Sara blickte durch die Glasscheibe des Babyzimmers. Sie sah, wie ihre Tochter zufrieden im Land der Träume verweilte. Durch Warricks Hand auf ihrer Schulter, wurde sie aus ihren Gedanken gerissen.
„Hey, das hast du großartig gemacht. Sie ist wunderschön.", sagte Warrick mit einem Lächeln.
Sara sah ihn sehr ernst an. „Nein, sie ist perfekt."
„Wie wirst du sie nennen?", fragte Warrick neugierig.
„Ellie-May."
Warrick runzelte mit der Stirn. „Ich dachte, du wolltest sie nicht Ellie-May nennen."
„Wollte ich auch nicht."
Warrick saß ihm Aufenthaltraum, um sich zu entspannen. Als er gerade einen Schluck seines Kaffees trinken wollte, wurde die Ruhe von zwei diskutierenden Stimmen unterbrochen.
„Ich werde sie ganz bestimmt nicht Ellie- May nennen.", äußerte sich Sara etwas lauter als sonst.
Nick blickte sie an. „Komm schon, Sara. Das ist ein schöner Name."
Sara blickte Warrick mit einem Blick an, der sagte: Der wird wohl nie verstehen. Warrick zuckte mit den Schultern und hörte mit nicht geringer Aufmerksamkeit weiter zu.
Sara wandte sich an Nick und versuchte mit ruhiger, aber doch bedrohlicher Stimme zu sagen: „Ich werde sie nicht nach deiner Großmutter nennen. Sie ist ein eigener Mensch. Also braucht sie auch ihren eigenen Namen."
„Sie hätte ihren eigenen Namen. Sie hat doch noch einen anderen Nachnamen.", versuchte Nick zu erklären.
„Nick, wie hieß deine Großmutter mit Nachnamen?"
„Stokes.", gab Nick leise zu. „Aber das ist etwas völlig anderes."
Sara drehte sich zu Warrick. „Warrick habe ich mich verhört oder ist das tatsächlich derselbe Name?"
Warrick hob abwehrend seine Hände. „Lasst mich da raus."
Sara blickte ihn mit einem Blick an, der ihn töten könnte.
Erst jetzt viel Nick etwas auf, was anscheinend für niemanden im Raum relevant war.
„Du willst sie Stokes nennen?", fragte er.
Sara lächelte ihn an. „Ja, natürlich."
Die Tatsache, dass ihre Tochter seinen Namen bekommen würde, machte Nick stolzer den je.
Warrick dachte nach. Er wusste, wie viel Nick dies bedeuten würde. Er hoffte nur, dass er es bald erfahren würde. „Ellie-May ist ein guter Name, Sara."
Sara lächelte ihn an. Nicht ganz überzeugt, aber anscheinend beruhigt, sagte sie: „Ich weiß. Es ist wichtig für Nick."
Sara blickte Warrick an und auf einmal stiegen ihr die Tränen in die Augen. Sie versuchte sich diese aus den Augen zu wischen, doch es gelang ihr nicht.
„Was ist los?", fragte Warrick besorgt.
Sara schüttelte ihren Kopf. „Nichts, es ist nur, dass Nick nicht einmal weiß, dass Ellie-May existiert. Er hat keine Ahnung, dass seine Tochter geboren wurde."
Warrick strich ihr die Tränen von der Wange. „Dann zeig es ihm. Er wird es schon merken."
Sara wollte fragen, wie er das meinte, aber sie wurde von bekannten Stimmen daran gehindert.
„Da ist ja die frischgebackene Mommy.", sagte Catherine enthusiastisch.
Sara wischte sich schnell alle Tränen ab und drehte sich mit einem aufgesetzten Lächeln um. „Da seid ihr ja endlich."
Sara zitterte, als sie mit ihrer Tochter im Arm Nicks Krankenzimmer betrat. Sie trat an sein Bett und blickte ihn an. Sie hoffte, dass Warrick Recht behalten würde. Sie hoffte, dass Nick merkte, was in den letzten Tagen passiert war.
Sara räusperte sich leise. „Nick, darf ich dir deine Tochter vorstellen. Ihr Name ist Ellie-May."
Irgendwie war Sara enttäuscht, als keine Reaktion von Nick kam. Aber wie hätte das auch passieren sollen. Die Ärzte würden ihn erst in zwei Tagen aus dem Koma holen.
Sara zog Nicks Bettdecke so runter, dass sein Oberkörper frei war. Sie stellte sich ziemlich ungeschickt an, aber es war ihr wichtiger, dass Ellie-May sicher in ihren Armen lag.
Ihre Tochter schlief ziemlich fest. Eins war schon mal klar, dieses Talent hatte sie nicht von ihrer Mutter geerbt.
Sara legte sie vorsichtig auf Nicks Bauch. Nahm seinen Arm und passte dabei auf, dass sie keine Schläuche herauszog. Sie legte seinen Arm auf seine Tochter.
Sara wartete ab, doch wieder regte sich nichts. Nick war genauso emotionslos wie vorher.
Aber mehr konnte Sara nicht tun. Nicht im Moment.
Sara war zu Hause. Heute war der Tag endlich gekommen. Heute würde Nick endlich wieder aufwachen. Sie war gerade dabei Ellie-May für diesen Tag besonders hübsch zu machen. Dafür zog Sara ihr den Strampler an, den Nick gekauft hatte, als er erfahren hatte, dass er eine Tochter bekommen würde.
Die Türklingel meldete sich zu Wort. Sara nahm ihre Tochter und ging an die Tür.
„Hey, Sara. Ich dachte mir, dass meine beiden Lieblingsladys eine kleine Stärkung brauchen, bevor sie ins Krankenhaus fahren.", begrüßte Warrick die beiden und hielt eine Tüte mit Muffins hoch. In der anderen Hand hielt er eine Palette mit zwei Kaffeebechern.
Sara strahlte. „Komm rein."
Warrick betrat die Wohnung. Sie hatte sich seit ein paar Monaten ziemlich verändert. Vor allem, weil Sara mit in Nicks Wohnung gezogen ist und diese dadurch einen weiblichen Anstrich bekommen hatte.
Warrick und Sara, mit Ellie-May im Arm setzten sich aufs Sofa. Sie nahm dankend den Kaffee an und probierte danach einen Muffin.
„Sara, kann ich dich mal etwas fragen?", fragte Warrick vorsichtig. Er hatte Schwierigkeiten die richtigen Worte zu finden.
Sara blickte ihn rätselnd an. „Ja."
„Hast du Angst?"
Sara verstand, was er meinte, aber sie fragte trotzdem: „Warum sollte ich Angst haben?"
Warrick stellte seinen Kaffee auf den Tisch. „Was ist, wenn er heute aufwacht und nicht mehr der ist, der er war. Ich meine, die Ärzte wissen nicht genau, ob er irgendwelche Schäden davongetragen hat. Ich meine, was ist, wenn er aufwacht und nicht mehr sprechen kann oder nicht mehr in der Lage ist selbst zu denken?" Die Worte sprudelten nur so aus ihm heraus.
Sara dachte darüber nach. „Ich will überhaupt nicht daran denken. Und du solltest das auch nicht. Okay! Es wird schon wieder alles in Ordnung werden. Er wird aufwachen, seine Tochter in den Arm nehmen und alles ist so, wie es sein soll."
Warrick reagierte mit Schweigen auf ihren flehenden Tonfall. Es verging ziemlich fiel Zeit. Beide tranken ihren Kaffee in Ruhe.
Nach einiger Zeit fragte Sara: „Hast du Angst?"
Warrick blickte auf Ellie-May. Sie war so bezaubernd. Sie hatte es verdient ihren Vater so kennen zu lernen, wie er war und nicht als ein Mensch, der nicht einmal mehr erkennen konnte, wer seine Tochter war.
„Todesangst." Ein einfaches Wort, das mehr sagte, als alle anderen.
