Nick schaute sich um. Er war noch nie zuvor bei Catherine gewesen, jedenfalls konnte er sich nicht mehr daran erinnern. Alles war in warmen Farben gehalten.

Sogar Catherines Tochter war hier. Lindsay. Sie war niedlich, obwohl sie schon ein Teenager war.

Nick versuchte seine Umgebung irgendwo hinzuzuordnen, aber es gelang ihm nicht. Alle waren da. Sogar Grissom. Dieser war damit beschäftigt Ellie-May in den Armen zu halten. Nick beobachtete ihn genau. Irgendwie wirkte er traurig.

„Hey, wer will den Tisch decken?", fragte Catherine und blickte dabei ihre Tochter an. Diese rollte jedoch nur mit den Augen. Sie hatte keine Lust.

Catherine blickte Warrick an und kurz darauf sagte dieser: „Komm, Linds. Wir beide machen das."

Lindsay lächelte und folgte ihm in die Küche. Jetzt waren nur noch Nick und Grissom ihm Zimmer.

Nick bemerkte, dass sie sich gar nicht richtig unterhalten hatten, seitdem er aus dem Koma erwacht war.

„Hast du Kinder?", fragte er Grissom.

Grissom richtete seine Aufmerksamkeit weiter auf Ellie-May. „Nein." Das war alles, was er sagte.

Eine unangenehme Stillte trat ein. Jedoch unterbrach Grissom diese Stille nach einiger Zeit. „Ihr seid meine Familie. Und glaub mir, dass ist aufregend genug."

Jetzt war Nick überrascht. Das hatte er nicht erwartet. „Du bist in sie verliebt oder?", fragte Nick direkt. Er war kein Idiot. Er hatte es schon bemerkt, als er ihn zum ersten Mal gesehen hatte, nachdem er aufgewacht war. Er hatte Sara so angeblickt. Anders, als er jeden anderen anblickte.

Grissom runzelte die Stirn, obwohl er genau wusste, wen er meinte. Doch er antwortete nicht, das war auch nicht nötig. Plötzlich fühlte sich Nick seltsam. Ein ungewohntes Gefühl überkam ihn.

Lindsay kam ins Zimmer. „Kommt ihr beiden? Wir wollen essen."

Nick stand auf und blickte Grissom weiter an. „Nick, darf ich sie mal in den Arm nehmen?", fragte Lindsay und sorgte damit, dass Nick seinen Blick von Grissom wendete.

„Ja, natürlich.", antwortete er.

Lindsay ging zu Grissom und nahm ihm Ellie-May aus dem Arm. „Sie ist so süß."

Nick lächelte. Lindsay hatte Recht. Er folgte ihr und seiner Tochter, dabei merkte er, wie Grissoms Blick auf ihm ruhte, doch das war ihm im Moment egal.


Nick konnte nicht genug vom Essen bekommen. Es war köstlich. Er hörte den anderen einfach nur zu. Sie erzählten sich alte und neue Geschichten und er genoss es wieder in einer richtigen Gemeinschaft zu sein.

Lindsay blickte ihn an. Als er seinen Kopf zu ihr drehte, fing sie an zu lächeln. Sie stand auf und rannte in ihr Zimmer.

Catherine rief ihr hinterher: „Lindsay, was soll das?"

Doch bevor sie eine Antwort erhalten konnte, war Lindsay schon wieder da. Sie hielt einen Karton in ihren Händen.

„Ich weiß, du kannst dich nicht erinnern, aber als mein Dad starb, hast du mich gerettet."

Catherine blickte ihre Tochter verwirrt an. Davon hatte sie nichts gewusst. Lindsay öffnete den Karton und holte einen Ring heraus.

Nick starrte den Ring an. Ein seltsames Gefühl überkam ihn.

Hey, Prinzessin. Wie geht es dir?", Nick setzte sich neben sie auf die Veranda.

Er konnte sehen, dass das kleine Mädchen geweint hatte. Sie sah so zerbrechlich aus, dass Nick sich schwor sie für immer zu beschützen, doch vorher musste er erstmal dafür sorgen, dass sie überlebte.

Alle kümmern sich um Mommy. Ich weiß nicht, was ich machen soll.", ihre Stimme war so unschuldig und traurig.

Nick legte seinen Arm um sie und drückte sie an sich. „Du hast Recht. Wir haben dich ein wenig vernachlässigt. Aber jetzt bin ich für dich da."

Er wischte ihr sanft die Tränen von der Wange. „Wirst du immer für mich da sein?"

Ja.", etwas anderes konnte er gar nicht sagen, als er ihr Gesicht sah.

Lindsay schniefte. „Onkel Nick, wo ist mein Daddy?"

Nick hatte schon die ganze Zeit vor dieser Frage Angst gehabt. „Als meine Grandma starb, die ich über alles geliebt habe, habe ich mich das auch gefragt."

Hast du eine Antwort gefunden?" Lindsay blickte ihn mit ihren großen Augen an.

Nick griff in seine Tasche und holte einen Ring heraus. „Kurz bevor sie starb, hat sie mir diesen Ring gegeben und gesagt, dass egal wo sie hinkommt sie mich beobachten und beschützen wird."

Das klingt schön. Meinst du mein Daddy tut das auch?", fragte Lindsay.

Nick nickte. „Natürlich. Er passt doch darauf auf, dass seinem kleinen Mädchen nichts passiert."

Nick bemerkte, wie Lindsay ruhiger wurde. „Ich hoffe, du hast recht."

Nick zog sie näher an sich. „Meine Grandma sagte, dass ich den Ring einmal der Frau schenken soll, die ich mehr als alles andere auf der Welt liebe und heiraten werde. Aber weißt du was, ich will ihn dir geben. Er wird dich beschützen, okay?"

Er gab Lindsay den Ring. Diese nickte und umarmte ihn. „Danke."

Nick beobachtete sie genau. Sie würde das schon hinbekommen. Lindsay fragte einen Augenblick später: „Hört das irgendwann auf wehzutun? Ich meine hier?"

Sie zeigte auf ihr Herz. Nick bekam Tränen in den Augen. „Oh, baby, ich verspreche dir, dass es besser werden wird."

Nick konnte nicht glauben, dass er sich daran erinnern konnte und nicht nur daran. Doch er war sich noch nicht sicher.

Er nahm den Ring von Lindsay und packte ihn wieder in den Karton. Dann flüsterte er ihr ins Ohr: „Du weißt doch, was ich dir gesagt habe." Lindsay nickte. „Er wird dich weiter beschützen, also bewahre ihn gut auf."

Lindsay fing an zu Grinsen. Sie nahm den Karton wieder und brachte ihn in ihr Zimmer. Noch verstand sie nicht, was gerade passiert war. Sie wusste nicht, dass sie diesmal Nick gerettet hatte.


Saras Hände waren schon aufgeweicht, aber es machte ihr nichts aus. Sie genoss es mal unter Menschen zu sein. Menschen, die sich an alles erinnern konnten. Obwohl sie schon eine Weile abwusch, brachten die anderen immer mehr Geschirr aus dem Zimmer.

Doch die monotone Arbeit brachte Sara dazu über Nick nachzudenken. Er war beim Essen komisch gewesen. Seine Blicke waren anders, als wie in den letzten paar Wochen.

Er hatte zwar aufmerksam zugehört, aber erst als Lindsay etwas über ihren Vater gesagt hatte, bemerkte man seine Anwesenheit richtig.

„Sara?", unterbrach Nick ihre Gedanken.

Sie drehte sich mit einem Teller in der Hand um.

„Ich liebe dich.", sagte Nick und blickte ihr direkt in die Augen. Sara ließ vor Schreck den Teller fallen.

Schnell machte sie sich daran, die Scherben aufzusammeln. Nick eilte zu ihr und half. „Sag so was nicht, okay?", sagte Sara und musste ihre Tränen zurückhalten.

„Ich meine es ernst. Ich kann mich erinnern."

Sara schnitt sich an einer Scherbe, als sie seine Worte hörte. „Nick, ich weiß, dass du dich bemühst, aber du musst das nicht sagen, nur damit es wieder so wie früher sein kann."

Nick nahm ihr die Scherben aus der Hand, warf sie in einen Papierkorb und nahm Saras Hände.

Langsam erhob sie sich wieder. „Ich kann mich erinnern, wirklich.", wiederholte Nick.

Er sah, dass Sara ihm nicht glaubte. Er musste sich schnellstens etwas einfallen lassen, um sie zu überzeugen.

„Du wolltest sie niemals Ellie-May nennen. Sie sollte doch ein eigenständiger Mensch werden und dafür braucht sie einen eigenen Namen."

Sara liefen die Tränen die Wangen runter. Sie hielt sich an der Küchenzeile fest, damit sie nicht umkippte. „Das hätte Warrick dir erzählen können."

Sie wusste, dass sie es einfach akzeptieren sollte. Er konnte sich wieder erinnern und das war das Wichtigste. Aber sie hatte Angst, Angst davor, dass alles nur ein Traum war oder dass Nick sich vielleicht nicht vollständig erinnern konnte.

Nick ging einen Schritt auf sie zu und lächelte ihr ins Gesicht. „Als wir das erste Mal miteinander geschlafen haben, waren wir in der Wüste. Es hatte geregnet, aber das war uns egal. Als dein Handy geklingelt hatte, hast du es weggeworfen und Grissom hast du später erzählt, dass es dir geklaut worden ist."

Sara lief rot an. Das konnte Nick von niemand anderen erfahren haben. „Du kannst dich also wirklich wieder erinnern. Total?"

Nick nickte. „Bist du dir sicher?", fragte Sara noch einmal.

„Du stehst auf Spinat und verabscheust Tee. Deine Lieblingsfarbe ist violett und deine Biologielehrerin aus der fünften Klasse hieß Mrs. Shepard.", antwortete Nick.

Sekundenbruchteile später spürte er Saras Lippen auf den seinen und er umarte sie. Sara hatte solange darauf gewartet. Und jetzt war es ihr egal, dass sie in Catherines Küche stand und ihre Hände völlig aufgeweicht waren.

Sie hatte endlich eine richtige Familie.

Und das war alles, was sie jemals wollte.

THE END