Irgendwie war Sara aufgeregt. Sie war so nervös, dass Catherine beschlossen hatte mit Ellie-May einen Spaziergang zu machen, damit die kleine den Stress ihrer Mutter nicht spürte.
Sara war dankbar über das Angebot gewesen. Sie brauchte unbedingt einen freien Kopf. Und sie wusste, Ellie-May war sicher in Catherines Händen.
„Miss Sidle, wir haben das Narkosemittel heute Nacht abgesetzt. Mr. Stokes wird bald wieder aufwachen. Wenn er wach ist, müssen wir ein paar Tests machen, um festzustellen, ob er irgendwelche Schäden davongetragen hat." Der Arzt erklärte ihr das nicht zum ersten Mal und allmählich hatte Sara das Gefühl, dass er sie für bekloppt hielt.
Sie nickte nur und ging zurück zu Nick. Das war ihr lieber, als mit irgendeinem Arzt in diesem kalten und fast hoffnungslosen Flur zu stehen.
In Nicks Zimmer warteten schon die anderen. Grissom hatte es sich auf einem Stuhl neben dem Bett bequem gemacht. Er war wie immer total in sich zurückgezogen. Warrick hatte sich an die Wand gelegt und starrte auf Nick. Greg saß auf dem Bett.
Dieses lange Warten machte sie alle fertig. Sara wusste, dass sie sich Sorgen machten. Doch im Moment war ihr nur wichtig, dass Nick bald aufwachen würde. Der Gedanke daran, dass bald alles wieder normal sein würde, machte sie glücklich.
„Okay, ich halte das nicht mehr aus, will irgendjemand einen Kaffee?", fragte Greg und sprang vom Bett.
Grissom wollte gerade antworten, als Warrick ihn unterbrach: „Er bewegt sich!"
Sara konnte nicht glauben, was er sagte. Sie eilte zum Vater ihres Kindes und beobachtete aufmerksam, was passierte. Trotz dieses privaten Moments schaffte sie es nicht ihre wissenschaftliche Neugier zu bremsen. Sie hatte noch nie gesehen, wie jemand aus einem Koma erwachte.
Als Nick die Augen aufschlug, umarmte Sara ihn. Sie konnte nicht anders. „Gott sei dank."
Nick fing an zu würgen. Greg lief schnell zur Tür und rief nach einer Schwester. Diese kam wenige Augenblicke später und entfernte den Tubus aus Nicks Hals.
Dann gab sie Nick einen Schluck Wasser, überprüfte die Maschinen und ging um einen Arzt zu holen.
Warrick trat an Nicks Bett. „Hey Kumpel, du hast eine ganze Menge verpasst."
Nick runzelte die Stirn. Er verstand nicht. Die Frau neben seinem Bett lächelte und sagte: „Fällt dir etwas an mir auf?"
Nick musterte sie. Sie war hübsch, doch er wusste nicht, was sie meinte. Er dachte nach und nach einer Zeit konnte er nur noch eine einzige Frage stellen: „Wer sind Sie?"
Sara hätte nie gedacht, dass sich ihr Leben innerhalb einer Sekunde wieder verändern konnte. Es war genau wie damals, als ihre Mutter die Waffe in die Hand nahm und auf ihren Vater schoss. Nur wusste sie jetzt die ganze Bedeutung.
Ihr wurde schlecht. Sie musste da raus. Noch bevor sie den Gedanken zu Ende gesponnen hatte, war sie auch schon aus dem Zimmer gelaufen.
Sie rannte auf die Damentoilette und übergab sich. Erst als sie zum Waschbecken ging um sich den Mund auszuspülen, merkte sie, dass Warrick auch im Raum war.
„Das hier ist die Damentoilette.", sagte sie knapp.
Warrick lächelte ein wenig. „Ich weiß." Einen Moment darauf fragte er besorgt: „Ist alles in Ordnung mit dir?"
„Ich habe dich angelogen." Sara trocknete ihre Hände ab.
Warrick blickte sie fragend an: „Das hier ist nicht die Damentoilette?"
Er dachte, dass er durch diese Frage Sara ein Lachen entlocken konnte, doch sie blickte ihn weiter sehr ernst an.
„Ich hatte Angst, dass etwas mit Nick nicht in Ordnung ist, wenn er aufwacht. Und anscheinend war diese Angst auch berechtigt. Ich dachte, dass es zu einem Problem für ihn werden kann, dass er nicht bei Ellie-Mays Geburt dabei war. Ich war so dumm. Ich meine, jetzt kann er sich nicht mal mehr daran erinnern, wer ich bin."
Warrick kam einen Schritt näher. Und legte ihr die Hand auf die Schulter. Sara löste sich von dieser Berührung und rannte wieder zu einer Toilette. Sie übergab sich erneut.
„Sara, hör mir zu, baby. Es wird alles wieder gut. Nick wird sich wieder erinnern und dann werdet ihr drei einen richtige Familie.", versuchte er Sara zu beruhigen.
Sara wusch sich ihr Gesicht und drehte sich dann zu Warrick um. „Du hast Recht. Ich sollte stark sein. Für Ellie-May."
Warrick lächelte ihr aufmunternd zu. „Für Ellie-May!"
Sara strich sich durch die Haare und glättete ihr T-Shirt. Eine Sache konnte sich Warrick aber nicht verkneifen, als sie die Damentoilette verließen.
„Sag mal, Sara, du bist doch nicht schon wieder schwanger, oder? Du hast doch erst vor ein paar Tagen ein Kind zur Welt gebracht."
Diesmal schaffte er es Sara zum Lachen zu bringen. Sie stieß ihn mit den Ellenbogen in die Rippen und sagte lachend: „Es werden sogar Zwillinge."
