Kapitel 2: Schatten der Vergangenheit
So liebe Leuts, da wäre Kapitel Nummer 2.
Ähm … also … ich weiß ja, dass ich es beim ersten Mal nicht explizit geschrieben habe … aber ich freue mich wirklich über Reviews. Das motiviert irgendwie so ungemein zum Weiterschreiben. Also bitte … habt Mitleid!
syyren: na … alle Erinnerungen wieder aufgefrischt? Es freut mich sehr, dass sich noch jemand an mich erinnert.
Aus der Sicht von Severus Snape
Flehentlich blickte ich auf Albus, der mir jetzt seit einer halben Stunde gegenüber saß.
„Wirklich Albus, ich werde hier wahnsinnig! Und das liegt nicht alleine an diesen verdammten Medimagiern und meiner Mutter!"
Der Direktor von Hogwarts zuckte mitleidig die Schultern. „Es tut mir wirklich Leid, Severus. Ich habe es versucht, aber ich konnte deine Mutter nicht umstimmen. Und auch von deiner Idee, die Auroren abzuziehen, war sie nicht wirklich begeistert!"
„Albus, diese Auroren machen mir mehr Sorgen als die verdammten Todesser! Bei denen weiß ich jedenfalls was mich erwartet", knurrte ich und knüllte eine Serviette zusammen bevor ich sie in einen Papierkorb warf.
Albus musterte mich wieder verständnisvoll über den Rand seiner Halbmondbrille hinweg. „Ich verstehe dich durchaus … aber um die Auroren solltest du dir keine Sorgen machen. Ein paar meiner Informanten sind auch unter ihnen."
„Na toll, dann erfährst du es immerhin als Erster, wenn sie mich doch umlegen!", verstimmt verschränkte ich die Arme vor der Brust und funkelte Albus böse an, „irgendwas Neues von meiner lieben Kollegin mit den gewaltigen Flügeln?"
Albus legte die Fingerspitzen aneinander und seufzte. „Leider nein! Ich hatte gehofft, dass sie sich irgendwann bei mir oder vielleicht bei Minerva melden würde … aber nichts dergleichen. Sie ist wie vom Erdboden verschluckt."
„Toll! Einfach toll!", brummte ich und kniff mir mit zwei Fingern an die Nasenwurzel. „Kann ich nach den Sommerferien wieder unterrichten?"
„Weißt du", begann Albus unbestimmt und fixierte einen Punkt an der Decke, „ich habe lange darüber nachgedacht … und … also … ich würde mich wirklich freuen, dich wieder als Zaubertränkelehrer zu haben. Aber ich halte es ehrlich gesagt für besser, wenn du dich in nächster Zeit etwas bedeckt hältst … du bist dem Tod nur sehr knapp entronnen, wie dir sicherlich nicht entgangen ist!"
„Nein, Albus! Das ist mir nicht entgangen! Aber ich werde mich bestimmt nicht irgendwo vor dem Dunklen Lord verstecken und darauf warten, dass er mich findet! So ein Mensch bin ich nicht! Wenn ich ein solcher Mensch wäre, dann …"
Albus hob beschwichtigend die Hand. „Schon gut, ich verstehe dich ja … ich habe auch nichts anderes von dir erwartet. Aber ich denke hier nur an deine Sicherheit!"
„Das weiß ich und ich weiß es auch durchaus zu schätzen … aber ich würde gerne so schnell wie möglich mein altes Leben zurückhaben!"
Er musterte mich noch einen Moment über den Rand seiner Halbmondbrille hinweg und fing dann schmunzelnd an zu sprechen.
„Ich bin sicher, die Lehrer und auch sehr viele Schüler, werden sich sehr freuen, dich wieder zu sehen. Du bist nämlich von einigen schmerzlich vermisst worden!"
Ich blickte Albus ungläubig an. Der Direktor von Hogwarts erlaubte sich wohl einen Scherz mit mir. Aber statt mir diesen Grund für seine Annahme weiter zu erläutern, gluckste er nur vergnügt und stand auf, um mein Krankenzimmer zu verlassen.
Bevor er durch die Tür schritt, drehte er sich noch einmal zu mir um. „Severus, ich bin wirklich froh, dass du immer noch am Leben bist."
„Ich auch, glaub mir", brummte ich und blickte Albus hinterher.
Und da saß ich nun wieder. Allein, gelangweilt und furchtbar genervt. Missmutig starrte ich an die gegenüberliegende Wand und ließ meine Gedanken schweifen.
Rückblende
Ich sah meinen Bruder mit großen Augen an, als er mir von Hogwarts erzählte.
„Du kommst natürlich nach Slytherin", verkündete Severin gerade überzeugt, warf aber schließlich einen kurzen Blick auf mich, „wenn nicht, dann verprügel' ich dich!"
Nervös fing ich an zu schlucken, als mein Bruder mich mit seinem durchdringenden Blick musterte. „Alle Verwandten waren in Slytherin! Sie werden böse, wenn du woanders hinkommst!"
Dieses Jahr würde ich auch endlich nach Hogwarts kommen. Schon seit Beginn der Sommerferien löcherte ich meinen Bruder mit allen möglichen Fragen, die mir in den Sinn schossen. Was eigentlich gar nicht nötig war, denn mein Bruder erzählte von sich aus schon genug … nur … waren das nicht unbedingt sehr schöne Dinge. Vor allen Dingen, die Geschichten, die er über die Hauslehrerin von Slytherin erzählte, ängstigten mich zu Tode.
„Vor der Hauslehrerin musst du dich in Acht nehmen, Severus", flüsterte mein Bruder kaum hörbar, während er mir beide Hände auf die Schultern legte und mich ernst ansah. „Sie ist ein Monster! Und sie frisst unartige Kinder! Zwei von meinen Klassenkameraden hat sie bereits verspeist! Und ich bin mir sicher, dass sie auch schon überlegt, wie sie mich in die Finger kriegt!"
„Du lügst", antwortete ich mit wesentlich mehr Überzeugung, als ich tatsächlich fühlte. Severin schüttelte den Kopf und ließ meine Schultern los, um weiter im Kreis, um mich herumzulaufen. „Ich lüge nicht! Sie hat schon zwei gefressen. Kaspar Madison und Joseph Morgan. Sie waren sonst immer hier zu Besuch … erinnerst du dich?"
Und wie ich mich erinnerte. Und es waren keine schönen Erinnerungen. Die beiden hatten mich zusammen mit meinem Bruder immer kreuz und quer durch das Haus gejagt, wenn unsere Eltern nicht da waren. Ich konnte nicht behaupten, dass ich sonderlich traurig war, dass die schon lange nicht mehr auf Besuch waren. Einmal hatten sie sogar mein Zaubertränke-Forschungsset kaputt gemacht, das mein Onkel mir geschenkt hatte.
„Siehst du! Unsere Hauslehrerin hat sie gefressen! Sie ist ein ganz großes, hässliches, scheußliches Monster! Nachts schleicht sie sich in die Schlafsäle und sucht sich ihr nächstes Opfer. Es ist gruselig … man kann sie nämlich nicht hören … sie bewegt sich ganz leise … und sie atmet kaum", flüsterte Severin und schlich sich in geduckter Haltung um mich herum, „und dann! Ganz plötzlich packt sie dich!"
Severin sprang von hinten auf mich drauf und ich schrie entsetzt auf. Schreiend rannte ich zu meinen Eltern ins Wohnzimmer und verpasste so den selbstzufriedenen Blick, den Severin mir hinterher warf.
„Daddy! Ich will nicht nach Hogwarts!", schniefte ich und sprang förmlich auf seinen Schoß. Mein Vater legte den Tagespropheten weg und schenkte mir einen erstaunten Blick.
„Aber warum denn nicht?", das war die Stimme meiner Mutter, die von ihrem Strickzeug aufsah und mich ebenfalls besorgt musterte.
„Ich … ich will … ich will nicht gefressen werden!", tönte es aus mir heraus.
„Wie kommst du denn auf so etwas?", fragte mein Vater und strich mir über den Rücken.
„Severin sagt, die Hauslehrerin von Slytherin würde Kinder fressen und zwei aus seiner Klasse hätte sie schon gefrühstückt! Die beiden, die sonst immer hier waren!"
„Nun … wenn sie die wirklich gefressen hat", antwortete mein Vater trocken, „dann hat sie der Zaubererwelt damit einen großen Dienst erwiesen."
„Servatius", die Stimme meiner Mutter war schneidend wie ein Fleischmesser, „sie hat die beiden nicht gefressen. Die zwei sind mit ihren Familien von hier fortgezogen! Sie gehen jetzt auf eine andere Zaubererschule! Und Professor Hawks ist eine sehr nette Lehrerin. Lass dir von deinem Bruder nicht immer solche Märchen erzählen!"
Ich blickte forschend und herzlich wenig überzeugt zu meinem Vater, der mich anlächelte und nickte.
Drei Wochen später stand ich bebend vor Angst vor dem Lehrertisch und wartete darauf, dass der Sprechende Hut mich einem Haus zuordnen würde. So unauffällig wie möglich, suchte ich die Reihen der Lehrer nach dem Monster ab, dass die Hauslehrerin von Slytherin sein sollte. Aber ich fand keins. Die sahen alle normal aus. Einige von den Frauen waren sogar richtig hübsch. Dabei fiel mein Blick auf eine junge, blonde Frau, die sich gerade zu ihrem Sitznachbarn neigte und scheinbar über einen seiner Kommentare lachte.
„Snape, Severus!" Ich schluckte und hoffte inständig, dass niemand meine Nervosität bemerken würde, als ich langsam vortrat und auf den Stuhl kletterte. Die streng aussehende Hexe mit den dunklen Haaren, lächelte mich an und setzte mir dann den Hut auf den Kopf. Die blonde Hexe musterte mich ebenfalls mit Interesse.
„Na … wen haben wir denn da. Noch ein Snape …", murmelte die Stimme in meinem Kopf und ich erschrak mich ein wenig, „dann wollen wir doch mal schauen, wo wir dich hin stecken … Hufflepuff auf keinen Fall … mhm … du hast auch mächtig was im Köpfchen … und da … ja … ich denke … Professor Hawks wird sich freuen, wenn ich ihr noch einen Snape aufs Auge drücke!"
„SLYTHERIN!"
Ich atmete erleichtert aus und glitt von dem Hocker. Jedenfalls würde ich nicht von meinem Bruder verprügelt werden. Beruhigt lief ich an den Slytherin-Tisch und setzte mich meinem Bruder gegenüber. Der grinste mich spöttisch an.
„Angst gehabt, Hosenscheißer?"
„Sicher nicht", knurrte ich zurück und begann zu essen. Während des Abendessens starrte ich immer wieder zum Lehrertisch und versuchte nun herauszufinden, wer von den Lehrerinnen, denn nun meine Hauslehrerin sein würde. Die sahen alle nicht wie Monster aus. Ich hätte natürlich meinen Bruder fragen können, aber die Blöße wollte ich mir nicht geben.
Misstrauisch beäugte ich meinen Bruder, der heute sein letztes Jahr auf Hogwarts begonnen hatte. Hatte er mich am Ende doch nur auf den Arm nehmen wollen? Er unterhielt sich angeregt mit seinem Sitznachbarn und schien von mir überhaupt keine Notiz zu nehmen.
Eine halbe Stunde später folgenden wir den älteren Schülern in den Gemeinschaftsraum der Slytherins. Der Vertrauensschüler drehte sich zu uns um, während die anderen Schüler in ihre Schlafsäle gingen.
„Professor Hawks wird gleich noch kommen und sich bei euch vorstellen. Es dauert noch einen Moment, solange müsst ihr hier warten!"
Wir nickten und der Vertrauensschüler verschwand. So blieben wir sieben alleine in dem riesigen Gemeinschaftsraum zurück. Wir standen in einer Gruppe in der Mitte des Raumes. Ich blickte mich neugierig um, während meine Mitschüler ängstlich untereinander tuschelten. Die fremde Umgebung schüchterte sie ein – mich auch! Aber bevor ich das zugab, würde ich freiwillig nach Hufflepuff wechseln.
‚Wer wohl Professor Hawks war? Vielleicht die dunkelhaarige Hexe, die die Auswahl durchgeführt hat?'
Meine Gedanken wurden unterbrochen als plötzlich die Tür aufschwang und unsere Hauslehrerin herein kam. Ich war mir in diesem Moment absolut sicher, dass allen Anwesenden der Mund offen stand und noch viel wichtiger - dass mein Bruder mich wirklich auf den Arm genommen hatte.
Professor Hawks war eine große, blonde Hexe, die uns jetzt gerade freundlich anlächelte. Zugegeben, die eisig-blauen Augen waren ein wenig … gewöhnungsbedürftig … aber sie sah absolut nicht nach Monster aus. Severin, dieser blöde Flubberwurm! Wegen dem hatte ich nächtelang nicht schlafen können.
Sie nahm in einem der dunkelgrünen Sessel Platz und bedeutete uns mit einer Handbewegung, dass wir uns ebenfalls setzten sollten.
„Guten Abend! Mein Name ist Professor Hawks. Ich bin eure Hauslehrerin und werde euch auch in Verteidigung gegen die Künste unterrichten. Für Fragen außerhalb des Unterrichts stehe ich euch natürlich auch gerne zu Verfügung", begrüßte sie uns freundlich.
Ungefähr eine Stunde saßen wir mit ihr im Gemeinschaftsraum, und jeder stellte sich kurz vor. Als die Reihe an mich kam, schmunzelte sie kurz.
„Ich hoffe, Mr. Snape, dass sie nicht hier sind, um das Erbe ihres Bruders zu übernehmen, sondern, um wirklich etwas zu lernen! Es würde mich freuen, wenn ich jedenfalls ihnen etwas beibringen kann!"
Ich konnte nicht anders als in diesem Moment zu lächeln. Mein Bruder war nicht dumm, er brachte durchaus passable Noten nach Haus, aber andererseits verging seit er auf Hogwarts war, kaum eine Woche in der nicht mindestens eine Eule des Schulleiters bei uns eingetroffen war.
Rückblende Ende
Aus der Sicht von Demona
Schluckend fixierte ich Voldemorts gesundes Auge. Woher zum Teufel, wusste er, wer ich war? Der Schreck war mir derart in die Glieder gefahren, dass sich sogar meine Metamorphose ohne mein zutun rückgängig machte.
„So ist's doch gleich viel besser", murmelte er und nahm meine Maske ab, „dieses weiße Haar passt nicht wirklich zu dir." Er nahm eine dicke Strähne meines Haars zwischen die Finger und führte sie an seine Nase, um daran zu riechen.
„Woher …", stammelte ich und blickte forschend in sein Gesicht. Schließlich traf mich die Erkenntnis wie ein verdammt harter Schlag und ich wurde starr vor Angst, als ich mich Aug in Aug mit dem Schrecken meiner Kindheit konfrontiert sah.
„Oh Merlin", wimmerte ich, „Tom was hast du getan!"
„Ah, meine Süße, wie ich sehe kommt die Erinnerung langsam zurück. Und um deine Neugier zu befriedigen … der gute Tom existiert nicht mehr. Er kam eines Tages zu mir, um einen Handel mit mir einzugehen … um die Unsterblichkeit zu erlangen." Eine seiner Hände hielt immer noch meine Hände über meinem Kopf fest und die andere spazierte ungeniert über meinen Körper. Ich war so schockiert, dass ich nicht einen Muskel regen konnte. Ich fühlte mich wie ein Kaninchen, das sich im festen Griff einer Schlange befand.
„Den Rest kannst du dir denken … nehme ich an! Und nun, mein liebes Weib … erinnerst du dich noch daran, was in unserem Volk mit untreuen Ehefrauen gemacht wird?" Sein Tonfall war so unbestimmt als würden wir uns nur über eine Wettervorhersage unterhalten und nicht über Frauenmisshandlung im großen Stil.
Ich wünschte, ich täte es nicht. Offen gestanden wünschte ich mir im Moment nichts mehr, als das mir irgendjemand sagte, dass ich einen Alptraum hatte. Aber da war niemand … nur eine schuppige, große Hand, die mir plötzlich eine Ohrfeige gab, dass mir Hören und Sehen verging.
„Aah!" Ich spürte wie Blut aus meiner Nase über meinen Mund lief.
„Ich muss sagen … dein Töchterlein, war irgendwie intelligenter! Übrigens … ein hübsches Ding … ich habe auch schon ein paar Interessenten für sie. Vielleicht stellt sie sich als Ehefrau besser an als du! Das heißt … sollte es dir tatsächlich gelingen sie zu befreien … und im Moment sieht das ehrlich gesagt … nicht danach aus!"
Claw! Die Erinnerung an meine Tochter, war der Impuls, den ich brauchte, um wieder klar denken zu können! Mein Kampfgeist und mein Überlebenswille, die sich kurzzeitig verabschiedet hatten, waren wieder da! Wütend fixierte ich das Monster über mir.
„Bevor ich zu lasse, dass sie einem von euch in die Klauen fällt, friert die Hölle zu", erwiderte ich eisig und stieß meinen Kopf ruckartig nach vorne! Meine Stirn kam genau mit seiner Nase in Kontakt und ließ mich für einen Moment rote Sterne sehen. Zum Glück ging es dem Untier, das mich festgehalten hatte, nicht wirklich besser. Er heulte vor Schmerz auf und ließ mich los.
Mit einem Satz war ich auf den Beinen und stieß ihn von mir, Voldemort stolperte zurück und schien das Gleichgewicht zu verlieren. Eilig zerrte ich meinen Zauberstab aus meinem Umhang und richtete ihn auf Voldemort. Aber der kam mir zuvor. Ehe ich mich versah, traf mich ein Fluch hart in den Magen und beförderte mich mit Karacho gegen die massive Steinwand. Ich glaubte, es überall in meinem Körper knacken zu hören, aber Schmerz spürte ich erstaunlicherweise keinen. Diese Tatsache war zwar etwas verwunderlich, aber im Moment nebensächlich. Ich richtete meinen Zauberstab auf den Mann, der sich mir jetzt langsam näherte und sprach den ersten Zauberspruch, der mir in den Sinn kam.
„Incendio", donnerte meine Stimme durch den kleinen Raum und setzte alles Brennbare in Flammen. Voldemort wich erschrocken mehrere Schritte zurück. Er verabscheute Feuer!
Mein nächster Fluch verriegelte die Tür und sollte mir ein wenig Zeit verschaffen.
„Der Schlüssel", fauchte ich ihn an, „wo ist der Schlüssel?"
Voldemort grinste mich unverschämt an, während er die Flammen zum Erlöschen brachte und ich betete zu allem was mir heilig war, dass das Veritaserum gereicht hatte.
„Direkt hinter dir, meine Süße, steht eine Schatulle. Da ist er drin!" Kaum hatten die letzten Silben seinen Mund verlassen, schlug er verärgert seine Hand auf selben.
„Du kleines Miststück", zischte er, während ich mich umdrehte und die Schatulle zerschlug. Der Schlüssel flog mir förmlich in die Hand und ich lächelte erleichtert. Das Lächeln erstarb mir aber auf den Lippen, als mich ein Fluch in den Rücken traf und mir mein Zauberstab aus der Hand flog. Egal, Hauptsache ich hatte den Schlüssel! Und den würde ich auch nicht mehr hergeben.
Ein weiterer Fluch traf mich in den Rücken und nahm mir den Atem. Stöhnend sackte ich zu Boden.
„Weißt du Demona", zischte er, während er langsam mit Nagini im Schlepptau näher kam, „ich bin wirklich enttäuscht von dir!" Ich versuchte rückwärts von ihm weg zu kriechen. „Ich meine … ich habe dir immer ein Mindestmaß an Geschmack zugetraut!"
„Was willst du mir sagen?", keuchte ich schwer atmend und rutschte weiter zurück. Immer näher ans Fenster. Dabei fiel mein Blick auf einen kleinen Tisch, auf dem ein zerbrochener Zauberstab lag. Und der kam mir ziemlich bekannt vor.
„Weißt du … erinnerst du dich noch an die Zeit, als wir so glücklich zusammengelebt haben?", ich schnaubte höhnisch, aber er fuhr unbeirrt fort, „ich habe mich um dich gekümmert … habe nicht zugelassen, dass die anderen dir weh taten … und trotzdem musste ich dich immer erst halb tot prügeln, bevor du mit mir geschlafen hast … und dann kommt dieser erbärmliche Mensch … und den lässt du einfach so …", er machte eine schnippende Bewegung mit seinem Zauberstab, „zweimal zwischen deine Beine!"
„Der einzige, der hier erbärmlich ist, bist du", zischte ich ihn an und sprang auf. Reflexartig griff ich nach dem kleinen Tisch und warf ihm das Möbelstück entgegen, dann schnappte ich mir die beiden Hälften des Zauberstabes bevor ich mit einem ohrenbetäubenden Scheppern, die Fensterscheibe seines Wohnraumes durchbrauch. Gleich darauf stürzte ich mehrere Meter tief zu Boden. Ich landete ziemlich hart auf dem steinernen Untergrund und knickte um. Einen kurzen Blick riskierte ich auf meinen Fuß, der in einem Winkel von meinem Bein abstand, der alles andere als normal war. Kein Schmerz! Nur ein kleines unangenehmes Ziehen. Keuchend richtete ich mich wieder auf und rannte los.
„Demona! Du kannst mir nicht entkommen! Wir sind miteinander verbunden!" Ich reagierte nicht. Ich war ihm zweitausend Jahre lang entkommen und hatte nicht vor das jetzt hier und heute zu beenden.
„HALTET SIE AUF, VERDAMMT!", schrie er jetzt durch die Burg und ich rannte noch schneller. Wenn ich es nur schaffen würde den verdammten Wald zu erreichen.
Als ich ein hässliches, leider nur all zu vertrautes Rauschen hörte, wäre ich am liebsten in Tränen ausgebrochen.
„Nicht die auch noch", jammerte ich, sah aber nicht nach oben. Ich wusste ohnehin, was mich da erwarten würde. Vogelmenschen! Noch und Nöcher! Stattdessen riskierte ich einen Blick über die Schulter. Mehr als zwei Dutzend Todesser rannten mir hinter her. Und noch mal zwei Dutzend stiegen gerade auf ihre Besen.
Großartig, der Tag konnte wirklich nicht besser werden! Ich war jetzt noch ungefähr hundert Meter vom Wald entfernt, als mich plötzlich ein ohrenbetäubendes Kreischen beinahe ohnmächtig werden ließ. Aus einem reinen Reflex heraus, ließ ich mich der Länge nach auf den Boden fallen.
Reflexe waren wirklich die beste Erfindung seit Anbeginn der Evolution, dachte ich sarkastisch, als ich den Windhauch … nein eigentlich die Windböe spürte, die der Vogelmensch verursachte, der mich packen wollte und jetzt mit Schwung gegen den nächsten Baum knallte. Mit einem Satz sprang ich wieder auf die Beine.
„Hoffentlich hat's weh getan", rief ich dieser entsetzlichen Laune der Natur zu, als ich einfach über ihn hinweg sprang und in die Dunkelheit des Waldes tauchte. Nun war ich zwar nicht mehr so leichte Beute für die Vogelmenschen, dafür hatte ich aber jetzt mit der Unebenheit des Waldbodens gehörig zu Kämpfen.
Ich sprang über Büsche, umgefallene Baumstämme, wich Bäumen und sonstigen Hindernissen aus und versuchte immer mehr Abstand zwischen mich und meine Verfolger zu bringen. Merlin, ich zollte Severus wirklich meine Hochachtung!
Der Gedanke an Severus hatte mich einen Moment unachtsam werden lassen und so bemerkte ich erst im allerletzten Moment den Vogelmenschen, der durch die Baumkrone brach und sich fauchend vor mir aufbaute. Als wäre ich gegen eine unsichtbare Wand geknallt, prallte ich zurück und landete auf meinem Hinterteil. Der Vogelmensch nutzte die Gunst der Stunde und sprang auf mich drauf, übersah aber den Dolch, den ich aus meinem Stiefelschaft riss und mit dem ich ihn der Länge nach aufschlitzte.
Keuchend schob ich das tote Vieh von mir runter und rannte weiter. Wenn ich nur die andere Seite des Waldes erreichen würde. Da konnte ich mich dann einfach wegzaubern!
Plötzlich erschienen neben mir zwei Todesser. Erschrocken stolperte ich über eine Baumwurzel und kugelte wenig elegant einen holperigen Abhang hinunter. Den winzigen, goldenen Schlüssel immer noch fest in meiner linken Hand.
Als ich endlich zu Stehen kam, blickte ich mich einen Moment desorientiert um. Alles in meinem Kopf drehte sich. Wie ein riesiges, viel zu schnelles Karussell. Ich unterdrückte den Drang mich zu übergeben und blickte mich suchend um. Langsam wurde mein Blick wieder klar und ich erkannte mit einem erleichterten Lächeln, dass ich es aus dem Wald hinausgeschafft hatte.
Die nächste halbe Stunde brachte ich damit zu, mich ziellos von einem Ort zum anderen zu zaubern, damit die Todesser meine Spur verlieren würden. Schließlich war ich am Ende meiner Kräfte und ließ mich dort, wo ich als nächstes auftauchte, einfach auf den nassen Boden fallen.
Nun, wo die ganze Aufregung vorbei war, stellten sich auch langsam die unweigerlichen Schmerzen ein, die ich bis dahin verdrängt hatte. Nachdem eine Weile einfach nur so dagelegen hatte, mitten in dem strömenden Regen, der mich bis auf die Knochen durchnässte, richtete ich mich vorsichtig auf und wischte mir mit einer Hand durchs Gesicht. Ärgerlich erkannte ich eine Träne, die über meine Wange kullerte.
Merlin! Ich hatte seit meiner Kindheit nicht mehr geweint und ich würde jetzt nicht damit anfangen.
„Ach", meldete sich da plötzlich die gemeine, kleine Stimme meines inneren Egos zu Wort, „und was war auf der Beerdigung von Severus?"
Ich schnaubte unwillig. Gut und schön, da war mir auch eine Träne das Gesicht hinuntergelaufen. Aber wer heulte bei Beerdigungen nicht?
„Eine Träne?", meldete sich die Stimme wieder spöttisch zu Wort und ich schlug mit einer Hand auf den Boden.
‚Ist ja gut, es waren zwei. Zwei winzig kleine Tränen, die ich um die ewig schlechtgelaunte Riesenfledermaus vergossen habe.'
Die fiese kleine Stimme bedachte mich diesmal nur mit einem spöttischen Auflachen und ich musste mir knirschend eingestehen, dass ich damals geheult hatte, wie ein altersschwacher Schlosshund. Aber erst, als ich wieder in Hogwarts und in meinem Schlafzimmer war.
Mein inneres Ego war scheinbar für den Moment zufrieden gestellt und so wuchtete ich mich langsam auf die Knie. Schließlich schaffte ich es auf die Beine zu kommen und humpelte zu einer kleinen Gasse.
Keuchend lehnte ich mich an eine regennasse Hauswand. Manchmal hatte ich wirklich mehr Glück als Verstand. Ich war so in meine düsteren Gedanken vertieft, dass ich die Stimmen, die sich in meine Richtung bewegten und das monotone Prasseln des Regens übertönten, erst bemerkte, als sie direkt vor der Gasse waren, in der ich mich verbarg. Erschrocken wollte ich weiter in die Dunkelheit flüchten, aber zum Glück waren es nur ein paar Muggel, die vor dem Regen flüchteten und von mir keine Notiz nahmen.
Langsam richtete ich mich wieder auf. Mit der linken Hand stützte ich mich an der Hauswand ab, mit der rechten umklammerte ich den winzigen, goldenen Schlüssel, der mir dabei helfen würde meine Tochter und den Dämon zu befreien.
Aber zuerst musste ich eine Möglichkeit finden mir selber zu helfen. Ich blickte in den wolkenverhangenen Himmel. Es musste jetzt ungefähr sieben Uhr sein. Vor einer Stunde hätte ich bereits bei Minerva sein müssen, aber leider hatten mir die Todesser einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Ich schloss die Augen und konzentrierte mich auf den Zauber, der mich nach Hogsmeade bringen sollte, als ein Schmerz, wie eine glühende Nadel durch meinen Körper fuhr. Keuchend brach ich den Zauber ab und griff mir an die Brust, wo sich der Schmerz zu bündeln schien.
„Sinnlos…", murmelte ich, „selbst wenn ich es nach Hogwarts schaffe … wird da niemand sein, der mir helfen kann."
Ich rutschte an der nassen Wand herunter, bis ich auf dem Boden saß. Die kühle Feuchtigkeit tat meinem Rücken sehr gut.
So sehr ich auch überlegte … mir kam nur einer in den Sinn, der mir jetzt noch helfen konnte. Und das passte mir eigentlich gar nicht. Aber ich hatte keine andere Wahl. Wie Minerva schon so treffend gesagt hatte … tot nützte ich meiner Tochter rein gar nichts!
Ich kratzte den Rest meiner Kräfte zusammen und zauberte mich vor den Eingang von St. Mungo. Aufgrund dessen, das ich nicht im Vollbesitz meiner magischen Fähigkeiten war und ich auch noch fieberte, traf ich nicht ganz mein angepeiltes Ziel – eine alte Gasse – sondern landete direkt in der Fußgängerzone von London. Zum Glück waren aufgrund des Wetters nicht viele Leute unterwegs, die mein plötzliches Auftauchen erschrecken konnte. Langsam humpelte ich zu der Litfasssäule, die den Eingang in das Krankenhaus verbarg und trat ein.
War ich eben noch in der feuchten, dunklen Fußgängerzone, so befand ich mich jetzt in einer blendend hellen Eingangshalle. Meine Augen schlossen sich protestierend, als das Licht in selbige stach und ich musste mich wieder an der Wand festhalten, um nicht zu stürzen.
Es war schon erstaunlich. Ich befand mich in einem Krankenhaus und obwohl selbst ein Blinder sehen musste, dass es mir nicht gut ging, kümmerte sich kein Mensch um mich. Nicht das mich das störte, aber es war schon ein trauriges Beispiel für die heutige Gesellschaft. Bloß nicht hinsehen, schien bei vielen das Motto des Tages zu sein … und das jeden Tag.
Brav reihte ich mich in die Schlange ein, die sich vor der Information gebildet hatte und wartete. Es dauerte erfreulicherweise nicht allzu lange, bis ich dran kam. Trotzdem hatte sich zu meinen Füßen bereits eine beachtliche Pfütze gebildet.
Das junge aufgetakelte Mädchen war vertieft in eine Zeitschrift über die neuesten Modetrends und blickte nicht ein einziges Mal auf.
„Wo finde ich wohl Severus Snape?", fragte ich leicht heiser.
„Sind sie eine Angehörige? Wenn nicht, darf ich sie nämlich nicht zu ihm lassen … Anweisung von ganz oben!", leierte sie ihren auswendig gelernten Text herunter ohne auch nur den Blick von ihrer Zeitschrift zu heben.
„Ich bin seine Frau!", log ich ohne mit der Wimper zu zucken und brachte somit das junge Mädchen dazu, den Artikel über irgendeine Stilikone der Zaubererwelt zu vernachlässigen und mich erstaunt anzusehen.
„Echt jetzt? Der alte Griesgram hat tatsächlich eine Frau? So hässlich sind sie doch gar nicht!", sie blickte mich abschätzend von oben bis unten an, „ich meine … wenn … sie trocken wären … und ihre Kleidung nicht so … … zerrissen! … und sie nicht aussehen würden, als wären sie gerade verprügelt worden!"
„Danke, Schätzchen! Nach dem freundlichen Hinweis, werde ich mir den Kommentar verkneifen, dass sie mit dem Kleister im Gesicht zwanzig Jahre älter und noch dazu wie eine Bordsteinschwalbe auf Urlaub aussehen!", blaffte ich das perplexe Mädchen an, die mich immer noch musterte. „Und wenn es ihre geistige Kompetenz nicht übersteigt, seien sie jetzt bitte so gut und suchen sie mir seine Zimmernummer raus! Dann befreie ich sie auch von meiner Anwesenheit!"
Oh heiliger, gnädiger Merlin! Das Gör war kurz davor in Tränen auszubrechen. „Wo ist sein Zimmer, verdammt noch mal!", knurrte ich sie bedrohlich an, bevor bei ihr endgültig die Dämme brachen.
„Nehmen sie den Fahrstuhl und fahren sie in den 45. Stock. Zimmer 4535", schniefte sie.
„Danke … sehr freundlich!" Zu mehr konnte ich mich nicht aufraffen.
Ich humpelte zu besagtem Fahrstuhl, stieg ein und drückte auf den Knopf mit der Nummer 45. Augenblicklich wünschte ich mir, ich hätte es nicht getan, als der Fahrstuhl mit atemberaubender Geschwindigkeit nach oben schoss.
Zum Glück dauerte die Fahrt nicht lange und ich konnte aussteigen. Im Flur musste ich mich erst einmal an die Wand lehnen, dann blickte ich auf um mich zu orientieren. Außerdem musste ich mir auch noch irgendwie die zwanzig Auroren vom Hals schaffen. Das war aber im Nachhinein betrachtet, eine Aufgabe, die sogar ein Erstklässler hätte erledigen können.
Ich fand die zwanzig Auroren in einem Aufenthaltsraum bei einer Runde Poker. Es fiel mir verdammt schwer nicht einfach in den Raum zu stürmen und die Idioten an ihre Pflichten zu erinnern. Schlussendlich entschied ich mich dann aber doch für einen kleinen Zauber, der sie schlafen legte … und für gehöriges Kopfweh am nächsten Tag sorgte!
Nachdem diese Hürde überwunden war, versuchte ich dann die richtige Zimmernummer ausfindig zu machen. Und das gestaltete sich schon etwas schwieriger, da die Nummern ständig vor meinen Augen verschwammen.
Nach einer viertelstündigen Suche fand ich endlich das richtige Zimmer. Ich verzichtete auf Höflichkeit und trat ohne Anzuklopfen ein. Immerhin ging es hier um Leben und Tod. Um mein Leben … und um meinen Tod.
Severus saß auf einem Stuhl und las eine Pergamentrolle. Als er mich hörte, blickte er mit seinem üblichen, unerfreuten Gesichtsausdruck auf.
„Wer sind … … Demona?" Severus war mit einem Satz auf den Beinen und bei mir. Keine Sekunde zu früh, da ich spürte wie meine Knie unter mir nachgaben.
Wie anfangs schon mal erwähnt, bitte reviewt! Danke! Um so schneller geht es auch mit den nächsten Kapiteln ;-)
