„Du bist der beste große Bruder den man sich wünschen kann, das weiß ich jetzt." Wie ein Schraubstock hält Julius immer noch seinen großen Bruder fest, der mit allen Mitteln versucht, sich dagegen zu wehren-zwecklos.

„Julius, wenn du mich nicht sofort los lässt muss ich dir leider weh tun, und das willst du nicht, oder?" Das "leider" war gelogen. Der Idiot hat zwar eine ziemlich schwere Kopfverletzung, trotzdem würde Tibor in diesen Moment nichts lieber machen, als seinem Bruder ins Gesicht zu schlagen.

Am liebsten mit einen Hammer.

Aber Julius scheint begriffen zu haben, dass Tibor die Umarmung nicht ganz so toll findet wie er selbst, denn er lässt –wenn auch widerwillig- von seinem Bruder ab, der sofort aufspringt und eine Kampfposition einnimmt und dabei fast Delilah umstößt, die plötzlich hinter ihn auftaucht.

„Was ist denn hier los? Du bist jetzt eindeutig zu weit gegangen, Tibor!" Auch das noch. Delilah hat das ganze Spektakel nicht gesehen und glaubt nun tatsächlich, dass er Julius die Platzwunde verpasst hat, was wie Tibor sich selbst eingestehen muss, nach ihren letzten Streitereien gar nicht mal so abwegig ist.

„Ob du es nun glaubst oder nicht, aber ich war das zur Abwechslung nicht. Er ist von allein die Treppe herunter gefallen." In der Tat glaubt sie ihm nicht, schließlich wäre es nicht das erste Mal, dass sich einer der Brüder verletzt.

„Hör mir zu, Delilah: Julius gehört dringend in die Krankenstation, und ich brauche deine Hilfe um ihn dorthin zu schleppen."

„Wieso…" kann er nicht alleine gehen wollte sie sagen, aber Julius Verhalten beantwortet ihre Frage: Wie ein Kleinkind klammert er sich um die Beine seines Bruders.

„Du bist doch nicht böse auf mich, oder? Lass mich nie wieder alleine!" Der Anblick könnte herzzerreißend sein, wäre Julius kein erwachsener Mann und würde Tibor nicht so aussehen, als würde er am liebsten schreiend wegrennen. Oder jemanden töten.

„Hör auf zu träumen und erklär mir lieber, wie man DAS DA ausschaltet! Bitte, Delilah…" Es ist das erste Mal in seinem Leben, dass Tibor jemanden um Hilfe anfleht, aber es ist auch das erste Mal, dass sein Bruder ihm Angst macht. Große Angst.

„Wie oft soll ich dir noch erklären dass hier niemand ohne meine Erlaubnis ausgeschaltet wird, Mann. Auch dein kleiner Bruder…heilige Frühlingsrolle was ist denn mit dem los?" So wie Delilah einige Sekunden zuvor taucht auch Al plötzlich neben ihnen auf, einen Hotdog in der Hand. Mit einigen knappen Worten erklärt Tibor ihn was passiert ist, aber ähnlich wie Delilah kann auch Al nicht so recht glauben, dass Julius ohne die Hilfe seines Bruders die Treppe herunter gestürzt ist. Er beugt sich zu Julius herunter, der sich immer noch an Tibors Beinen fest klammert.

„Wenn mich nicht alles täuscht hat er eine dicke Gehirnerschütterung, Mann. Delilah, bring ihn doch kurz zu Scarlett, ich muss noch ein Wörtchen mit Tibor sprechen."

„Nein ich will nicht! Ich will bei Tiborli bleiben, ich will, ich will, ich will!" Wie ein trotziges Kind zehrt Julius weiter an Tibors Beinen, der so sein Gleichgewicht nicht länger halten kann und unsanft zu Boden stürzt. Eine tiefe Falte bildet sich auf Als Stirn, die Situation ist doch ernster als er gedacht hat.

„Ok was hältst du davon, Kleiner: Tibor bringt dich zu Scarlett und Delilah und ich holen Dominique." Für einen kurzen Augenblick glaubt Al, dass Julius anfängt zu weinen, aber dann hellt sich sein Gesicht auf. „Ja, hol Nicky! Schwesterchen soll sehen wie lieb ich Brüderchen jetzt habe!" Stumm formt Tibor ein „Lasst mich nicht in Stich" mit seinen Lippen, worauf weder Al noch Delilah eingehen. Er wird später noch genug Gelegenheit haben, sie alle aus Rache umzubringen.