Als sie schließlich das Grundstück erreichten erwartete Sergeant Wu die beiden Detectives bereits. Wenn er überrascht war, ausnahmsweise einmal Nick am Steuer des Dienstwagens zu sehen, so ließ er sich nichts anmerken, trat aber zur Fahrerseite, nachdem das Auto geparkt war.
„Morgen Wu", begrüßte der Grimm den Officer, während er ausstieg. „Was gibt's?"
„Nichts besonderes bisher", erklärte Wu und zückte seinen Notizblock. „Notruf heute morgen um 6.30 Uhr. Anrufer meldete, er sei Zeuge geworden, wie ein, sie nannte es Geheimnisraum, widerrechtlich geöffnet und die Sachen entwendet werden würden. Hier, auf diesem Grundstück. Wir sind hergefahren, waren zirka um 8 hier. Zeuge da, der mögliche Dieb … angeblich auch, aber wir haben bisher noch nichts gefunden, obwohl wir das Gelände jetzt schon zum dritten Mal abklappern. Wenn ihr zwei mich fragt, ist das ganze ein riesengroßes Nichts, das ich dem Captain nicht erklären möchte."
Nick schmunzelte und wechselte mit Hank einen Blick.
„Doppelte Verneinung", meinte der nur. „Wu, sieht aus, als müßtest du zum Captain, um ihm das hier zu erklären."
Nick sah sich aufmerksam um. Zwischen den Bäumen konnte er ein gutes Dutzend Uniformierte erkennen, die offensichtlich damit beschäftigt waren, das Grundstück zu durchkämen.
„Weiß man schon, wer der anonyme Anrufer war?" erkundigte Hank sich.
Wu zog einen Mundwinkel hoch. „Aye", sagte er schließlich, „und dann ratet mal, ihr zwei kennt die Anruferin."
„Eine Frau", wiederholte Nick.
Wu nickte wieder. „Hübsch, braune glatte Haare, große braune Augen", erklärte er.
Nick mußte zugeben, er hatte keine Ahnung, von wem der Uniformierte da redete. Irgendwie schien er gerade nicht gerade auf aufnahmebereit zu sein.
„Ihr Bruder wurde vor ein paar Wochen in seinem Tee- und Gewürzladen ermordert, nachdem er ein gutes Stück auf einem seiner Angreifer herausgebissen hatte."
Nick blieb stehen und starrte den Asiaten groß an. „Rosalee Calvert?" rief er aus.
Wu machte eine theatralische Geste. „Warum fragt ihr zwei eigentlich, wenn ihr die Antwort eh schon kennt?" erkundigte er sich und steckte seinen Notizblock wieder ein. „Ja, Rosalee Calvert", bestätigte er dann.
Nick und Hank wechselten einen langen Blick.
„Du gehst!" entschied der Afroamerikaner.
Hier also steckte Rosalee, ging es Nick auf. Warum sie nicht versucht hatte ihn zu erreichen erschloß sich ihm zwar nicht, aber er war erleichtert, daß es ihr wohl gut ging.
Himmel, er hätte sich nie verzeihen können, wenn Rosalee, wenn auch nur bedingt durch seine Schuld, etwas zustoßen würde. Er mochte die Fuchsbau viel zu sehr dafür.
„Wo ist sie?" fragte Nick.
Wu wies zwischen die Bäume, gegenüber den Uniformierten. „Sie ist von dort nicht wegzudenken", erklärte er. „Kaum zu verfehlen."
Nick sah zu Hank, als der nichts sagte, wandte er sich in die gewiesene Richtung und ging eiligen Schrittes los. Nur fünf Schritte später sah er Rosalees Gestalt zwischen den Bäumen auftauchen. Ein Stein fiel von seinem Herzen. Sie schien unverletzt und in einem Stück!
„Rosalee?" rief er ihr entgegen.
Die hübsche Fuchsbau drehte sich zu ihm um und lächelte. „Nick!"
„Wieso meldest du dich nicht bei mir? Ich war krank vor Sorge!" entgegnete der sofort.
Rosalee lächelte verschämt und zog ihr Handy aus der Tasche. „Das Akku ist leer", gab sie schließlich zu.
Nick seufzte erleichtert. Liebendgern hätte er die Fuchsbau in die Arme geschlossen und kameradschaftlich gedrückt. Statt dessen legte er ihr eine Hand auf die Schulter.
„Tut gut, dich lebendig zu sehen", gab er zu.
Rosalee lächelte. „Und es tut gut, daß du hergekommen bist statt all der Officer", sagte sie.
„Laß dir sowas nur nie wieder einfallen, hörst du?" Nick drohte ihr spielerisch mit dem Finger, so daß Rosalee zu lachen begann.
„Dafür habe ich deinen Fall gelöst", erklärte sie stolz.
Nick runzelte die Stirn und trat einen Schritt zurück. „Okay, ich höre?" sagte er.
Rosalee sah zu Wu und Hank hinüber. „Hat dein Partner das Handy mitgebracht, wie ich gebeten habe?"
„Das Handy?"
Die Fuchsbau nickte. „Das Handy, daß du konfisziert hast in der Pfandleihe. Du erinnerst dich?"
Nick nickte und machte eine anerkennende Geste. „Hat einer von euch das Handy dabei?" rief er über die Schulter, sah dann Rosalee fragend an. „Da passiert doch jetzt nichts … wesenartig verrücktes, oder?"
Die Fuchsbau schüttelte den Kopf. „Ist absolut menschenweltlich. Man mußte nur darauf kommen."
Nick hob die Brauen und wandte sich um, als er Schritte sich nähern hörte.
Hank kam heran, das eingetütete Smartphone, das er gestern in der Pfandleihe gefunden hatte, in der Hand. „Die Experten haben es noch nicht geknackt", meldete er.
„Wirklich nicht?" Nick ging auf, daß er sich wirklich nicht mehr um das Handy gekümmert hatte. Er war viel zu beschäftigt gewesen mit seinem Problem mit der Anzeige und dem größeren mit Monroe.
„Es ist achtstellig gelockt, richtig?" vermutete Rosalee grinsend.
Hank und Nick tauschten einen Blick, dann nickte ersterer. „Stimmt."
Rosalee streckte die Hand aus. „Darf ich?"
Ein weiterer Blick zwischen den Partnern, dann nickte dieses Mal Nick. „Bis auf den Lock ist das Handy freigegeben."
„Gut, und den Lock werden wir gleich haben", erklärte die Fuchsbau absolut überzeugt von ihrer Theorie.
„Hängt das jetzt mit dem verschwundenen Einbrecher zusammen?" fragte Hank.
Rosalee befreite das Handy aus dem Beweismittelbeutel und schaltete es ein. „Genau", antwortete sie. „Nick hatte mir gestern von den anderen Namen auf der Besitzer-Urkunde berichtet. Ich kenne jemanden im Grundbuchamt durch den Laden, also habe ich ihn angerufen und mir die Namen geben lassen."
„Mit welchem Ergebnis?" Nick rammte seine Hände tief in die Taschen seiner Jeans, während err Rosalee, die jetzt zu einem bestimmten Baum wanderte, folgte.
„Die Namen waren keine Fakes", antwortete die Fuchsbau. "Es sind alte Legenden."
„Wieso sprichst du mit einer ehemaligen Zeugin über unseren Fall?" wisperte Hank ihm zu, der ihnen ebenfalls folgte.
Nick warf seinem Partner einen Blick zu. „Sie ist Monroes Freundin", wisperte er zurück. „Sie ist diejenige, mit der ich mir die Krankenpflege teile."
Hank starrte auf den Rücken der Fuchsbau. „Und wer ist jetzt bei deinem komischen Freund?" fragte er schließlich.
Nick zuckte mit den Schultern. „Niemand", antwortete er, „darum wäre es auch gut, wenn wir hier so schnell wie möglich fertig würden."
„Werden wir, keine Bange", rief Rosalee über die Schulter zurück. Nick fühlte, wie ihm das Blut ins Gesicht stieg.
„Sie weiß zu wechseln", schmunzelte Hank amüsiert.
Rosalee blieb vor einem Baum stehen und drehte sich zu den beiden Polizisten um. „Wir sind da."
Nick konnte nicht verhindern, daß er überrascht die Brauen hob und sich suchend umsah. „Wo?" fragte er schließlich.
Rosalee sah zu Hank, doch auch der war verwirrt. Schließlich nickte sie und wandte sich um. „Hier!" Sie zeigte auf etwas zwischen den Wurzeln des Baumes.
Nick trat näher und stutzte. „Ist das … ?"
Zwischen den Wurzel des Baumes lag etwas, was wie ein alter Ast aussah – im ersten Moment. Erst beim zweiten Hinsehen erkannte der Grimm, daß das Holz bearbeitet worden war. Jemand hatte ein Gesicht mitten in den Ast geschnitzt.
„Ein Wurzelgnom", erklärte die Fuchsbau.
Wurzelgnom?
Nick drehte und wendete das fremdsprachige Wort in seinem Kopf, nach irgendeiner Art von Sinn suchend. Allerdings … er brauchte entweder Monroe oder den Trailer, mußte er zugeben. Oder, und das wirklich sehr dringend, einen Deutschkurs.
„Wurzelgnome sind Schutzsymbole", erklärte Rosalee den beiden ratlosen Polizisten. „Früher wurden sie verwendet, um Häuser und deren Bewohner zu schützen. In diesem Fall erfüllen die Gnome einen zweiten Zweck."
„Und welchen?" fragte Hank.
Rosalee beugte sich über den beschnitzten Ast und zeigte auf den offenen Mund. „Ein Zahn", erklärte sie. „Ich habe letzte Nacht insgesamt acht Wurzelgnome gefunden. Und jeder hat eine unterschiedliche Anzahl Zähne in seinem Mund, oder aber geschlossene Lippen."
„Und wie soll uns das weiterbringen, was das Handy angeht?" fragte Hank.
„Wir müssen die Zahlen in Einklang bringen", mutmaßte Nick. „Das war uns schon vorher klar." Er zuckte mit den Schultern.
Rosalee lächelte und stupste ihre eigene Nase an.
Nick begriff. „Du hast es rausgekriegt", sagte er.
Rosalee nickte. „Munter muß die Kombination irgendwo notiert haben. Als ich hier war und den Geheimnisraum suchte, tauchte eine Gestalt auf und öffnete den Raum."
„Der wo genau ist?" fragte Hank.
„Wir stehen darauf", antwortete Rosalee und stampfte einmal mit dem Fuß auf.
Wieder wechselten Nick und Hank einen Blick, senkten dann beide ihre Köpfe.
„Der Raum kann nicht sonderlich groß sein", fuhr Rosalee fort. „Ich war nicht unten, ich habe nur den Eingang wieder verschlossen und den Einbrecher auf diese Weise gefangen."
Nick blickte wieder auf, öffnete den Mund, doch … schließlich zuckte er nur mit den Schultern. „Gute Arbeit."
Rosalee lächelte wieder und tippte eine Nummer in das Handy. Schließlich bestätigte sie die Eingabe und hielt den beiden Detectives das Handy hin.
Auf dem Bildschirm erschien eine lange Liste von Gegenständen und Namen.
„Das ist ..."
„... die Inventarliste", Nick griff nach dem Handy und scrollte den Bildschirm hinunter, „Munter hat Buch darüber geführt, wer bei ihm was hinterlegte gegen Bargeld."
Rosalee nickte wieder. „Sein Fehler, daß er offensichtlich die gleiche Kombination für den Geheimraum verwendete", erklärte sie.
Nick schüttelte den Kopf.
So verdammt einfach! Warum war er nicht selbst darauf gekommen?
Weil er abgelenkt gewesen war durch die Anzeige und den kranken Monroe, beantwortete er seine Frage selbst im Geiste.
„Okay, und wo ist jetzt der Eingang zu diesem Geheimraum?" riß ihn Hanks Stimme aus seinen Gedanken.
„Kommt mit", forderte Rosalee die beiden wieder auf und wandte sich dieses Mal dem Flußufer zu.
„Hatten die Uniformierten gestern nicht alles abgesucht dort?" fragte Nick, der

das Handy wieder eintütete, während er dieses Mal Hank den Vortritt ließ.
„Der Eingang ist gut versteckt. Ich hatte ihn auch übersehen", antwortete Rosalee über die Schulter.
„Dann ist es ja gut", zuckte Hank mit den Schultern, „wenn sie ihn auch übersehen hat ..."
Nick konnte nicht anders, er schmunzelte.
Rosalee kletterte über einen Abhang hinunter auf die Uferlinie und wartete, bis die beiden Detectives ihr gefolgt waren, ehe sie an einen scheinbar abgebrochenen Baumstumpf hinüber, der aus dem Abhang ragte. Sie winkte Nick und Hank herbei und wies dann auf das Innere des Stumpfes.
„Bemerkst du es?" fragte sie Nick.
Der beugte sich dicht über den Stumpf.
Baumringe, das war das erste, was er dachte. Dann aber ging ihm auf, daß diese Baumringe keine Baumringe sein konnten. Die Wachstumsfugen waren zu gleichförmig. So sah kein Baumstamm von innen aus.
„Ein Schloß?" fragte er über die Schulter.
„Ein Kombinationsschloß", nickte Rosalee zufrieden. „Von innen nach außen muß es eingestellt werden."
Hank beugte sich nun ebenfalls über den Stumpf. „Da stehen aber keine Zahlen drauf", erklärte er.
Nick runzelte die Stirn und sah nun selbst noch einmal nach. Hank hatte recht.
"Aber die Ringe selbst entsprechen den Nummern. Der Stift ist der angebliche Ast hier." Rosalee wies auf einen abgestorbenen Ast.
„Raffiniert!" staunte Hank.
Nick runzelte die Stirn, nickte aber.
Da hatte sich jemand sehr viel Mühe gegeben, den Geheimnisraum zu verstecken.
Rosalee begann jetzt die Kombination einzustellen, die sie offensichtlich schon vorher bei dem Handy eingegeben hatte. „Das war vermutlich der Fehler, daß Munter zweimal die gleiche Zahlenfolge verwendete", erklärte sie dabei.
Nick gab Hank ein Zeichen, als er ein tiefes Grollen hinter sich hörte. Er zog seine Dienstwaffe und trat vor die sich langsam öffnende Tür im Abhang.
Ein niedriger, aber breiter Eingang öffnete sich zwischen weiteren Baumwurzeln.
„Oh Mann, willkommen in der Unterwelt!" Hank hatte an seiner Seite Aufstellung genommen, die Waffe ebenfalls im Anschlag.
Nick spannte die Kiefer an. „Da ist jemand drin, sagst du?" fragte er blind zu Rosalee zurück.
„Ja, ich habe sie eingesperrt dort drinnen", antwortete die Fuchsbau.
Nick atmete tief ein und holte seine Taschenlampe aus der Jackentasche. Er nickte Hank zu und übernahm die Führung in das Innere des unterirdischen Raumes.
Eines wurde schnell klar: warum die Uniformierten nichts gefunden hatten. Nick schätzte, Munter habe Eisbiber beschäftigt, um das hier zu graben, oder aber eine andere Wesenart, die er nicht kannte, sich aber offensichtlich gut mit Statik und Untergrundarbeiten auskannte. Der gesamte Raum, besser eine Anzahl an Räumen, war tatsächlich gegraben worden. Es gab kein Mauerwerk, keine, wie er vielleicht erwartet hatte, Metallverstärkung. Falls es in der Oberwelt überhaupt auffiel, dann würde man vermutlich eher an einen eingestürzten Fuchs- oder Kaninchenbau denken als daran, daß das hier eine Art Tresor war.
„Unglaublich!" staunte Hank knapp hinter ihm.
Nick nickte, leuchtete mit der Taschenlampe einen der vorderen Räume aus. Dabei fiel sein Blick auf die Glühbirne unter der Decke. „Wir müßten Strom haben", rief er über die Schulter zurück, eine Sekunde, ehe tatsächlich Licht aufflammte.
Nick mußte für einen Moment stehenbleiben, da das Licht ihn blendete.
„Wow!" hörte er Wu irgendwo hinter sich staunen. „Das nenn ich cool!"
Cool war genau das richtige Wort für all das hier, gestand Nick sich ein.
Der Raum, vor dem er stand, war bis zur Decke gefüllt mit beschrifteten Kisten. Nick nahm eine davon in die Hand und erkannte einen Namen, aufgeschrieben in krakeliger Handschrift: „Rosenberg"
„Sieht aus, als hätten wir die sogenannte Privatbank gefunden", meldete Hank von irgendwo anders her.
Und es würde eine Menge Arbeit erfordern, all das hier seinen Besitzern zurückzugeben, kam es Nick in den Sinn. Er konnte nur hoffen, daß Munters Handyliste vollständig war, ansonsten würden sie vermutlich bis Weihnachten beschäftigt sein damit, die eigentlichen Besitzer wiederzufinden.
Aus dem Augenwinkel sah er eine Bewegung und fuhr herum. Gerade noch rechtzeitig, um den Schlag mit der abgebrochenen Wurzel mit dem Arm abwehren zu können. Allerdings ließ Nick dabei seine Waffe fallen.
Stöhnend wich er zurück und sah nun das erste Mal seinen Angreifer: Helena Munter!
„Was … ?" Mit großen Augen wich er ihr aus, als sie ihn erneut angriff.
„Verdammter Grimm!" fauchte die Geheimniskauz und drosch erneut mit der Wurzel auf ihn ein.
Nick rollte sich über die Schulter ab, als ihm der Platz zum Ausweichen ausging und fand sich hinter dem Wesen wieder.
„Portland PD, legen Sie auf der Stelle die Waffe weg!" befahl er, eher reflexartig als tatsächlich ernst gemeint.
Munter fuhr zu ihm herum und knurrte tief. Erneut holte sie aus.
Nick ließ sich nach hinten fallen und zog die Beine an. Im nächsten Moment krachte die Wurzel auf den festgetretenen Boden des Geheimnislagers. Erdbrocken lösten sich aus der Decke und rieselten auf Nick herunter.
„Miss Munter!" ächzte er.
„Siebig!" zischte sie ihn an. „Ich heiße Claudia Siebig!"
Allmählich ergab das ganze einen Sinn für Nick.
„Helena Munter ist tot, richtig?" fragte er.
Siebig lachte kalt. „Dafür haben Sie aber lange gebraucht, Grimm! Ja, die dumme Kuh ist tot, so wie ihr Vater!"
Nick nickte und kroch rückwärts aus der Reichweite der Wurzel. „Und Sie dachten, Sie könnten sich einfach so das Geheimnislager unter den Nagel reißen, richtig?"
„Das hier ist meins! Ich habs mir verdient!"
Nick sah eine Bewegung hinter dem Wesen und rollte sich herum.
„Portland PD, lassen Sie die Waffe fallen!" befahl Hanks Stimme scharf hinter Siebig.
Die fuhr kreischend herum, die Wurzel hoch über ihren Kopf schwingend.
Nick sprang auf und stürzte sich auf sie, ehe Hank abdrücken konnte oder das Wesen am Ende noch seinen Partner angreifen konnte. Von seiner Wucht mitgerissen stürzten beide nach vorn. Siebig kreischte unzusammenhängendes und versuchte sich loszuwinden.
Nick ballte die Rechte zur Faust, kämpfte vielleicht eine halbe Sekunde mit sich selbst ehe er zuschlug.
Nie, niemals in seinem Leben hatte er eine Frau schlagen wollen. Und bisher hatte er sich daran gehalten. Bisher …
Siebigs Gesicht verwandelte sich in seinem Geist zu dem der blonden Adalind Schade, und Nicks Faust krachte gegen ihr Kinn. Bisher hatte er Schade auch nicht wieder in die Finger gekriegt. Aber eines Tages …
Siebig sackte zurück auf den Boden und ließ die Wurzel los.
Nick kam heftig atmend wieder auf die Beine und kickte die Wurzel außer Reichweite des Wesens. Er wischte sich übers Kinn, erst jetzt bemerkend, daß er blutete.
„Alles in Ordnung?" fragte Hank.
Nick nickte. „Und jetzt würde ich wirklich gern Rosalee zu Monroe bringen", sagte er und sah zu seinem Partner. „Kannst du den Rest übernehmen?"
Hank grinste und nickte. „Kümmer dich um deinen Kumpel, Kleiner. Hast du gut gemacht."
Nick konnte das nur hoffen …