Beim Erreichen des Zuges in Hogsmeade, hatte sich das Wetter keineswegs gebessert. Der Wind peitschte stärker denn je um den Zug, der Regen fegte fast waagerecht von oben. Es schien, als ob Hagrid aus meilenweiter Entfernung die Erstklässler zu sich rufen würde. Seine Stimme wurde immer wieder vom ohrenbetäubenden Donnerschlägen unterbrochen. Bei diesem Unwetter war es nicht möglich, die Erstklässler per Boot über den großen See zum Schloss zu bringen. So standen mehr Kutschen als sonst vor dem Bahnhof.
Als Harry und Ron versuchten die Tür des Zugwaggons zu öffnen, wurde diese ihnen fast aus der Hand gerissen. Der erste Schwall Regen kam ihnen hier schon entgegen. Leise fluchend über dieses Unwetter, schnappten sie sich mit Hermine, Ginny, Luna und Neville schnell eine der größeren Kutschen um zum Schloss zu gelangen. Sie konnten jedoch nicht verhindern, dass sie dabei fast bis auf die Knochen nass wurden. Hermines Haare hingen wie ein dicker Wischmob an ihrem Kopf hinunter. Mit Hilfe eines Trocknungszaubers, den Ginny schnell über sie alle sprach, waren sie im nu wieder trocken. Nur Hermines Haare hatten mal wieder ein Eigenleben entwickelt.
Genervt stöhnte sie auf: „ Warum um Himmels Willen wurde ich mit diesen schrecklichen Haaren verflucht? Jedes Mal sehe ich aus, als ob ich in eine Steckdose gefasst hätte oder Vögel sich darin einnisten würden".
Harry und Ron konnten nicht anders als laut aufzulachen.
„Ach ihr Beiden findet das auch noch witzig, oder was? Ihr seid ja nicht mit solchen Haaren bestraft worden, wie ich", erwiderte Hermine bissig.
„Hey, beruhig dich. Das war nicht böse gemeint. Außerdem bist du nicht die Einzige, deren Haare etwas aus dem Ruder fallen. Egal wie oft ich meine kämme, jedes Mal sehen sie noch strubbeliger aus, als vorher. Und Rons Haarfarbe erinnert immer an eine Karotte", versuchte Harry sie wieder etwas zu besänftigen.
„Sag mal Harry, was hast du eigentlich gegen meine Haarfarbe", fing jetzt auch noch Ron an.
„Nichts", flüsterte Harry ihm ins Ohr. „Ich wollte lediglich versuchen Hermines Laune wegen ihrer Haare zu heben, also Spiel gefälligst mit und veranstalte nicht auch noch einen Zirkus um deine Haare".
„Sag das doch gleich man".
Auf Rons leise Erwiderung, konnte Harry nur noch mit dem Kopf schütteln. Wie konnte man nur so dermaßen auf der langen Leitung stehen, wie er?
Aber Harrys Plan schien gefruchtet zu haben. Hermine blickte nicht mehr ganz so miesepetrig daher.
„Hey Mine, ich hab in einer Zeitschrift über die Ferien einen Zauberspruch gefunden, mit dem wir auch deine Haare gebändigt kriegen sollten, ohne das es jedes Mal Stunden dauern sollte", fiel Ginny in das Unternehmen, Hermines Laune zu heben, mit ein.
„Bist du dir sicher, dass das nicht ein Schuss in den Ofen wird? Also ich habe da so meine Zweifel".
„Ach nu komm schon, Mine. Lass es mich erstmal ausprobieren, danach kannst du immer noch meckern und Trübsal blasen, wenn es dir damit besser geht".
„Witzig Ginny, wirklich witzig. Ich wusste gar nicht, dass du neuerdings unter die Komiker gegangen bist". Und schon ging es wieder abwärts mit ihrer Laune. Doch Ginny lies sich davon nicht beirren. Mit einem Schlenker ihres Zauberstabes murmelte sie eine kleine Formel vor sich hin und deutete dann ihren Zauberstab auf Hermines Haare. Diese begannen sich etwas zu glätten und fielen Hermine in sanften Wellen über die Schultern.
„Hah, ich habs dir doch gesagt. Kein Problem mehr mit deinen Haaren und kein Grund mehr aus dem Nichts schlechte Laune zu verbreiten", lächelte Ginny triumphierend auf.
„Hermine deine Haare sehen wirklich toll aus. Den Spruch von Ginny solltest du dir merken", stimmte auch Luna mit ein.
„Sehen sie denn wirklich soviel anders aus sonst?", zweifelte Hermine.
„Machst du Witze. Die sind nicht wieder zu erkennen", Ginny kramte in ihrer kleinen Tasche rum und zog letztendlich einen kleinen Spiegel hervor. „Hier, überzeug dich selbst".
Skeptisch nahm Hermine ihr den Spiegel aus der Hand.
Als sie sich selbst im Spiegel betrachtete, traute sie ihren eigenen Augen nicht. Das konnten unmöglich ihre Haare sein. Ihre Haare glänzten niemals und fielen auch nicht in sanften Wellen. Sprachlos schaute sie ihre beste Freundin an. „Wie um alles in der Welt hast du das gemacht?"
„Mit ein bisschen Zauberei", grinste Ginny sie nur an.
Sie wurden abrupt in ihrem Gespräch unterbrochen, als die Kutsche mit einem Ruck vor dem Schlossportal zum stehen kam.
Sie beeilten sich ins Schloss zu kommen um nicht gleich wieder vollkommen durchnässt zu werden. Sobald sie in die Große Halle kamen, wurden sie von einer angenehmen Wärme eingehüllt. Sie verabschiedeten sich von Luna, die zum Ravenclawtisch hinüber ging und suchten sich selber Plätze am Tisch der Gryffindors und warteten auf den Rest der Schülerschaft. Hermines Blick blieb jedoch nicht lange bei der Eingangshalle. Sie sah sich in der Großen Halle um, bis ihre Augen am Lehrertisch hingen blieben. Die meisten Professoren waren schon anwesend, nur Dumbledore und McGonagall fehlten noch. Als sie ihren Blick weiter links die Lehrertafel hinunter gleiten ließ, blieb sie an einem neuen Gesicht hängen.
„Hey, Ginny. Wie es scheint, haben wir dieses Jahr wieder einen neuen Professor". Hermine deutet mit einer Kopfbewegung zu dem ihr unbekannten Professor.
Ginny drehte sich in dir vorgegebene Richtung und erblickte wenig später ebenfalls den neuen Professor.
„Wow, sieht der gut aus".
„Ginny, also wirklich".
„Was denn Mine? Dagegen kannst du doch nun wirklich nichts sagen. Auch wenn die Narbe nicht wirklich zu ihm passt".
„Na ich weiß nicht so recht. Ein bisschen ähnelt er ja Snape vom äußeren".
„Was wie kommst du denn darauf?"
„Na die rabenschwarze Haare zum Beispiel Ginny, seine dunkle Klamotten, das ernste Gesicht…."
„Zumindest macht er einen sympathischeren Eindruck als Snape. Aber mich würde wirklich interessieren, woher er diese lange Narbe hat, die sich halb durch sein Gesicht zieht".
Just in diesem Augenblick drehte sich der neue Professor in ihre Richtung, als ob er wüsste, dass über ihn geredet wird.
Ginny und Hermine wandten den Blick schnell wieder von ihm ab und taten so, als würde sie sich mit Ron und Harry unterhalten, die von dem Gespräch der beiden Mädels nichts mitbekommen hatten.
Als sich Hermine und Ginny wieder trauten zum Lehrertisch zu blicken, hatte sich Snape dem neuen Professor zugewandt und ihn in ein angeregtes Gespräch verwickelt. Professor Slughorn, der im letzten Jahr noch neben Snape gesessen hatte, war weit und breit nicht zu sehen. Gerade wollte Hermine sich darüber mit Ginny unterhalten, als Professor Dumbledore und Professor McGonagall die Halle betraten. Augenblicklich wurden alle Gespräche eingestellt. Auch Harry und Ron hatten ihren Blick jetzt nach vorne gerichtet.
Professor Dumbeldore wandte sich sogleich an die Schüler.
„Auch dieses Schuljahr gibt es wieder viele Änderungen und Regeln, die zu befolgen sind. Das Betreten des verbotenen Waldes ist wie immer allen Schülern strengstens verboten". Dem goldenen Trio entging nicht, wie sie dabei von ihm gemustert wurden. „Eine Liste der Dinge, die in der Schule nicht erwünscht sind, finden sie wie jedes Jahr an der Hausmeistertür von Mr. Filch. Des Weiteren muss ich ihnen leider mitteilen, dass Professor Slughorn dieses Jahr Zaubertränke nicht wieder unterrichten wird. Im Moment weiß keiner, wo er sich aufhält. Aus diesem Anlass wird Professor Snape dieses Jahr wieder Zaubertränke unterrichten".
In der großen Halle brach auf diese Neuigkeit mächtiges Stimmengemurmel aus. Auch das goldene Trio und Ginny konnten nicht mehr an sich halten.
„Was ist nur mit Slughorn geschehen? Meint ihr, die Todesser haben ihn doch noch gefunden und er kann deshalb dieses Jahr nicht unterrichten?" fragte Ron als Erster in die Runde.
„Keine Ahnung Ron. Aber ich nehme an, Dumbledore würde schon sagen, wenn er genaueres über den Verbleib von Slughorn wüsste. Sicherlich plaudert er nicht jedes Detail aus, aber etwas wichtiges Verschweigen würde er uns auch nicht. Wir können nur hoffen, dass er sich gut versteckt hält", meinte Harry dazu.
„Der Meinung bin ich auch. Es bringt nichts vage Vermutungen anzustellen, wenn wir nicht einen Anhaltspunkt haben. Was mich aber viel mehr interessiert Leute, warum unterrichtet Snape auf einmal wieder Zaubertränke, nachdem Dumbledore ihm letztes Jahr schon seinen Wunschposten überlassen hat? Das leuchtet mir noch nicht so ganz ein. Und Snape scheint das auch nicht groß zu kratzen".
„Jetzt wo du es sagst Mine. Er sieht ganz gelassen dabei aus. Für seine Verhältnisse könnte man schon fast auf die Idee kommen, dass er freundlich drein schaut, der alte Miesepeter", mischte Ginny sich mit in die Unterhaltung ein.
„Und wer wird dann der neue Prof. für Verteidigung gegen die dunklen Künste werden?"
„Ach Ron, du stehst ja mal wieder auf einer sehr langen Leitung. Bleibt doch nur noch ein Lehrer übrig, von dem wir noch nicht wissen, was er unterricht".
„Wir haben einen neuen Lehrer, Mine?"
„Oh Ron, du kriegst auch gar nichts mit. Ist dir schon mal der neue Prof. aufgefallen, der da rein zufällig neben Snape sitzt?".
Doch bevor Ron auch noch etwas erwidern konnte, erhob Professor Dumbledore seine Stimme über das Gemurmel in der großen Halle.
„Ich bitte um Ruhe. Sich mutmaßen viele von ihnen, wer nun der neue Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste ist. Nun möchte ich ihnen einen Neuzugang in unserem Kollegium vorstellen. Mr. Black, erheben sie sich bitte". Alle Augen in der großen Halle richteten sich auf den jungen Mann, der sich neben Professor Snape erhoben hat. „Mr. Black ist ihr neuer Verteidigung gegen die dunklen Künste Professor. Ich bin mir sicher, dass er seinen Job sehr gut erfüllen wird.
Des Weiteren habe ich bekannt zu geben, dass Mister Malfoy und Miss Granger dieses Jahr die Ämter der Schulsprecher übernehmen werden. Ich werde im Laufe des Schuljahres mehrmals auf sie zukommen, um ihnen ihre jeweiligen Aufgaben mitzuteilen. Ach und Mr. Malfoy kommen sie nach dem Essen bitte zu mir ins Büro. Miss Granger ich werde später eine Eule nach ihnen schicken, damit sie sich zusammen ihre neuen Gemächer anschauen können. Ich wünschen ihnen einen guten Appetit."
Kaum das Dumbledore seine Ansprache beendet hatte, ging das Gemurmel in der großen Halle wieder von vorne los. Gesprächsthema Nummer 1 war natürlich die Wahl der Schulsprecher. Ausgerechnet die größten Feinde in Hogwarts sollten auf einmal zusammen arbeiten und vor allem zusammen wohnen. Wie sollte das nur gut gehen? Von vorne herein stand für die meisten fest, dass es wohl nicht lange dauern würde, bis die beiden Streithähne im Krankenflügel landen würden. Die Zwei hatten sich schließlich seit dem ersten Schuljahr gehasst wie die Pest. Keiner konnte verstehen, wie Dumbledore so etwas tun konnte. Alle schauten mitleidig zu Hermine herüber. Kaum einer beachtete Malfoy. Auch von ihren Freunden bekam sie aufmunternde Worte zugesprochen. Kurz warf Hermine einen Blick zu Malfoy hinüber. Erst als sie sich schon wieder abwandte, fiel ihr auf, dass Malfoy ganz alleine an einer Seite des Tisches saß. Ihr Kopf schnellte ruckartig wieder zum Slytherintisch zurück. Wieso saß Malfoy ganz alleine am Tisch? Wo sind denn auf einmal seine beiden großen Gorillas hin? Meine Güte, dieses Jahr schien aber auch gar nichts normal sein. Ein Malfoy saß nicht alleine am Tisch und schaute die ganze Zeit auf seinen Teller. Na da konnte ja noch ein interessantes Schuljahr werden. Doch bevor sie sich weiter Gedanken machen konnte, wurde sie von Ginny an der Schulter geschüttelt.
„Hey Mine, wo starrst du denn die ganze Zeit gedankenverloren hin? Gibt's da irgendwas Interessantes zu sehen, von dem ich noch nichts weiß?", holte Ginny sie wieder in die Realität zurück.
„Was? Nein, natürlich nicht. Worum geht es?".
„Mensch du musst ja mit deinen Gedanken ziemlich weit weg gewesen sein. Wir unterhalten uns schon eine kleine Ewigkeit über den neuen Prof.".
„Oh Sorry, da war ich wirklich woanders".
„Schau dir nur mal unseren ganzen Mädels hier an. Die können ja die Blicke gar nicht mehr von ihm nehmen. Klar, er sieht ziemlich heiß aus. Und er dürfte wohl mit Abstand der jüngste Lehrer sein, den Hogwarts zu bieten hat".
„Ach Ginny, du nun wieder".
„Was? Man wird doch wohl noch einen Lehrer gut finden können".
„Du weißt doch noch nicht einmal wie er unterrichtet. Wie kannst du da schon anfangen von ihm zu schwärmen?"
„Ach Mine, du bist aber auch wirklich langweilig. Da hat Hogwarts endlich mal einen heißen Lehrer und du weißt das nicht einmal zu schätzen".
„Gin, wir sind hier zum lernen da und nicht um irgendwelchen Lehrern schöne Augen zu machen".
„Ach du bist aber auch zu langweilig".
„Hey Mädels, wenn ihr fertig seid, darüber zu sinnieren, ob unser neuer Prof. heiß ist oder nicht, könntet ihr euch vielleicht an unserer Unterhaltung beteiligen. Wir finden es verwunderlicher, dass sein Name Black ist".
„Stimmt Ron, jetzt wo du es sagst" viel Hermine mit ein. „Sag mal Harry, hat Sirius irgendwann mal erwähnt, dass er vielleicht noch einen anderen Verwandten hat, der nicht sehr viel älter ist, als wir? Ich meine Prof. Black kann doch maximal 5-6 Jahre älter sein".
„Nein, Mine. Davon hat er nichts erwähnt, zumindest nicht das ich wüsste. Ich kann mich aber auch nicht darin erinnern, jemanden auf dem Familienstammbau der Blacks gesehen zu haben, der ungefähr das Alter unseres Profs. hat".
„Ist ja merkwürdig. Gibt es denn noch eine andere Zaubererfamilie mit dem Namen Black, die nicht mit Sirius verwandt sind?".
„Das ist eher unwahrscheinlich Mine", gesellte sich Ron dazu. „Es gibt in der Zaubererwelt nur eine Familie mit dem Namen Black und jeder, der diesen Namen trägt, ist irgendwie mit den Anderen verwandt".
„Aber wie kann es dann sein, dass er nicht auf dem Stammbaum auftaucht?" fragte Ginny laut.
„Vielleicht wurde er auch einfach wieder vom Familienbaum gebannt, so wie Sirius auch", versuchte Ron eine Erklärung zu finden.
„Hm, das können wir von hier leider nicht überprüfen. Vielleicht ergibt sich ja im Laufe des Schuljahres eine Möglichkeit näheres über ihn in Erfahrung zu bringen". Damit beendete Hermine lieber schnell das Thema, denn gerade kam McGonagall um ihnen ihren neuen Stundenpläne auszuhändigen. Noch eine Veränderung in diesem Jahr. Diesmal gab es die Stundenpläne schon am Abend und nicht erst zum Frühstück am darauffolgenden.
Anhand von Harry und Rons Stöhnen, konnte sie sich ausmalen, was sie wohl am Montag in den ersten Stunden hatten. Natürlich Zaubertränke mit den Slytherins zusammen. Wie konnte es auch jemals anders sein. Danach hatten sie Gott sei Dank zwei Freistunden und dann gab es auch schon Mittagessen. Anschließend stand nur noch Verteidigung gegen die dunklen Künste auf dem Plan, eines ihrer absoluten Lieblingsfächer. Dann konnten sie auch gleich, einen Blick auf ihren neuen Lehrer werfen. Wenn sie ehrlich zu sich selber war, gespannt war sie schon, wie sich der Neue so machen würde. Ginny gegenüber wollte sie es nicht zugeben, aber auch sie fand den neuen Prof. nicht gerade unattraktiv, aber das musste sie Ginny ja noch nicht unbedingt auf die Nase binden. Ein sanftes Kribbeln machte sich in ihrem Bauch breit. Was würde er ihnen wohl beibringen. Er hatte noch nicht die jahrelange Erfahrung eines Aurors oder eines anderen Lehrers, den sie bis jetzt hatten, aber das musste ja nichts heißen. Morgen wusste sie mit Sicherheit mehr.
Nachdem Essen ging Hermine mit ihren Freunden zusammen in den Gryffindorgemeinschaftsraum. Da Dumbledore noch einmal mit Malfoy reden wollte, konnte sie die Zeit genauso gut noch bei ihren Freunden verbringen, bevor sie den Rest des Jahres mit ihm zusammenleben musste.
Draco Malfoy machte sich langsam auf den Weg zu Dumbledores Büro. Er konnte sich schon denken, warum der alte Greis unbedingt mit ihm reden wollte. Verdammt aber auch, warum konnte ihn keiner in Ruhe lassen. Ständig musste sich irgendjemand in seine Angelegenheiten einmischen. Er hatte absolut keine Lust auf diese Diskussion, wusste aber auch, dass er sich nicht davor drücken konnte. Als er an den Wasserspeiern angekommen war, murmelte er „Zitronendrops" und schon gaben sie den Weg zum Büro des Direktors frei. Mit schweren Schritten ging er die Wendeltreppe hoch und klopfte an die Tür.
Von drinnen ertönte gedämpft die Stimme des Direktors. „Herein".
Draco öffnet schnell die Tür und trat ein. „Sie wollten mich sprechen, Sir?"
„In der Tat. Setzen sie sich doch".
Draco tat wie ihm geheißen und ließ sich langsam in dem Stuhl vor Dumbeldores Schreibtisch nieder.
„Nun Mr. Malfoy, sie können sich sicher denken, weswegen ich sie in mein Büro bestellt habe".
„Ich weiß nicht, worauf sie hinaus wollen". Also ob er vor hätte diesem alten Quacksalber überhaupt was zu erzählen. Für wen hielt der sich eigentlich.
„Nun Mr. Malfoy. Ich denke sie wissen ganz genau, warum ich sie in mein Büro zitiert habe. Wollen sie mir nicht sagen, wie es zu den ganzen Verletzungen gekommen ist, die sie schon eine ganze Zeit immer mal wieder mit sich rumtragen?"
„Wie gesagt, ich weiß nicht, worauf sie hinaus wollen". Konnte er ihn nicht einfach in Ruhe lassen? Er hatte nicht die geringste Lust sich darüber zu unterhalten. Er wollte einfach nur noch ins Bett und seine Ruhe haben.
„Draco, Sie sollten eigentlich wissen, dass sie mir nichts vormachen können. Ich weis, dass sie die Ferien über das ein oder andere Mal im St. Mungos waren. Wie sind Sie zu diesen Verletzungen gekommen?".
„Bei allem Respekt Sir, aber ich wüsste nicht, was sie das angeht", erwiderte Draco etwas spitz.
„Nun es geht mich sehr wohl etwas an, wenn einer meiner Schüler schon fast ein Dauergast im Krankenhaus ist. Schließlich stehen sie hier in Hogwarts unter meiner Verantwortung. Übrigens, ich weiß nicht, ob sie es vielleicht schon wissen, aber ihrem Vater erging es in Askaban auch nicht viel besser. Wussten sie, dass das Gefängnis von Todessern überfallen worden ist? An ihrem Gesichtsausdruck sehe ich, dass sie davon offensichtlich nicht informiert waren. Ihr Vater wurde während dieses Angriffs übel zugerichtet. Gott sei Dank, dass die Auroren noch rechtzeitig eingetroffen sind. Wer weis, was sie sonst noch mit ihrem Vater angestellt hätten. Also was ist passiert?"
Wie bitte? Er glaubte sich verhört zu haben. Das konnte doch nicht wahr sein. Ein Überfall auf Askaban? Sein Vater wurde übel zugerichtet und er konnte von Glück sagen, dass die Auroren rechtzeitig zur Stelle waren? Verdammt, sein Vater war ein enger Verbündeter von Voldemort. Wieso hatten sie ihn angegriffen und nicht befreit? Was sollte das? Auch wenn er in letzter Zeit etwas in Ungnade gefallen war, gab es noch keinen Anlass, dass sie ihn angriffen. Draco war vollkommen in seinen Gedanken versunken, so dass Dumbledore mehrmals seinen Namen rufen musste, bevor er überhaupt reagierte.
„Nun, Draco. Sind sie immer noch sicher, dass sie mir nichts von ihren Verletzungen erzählen wollen?" Draco überlegt Hin und Her ob er wirklich erzählen konnte, was während der Ferien auf dem Manor passiert war. Sicherlich in Hogwarts war er sicher, aber er musste während der Ferien auch wieder nach Hause und wer wusste schon, was sie mit seiner Mutter anstellen würden, wenn sie wüssten, dass er alles erzählt hat. Ach verdammt, warum musste auch alles in seinem Leben immer so kompliziert sein? Und warum konnte ihn der alte Sack nicht einfach in Ruhe lassen. Wie oft musste er ihm noch erzählen, dass er zu der Sache nichts sagen wollte?
„Ich kann ihnen dazu nichts sagen Sir".
„Sie wollen mir darüber nichts sagen, weil sie Angst vor den Konsequenzen haben, die sie und ihrer Mutter erfahren könnten. Ich versichere, dass sowohl ihnen als auch ihrer Mutter nichts passiert. Aber dafür muss ich wissen, was vorgefallen ist."
Verdammt, woher wusste der alte Mann das denn jetzt schon wieder? Wenn er eh schon soviel wusste, dann brauchte er ja nicht mit weiteren Informationen gefüttert zu werden. Andererseits, wie lange konnte er das schon alles für sich behalten? Irgendwann würde eh ans Licht kommen, was im Manor passiert war. Aber konnte er jetzt schon die Katze aus dem Sack lassen. Konnte er wirklich alles auspacken? Konnte Dumbledore ihn und seine Mutter wirklich schützen. Die Restzweifel wollten einfach nicht von ihm lassen.
Er blickte zu Dumbeldore auf. Die blauen Augen des Zauberers strahlten eine ungemeine Zuversicht aus, die Draco noch nie zuvor gesehen hatte. Konnte er wirklich….
„Ich… Der dunkle Lord hat Malfoy Manor kurzzeitig zu seinem Hauptsitz erklärt. Todesser gingen bei uns ein und aus. Er war nicht und ist vermutlich immer noch nicht gut auf unsere Familie zu sprechen, wegen dem, was damals im Ministerium passiert ist. Sobald wir nicht sofort seiner Anweisung entsprechend gefolgt sind, wurden wir von etlichen Todessern verhext. Ich war mehrmals in St. Mungo um mich vom…." an dieser Stelle stockte Draco. Er musste schlucken. Zu schlimm waren die Erinnerungen an das, was passiert war.
„Ich musste mich vom Cruciatus-Fluch erholen und zahlreiche Knochenbrüche behandeln lassen. Meiner Mutter erging es auch nicht besser. Auch sie musste mehrmals zu heilern um ihre Verletzungen behandeln zu lassen. Gegen Ende der Ferien sind die Todesser und der Dunkle Lord wieder verschwunden. Keine Ahnung warum." Damit endete Draco.
„Haben sie eine Ahnung, was Voldemort vor hat? Worum es in den einzelnen Treffen ging?"
„Man hat uns nicht mehr zu den Versammlungen gelassen. Scheinbar kann er unserer Familie nicht mehr soweit trauen, dass er uns in seine Pläne einbezieht. Ich kann ihnen leider nichts dazu sagen."
„Verstehe. Dann können sie sich jetzt in ihren Gemeinschaftsraum zurückbegeben. Um alles Weitere werde ich mich kümmern."
Wollte ihn Dumbledore etwa auf den Arm nehmen? Er hatte ihn soweit bearbeitet, dass er schließlich doch nicht anders konnte, als ihm alles zu erzählen und nun sollte er einfach gehen? Das konnte er nun wirklich nicht von ihm erwarten. Schließlich wollte er wissen, wie es jetzt weitergehen soll.
„Sir, was geschieht jetzt mit mir und meiner Mutter? Ich kann in den Ferien wohl kaum wieder zurück, sollte der Dunkle Lord erfahren, was ich ihnen erzählt hab."
„Machen sie sich keine Sorgen. Alle notwendigen Maßnahmen werde ich in die Wege leiten. Mehr kann ich ihnen im Moment dazu nicht sagen. Professor McGonagall wird sie in wenigen Minuten vor der großen Halle abholen um sie zu ihren neuen Gemächern zu führen. Schlafen sie gut."
Dumbledore erhob sich und begleitete Draco noch zur Tür. Dieser konnte nur hoffen, dass Dumbledore wirklich wusste, was er da tat. Gedankenverloren ging Draco durch die Gänge in Hogwarts um zur Großen Halle zu kommen. Dabei merkte er nicht, dass er von drei Augenpaaren beobachtet wurde.
Harry, Ron und Hermine waren Malfoy nach dem Essen hinterher geschlichen. Sie wollten unbedingt wissen, was Dumbledore noch von ihm wollte. Leider hatten sie von dem Gespräch im Büro nicht viel mitbekommen. Sie sahen nur, dass sich an Malfoys Auftreten nichts geändert hatte. Noch immer wirkte er abwesend.
Grübelnd gingen die drei wieder in ihren Gemeinschaftsraum zurück und ließen sich vor dem Kamin nieder.
„Was wollte Dumbledore denn nur von Malfoy?"
„Keine Ahnung. Wenn wir das wüssten, hätten wir gerade eine ganz andere Unterhaltung", bemerkte Hermine etwas spitz.
„Hey welche Laus ist dir denn schon wieder über die Leber gelaufen?" fragte Harry besorgt.
„Jungs könntet ihr euch vielleicht auch nur im geringsten vorstellen, dass ich die letzten Minuten, die ich noch habe, vielleicht gerne mit meinen Freunden im Gemeinschaftsraum verbringen würde, statt Malfoy hinterher zu spionieren, wo ich eh den Rest des Jahres mit ihm zusammen wohnen muss. Hab ich da vorher nicht noch etwas Abwechslung und Heiterkeit verdient?"
„Mine. Ich… es tut uns leid. Wir dachten nur du wärst genauso neugierig darauf zu erfahren, was Dumbledore von Malfoy wollte?"
„Natürlich Ron, aber wie wir sehen, sind wir keinen Deut schlauer als vorher".
Harry und Ron blickten betreten auf den Boden, während sich ein unangenehmes Schweigen über die drei legte. Schließlich war Hermine wieder diejenige, die das Wort ergriff.
„Tut mir leid Jungs, dass ich so eine Zicke bin, aber ich habe absolut keine Lust den Rest des Schuljahres mit diesem Frettchen zu verbringen. Es sollte eigentlich ein schönes letztes Jahr auf Hogwarts werden, auch wenn der Krieg langsam im Anmarsch ist. Und nun muss ich mir die ganze Zeit mit diesen Idioten einen Gemeinschaftsraum teilen".
„Wir verstehen dich Mine. Wir hätten lieber noch etwas Lustiges unternehmen sollen. Aber unsere Neugier war leider zu groß".
„Schon gut Harry."
„Aber Hermine wir finden schon Wege, wie wir dir das Frettchen auch mal vom Hals halten können. Und wir können dich immer noch besuchen kommen und du uns auch. Und wenn wir die Slytherins im Quidditch wieder von den Besen hauen, dann gibt es eine ordentliche Party bei uns im Gemeinschaftsraum. Das Jahr wird trotzdem klasse werden. Lass es dir von diesem Blödmann nicht versauen".
„Danke Ron".
In diesem Moment flatterte eine kleine Eule direkt auf Hermine zu. Hermine nahm ihr schnell das Pergament vom Fuß und begann zu lesen.
„Sorry Jungs, aber ich muss los. McGonagall erwarte mich vor der Großen Halle. Wir sehen uns dann später". Sie nahm noch einmal beide Jungs in den Arm und machte sich dann schnell auf den Weg.
„Meinst du Harry sie wird klar kommen?"
„Sicher Ron, du kennst sie doch. Und ansonsten nehmen wir uns das kleine Frettchen vor".
Leise machten sich die beiden Jungs wieder los.
