Ohne sich umzuziehen, fiel Potter ins Bett. In ihrem Bauch kochte die Wut und was viel schlimmer war, in ihrem Kopf schwoll die Trauer. Ich hab es erwartet, genau das habe ich an dem Abend erwartet, an dem Bianca zurückgekommen ist, dachte Potter bitter, sie hat mich und Chris auseinander gebracht in jeder erdenklichen Art und Weise. Sowohl Räumlich als auch Körperlich aber vor allem unsere Seelen.

Potter versuchte die Augen geschlossen zu halten aber ihre Gedanken fuhren Achterbahn und wann immer sie ein neuer Gedanke mit voller Wucht traf riss sie Reflexartig die Augen auf. An schlaf war nicht zudenken. Ihr Wecker zeigte zehn Minuten nach zwei an. Die Nacht war schrecklich wenn man nichts zu tun hatte, wenn man alleine war mit seinen schlimmen Gedanken. Potter drehte sich hin und her das Lacken zerknitterte unter ihr. Tick Tack Tick Tack, machte der Wecker aber es dämmerte die junge Hexe nicht wie sonst in den Schlaf. Die Wut war stärker, fast schon zu stark.

Tick Tack Tick Tack, Potter war eine Weile eingeschlafen, denn als sie wieder auf die Uhr sah war es schon vier. Die Uhrzeit jagte einen heißen Schauer über ihren Rücken. Warum ausgerechnet vier? War es Zufall oder Gewohnheit gewesen, dass sie wach geworden war? Genau um vier, bei der Morgendämmerung, war Chris geboren worden. Noch vor Potters Geburt war es zu einem Brauch geworden Chris seine Geburtstagsgeschenke um vier Uhr morgens zu Überreichen und den Tag mit einem Familienfrühstück zu beginnen. Chris hatte wohl an seinem ersten Geburtstag die ganze Nacht durch geschrieen und als Piper auf die Uhr sah war es auch genau vier gewesen. Und weil Chris eben um vier geboren worden war hatte sie ihm seine Geschenke gegeben und ihn mit den neuen Spielsachen von seinen Bauchschmerzen abgelenkt. Es war dabei geblieben auch wenn Chris heute nur noch sehr selten die Nächte durch schrie. Auch nach dem Tod seiner Mutter war der Brauch bestehen geblieben alle hatten dafür gesorgt, das der Tod den dreien nicht ihre Gewohnheiten nahm.

Heute war das erste Mal das Chris und Potter nicht zusammen feierten. Chris saß bestimmt in seiner dunkeln Wohnung und tat sich selbst Leid, lächerlich, wie Potter fand. Aber da war noch etwas, was sie noch viel lächerlicher Fand, dass sie in ihrem dunklen Zimmer lag und sich selbst Leid tat.

Schließlich hatte Potter genug von ihrem Bett, an schlaf war doch so oder so nicht zudenken. Sie sprang auf und ging in die Küche, riss die Tür des Oberschranks auf und taumelte zurück. Eine Tasse fiel ihr entgegen, sie wollte ihr ausweichen aber es ging nicht mehr. Potter landete auf ihrem Po, die Hände stützend nach hinten. Von ihrer Schläfe lief Blut hinab. Die Tasse hatte genau die Stelle getroffen an der Wyatt sie mit dem Holzstück verletzt hatte. War das ein Zufall? Potter verdrehte über sich selbst die Augen, das war doch Paranoid. Seit wann war es Wyatts Stil mit Tassen aus Schränken zu feuern? Victor betrat die Küche und sah seine Enkelin auf dem Boden sitzen. „Potter was um Himmelswillen ist passiert?" Sie machte ein zerknirschtes Gesicht. „Mir ist eine Tasse auf den Kopf gefallen!" Victor trug seinen dunkelgrünen Bademantel über seinem Pyjama, frisch aus dem Bett. Er riss zwei Blätter von der Küchenrolle ab und drückte sie gegen die Platzwunde. „Halt feste drauf!" wies er Potter an. Dann half er ihr sich auf einen Stuhl zu setzten. „Immer schön langsam!" murmelte er dabei „Dass uns der Kreißlauf nicht schlapp macht!" Grandpa ist besser als jede Krankenschwester, dachte Potter. Er hat eben im Laufe der Jahre einiges gelernt.

Jetzt verschwand er ins Badezimmer, wo sich die Verbandsvorräte befanden und suchte das nötige zusammen.

Dann kam er zurück und versorgte die Wunde Fachmännisch. „So geht's wieder?" fragte er. Potter nickte. „Du solltest wieder ins Bett, du siehst Chris heute noch früh genug!" er bekam einen Mitleidigen Blick. „Ich weis beim ersten Mal ist es am schwersten aber was soll ich erst sagen? Irgendwann muss ich auch deinen ersten Geburtstag ohne dich feiern!" Potter musste einfach lächeln. Wenn Victor wüsste. Aber er wusste es eben nicht! Denn er hatte schon geschlafen als sie nachhause gekommen war und selbst wenn nicht dann hätte sie ihm dennoch nicht von dem Streit erzählt. Er machte so schon genug mit. „Ich kann jetzt nicht mehr schlafen Grandpa!" sagte Potter und bemerkte das ihre Stimme klang als würde ich gleich weinen. „Ich werd zur Erik gehen, der bekommt heute Morgen eine Lieferung vielleicht kann ich ihm helfen." Sie wartete ab bis er nickte und stand dann auf. „Wir sehen uns dann spätestens heute Abend im P3" rief sie über ihre Schulter hinweg. „Ja oder nachher bei Chris!" „Ja, ja!" sagte Potter hastig und ging ehe ihr Großvater ihre Tränen sehen konnte.