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Wir liefen die gewundene Treppe herunter und waren im Gemeinschaftsraum. In einem der besseren Sessel, die wir den Erstklässlern niemals überlassen würden, also genau vor den tanzenden Flammen des Kamins, saß Hermine. Ihre gewellten Haare lagen über der Lehne, es sah sehr komisch aus.
„Hey Hermine, frohe Weihnachten!", rief ich ihr zu.
Sie drehte sich nicht um, sondern schien die Beine hochgezogen zu haben und in die Leere zu starren.
Ich guckte Ron fragend an, er zuckte mit den Schultern und ich tippte Hermine an. Sie schlug meine Hand weg, es kam total unerwartet und ich sprang nach hinten.
„Ey! Was ist denn los?", wollte ich wissen. Sie sagte nichts und blickte stattdessen weiter in die Flammen. Wieder sahen Ron und ich uns an, ratlos. Da erst sah ich, dass Hermine weinte. Tränen rollten ihr Gesicht herunter, ihre roten Augen waren leer.
„Hermine! Was ist los?", schaltete sich auch Ron ein. Sie weinte sonst nie, jedenfalls sahen wir sie nie weinen. Sie blickte uns tränenverhangen und verletzt an:
„Was soll schon sein? Nur weil ich weine? Geht weg!", keifte sie.
Verwirrt ging ich zu ihr und legte ihr wieder eine Hand auf die Schulter, diesmal schlug sie sie nicht weg.
„Erzähl einfach, wir haben Zeit."
Wir setzten uns in die anderen beiden Sessel und blickten sie an. Zunächst starrte sie nur weiter geradeaus und weinte, aber dann schien sie sich zusammenzuraffen.
„Es…ist eigentlich nichts…konkretes, aber…ich...jeder ist mit irgendjemandem unterwegs, mit seinem Freund oder seiner Freundin und…und ich hab niemanden…selbst du Harry, liebst doch Ginny! Ach tu doch nicht so, jeder bemerkt, dass du ihr hinterherguckst, sogar Ginny! Oder Ron?"
Ron, der leicht geschockt war, weil er es offensichtlich nicht gesehen hatte, sah mich mit großen Augen an:
„Ähm…klar…hehe…sieht jeder…"
Sein Blick sagte mir, dass wir noch ein etwas ernsteres Gespräch führen würden. Doch jetzt mussten wir ersteinmal Hermine trösten:
„Hermine, das stimmt doch gar nicht, es ist nicht jeder mit jemandem unterwegs, ich auch nicht", versuchte es Ron, aber dafür erntete er nur ein abfälliges Lachen:
„Ja Ron, weil du noch nie mit jemandem unterwegs warst!"
Das war … hart, sehr hart, auch Ron sah Hermine geschockt an, doch sie schaute wieder trotzig in den Kamin. Ich sah zwischen beiden hin und her. Und hin. Und her, doch jetzt starrten beide in den Raum. Ich war ein bisschen ratlos, was ich machen sollte.
„Ok Leute, klärt das mal miteinander, ich muss was erledigen, ja?"
Zugegeben, ich hatte nicht viel Hoffnung, aber vielleicht sprachen sie ja wirklich miteinander. Ich stand auf und ging durch die Gänge von Hogwarts, was konnte das Rätsel bedeuten? Wir hatten keine 30 Rösser, nicht auf Hogwarts…Wo gab es Rösser?
Meine Füße trugen mich aus der Schule auf die Wiesen vor dem verbotenen Wald. Mühsam stapfte ich durch den Schnee, ich hatte aufgegeben nach der Lösung zu suchen, sondern überlegte, von wem es sein könnte.
Mir kamen drei Namen in den Sinn:
Dumbledore, Hermine und Ginny
Ginny, weil sie ja offensichtlich doch wusste, dass ich sie..nunja, mochte…
Love ´n knowing
Aber Dumbledore konnte ich ausschließen. Also Hermine oder Ginny. Aber wenn es Hermine war, wieso weinte sie dann? Nein, nach dem Ausschlussverfahren war es immer das, was übrig war, gleich wie unwahrscheinlich. Aber wieso sollte Ginny mir so ein Rätsel geben? Ich könnte sie frage…oder warten, bis Hermine wieder auf dem Damm war, und sie um Rat fragen. Ja, ich würde Hermine fragen.
Coward
