Kapitel 3: Gespräche

engelsvieh: Ohhhh wie schön. Ein Review. Da update ich doch natürlich prompt.

Und keine Sorge … Cliffhanger kommen noch zur Genüge. Ich dachte nur, ich fange erst einmal langsam an. Will ja keinem Angst machen. ;-)

Aus der Sicht von Severus Snape

Ich blickte von der Studie über seltene Geistesgifte auf, als ich Geräusche an der Tür vernahm. Beinahe erwartete ich meine Mutter zu sehen, die noch mal nach mir sehen wollte. Aber die Frau, die dort stand, war nicht meine Mutter.

Ich war offenkundig entsetzt, als ich in der klatschnassen, blassen, abgemagerten Frau Demona erkannte. Mehrere Monate hatte ich mir jeden Tag zurechtgelegt, was ich ihr an den Kopf werfen würde, wenn sie denn endlich vor mir stand. Aber bei ihrem Anblick fiel mir kein einziges Wort mehr ein.

Stattdessen sprang ich auf und lief zu ihr. Ich war noch gar nicht ganz bei ihr, als sie förmlich zusammenknickte. Aus einem Reflex heraus griff ich nach ihr und hielt sie aufrecht.

„D-danke", hauchte sie matt und lehnte sich gegen mich. Sie war eiskalt. „Nur für den Fall, dass Du es noch nicht bemerkt hast … aber ich brauche wirklich deine Hilfe!"

„Nein, wirklich?", fragte ich sarkastisch und hob sie hoch, „ich hatte schon beinahe gedacht, Du würdest dich so freuen mich zu sehen, dass du deswegen zusammenbrichst." Mit wenigen Schritten war ich bei meinem Bett angekommen.

„Ich freue mich natürlich, dass Du noch lebst", flüsterte sie angestrengt, „aber das drücke ich für gewöhnlich anders aus!"

Ich ersparte uns beiden einen Kommentar zu dieser Erwiderung und setzte sie auf meinem Bett ab. Misstrauisch blickte ich ihr nun ins Gesicht. Sie wirkte regelrecht eingefallen.

„Was, zum Teufel, hast Du getrieben?", ich fühlte ihre Stirn, nachdem ich sie auf dem Bett abgesetzt hatte und stellte fest, dass sie auch noch Fieber hatte. „Na toll", brummte ich und wollte sie auf die Matratze drücken, aber Demona wehrte sich kopfschüttelnd. „Ich kann ohnehin nicht auf dem Rücken liegen", murmelte sie und kniff mehrmals die Augen zusammen und öffnete sie wieder. Beinahe so, als würde sie versuchen einen Schwindel zu vertreiben. Misstrauisch fühlte ich über ihren Rücken und ertastete ein paar dicke Verbände. Trotzdem war meine Hand blutig, als ich sie zurückzog.

Ich biss mir auf die Lippe und streifte ihr den durchnässten Umhang von den Schultern. Schließlich öffnete ich ihr Kleid auf dem Rücken und entfernte den durchweichten Verband. Was ich dann sah, ließ mir beinahe mein Abendessen wieder hochkommen. Auf ihren Schulterblättern befanden sich zwei große, eiternde Wunden und ich konnte bis auf den Knochen sehen.

„Verdammt, was ist das … hat dir jemand die Flügel ausgerissen?" Eigentlich hatte das ein lahmer Scherz sein sollen, aber sehr zu meinem Entsetzen nickte Demona und brachte ein klägliches Lächeln zustande, während sie ihren Kopf auf meiner Schulter ablegte. „An und für sich nicht tragisch … da sie wieder nachwachsen … wenn denn die verdammten Wunden endlich heilen würden!"

„Hat sich das ein Heiler angesehen?"

„Nein … keine Zeit … und jetzt kommst du ins Spiel … ich bräuchte jemanden … der mir diesen Trank braut …", sie hielt mir ein Blatt Papier vor die Nase. Aber das brauchte ich mir gar nicht anzusehen. Ich hatte diesen Trank bereits häufiger für sie gebraut. Kniffelig an der Sache war nur, dass einige der Zutaten mittlerweile verboten waren. Da hieß es improvisieren. Aber das ging nicht hier.

„Ich muss dich irgendwo anders hinbringen …", ich blickte zu ihr herunter, als keine Reaktion kam. Sie war ohnmächtig geworden.

„Na toll … du machst es mir auch wirklich nicht leicht!" Ich wickelte Demona in die Bettdecke und trat mit ihr hinaus auf den Balkon. Es war mir wirklich ein Rätsel … und eigentlich wollte ich auch gar nicht weiter darüber nachdenken … aber auf den Balkonen war kein Apparier-Schutz angebracht. Es kam mir im Moment zwar ziemlich gelegen, aber es hatte mir die vergangenen Wochen doch einige schlaflose Nächte bereitet.

Mein Ziel war das alte Anwesen eines Onkels von mir, der ein ähnliches Faible für Zaubertränke hatte, wie ich. Wenn ich Glück hatte, fand ich dort sogar noch alle Zutaten, die ich brauchte.

Mein Onkel hatte bereits vor einigen Jahren das Zeitliche gesegnet und seitdem stand das riesige Haus leer. Von den anderen Verwandten traute sich niemand in das gruselige Gemäuer, dass bis unter das Dach voll gestopft war mit irgendwelchen Zaubertrankzutaten. Nun ja … ein anderer Grund war wahrscheinlich, dass das Anwesen mittlerweile mir gehörte. Aus irgendeinem Grund, den ich bis heute nicht verstanden hatte, hatte mein Onkel mir das Haus vererbt …

Nur die zwei Hauselfen Bonny und Tinker lebten noch dort und verhinderten, dass das Gebäude vollkommen zerfiel.

Als ich vor dem Haus auftauchte, tobte gerade ein gewaltiges Gewitter über dem Anwesen. Die riesigen Bäume, heulten im Wind und warfen groteske Schatten auf die Mauern, wenn ein Blitz den Himmel erhellte.

Ich stieß die Tür mit dem Fuß auf und trat ein. Sofort erschienen die beiden Hauselfen direkt vor mir und verbeugten sich so tief, dass ihre Nasen den Boden berührten.

„Oh, Master Severus. Wie schön sie zu sehen! Es ist so lange her, dass jemand hier war! Bonny und Tinker freuen sich!"

„Ich freue mich auch … ist eines der Gästezimmer hergerichtet? Meine Begleitung müsste sich etwas ausruhen!"

„Oh, Master Severus bringt eine Frau mit", Bonny wirbelte aufgeregt um mich herum und strapazierte meine Geduld beträchtlich. „Bonny … ein Gästezimmer!", wiederholte ich nachdrücklich. „Eins in der Nähe des Labors, bitte! Sie ist krank!"

Bonny nickte. „Direkt neben dem Labor ist ein Zimmer mit einem Bett … dort kann hübsche Frau sich ausruhen!"

Ich hob eine Augenbraue. Mir war neu, dass Hawks dem Schönheitsideal von Hauselfen entsprachen. Nichtsdestotrotz folgte ich der aufgeregten kleinen Hauselfe, die mich zu dem Zimmer führte. Tinker war uns bereits voraus gelaufen und hatte das Bett hergerichtet und ein Feuer im Kamin entfacht. Ich legte Demona auf dem Bett ab und sah mich vor ein großes Problem gestellt. Ich musste ihr die nassen Kleider ausziehen! Und zwar ohne Zauberstab! Ich hatte nämlich keinen mehr! Und aufgrund meiner Mutter, hatte ich auch noch keine Gelegenheit bekommen mir einen neuen zu besorgen.

Das bedeutete … ich würde sie höchstwahrscheinlich nackt sehen! Oder nur in Unterwäsche … und das war auch nicht sonderlich besser. Dann würden nämlich garantiert wieder diese verfluchten Gefühle aufkommen, die ich seit fast zwanzig Jahren zu verdrängen versuchte.

„Oh Merlin … du meinst es wirklich nicht gut mit mir", murmelte ich, „TINKER!"

Die eifrige kleine Hauselfe erschien mit einem leisen „Puff" direkt vor meinen Füßen und blickte mich voller freudiger Erwartung an. „Kann Tinker Master Severus behilflich sein?"

„Ja … in diesem Haus ist nicht zufällig noch ein alter Zauberstab meines Onkels? Oder meiner Tante?"

„Tinker ist sich nicht sicher … Tinker müsste suchen … aber das wird eine Weile dauern!"

Ich nickte ergeben und entließ die kleine Hauselfe und wandte mich dann wieder meinem kleinen Problem zu. Schließlich fasste ich mir aber doch ein Herz … es nützte schließlich nichts. Vorsichtig zog ich ihr das durchnässte, zerrissene Kleid aus und sog erschrocken den Atem ein. Vorhin hatte ich gar nicht sehen können, wie übel sie zugerichtet war. Sie hatte mehrere Prellungen, davon eine gewaltige auf dem Bauch, die scheinbar von einem Fluch herrührte und zahlreiche Schnittverletzungen. Eine auf ihrem Oberarm zog dabei mein Augenmerk besonders an. Auf den ersten Blick sah es zwar so aus, als wäre sie verheilt, aber bei genauerer Betrachtung konnte man erkennen, dass die Wunde sich nicht geschlossen hatte. Vorsichtig berührte ich die empfindliche Haut an der Schnittwunde.

„FASS SIE NICHT AN!" Erschrocken zog ich meine Hand zurück und blickte mich gehetzt im Raum um. Beinahe glaubte ich schon einen Todesser in dem karg möblierten Zimmer stehen zu sehen – aber da war niemand. Nicht einmal die Hauselfen.

Mit der Gewissheit, dass ich langsam den Verstand verlor, berührte ich die Wunde wieder.

„SIE GEHÖRT MIR! FASS SIE NICHT AN!"

„Wer auch immer du bist", murmelte ich diesmal, „ich glaube nicht, dass sie deine Ansichten teilt!"

Eine halbe Stunde später lag Demona gut zugedeckt im Bett, während ich das Laboratorium meines Onkels nach den richtigen Zutaten durchsuchte. Ich hatte Glück … es war alles da, was ich brauchte und so machte ich mich konzentriert ans Werk. Eine halbe Stunde später brachte mir Tinker schließlich einen alten Zauberstab meines Onkels und ich konnte deutlich effektiver arbeiten. Es war zwar nicht meiner … aber er würde erst einmal ausreichen.

Meine Konzentration wurde nur hin und wieder von Demonas Hustenanfällen gestört, die sich eine Stunde nach unserer Ankunft einstellten. Gegen Mitternacht hatte ich den Trank fertig … ebenso eine Paste, die die Entzündung auf ihrem Rücken in den Griff kriegen sollte.

Mit Tinkers Hilfe flösste ich Demona etwas von dem Trank ein und verarztete anschließend ihren Rücken.

„Wird Frau wieder gesund?", Bonny sah mich fragend und mit hängenden Ohren an.

„Sicher … Unkraut vergeht nicht", erwiderte ich teilnahmslos und wandte den beiden Hauselfen den Rücken zu, um das Labor aufzuräumen.

Am nächsten Vormittag

Ich saß auf einem Stuhl neben Demonas Bett und betrachtete die schlafende Frau. Ihr Fieber war ein wenig gesunken und sie hustete nicht mehr ganz so stark … auch sah ihre Haut wieder etwas gesünder aus. Alles in allem schien es ihr besser zu gehen. Auch wenn die Wunden auf ihrem Rücken nicht so verheilten, wie sie eigentlich sollten.

Hin und wieder kam Bonny herein und fragte, ob wir irgendetwas brauchen würden. Gegen Mittag schließlich regte Demona sich und wachte langsam auf. Als sie mich erkannte, zwang sie sich zu einem müden Lächeln.

„Danke …"

„Wofür?"

„Für deine Hilfe", sie richtete sich langsam auf, „nach allem was ich getan habe, hätte ich es dir nicht übel genommen, wenn du mich einfach hättest verrecken lassen!" Ich half ihr, sich aufrecht hinzusetzen und war froh, dass sie so mein Gesicht nicht sehen konnte. Ich hatte noch nie rational denken können, wenn Demona irgendwie involviert war … und das hatte sich leider bis heute nicht geändert. Nicht mal das vorletzte Jahr, in dem wir uns eigentlich täglich in den Haaren gelegen hatten, hatte daran etwas geändert … und dabei hatte sich mein Plan absolut narrensicher angehört. Ich hatte gehofft, dass, wenn sie mir meine Gemeinheiten mit gleicher Münze heimzahlte – und das hatte sie – diese Gefühle, die ich nun seit über zwanzig Jahren in mir verspürte endlich verschwinden würden.

„Möchtest du etwas essen? Ein wenig Suppe?" Demona nickte und ich befahl dem Hauselfen uns etwas zu essen zu besorgen. Ich hatte nämlich mittlerweile auch Hunger. Eine Zeitlang blickten wir beide uns nur schweigend an. Dann durchbrach ich die Stille.

„Warum hast du es mir nicht gesagt?"

„Wann? Vor siebzehn oder vor zwei Jahren?" Demona wusste sofort, worauf ich anspielte.

„Beides!"

„Gegenfrage … hättest du vor siebzehn Jahren viel mit einem Baby anfangen können? Antworte ehrlich!"

„Ich … nein!", ich blickte weg. Mit Babys hatte ich nie sehr viel anfangen können. „Warum hast du es mir nicht gesagt, als du wieder aufgetaucht bist?"

„Ich hatte es vor", Demona lachte bitter auf, „… aber du hast mich nicht unbedingt freundlich empfangen … und ich bin leicht beleidigt. Außerdem hatte ich nicht wirklich den Eindruck, dass du dir etwas aus mir … oder einem Kind machen würdest! Du hast Claw angesehen, als würde sie irgendeine tödliche Krankheit nach Hogwarts schleppen."

Ja, das hatte ich! Allerdings war mir damals in meinem bösesten Träumen nicht in den Sinn gekommen, dass ich ihr Vater sein könnte. Ich war davon ausgegangen, dass Demona sich gleich nach unseren „Abenteuern" jemand anderen geschnappt hatte. Albus würde das wahrscheinlich „gekränkten männlichen Stolz" nennen … und das absolut zu Recht. Merlin, war das damals ein scheußliches Gefühl gewesen. Ich hatte damals den ersten Schrecken gerade überwunden und mich sogar ein wenig darüber gefreut, dass sie wieder aufgetaucht war … und dann kam Claw! Und ich sah rot!

„Ich … … ich habe mir Sorgen gemacht … was Fudge mit dir anstellen würde. Du stehst auf seiner Beliebtheitsskala nicht sehr weit oben", antwortete ich stattdessen, was aber auch keine Lüge war.

„Du auch nicht …", Demona seufzte, „und offen gestanden … haben mir unsere Zankereien immer sehr viel Spaß gemacht."

Ich musste ein Lachen unterdrücken, wurde aber schlagartig wieder ernst und setzte mich wieder auf meinen Stuhl. „Würdest du mir verraten, wie du zu diesen Verletzungen gekommen bist?"

Demona lehnte sich mit geschlossenen Augen an das Kopfende des Bettes bevor sie mir antwortete. „Hm … ich musste jemanden dazu befragen, wie man Dimensionsportale öffnet … und diese Information wollten sie nicht umsonst rausrücken. Sie sammeln Flügel … also habe ich ihnen meine gegeben. Mit Schmerzen habe im Laufe der Zeit gelernt umzugehen … ich hatte nur nicht damit gerechnet, dass die Wunden nicht verheilen würden. Es muss mit dem Zauber zu tun haben, den ich im letzten Jahr abbekommen habe. Seitdem scheinen meine Heilkräfte nicht mehr richtig zu funktionieren! Und die Verletzung von dem Zauber verheilt auch nicht richtig." Sie deutete auf die Verletzung, die mich am gestrigen Abend so irritiert hatte.

Bevor ich sie darauf ansprechen konnte, kam Tinker mit unserem Essen und ich setzte ihr das Tablett auf die Beine. Aus den Augenwinkeln bemerkte ich, dass sie die ganze Zeit auf meine rechte Hand starrte, überging das aber einfach.

Demona nahm zwei Löffel voll Suppe, dann legte sie den Löffel wieder neben ihren Teller. Ich registrierte das mit hochgezogener Augenbraue, doch bevor ich etwas sagen konnte, fing sie an zu sprechen.

„Wo ist mein Umhang?"

„Er liegt dort vorne auf einem Stuhl … soll ich ihn Dir holen?" Demona schüttelte den Kopf und schloss die Augen.

„Du musst ihn nicht holen … aber in einer der Taschen ist etwas, das dir gehört. Ich bin gestern zufällig über deinen Zauberstab gestolpert und habe ihn mitgenommen! Er ist leider zerbrochen … aber vielleicht kann Ollivander ihn reparieren."

Ich blickte Demona entsetzt an. „Noch mal von vorne … Du bist zufällig über meinen Zauberstab gestolpert … der … so weit ich weiß, im Besitz von Voldemort ist. WAS bitteschön hast Du die letzten Wochen über getrieben?"

„Wie weit hat Dich deine Mutter denn ins Bild gesetzt?"

„Sehr weit … und Du hast dabei keine gute Figur gemacht!"

„Das hatte ich auch nicht erwartet. Die böse, hinterhältige, egoistische Hawk, die ihrem Lieblingssohn die Tochter vorenthält."

„Ich bin nicht ihr Lieblingssohn!", erwiderte ich aus einem Reflex heraus und entlockte Demona damit ein Lächeln.

„Nein … Du bist zu kratzbürstig …"

„… und arbeite nicht für das Ministerium!", vollendete ich den Satz. „Und nun bitte auf das eigentliche Thema zurück. Was hast Du in den letzten Monaten getrieben."

Demona schilderte mir daraufhin in knappen Sätzen, was ihr in den letzten Wochen geschehen war und ich griff mir mit zwei Fingern an die Nasenwurzel als sie fertig war.

„Du … Du hast wirklich mehr Glück als Verstand, weißt du das?" Sie blickte mich böse an.

„Was hättest Du denn gemacht, wenn es Deine Toch…", ich blickte sie mit hochgezogener Braue an und sie stockte mitten im Satz.

„Schlechter Anfang … Du hast Recht. Also … was hättest Du an meiner Stelle getan?"

Ich schüttelte den Kopf und holte eine kleine Phiole aus dem Labor. „Ich weiß es nicht", antwortete ich ehrlich, während ich ein paar Tropfen aus der Phiole in ein Glas Wasser gab, „aber es bringt auch nichts, wenn wir uns darüber unterhalten, was ich getan hätte. Ich musste mich die letzten Wochen über damit anfreunden, ein Kind in die Welt gesetzt zu haben … ein Kind, dass mich bereits einmal in einem Käfer verwandelt hat!" Und dass dabei zugesehen hat, wie ich gefoltert wurde, fügte ich in Gedanken hinzu. Demona lächelte bei meiner letzten Bemerkung und nahm das Glas von mir in Empfang.

„Wenn es dich tröstet … ich habe einige Monate gebraucht, um mich damit anzufreunden schwanger zu sein … und dann habe ich sehr lange gebraucht, um mich mit einem schreienden Säugling anzufreunden … das hat sie ganz eindeutig von dir." Ich ging nicht auf Demonas Stichelei ein und setzte mich neben das Bett auf einen Stuhl.

„Das hört sich an, als hätte ich dein Leben zerstört." Demona trank das Glas aus und schüttelte dann leicht abwesend den Kopf. „Dazu gehören immer zwei … und mal davon abgesehen … auch bei uns gibt es Mittel und Wege eine Schwangerschaft zu beenden."

Sie blickte abwesend in das leere Glas und schüttelte sich nun, wie um diese grausamen Gedanken los zu werden. „Sag mal", begann sie plötzlich und starrte mich unverwandt an, „ich habe Dich ja immer für einen intelligenten Mann gehalten … der auch Kenntnisse in der Mathematik hat. Warum bist Du eigentlich nicht selber drauf gekommen?"

Peinlich berührt wich ich ihrem Blick aus. Ja, warum war ich nicht selber darauf gekommen? Im Nachhinein waren die Anzeichen dafür schließlich deutlich genug. Sie sah mir … beziehungsweise meiner Mutter sehr ähnlich und die natürliche Begabung für Zaubertränke hatte sie auch unter Garantie nicht von ihrer Mutter. Demona musste nur in einem Raum mit einem Kessel sein und er explodierte. Also eine berechtigte Frage.

„Ich weiß es nicht … ich war wahrscheinlich zu sehr damit beschäftigt, Dich wegzuekeln!", druckste ich herum und drehte ihr den Rücken zu als ich zu einer Kommode lief. „Mal davon abgesehen war ich felsenfest davon überzeugt, du hättest Remus das Kind angehängt."

„… Remus … angehängt … ANGEHÄNGT?", Demonas Stimme bebte vor Zorn und ich drehte mich erschrocken um. Mir war augenblicklich klar, dass das eine sehr unglückliche Wortwahl gewesen war. Sie machte Anstalten aus dem Bett zu kommen. Aber was noch viel beängstigender war, war die offensichtliche Wut, die ihr regelrecht ins Gesicht geschrieben stand.

„Demona … ich würde an deiner Stelle im Bett bleiben!"

„Den Teufel werde ich tun, Du Arsch!", zischte sie mir entgegen und schwang ihre Beine aus dem Bett. Im nächsten Moment stand sie splitterfasernackt vor mir. Oh Merlin! Verdammt, hatte diese Frau denn gar kein Schamgefühl? „Was sollte das gerade? ANGEHÄNGT? Ich habe niemandem ein Kind angehängt und was hat Remus mit der Sache zu tun?"

Sie kam immer näher und ich wich zur Wand zurück. Immer darauf bedacht, sie nicht direkt anzusehen.

„Na, als wir das erste Mal miteinander geschlafen haben, hast du noch irgendwas zur Verhütung genommen … beim zweiten Mal nicht mehr! Und was Remus damit zu tun hat, weißt Du doch am Besten", fauchte ich zurück, „immerhin habt ihr im vorletzten Jahr ständig aneinander geklebt … und Azkaban habt ihr zwei ja auch ziemlich anregend gefunden!"

„Nur mal zu deiner Information, Freundchen, das zweite Mal, dass wir miteinander Sex hatten, war von mir nicht geplant! Du warst derjenige, der über mich hergefallen ist. Bei einer sensibleren Frau wäre das unter Vergewaltigung gefallen! Außerdem hättest du dich auch um die Verhütung kümmern können! Immerhin gibt es heutzutage auch schon Präparate für Männer! Schließlich steht nirgendwo geschrieben, dass das einzig und alleine die Aufgabe der Frau ist! Und was das ach so anregende Azkaban angeht. Er hat sich nachts in einen Werwolf verwandelt. Glaubst Du, ich schlafe mit einen Werwolf?"

„Woher soll ich das denn wissen?", zischte ich zurück, obwohl mir eigentlich klar war, dass ich besser den Mund halten sollte, „dein Volk hat schließlich mehrere sonderbare Bräuche! Und das du unbedingt wählerisch bist, kann man ja auch nicht behaupten!"

In dem Moment, in dem die letzte Silbe meinen Mund verlassen hatte, wusste ich, dass ich so gut wie tot war. Gefühlte Minuten lang sah Demona mich nur an, dann hob sie langsam ihren Arm und verpasste mir eine schallende Ohrfeige. Durch die Wucht des Schlages stolperte ich ein paar Schritte zur Seite und musste mich schließlich an der Wand abstützen. Niemals hätte ich erwartet, dass sie noch soviel Kraft besaß.

„Arschloch!", zischte sie und lief zu dem Stuhl, auf dem ihr Kleid und ihr Umhang lagen. Sie zog sich in aller Seelenruhe an, während ich mir meine schmerzende Wange rieb und sie misstrauisch beobachtete. Eine zweite Ohrfeige wollte ich ungern kassieren. Eigentlich hatte ich nicht einmal die erste haben wollen.

„SAG MAL, SPINNST DU?", schrie ich sie an und war mir selber nicht so sicher, ob ich denn nun die Ohrfeige meinte, oder die Tatsache, dass sie sich anzog und scheinbar das Haus verlassen wollte. Sie griff nämlich gerade nach ihrem Umhang.

Während sie den Umhang überzog, blickte sie noch mal über ihre Schulter zurück. „Vor einer halben Stunde hätte ich noch gesagt, dass ich mich wirklich freue, dass Du noch am Leben bist. Jetzt muss ich ernsthaft überlegen ob ich Voldemort nicht einen Tipp gebe, wo Du gerade zu finden bist!" Ihre Augen waren kalt wie Eis und auch ihre Stimme klirrte vor Kälte. Ohne mich eines weiteren Blickes zu würdigen, verließ sie den kleinen Raum.

Einen winzigen Moment sah ich ihr nur sprachlos hinterher, dann lief ich ihr nach. Sie war bereits in der Eingangshalle angekommen.

„Demona, bleib hier!", sie ignorierte mich einfach und lief stur weiter zur Tür. „Demona, es stürmt draußen! In deinem Zustand überlebst du da draußen keine zwei Stunden!" Ich beschleunigte meine Schritte, da sie die Tür fast erreicht hatte. Demona wurde langsamer und blieb schließlich ganz stehen. Erleichtert atmete ich aus, da ich dachte, dass sie auf mich hören würde. Dann musste ich jedoch entsetzt erkennen, dass sie nicht wegen mir stehen geblieben war. Demona fing an zu schwanken und fiel dann einfach zu Boden.

„Oh … verdammt", fluchte ich, während ich mich dem Bündel aus Umhang und langen, blonden Haaren näherte, das regungslos auf dem kalten Steinboden lag. Ich kniete mich neben sie auf den Boden und hob mit einer fließenden Bewegung ihren Oberkörper an. Forschend blickte ich in ihr Gesicht. Sie war leichenblass und ihre Atmung kam stoßweise. Ich strich ihr ein paar wirre Haarsträhnen aus dem Gesicht und bemerkte dabei, dass das Fieber wieder gestiegen war.

„Großartig", murrte ich und richtete mich mit Demona in den Armen wieder auf. Sie war noch nie wirklich schwer gewesen, aber nun nahm ich ihr Gewicht in meinem Armen kaum war. Langsam lief ich zurück zu dem kleinen Raum, neben dem Labor und legte sie wieder auf dem Bett ab. Bevor ich ihr die Kleidung wieder auszog, betrachtete ich sie einen Moment.

Ihr Gesicht war regelrecht eingefallen und das schwarze Kleid, das sie trug, verstärkte diesen Eindruck noch. Wieder strich ich ihr eine widerspenstige Haarsträhne aus dem Gesicht und ließ sie für einen Moment durch meine Finger gleiten. Bis jetzt hatte ich sie eigentlich immer nur mit hochgesteckten oder streng nach hinten gekämmten Haaren, die in einen Zopf geflochten waren, gesehen. Mit den offenen Haaren sah sie sehr viel weicher … beinahe zerbrechlich aus.

Das Schlagen der großen Standuhr holte mich schließlich in die Wirklichkeit zurück und als hätte ich mich verbrannt, ließ ich ihre Haarsträhne los, die ich noch immer festgehalten hatte.

„Wieso? Wieso, verdammt noch mal, müssen unsere Gespräche eigentlich immer in Streitereien ausarten?", brummte ich und zog ihre Decke noch ein wenig höher.

Aus der Sicht von Lord Voldemort

Mit einem wütenden Aufschrei warf ich den kleinen Tisch quer durch meinen Wohnraum. Nicht genug, dass mir die kleine Schlampe entwischt war … nein! Ich hatte auch noch entsetzt feststellen müssen, dass dieser verdammte Zaubertrankmeister immer noch am Leben war und mein Eigentum betatschte – schon wieder.

Schwer atmend legte ich meine Hände auf die Rückenlehne eines Sofas und krallte meine Fingernägel in den dunkelgrünen Bezug.

Snape war am Leben. Immer noch!

Woher ich das wusste? Ich konnte es fühlen. Dank dieses wunderbaren, schief gegangenen Zaubers vom letzten Jahr, mit dem ich versucht hatte Albus Dumbledore vom Erdboden zu tilgen und den unglücklicherweise das geflügelte Biest abbekommen hatte, bestand nun eine Verbindung zwischen uns, deren Möglichkeiten weit … sehr weit … über den bereits bestehenden Ehebund hinausgingen. Wenn ich wollte, konnte ich sehen, was sie sah, konnte fühlen, was sie fühlte … ich konnte einfach so in ihren Kopf eindringen, ohne das sie es merkte … aber was noch viel wunderbarer war … ich konnte sie praktisch aussaugen. Die ganzen Heilströme und verborgenen Kräfte, die durch ihren schwächlichen Körper liefen, konnte ich mir zu Nutze machen. Und nun … vor ungefähr einer halben Stunde … bemerkte ich, dass da noch ein weiterer Geist war … der von Snape!

Er musste die Wunde berührt haben und so konnte ich für einen winzigen Moment auch in seinen Kopf eindringen … und das wäre natürlich nicht gegangen, wenn er tot wäre! Seitdem hatte ich versucht herauszufinden, wo die beiden sich befanden … aber immer wenn ich ihre Augen nutzen wollte, kam da nur absolute Schwärze!

„Und was noch viel Schlimmer ist … ich habe ihr gegenüber den Bündniszauber erwähnt …", ich blickte überlegend auf Nagini, die sich zu meinen Füßen immer wieder ein- und entrollte, so als wollte sie mir etwas mitteilen. Ich wandte meinen Blick ab und sah stattdessen aus dem reparierten Fenster.

Demona war nicht dumm. Früher oder später würde sie irgendjemandem – wahrscheinlich sogar Dumbledore – von ihrer kleinen Entdeckung berichten … und dann würde es nicht mehr lange dauern, bis sie dahinter kämen, wie man mich vernichtete.

„Meisssster", zischelte da plötzlich eine leise Stimme hinter mir, „ihr habt mich gerufen?"

„Ja, in der Tat", ich drehte mich zu dem Vogelmenschen um und blickte ihm in die roten Augen, „holt meinen Körper hier her! Er ist in unserer alten Höhle nicht mehr sicher!"

„Ssssehr wohl, Meisssster!" Der Vogelmensch drehte sich um und verschwand dann auf den Balkon. Ich konnte hören, wie er seine drachenartigen Flügel ausbreitete und sich dann in die Lüfte erhob.

Andererseits … vielleicht … hatte ich jetzt ja einen hübschen Köder, um mein untreues Weib doch noch in die Finger zu bekommen.

To be continued …

Falls irgendjemand auf die Idee kommen sollte, dass das Erscheinen neuer Kapitel an Reviews gekoppelt ist … so könnte er/sie Recht haben. ;-)