Schwerter klirrten auf dem Schlosshof von Camelot. Die Diener standen in einem großen Kreis um die beiden Kämpfenden herum, machten jedoch Platz, als Genevieve, Königin von Groß-Britannien, durch die Menge schritt. Sie blieb am Rand des Kreises stehen und beobachtete die beiden Männer. Der eine war bei allen im Schloss bekannt: Lancelot, erster Ritter von König Artus. Der andere war jünger, aber nicht weniger durchtrainiert. Er war erst seit zwei ein halb Monaten in Camelot, kaum einer sah ihn je, doch jeder wusste, dass er der Lehrling von Merlin war. Ab und zu lief er durch das Schloss, nachdenklich, in Bücher vertieft oder selbst dabei in eines zu schreiben. Manchmal sprach er auch mit den Bediensteten und den Bauern, doch meistens war er im Schloss selbst, doch die Übungskämpfe mit Lancelot waren immer ein Event im Schloss, besonders, seit Harry richtig kämpfen konnte.

Der Kampf endete, als beide ihre Schwerter verloren und erschöpft zu Boden sanken.

„Ich kann dir nichts mehr beibringen Harry. Du warst ein guter Schüler."

Die Diener klatschten, ebenso Genevieve, die jetzt auf die beiden Männer zutrat.

„Harry? Merlin will dich sehen."

„Danke Genevieve. Ich werde zu ihm gehen. Lancelot? Ich danke dir für den Unterricht. Aber ich würde gern noch mit dir kämpfen, bis wir abreisen. Übung kann nie schaden."

„Gerne, aber nicht mehr so oft wie die ganze Zeit", erwiderte Lancelot lächelnd.

Harry erhob sich, verneigte sich vor Genevieve und ging ins Schloss.

„Hallo Harry."

„Hallo Emrys! Was gibt's?"

„Wir können nicht mehr lange bleiben. Du hast alles gelernt was ich dir beibringen konnte und bist auch ein guter Kämpfer geworden, aber wenn du noch viel länger bleibst wird der Zeitunterschied zu stark und in deiner Welt könnte sich zu viel verändern."

„Wie lange haben wir noch?"

„Den Rest des Monats oder vielleicht noch einen Monat, aber dann wird es schon kritisch."

„Lass uns den Rest des Monats bleiben und dann aufbrechen."

„In Ordnung."

„Aber dann würde ich gern die letzten beiden Wochen genießen, ohne Unterricht von dir, verstanden?"

„Klar. Geh nach draußen. Verbring Zeit mit Genevieve. Ach und Morgana kommt in ein paar Stunden wieder."

„Sie kommt wieder? Wie ist es gelaufen? Geht es ihr gut?"

„Ja sie kommt wieder. Wie es gelaufen ist und wie es ihr geht kannst du sie selbst fragen. Aber am besten machst du dich erst mal frisch. Du stinkst wie ein nasser Fuchs."

Lachend jagte Emrys seinen Lehrling aus dem Zimmer, der ebenso lachend in seinem verschwand.

Drei Stunden später stand Harry in seinen besten Kleidern auf dem Schlosshof und wartete auf Morgana. Diese ritt gerade auf ihrer schwarzen Stute auf den Hof und sah Harry lächelnd entgegen.

„Hallo!", rief sie, bevor sie leichtfüßig absprang.

„Hey", erwiderte Harry leise und umarmte die Braunhaarige, „ich hab dich vermisst."

„Ich dich auch."

Morgana setzte einen federleichten Kuss auf Harrys Lippen und Harry legte einen Arm um sie, während er ihr Pferd an einen Stallburschen gab und sie ins Schloss führte. Sie schlief im Zimmer neben seinem, auch wenn sie selten Nächte dort verbracht hatte, seit sie zusammen waren.

„Morgana? Ich muss zurück in meine Zeit", sagte er leise, als sie in den Flur mit ihren Zimmern einbogen.

„Wann?", fragte diese nur leise.

„In zwei Wochen."

„Die werden wir genießen, nicht wahr? Kein Unterricht bei Merlin, oder Lancelot."

„Nur Zeit für uns."

Traurig blickte Morgana Harry an.

„Ich vermisse dich jetzt schon."

„Ich dich auch, aber wir werden uns jetzt nur Zeit für uns nehmen."

Morgana zog sich um und dann standen sie beide vor dem Spiegel. Morgana trug ein dunkelgrünes Kleid, das hinten geschnürt wurde, mit goldenen Bändern. Ihre langen, braunen Locken hatte sie mit Nadeln hochgesteckt und Harry steckte ihr eine Lilie ins Haar. Ihre braunen Augen funkelten glücklich, als sie sich zu dem größeren Harry umdrehte. Harry trug eine schwarze Lederhose, sowie hohe Stiefel und ein ebenso grünes Hemd wie Morgana. Seine schwarzen Haare reichten mittlerweile bis zu den Schultern und waren mit einem Band zurück gebunden und die grünen Augen funkelten hinter seiner Brille, als er Morganas Gesicht in seine Hände nahm und seine Lippen auf ihre legte.

„Ich liebe dich Morgana", flüsterte Harry.

„Ich liebe dich auch."

Gemeinsam verließen sie das Zimmer und gingen in den Speisesaal. Die anderen saßen bereits am Tisch und blickten auf, als das junge Pärchen an den Tisch trat.

„Morgana! Du bist wieder hier!"

Genevieve sprang auf und eilte auf die beiden zu. Sie zog Morgana in ihre Arme und drückte ihre beste Freundin fest an sich.

„Hallo Genevieve."

Die beiden Freundinnen setzten sich nebeneinander, Harry neben Morgana, und fingen an zu erzählen. Harry lächelte. Das hatte er vermisst. Es war wieder Leben am Tisch. Er würde all das hier vermissen. Besonders Genevieve und Morgana. Die beiden Frauen hatten für viel Abwechslung in seinem Leben am Hof von Camelot gesorgt und Morgana hatte ihm die Liebe gezeigt.

Harrys letzte Tage in Camelot vergingen viel zu schnell. Er war immer mit Morgana zusammen, ab und zu war auch noch Genevieve dabei. Sie verbrachten viel Zeit damit, einfach im Schloss herum zu laufen und zu reden, oder schweigend auf den Feldern um Camelot zu sitzen, aneinander gelehnt und die verbleibenden gemeinsamen Stunden zu genießen.

Es war zwei Tage vor Harrys Abreise, als sie wieder einmal auf den Feldern unterwegs waren, beide in warme Mäntel gehüllt, denn es ging dem Sonnenuntergang entgegen. Harry hatte seinen Arm um Morgana gelegt, diese hatte ihren Kopf auf seiner Schulter gebettet.

„Wie wird es weitergehen?", fragte Merlins neuer Lehrling Morgana.

„Ich weiß es nicht", flüsterte Harry zurück.

„Du darfst dein Leben nicht aufgeben, wenn ich nicht mehr da bin. Verliebe dich wieder, ja?"

„Du aber genauso Morgana! Ich werde versuchen wieder ein normales Leben im 20. Jahrhundert zu führen, aber auch du darfst dich und die Liebe nicht aufgeben."

„Es wird schwer", flüsterte Morgana.

„Ich weiß", antwortete Harry ebenso leise.

Sie blieben stehen und betrachteten den Horizont. Die Sonne versank und hinterließ rote Wolken und tauchte die Welt in goldenes Licht. Schweigend standen sie da, blickten erst in den Himmel und dann zu dem anderen und sie versanken in einem sinnlichen Kuss. Der Mond war längst aufgegangen, als sie sich voneinander lösten.

„Ich liebe dich! Ich werde dich immer lieben", sagte Harry, als er in die haselnussbraunen Augen seiner Freundin blickte.

„Und ich liebe dich ebenso", flüsterte Morgana, blickte in Harrys smaragdgrüne Augen und lehnte dann den braunen Lockenkopf an Harrys starke Brust. So standen sie noch Ewigkeiten da, bis sie sich schließlich entschlossen ins Schloss zurückzukehren. Langsam schritten sie auf den, nur durch den Mond erleuchteten, Pfaden zurück nach Camelot. Sie hatten nur noch einen letzten gemeinsamen Tag. Einen letzten Tag den sie genießen konnten, dann musste Harry zurück. Zurück in den Krieg in seiner Zeit. Er wusste nicht, ob er überlebte, aber eines wusste er: Er würde alles versuchen um Morganas Wunsch zu erfüllen. Vielleicht konnte er eines Tages zurückkehren, aber das würde wohl noch viele Jahre dauern.