Disclaimer: Die Welt von Harry Potter gehört J.K. Rowling.

A/N: Es tut mir Leid, dass ich solange kein neues Kapitel veröffentlicht habe. Hier kommt Kapitel 7

Fehlende Erinnerungen

by RawenclawBabe

Die Stimmung während des Abendessens war extrem angespannt. Allison beobachtete die Erwachsenen, die gezwungen versuchten sich zu unterhalten. Sie verglich ihren Vater und Jeremy und erkannte einige Gemeinsamkeiten in ihrem Verhalten. Beide Männer waren zunächst kühl und abweisend, gleichzeitig beobachteten sie ihr jeweiliges Gegenüber ganz genau.

Allison sah sich Jeremy an. Das war also ihr Bruder, Halbbruder um genau zu sein.

Es war unerträglich still am Esstisch. Keiner sprach ein Wort. Allison fühlte sich unwohl, sie kannte ihren Vater so gar nicht. Wieso redeten die Erwachsenen nicht miteinander? Sie hatte verstanden, dass ihr Vater und Hermine eine gemeinsame Vergangenheit hatten und Jeremy das Resultat ihrer damaligen Beziehung war, aus der ihr Vater abgehauen war. Sie konnte auch verstehen, dass Hermine und Jeremy ihrem Vater Vorwürfe machten, schließlich hatte er sie verlassen und Jeremy musste ohne Daddy aufwachsen. Ein Leben ohne Daddy konnte sich die Zehnjährige gar nicht vorstellen. Sie hatte Mitleid mit Jeremy, weil er ohne Daddy aufwachsen musste, aber immerhin hatte er noch seine Mum. An ihre eigene Mutter konnte sie sich kaum erinnern, sie wusste also, was es hieß mit nur einem Elternteil aufzuwachsen.

Als sie den Nachtisch aßen, hielt Allison die Stille nicht mehr aus. Sie räusperte sich und sagte: „Was ist den heute Abend los? Ihr müsst doch noch die Exkursionen und den Stundenplan besprechen. Es ist viel zu still hier. Es ist langweilig wenn keiner was sagt."

Severus warf seiner Tochter einen finsteren Blick zu: „Wir sind doch nicht zu deinem: „Wir sind doch nicht zu deinem Amüsement hier, Allison. Wenn dir das nicht passt, kannst du auch in dein Zimmer gehen."

Allison stand von ihrem Platz auf: „Gute Nacht allerseits. Und ihr haltet euch für erwachsen – ihr redet ja nicht einmal miteinander," grummelte sie vor sich hin. Dann verließ sie schnell das Esszimmer, sie lief die Treppe hinauf in ihr Zimmer und schloss die Türe hinter sich. Sie sank zu Boden und fing an zu weinen. „Was ist nur mit Daddy los? Ich kenne in so gar nicht. Er ist so kalt und abweisend. So hat er noch nie mit mir geredet." Schluchzend lehnte sie sich an ihre Tür.

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Die vier Erwachsenen sahen dem Mädchen verwirrt nach, als sie das Zimmer verließ. Die Stille war wirklich ziemlich bedrückend, aber keiner hatte es gewagt, als erstes ein Gespräch anzufangen. Brauchten sie wirklich die Hilfe eines kleinen Mädchens um miteinander zu reden?

Hermine sah zunächst zu Jeremy und dann Severus tief in die Augen: „Ich denke wir müssen uns unterhalten. Ich habe jetzt zwar meine Erinnerungen wieder, aber wir sollten uns trotzdem darüber unterhalten, was damals vorgefallen ist. Severus, warum hast du mich verlassen und mir alle Erinnerungen an unsere gemeinsame Zeit genommen? Verdammt noch mal, ich war schwanger und hatte keine Ahnung wie es dazu kommen konnte. Hast du auch nur eine Sekunde an die Konsequenzen deines egoistischen Handelns gedacht?" Hermines Stimme wurde während sie sprach immer lauter. Die Emotionen die sie fast 20 Jahre lang tief vergraben hatte, waren gemeinsam mit ihren Erinnerungen wieder hoch gekommen. Sie war wütend.

Severus räusperte sich: „Hermine, es tut mir Leid, ich habe nie gedacht, dass du von mir schwanger sein könntest. Ich dachte..."

Hermine fuhr ihn an und sagte unter Tränen: „Dass du nicht gedacht hast, war mir klar. Du warst ein egoistisches, unverantwortliches Arschloch, das nicht an mögliche Folgen dachte. Für Entschuldigungen ist es 20 Jahre zu spät."

Samantha fasste Hermine vorsichtig an der Schulter an: „Hermine, lass' ihn doch ausreden. Er hat einen schwerwiegenden Fehler gemacht, er hat einen 19jährigen Sohn, den er bis zum heutigen Tage noch nie gesehen hatte. Er muss aus irgendeinem irrsinnigen Grund geglaubt haben, es wäre besser für dich, wenn du nicht wüsstest, dass er noch lebt. Er wusste doch nicht, dass du schwanger warst. Er wollte dir und sich selbst ein Leben in Freiheit ermöglichen, es wäre nicht gut gewesen, wenn du vor 20 Jahren eine offizielle Beziehung mit ihm gehabt hättest – denk einfach mal daran wie viele Leute ihn in England heute noch ablehnen. Harry Potter gehört zu den wenigen Leuten, die in Severus Snape einen Helden im Kampf für das Gute sehen."

Hermine verlor nun völlig die Kontrolle über ihre Gefühle und fing laut an zu schluchzen. Samantha nahm sie in den Arm und flüsterte ihr beruhigende Worte zu.

Severus räusperte und sah nun Jeremy an: „Es tut mir wirklich Leid, ich hatte nie vor deiner Mutter weh zu tun. Wenn ich damals gewusst hätte, dass sie mit dir schwanger war, wäre ich nicht so fortgegangen, sondern hätte mich euch gegenüber verantwortlich verhalten."

Jeremy zog eine Augenbraue hoch und sah den Mann, der ihn gezeugt hatte, seinen Vater kritisch an: „Jeder Mensch begeht in seinem Fehler, manche sind schlimmer als andere."

Severus schnaubte und zog seinen linken Ärmel hoch und zeigte seinem Sohn die Narbe, die er jetzt an der Stelle des Dunklen Mals hatte: „Glaub mir, Junge, ich habe in meinem Leben die schlimmsten Fehler begangen, die ein Mensch begehen kann. Ich habe mich dem Dunklen Lord aus jugendlicher Dummheit angeschlossen. Ich habe ihm die Prophezeiung mitgeteilt, die dazu führte, dass er versuchte Harry Potter zu töten. Dabei brachte er meine beste Freundin Lily Evans um. Ich bin schuld an ihrem Tod. Ich habe so viele, schreckliche Dinge in meinem Leben getan, dass ich manchmal gar nicht weiß, wie ich mit meiner Schuld leben soll. Ich wollte, dass deine Mutter in Freiheit lebt und nicht an mich und meine Schuld gefesselt ist. Allerdings habe ich mir dadurch nur noch mehr Schuld aufgebürdet. Es tut mir wirklich Leid und werde versuchen, meinen Fehler euch gegenüber wieder gut zu machen. Bitte lasst es mich wenigstens versuchen."

Jeremy sah Severus an. Dieser Mann hatte in seinem Leben viel Schreckliches gesehen und viele Dinge getan, für dir er sich schuldig fühlte. Er hatte hier, in Australien, ein neues Leben angefangen, weil er Abstand zu seiner Vergangenheit brauchte, die schwer auf ihm lastete. Die Augen dieses Mannes wirkten flehend, er hatte diesen Blick schon einmal gesehen. Onkel Harry hatte ihn mit in ein Denkarium mit Snapes Erinnerungen genommen, es war derselbe Blick als er Professor Dumbledore anflehte ihn nicht töten zu müssen. Er hatte lieber selbst sterben wollen, als seinen Mentor umzubringen. ‚Schuld frisst Menschen wirklich von Innen her auf,' dachte Jeremy so für sich als er seinen Vater ansah.

„Du musst uns Zeit geben. 20 Jahre sind eine lange Zeit und meine Mutter hat viel mitmachen müssen. Sie stand einige Zeit unter Schock, als sie damals erfuhr, dass sie mit mir schwanger ist. Sie hat gearbeitet und mich alleine aufgezogen. Ihre Eltern wollten in Australien bleiben, sie leben heute noch in Brisbane. Ein Teil ihrer Freunde hat sich von ihr abgewandt, die Weasleys wollten nichts mehr mit ihr zu tun haben, weil sie aus ihrer Sicht Ron betrogen hat. Ihr Leben war ziemlich einsam in dieser Zeit. Sie war auch ständig mit den Vorurteilen der konservativen Zauberwelt konfrontiert, alleinerziehende Mütter werden von Zauberern nur mit Abscheu betrachtet. "

Severus nickte verstehend: „Ich weiß, wie schwierig es ist ein Kind allein aufzuziehen, Allisons Mutter starb vor fünf Jahren, seitdem kümmere ich mich allein um meine Tochter. Allerdings war ich als Witwer nie irgendwelchen Vorurteilen ausgesetzt. Allison ist jetzt zehn und geht auf eine Muggel-Grundschule hier in der Nähe. Wir sollten unsere Exkursion zu den Aborigines in Tjapukai nutzen, um uns alle näher kennen zu lernen. Die Aborigines haben eine faszinierende Kultur und haben ein unglaubliches Kräuterkundewissen. Allerdings muss man die richtigen Leute dort kennen, die normalen Veranstaltungen für Muggel sind für Zauberer uninteressant. Als Zaubertrankmeister kann man sehr von ihrem Wissen profitieren. Die Schamanen überliefern ihr Wissen über pflanzliche, tierische und mineralische Zaubertrankzutaten schon seit Jahrtausenden, wir können viel von ihnen lernen."

Jeremy sah seinen Vater nachdenklich an und sagte schließlich: „Du musst uns Zeit geben. Mum hat jetzt erst ihre Erinnerungen an eure gemeinsame Zeit wieder, sie kennt dich vor allem als ihren fiesen Zaubertranklehrer, der sie und ihre Freunde ungerecht behandelt hat."

Severus sah den jungen Mann vor sich an und sagte: „Ich möchte zu einem Verständnis mit deiner Mutter kommen. Aber ich möchte auch dich kennen lernen, Jeremy, du bist mein Sohn, auch wenn ich erst seit heute von deiner Existenz weiß. Du bist erwachsen und ich werde für dich nie der Vater sein, der ich für Allison bin, dazu hab ich zuviel verpasst."

Jeremy hob eine Augenbraue und sah seinem Vater an: „Ich möchte dich auch kennen lernen. Ich kann viel von dir lernen. Aber ich werde nicht zulassen, dass du meiner Mutter noch einmal weh tust. Am besten du entschuldigst dich erst einmal bei ihr. Sie wird Zeit brauchen bis sie das Geschehene verarbeitet und akzeptiert, aber es wäre zumindest ein Anfang."

Severus nickte und ging zu Hermine. Sie schluchzte nur noch leise vor sich hin, während Samantha ihr sanft über den Rücken streichelte. Er räusperte sich und sagte dann: „Es tut mir Leid Hermine. Ich hätte dir damals deine Erinnerungen nicht nehmen dürfen und ich hätte sie dir auch nicht ganz ohne Vorwarnung wieder geben sollen. Du wirst Zeit brauchen, sie zu verarbeiten. Wenn du irgendwelche Fragen hast, komm einfach zu mir. Es tut mir Leid, was ich dir angetan habe war wirklich unverzeihlich."

Hermine sah zu ihm auf und sah mit ihren karamellbraunen tief in seine schwarzen Augen: „Ich verstehe nicht wieso du es getan hast. Wir waren uns damals so nahe und du bist einfach weggegangen. Wieso? Wieso hast du mich allein gelassen? Hast du mich denn nicht geliebt? Ich erinnere mich jetzt, dass ich dich damals sehr geliebt habe. Oh mein Gott, es ist alles so verwirrend. All diese Erinnerungen, die ganzen Gefühle, soviel hat uns damals verbunden. Mir war lange klar, dass mir ein wichtiger Teil meines Lebens fehlt...."

Während Hermine redete stiegen wieder Tränen in ihren Augen auf.

Severus fühlte sich schuldig, für alles was er ihr angetan hatte. Sie wirkte so zerbrechlich, so alleine. Diese Frau vor ihm verdiente es einfach geliebt zu werden. Sie war intelligent, wunderschön und mutig. Sie war eine starke Frau, sie hatte ihren Sohn alleine aufgezogen, obwohl sie ständig mit Vorurteilen gegen alleinstehende Mütter konfrontiert war. Severus bewunderte sie für ihre Stärke und für ihre Leistungen, auch wenn sie im Augenblick so verletzlich war. Sie erlebte durch die Rückkehr ihrer Erinnerungen, den Trennungsschmerz, den sie damals nicht wahrgenommen hatte, jetzt in voller Stärke.

Severus sah Hermine an und sagte: „Ich hielt es damals für das Beste. Ich habe dich zu sehr geliebt und wollte nicht, dass du dich an einen schuldbeladenen, alten Mann wie mich bindest. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass du von mir schwanger sein könntest. Ohne Jeremy, hättest du nie einen Grund gehabt nach mir zu suchen, du hättest mich, wie der Rest der Zauberwelt, für tot gehalten. Du hättest ein freies Leben führen können, wie ich es mir für dich gewünscht habe. Ich wollte dich nicht mit meiner Vergangenheit belasten – ich wollte selbst meine eigene Vergangenheit hinter mir lassen. Ich ließ dich zurück, weil ich dich nicht von deinen Freunden trennen wollte. Du solltest frei sein dein Leben zu leben und ich wollte endlich selbst frei sein."

Hermine sah in einen Augenblick lang an bevor sie ihre Stimme frei machte und sagte: „Ich brauche jetzt Zeit für mich um nachzudenken. Ich werde ins Bett gehen. Gute Nacht." Sie wandte sich in Richtung Tür, verließ das Esszimmer und ging in das Gästeschlafzimmer, in dem sie während ihres Aufenthaltes wohnte.