A/N: I was shocked of hearing from Jonathans far too early passing. It's a great loss for all of us. Your story postings and reviews are a comfort for me. Thanks to all of you out there!
Gilbert hatte das Gefühl, daß in ihm ein Feuerwerk explodierte, als Anne ihn so sanft, aber mit soviel Gefühl küßte. Wie lange hatte er darauf gewartet! Und dann hörte er einfach auf zu denken und gab sich ganz seinen Gefühlen hin. Er umschlang ihre Taille mit seinen kräftigen Armen und zog sie ganz eng an sich. Er küßte sie mit all seiner Liebe und Leidenschaft, drängend, feurig, aber dennoch sanft. Als sich ihre Lippen voneinander lösten, sah er die Überraschung in ihren Augen. Und dennoch beugte sie sich wieder zu ihm und ihre Lippen trafen sich erneut.
Langsam nahm sein Gehirn wieder die Tätigkeit auf. Was tat sie da nur? Sie war doch so gut wie verlobt mit diesem Gardner! Warum tat sie ihm das an? Hatte sie ihn mit ihrer Zurückweisung nicht schon genug verletzt? Er konnte sich nicht vorstellen, daß Anne mit seinen Gefühlen spielen würde. Aber genau den Eindruck hatte er gerade. Er hielt es nicht mehr aus und stieß sie zurück. Blitzartig sprang er auf und eilte an das andere Ende des Raumes. Er drehte ihr den Rücken zu. Die eine Hand hatte er tief in seiner Hosentasche vergraben, mit der anderen fuhr er sich unkonzentriert durch seine lockigen Haare. Sein Atem war heftig und stoßweise, wie Anne an den Bewegungen seiner Schultern sehen konnte. „Gil?" fragte sie zögernd mit einem flehentlichen Ton in ihrer Stimme. Aber Gilbert ließ sie nicht mehr an sich heran. Er durfte es nicht zulassen. Wenn sie ihm zu nahe kam und dann wieder verließ, es würde ihn zerstören. Mit seiner letzten Kraft und großer Willensanstrengung brachte er es fertig zu sagen: „Bitte geh jetzt, Anne."
Er drehte sich nicht um, sah sie dabei nicht an. Und sah deshalb auch nicht, wie das Glück in ihren Augen und in ihrem Gesicht erlosch. Das Glück, für das er die Ursache war. Ein Ausdruck von Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung trat stattdessen an seine Stelle. Langsam stand Anne auf und ging zur Tür.
„Es tut mir so unendlich leid, daß ich Dir weh getan habe – schon wieder. Und trotzdem bereue ich nicht, hierher gekommen zu sein. Denn nun weiß ich wenigstens, was ich will. Allerdings bereue ich, Dir an dem Nachmittag im Garten von Patty's Place keine andere Antwort gegeben zu haben. Und ich verstehe, daß Du nach den vielen Jahren, wo Du Dich erst vergeblich um meine Freundschaft und dann um meine Liebe bemüht hast, mir keine weitere Chance mehr geben kannst. Ich möchte nur, daß Du weißt, daß Du beides hast. Ich liebe Dich, Gilbert Blythe! Und ich wünsche mir nur, daß Du glücklich wirst. Leb wohl!" Mit diesen Worten ging sie in den Flur, zog sich ihren Mantel an und ging hinaus in die Kälte. Erst als die Haustür ins Schloß fiel, kam wieder Leben in Gilbert, der weiter wie erstarrt, in der Ecke des Raumes stand. Hatte sie gerade eben gesagt, daß sie ihn liebt?! Er stürmte zum Fenster, in der Hoffnung noch einen Blick auf sie zu erhaschen. Sie war noch nicht weit gekommen. Und als ob sie es spürte, daß er ihr nachsah, drehte sie sich ein letztes Mal um. Sie sah ihn am Fenster stehen, konnte sein hübsches Gesicht aber durch ihren Tränenschleier kaum erkennen. Sie hoffte, daß er ihre Tränen in der Dunkelheit nicht sehen konnte. Sie zwang sich zu einem Lächeln und warf ihm eine Kußhand zu. Und dann drehte sie sich um und verließ ihn. Es zerbrach ihr das Herz.
Gilbert stand am Fenster und sah wie sie sich umdrehte. Er sah ihr tränenüberströmtes Gesicht. Und er sah diesen Ausdruck von Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung in ihren Augen, der ihm so wohlbekannt war. Es war der Ausdruck, der ihm immer im Spiegel anblickte. Sie liebte ihn! Die Erkenntnis traf ihn wie ein Blitz. Sie hatte es wohl unterbewußt schon länger gespürt, aber erst vorhin durch seine drängenden Fragen realisiert. Und er hatte geglaubt, sie würde mit ihm spielen. Und hatte sie dann auch noch fortgestoßen. Was für ein Idiot er doch war! Ohne auch nur einen Gedanken oder Zeit zu verschwenden, rannte er hinaus in die Kälte und hinter ihr her. Seinen Mantel, den er sich im Vorbeilaufen von der Garderobe geschnappt hatte, warf er sich im Laufen über. „Anne!" rief er. Ihr Herz schlug schneller, als sie seine Stimme hörte. Aber sie wollte nicht, daß er sie so sah. Also ging sie weiter. Gilbert ließ sich dadurch nicht entmutigen. Schnell holte er sie mit seinen großen Schritten ein. Erst im allerletzten Moment bremste er ab, nahm sie in seine Arme und küßte sie mit all seiner Liebe, seinem Verlangen und seiner Leidenschaft, zu der er fähig war. Dieser Kuß hatte nichts Sanftes mehr an sich. Einerseits konnte und wollte er sich nicht mehr zügeln, jetzt wo er wußte, daß sie ihn liebte. Und andererseits, wenn sie ihn trotz dieses Kusses nicht zurückstieß, gab es keinen Grund für den letzten Rest an Zweifel, den er noch in sich trug.
Anne klammerte sich an seine Oberarme, um ihr Gleichgewicht zu halten. Nicht nur, weil er sie fast umgerissen hatte, sondern eher, weil ihr die Kniee weich wurden, bei seinem Kuß. Sie konnte ihr Glück kaum fassen. Als Gilbert ihre Lippen freigab, konnte sie nur „Oh, Gil…!" seufzen. Sie sah ihn an und ihre Liebe zu ihm strahlte aus ihren Augen. Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und küßte ihn zurück mit der gleichen Heftigkeit. Er lächelte. Anne und ihr Temperament. In diesem Moment hatte er nichts dagegen einzuwenden. Als sie sich nach einer gefühlten Ewigkeit von ihm löste, kuschelte sie sich in seine Arme und ihre kalte Nasenspitze berührte seinen Hals. Sie atmete seinen Geruch ein und gab sich ganz dem Gefühl hin, sich geliebt und geborgen zu fühlen und endlich angekommen zu sein.
Dann schaute sie ihm tief in die Augen und sagte: „Ich liebe Dich, Mister Blythe!" Oh, wie er das haßte, wenn sie ihn so nannte. Und wie er es liebte, daß sie ihn stets ein wenig neckte, daß sie es sogar in einem Moment wie diesem wagte. „Ich liebe Dich auch, Karotte". Voller Glück lächelte sie ihn an und er zog sie wieder in seine Arme und küßte sie erneut.
„Bitte sag ja", sagte er und blickte ihr tief in die Augen. Sie waren verwandte Seelen. Er brauchte nicht zu erklären, warum er sie kein zweites Mal fragen konnte. Und ihr war nur wichtig, daß er sie liebte und trotz allem noch wollte. „Ja, Gilbert. Ich will. Ich will Dich heiraten und Deine Frau werden. Aber eigentlich will ich nur Dich!" Und wieder schlang sie ihre Arme um seinen Nacken und küßte ihn mit einer Hingabe, die ihn verblüffte und bis ins Mark traf. Ob er sich daran je gewöhnen würde?
Er legte ihr den Arm um die Schultern und sagte: „Ich bring dich nach Hause!". Sie lächelte beim Gedanken daran, als er das das letzte Mal zu ihr gesagt hatte. Damals waren sie endlich Freunde geworden. Und dieses Mal nun endlich Liebende. „Ich bin schon zuhause." sagte sie. „Ich bin bei dir." Gilbert platzte vor Glück und Stolz, als er auf diese wunderhübsche rothaarige Frau in seinen Armen blickte. Endlich gehörte sie zu ihm.
