Finding the Key
Kapitel 10
Intermezzo - Edward
Sie war weg. Egal, wie oft ich versuchte, mich davon zu überzeugen, dass dies das einzig Richtige gewesen war, konnte ich nichts gegen diese eine, unanfechtbare Tatsache tun.
Bella war weg. Sie würde nie mehr zurückkehren.
Ich dachte, ich hätte damit schon vor einem Jahr zu tun gehabt, als ich in den Schatten verborgen beobachtete, wie sie in ein Flugzeug nach Jacksonville stieg. Ich dachte, die Wege wären uns vorgegeben gewesen und ich würde schon über den Verlust hinwegkommen.
Nun wurde mir aber klar, dass ich den Gedanken nie aufgegeben hatte, dass sie doch irgendwie zurück zu mir finden würde, dass sie zurückkommen und wieder ein Teil meines Lebens sein wü der Schmerz jetzt, wo ich ein endloses Leben ohne ihr vor mir hatte, war mehr, als ich je gespürt hatte.
Ich war wie erstarrt, konnte mich nicht bewegen, konnte nicht sprechen. Weil wenn ich es täte ... Würde ich den ersten Schritt machen, das erste Wort sprechen, dann würde es anfangen. Die Hölle meines Lebens ohne Bella. Und ich war feig genug, um dies so weit wie möglich hinauszögern zu wollen.
"Hat er sich schon bewegt?"
"Nicht einmal ein Zucken, seit ich sie nach Hause gebracht und hierher zurückgekommen war. Nein."
"Und hast du versucht, mit ihm zu sprechen?"
"Emmett, auch wenn ich meine Stimme verloren hätte, hätte ich ihn schon vor Stunden gefragt. Er hört nicht zu. Nicht einmal meine Gedanken dringen zu ihm durch."
Natürlich drangen ihre Gedanken durch. Ich war erstarrt, nicht tot. Nun, nicht in diesem Sinne. Technisch gesehen war ich schon seit über neunzig Jahren tot. Und ich würde auch weitere neunzig Jahre tot sein und so weiter. Ich habe es schon vor mir gesehen, diesen endlosen Weg des "Lebens".
Fon dem Moment, in dem ich mir meine Liebe für das zerbrechliche, menschliche Mädchen eingestanden hatte, das ich gerade erst kennengelernt hatte, habe ich sehr wenige mögliche Pfade vor mir gesehen. Alle führten von ihr weg in Richtung eines Lebens, in dem ich sie beobachtete und sie aus der Ferne liebte. Aber keine dieser großartigen Absichten war eingetreten. Bella hatte mit ihrer dickköpfigen Entschlusskraft dafür gesorgt, ihre eigene Sicherheit hinten anzustellen.
Eine Entschlusskraft, die ich erst jetzt langsam verstand, um die Tiefen zu spüren, wie sehr sie ihren Kurs beibehalten würde, sobald sie ihre Entscheidung getroffen hatte.
Es war albern. Die Idee daran, dass es nichts mehr für uns gab, dass wir unsere Leben getrennt von einander weiterführen konnten, dass ich sie wegen so etwas Unwichtigem wie Sex verlieren könnte, war albern.
War es denn wirklich unwichtig? War es das?
Ich dachte zurück daran, wie sie sich in meinen Armen angefühlt hatte, als ich sie küsste, wie es sich angefühlt hatte, als sie sich an mich gedrückt hatte - der Schock der unerwarteten Lust, der durch meinen ungeübten Körper jagte. Das Gift hatte sich in meinem Mund gesammelt, ja, aber diese Antwort war zweitrangig gewesen. Zum ersten Mal in meiner endlosen Existenz hatte ich ein anderes Bedürfnis verspürt als den Durst. Einen anderen Sirenenruf außer das Brennen in meiner Kehle.
Die Lust auf ihren Körper hatte die Lust auf ihr Blut übertrumpft. Die Lust auf irgendjemandes Blut. Ich hatte vergessen, dass ich ein Vampir war. In dem Moment war ich genauso sterblich gewesen wie sie - mit den Bedürfnissen eines sterblichen Mannes nach der Frau in seinen Armen.
Ein Bedürfnis, das sie genauso stark verspürt hatte wie ich.
Ein Bedürfnis, das ich nie für sie befriedigen konnte. Nicht, ohne sie zu verdammen oder sie zu töten. Und keines von beiden war eine Option.
Was nur einen Verlauf zuließ, und nur diesen einen. Ein Leben ohne sie.
Fruchtlos. Leer. Endlos.
"Emmett, was tust du damit?"
Die Stimme meiner Mutter erreichte mich, als ich gegen die Trauer ankämpfte, und sie zog mich aus diesem Abgrund, der mich anstarrte, so wie ich in ihn hineinstarrte.
"Wenn er einen auf Statue macht", hörte ich Emmett rufen, viel näher, als ich ihn erwartet hätte, "dann können wir ihn genauso gut zur Deko verwenden."
Die schiere Absurdität dieses Satzes zwang mich zum Blinzeln, zwang meine Gedanken, sich zu konzentrieren.
Und ich merkte, dass ich zwar immer noch in meinem Zimmer stand, aber nun eine große Vase mit frischen Blumen in der Hand hielt.
"Was zur Hölle ist das?" Die Worte kamen heraus, bevor ich merkte, dass meine Starre sich endlich gelöst hatte.
"Schön, schön. Frankenstein ist doch am Leben", grinste Emmett. "So eine Schande. Ich dachte schon, du würdest dich toll im Wohnzimmer machen."
Vorsichtig, Esme und Alice mir den Kopf abreißen würden, wenn ich den Strauß ruiniert hätte, stellte ich die Vase ab und sah meinen Bruder böse an. Er erwiderte meinen Blick mit einem blasierten Gesichtsausdruck, den nur Emmett annehmen konnte.
"Also. Hast du vor, deinen Kopf nicht länger in den Sand zu stecken und ihr nachzufahren? Oder steuerst du auf eine Ewigkeit voll Angst zu, weil du ein starrköpfiger Idiot bist und es nicht begreifen kannst?"
"Emmett", knurrte ich warnend. Mein Körper begab sich automatisch in eine halb hockende Stellung. Er kopierte meine Bewegung.
"Mach schon, kleiner Bruder. Ich will mich ein wenig austoben, nach dem Schaden, den du vorhin angerichtet hast."
"Und was", brachte ich durch zusammengebissene Zähne hervor, "habe ich dir getan?"
"Mir persönlich? Gar nichts. Aber du hast Bella zum Weinen gebracht. Und ich weiß nicht, ob du es bemerkt hast, aber ich beschütze meine Familie, Edward. Niemand, nicht einmal du, bringt eine meiner Schwestern zum Weinen und kommt einfach so damit davon."
"Sie ist nicht deine Schwester, Em", sagte ich und erhob mich geschlagen aus meiner hockenden Position. "Sie ist fort."
"Nur wenn du dumm genug bist, ihr nicht nachzufahren", antwortete Emmett und schlug mir auf die Schulter, wodurch ich ein wenig taumelte. Er beobachtete mich einen Moment lang, dann seufzte er. "Was du nicht tun wirst, oder?"
Ich konnte nicht antworten. Mein Körper wollte wegen all dieser Schmerzen wieder erstarren. Emmett bekam natürlich nichts davon mit.
"Also, da du jetzt keine Statue mehr bist, erzählst du mir jetzt endlich, was zur Hölle passiert ist?"
"Nein."
"Habe ich mir auch nicht gedacht, aber es ist egal. Wir haben es sowieso alle gehört. Und darf ich der Erste sein, der dich einen kompletten Idioten nennt? Ehrlich, Gott, ich habe noch nie jemanden gesehen, der mehr darauf bedacht war, sein eigenes Glück zu vermasseln als du."
"Emmett", knurrte ich. Die einzige Warnung, die ich äußern konnte. Zorn kochte wieder in mir hoch wie geschmolzene Lava.
"Es ist wahr, Edward, und du weißt das auch. Genauso wie alle anderen, auch Bella. Ich dachte immer schon, sie war ein kluges kleines Ding. Ich meine, wirklich, Edward? Was ist schon groß dabei?"
"Was ist schon groß dabei?", wiederholte ich erstaunt. "Ich könnte sie umbringen. Gerade du solltest verstehen, wie es ist, wenn man die Kontrolle verliert. Um Himmels Willen, du und Rosalie, ihr habt schon ganze Häuser zerlegt. Was meinst du, würde passieren ..." Ich hielt inne. Ich konnte diesen Gedanken nicht einmal zu Ende denken. Verstörende Bilder tauchten in meinen Gedanken auf. Bellas Körper unter meinem, der sich vor Lust wand ... und dann still im Tode da lag. Eine einzige Bewegung. Eine Sekunde außer Kontrolle wäre alles, das dazu nötig war. Mit Sicherheit wäre es erträglicher, sie zu retten als sie zu verlieren.
"Dann verwandle sie, so wie sie gesagt hat. Dann müsstest du dir keine Gedanken darüber machen, sie umzubringen."
"Und sie zu dem hier zu verdammen? Ihr die Zukunft eines normalen, menschlichen Lebens wegzunehmen? Du hast Rosalie oft genug gehört, wie sie wegen ihrer Unzufriedenheit über unser Schicksal gejammert hat, um zu verstehen, dass das keine Option ist."
Emmett warf vor Frust einfach seine Hände hoch und ging zur Tür. Er blieb außerhalb meines Zimmers stehen und drehte sich zurück zu mir. "Weißt du, Edward, entweder das, oder du verlierst sie für immer. Vielleicht willst du noch darüber nachdenken."
Und dann war er weg und ich war wieder allein. So wie ich es wahrscheinlich für den Rest meiner Existenz sein würde.
Es sei denn ...
Ich hatte einige Zeit, eine zu lange Zeit, eingerollt auf der Couch verbracht und mir meinen Herzenskummer von der Seele geweint. Es hatte stundenlang gedauert, aber irgendwann produzierten meine Augen keine weiteren Tränen mehr.
Dann hatte ich mich aufgesetzt, mir die Wangen abgewischt und wieder zu leben begonnen. Mein Leben ohne ihn. Ohne Edward.
Irgendwann, so sagte ich mir, würde ich das sagen können, ohne dass die Trauer drohte, mich zu überwältigen und zu zerdrücken. Es könnte vielleicht eine Weile lang dauern, aber es würde passieren. Da war ich fest entschlossen.
Ich beschloss, langsam anzufangen. Wieder eine normale Routine zu erlangen. Also während Charlie draußen an seinem Streifenwagen herumschraubte, um dem Überfluss an weiblichen Emotionen zu entgehen, durchsuchte ich den Kühlschrank und das Gefrierfach, um ein Abendessen für uns zusammenzuwürfeln.
An diesem Abend aßen wir in relativer Stille. Charlie beobachtete mich die ganze Zeit über besorgt. Ich wusste, er wartete darauf, dass die Tränen zurückkehrten, aber ich wusste auch, dass er davor bewahrt blieb. Es waren keine Tränen mehr übrig.
Aber da gab es noch etwas, das ich tun musste, sagen musste.
"Dad", begann ich und schob meinen kaum berührten Teller von mir. "Ich will ... nein, ich muss ..." Ich trank einen Schluck Wasser und fuhr fort. "Es tut mir Leid. Wie ich letzten Frühling Forks verlassen hatte."
"Ist schon ..."
Ich unterbrach Charlie, indem ich meine Hand hob. "Nein, es ist nicht gut. Ich habe an diesem Abend schreckliche Dinge gesagt", ich machte eine Pause und sammelte meine Kräfte, "Dinge, die ich nicht so gemeint habe."
Charlie legte seine Gabel ab und sah mich quer über den Tisch an. Meine Worte in dieser Nacht lagen in der Stille zwischen uns. "Warum hast du es getan?"
"Das ist jetzt nicht mehr wichtig", murmelte ich jetzt, weil es stimmte. Edward und seine Familie hatten in dieser Nacht zu meinem Schutz und zu Charlies Schutz dafür gesorgt, dass ich Forks verließ. Jetzt würde es keine solchen Unterbrechungen oder Gründe mehr geben.
Ich kämpfte dagegen an, dass die Dunkelheit mich nicht überrannte, so wie vor kurzem in dem Dunst.
"Ich wollte nur, dass du weißt, dass es nicht wahr war, was ich gesagt habe. Ich habe gern hier bei dir gewohnt, Dad. Und ich war so froh, dass ich die Gelegenheit hatte, dich wieder kennenzulernen. Richtig kennenzulernen."
"Tja, das ... das ist lieb von dir, Bells", murmelte Charlie. Seine Wangen waren von dem Lob ein wenig gerötet, so verlegen war er.
Ich dachte, die Unterhaltung wäre hier zu Ende. Dass Charlie, der sich mit langen Unterhaltungen, vor allem, wenn es um Gefühle ging, sich rasch ins Wohnzimmer zurückziehen und sich irgendein Spiel ansehen würde. Ich lag falsch.
Er lehnte sich stattdessen in seinem Stuhl zurück und warf mir einen Blick zu. Einen Moment lang sah ich den Cop hinter den Augen meines Vaters. "Warum bist du gegangen, Bella? Was ist passiert?"
Ich sah zu ihm hoch. Die Worte formten sich in meinen Gedanken, suchten schon den Weg zu meinen Lippen, und einen Bruchteil einer Sekunde lang überlegte ich, Charlie wirklich zu erzählen, dass ich wegen eines sadistischen Vampirs gegangen war, der mir nachgejagt war. Aber Charlie, so hatte er sich selbst eingestanden, wusste nicht genau, was die Cullens waren, und ich würde diese Tür sicher nicht führ ihn öffnen. Obwohl meine Verbindung zu ihnen nun abgeschnitten war, bewahrte ich ihr Geheimnis. Charlies Vermutungen waren das Eine, sie zu bestätigen war eine andere Sache.
Aber ich konnte ihn auch nicht anlügen. Also blieb ich so dicht an der Wahrheit wie möglich.
Ich stotterte ein wenig, als ich ihm die Geschichte erzählte, dass ein Bekannter der Cullens angekommen war, als sie Baseball spielten, und er sich sofort für mich interessierte. Sich sehr gefährlich für mich interessierte. Ich erzählte ihm, dass die Cullens um mich Angst hatten, weil sie wussten, wozu dieser Mann fähig war. Sie wollten mich weit weg wissen. Wir beschlossen, mich ohne weitere Verzögerung zur Sicherheit aller aus Forks hinauszubringen. Ich beobachtete Charlies Gesicht, als ich mich durch die Geschichte kämpfte, und ich konnte sehen, wie er sich durch die Details grub und er alles Verdächtige filterte. Und ich konnte etwas sehen ... keine Erleichterung, nicht direkt, aber Zufriedenheit. Das Rätsel war gelöst, die Fragen beantwortet.
Mein Dad und ich waren uns da ziemlich ähnlich. Keinem von uns gefielen unbeantwortete Fragen.
"Und jetzt, wo du dich wieder an alles erinnerst ...", sagte er und verlor den Faden.
"Ja, es ist alles wieder da. Jeder Tag meiner vier Monate hier", sagte ich. Die schmerzhafte Trauer wegen allem, das ich gewonnen und verloren hatte, versuchte wieder, mir über den Rücken zu kriechen. Ich dachte in diesem Moment, dass mein Traum-Ich Recht gehabt hatte. Ich erinnerte mich an alles – und diese Erinnerungen hatten mir nichts gebracht außer Schmerzen.
"Und die Cullens ..." Dieses Mal war sein ausweichender Kommentar eher eine Frage.
Ich schüttelte den Kopf. "Dieser Teil meines Lebens ist jetzt vorbei", antwortete ich. Ich war erstaunt, dass ich die Worte herausbrachte, ohne dass der Schmerz mich durchzuckte.
Charlies Brauen zogen sich zusammen. "Ich verstehe nicht. Schließlich, nach allem ... das macht keinen Sinn, Bells."
"Es ist wahr", sagte ich leise und atmete tief ein, "Edward ... wollte mich nicht genug, damit ich bei ihm blieb. Bei seiner Familie." Die verräterischen Tränen sammelten sich in meinen Augen und ich wusste, ich musste bald flüchten oder es riskieren, dass ich Charlie einer weiteren Runde weiblicher Emotionen aussetzen musste, die gerade Amok liefen. "Dad. Ich kann nicht ... ich kann noch nicht darüber reden."
Charlie spürte wahrscheinlich den herannahenden Sturm, der an den beiden nassen Spuren mein Gesicht hinab ersichtlich war, und nickte nur. Er stand vom Tisch auf und ging zu mir herum. Seine Hand fiel auf meine Schulter und drückte sie leicht. "Das glaube ich nicht, Bells. Was auch immer er ist, er ist in dich verliebt. Es mag zwar eine Weile her sein, aber ich kenne diesen Blick noch gut genug."
Ohne ein weiteres Wort verließ Charlie die Küche. Ein paar Sekunden später hörte ich, dass sich die Vordertür öffnete und Charlie rief mir zu, dass er nach LaPush fahren wollte, um sich das Spiel mit Harry und Billy anzusehen. Die Namen klangen vertraut in meinen wiedererlangten Erinnerungen, die besten Freunde meines Dads aus dem nahegelegenen Reservat, aber ich dachte nicht zu viel darüber nach. Ich hatte nicht genug Platz in meinem Kopf für meine eigenen Probleme, geschweige denn für die Probleme des sozialen Umfeldes meines Vaters.
Langsam ging ich hoch in mein Zimmer. Meine Beine fühlten sich an wie Blei und zitterten, bis ich oben ankam. Ich ließ mich auf das Bett fallen und wartete darauf, dass die Trauer mich wieder überwältigte. Aber diesmal gab es keine Tränen, ich zog einfach mein Kissen nah an meinen Körper und hielt mich daran fest.
"Er hat Recht, weißt du."
Das Kissen flog aus meinen Armen und quer durch das Zimmer, während ich geschockt herumwirbelte. Mein Mund klappte auf und mein Herz begann, tödlich schnell zu schlagen.
Edward stand an meinem Fenster.
So wie im Wald, als ich vor ihm davongelaufen war, schrie jeder Instinkt in meinem Körper danach, zu ihm zu gehen, ihn festzuhalten und nie mehr loszulassen. Ich konnte aber nicht. Er war da, aber das änderte nichts. Ich musste meine Hände in meine Decke graben, damit ich nicht zitterte, damit ich mich nicht bewegte.
Es verlangte alles von mir ab, die Worte auszusprechen, die ich sagen musste. "Geh weg, Edward."
"Es tut mir Leid, Bella, das kann ich nicht."
Seine simple Verneinung erschütterte mich bis ins Mark. Er musste gehen, verstand er das denn nicht? Konnte er nicht sagen, dass ich es kaum mehr verkraftete?
"Du musst. Du musst", sagte ich. Meine Stimme wurde mit jedem Wort höher und brach am Ende beinahe.
"Ich kann nicht. Ich sagte mir selbst, dass ich es könnte, dass die Zukunft, die sich vor mir erstreckte, die richtige war, obwohl es ein dunkler, fruchtloser Ort war. Aber das kann ich nicht, Bella. Ich habe versucht, ohne dich zu leben, ich wusste sogar, dass du sicher und relativ glücklich warst, aber ich fand keinen Trost darin. Der Schmerz, dich zu vermissen, war zu groß. Und nun, wo du zurückgekehrt bist, wo ich dich wieder in meinen Armen gespürt hatte, ist es mir vollkommen unmöglich, dich einfach so wieder gehen zu lassen."
Ich wandte meine ganze Kraft auf, um mich gegen seine hypnotischen Worte zu stählen, ich ging sogar so weit, dass ich meine Hände so fest zu Fäusten ballte, dass meine Fingernägel Abdrücke auf meinen Handflächen hinterließen. "Das war eine sehr hübsche Rede, Edward, aber das ändert nichts daran. Ich weiß, dass du mich liebst, so wie ich dich liebe und dich immer lieben werde. Aber wenn du deine Meinung nicht ge..."
Ich brach ab und starrte ihn ungläubig an. "Hast du deine Meinung geändert?"
"Nicht direkt", sagte er leise und meine Wut stieg wieder hoch, rasch und intensiv. Wie konnte er es wagen, hierher zu kommen und den winzigen Fortschritt, den ich machen konnte, sofort wieder wegzuwischen? Zornige Tränen bildeten sich in meinen Augen und drohten, mir über die Wangen zu laufen.
"Dann muss ich mich wiederholen, verschwinde, Edward. Ich habe das, was ich vorhin gesagt habe, auch so gemeint. Es gibt keinen Weg, damit das funktioniert, es sei denn, wir können zusammen sein, richtig zusammen."
Er schüttelte den Kopf und das machte mich nur noch wütender. Ich spürte, wie meine Hände zu zittern begannen und sich genug Tränen gesammelt hatten, damit ich nichts mehr sah. Sie flossen über und tropften meine Wangen hinab.
"Weißt du, warum ich meine Erinnerungen verloren hatte, Edward?" Ich hab ihm keine Gelegenheit zum Antworten. Ich fuhr einfach fort, ohne überhaupt Luft zu holen. "Ich hatte heute viel Zeit, darüber nachzudenken, während ich wünschte, meine Erinnerungen wären nie zurückgekehrt. Ich glaube, ich wusste tief in meinem Inneren, dass es einmal so weit kommen würde. Dass du mich nicht ewig bei dir haben willst. Das war der Schmerz, gegen den ich mich selbst schützen wollte. Dieser Schmerz. Dieser ..."
Der Moment verrauchte, und mit ihm meine Wut. Es war, als hätte mich das alles entleert, sodass nichts zurückblieb außer einer leeren Hülle. Ich fiel auf das Bett, legte den Kopf in meine Hände und fand noch für zwei weitere Worte meine Kraft.
"Bitte geh."
Er ging aber nicht. Er kam nur näher. Näher. Näher. Ich konnte seinen kalten Atem auf meinem Gesicht fühlen, konnte seine körperliche Anwesenheit vor mir spüren. "Bella, bitte sieh mich an."
Ich konnte nicht. Ich wusste, wenn ich meine Hände von meinem Gesicht zog, wenn ich in seine dunklen Augen sah, würde ich mich für immer in ihnen verlieren. Ich würde ihm alles geben, nur um weiter bei ihm sein zu können. Kindisch schüttelte ich den Kopf.
"Schön. Wenn du mich nicht ansiehst, wirst du mir dann wenigstens zuhören?"
Ich überlegte einen Moment lang. Es war riskant, ihn sprechen zu lassen, seinen kühlen, verführerischen Atem über mich hauchen zu lassen und all meine Gegenwehr wegwischen zu lassen. Ich wollte verzweifelt meinen Kopf schütteln, mein "Nein", laut und deutlich aussprechen, ohne Zögern in der Stimme. Aber wie immer hielt mich seine Stimme in ihrem Bann gefangen und ich konnte nur nicken.
"Ich dachte, es würde so werden, wie es war, Bella, so wie vor einem Jahr, bevor du zu deiner Mutter nach Jacksonville gezogen bist. Ich dachte, meine Überzeugung, das Richtige zu tun, würde mich nun genauso stärken wie damals. Ich lag falsch. Ich muss ein wenig Hoffnung bewahrt haben, dass du in irgendeiner Form zu mir zurückkehrst, weil der Abgrund, der sich heute vor mir auftat, war voller Schmerzen, wie ich sie noch nie zuvor gespürt hatte.
Seine Hände ergriffen meine, um sie mir vom Gesicht zu ziehen, und er musste nicht viel Kraft aufwenden, um das zu tun. Was er gerade gesagt hatte, hatte dafür gesorgt, dass meine Knochen weich wie Butter wurden. "Ich dachte einmal, ich könnte stark genug werden, um davon zu gehen, sollte dies das Beste sein. Aber ich weiß, dass ich das nicht kann. Ich kann nicht, Bella. Aber vielleicht", seine Stimme wurde zu einem Flüstern, "vielleicht bin ich für das hier stark genug."
Dann lagen seine Lippen auf meinen. Bevor ich zwinkern konnte, bevor ich versuchen konnte, mich zu bewegen. Und dann wollte ich mich gar nicht mehr bewegen. Ich wollte einfach mehr. So wie es auf seinem Sofa gewesen war, war dieser Kuss neu, anders, viel intensiver als alles, das er mir je gegeben hatte.
Langsam und ohne seine Lippen von meinen zu nehmen, erhob Edward sich ein wenig und legte mich nach hinten, drückte mich in die Matratze und bedeckte mich mit seinem steinernen Körper. Ich wimmerte in seinen Mund, aber als er versuchte, sich wegzubewegen, verschränkte ich meine Arme in seinem Nacken. "Nein", keuchte ich, "das war ein gutes Geräusch. Ich mag es, wie sich das anfühlt."
"Ich auch, Bella. Sehr. Viel zu sehr."
Ich sah in seine Augen, während in meinen eigenen Besorgnis lag. Hatte ich wirklich so einfach nachgegeben? Aber natürlich. Wann konnte ich je klar denken, wenn er in meiner Nähe war, und erst recht, wenn er mich küsste? Meine Gedanken mussten mir deutlich ins Gesicht geschrieben gewesen sein, weil er beugte den Kopf einmal nach unten und küsste die nachdenkliche Falte zwischen meinen Augenbrauen.
"Ich gebe zu, ich habe Angst, Bella. Schreckliche Angst. Ich will dir nicht weh tun, das wollte ich nie. Und zugleich kann ich nicht wissentlich zurücksteigen und zulassen, dass du mich verlässt. Es wird eine Weile dauern, bis ich alles verarbeitet habe ... dass ich dir so nahe sein kann. Ich muss meine Kontrolle aufbauen. Das habe ich damit gemeint, als ich sagte, dass ich meine Meinung nicht direkt geändert habe. Kannst du mir diese Zeit geben, damit ich mich daran gewöhnen kann, dir auf diese Weise so nah zu sein?"
Mein Blick suchte seinen und ich war zuerst geschockt, dass das Bild verschwommen war. Dann zwinkerte ich. Die Tränen liefen meine Wangen herab und sein Gesicht wurde wieder klar. "Oh, Edward", seufzte ich. Ich hob eine Hand und vergrub sie in seinem Haar. "Solange ich weiß, dass es möglich ist, ja, ich kann warten." Ich errötete und musste mich auf seine Stirn konzentrieren, damit ich weitersprechen konnte. "Wir können es langsam angehen, andere ... andere Dinge versuchen, uns hinarbeiten, weißt du?"
Er gluckste dann, aber in seinen Augen lag kein Gelächter. Sie waren dunkel, als er diese Idee gedanklich durchdachte. Er bewegte sich über mir und ich musste nach Luft schnappen, als ich spürte, wie etwas Hartes sich an meinen Oberschenkel drückte. Diesmal war kein Schock dabei, kein Unbehagen, es kehrte bloß die selbe sich ausbreitende Hitze zurück, die ich schon in seinem Zimmer verspürt hatte.
Diesmal lag auch keine Stille in Edward. Stattdessen bewegte er sich ein wenig, zuckte testend mit seinen Hüften und stieß direkt an mein Zentrum. Ich zuckte beinah vom Bett hoch, als mit dieser einen Berührung die Hitze in ein Feuer hochloderte.
"Edward!" Ich keuchte seinen Namen und er warf mir einen besorgten Blick zu. Ich versuchte zu lächeln, aber ich war beinah zu weit weg, um diese kleine Geste zustande zu bringen. "Gut. Fühlt sich. So gut an." Instinktiv hob ich meine Hüften, um seine Bewegung zu erwidern. Ich versuchte, meine Worte mit meinen Taten zu unterstreichen.
Ich musste erfolgreich gewesen sein, denn diesmal stöhnten wir gleichzeitig auf vor Lust.
Edwards Hände waren überall. Ich hatte kaum Zeit, um die kalte Berührung seiner Finger an meinem Bauch, meinen Brüsten und meinen Beinen zu registrieren, bevor er wieder weitermachte. Ich hörte ein sanftes Stöhnen, beinah frustriert, bevor das Geräusch von zerreißendem Stoff die Stille meines Zimmers erfüllte. Die plötzlich kühle Luft fühlte sich gut auf meiner erhitzten Haut an und wurde dann durch etwas noch Kälteres und Pralleres ersetzt.
Der rationale Teil meines Gehirns, der sehr kleine Teil, der trotz der Berührungen und Küsse noch klar denken konnte, wusste, dass dies jeden Moment enden würde. Wusste es und machte sich bereit. Der Rest erlag einfach den Gefühlen.
Dann wurde Edward über mir still wie eine Statue. Ich schaffte es, meine Augen zu öffnen, in seine dunklen Pupillen zu sehen und das Wunder und die Unsicherheit in seinem Gesicht zu erkennen. "Wa..." Ich musste aufhören und von vorne anfangen, nachdem ich meine Stimme wieder erlangt hatte. "Was stimmt denn nicht?"
"Gar nichts", sagte er und zum ersten Mal war seine Stimme weder samtig, noch melodisch. Sie war rau, heiser und von der Lust durchzogen, die ich in seinen Augen sah. "Ich sollte aufhören, Bella. Ich sollte ... aber ich weiß nicht, ob ich das kann." Seine letzten Worte waren halb erstickt, da er sich mit seinen Lippen wieder meinen Hals und meine Schulter entlang küsste. "Ich weiß, ich will nicht", fügte er in einem knurrenden Flüstern hinzu.
"Dann hör nicht auf", schaffte ich durch mein Keuchen hindurch. Meine Arme legten sich um seinen Hals und ich versuchte, ihn bei mir zu behalten.
"Versprich mir", sagte er schließlich. Seine Lippen zogen die Spur eines kalten Feuers über mein Schlüsselbein, dann entlang meines Brustbeins. Ich fühlte mich, als würde mein Herz von dem brennenden Bedürfnis in mir gleich zu schlagen aufhören. "Versprich mir", wiederholte er, "wenn ich dir auf irgendeine Weise weh tue, dass du mich sofort aufhältst."
"Versproch..." Ich konnte nicht einmal das Wort zu Ende sprechen, weil Edward in dieser Sekunde seinen Kopf beugte und mit seinem kalten Mund meine Brust berührte. Ich spürte, wie seine eisige Zunge über meinen bereits gehärteten Nippel strich. Ich musste mich bemühen, den Schrei der Lust zu unterdrücken, der mir entkommen wollte, aus Angst, er würde es falsch auffassen und aufhören. Ich wollte nicht, dass er jemals aufhörte. Ich wollte das spüren, wollte das mit ihm spüren, bis in die Ewigkeit.
Edward dachte über dieses Thema anscheinend ähnlich, weil er sich eine Unmenge Zeit ließ, bevor er sich mit seiner talentierten Zunge meiner linken Brust zuwandte und mich wieder der selben Tortur aussetzte. Ich war nicht mehr fähig zu sprechen, meine einzigen Äußerungen waren keuchende Atemzüge, tiefes Stöhnen und leises Wimmern, als ich unter ihm zuckte.
"Du bist so schön, Bella."
Im Zimmer war ein leises Wimmern zu hören, als sein Mund sich wieder langsam meine Brust hinaufküsste und mein Schlüsselbein entlang. Er verteilte die Küsse mit seinem offenen Mund auf jedem Zentimeter Haut, den er erreichen konnte. Ich merkte erst, als das Geräusch wieder ertönte, dass ich so wimmerte. Jedes Mal, wenn seine Lippen meine Haut verließen, dachte ich mit Sicherheit, dass es das jetzt gewesen wäre. Dass unser Experiment jetzt zu Ende war. Ich erinnerte mich daran, dass ich dem zugestimmt hatte und dass das Ziehen in meinem Bauch sicher vergehen würde ...
Und dann erübrigten sich meine Gedanken. Edward ging nicht, er bewegte sich nicht von mir weg. Stattdessen sah er mir in die Augen, benutzte seine Hand und strich mir mit der Spitze seiner Erektion über mein Zentrum. Ein Lauffeuer breitete sich wieder in mir aus, es setzte sämtliche Nervenenden in Bewegung und mein Herz raste mit einer unglaublichen Geschwindigkeit.
Ich schaffte es nur, ein Wort auszusprechen. "Bitte."
Ich würde nie erfahren, ob es an meinen Worten lag, an meinen Hüften, die sich ihm entgegen hoben, oder an seiner eigenen Lust, die er sich viel zu lang verwehrt hatte, aber Edward gab nach. Mit einer Bewegung, mit seinem verwunderten Blick, der meinen immer noch gefangen hielt, überbrückte er die letzte Distanz zwischen uns und drang tief in mich vor.
Man hatte mir von Schmerz erzählt, oder zumindest hatte ich die anderen davon reden gehört. Aber da war nichts. Kein Schmerz, kein Unbehagen. Alles, das ich spürte, war er. Alles, das ich wusste, war, dass sein Körper nun bei mir war. Alles, das ich erfassen konnte, war dieses Gefühl der totalen Vollkommenheit. Ich dachte nicht, dass es je einen Moment geben könnte, der noch perfekter war als dieser.
Dann begann sein Körper, sich zu bewegen, und er zeigte mir, dass ich falsch gelegen hatte.
Ich gab wieder Geräusche von mir, stöhnte in Edwards Mund, wenn er mich küsste. Mein leises Wimmern erfüllte den Raum, wenn seine Lippen an einer anderen Stelle auf meinem Gesicht oder Hals lagen. Anscheinend hatte er den Ursprung meiner Geräusche erkannt und versteifte sich nicht. Er fragte nur einmal nach und wollte völlig sicher gehen, dass er mir nicht weh tat. Da ich nicht sprechen konnte, konnte ich ihm bloß in seine dunklen Augen sehen und versuchen, ihm mit meinem Blick all das zu sagen, was ich empfand. Es musste funktioniert haben, weil er sein Tempo erhöhte. Er bewegte seine Hüften härter und drang tiefer vor als zuvor.
Ich handelte nach Instinkt, hob meine Beine und schlang sie fest um seine Hüften. Ich hielt ihn dicht an mich gedrückt und war nicht bereit, ihn je wieder loszulassen. Als ich das tat, änderte sich etwas an der Lust, die durch meinen Körper jagte, die Hitze wurde zu einer Anspannung, die sich tief in meinem Bauch zu einem Ball formte. Nun war etwas Dringliches dabei, ein heftiges Bedürfnis nach ... irgend etwas. Etwas, das ich nicht verstand. Etwas, das ich wollte, etwas, das ich nur mit Edwards Hilfe finden konnte.
"Bitte", stöhnte ich an seiner Schulter. Ich wusste nicht einmal, wonach ich fragte. Er verstand aber anscheinend, denn er bewegte sich noch heftiger als zuvor, stieß mit seinen Hüften hart an meine. Seine Lippen legten sich fester über meine und küssten mir jeden Atemzug aus meinem Körper.
Bevor ich die Anspannung in mir wirklich verstehen konnte, brach hinter meinen geschlossenen Lidern plötzlich ein Feuerwerk aus. Da war Schmerz, Lust, Bedürftigkeit, Erleichterung und Freude, alles lag in diesem Licht, das mich umgab, das dafür sorgte, dass meine Muskeln sich um ihn herum verkrampften und ihm die selbe Erleichterung schenkten, die er mir verschaffte. Ich spürte, wie er über mir erstarrte, spürte seinen Körper genauso zittern wie meiner, und hörte meinen Namen von seinen Lippen, als wäre es die schönste Musik.
Und dann wusste ich nichts mehr.
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Intermezzo - Edward
Es gab keine Worte. In allem, das ich gelesen hatte, in allem, das ich durch die Gedanken anderer erlebt hatte ... hatte mich nichts davon auf den Augenblick vorbereiten können, in dem Bella endlich völlig mir gehörte. Eine komplette Erweiterung meines Körpers, so wie sie schon zu einer Erweiterung meines Herzens geworden war, seit dem ersten Mal, in dem ich in dieses Zimmer gekommen war.
Die Lust meines Höhepunktes ließ meinen Körper noch erbeben. Jede Bewegung erzeugte eine neue Welle des Nachhalls. Ich verlagerte mein Gewicht auf meine Arme, meine Ellenbogen und Knie stützten den Großteil meines Gewichts ab, damit ich sie nicht zerdrückte. Meine Lippen verteilten Küsse auf ihrer Stirn und ihren Wangen. Ich versuchte, die Fähigkeit zum Bilden von Worten wieder zu erlangen. Gab es denn überhaupt Worte für solch einen Moment?
Ihr zarter, warmer Atem liebkoste meine kalte Wange, während sie unter mir keuchte. Ein kleines Stöhnen entkam immer noch ihrem Mund. Ich gluckste und küsste wieder ihre Stirn. Trotz all der Schwierigkeiten hatten wir es geschafft. Gemeinsam. Vereint. So, wie wir nun den Rest ihres Lebens lang sein würden. Wir würden schon herausfinden, wie wir mit unseren Altersunterschieden zurecht kommen konnten, wir würden abseits der Gesellschaft leben, wenn es sein musste. Aber wir hatten noch viele Jahre Zeit, um dieses Problem zu lösen. Jahre über Jahre. Ich war mir sicher, dass wir uns etwas Plausibles überlegen konnten.
Ich dachte, ich könnte mich an unseren Kompromiss halten. Ich wusste, wenn ich hierher käme, würde ich mit Versuchungen konfrontiert werden, denen ich noch nie zuvor begegnet war, aber ich dachte, ich wäre ihnen ebenbürtig. Ich dachte, wenn wir es langsam angehen und das Eis zuerst testeten, damit es nicht brach, dass wir irgendwann den Punkt erreichen könnten, an dem wir jetzt standen. So wie ich mich an ihr Blut gewöhnt hatte, seit wir uns kennengelernt hatten. Ich hätte wissen sollen, dass es nicht so laufen würde - dass, wenn ich sie einmal intimer kennengelernt hätte, nur ihr Schmerz oder ihre Ablehnung mich aufhören ließen. Bella hatte keines von beiden gezeigt. Vielleicht lag es am Schock all dieser neuen Gefühle, die meine Kräfte unter Kontrolle hielten, vielleicht auch die Zeit, die ich gedanklich schon jede neue Berührung experimentiert und analysiert hatte. Woran auch immer es lag, ich hatte nicht mit mir zu kämpfen, so wie ich es erwartet hätte. So mit Bella zusammen zu sein, Liebe mit ihr zu machen, war beinah natürlich, instinktiv und erstaunlicher, als ich es mir je erträumt hätte.
Ich schloss meine Augen und wünschte mir mit aller Macht, dass ich das gesamte Zimmer um mich herum in mir aufnehmen konnte, um es mit all meinen Sinnen erfassen zu können. Aber das war natürlich nicht möglich. Das Zimmer war wahrscheinlich immer noch mit dem Geruch ihres Blutes erfüllt. Natürlich, denn Bella war noch Jungfrau gewesen, genau wie ich. Es war allgemein bekannt, dass es Schmerzen und ein wenig Blut mit sich bringen würde, wenn ich ihr Jungfernhäutchen durchdrang. Der Geruch hatte mich erfasst, als sie ihre Beine gehoben hatte, um mich festzuhalten, während ihr Körper unter meinem zuckte.
Ich schluckte das Gift, das sich in meinem Mund gesammelt hatte bei der Erinnerung daran, gerade als Bella unter mir wieder zu zucken begann. Ein Stöhnen, diesmal lauter, entkam ihren Lippen.
"Bella? Bella, was ist denn?"
Sie antwortete nicht. Ihre Lippen waren fest zusammengedrückt, ihr ganzer Körper begann zu zittern. Ich konnte spüren, wie sie ihre Hände an meinem Rücken zu Fäusten ballten. Ich selbst erzitterte ebenfalls, Selbstzweifel und Angst krochen mir das Rückgrat entlang nach oben. Hatte ich ihr weh getan, Knochen oder Organe verletzt, die mit bloßem Auge nicht sichtbar waren?
Ich wollte schon ihre Haut nach Verletzungen absuchen, als ich es hörte. Es war ein Geräusch, das ich erst drei Mal in meinem ganzen Leben gehört hatte. Ein Geräusch, das keinen Sinn ergab und hier nichts zu suchen hatte. Das hektische Schlagen eines sich verwandelnden Herzens.
Ich sprang sofort von ihr weg, die Panik war kurz davor, mich wieder zu überwältigen. Hatte ich ... Gott, hatte ich sie gebissen? Ich suchte jeden Zentimeter ihres Körpers ab, den ich womöglich mit meinem Mund erreichen konnte, und fand nichts. Dann fiel ihr Kopf zur Seite und ich sah es. Zwei raue, rote Kratzer direkt unter ihrem Kiefer - tief genug, dass sie die Haut durchbrochen katten. Zwei Male, die nur von meinen Zähnen stammen konnten. Meinen rasiermesserscharfen, mit Gift überzogenen Zähnen.
"Oh Gott, Bella, nein!"
Aber es war zu spät. In den Sekunden, die ich benötigt hatte, um über das Wunder unserer Vereinigung nachzudenken, hatte ich die Möglichkeit verloren, meine eigenen Taten wieder rückgängig zu machen.
In meinem Egoismus hatte ich sie zu einem Leben in ewiger Finsternis verdammt.
Ich merkte es kaum, als sich die Hand meines Vaters sanft auf meine Schulter legte.
"Wir müssen los, Sohn. Alice sagt, Charlie wird in weniger als einer Stunde nach Hause kommen." Ich bewegte mich wie ein Roboter, als er mir half, mich anzuziehen, Bella anzuziehen und sie nach Hause zu bringen. Weg von ihrem Vater, ihrer Familie, ihrem Leben, von allem, das ich ihr in meinem egoistischsten Augenblick gestohlen hatte.
