Nick guckte sich in seiner neuen Umgebung um. Er hatte sich alles ein wenig anders vorgestellt. Er wusste nur nicht genau wie.
„Wo ist eigentlich Ellie-May?", fragte Nick. Zu seiner Schande musste er gestehen, dass er sich noch keine Gedanken darum gemacht hatte.
Sara setzte Nicks Sachen ab und kramte den Schlüssel aus ihrer Jackentasche. „Sie ist bei einer Nachbarin. Wir holen sie gleich ab.", antwortete sie und öffnete die Tür.
Nick versuchte einen Blick in die Wohnung zu werfen, aber Sara stellte nur seine Tasche rein und schloss die Tür danach gleich wieder.
„Komm, Nicky. Shannon wartet bestimmt schon auf uns."
Nick kramte in seinen Erinnerungen, aber er konnte sich nicht an jemanden erinnern, der Shannon hieß, doch alsa Sara an der Nachbarstür klingelte und plötzlich eine kleine blonde Frau erschien und ihm um den Hals fiel, bekam Nick das Gefühl, dass Shannon anscheinend sehr genau wusste, wer er war.
„Oh mein Gott, Nick. Du siehst gut aus. Ich habe mir schon Sorgen gemacht, aber ich konnte dich nicht besuchen kommen, weil ich im Ausland war.", begrüßte Shannon ihn.
Sie löste sich von Nick und umarmte Sara. „Wie geht es dir?", fragte sie besorgt.
Sara sagte nichts, sondern lächelte nur. Shannon machte platz und ließ die beiden herein. „Ellie-May schläft gerade." Shannon ging in ihr Schlafzimmer und holte Ellie-May.
Während sie Nick und Sara alleine ließ, herrschte ein Schweigen. Ein Schweigen, das so unbekannt für Sara war, dass es sie ganz krank machte.
Deswegen war sie Shannon auch unglaublich dankbar, als sie wiederkam. „Da bist du ja.", sagte Sara sanft, als sie ihre Tochter in den Arm nahm.
„Danke, Shannon. Ich bin dir was schuldig.", sagte Sara.
Shannon winkte mit ihrer Hand. „Ach, das mach ich doch gerne. Ich meine, sie ist so süß und vor allem unglaublich brav. Das habt ihr beide wirklich gut hinbekommen."
Nick lächelte sie an. Er war der Meinung, dass sie Recht hatte.
„Noch mal danke, Shannon.", wiederholte Sara.
Shannon zog an ihrer Strickjacke. „Bitte… bitte. Und jetzt geht ihr beiden. Ich weiß, dass ihr noch über eine Menge reden müsst."
Sie begleitete die beiden zur Tür. „Nick, ich hoffe, du wirst dich wieder erinnern."
Diese Aussage war eine Überraschung für Nick. Er hatte nicht gewusst, dass Shannon über seine Situation informiert war.
„War nett dich kennen zulernen.", verabschiedete sich Nick und folgte Sara.
„Noch mal.", fügte er noch hinzu, aber Shannon konnte ihn nicht mehr hören.
Nick war noch nicht bereit. Er hatte so lange auf diesen Moment gewartet und jetzt war er einfach noch nicht bereit.
Er blickte Ellie-May in seinen Armen an und wusste, dass er bereit sein musste.
Sara schloss auf und Nick betrat seine Wohnung. Sie war in dunklen Farben gehalten und auf dem Boden lag ein Teppich, welchen den Buchstaben T zierte. Nach hinten raus gab es einen langen Flur.
Auf der linken Seite war eine kleine Kochnische. „Hier lebe ich also."
Sara verbesserte ihn. „Nein, hier leben wir."
Nick blickte ihr in die Augen. Er war gespannt, wie sein Leben wohl war. Sara zog ihre Jacke und Schuhe aus. „Soll ich dir eine kleine Führung geben?"
„Ja.", antwortete Nick begeistert.
„Also hier sind wir im Wohnzimmer." Sara öffnete ihre Arme und deutete in den Raum. „Unsere Küche ist dort und wenn du mir bitte folgen würdest, dann zeige ich dir auch den Rest."
Nick folgte ihr gespannt und Sara fuhr mit ihrer Führung fort: „Unser Gästezimmer."
Das Zimmer war von einem großen Bett dominiert. Die Tagesdecke passte farblich zur dunkelgrünen Wand. „Wenn deine Schwestern oder Freunde kommen, dann schlafen die hier. Sonst ist der Raum eigentlich ungenutzt."
Sara ging wieder aus dem Zimmer und ging zu einem Zimmer ganz am Ende des Flures. „Das ist unser Schlafzimmer."
Nick blickte sich im Raum um. Die Wände waren in einem dunklen Violet gestrichen, welches allerdings einen Hauch ins Weinrote hatte.
Die weißen Türen des Einbauschrankens waren in der Wand versenkt. Der Anblick erinnerte Nick ein wenig an den Schrank, aus E.T. indem sich das kleine Mädchen versteckt hatte.
Ihm wurde bewusst, dass er viel zu viel Zeit im Krankenhaus verbracht hatte. Nick schüttelte seinen Kopf und richtete seinen Blick auf eine kleine Kommode am anderen Ende des Raumes. Ellie- May schlief immer noch ruhig in seinen Armen.
Auf ihr standen Bilderrahmen. Bilder, die voll mit Erinnerungen waren, an die er sich nicht mehr erinnern konnte.
Neben dem Bett stand ein Kinderbettchen. Anscheinend schlief Elli-May auch hier.
„Als ich zu dir gezogen bin, durfte ich einen Raum so einrichten, wie ich wollte. Na ja, weil meine Möbel doch nicht mehr in deine Wohnung gepasst haben.", berichtete Sara.
Doch Nick hörte ihr gar nicht richtig zu. Seine Aufmerksamkeit war auf einen Nachttisch gerichtet.
„Das ist deine Seite des Bettes.", sagte Sara und beobachtete Nick aufmerksam.
Nick setzte sich aufs Bett und nahm den Bilderrahmen vom Nachttisch. Ihm strahlte Sara entgegen. Jedoch war es eine Sara, die glücklicher aussah.
„Wo war das?", fragte Nick neugierig.
Sara setzte sich neben ihn und klärte ihn auf: „Das war auf Hawaii. Wir haben vor zwei Jahren dort Urlaub gemacht. Du bist getaucht und wir haben die ganze Zeit aus Kokosnüssen getrunken."
Nick musste bei dem Gedanken lachen. Ellie-May fing an aufzuwachen. „Sie hat bestimmt Hunger.", sagte Sara und nahm ihm Ellie-May aus den Armen.
Sie stand auf und ging zur Tür. Nick stellte das Foto wieder zurück auf den Nachttisch.
„Sara.", hielt Nick sie auf.
Sara drehte sich um. „Ja."
„Wo ist Ellie-Mays Zimmer?", fragte er.
Sara strich ihrer Tochter über den Rücken. „Das Zimmer gegenüber, aber es ist noch nicht fertig."
Nick guckte verwirrt und Sara fügte hinzu: „Du wolltest es fertig machen."
Sie blickte traurig und verließ das Zimmer. Sie hatte jetzt nicht die Zeit um sich darüber Gedanken zu machen.
