem Wolfsgesicht irgendein Mienenspiel entnehmen konnte) den Kopf schief.
Etwas mutiger geworden marschierte der Junge auf den großen, graubraunen Wolf zu und legte den Kopf ebenfalls schräg. Wir hielten alle den Atem an, als Teddy die zitternde Hand ausstreckte und sie seinem Vater an den Hals legte. Ein paar Mal streichelte er über das zottelige Fell. Dann begutachtete er seine Finger und grinste dem großen Wolf ins Gesicht. „Dad, du haarst!"
Die Anspannung fiel von mir ab. Wenn Teddy schon wieder freche Sprüche klopfen konnte, musste es ihm ja einigermaßen gut gehen. Mit einem kleinen Lächeln beobachtete ich, wie Teddys Haare die Farbe von Remus' Fell annahmen.
Von da an ging alles ganz schnell. Hermione holte die zwei Auroren, welche die ganze Aufregung verpasst hatten. Pantherfield und Crowford zeigten sich verschämt deswegen, verschnürten Broom aber ordnungsgemäß und brachten ihn nach London ins Ministerium. Harry begleitete sie.
Tonks und Teddy wurden erst einmal von Poppy durchgecheckt – doch beide schienen die Aufregung ziemlich gut wegzustecken, Teddy auf jeden Fall besser als Tonks. Teddy verabschiedete sich noch von seinem Vater, der wieder im Kerker eingeschlossen wurde, wenn auch eher pro forma. Ein Werwolf hatte nun einmal nicht frei in einer Schule herumzulaufen, wenn er nicht gerade seinen Sohn retten musste.
Und Hermione, Minerva, Severus und ich verbrachten die halbe Nacht im Lehrerzimmer, besprachen abwechselnd Brooms Wahnsinn, die neue Version des Wolfsbanntrankes, die Lücke im Kollegium und die Herausforderung, die das noch bis zum Ende des Schuljahres an uns stellte. Minerva opferte nach einigen Stunden eine Flasche Single Malt, die noch aus der Pfarrgemeinde ihres Vaters stammte (so erfuhr ich einmal ein bisschen was über Minervas Herkunft ... auch sehr interessant!), und nachts um vier holte Hannah mich ab, um mich per Seit-an-Seit-Apparierens nach Hause zu bringen. Zu dem Zeitpunkt war ich sowohl mit Minerva als auch mit Severus per Du.
