5. Kapitel
Am nächsten Morgen kam der Tagesprophet etwas früher als gewöhnlich. Hermine bezahlte die Eule für die Auslieferung. Als sie den Blick auf die Titelseite heftete fuhr ihr ein Schreck durch Mark und Bein.
„Oh Mein Gott. Das glaube ich nicht".
„Was denn los Mine?" fragte Ron mit vollem Mund.
„Erstens Ron sieht es eklig aus, wenn du mit vollem Mund redest und zweitens, das schaut ihr euch am besten selber an".
Harry und Ron drehten sich automatisch näher zu Hermine und sahen, wie ihnen Lucius Malfoy von der Titelseite des Propheten entgegen blickte. Im ersten Moment dachten Ron und Harry, dass Lucius aus Askaban geflohen wäre, doch dann sahen sie sich die Schlagzeile genauer an, die über seinem Bild lag. „Überfall auf Askaban – Lucius Malfoy schwer verletzt".
„Das glaub ich jetzt nicht", entfuhr es Harry. „Wieso bei Merlins Unterhosen überfällt jemand Askaban ohne Malfoy zu retten? Stattdessen wird er bei dem Überfall verletzt?"
„Tja, Harry. Mich darfst du nicht fragen. Ich bin genauso ratlos wie du bzw. für mich ergibt das überhaupt keinen Sinn. Es ist totaler Schwachsinn. Man könnte meinen Malfoy gehöre nicht mehr zu den Todessern. Was meinst du denn Mine?"
Doch Hermine hörte ihnen nicht zu. Sie war viel zu sehr in dem Artikel vertieft. Nachdem sie zu Ende gelesen hatte, drehte sie sich zu den Jungs um und las ihnen den kompletten Artikel vor.
Wie erst jetzt vom Ministerium für Zauberei bekannt wurde, gab es vor mehreren Wochen einen Überfall auf das Gefängnis Askaban. Dabei sollen mehrere nicht näher bekannte Todesser eingedrungen sein und für eine ziemliche Verwüstung gesorgt haben. Warum die Dementoren sie nicht daran hinderten, ist zu diesem Zeitpunkt noch vollkommen ungewiss. Fakt ist nur, dass bei diesem Angriff etliche Insassen zum Teil schwer verletzte worden sind, darunter auch bekannter Todesser Lucius Malfoy, der seit mehr als einem halben Jahr in Askaban sitzt.
Warum brechen Todesser in das Gefängnis ein, ohne jemanden zu befreien, obwohl bekannt ist, dass einige Todesser in Askaban sitzen? Wollten sie lediglich für Unruhe sorgen oder wollten sie eine Botschaft überbringen? Soll der Angriff auf Lucius Malfoy so gedeutet werden, dass er nicht mehr zu den engsten Vertrauten zu dem dessen Name nicht genannt werden darf zählt? Wollten die Todesser damit zeigen, was mit denjenigen in ihren Reihen passiert, wenn sie versagen? Denn auffallend ist, dass Mr. Malfoy der einzige Todesser war, der von den Eindringlingen angegriffen worden ist.
Zu diesem Zeitpunkt befindet sich Mr. Malfoy nach wie vor in der Obhut etlicher Heiler. Es kann gemutmaßt werden, dass die Verletzungen Mr. Malfoys doch gravierender sind, als sie das Ministerium eingestehen will. Über nähere Einzelheiten will sich das Zauberministerium nicht äußern.
Der Prophet fragt sich natürlich und sie sicherlich auch, warum wurde ausgerechnet Lucius Malfoy angegriffen, wo er doch bekennender Todesser ist und als linke Hand von dem, dessen Name nicht genannt werden darf, gilt? Warum hat das Ministerium sich nicht eher an die Öffentlichkeit gewendet? Sie haben ein Recht es zu erfahren, wenn die Gefahr besteht, dass Todesser aus dem Gefängnis entkommen sind. Man kann wohl von Glück reden, dass nur die Gefangenen einen Schaden von diesem Angriff davon getragen haben.
Wir werden an der Sache für sie dran bleiben, denn auch sie haben ein Recht auf die Wahrheit."
„Das ist ja wohl nicht zu fassen. Da wissen die seit Wochen, dass es einen Überfall aus Askaban gab und jetzt erzählen die mal was davon. Ich glaubs ja nicht", brauste Ron sofort auf. „ Man könnte ja glatt auf die Idee kommen, dass ein Überfall aus Askaban so alltäglich ist, dass man darüber kein Wort mehr verlieren muss. Interessiert doch eh keinen, ob da ein paar Todesser Randale machen".
„Ich dachte im ersten Moment auch, dass ich spinne. Aber ich glaube da steckt mehr dahinter. Ich muss dem Tagespropheten ausnahmsweise einmal Recht geben. Sie mögen ja viel Müll berichten, aber bei dieser Story stellen sie genau die gleichen Fragen, die mir auch im Kopf herumspuken. Warum sollten Todesser in Askaban eindringen, keinen einzigen ihrer Anhänger befreien und Lucius Malfoy so übel zurichten, wo er doch selbst ein Todesser ist und Voldemort verehrt. Sorry, aber das macht für mich absolut Null Sinn".
„Da kann ich dir nur Recht geben, Harry", mischte sich Hermine ein. „Es ist absolut unlogisch und auch nicht im Ansatz nachzuvollziehen, was sich da in Askaban ereignet hat. Haben sie Lucius jetzt aus ihren Kreisen verbannt oder wollten sie an ihm ein Exempel für andere Todesser statuieren? So nach dem Motto, seht her was mit euch passiert, wenn ihr eure Aufgaben nicht erfüllen könnte. Egal wie ich es drehe und wende, ich komme zu keinem plausiblen Grund. Aber zumindest können wir uns jetzt denken, was Dumbeldore gestern noch von Malfoy wollte. Wenn er wusste, dass an diesem Morgen der Prophet einen Artikel über seinen Vater hinausbringen wird, dann wollte er ihn wohl darauf vorbereiten. Denn ich bin mir fast sicher, dass auch Malfoy davon noch nichts wusste".
„Also gehst du davon aus, dass Dumbeldore von vorne herein Bescheid wusste?"
„Sicher Ron, sonst hätte er gestern beim Abendessen nicht immer wieder besorgt zu Malfoy geschaut. Ob er jedoch weiß, was hinter der ganzen steckt, da bin ich mir nicht so sicher. Dumbeldore weiß zwar verdammt viel, aber doch eben nicht alles".
„Also meinst du, es könnte vielleicht sein, dass er Malfoy zu sich gerufen hat, damit er vielleicht näheres in Erfahrung bringen kann, über die Hintergründe zum Beispiel?"
„Davon würde ich fast schon ausgehen, Harry. Oh Mist Leute, wenn wir uns nicht schnellstens auf den Weg machen, dann kommen wir zu spät zu Zaubertränke".
„Schon gut Mine. Aber wird wohl dieses Jahr nicht wieder so spannend werden, wie im letzten, wo Snape nicht da war", meinte Ron.
„Ach übrigens Harry, sag mal willst du das Buch des Halbblutprinzen eigentlich weiterhin nutzen? Es dürfte ja wohl klar sein, dass Snape das nicht so einfach durchgehen lässt".
„Ich weis es noch nicht, Mine. Wenn meine Leistungen auf einmal wieder sehr viel schlechter werden, wird das wohl auch auffallen. Und da Snape vorwiegend auch vorne sitzen bleibt und nicht durch die Reihen geht, werde ich es versuchen".
„Aber Snape hat sich im letzten Jahr schon gewundert, warum du auf einmal solche gute Leistungen hattest. Aber ganz wie du meinst. Ich finde es nur den anderen gegenüber unfair. Die haben keine Tipps in ihren Büchern stehen. Da ist eindeutig ein Vorteil gegenüber den Anderen".
„Aber Mine, letztendlich befolge ich doch auch nur Anweisungen, wie jeder Andere hier auch. Meine führen nur schneller zum Ziel. Was ist daran bitteschön so verkehrt?"
„Weißt du was Harry, mach doch was du willst. Wenn Snape dich dabei erwischt, dann ist das ganz alleine dein Problem. Aber sag nicht, dass ich dich nicht gewarnt hätte". Daraufhin beschleunigte Hermine ihre Schritte und war im Nu etliche Meter voraus.
„Meine Güte, das sie aber auch immer so ein Drama machen muss. Deine Anweisungen sind halt etwas anders, aber das heißt nicht, dass es für dich soviel leichter ist" unterstützte ihn Ron.
„Sag mal hättest du mich nicht vor Hermine unterstützen kann, anstatt mir das im Nachhinein zu sagen?"
„Damit ich auch noch was abkriege. Sorry Kumpel, aber mit einer wütenden Hermine will ich mich lieber nicht anlegen".
„War ja klar du kleiner Feigling".
„Hey, du weist doch selber wie Hermine bei solchen Dingen ist. Wahrscheinlich stört es sie nach wie vor, dass deine Tränke mittlerweile genauso gut, wenn nicht sogar besser als ihre sind. Sie ist nicht mehr die unangefochtene Nummer Eins in Zaubertränke und das nur, weil du ein Buch gefunden hast, was ein paar Abkürzungen kennt. Die kriegt sich auch wieder ein. So nun sollten wir uns aber auch lieber beeilen, bevor Snape uns gleich wieder Punkte abziehen kann".
„Das macht er doch eh aus irgendeinem Grund".
Und somit legten die Jungs noch einen Gang zu.
Gerade noch rechtzeitig kamen die Beiden vor Snape an. Kaum das sie ihre Plätze in der hintersten Reihe eingenommen hatten, flog auch schon die Kerkertür zu. Mi wehendem Umhang schritt Snape nach vorne zum Lehrerpult.
„Sie werden in dieser Stunde den Trank des Todes brauen. Die Zutatenliste befindet sich an der Tafel. Ich erwarte von Ihnen, dass Sie diesen Trank ohne größere Probleme zustande bringen. Er wird Bestandteil ihrer UTZ Prüfungen sein, also sehen sie zu, dass sie wenigstens einen halbwegs ordentlichen Trank zustande bringen, ansonsten brauchen sie in der nächsten Stunde erst gar nicht wieder hier aufkreuzen". Bei diesem letzten Satz schaute er vor allem Ron und Harry an. Mit einem Schwung seines Zauberstabs erschienen die Zutaten und Kessel auf den Tischen der Studenten. Mit einem letzten Blick durch seinen Kerker, setzte sich Snape hinter sein Lehrerpult und war in seine eigenen Studien vertieft.
In Windeseile schlugen alle Schüler ihre Bücher auf um schleunigst die Anweisungen zu lesen. Keiner wollte gleich schon in der ersten Stunde aus Snapes Kurs fliegen. Harry blätterte im Buch des Halbblutprinzen zu der entsprechenden Seite und fand auch zu diesem Trank ein paar Randbemerkungen. Er blickte zu Ron hinüber und sah, dass dieser schon einem halben Nervenzusammenbrach nahe war. Er wusste, dass auch Ron Auror werden wollte. Nur dazu musste er unbedingt einen guten Abschluss in Zaubertränke haben. Wenn Snape also seine Drohung wahr machen würde, wovon auszugehen war, dann sah es schlecht um Rons Zukunft aus. Harry beschloss dieses Jahr nicht der einzige Nutznießer des Buches zu sein. Er schon das Buch des Halbblutprinzen so zwischen beide Kessel, dass Ron auch mitlesen konnte, ohne das es groß auffiel. Dafür erntete er einen dankbaren Blick von Ron. Als Harry einen Blick zu Hermine rüber warf, konnte er sehen, dass sie von seiner Hilfsbereitschaft nicht wirklich begeistert war. Schnell wandte sie sich wieder von Beiden ab, um an ihrem eigenen Trank zu arbeiten.
Nach und nach nahmen die Tränke des Trios die gewünschte schwarze Färbung an. Am Ende der Stunde begab sich Prof. Snape langsam durch die Reihen der Schüler und blieb hier und dort mal stehen, um sich die jeweiligen Tränke etwas genauer anzusehen. Den Tisch des Goldenen Trios sparte er sich bis zuletzt auf. Mit einem besonders langen und kritischen Blick besah er sich die Tränke der drei. Sein Gesicht bekam dabei einen immer düsteren Ausdruck. Am Ende kam selbst Snape nicht darum herum sowohl Harry als auch Hermine und Ron jeweils 10 Punkte für ihren Trank zu geben. Sein Gesicht sah dabei allerdings so aus, als ob er in eine besonders starke Zitrone gebissen hätte. Snape vergab nicht gerne Punkte und schon gar nicht an die Gryffindors. Er fragte sich, wie es dieser Potter-Junge wohl geschafft hatte innerhalb eines Jahres seine Leistungen so signifikant zu verbessern. Das ging doch nicht mit rechten Dingen zu. Es sei denn…..Sollte er letztendlich doch das Talent seiner Mutter geerbt haben? Dafür kam es zwar sehr spät erst zum Vorschein, aber es lag durchaus im Bereich des Möglichen. Der Sache würde er noch auf den Grund gehen müssen, wenn er seinen Unterricht weiterhin ordentlich führen wollte.
Während Snape weiter vor sich hin grübelte, ertönte der Gong zum Ende der Schule. Snape war so in seine Gedanken vertieft, dass er doch tatsächlich vergaß den Schülern einen Aufsatz zu erteilen.
Während die Schüler ihre Sachen zusammen packten und den Kerker verließen, kam auch Snape langsam wieder in die Realität zurück. Er wollte in letzter Sekunde noch den Aufsatz aufgeben, aber da musste er schon feststellen, dass die meisten Schüler den Raum schon verlassen hatten. Im Stillen ärgerte er sich, dass er so in Gedanken versunken war. Das war ihm noch nie passiert und dann ausgerechnet während des Unterrichts. Das nächste Mal würde er seine Grübeleien auf den Abend verschieben. Dafür würden seine Schüler eben das nächste Mal doppelt soviel aufbekommen. Mit diesem Gedanken drehte er sich zur Tafel um und stellte fest, dass Draco Malfoy immer noch unverändert an seinem Platz saß. Mit energischen Schritten ging er auf ihn zu.
„Draco, auch für dich ist der Unterricht zu Ende, ich würde dir raten dich zu deiner nächsten Stunde zu bequemen".
„Ich habe erst am Nachmittag wieder Unterricht".
„Dann würde ich dir empfehlen, dich entweder mit deinen Mitschülern im Gemeinschaftsraum zu treffen oder dich aber anderweitig nützlich zu machen. Da die nächste Klasse mir schon in den nächsten 10 Minuten wieder den nächsten Nerv raubt, kann ich dich hier nicht den ganzen Tag sitzen lassen".
„Wenn sie meinen Professor". Damit packte Draco langsam seine Sachen zusammen und verließ den Kerker ohne ein weiteres Wort.
Herrje, was war denn nur schon wieder mit dem Jungen los? Er hatte sich ja mittlerweile kein Stück mehr unter Kontrolle. Wo war die Maske, die er sonst immer so gekonnt in der Schule trug? Wo war die hochnäsige Art, durch die er immer wieder mit Anderen aneinander geriet?
So konnte das jedenfalls nicht mit ihm weiter gehen. Er konnte nicht einfach im Kerker sitzen bleiben, während die Anderen ihre Sachen zusammen packten und schon wieder schnell verschwanden. Ihm war schon gestern Abend und insbesondere heute früh aufgefallen, dass er sich zusehends von seinem Haus abkapselte. Wenn er so weiter machte, würden bald die nächsten Gerüchte ihren Runden über das Schulgelände drehen. Es reichte schon bei weitem aus, dass durch diesen nichtsnutzigen Propheten, die komplette Schule wusste, dass sein Vater in Askaban angegriffen wurde und sich von dem Vorfall immer noch nicht erholt hatte. Gut das der Prophet über die wahren Gründe des Angriffs nur mutmaßen konnte. Bei Zeiten würde er sich den Jungen noch einmal zur Brust nehmen müssen. Aber erst einmal musste er diesen tollpatschigen Schülern die Kunst der Zaubertränke beibringen. Nicht, dass es bei den Meisten nicht eh sinnlos wäre, aber ab und an überraschte ihn auch mal ein Schüler, was er nach außen natürlich nie zugeben würde. Oh er hörte schon ihre Schritte die Treppen herunter kommen. Auf in einen neuen aussichtslosen Kampf.
In der Zwischenzeit genossen Hermine, Harry und Ron die herbstlichen Sonnenstrahlen am See von Hogwarts. Hermine war immer noch ein bisschen eingeschnappt, das Harrys Trank mal wieder mindestens so gut wie ihrer war. Hinzu kam, dass er dieses Mal so gar noch Ron geholfen hatte, einen fast ebenso guten Trank zu brauen. Allerdings, so musste sie insgeheim jedoch zugeben, war der Anblick eines Snapes, der in mindestens ein dutzend Zitronen gebissen haben musste, einfach nur einmalig. Allein dafür hatte es sich eigentlich schon gelohnt. Doch ihr Stolz und ihre Ehrlichkeit standen ihr mal wieder im Weg. Klar sie gönnte den Beiden ihren Erfolg. Andererseits bemächtigte er sich an den Lorbeeren von Anderen, da er ganz offensichtlich nicht so gute Ergebnisse erzielen würde, wenn da nicht die Randnotizen wären. Das hatte er in den letzten Schuljahren oft genug bewiesen.
„Hey, Hermine bist du immer noch sauer?", fragte Harry vorsichtig.
„Ach, es ist doch immer dasselbe. Und da du das Buch eh nicht weggeben wirst. Ich werde mich schon dran gewöhnen, dass das Buch auch dieses Jahr wieder seinen Bestand haben wird".
„Mine, du weist, dass dieser Kurs wichtig ist, damit ich und auch Ron Auror werden können. Wir hatten letztes Jahr eh ziemliches Glück, dass wir Slughorn als Professor hatten, sonst wären wir nie in den Kurs reingerutscht. Und wie soll ich Snape erklären, dass ich auf einmal wieder schlecht in seinem Fach bin? Kannst du mir das erklären?"
„Oh Harry, glaubst du denn, dass weis ich nicht? Nur trotzdem hab ich bei diesem Buch ein ungutes Gefühl. Du hast nach wie vor nicht die geringste Ahnung wem es gehört. Du kannst dir nicht einmal sicher sein, dass jede kleine Randnotiz eine positive Wirkung auf den Trank hat".
„Das sind wir doch letztes Jahr schon alles einmal durchgegangen. Bis jetzt hat mich das Buch nicht hängen lassen und das wird es bestimmt auch in Zukunft nicht".
„Wie du meinst Harry. Mir wäre es zwar lieber du würdest auf andere Weise erfolgreich in Zaubertränke sein, aber da kann ich wohl lange drauf warten. Mach wie du denkst".
Auf einmal wurde Hermines Blick zu Ron gelenkt. Sie fand es außerordentlich komisch, dass er sich bis jetzt sogar nicht an der Diskussion beteiligt hatte. Er starrte auf einen gewissen Punkt, den sie von ihrer Position aus nicht sehen konnte.
„Hey Ron, was hast du? Worauf starrst du die ganze Zeit?"
„Pssstt, nicht so laut, sonst hört er uns noch".
„Wer sollte uns denn hören?" erwiderte Harry im Flüsterton.
In dem Moment sahen Beide, auf wen Ron die ganze Zeit gestarrt hatte. Malfoy kam den Weg vom Schloss herunter, geradewegs an ihrem Platz vorbei. Zum Glück ging er weiter. Hermine hatte keine Lust sich jetzt auch noch auf ein Gespräch mit Malfoy einzulassen. Das Zusammenleben mit ihm, würden ihr garantiert reichen, da musste sie nicht auch noch jede freie Minute mit ihm verbringen. Aber sie brauchten sich eigentlich keine Sorgen zu machen, dass Malfoy sie bemerken würde. Er schaute stur geradeaus ohne auch nur das kleinste bisschen von seiner Umgebung wahrzunehmen. Was die drei Freunde aber noch mehr als den ausdruckslosen Blick in dessen Gesicht überraschte, war die Tatsache, dass er ohne seine Bodyguards unterwegs war bzw. gar kein Slytherin auch nur in der Nähe war.
„Mensch, seid wann rennt denn Malfoy alleine durch die Gegend?" wunderte sich Ron.
„Er scheint generell irgendwie der Einzelgänger geworden zu sein" warf Harry ein.
„Tja kann uns ja egal sein, was mit ihm ist. Seit wann kümmern wir uns denn darum, was mit so einem, wie dem da los ist, es sei denn, er heckt was aus, aber danach scheint es nicht auszusehen. Aber sonst hat er uns ja oft genug das Leben zur Hölle gemacht. Eigentlich wäre das die perfekte Gelegenheit ihm mal eins auszuwischen. Ich würde ihm nur zu gerne die ganzen Gemeinheiten der letzten Jahre heimzahlen" erwiderte Ron.
„Ronald Weasley! Wie kannst du auch nur daran denken jemand einfach hinterrücks anzugreifen?" entrüstete sich Hermine.
„Hermine wir reden hier von Malfoy und nicht von einem armen Schüler. Was sollte also dabei sein? Er hat doch die ganzen Jahre über nichts anderes gemacht. Tut ihm doch nur gut, mal was von seiner eigenen bitteren Medizin zu schlucken".
„Ich fass es einfach nicht, solche Worte aus deinem Mund zu vernehmen. Hast du denn überhaupt keinen Stolz, Ron? Wenn du das gleiche mit ihm machst, wie er mit uns, bist du doch keinen Deut besser als er. Willst du dich wirklich auf sein Niveau herabbegeben? Das kann doch nicht dein ernst sein. Er ist immer noch ein Schüler dieser Schule und wir haben kein Recht zu so einer Tat. Mal abgesehen davon, dass es einen ganz schlechten Eindruck macht, wenn die Schulsprecherin in so was involviert ist. Hast du schon mal drüber nachgedacht, dass mich das um meinen Posten bringen könnte?". Mit diesen Worten packte Hermine ihren Sachen zusammen und rauschte in Richtung Schloss davon.
„Meine Güte, Harry. Was ist denn nur mit Hermine los? Seit wann schlägt sie sich auf Malfoys Seite?"
„Aber Ron sie hat schon in gewissen Punkten recht. Wir können ihn nicht einfach so angreifen. Und ich habe auch nicht den Drang mich auf sein Niveau herab zu begeben. Irgendwann wird er schon für das bezahlen, was er ausgeteilt hat. Solange müssen wir eben warten. Ein jeder hat noch das bekommen, was er verdient hat".
„Ganz wie du meinst Harry".
„Es wird Zeit ins Schloss zu gehen. Bals ist Essen und es kann nicht schaden noch kurz in die Bücher zu schauen, was nach dem Essen auf uns zukommt".
„Mensch solche Einsichten aus deinem Munde zu hören. Wenn Hermine das mitbekommen hätte, sie wäre stolz auf dich".
„Na warte Ron, wenn ich dich erwische". Damit wollte sich Harry schon auf Ron stürzen, der aber im letzten Moment noch lachend ausweichen konnte. Weiter miteinander flachsend machten die beiden sich wieder zurück auf den Weg ins Schloss.
