Catherine und Warrick hatte alle nötigen Sachen zusammengepackt und waren wieder auf dem Weg ins Krankenhaus. Catherine fuhr. Sie konnte nicht einfach ruhig neben Warrick sitzen und nichts tun.
Eine Ampel wurde rot und sie hielt. „Wann ist es dir zum ersten Mal aufgefallen?", fragte Warrick Catherine.
Sie blickte ihn verwirrt an. „Was?"
Warrick sah ihr in die Augen. „Dass die beiden sich ein Leben aufgebaut haben, indem wir keine große Rolle mehr spielen."
„Ich denke, letzte Weihnachten auf unserer Weihnachtsfeier. Sara war in ihrem Labor geblieben, du weißt ja wie sie ist, feiern ist nicht gerade ihr Ding, Nick nahm zwei Stücke Kuchen, setzte sich diese bescheuerte Mütze auf und ging zu ihr."
Warrick runzelte die Stirn. „Was war so Besonderes daran?"
Auf Catherines Gesicht bildete sich ein Lächeln. „Er küsste sie auf die Wange, gab ihr das Stück Kuchen und brachte sie zum Lachen. Ich habe sie beobachtet. Sie hätten sich nie so verhalten, wenn jemand dabei gewesen wäre."
Warrick verstand, was sie meinte. Die Ampel wurde grün und Catherine fuhr weiter. „Wann wusstest du es?"
„Sara wollte nie Kinder haben. Sie hat es mir einmal gesagt, als Nick mir erzählte, dass Sara schwanger sei, war ich nicht sicher, ob sie das auch wollte."
Catherine lenkte den Wagen auf den Parkplatz des Krankenhauses und Warrick fuhr fort: „Doch, als ich sie sah, ihr Lächeln, die Art wie sie ihren Bauch anfasste, wusste ich, dass zwischen den beiden etwas ist, was wir niemals erfahren werden."
Catherine nickte, sie parkte den Wagen und stieg aus. Warrick folgte ihr. Er bekam einen leichten Schauer, nachdem die Türen des Krankenhauses zugingen.
Sara hatte Schwierigkeiten die Worte von Nicks Arzt ganz zusammenfügen. Für sie war nur wichtigen, dass er überlebte. Und laut des Arztes, waren seine Chancen nicht schlecht.
„Miss Sidle, komme sie. Ich werde sie zu Mr. Stokes bringen." Er lächelte sie freundlich an und nahm sie am Arm.
Sara zitterte. Erst als sie den Raum betrat und Nick sah, wurde ihr bewusst, dass sie den Atem angehalten hatte.
Ihr wurde schlecht und sie wusste genau, dass es nicht an den Hormonen lag. Unzählige Schläuche, fuhren in seinen Körper hinein.
„Wir haben Mr. Stokes für eine Woche in ein künstliches Koma versetzt. Er würde sonst die Schmerzen nicht aushalten. Wir konnten alle Kugeln aus seinem Körper entfernen und wenn er die Nacht übersteht, hat er gute Chancen wieder völlig gesund zu werden."
Diesmal hatte Sara zugehört. Und es brach eine Welt zusammen. Der Arzt ließ Sara und Nick allein. Sie stand bewegungslos an seinem Bett.
Erst nach langer Zeit setzte sie sich. Der Stuhl war unbequem. Sie ergriff Nicks Hand. Erst jetzt wurde ihr bewusst, was es hieß, dass er nicht aufwachen wird.
„Du hast mir versprochen, du bist dabei.", ihre Stimme war zerbrechlich und unheimlich leise.
Nur Nick wusste, was sie meinte, aber wie hätte er antworten können?
Sara legte ihre Hand auf ihren Bauch und die Tränen stiegen in ihre Augen. Sie wusste nicht, ob sie das ohne ihn schaffen würde.
Sie blickte auf seine geschlossenen Augen und fragte sich, ob Nick sie hören konnte. Sie war sich sicher, dass er es konnte, also versuchte sie, auch wenn es schwer fiel, mit ihm zu reden.
„Der Arzt hat gesagt, dass alles in Ordnung ist mit dem Baby. Auch wenn es sich Zeit lassen würde, gibt es keinen Grund zur Besorgnis."
Sara atmete tief durch. Nick hatte sich große Sorgen gemacht, dass der Geburtstermin schon vor einer Woche hätte sein sollen. Sara hatte versucht ihn zu beruhigen, doch er bestand darauf, dass Sara einen Arzt aufsuchte.
Heute Morgen hatte sie es gemacht und jetzt wusste Nick nicht einmal, dass alles in Ordnung war.
„Hey, Sara. Ist alles okay mit dir?", fragte Warrick besorgt, als er den Raum betrat und von Nicks Anblick nicht mehr sprachlos war.
Sara drehte sich um. Sie sah, dass Warrick Tränen in den Augen hatte. Sie konnte nichts sagen. Sara nickte nur.
Als sich ihre Gesichtszüge veränderten, eilte Warrick zu ihr und legte seine Arme um sie. Als Saras Tränen sein T-Shirt befeuchteten, wusste Warrick, dass nichts in Ordnung war.
Sara versuchte die nächsten Tage zu überleben. Wenn sie nicht im Krankenhaus war, fiel ihr zu Hause die Decke auf den Kopf. Ihre Tochter hatte noch keine Anzeichen gemacht, dass sie das Licht der Welt erblicken wollte. Wahrscheinlich spürte sie, was für ein Chaos ihr Leben war.
Sie blickte Nick an und fragte sich, ob er darum kämpfte wieder aufzuwachen oder ob es dort, wo er jetzt war, gar nicht so schlecht war.
Sara musste auch an ihr Kind denken, also stand sie auf, streichelte Nick übers Gesicht und holte sich etwas zu Essen. Leider war die einzige Nahrungsquelle der Automat, wenn man nicht auf Grund des Kantinenessens das Zeitliche segnen wollte.
Mit einer Tüte Chips und anderen Leckereien machte sie sich wieder auf zu Nick. Sie erschrak ein wenig, als sie Warrick plötzlich im Zimmer sitzen sah.
Er bemerkte sie auch, drehte seinen Kopf und lächelte sie aufmunternd an. „Hey, ich dachte, ich komme in der Pause mal vorbei."
Sara blickte ihn an. „Wir haben eine Pause?"
Ihre Worte zauberten ein Lachen auf Warricks Lippen und selbst Sara fing an zu Lachen. Es war das erste Mal seit Tagen.
„Es gibt so ein Gerücht, dass das in unserem Arbeitsvertrag steht.", erwiderte Warrick.
Saras Lächeln verschwand schlagartig. „Warrick, es geht los.", sagte sie mit gepresster Stimme.
Warrick runzelte die Stirn. „Was geht los?"
Sara sagte nichts, sondern deutete nur auf ihren Bauch. Es dauerte eine Weile, bist Warrick begriff. „Oh Gott! Okay, Sara, keine Panik. Wir sind schließlich schon im Krankenhaus und hier gibt es Ärzte, die für so was ausgebildet sind und die sind zu Hauff hier und die wissen, was man tun muss und -"
„Warrick, wie wäre es, wenn wir einfach auf die Geburtsstation gehen. Das ist ganz einfach. Wir nehmen den Fahrstuhl und drücken auf den Knopf, wo Geburtsstation drauf steht.", sagte Sara mit einem Grinsen im Gesicht.
Es war niedlich, wie Warrick in Panik geriet. Sie wünschte sich nur, dass Nick an seiner Stelle gewesen wäre. Sara ging schnell zu seinem Bett, küsste ihn auf die Lippen und sagte: „Ich liebe dich." Dann flüsterte sie ihm noch ins Ohr: „Ich bekomme unser Baby."
Trotz der Schmerzen, freute sie sich riesig. Sie hatte schließlich lange genug auf diesen Moment gewartet, auch wenn er nicht so war, wie sie sich ihn vorgestellt hat.
Sie drehte sich um und ging langsam zum Fahrstuhl. Warrick stand noch neben Nicks Bett, als er bemerkte, dass Sara schon aus dem Zimmer war. Bevor er ihr folgte, wandte er sich noch einmal an Nick: „Wenn du wieder aufwachst, Nicky, dann müssen wir dringend darüber reden, was du Sara antust."
Dann drehte er sich um und folgte Sara ins Ungewisse.
