Titel: Phönixfeuer III-Verkaufte Seelen (2/?)

Autor: KimRay

Kategorie: ?

Unterkategorie: Drama

Inhalt: Harry hat geschworen Dracos Seele beschützen, doch das wird um einiges schwerer, als er erwartet hat.

DISCLAIMER: Alle urheberrechtlich geschützten Figuren in dieser Story gehören natürlich den jeweiligen Eigentümern. Ich habe sie mir nur ausgeliehen. Einzig die Idee und neue Charaktere sind komplett von mir.

EINMALIGE WARNUNG: Meine HP-Storys sind grundsätzlich slash, was da heißt homosexuelle Beziehungen. Wer das nicht mag sollte nicht weiterlesen.

Anmerkungen: AU.

Beta: Keine und das merkt man.

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Die Hand im Feuer

Doch zum Glück sah die Lage nicht so trostlos aus, wie es zu Anfang geschienen hatte. Als hätte Minardelli sofort gemerkt, dass er im Moment nichts anderes wollte, als Abstand von den Geschehnissen, die letztendlich dazu geführt hatten, dass er Hogwarts verlassen musste, sorgte er dafür, dass er genau das richtige Maß an Ablenkung erhielt.

Harry wurde schon am nächsten Tag in das Leben in Casa di Riconoscera eingegliedert und die wenigen anderen Schüler, die Consalvo Minardelli in seinem Haus beherbergte, taten ihr übriges, denn jeder von ihnen beherrschte mehrere Fremdsprachen und Englisch, als internationale Amtssprache auch in Zaubererkreisen, gehörte dazu.

Sie ließen Harry keine Ruhe, denn jeder von ihnen wollte wissen, wie der berühmte Harry Potter es geschafft hatte, Voldemort so oft zu entkommen, und wenn das erledigt war, wollten sie hören, wie er es geschafft hatte, ins trimagische Turnier zu kommen.

Die einzige Frage, die ihm keiner stellte, war, warum er hier war, und nicht mehr bei Dumbledore in Hogwarts. Das hatte Minardelli verboten.

Harry versuchte anfangs alle diese neugierigen, aber wohl gemeinten Interessensbekundungen abzublocken, doch das schaffte er nur ein paar Tage, denn bald begriff er, dass dieses Interesse ehrlich gemeint war und erfuhr, dass diese Jungen, die alle in seinem Alter waren, es nicht fassen konnten, dass Consalvo Minardelli einen englischen Schüler aufgenommen hatte.

Minardelli hasste die in seinen Augen unausgegorene nordische Druidenhexerei, wie er es nannte und Dumbledore war der einzige Zauberer aus dieser Region, mit dem ihn echte Freundschaft verband. Schon das wenige, dass Harry mitbekam, bevor er aufgefordert wurde am Unterricht teilzunehmen, ließ ihn ahnen, dass er noch mal von vorn beginnen musste.

Die alte romanische Zauberei wurde hier wie eine Kunstform zelebriert, so wie fast alles in dieser Region und Harry stellte fest, dass ihm das half die Vergangenheit hinter sich zu lassen, etwas, was ihm sehr gelegen kam.

Er konnte nicht ahnen, dass Fawkes dazu eine ganze Menge beitrug. Der Phönix war es, der Harrys Leben erträglich machte, ohne, dass es ihm bewusst wurde. Er sorgte dafür, dass er ruhig schlafen konnte, gab ihm die Kraft zu verdrängen, was er nicht spüren wollte und beschützte ihn vor Consalvo Minardelli, denn dieser wollte wissen, was mit Harry Potter los war und versuchte alles um es herauszubekommen.

Sehr schnell musste er jedoch begreifen, dass Fawkes ihm nicht seinen Willen ließ und so hatte er keine andere Wahl, als aufzugeben. Fawkes würde niemanden hinter Harrys Fassade schauen lassen, solange Harry das nicht wollte.

Das erregte seinen Unwillen gewaltig, doch es gab nichts, was er dagegen tun konnte.

Fawkes war schon immer ein besonders eigensinniger Phönix gewesen.

Er war ein Minardelli-Phönix. Einer von fünf Phönixen, die seit Geneartionen dem Blut der Familie Minardelli folgten. Sein Vater Marcello war sein letzter Besitzer gewesen und nach dessen Tod war er eine ganze Weile verschwunden gewesen.

Consalvo wusste, dass es Schicksal gewesen war, als der Phönix und der junge Albus Dumbledore zur gleichen Zeit nach Casa di Riconoscera kamen. Innerhalb weniger tage hatte Fawkes sich entschieden die Familie Minardelli zu verlassen und seitdem war er Albus gefolgt.

Die Gründe dafür, waren ihm im Lauf der Jahre verständlich geworden, doch das was jetzt geschah, war ihm ein Rätsel.

Harry war kein Minardelli, was Consalvo vielleicht noch als Grund hätte akzeptieren können. Harry war ein Fremder, ein Engländer und noch dazu ein halbes Kind.

Warum bei allen Feuergöttern entschied sich ein Minardelli-Phönix nun schon zum zweiten Mal, einem Fremden zu folgen? Nicht, dass es in seiner Familie noch jemanden geben würde, der es Wert gewesen wäre, dass der Phönix ihm folgte, doch verstehen konnte er es trotzdem nicht.

Harry war einen Monat in Italien, als Minardelli ihn zu sich befahl und von Serge, seinem Zimmerkameraden, erfuhr er, dass er jetzt wohl seinen Test machen würde.

Was für einen Test?" Inzwischen war auch Harrys Italienisch ganz brauchbar. Nur an die italienische Form seines Namens, Enzio, musste er sich erst noch gewöhnen.

Irgendjemand hatte damit angefangen. Harry wusste nicht mehr wer. Serge hatte ihm erklärt, dass Enrico die italienische Übersetzung seines Namens war, doch den meisten war das wohl zu lang und so blieb ihm Enzio.

Er hatte kein Problem damit.

Keine Ahnung!", antwortete Serge inzwischen und zuckte nur die Schultern. „Ich hab nicht kapiert, worum es dabei geht und bin unterm Lesen eingeschlafen!...Aber der Monsignore hat scheinbar nichts anderes erwartet, denn er hat mich geweckt und in mein Zimmer geschickt!" Harry fragte sich, was das wohl bedeuten könnte.

Eine halbe Stunde später, klopfte er an die Tür zu Minardellis Arbeitszimmer. Was er von Consalvo Minardelli halten sollte wusste er nicht. Er wusste nur, dass er für seine Schüler eine Art Halbgott war und in Italien als der größte Magier überhaupt galt

Der Monsignore bat ihn herein und wies auf einen Stuhl.

Harry setzte sich, Fawkes wie immer in seiner Begleitung.

Minardelli warf dem Phönix den üblichen unwilligen Blick zu. Mittlerweile wusste Harry, dass Fawkes früher einmal ein Minardelli-Phönix gewesen war.

Die Familie Minardelli war seit jeher dafür bekannt, dass sie eine besondere Beziehung zu den Wesen aus dem Feuer hatte. Ursprünglich hatte es fünf Minardelli-Phönixe gegeben, doch sie hatten sich genau wie die Familie selbst inzwischen über die ganze Welt verteilt und Consalvo besaß keinen mehr.

Der seines Vaters – Fawkes, ehemals Name – war Albus Dumbledor gefolgt.

Consalvo und Fawkes mochten einander nicht besonders. Soviel hatte Harry begriffen, auch wenn er nicht wusste, warum.

Auch diesmal warf Fawkes Consalvo einen kalten Blick zu. Dieser ignorierte ihn, meinte jedoch zu Harry:

Würde es dir etwas ausmachen, ihn in dein Zimmer zurück zu schicken?"Daraufhin lieferte der Phönix sich ein Blickduell mit ihm und gab ein Pfeifen von sich, das alles andere, als freundlich klang.

Harry streichelte den schlanken Hals des Phönix, und flüsterte dicht neben seinem Kopf:

Mach dir keine Gedanken! Es ist okay! Mir passiert nichts!" Fawkes flötete nun leise und sah ihn an Consalvo beobachtete es wie immer fasziniert. Die Art und Weise, wie sie miteinander kommunizierten hatte er noch niemals gesehen, nicht mal zwischen seinem Vater und Fawkes. „Geh schon Fawkes! Hier klaut mich keiner!" Ein schrilles Pfeifen war die Antwort und mit einem letzten Blick zu Minardelli verschwand er in einem goldenen Lichtblitz.

Eigensinniges Federvieh!", fluchte Minardelli diesmal laut in Latein und betrachtete nun wieder Harry.

Kaum, dass Fawkes verschwunden war, schwappte eine seltsam warme Welle über ihn hinweg und er bekam dass Gefühl durchleuchtet zu werden.

Harry wusste, dass es genau das war, war der Magier tat, doch es war nicht ersichtlich, ob er mit dem Ergebnis zufrieden war. Der Blick, mit dem er ihn betrachtete, war wie immer unergründlich.

Die Wärme, die Harry ausgestrahlt hatte, als er mit Fawkes gesprochen hatte, war verschwunden und zurück geblieben war die Gleichgültigkeit. Das war Consalvo Minardelli nicht entgangen.

Ihr seid ein beeindruckendes Team! Wahrhaftig! Er muss dich wirklich lieben!...War er irgendwann fort?" Consalvo fragte sich noch immer, ob Fawkes sich wirklich vollkommen für diesen Jungen entschieden hatte.

Harry wusste, was er wissen wollte:

Nein! Nicht das ich wüsste!" Er hatte keine Ahnung, warum Fawkes bei ihm geblieben war, doch er wusste, dass er froh darüber war, denn der Phönix bedeutete Trost – und inneren Frieden.

Ich sehe du hast dich soweit erholt!"

Wenn man Vergessen so nennen konnte, hatte er wohl Recht!

Ich denke schon!", antwortete er italienisch.

Glaubst du, dass es der richtige Weg ist, deine Vergangenheit zu verdrängen?" Minardelli hatte ihn also tatsächlich durchschaut.

Im Moment auf jeden Fall!", entgegnete er emotionslos.

Es dauerte eine Ewigkeit, bis der Magier wieder etwas sagte. Consalvo fragte sich, was der wirkliche Grund für den verzweifelten Wunsch diese Jungen, die Vergangenheit zu vergessen, war.

Sicher war es ein harter Schlag, dass die, die ihn einst als ihren Retter gefeiert hatte, ihn jetzt fallen ließen, wie eine heiße Kartoffel und Minardelli sah dabei nur bestätigt, was er über das momentane britische Zauberei-Regierungswesen dachte, doch er konnte sich nicht vorstellen, dass das der Grund für seine Hoffnungslosigkeit war. Etwas viel Gravierenderes musste geschehen sein, um einen Menschen all seine Emotionen ablegen zu lassen.

Selbst als vor drei Tagen der erste Brief seines Paten eingetroffen war, hatte er keine Reaktion gezeigt. Darum hatte er es aufgegeben, auf Besserung zu warten, denn ihm war klar geworden, dass sich HarrysZustand nicht mehr ändern würde.

Immerhin verstand der Junge sich wenigstens mit den anderen, auch wenn ihn alle als sehr verschlossen beschrieben. Es hatte keinen Sinn weitere Zeit zu vergeuden. Harry Potters Ausbildung musste fortgesetzt werden und darum musste er jetzt feststellen, zu was er fähig war.

Ohne weitere Erklärungen, nahm er ein Pergament von seinem Schreibtisch und reichte es Harry.

Lies das und sage mir, ob du es verstanden hast, wenn ich zurückkomme!" Er stand auf und ging in einen anderen Raum, während Harry begann, das Pergament zu studieren.

Er las es einmal, dann noch einmal und schließlich ein drittes Mal. Das Problem war, dass es in diesem Text seiner Ansicht nach nichts zu verstehen gab, denn es handelte sich um eine in seinen Augen ziemlich kitschige Beschreibung über die Verhaltensregeln bei der Verwendung wesensbeeinflussender Zauber. Sie war sogar ins Englische übersetzt worden, doch Harry fand sie trotzdem furchtbar albern. Es musste doch wohl jedem klar sein dass es verboten war, mit Magie auf die Persönlichkeit eines anderen Menschen Einfluss zu nehmen.

Er machte noch einen vierten Versuch und las den Text erneut, doch er konnte nichts finden, was unverständlich war. Resigniert warf er das Pergament auf den Tisch und fragte sich, was dieser Unfug sollte.

Es dauerte mehrere Stunden, bis Minardelli wieder auftauchte und Harry war kurz davor, die Geduld zu verlieren, als sich die Tür zum Nebenzimmer öffnete und er ohne ihn zu beachten zu einem Bücherregal ging.

Ich weiß nicht, was an diesem Text unverständlich sein soll! Monsignore Minardelli!", sagte er unaufgefordert und ohne jeden Zweifel ungehalten.

Consalvo Minardelli war die Verblüffung anzusehen, als er sich Harry zuwandte. Harry blickte ihm verstimmt und putzmunter entgegen. Der Ausdruck in den Augen des alten Meisters veränderte sich und Harry konnte ihn nicht mehr deuten, als er ihn auf sein Zimmer schickte, doch er war froh, endlich hier heraus zu kommen.

Consalvo sah ihm nach, als er das Zimmer verließ und lies sich bedächtig in seinen Sessel sinken.

Ein weiteres Puzzleteilchen, mit der er nichts anfangen konnte!

Inzwischen hatte er alle Beurteilungen und Einschätzungen, die in Hogwarts über Harry Potter gemacht worden waren studiert.

Harry war ein talentierter Schüler, hatte sich jedoch immer nur dann besonders hervorgehoben, wenn es ihm an den Kragen zu gehen drohte.

In den Augen seiner Lehrer hatte er niemals außergewöhnliche Fähigkeiten gezeigt. Die musste er jedoch besitzen. Anders war das Resultat, das ihm sein Test gebracht hatte nicht zu erklären.

Die Tatsache, das dieser Harry Potter es ohne weiteres geschafft hatte, einen mit aktiven Zaubersprüchen überladenen Text vermutlich mehrmals durchzulesen, warf völlig neue Sichtweisen auf, denn es war zum ersten Mal passiert, dass einer der Prüflinge, und dazu noch ein Engländer und nicht von ihm auserwählt, dabei nicht eingeschlafen war.

Das magische Potential dieses Jungen eröffnete Perspektiven, die eigentlich ein begeistertes Lächeln auf Consalvo Minardellis Lippen zaubern müssten, doch sie taten es nicht.

Sie ließen ihn sich die Frage stellen, welchen Preis dieser Junge bezahlt hatte, um all seine innere Energie so vollständig auf seine Magie zu konzentrieren, dass ein Phönix ihn für Wert befand, all seine Prinzipien zu vergessen und er zu Leistungen in der Lage war, zu denen die wenigsten voll ausgebildeten Magier fähig waren.Auch sieben Jahre später hatte Consalvo Minardelli die Antwort auf diese Frage noch nicht gefunden. Er wusste nur, dass Harry Potter ein Magier war, von dessen Fähigkeiten die meisten sich nicht einmal zu träumen wagten.

Fähigkeiten, über deren Ausrichtung er sich niemals sicher war und die er nur zu trainieren wagte, weil er wusste, dass sie an seine eigenen noch nicht heran reichten.

Bis heute war es ihm nicht gelungen, hinter Harry Potters Fassade zu schauen.

Rückblick Ende

Die letzten sieben Jahre waren die Lehrreichsten in Harrys bisherigem Leben gewesen und hatten ihm geholfen, England weit hinter sich lassen. Nur seine Briefwechsel mit Sirius und die furchtbaren Nachrichten von dort, die die Zauberergemeinschaft immer wieder in Aufruhr versetzten, verbanden ihn noch mit dem Land, das einst seine Heimat gewesen war.

Inzwischen war er Enrico, oder wohl eher noch Enzio. Das war der Name, den Consalvos Schüler benutzten. Enrico nannte ihn nur der Monsignore selbst. Harry konnte sich nicht vorstellen, dass Enrico irgendetwas mit dem Namen Harry gemeinsam haben sollte, doch Consalvo würde schon wissen, was er sagte.

Consalvo Minardelli wählte jedes Wort, jede Geste, alles, was er tat, mit bedacht aus. Das italienische Verständnis von Magie war beeindruckend und hatte ihn sehr schnell in seinen Bann geschlagen, als er einmal begonnen hatte, sich damit zu beschäftigen.

Eigentlich hätte seine Ausbildung zum Magier nach zwei weiteren Jahren geendet, doch Consalvo unterrichtete ihn schon von Anfang an nach einem anderen Schema.

Er absolvierte das Studium zum Magier ersten Grades, dem höchsten, vom Obersten Magischen Rat geprüften Abschluss, den es gab.

Nebenbei durfte er dann auch noch all das lernen, was italienische Zauberschüler in Schulen wie Hogwarts lernten. Zeit zum Nachdenken hatte er nie gehabt und er wusste, dass das gut so gewesen war.

England war endgültig in Voldemorts Hände gefallen, als Harry gerade drei Jahre hier gewesen war. Der schwarze Lord hatte grausam gewütet und die Zauberer der Regierung auf scheußliche Art und Weise gemeuchelt.

Inzwischen tyrannisierte er auch die Muggel, denn immer wieder konnte man in deren Nachrichten über unerklärliche Vorgänge, Todesfälle und grausige Funde hören.

Harry wusste, dass das für die Todesser Opferfeste waren. Er hatte sich nicht ein einziges Mal gefragt, wie sich diejenigen dabei fühlten, die vom Ministerium in Voldemorts Reihen getrieben worden waren. Er wusste, dass sich dann mit der Lage in England auseinander setzen müsste und das wollte er nicht.

Er hatte England aus seinem Leben entlassen. Bis heute.

Müde schloss Harry die Augen und sah das Massaker, das die Rebellenjäger in Maiden veranstaltet hatten, nachdem es Sirius gelungen war Lucius Malfoy zu töten, erneut vor sich.

Es war ihm unbegreiflich, wie man solche Freude am Töten haben konnte und eine Frage drängte sich in seinen Kopf, die er sich niemals hatte stellen wollen, doch er konnte sie nicht mehr abwehren.

Zu sehen, wie Lucius Malfoy mordete, hieß zu sehen, wie sein Sohn diesem Vorbild folgte und dieser Gedanke war unerträglich.

War Draco wie sie geworden? Machte es ihm Spaß Menschenleben zu nehmen, Körper zu zerfetzen und Blutorgien zu veranstalten?

Harry presste die Hände gegen die Schläfen. Allein dieser Gedanke verursachte ihm seelische Schmerzen. Sein Bild von Draco ließ sich nicht mit dem von Lucius Malfoy auf einen Nenner bringen und er war unfähig Lucius Anblick zu ertragen.

Lucius Gesicht in seiner Vision wurde zu Dracos. Er sah ihn kalt lächelnd Alicia Spinnet mit dem Secareus-Fluch langsam zu Tode quälen, und er sah ihn von Sirius Hand sterben.

Ein Damm brach in seiner Seele und seine Finger krallten sich in sein Haar, rissen daran, als könnte er so den Schmerz in seinem Innern ertragen, doch es war unmöglich.

Die Angst, die er von Anfang an konsequent verdrängt hatte, stürzte auf ihn ein, wie ein Erdrutsch und riss ihm den Boden unter den Füßen weg.

Das konnte nicht sein. Das durfte nicht sein! Das war unmöglich.

Draco war nicht so. Draco konnte nicht so sein.

Doch Harry wusste, dass er sich etwas vormachte und das was das Schlimmste.

Draco hatte Hogwarts verlassen, um ein Todesser zu werden. Eine andere Wahl hatte er nicht mehr gehabt, als er zu seinen Eltern zurück musste und doch konnte Harry die Vorstellung, dass Draco wie sein Vater geworden war, nicht ertragen.

Die Hände noch immer gegen die Schläfen gepresst, fiel er auf die Knie und versuchte wieder zu verdrängen, was auf ihn einstürmte.

Für die Ewigkeit, Harry!...Beschütze meine Seele, Harry, hier ist der einzige Ort, an dem sie bleiben kann!...Schwöre mir, dass du sie beschützen wirst!...Schwöre!"

Ich schwöre…für die Ewigkeit!...Ich schwöre!"

Er hatte Draco schon vor Ewigkeiten verraten, denn er hatte ihn aus seinem Leben verdrängt. Er hatte verdrängt, was es für Draco bedeutete, wieder seinem Vater ausgeliefert zu sein.

Ein schriller Schrei des Phönix', der ihm niemals von der Seite wich, schnitt durch sein Bewusstsein, doch Fawkes konnte seinen Zusammenbruch nicht verhindern.

Sirius Tod hatte die Tür zu seiner Seele geöffnet und die Wahrheit, dass er sich selbst und damit auch Draco verraten hatte, als er sich seine Vergangenheit aus dem Herzen riss, zerstörte die Mauer, die er seit jahren um sich errichtet hatte.

Es war zuviel für seinen Verstand.

Fawkes Gesang erreichte ihn nicht mehr und als Consalvo und zwei andere in den Raum gestürzt kamen, lag er schon besinnungslos am Boden.

Mit einem Ruck saß Harry senkrecht im Bett, als Consalvos Weckzauber ihn traf. Der alte Magier hatte die Geduld verloren, als er auch drei Tage später ohne ersichtlichen Grund nicht aus der Ohmacht erwachte.

„Was ist geschehen?" Er sah Consalvo verständnislos an.

„Das frage ich dich, Junge!" Wie üblich fragte sich Harry bei dieser Anrede, wann er in den Augen seines Meisters alt genug sein würde, um nicht mehr als Junge bezeichnet zu werden. Immerhin war er inzwischen vierundzwanzig und in den Augen seiner Mitschüler selbst schon ein großer Magier.

Sein Studium war so gut, wie abgeschlossen und er würde noch innerhalb diesen Jahres seine Prüfung zum ersten Grad ablegen.

Eine finstere Ahnung sagte ihm zwar, das Consalvo erst dann keinen Schüler mehr in ihm sehen würde, wenn er ihm nichts mehr beibringen konnte, doch ein Magier ersten Grades würde er dann trotzdem sein.

Stück für Stück fügten sich die Erinnerungen in seinem Kopf wieder zusammen.

Sirius war tot und er war sich klar geworden, dass man seine Vergangenheit nicht einfach abstreifen konnte, wie ein Kleidungsstück. Er war und blieb Harry Potter der Junge der lebt.

Doch das war nicht das eigentliche Problem.

Harry wandte den Blick ab und starrte ins Leere.

Das Problem war Draco und die Vorstellung, dass dieser so geworden sein könnte, wie sein Vater – mordlüstern, blutdurstig und gnadenlos.

Erneut ergriff die Qual Besitz von seiner Seele undabgrundtiefe Trauer machte sich in seinem Blick breit, doch was jedem anderen Sorge bereitet hätte, ließ auf Consalvo Minardellis Lippen ein trauriges, aber erleichtertes Lächeln erscheinen.

Harrys Seele hatte sich aus ihrem Gefängnis befreit und nun machte sich grenzenlose Qual darin breit. Das konnte er fühlen, ohne auch nur im geringsten mit seiner Magie nach harrys Gefühlen zu suchen und schon wieder spürte er Fawkes kriteischen Blick, doch das würde ihn diesmal nicxht auf halten und er warf dem Phönix nun seinerseits einen harten Blick zu, als er sich einen Stuhl heran zog und sich setzte.

„Du wirst mir jetzt auf der Stelle sagen, was dich all die Jahre gequält hat!...sonst verpasse ich dir das!", Conasalvo hielt seinem Lieblingsschüler eine Phiole mit einer klaren Flüssigkeit unter die Nase, die Harry sehr genau kannte, auch wenn er selbst bisher noch nicht in die Verlegenheit gekommen war, Minardellis Wahrheitselixier am eigenen Leibe zu spüren. „ Und du, mein Freundchen! Wirst dich hier jetzt raushalten! Haben wir uns verstanden!", sprach er an Fawkes gewandt weiter.

Fawkes richtete sich auf und schlug mit den Flügeln, während er schrill pfiff. Es war Harry, der ihn zurück hielt.

„Hör auf, Fawkes!" Der Phönix flötete nun hörbar empört, als er sich ihm zuwandte.

„Es ist okay, Fawkes!" Harry hob die Hand und strich dem Phönix über den langen schlanken Hals. „Es ist okay!" Fawkes fiepte leise und gab klein bei. Mit einem leisen Gurren wandte er ihnen den Rücken zu und schob den Kopf unter den Flügel.

Harry wandte sich wieder Consalvo zu, einen Ausdruck im Gesicht, den dieser nie zuvor bei ihm gesehen hatte.

Es war, als sei ein Panzer von ihm abgefallen und Harry selbst hatte das Gefühl aus einer Art Trance erwacht zu sein. Erst in dem Moment, als Fawkes wieder versucht hatte, Consalvo davon abzuhalten, seinem Zusammenbruch auf den Grund zu gehen, war ihm bewusst geworden, dass Fawkes das seit dem Tag tat, als er entschieden hatte, zu vergessen.

„Eigensinniges Federvieh!", murmelte Consalvo nun kaum verständlich und noch einmal war ein Pfeifen von Fawkes zu hören. „Jaja, ich weiß, du lässt mich nicht aus den Augen!", murrte der Monsignore daraufhin, doch dann traf sein Blick Harrys – und er sah die Verzweiflung darin.

Harrys Blick wandte sich dem Fenster zu. Die Sonne ging draußen gerade unter – blutrot und furios – wie vor sieben Jahren in Hogwarts, als er aufgehört hatte, er selbst zu sein und Harry wusste, dass er Consalvo nicht entkommen konnte.

. Es war ihm schon schwer gefallen, Dumbledore die Wahrheit zu sagen, um Draco zu retten, doch jetzt, nach so vielen Jahren all das noch einmal hervorholen zu müssen, tat verdammt weh.

Es war das Bewusstsein, Draco verraten zu haben, der ihn letztendlich dazu brachte, sich seinen Schmerz von der Seele zu reden.

Consalvo schwieg eine ganze Weile, nachdem er geendet hatte und aus dem Fenster hinaus starrte, doch dann fragte er:

„Weißt du, was es heißt, die Seele eines Menschen zu beschützen?"

„Ich denke schon!...Doch ich habe ihn schon in dem Moment verraten, als…als ich alles was passiert ist, verdrängt habe und damit auch mich selbst verraten habe!"

„Glaubst du noch an die Unschuld seiner Seele?" Harry sah auf.

„Ich weiß es nicht!"

„Willst du daran glauben?" Harry brauchte eine Ewigkeit, um zu antworten.

Er sah Draco vor sich, an diesem letzten Abend. Er sah den Glauben an ihn in seinen Augen. Er wollte nicht daran denken, dass Draco den Weg seines Vaters beschritten haben könnte. Es konnte einfach nicht sein, dass er hinter sich gelassen hatte, was zwischen ihnen geschehen war.

„Ja!...Aber ich weiß nicht, ob ich das noch kann, bei all dem, was in England passiert!"

„Und bei dem, was du gesehen hast!" Consalvo wusste von Harrys Visionen. Sie rissen ihn vollkommen von den Füßen, raubten ihm das Bewusstsein und ließ ihn als körperliches und emotionales Wrack zurück.

Sie hatten schon ein paar Monate nach Harrys Ankunft hier in Italien begonnen und Consalvo war sich nicht so sicher, dass es sie auch schon eher gehabt hatte, obwohl er es bestritt.

Er wusste, dass es oft genug Fawkes war, der Harry davor bewahrte. Massiv war es stets dann geworden, wenn der Phönix in seinen Feuerzyklus eingetreten war.

Diese Visionen zeigten ihm grundsätzlich Bilder aus den Kämpfen, die England zerrütteten, doch es lagen meist nur ein paar Augenblicke zwischen den Visionen und den wirklichen Geschehnissen und Consalvo wusste nicht, ob harry ihm wirklich immer alles sagte.

Sie wussten nur, dass er damit keinem helfen konnte, weil die Zeit nicht reichte und darum hatten sie sich geeinigt, dass Fawkes Harrys Visionen verhinderte, wenn es ihm möglich war.

Consalvo wusste auch, wass er in der Vision vor zehn Tagen gesehen hatte, doch erst jetzt wurde ihm klar, warum sie ihn mehr mitgenommen hatte, als alle anderen zuvor.

Sie hatte seine Emotionen aufgerüttelt. Die Tatsache, dass er den Tod seines Paten, den er nie wieder gesehen hatte, nachdem er England verlassen hatte, nicht verhindern konnte, hatte ihn aufgewühlt.

Doch offenbar war der Umstand, dass der Vater seines Geliebten an diesem Massaker beteiligt gewesen war, viel schlimmer.

„Ich frage dich noch einmal, willst du an die Unschuld seiner Seele glauben?" Harry sah auf und sein Blick traf den Consalvos.

Er musste nicht nach der Antwort suchen. Sie war da. Sie war in seinem Herzen, schon seit vielen Jahren.

„Ja!"

Consalvos Blick war ausdruckslos. Er konnte den Grund für diese Antwort erspüren, so, wie er Harrys Verzweiflung und diesen einen einzigen Wunsch, der Harry nun wieder peinigte, erspüren konnte, doch alles war besser, als die Leere, die ihn die letzten Jahre beherrscht hatte.

Da war sie, die Antwort auf diese Frage, die er sich stellte, seit er wusste, wie mächtig Harry Potter sein konnte.

Er hatte in einem einzigen Augenblick alles verloren, was für ihn zählte: seine Liebe – was allein schon schlimm genug war – und seine Überzeugung immer dem richtigen Weg folgen zu können.

Die Tatsache, dass er bereit gewesen war, dem Weg in die Dunkelheit, zu folgen, obwohl er damit alles verriet, was ihm sein Leben lang am wichtigsten gewesen war, hatte das zuvor schon instabile Gleichgewicht seiner Seele zerstört.

Dieses Trauma hatte sieben Jahre lang angehalten und Consalvo Minardelli stand vor der schwersten Entscheidung seines Lebens.

Noch immer sah Harry ihn an, so als erhoffe er sich eine Lösung und etwas sagte dem alten Magier, dass es genau so war.

Er weiß es nicht! , ging es Consalvo durch den Kopf. Er weiß nicht, dass er diese Entscheidung schon lange getroffen hat. Ein trauriges Lächeln huschte über seine Lippen.

Harry war ein Magier, mit allen Konsequenzen. Er war nicht die Seele des Lichts, die die Zauberer in England in ihm sahen.

In seiner Seele brannte das Feuer des Hasses, ohne das er es sah. Es brannte so hell und lodernd, dass es alles verzehren konnte.

Er würde die Prüfung zum ersten Grad niemals bestehen.

Consalvo Minardellis Entscheidung war in dem Moment gefallen, als ihm bewusst wurde, dass es für Harry weder vor noch zurück gab, solange er nicht seinen inneren Frieden wiederfand, und das konnte er nicht, solange er nicht wusste, ob der diesen Draco verraten hatte, oder nicht.

„Dann musst du dich davon überzeugen, dass es seine Seele noch immer Wert ist beschützt zu werden!" Nun sah Harry ihn ungläubig an. Er fragte sich, ob er richtig verstand, was Minardelli da sagte.

„Ihr meint doch nicht…" Consalvos Gesicht zeigte keine Regung, als er Harry ansah. Er wusste, dass er mit dem Feuer spielte.

Harry wurde nur sehr langsam klar, dass er meinte, was er sagte. „Aber was wenn…wenn…wenn er…?"

„Wenn er seine Seele verloren hat?...Dann, aber erst dann hast du ihn wirklich verraten! Und dann kannst nur du deine Konsequenzen daraus ziehen!Es ist ein Kampf um deine eigene Seele, Harry, und es ist deine Pflicht, dir selbst und deinem Schwur gegenüber! Vorher wirst du niemals frei sein! Egal, ob du dabei gewinnst oder verlierst!" Harry sah in die warmen, braunen Augen seines Lehrers.

„Harry?", fragte er nun irritiert und diesmal lächelte Consalvo.

„Ja!...Harry!...Jetzt bist du wieder Harry Potter!...Jetzt bist du wieder du selbst! Und ich freu mich aufrichtig…dich endlich kennen zu lernen!" Er stand auf. „Ruh dich aus…und denke über das nach, was ich gesagt habe!...Wir werden reden, wenn du mit dir im Reinen bist und alles nötige in die Wege leiten!"

Harry wusste noch bevor die Tür hinter Consalvo ins Schloss gefallen war, das das richtig war. Er war nicht mehr er selbst gewesen seit dem Augenblick, als Draco Hogwarts verlassen hatte, denn damals hatte er aufgehört zu kämpfen, doch er fragte sich, ob Dracos Seele nach so langer Zeit wirklich noch zu retten war.

Es war mitten in der Nacht, als Consalvo auf die Dachterrasse, die an seine Privatgemächer grenzte hinaustrat und nachdenklich in den sternenklaren Himmel starrte.

Es dauerte eine Ewigkeit, bevor er leise sprach:

„Komm zu mir, Furio! Und streite nicht schon wieder mit mir!" Es dauerte einen Moment, bis golden schimmernder Nebel auf der Mauer neben Consalvo zu glühen begann und Fawkes erschien, den Kopf schief gelegt und den Blick aufmerksam auf Harrys Mentor gerichtet, doch Consalvo sah ihn nur an.

Er kannte diesen Phönix von Kindesbeinen an. Er hatte seinen Vater begleitet, so lange er denken konnte und war niemals von dessen Seite gewichen.

Wenn sein Vater ihm Geschichten aus der Vergangenheit erzählt hatte, war Furio bei ihm gewesen und immer hatte er ihn die Brust gekrault. Consalvo hatte Fawkes nie verziehen, dass er nach dem Tod seines Vaters nicht bei ihm geblieben war.

Furio seinerseits hatte ihm genau das nicht verziehen.

Es war ein Zeichen von Kleinherzigkeit. Das wusste er heute. Damals, als siebzehnjähriger Heißsporn hatte er das nicht gewusst, doch verziehen hatte ihm Furio trotzdem nie und er würde es auch niemals mehr tun.

„Du zweifelst nicht einen Augenblick!", flüsterte er kaum hörbar, „Nicht eine Sekunde!" Von Fawkes war nur ein leises Flöten als Antwort zu hören.

„Erkläre es mir doch bitte! Ich weiß, dass Du es kannst!"

Die einzige Antwort war Schweigen.

Consalvos Blick ging wieder in die Ferne. Er wusste, dass Harrys Entscheidung gefallen war, in dem Moment, in dem er sie ihm offeriert hatte.

Es war ein verdammtes Spiel mit dem Feuer, doch der Phönix zweifelte nicht. Der Phönix blieb bei diesem jungen Mann, ohne zu wanken.

Und Consalvo wusste, dass er das Risiko eingehen würde.