Titel: Phönixfeuer III-Verkaufte Seelen (1/?)
Autor: KimRay
Kategorie: ?
Unterkategorie: Drama
Inhalt: Harry hat geschworen Dracos Seele beschützen, doch das wird um einiges schwerer, als er erwartet hat.
DISCLAIMER: Alle urheberrechtlich geschützten Figuren in dieser Story gehören natürlich den jeweiligen Eigentümern. Ich habe sie mir nur ausgeliehen. Einzig die Idee und neue Charaktere sind komplett von mir.
EINMALIGE WARNUNG: Meine HP-Storys sind grundsätzlich slash, was da heißt homosexuelle Beziehungen. Wer das nicht mag sollte nicht weiterlesen.
Anmerkungen: AU.
Beta: Keine und das merkt man.
Vergangenheit
//1//
Erwachen
Harry starrte auf den Brief in seiner Hand, den ihm Consalvo vor einigen Minuten in die Hand gedrückt hatte. Er brauchte ihn nicht zu öffnen, um zu wissen, was darin stand.
Professor Trelawney hatte sich geirrt, als sie behauptet hatte, Harry Potter besäße das innere Augen nicht. Es war ausgeprägter, als es wünschenswert sein konnte. Harry wusste schon seit zwei Tagen, was in England passiert war.
Mit leerem Blick starrte er aus dem Fenster auf eine fremde Landschaft, die ihm schon längst sehr viel vertrauter war, als die zerklüfteten Hügel um Hogwarts herum.
Sanfte Hügel bewachsen mit Gräsern und Lavendel, Zypressen in kleinen Gruppen und Häuser mit flachen Dächern und kleinen Fenstern wechselten einander ab. Der tiefe Süden Italiens war so gar nicht mit den Landschaften in Nordengland und Schottland zu vergleichen, doch Harry sah all das im Moment nicht.
In seinem Kopf drehte sich alles darum, dass ihn die Vergangenheit eingeholt hatte. Seit sieben Jahren war er jetzt hier und die Tage, an denen er seiner Vergangenheit nachgetrauert hatte konnte er an einer Hand abzählen, doch heute hatte sie ihn eingeholt.
Unwillig riss er den Brief Dumbledores auf, der ihm nur bestätigen würde, was er schon wusste und überflog ihn.
Es stand exakt das drin, was er erwartet hatte. Albus Dumbledore teilte ihm mit, dass sein Pate, Sirius Black, nicht mehr am Leben war.
Die Vision, die er von zwei Nächten gehabt hatte, stand Harry wieder klar und deutlich vor Augen.
Es war Nacht gewesen. Harry kannte sogar den Namen des Ortes, in dem es geschehen war, Maiden, an der Küste von Wales. Sirius hatte dort eine Widerstandsgruppe im Kampf gegen Voldemort, der vor vier Jahren in England die Macht übernommen hatte, geleitet. Klar und deutlich sah er die Gesichter von George Weasley und Alicia Spinnet, die sich auf das Wagnis, mit George verlobt zu sein, eingelassen hatte und Justin Finch-Fletchley vor sich. Das waren die Mitglieder von Sirius Gruppe, die er kannte. Die anderen waren namenlose Schatten. Sie waren gerade zusammengekommen, als das Todeskommando von Lucius Malfoy zuschlug.
Harry wusste, dass sie keine Chance gegen die ausgebildeten Rebellenjäger Malfoys gehabt hatten und es erfüllte ihn mit bitterem Stolz, das Sirius es wenigstens geschafft hatte, Lucius zu erledigen, bevor er selbst genau wie alle anderen getötet wurde.
Sirius war der einzige in England, mit dem er noch in Kontakt gestanden hatte und er spürte, dass er der Grund dafür war, dass er sich nicht mehr heraus halten konnte.
Rückblick
Albus Dumbledore versuchte in Harrys Gesicht zu lesen, doch es war unmöglich. Harry hatte all seine Gefühle schon unter einer ausdruckslosen Maske verborgen, als Draco Malfoy Hogwarts verlassen hatte und er verbarg sie auch jetzt noch erfolgreich.
Wieso sollte er also eine Reaktion zeigen?
Dumbledore wusste, dass Harry all seine Illusionen verloren hatte, als die Schüler mit Todessern in nächster Verwandtschaft von der Schule verwiesen wurden. Es konnte ihn nicht sonderlich beeindrucken, dass man auch ihn hier nicht mehr haben wollte.
Harry Potter war eine Gefahr für Hogwarts, denn er war ein erklärtes Angriffsziel des schwarzen Lords und die Drohungen waren inzwischen so massiv, dass das Ministerium sie nicht mehr ignorieren konnte.
Als Professor Dumbledore heute morgen die dringende Eule vom Ministerium erhalten hatte, die ihn anwies auch Harry Potter von Hogwarts zu entfernen, hatte er endgültig begonnen an Fudges System zu zweifeln, doch er wusste, dass sich nichts geändert hatte und man ihn seines Postens entheben würde, wenn er nicht tat, was man ihm vorschrieb, auch wenn es gegen jede Vernunft verstieß, dass man unschuldige Kinder opferte, um andere Kinder zu retten.
Widerspruch würde bedeuten, dass seine Schüler niemanden mehr hatten, der sie beschützte und dieses Risiko konnte er unmöglich eingehen, auch wenn der Preis dafür Harry Potter hieß. Dumbledore wusste, dass Harry seiner Entscheidung beipflichten würde.
Er würde schon dafür Sorgen, dass Harry an einem Ort unterkam, wo er sicher war und das waren ganz bestimmt nicht seine hirnlosen Verwandten.
„Haben sie verstanden, was ich gesagt habe, Harry?"
Harry schrak aus seinen Gedanken.
„Was macht das für einen Unterschied?"
Gar keinen, das wusste Dumbledore.
Er beobachtete, wie Fawkes von seiner Stange mit einem einzigen heftigen Flügelschlag auf Harrys Schulter wechselte und seinen feingliedrigen Kopf zu dessen Ohr neigte. Fast im Reflex begann Harry den Phönix, der ihn schon so manches Mal den Hals gerettet hatte, zu kraulen.
Die Verbindung zwischen beiden wurde von Mal zu Mal enger.
Das beobachtete Dumbledore schon seit dem Tag, als Harry hier gewesen war, um seine Mitschüler zu retten, denn es vergingen kaum zwei Tage, dass er nicht von einem Lehrer hier her geschickt wurde.
Harry hatte auf stur geschalten und machte nur noch Ärger, doch mit Fawkes hatte er sich offensichtlich ausgesöhnt, während sich der Phönix von ihm, seinem Herrn, immer weiter entfernte.
Fawkes Verhalten machte Dumbledore inzwischen Sorgen, denn es war untypisch für einen Phönix, doch das war im Moment nicht wesentlich und so sagte:
„Sind sie einverstanden, wenn ich sie zu einem Freund bringe?"
„Das ist mir gleich!" Harry meinte, was er sagte.
Es war ihm gleich, was aus ihm werden würde. Er hatte Draco verloren und jetzt verlor er sein zu Hause. Was sollte ihn noch interessieren?
Harry sah keinen Sinn mehr in seinem Leben.
„Gut!...Ich habe die Hauselfen schon angewiesen, ihre Sachen zusammen zu packen! Fudge duldet keinen Aufschub. Er betrachtet sie als Gefahr für Hogwarts und hat von mir verlangt, sie sofort wegzubringen!...Leider kann ich Sirius im Moment nicht erreichen, aber ich werde ihm so schnell wie möglich mitteilen, wo er sie in Zukunft finden kann! ...Möchten sie sich von irgendjemandem verabschieden?"
Dumbledore hoffte, dass Harry wenigstens Ron Weasley und Hermione Granger Lebwohl sagen würde, doch er schüttelte nur den Kopf.
Resigniert fragte er sich, ob Harry es jemals schaffen würde hinter sich zu lassen, was geschehen war. Seit Wochen sprach er nur noch das nötigste mit seinen Schulkameraden und verhielt sich extrem unwillig, wenn jemand versuchte, ihn zur Vernunft zu rufen, ihm Anweisungen gab, oder ihn für sein Verhalten rügte.
Albus Dumbledore wusste, dass niemand sein Verhalten Verstand. Die meisten hatten nicht einmal eine Ahnung davon, warum er so extrem auf den Verweis von so vielen Schülern aus Hogwarts reagierte und er ahnte, dass das wohl auch besser so war.
Seine Freunde würden nicht verstehen, was er getan hatte.
Sie würden nicht verstehen, dass Harry letztendlich Draco Malfoy wichtiger gewesen war, als alles andere hier, wichtiger als seine Freunde, wichtiger, als der Schutz dieser Schule vor Lord Voldemort.
Er selbst sah das ein bisschen anderes. Für Harry hatten sich alle Wünsche erfüllt, als ihm klar geworden war, dass er Draco genauso viel bedeutete, wie dieser ihm und genau das war es, was immer das wichtigste für ihn gewesen war.
Jemand hatte ihn geliebt, nicht, weil er Harry Potter war, oder der Junge der lebt, sondern weil er Harry, einfach nur Harry war.
So sehr Severus Snape in Bezug auf Draco Malfoy das Gegenteil behauptete, Dumbledore wusste, dass es so war. Draco hätte ihn sonst niemals mit dem Congredior konfrontiert.
Der junge Malfoy wollte nicht, dass Harry etwas geschah und das bedeutete, dass Harry wissen musste, warum sie sich niemals wieder sehen durften, solange seine Familie dem dunklen Lord folgte.
Er hatte nicht vor der Wahrheit zurückgeschreckt und damit bewiesen, dass diese Gefühle zwischen ihnen auf echter Gegenseitigkeit beruhten.
Seine Worte gegenüber Arabella Figg fielen ihm wieder ein und bitter musste er akzeptieren, dass er sich nicht getäuscht hatte.
Harry hatte Schaden genommen und es sah ganz danach aus, als sei dieser Schaden irreparabel, tief greifender, als er es sich hatte vorstellen können.
Harry schaffte es nicht, sich davon zu erholen.
Er versuchte es nicht einmal.
Nur wenige Stunden später verließ Harry Hogwarts gemeinsam mit Albus Dumbledore per Portkey und die Tatsache, dass Fawkes es sich nicht nehmen ließ, sie zu begleiten, beunruhigte den Schulleiter dabei ungemein.
Harry war es gleich.
Ihm war alles gleich.
Es interessierte ihn nicht, wohin ihn Dumbledore brachte und es war bedeutungslos, was er zurückließ. Er war unwiderruflich in abgrundtiefe Gleichgültigkeit versunken.
Und so war sein Blick leer und ausdruckslos, als er nur Augenblicke später zum ersten Mal auf Consalvo Minardelli traf.
Der Portkey hatte sie nach Italien gebracht, in das Haus eines italienischen Magiers, das allgemein hin nur als Casa di Riconoscera bekannt war, das Haus der Weißheit und sein Besitzer, der Meistermagier Consalvo Minardelli, starrte in Harrys Gesicht, als könne er nicht recht glauben, was er sah.
Er schwieg, als sein Blick erst von ihm zu Fawkes und dann zu Albus Dumbledore wanderte.
„Nun, es überrascht mich ein wenig, dass Du die Unterstützung deines eigensinnigen Begleiters brauchst, um hier her zu kommen, alter Freund.", begrüßte er Dumbledore auf Italienisch.
Nicht dass ihn die Nachricht, dass Albus Dumbledore einen seiner Schüler in seine Obhut geben wollte, nicht erst recht überrascht hätte, wo er doch wusste, das Consalvo von der Aussicht, einen englischen Zauberschüler zu beherbergen nicht begeistert sein würde. Selbst dann nicht, wenn dieser Zauberschüler Harry Potter hieß.
Und nun saß ein Phönix, der für lange Zeit der Familie Minardelli gedient hatte auf der Schulter genau dieses Harry Potter.
Die Überraschungen wurden immer interessanter und Consalvo zwinkerte Fawkes, der bis zu dessen Tod der Begleiter seines Vaters gewesen war, unauffällig zu.
Fawkes würdigte ihn keines Blickes, senkte den Kopf und ließ sich von Harry die Brust kraulen.
//Eigensinniges Federvieh! Du hast dich kein bisschen verändert!//, Consalvo musste sich ein Schmunzeln verkneifen.
„Nun, Fawkes und Harry, hier sind gute Freunde! Schon seit sie sich das erste Mal gesehen haben!", antwortete Albus Dumbledore inzwischen ebenfalls auf Italienisch.
Consalvo Minardellis schlohweiße Augenbrauen hoben sich und Dumbledore sah ihm an, dass er sich genauso wunderte, wie er, doch er hörte sich kommentarlos an, was er ihm berichtete und lies dessen Schützling dabei nicht eine Minute aus den Augen.
„Ihr werdet nie lernen, was wirklich wichtig ist!", war seine einzige Bemerkung, nachdem Dumbledore geendet hatte und dieser wusste, was er meinte. Kinder durfte man nicht opfern. Niemals.
Der Abschied zwischen Dumbledore und Harry war kurz. Dumbledore versprach ihm Sirius sobald wie möglich mit zu teilen, wo er ihn finden konnte und streckte seinen Arm aus, um Fawkes zu veranlassen, zu ihm zu kommen, bevor er nach England zurückkehrte, doch der Phönix rührte sich auch dann nicht von der Stelle, als Harry ihn dazu aufforderte.
Sehr schnell wurde Albus Dumbledore klar, das sein langjähriger Freund und Begleiter sich entschlossen hatte, ihn zu verlassen. Ein trauriges Lächeln lag auf seinen Lippen, als er meinte:
„Passen sie gut auf ihn auf, Harry! Ich verlass mich darauf! Und vergessen sie nie, was die Zuneigung eines Phönix bedeutet: Achtung und Selbstaufgabe für ein großes Herz!...Es scheint, als sei meines nicht mehr groß genug!" Mit diesen Worten verschwand er und Harry blieb mit Consalvo Minardelli allein zurück, doch er zeigte keinerlei Reaktionen.
Er reagierte gar nicht und sah sein Gegenüber nicht an. Fawkes Kopf lag an seiner Wanger und der Phönix hatte die Augen geschlossen, während Harry ihn noch immer abwesend kraulte.
Consalvo Minardellis Blick ruhte nachdenklich auf ihm, doch er schwieg. Er sah ihn nur an und immer wieder wanderte sein Blick zwischen dem Jungen und dem Phönix hin und her. Es war ihm nicht anzusehen, was er dachte, doch alte Magier konnte nicht so recht fassen, was sich gerade abgespielt hatte. Fawkes – Albus Dumbledores Fawkes – hatte sich geweigert, diesen Jungen zu verlassen und seinen alten Herrn allein gehen lassen. Er konnte sich nicht erinnern, jemals von einem solchen Vorfall gehört zu haben.
Ein Phönix wählte seinen Herrn selbst und blieb ihm treu bis in den Tod.
„Du bist also Harry Potter!", meinte er dann, nach einer kleinen Ewigkeit „...Irgendwie habe ich mir dich anders vorgestellt." Er sprach jetzt englisch und verblüffte Harry damit ungemein. Er hatte erwartet zu allen anderen Problemen auch noch ein Sprachproblem zu haben.
Harry wusste nicht, was er darauf sagen sollte, doch Minardelli erwartete offensichtlich keine Antwort. Er läutete eine kleine Glocke, woraufhin sofort ein Lakai erschien.
„Ich denke, das Beste wird sein, wenn du dich erst einmal ein wenig ausruhst! Claudio wird dich auf dein Zimmer bringen! Wenn du etwas brauchst, wird er sich um alles kümmern!..."
„Danke…", kam es flach von Harry, als er aufstand und Fawkes von der Stuhllehne auf seine Schulter flatterte.
„Nichts für ungut!", meinte Consalvo,
„Bring ihn bei den anderen unter!", wies er Claudio auf Italienisch an und Harry folgte dem Bediensteten widerspruchslos.
Er bekam nicht mit, wie ihm Consalvo Minardellis Blick aufmerksam folgte, doch Fawkes wandte den Kopf und funkelte den alten Mann mit seinen perlschwarzen Augen an.
Sein Blick sagte eindeutig ‚Lass ihn ja in Ruhe!' und diesmal konnte Consalvo sich ein Lächeln nicht verkneifen.
Was auch immer mit dem Jungen passiert war, Fawkes war entschlossen, es in Ordnung zu bringen und Minardelli-Phönixe erreichten ihre Ziele immer.
