Dieser Julius! Fluchend reibt sich Tibor den schmerzenden Arm, während er sich die Treppe hoch zu den Schlafsälen schleift. Aus einem der Flure am ersten Stockwerk kommt ihm plötzlich Julius entgegen, aber die Brüder ignorieren sich gekonnt. Beide haben nach ihrer letzten Auseinandersetzung schmerzhafte Prellungen, und keiner wäre jetzt in der Lage, wieder zu kämpfen. Es ist eine stumme Vereinbarung zwischen den Brüdern: Keine Prügelei wenn man sich nicht mehr bewegen kann, wer immer noch wütend ist kann seinen Frust im Training ablassen. Sehr zum Leidwesen von Dominique, die leider jedes Mal aufs Neue als Dummy herhalten muss. Wieso wollte er als Kind unbedingt einen kleinen Bruder haben? Hätte er doch damals nach einem Hund verlangt oder einem Goldfisch, aber er musste seine Eltern ja nach ein Brüderchen anflehen, sogar gebettelt hat er.
Saublöde Idee, eine absolut saublöde Idee!
Ein lautes Poltern direkt hinter ihn lässt Tibor aufschrecken. Er sieht noch, wie Julius die letzten Stufen herunter rollt, dann ist es schlagartig still.
Was zum…?
Es dauert nur einen Bruchteil einer Sekunde, dann sieht Tibor, wie sich ein roter Fleck direkt neben Julius Kopf auf der untersten Stufe bildet.
Das darf nicht sein, das darf einfach nicht sein! Mit jedem Schritt wächst Tibors Panik, als er die Treppe zu seinen Bruder herunter stürmt. Julius ist ein Agent, und dann soll so eine einfache Treppe… Nein das ist unmöglich, das geht nicht!
Er zittert am ganzen Leib, als sich Tibor auf den Blutfleck kniet, das Schlimmste befürchtend sucht er nach dem Puls. Aber nein, da ist es: Das starke Schlagen von Julius Herzen, was ununterbrochen sein Blut durch die Adern pumpt. Erleichtert stellt Tibor fest, dass auch kein Knochen gebrochen zu sein
„Wach auf, du Trottel!" Tibor fällt nichts Besseres ein, als Julius mit drei für seine Verhältnisse recht sanften Schlägen im Gesicht aus seiner Bewusstlosigkeit zu wecken, und tatsächlich: Nach nur wenigen Sekunden öffnen sich die Augen des kleinen Bruders langsam.
„Du bist der größte Trottel den es gibt. Wie hast du es bloß geschafft Agent zu werden?" Eigentlich wollte Tibor ernst klingen, aber seine Erleichterung, dass sich Julius langsam wieder aufrichtet hört man deutlich wieder raus.
„Was zum…Tibor!" Die Augen weit aufgerissen starrt Julius seinen Bruder an, dann geht alles sehr schnell: Mit einem Gebrüll stürzt er sich auf Tibor, der die plötzliche Attacke nicht abwehren kann.
„Tibor, ich bin so froh dass du da bist!"
Was hat Julius gerade gesagt? Moment das ist kein Angriff, das ist… das ist eine Umarmung!
„Ich bin so froh dass DU mein Bruder bist, ich will mich nie wieder mit der streiten verstanden?" Verzweifelt versucht sich Tibor aus der Umklammerung seines Bruders zu retten, aber er denkt gar nicht daran los zu lassen.
„Ähm Julius du warst doch nicht an Als Medizinschrank, oder? Du machst mir gerade Angst…"
