Kapitel 4 Mißverständnisse

lucia: zwar etwas spät … aber besser spät als nie! ;-) Hier ist das nächste Kapitel.

engelsvieh: zu den Flügeln … die wurden ihr in der Tat ausgerissen. Das ist in der Vorgängergeschichte angedeutet worden. Da war sie zum Schluss bei den Parzen, weil sie eine Information brauchte und als Gegenleistung, wollten die ihre Flügel. Also ab damit! ;-)

syyren: Moin Moin, hier das nächste Kapitel weil du mich so lieb darum gebeten hast. Hin und wieder mache ich ja das was man mir sagt. ;-)

Aus der Sicht von Albus Dumbledore

Verwirrt blickte ich auf Minerva, die seit Beginn des samstäglichen Frühstücks auf ihrem Platz hin und her rutschte und immer wieder zur Tür sah. Beinahe so als erwarte sie dringenden Besuch. Den anderen Lehrern entging das untypische Verhalten ihrer Kollegin natürlich auch nicht. Minerva war normalerweise die Ruhe in Person, dass sie jetzt so rastlos war, zog natürlich einige Aufmerksamkeit auf sich.

Als das Frühstück offiziell beendet war, sprang sie förmlich auf und rannte nach draußen. Remus und ich blickten uns fragend an.

„Sie ist seit gestern Abend so komisch", flüsterte er mir schließlich zu, „ich bin ihr bei meinem Rundgang auf dem Gang begegnet. Es war beinahe so als würde sie jemanden erwarten!"

„Nun … wie auch immer!", antwortete ich ihm, „es wird wohl nichts Schlimmes sein … sonst wäre sie wohl zu einem von uns gekommen … hoffe ich jedenfalls!"

Remus nickte und wir gingen zusammen durch die Lehrertür, um unsere Büros aufzusuchen. Wir waren noch keine zwanzig Meter gegangen, als plötzlich jemand meinen Namen rief. Erstaunt drehte ich mich um und sah die Eheleute Snape auf mich zukommen. Mrs. Snape sah ein wenig panisch aus.

„Mr. und Mrs. Snape, was verschafft mir die Ehre ihres Besuches?", fragte ich freundlich.

„Wir müssten sie in einer dringenden Angelegenheit sprechen … könnten wir vielleicht ihr Büro aufsuchen?", Mr. Snape sah mich bittend an.

„Aber natürlich … bitte folgen sie mir!" Ich lief den Beiden voraus in mein Büro. Langsam ergriff auch von mir so eine innere Unruhe. Minerva schien ansteckend zu sein. Ich bedeutete den Beiden platz zu nehmen und setzte mich ihnen dann gegenüber.

„Also … worum geht es?"

„Severus", begann Sevanna Snape, „er ist seit gestern Abend verschwunden!"

Entsetzt hätte ich beinahe mein Tintenfass umgeworfen. Das durfte einfach nicht wahr sein. Ich musste an mich halten, um den beiden nicht sofort ins Gesicht zu werfen, dass ich St. Mungo von Anfang an für keine gute Idee gehalten hatte.

„Aber … wie … was ist mit den Auroren?"

„Sie sind irgendwie betäubt worden", murmelte Servatius Snape an Stelle seiner Frau. „Wir wissen, dass er das letzte Mal gegen halb acht Besuch bekommen hat … von seiner Frau!"

„Von seiner Frau?", echote ich fassungslos und war mir nicht sicher, ob ich mich verhört hatte.

„Ja, von seiner Frau", knirschte Sevanna Snape den Tränen nah und ballte ihre Hände zu Fäusten. „Wir hatten gehofft, dass er vielleicht hier ist?"

Ich schüttelte verneinend den Kopf, während mir alle möglichen Horrorszenarien durch selben gingen. Da hatte Severus monatelang überlebt und nun wurde er am Ende womöglich doch zur Strecke gebracht, weil seine Eltern ihn unbedingt ins St. Mungo bringen mussten. Ich war kurz davor aus der Haut zu fahren. Das wurde aber dadurch verhindert, dass plötzlich die Tür zu meinem Büro aufgestoßen wurde und Minerva hereingestürmt kam.

„Albus … ich muss unbedingt mit dir sprechen! Eine Katastrophe …", sie hielt inne, als sie die Snapes bemerkte. „Oh, Verzeihung. Guten Morgen", murmelte Minerva und blickte dann schuldbewusst zu mir.

Ich unterrichtete Minerva knapp von dem, was mir die Snapes gerade offenbart hatten.

„Konnte irgendjemand die Frau beschreiben?", fragte Minerva vorsichtig und ich blickte sie erstaunt an. Da war so ein merkwürdiges Glitzern in ihren Augen.

„Ja, die Empfangsdame. Es soll eine sehr große, schwarz gekleidete, blonde, unfreundliche Frau gewesen sein …"

„Merlin sei Dank", Minerva atmete erleichtert aus und ließ sich in einen Sessel fallen.

Sevanna Snape sah meine Kollegin pikiert an. „Wir haben den Verdacht, dass es Narcissa Malfoy war …" Minerva winkte lächelnd ab. „Das war sie ganz bestimmt nicht."

„Minerva?", fragte ich forschend, „kann es sein, dass du über diese Geschichte ein wenig mehr weißt, als wir?"

„Also…", sie strich verlegen einige Falten in ihrem Umhang glatt, als drei Augenpaare auf sie gerichtet waren. „Ich glaube, dass diese Frau Demona war!"

Erstaunt zog ich meine Augenbraue nach oben und blickte Minerva an. „Wie kann das sein? Sie ist seit Monaten verschwunden!"

„Nicht direkt", antwortete Minerva vorsichtig, „wir hatten regelmäßig Kontakt zueinander …"

„Regelmäßig?", meine Brauen wanderten soweit nach oben, dass sie unter der Krempe meines Zaubererhutes verschwinden mussten.

„So ungefähr … mindestens zwei Mal die Woche! Sie sucht einen Weg um Claw zu befreien und dafür … also …", sie blickte zur Seite, „das ist aber eigentlich auch nicht wichtig. Also gestern hätten wir uns eigentlich treffen wollen. Sie ist aber nicht bei mir erschienen … sie ist krank … verletzt …"

„Ah", ich begann zu verstehen, „du glaubst also, statt dich aufzusuchen ist sie direkt zu Severus gegangen?"

Minerva nickte und blickte mir das erste Mal, seit sie hier war fest in die Augen.

„Dann hat diese Natter also meinen Sohn entführt?", fauchte Sevanna Snape plötzlich und stand mit einem Ruck auf. Ich fuhr erschrocken zusammen während Minerva die Mutter von Severus tadelnd ansah.

„Weder ist sie eine Natter, noch hat sie Severus entführt! Severus ist in der Lage einen Trank zu brauen, der die Verletzungen, die sie hat, heilen kann. Ich nehme an, dass sie jetzt an irgendeinem Ort sind, wo er diesen Trank ohne gestört zu werden, herstellen kann. Und seien sie versichert Mrs. Snape", Minerva stand jetzt auf und blickte auf die Angesprochene hinunter, „egal wo ihr Sohn jetzt ist, er ist dort auf jeden Fall sicherer als im St. Mungo! Wenn sie mich dann bitte entschuldigen! Ich habe noch zu tun! Albus!"

Mit diesen Worten drehte sie sich um und verschwand durch die Tür. Sevanna Snape sah ihr betreten hinter her.

„Sevanna", die Stimme ihres Mannes holte sie in die Wirklichkeit zurück und sie blickte tief getroffen zwischen ihrem Mann und mir hinter her.

„Bitte verzeihen sie, Professor! Wir werden wieder nach Hause gehen!" Ich nickte dem Vater von Severus zu und sah den beiden hinter her, wie sie mein Büro verließen.

Jetzt konnten wir nur hoffen, dass es sich bei dieser Frau wirklich um Demona gehandelt hatte.

Aus der Sicht von Demona

Als ich erwachte, fühlte ich mich wie gerädert. Mein ganzer Körper schmerzte, vor allem mein Kopf. Dort schien sich irgendwie alles zu drehen. Selbst die Decke, die ich jetzt seit fünf Minuten anstarrte, um mich zu orientieren. Schließlich wurde das Karussell in meinem Kopf langsamer und ich wollte mich vorsichtig aufsetzen.

„Bleib liegen, oder ich binde dich fest!", ertönte plötzlich die Stimme, die ich eigentlich in meinem ganzen Leben nie wieder hören wollte. Auch wenn ich ihm am liebsten die Augen ausgekratzt hätte, gehorchte ich. Unter anderem auch deswegen weil das Karussell in meinem Kopf zur nächsten Runde startete. Trotzdem warf ich ihm einen bösen Blick zu. Jedenfalls so gut es in meinem Zustand ging.

Severus ließ sich von meinem bösen Blicken jedoch nicht aus der Ruhe bringen. Stattdessen ließ er ein paar Tropfen aus einer Phiole in ein Wasserglas fallen und reichte mir dieses dann. Ich dachte nicht einmal daran das Glas von ihm entgegen zu nehmen. Wütend drehte ich meinen Kopf zur Seite und blickte zur gegenüberliegenden Wand.

„Ich will dich nicht vergiften", knurrte er, „wenn ich das wollte, hätte ich bereits genügend Zeit dafür gehabt! Das ist Medizin, die deine Lungenentzündung in den Griff kriegen sollte!"

„Kann dir doch egal sein", fauchte ich zurück, „woran ich krepier!"

„Es ist mir aber nicht egal", knurrte Severus und zwang mich in eine sitzende Stellung.

„Fass mich nicht an!", wütend schlug ich nach ihm.

„Stell dich nicht so biestig an! Dann fasse ich dich auch nicht an!", seine schwarzen Augen blitzen mich böse an. Ich blickte genau so böse zurück und griff schlussendlich nach dem Glas und setzte es an meine Lippen.

So ungern ich es auch zugab, aber ich spürte beinahe im gleichen Augenblick eine eindeutige Verbesserung. Das Karussell in meinem Kopf schien sich endlich dazu entschlossen haben, stehen zu bleiben und auch mein restliches Befinden besserte sich.

„Besser?", Severus blickte mich fragend an.

„Ja", knurrte ich und war versucht ihm das Glas, das ich immer noch in der Hand hielt an den Kopf zu werfen. Er schien die Gedanken, die durch meinen Kopf wirbelten zu erahnen, denn im nächsten Moment nahm er mir das Glas aus der Hand und stellte es in sicherer Entfernung auf die Kommode. Eine Weile stand er mit dem Rücken zu mir, dann drehte er sich plötzlich um.

„Ich … wegen gestern … es tut mir Leid!" Erstaunt hob ich eine Augenbraue. Eine Entschuldigung von Severus Snape? Ich musste immer noch fiebern.

„Es geht mich schließlich nichts an mit wem … und mit wie vielen du im Bett warst …"

Meine Wut, die gerade dabei war zu verrauchen, loderte aufs Neue auf. Ich musste mich sehr bezähmen um nicht sofort aus dem Bett zu springen und Severus an die Kehle zu gehen. Was bildete der Kerl sich eigentlich ein? Nach fünf Minuten ließ ich mich zähneknirschend zu einer Antwort herab.

„Du hast vollkommen Recht! Es geht dich überhaupt nichts an mit wem ich ins Bett gehe, mit wem ich Kinder zeuge und was weiß ich noch alles anstelle. Es ist mein Leben und du hattest da allerhöchstens einen kleinen Gastauftritt drin! Und jetzt lass mich in Ruhe!" Mit einer endgültigen Geste kreuzte ich die Arme vor der Brust und funkelte meinen lieben Kollegen böse an.

Ich blickte Severus herausfordernd an, von dem ich einen Gegenschlag erwartete, aber da kam gar nichts. Stattdessen hatte ich das Gefühl, das er mich verletzt ansah. Aber dieser Moment dauerte nur den Bruchteil einer Sekunde an und so glaubte ich mich getäuscht zu haben. Ohne mir einen weiteren Blick zu schenken, rauschte Severus aus dem Raum und schloss die Tür hinter sich.

Müde schloss ich die Augen. „Idiot", murmelte ich noch, dann umhüllte mich die Dunkelheit des Schlafes.

Als ich wieder aufwachte, brauchte ich einen Moment um mich zu orientieren. Schließlich fiel mir wieder ein, wo ich mich befand und blickte mich suchend um.

Diesmal stand Severus nicht in irgendeiner Ecke des Zimmers, um mich zu beobachten. Vorsichtig setzte ich mich auf und entdeckte dabei das Tablett mit Essen neben meinem Bett. Langsam griff ich nach einem Stück Obst und begann zu essen. Als ich mit dem Frühstück fertig war, schwang ich vorsichtig meine Beine aus dem Bett. Nichts in meinem Körper protestierte und so stand ich langsam auf.

Ich fragte mich ernsthaft wie lange ich jetzt schon hier war und lief zu einem kleinen Fenster, durch das die Sonne herein schien. Mir eröffnete sich der Blick in einen kleinen gepflegten Garten, der von riesigen Bäumen gesäumt war.

Es sah richtig malerisch aus. Ich war so vertieft in den Anblick dieses kleinen, grünen Juwels, dass ich nicht bemerkte, wie jemand das Zimmer betrat. Erst ein Räuspern holte mich in die Wirklichkeit zurück. Erstaunt blickte ich über die Schulter und erkannte Severus, der an die gegenüberliegende Wand blickte. In diesem Moment wurde mir klar, dass ich vollkommen nackt war. Nichts, was mich großartig in Verlegenheit brachte. Mir gefiel mein Körper.

„Du hast mir leider keinen Umhang oder ein anderes Kleidungsstück hier gelassen", hauchte ich im neckenden Tonfall und lief an ihm vorbei.

„Eine reine Vorsichtsmaßnahme", antwortete er, „ich wollte nicht, dass du dich heimlich aus dem Staub machst und dann in irgendeinem Straßengraben endest."

„Wirklich reizend von dir!" Severus ging nicht auf meinem sarkastischen Tonfall ein, sondern hielt mir nur kommentarlos und ohne mich anzusehen ein Handtuch entgegen. Mit einem spöttischen Kichern, nahm ich das Handtuch von ihm entgegen und statt es mir umzuwickeln, warf ich es einfach nur über meine Schulter. Provozierend baute ich mich direkt vor Severus auf. Noch ein bisschen näher und meine Brüste würden über sein Hemd streifen.

Aber Severus blickte mir nur stur in die Augen. „Legst du dich bitte aufs Bett? Auf den Bauch … ich will mir deine Schultern noch einmal ansehen!"

Ausnahmsweise tat ich mal so wie mir geheißen und legte mich aufs Bett. Einen Moment später senkte sich die Matratze neben mir ab und ich spürte wie Severus mit seinen Händen, meine Haare beiseite strich. Im nächsten Moment rieb er eine kalte Paste auf meine Schulterblätter und ich zuckte erschrocken zusammen. Nicht ob der Kälte, sondern weil die Wunden anfingen zu brennen.

„Scht", er legte mir seine Hand auf den Rücken, „das wird gleich besser!"

Severus hatte nicht gelogen. Das Brennen ließ nach einem Moment nach und ließ nur eine angenehme Wärme zurück. Ich musste an mich halten, um nicht zu schnurren.

Mein „Heiler" stand nach einem Moment wieder auf und lief zu einem Stuhl. Neugierig setzte ich mich auf und sah ihm hinterher.

„Ich habe dir ein Kleid mitgebracht … deins war vollkommen zerrissen!" Er hob das schwarze Stück Stoff vom Stuhl und hielt es mir vor die Nase. Ich runzelte meine Stirn. Dieses Kleid war wirklich hübsch … aber es schien nur aus durchsichtiger Spitze zu bestehen.

„Ähm … Severus …", begann ich.

„Glaub mir, ich habe wirklich das Kleid rausgesucht, durch das man am wenigsten sieht." Er musterte das Kleid noch einmal nachdenklich. „Alle anderen sind noch durchsichtiger. Es müsste dir eigentlich passen. Es hat meiner Tante gehört. Ihr habt ähnliche Figuren."

„Und was sagt deine Tante dazu, wenn ich in ihren Kleidern rumrenne?", fragte ich und griff nach dem Kleid.

„Gar nichts mehr. Sie ist tot!"

„Oh … das tut mir Leid", murmelte ich und zog mir das Kleid über den Kopf. Er winkte ab und kam zu mir, um die Schnüre hinten auf meinem Rücken zu schließen. Severus hatte Recht, es passte wie angegossen, wie ich mit einem Blick in die Spiegel feststellte und trotz meiner anfänglichen Bedenken waren alle wichtigen Körperteile verhüllt. Auch wenn der Ausschnitt nicht mehr viel der männlichen Phantasie überließ. Ich setzte mich auf einen Stuhl und wollte meine Haare in Ordnung bringen, aber als ich meine Arme nun wieder hob, um meine Haare zu bürsten, schoss ein glühender Schmerz von meinen Schultern durch meinen gesamten Körper. Keuchend ließ ich die Bürste fallen.

Severus stand plötzlich hinter mir und hob die Bürste auf. Ohne irgendein Wort begann er damit meine Haare zu entwirren.

Es war ein seltsames Gefühl. Seit ich ein kleines Kind war hatte mir niemand mehr die Haare gemacht. Die seltenen Gelegenheiten, in denen ich herausgeputzt wurde, um irgendeinen notgeilen, alten Elben zu beeindrucken, mal außen vorgelassen. Es war ein zugegebenermaßen unfairer Vorteil, den ich mir hin und wieder in Verhandlungen durch mein Aussehen verschaffte. Und jetzt stand ausgerechnet Severus Snape hinter mir und bürstete meine Haare.

Ich seufzte ergeben. Das Leben war wirklich zu seltsam.

„Ein Zopf?", seine raue Stimme brachte mich in die Wirklichkeit zurück und ich nickte. Aufmerksam beobachtete ich seine Bewegungen im Spiegel. Mein Blick wurde dabei immer wieder von seiner rechten Hand angezogen.

„Du scheinst dich mit deiner rechten Hand gut arrangiert zu haben … aber … konnte man das im St. Mungo nicht richten?"

Diesmal war es Severus, der seufzte. „Es wäre einfacher eine ganze Hand zu erneuern … bei so kleinen Körperteilen besteht die Gefahr, dass die Nerven nicht anwachsen."

„Wenn … wenn du möchtest, bitte ich eine meiner Heilerinnen sich das einmal anzusehen. Wir haben häufiger Probleme mit fehlenden Körperteilen …"

Einen Moment herrschte Schweigen zwischen uns beiden, in dem Severus angestrengt zu Überlegen schien. „Das … das wäre nett. Das Zaubertränke brauen ist so doch etwas schwierig."

Ich nickte und stand auf, da Severus mit meinen Haaren fertig war. Mein Spiegelbild kassierte noch einen kritischen Blick von mir, dann drehte ich mich um und verließ den Raum. Severus folgte mir, wie ich an den Schritten erkannte.

„Wie lange habe ich eigentlich geschlafen?" Ich drehte mich zu Severus um, aber der war weg. Einen Moment drehte ich mich hilflos im Kreis, dann sah ich wie er aus einer kleinen Nebentür getreten kam. Mit meinem Umhang.

„Mehrere Tage", antwortete er und reichte mir den dunkelblauen Umhang, den ich mal von Minerva zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte. Ich liebte diesen Umhang aus Samt mit den aufgestickten winzigen Sternen heiß und innig. Er war den Umhängen aus dem Mittelalter nachempfunden und bauschte sich so herrlich dramatisch auf, wenn ich lief. „Insgesamt waren wir sieben Tage hier."

„Sieben Tage?" Ich drehte mich erstaunt zu Severus um. Damit hatte ich jetzt nicht gerechnet.

„Ja. Sieben Tage", bestätigte er noch einmal, „und ich weiß, dass du unbedingt nach Hogwarts willst, aber ich bitte dich noch einen Zwischenstopp bei meinen Eltern einzulegen."

„Und warum gehst du nicht alleine zu deinen Eltern?", fragte ich mit hochgezogener Augenbraue.

„Weil ich dich nicht alleine lassen werde, deswegen! Du bist immer noch krank."

Ich öffnete schon meinen Mund, um zu widersprechen, aber Severus blickte mich nur tadelnd an. Auch gut … auf die zwei Stunden kam es nun auch nicht mehr an.

Er führte mich nach draußen als mir etwas Entscheidendes auffiel.

„Und wie soll ich bitte zu deinen Eltern gelangen? Ich kann mich nur an Orte zaubern, die ich kenne!"

„Ich weiß. Du wirst wohl oder übel mit mir Apparieren müssen. Also halt dich bitte an mir fest!"

Ich sah Severus an als wäre er eine besonders hässliche Kröte. „Ich soll was?"

„Dich an mir festhalten", wiederholte er genervt und riss mich an sich. Bevor ich überhaupt an Gegenwehr denken konnte, fand ich mich eng an seine Brust gedrückt wieder. Er war noch dünner geworden. Aber das war ja nicht wirklich ein Wunder, wenn man überlegte was ihm alles widerfahren war. Widerwillig gehorchte ich Severus schließlich und legte meine Arme um seinen Nacken.

„Und bloß nicht loslassen!", flüsterte er noch. Dann ging es los. Es dauerte zwar nur Sekunden, aber das reichte für mich, um für alle Ewigkeiten die Nase voll zu haben.

Kaum spürte ich, dass wir am Ort unserer Bestimmung angekommen waren, stieß ich ihn von mir.

„Bah … und das macht ihr öfter? Das ist ja scheußlich!", schimpfte ich und erntete einen spöttischen Blick aus den kohleschwarzen Augen.

„Man gewöhnt sich dran!", meinte er nur und lief voraus. Ich folgte ihm nach anfänglichem Zögern. Mir stand nicht wirklich der Sinn danach auf Sevanna Snape zu treffen. Aber ich fügte mich in mein Schicksal.

Plötzlich blieb Severus vor mir abrupt stehen und ich prallte gegen ihn.

„Was denn", fauchte ich und lief um ihn herum. Ich hatte jetzt freie Aussicht auf ungefähr fünfzig Auroren und ein kleines Häuschen über dem das Schwarze Mal schwebte. Misstrauisch machte ich noch ein paar Schritte vorwärts. Um das kleine Haus waberte irgendein Zauber, der allerdings verdammt schlecht ausgeführt war. Also waren die Todesser noch drin!

Severus rannte an mir vorbei, nachdem er den ersten Schockmoment überwunden hatte und auf den ersten Auror zu, den er kriegen konnte. Es war Severin. Ich folgte ihm etwas gemächlicher.

„Was ist hier los?", fuhr er seinen Bruder an. Der blickte Severus erst ungläubig an, dann raunzte er zurück. „Wonach sieht's denn aus? Deinen tollen Freunde haben unsere Eltern als Geiseln genommen, um zu erfahren wo du steckst."

„Das sind nicht meine Freunde", giftete Severus zurück. „Nur falls es dir entfallen ist, die wollten mich umbringen."

Ein anderer Auror meldete sich zu Wort. „Das ist er Severin? Das ist dein Bruder? Dann lass ihn uns doch einfach ausliefern!"

Severus war sprachlos. Ich für einen Moment auch, wie ich gestehen musste, aber nicht ob der Unverschämtheit des einen Aurors, sondern darüber, dass Severin tatsächlich darüber nachdachte seinen eigenen Bruder ans Messer zu liefern.

„Hier wird niemand ausgeliefert", grollte ich den älteren Auror an, „es sei denn sie trinken vorher eine ordentliche Portion Vielsafttrank, sie Arsch!"

Der alte Auror schnappte hörbar nach Luft und wollte zu einer deftigen Erwiderung ansetzen, wurde aber durch einen eisigen Blick von mir zum Schweigen gebracht. Ich stand im Moment zwar nicht auf sehr freundschaftlichem Fuß mit Severus, aber auf so eine Idee wäre ich in meinen bösesten Alpträumen nicht gekommen.

„Haben sie vielleicht eine bessere Idee, Professor", giftete Severin mich an.

Ich ignorierte den unhöflichen Ton und blickte ihn nur von oben herab an. „Ja, die habe ich! Ich gehe da rein. Und wenn ich wieder rauskomme, und ihm", ich deutete auf Severus, „ist auch nur ein Härchen gekrümmt worden, dann wird hier ein Blutbad stattfinden!"

„Sie können da nicht reingehen …", brummte der ältere Auror, „wenn da irgendjemand anders als der da", er deutete unmissverständlich auf Severus, „dann wird das Ehepaar umgebracht!"

„Dafür müssten sie erst einmal merken, dass überhaupt irgendjemand das Haus betritt", erwiderte ich spitz, „und den Schreien nach zu urteilen, die ich höre … sind sie gerade etwas beschäftigt! Außerdem ist das da", ich deutete auf den wabernden Zauber, „ganz schön stümperhaft … das hätte ein Erstklässler besser hinbekommen … und ein Auror mit jahrelanger Erfahrung", hauchte ich honigsüß, „hätte eigentlich erkennen müssen, dass dieser Zauber … vollkommen wirkungslos ist!" Ohne weiter auf den alten Auror zu achten, der scheinbar vor Wut Feuer spuckte, schritt ich auf das Haus zu. Ich spürte nur ein kurzes Kribbeln, als ich den Zauber durchschritt und dankte allen Heiligen, die ich kannte, dass meine Vermutung gerade richtig gewesen war. Ich musste nämlich gestehen, dass ich den Auror gerade ein wenig angeschwindelt hatte. Ich befand mich jetzt direkt vor der Tür und legte meine Hand vorsichtig auf die Klinke. Sie war nicht verschlossen. Leise trat ich ein und lauschte.

Ich konnte unterdrücktes Schluchzen aus einem der Räume vernehmen. Im nächsten Moment hörte ich wie eine männliche Stimme „Crucio" rief und dann die gellenden Schreie eines anderen Mannes. Ich beschleunigte meine Schritte und kam bald darauf zu der Quelle des Geschreis.

Vier Todesser hatten sich im Wohnraum versammelt, einer von ihnen richtete seinen Zauberstab auf Mr. Snape, während ein zweiter Mrs. Snape an den Haaren zu packen hatte und aufpasste, dass sie auch ja nichts von diesem Schauspiel verpasste. Die zwei anderen standen mit dem Rücken zu mir und lachten schmierig. Abschaum.

„Es zeugt nicht unbedingt von Mut und Ehrgefühl sich an Wehrlosen zu vergreifen … nicht das ihr überhaupt jemals viel davon im Leib gehabt habt", übertönte meine Stimme die Schreie von Mr. Snape. Augenblicklich herrschte Stille und sechs Augenpaare blickten zu mir.

„Na … wollt ihr euch mal mit jemandem anlegen, der euch gewachsen ist?", fragte ich honigsüß und beobachtete die vier Todesser, die jetzt ihre Zauberstäbe auf mich richteten.

„Na, sieh mal einer an", schnarrte einer von ihnen, „der Lord wird höchst erfreut sein, wenn wir dich zu ihm bringen. Er war über deine kleine Nummer nicht sonderlich erfreut!"

„Dann fangt mich doch", hauchte ich und machte zwei Schritte vorwärts. Meine magischen Fähigkeiten beschränkten sich im Moment leider nur auf das Nötigste und so sah ich mich gezwungen, die Todesser auf die altmodische Art auszuschalten. Die zwei, die direkt vor mir standen, wurden von mir gepackt, bevor ihnen überhaupt ein Zauberspruch einfiel und mit den Köpfen aneinander geschlagen. Wie Kartoffelsäcke sackten die beiden zusammen und fielen bewusstlos auf den Boden.

Der dritte Todesser, der scheinbar etwas bessere Reaktionen hatte, als seine Kumpanen feuerte einen Stupor auf mich ab, dem ich nur entging, weil ich hinter dem geblümten Sessel in Deckung ging. Von dort ließ ich einen Schürhaken aus der Halterung für Kaminbesteck in meine Hand sausen, richtete mich wieder auf und warf meine Waffe auf den Todesser, der mich gerade schocken wollte. Eigentlich hatte ich nur auf seinen Arm gezielt aber der Schürhaken durchstieß seine Brust dummerweise genau an der Stelle wo das Herz war und nagelte ihn richtiggehend an die Wand. „Upps … ‚tschuldigung!", murmelte ich mit beinahe ehrlichem Bedauern und wandte mich dann an Todesser Nummer vier, der mich hinter seiner Maske panisch anblickte. Erstaunt bemerkte ich, dass der Todesser scheinbar soviel Angst hatte, dass er sich seit Beginn des kleinen Kampfes noch nicht einmal von der Stelle gerührt hatte. Ich besah mir meinen Gegner genauer. Die Statur ließ auf einen jungen Mann oder eine Frau schließen … auf jeden Fall war er oder sie noch nicht lange bei den Todessern.

„Was mache ich denn jetzt mit dir?", murmelte ich und das schien den Todesser endlich aus seiner Schockstarre zu befreien. Er warf seinen Zauberstab von sich und rannte laut schreiend aus dem Haus. Perplex starrte ich ihm hinterher und erinnerte mich dann endlich daran, warum ich eigentlich hier war. Langsam lief ich dorthin, wo ich die Eheleute Snape das letzte Mal gesehen hatte.

Sie saßen an der anderen Wand. Servatius Snape hielt mit geschlossenen Augen und schwer atmend seine schluchzende Frau im Arm.

„Danke", murmelte er matt, als er gewahr wurde, dass ich vor ihm stand.

„Keine Ursache", murmelte ich, „können sie aufstehen?"

Die beiden nickten schwach und kamen mit meiner Hilfe auf die Beine. Sevanna Snape blickte sich in dem Raum um, der mal ihr Wohnzimmer dargestellt hatte und dann anklagend auf mich.

„Sie haben Flecken auf den Teppich gemacht", schniefte sie vorwurfsvoll und stützte sich etwas mehr auf ihren Mann, der mich entschuldigend ansah und seiner Frau tröstend über den Rücken streichelte.

Ich drehte die Augen gen Zimmerdecke. Wenn das ihre größten Sorgen waren, dann wollte ich gerne mit ihr tauschen.

„Wäre es ihnen vielleicht lieber die Blutflecken wären von ihrem Mann?", fragte ich mit hochgezogener Augenbraue und lief auf die andere Seite von Severus' Vater, um ihn zu stützen. Der arme Kerl brach fast zusammen und seine Frau machte sich Sorgen um den Teppich!

„Nehmen sie es ihr bitte nicht übel", flüsterte der arme Ehemann zwischen zusammen gebissenen Zähnen, „sie steht unter Schock!"

Wortlos griff ich ihm unter die Arme und bugsierte ihn nach draußen, wo die beiden dann von Medimagiern in Empfang genommen wurden. Gleichzeitig rauschten mehrere Auroren an mir vorbei ins Haus. Seufzend verließ ich die Veranda und suchte mir ein Plätzchen, wo nicht ganz soviel Trubel herrschte, aber ich trotzdem alles überblicken konnte. Severus und sein Bruder standen in der Nähe der Medimagier und sprachen leise mit ihren Eltern, während die Auroren, die nicht ins Haus gerannt waren, mit wichtigen Gesichtern umher stolzierten. Minervas Kinder in allen Ehren, aber ich hatte den Auroren noch nie sehr viel abgewinnen können. Und der reizende Vorschlag des älteren Auroren hatte auch nicht unbedingt dazu geführt, dass ich seine Berufszunft mit anderen Augen sah. Ich blickte suchend umher und sah schließlich den Todesser, der gerade vor mir geflüchtet war. Er stand umringt von mehreren Auroren und schien haltlos zu weinen. Dabei stellte ich auch fest, dass ich recht gehabt hatte. Der pickelige Bengel dort zählte noch keine 20 Sommer.

Aus den Augenwinkeln heraus bemerkte ich wie die anderen Auroren das kleine Haus wieder verließen und ich konnte mehrmals das Wort „Monster" aufschnappen. Ich brauchte mir ihre Gesichter nicht ansehen, um zu wissen, dass sie nicht die Todesser sondern mich meinten. Im Laufe der Zeit hatte ich mich damit abgefunden, dass ich bei den Menschen nicht unbedingt positive Gefühle hervorrief. Es war zwar Schade, aber ich hatte ein dickes Fell. Was mir im Moment mehr Kopfzerbrechen bereitete, waren die Blicke, die mein Lieblingszaubertränkemeister unwissentlich von den Auroren kassierte. Besonders der Auror, der mir zuvor schon durch seine Liebenswürdigkeit ins Auge gestochen war, klebte mit seinen Blicken förmlich an Severus während er sich mit einem Kollegen unterhielt. Da ich erotisches Interesse in diesem Fall einfach mal ausschloss, spitzte ich meine Ohren und lauschte.

„Ganz ehrlich", brummte der alte Auror, „wie viele Leute kennst du, die von Du-weißt-schon-wem als Verräter entlarvt wurden und immer noch leben? Ich finde an der Sache ist was oberfaul!"

Wie von selbst kräuselte sich meine Oberlippe und aus meiner Kehle entwich ein leises Knurren.

Der angesprochene Auror, der mit dem Rücken zu mir stand, kratzte sich am Kopf. „Merkwürdig ist das schon …", stimmte er dem anderen Auror zu, „aber das ist Severins eigener Bruder!"

Der Alte zuckte nur mit den Schultern und spuckte auf den Boden, während ich bei dem Anblick meine Nase kraus zog. Menschen waren ja so widerlich! „In jeder Familie gibt es schwarze Schafe! Ich habe auf jeden Fall gerade auf Severins Geheiß im Ministerium Bescheid gegeben. Die schicken jemanden, der ihn zu einem Verhör mitnimmt!"

Tadadadaaaaaa ... wie gehts wohl weiter? Lust auf Folter im Ministerium? Dann reviewt!