7. Kapitel

Er fasste es einfach nicht. Warum musste das ausgerechnet ihm passieren? Verdammt noch mal. Im Nachhinein wäre er am liebsten im Erdboden versunken, so peinlich war ihm die ganze Sache. Wie konnte er sich nur so vor den Gryffindors und vor allem seinem eigenen Haus blamieren? Alleine die beschämenden Blicke seiner Hauskameraden waren schon fast mehr, als er ertragen konnte. Er wusste nicht, was passiert wäre, wenn die Gryffindors auch noch in schallendes Gelächter ausgebrochen wären. Warum konnte er sich auch die ganze Stunde über nicht einfach mal zusammenreißen und sich konzentrieren. Es war doch nur eine blöde Doppelstunde. Er hätte sich diese ganze Peinlichkeit und das Nachsitzen ersparen können, wenn er nicht immer wieder über diese eine Sache nachgedacht hätte. Wie er sich doch ärgerte. Aber eigentlich hätte er selbst mit der wenigen Übung in der Unterrichtsstunde doch zumindest diesen verdammten Desillusionierungszauber packen sollen. Stattdessen hatte er sich da schon bis auf die Knochen blamiert und durfte dafür nun nachsitzen. Wenn das die Runde machte, dann konnte er seinen Ruf in Hogwarts vollkommen vergessen. Er würde nicht nur zum Gespött des ganzen Jahrgangs werden, auch die unteren Klassen würden sich über ihn lustig machen. Das Schuljahr war gerade einmal einen Tag alt und schon hatte er sich ein Nachsitzen eingehandelt. Er konnte sich jetzt schon die Begeisterung seines Patenonkels vorstellen, nachdem der ihm heut morgen schon gesagt hatte, er soll sich am Riemen reißen. Und dabei saß er jetzt noch viel tiefer im Schlamassel als vorher. Die Strafpredigt von diesem neuen Prof. konnte ja heiter werden. Er wusste genau, dass er diese Zauber beherrschte, ohne weiteres, aber nein, jetzt musste er sich gleich anhören, wie schlecht er doch war und was mit ihm los sei. Darauf konnte er echt verzichten. Lieber sollten ihn alle in Ruhe lassen. Aber es hilft ja alles nichts. Da musste er jetzt wohl durch. Schließlich hatte er sich auch selber den ganzen Mist eingebrockt. Er hatte eigentlich wenig Lust jetzt noch ewig diesen Zauber zu probieren, zumal er sich eh schlecht konzentrieren konnte, aber das konnte er wohl kaum dem Professor auftischen. Warum musste auch alles so kompliziert sein in seinem Leben? Warum konnte es nicht einmal in geregelten Bahnen verlaufen? Warum kann einem die ganze Welt nicht einfach mal in Ruhe lassen? Ruhe – wie schön dieses Wort doch klang. Er konnte es nicht oft genug wiederholen.

Missmutig stapfte er die Treppe in den 4. Stock hinauf. Noch hatte er 10 Minuten Zeit, bevor er sich bei seinem Professor blicken lassen musste. Eigentlich konnte er immer noch umdrehen und sich irgendeine Krankheit ausdenken, die ihn daran hinderte das Nachsitzen wahrzunehmen. Aber damit würde er das Nachsitzen ja doch nur hinauszögern. Irgendwann musste er sowieso hin, also konnte er es auch gleich hinter sich bringen. Es würde ja eh nicht besser werden. Plötzlich hörte er Schritte hinter sich die Treppe hinauf kommen. Er blickt über seine Schulter nach hinten und sah, dass es Professor Black war, der da die Treppe hinauf kam. Der Kerl hatte aber auch echt ein passendes Timing, so als ob seine Gedankengänge mitbekommen hätte. Na dann mal auf zum Nachsitzen. Wenn er sich konzentrierte, würde es vielleicht nicht ganz so lange dauern.

„Ah Mr. Malfoy. Wie schön, dass sie so überpünktlich hier sind. Dann können wir ja direkt anfangen. Je früher sie den Spruch perfekt beherrschen, desto früher sind wir Beide hier auch fertig". Warum musste der Typ ihn mit so einem süffisanten Lächeln betrachten. Meine Güte, ich glaub ich muss gleich kotzen. Da kann man ja nur hoffen, dass er das nicht die ganze Zeit trug, sonst musste er sich tatsächlich noch wegen Übelkeit entschuldigen und das würde der pure Horror werden. Wobei so schlimm wie die Ferien konnte das Nachsitzen hier auch nicht werden.

Der Lehrer ließ ihn in sein Büro eintreten.

„Bevor wir mit dem Übungen anfangen, würde ich mich gerne noch kurz mit ihnen unterhalten". Na Klasse. Er hatte nur darauf gewartet. Wieso in drei Teufelsnamen musste jeder Lehrer unbedingt seine Nase in Angelegenheiten reinstecken, die ihn absolut nichts angehen? Stand irgendwo auf seiner Stirn ´Leute, redet mit mir, ich brauch das?´- wohl kaum. Ruhe, alles was ich will ist Ruhe. Er könnte wütend mit dem Fuß auf den Boden aufstampfen und anfangen zu schreien. Leider brachte das auch nichts, also konnte er es auch gleich bleiben lassen. Warum konnte man nicht einfach seine Strafe absitzen, sondern musste sich jedes Mal auch noch das ganze Gesappel anhören, warum man so ist wie man ist bzw. so handelt, wie man handelt? Und warum konnten sie sich nicht untereinander die Story erzählen? Musste er sie denn jedem Einzelnen zum Besten geben? Das würde auch nichts daran ändern und er musste sich nicht laufen den Mund fusselig reden. Dumbledore könnte ruhig geschwätziger sein. Das artete ja noch zum Spießroutenlauf auf, wenn er sich nicht zusammen riss.

„Mr. Malfoy, können sie mir vielleicht erklären, warum sie es nicht für Nötig erachten, meinem Unterricht zu folgen?" fing Professor Black an.

„Könnte eventuell daran gelegen haben, dass ich andere Sachen in meinem Kopf hatte und daher nicht bei der Sache war". Das konnte sich der Prof. doch auch selber denken. Dämliche Frage. Jetzt konnte er nur hoffen, dass der Prof. sich damit zufrieden geben würde und nicht noch erläutert haben wollte, wo er denn mit seinen Gedanken war.

„Und was hatten sie anderes im Kopf?" Supi, soviel dann zu diesem Thema. Vielleicht sollte er bei Gelegenheit doch noch einmal diesen alten Greis aufsuchen. Dann konnte er den anderen Lehrkräften vielleicht beibringen, dass sie ihn nicht mit persönlichen Fragen nervten.

„Darüber möchte ich nicht sprechen, Sir".

„Nun versuchen Sie sich doch mal in meine Lage zu versetzen. Sie hielten es nicht für nötig meinem Unterricht zu folgen und haben sich Nachsitzen eingehandelt. Und Sie meinen nicht, dass es angebracht wäre, mir ihre Situation zu erklären?"

Nein er hielt das für nicht angebracht, weil es den Typen einfach nichts anging.

„Ich wiederhole mich gerne noch einmal. Ich möchte nicht darüber reden. Erstens geht sie das nichts an, worüber ich mir den Kopf zerbreche. Wenn, dann würde ich mich schon bei ihnen melden. Zweitens, sehe ich ein, dass ich hätte zuhören und folgen müssen. Das habe ich nicht getan und dafür habe ich mir Nachsitzen eingehandelt. So nun bin ich hier um meine Strafe abzusitzen, nicht um mit ihnen ein Pläuschchen über meine Probleme abzuhalten. Könnten wir dann also anfangen?" gab er flapsig zurück.

Am Gesicht seines Lehrers konnte er schon erkennen, dass er sich wohl etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt hatte mit seiner Antwort. Das würde wahrscheinlich noch ein übles Nachspiel geben. Aber er sah es nicht ein, wozu er mit ihm über seine Probleme reden sollte. Sie gingen ihn schlichtweg nichts an. Er mischte sich schließlich auch nicht in das Privatleben seines Lehrers ein. Bei einigen wollte er nicht einmal darüber nachdenken, ob sie überhaupt eins hatten. Ein unerklärlicher Würgreiz machte sich auf einmal in ihm breit. Denk an was anderes, denk an was anderes….. Aber da holte ihn sein Lehrer schon wieder in die Realität zurück.

„Wie sie meinen Mr. Malfoy. Vielleicht verspüren sie ja eher den Drang mit ihrem Direktor darüber zu sprechen.". Und noch eine Predigt, die er über sich ergehen lassen musste. Das hast du ja mal wieder super hinbekommen Draco. Du und dein loses Mundwerk. Eigentlich hätte er über die Ferien lernen müssen, dass es sich nicht lohnt. Aber alte Gepflogenheiten ließen sich irgendwie nur schwer wieder ablegen.

Aber beim Heiligen Hippogreif, wie viel mieser konnte dieser bescheidene erste Schultag noch werden? Reichte es denn nicht schon vollkommen aus, dass er sich vor zwei Häusern zum absoluten Deppen gemacht hatte? Musste er jetzt auch noch alles breit Dumbledore erklären müssen? Das was der Direktor schon wusste, musste reichen. Er konnte ihm doch nicht sein ganzes Elend unter die Nase reiben. Wenn ER davon etwas mitbekam, war er beim nächsten Besuch zu Hause eh geliefert. Darauf konnte er gerne verzichten und auch auf den folgenden längeren Aufenthalt im St. Mungo ebenfalls, falls er überhaupt noch dahin musste und sich die Radieschen nicht gleich von unten ansehen konnte. Die Besuche während der Sommerferien waren schlimm genug. Noch heute merkte er die Folgen von seinen ganzen Verletzungen. Das würde er natürlich niemanden erzählen. Er wusste noch nicht einmal, wie er dieses Jahr überhaupt Quidditch spielen sollte. Er konnte nur hoffen, dass er das irgendwie bewerkstelligen konnte, bevor noch Gerüchte die Runde machten.

„Nun gut, dann zeigen sie mir doch jetzt mal bitte, was sie bis hierhin geübt haben" forderte ihn der Professor nun auf. Er versuchte sich mit aller Kraft zu konzentrieren, schließlich hatte er heute Nachmittag lange genug diesen dämlichen Spruch geübt. Der Desillusionierungszauber klappte auch schon wesentlich besser als heute Morgen im Unterricht. Trotzdem wollt es immer noch nicht so, wie er es selber gerne gehabt hätte. Er wurde immer noch nicht ganz eins mit seiner Umgebung. Und das ärgerte ihn zusehends. So schwer konnte der Zauber doch nun wirklich nicht sein, wenn selbst Weasley es schaffte. Auch wenn Potter ihm vielleicht geholfen hatte oder Tipps gegeben hatte, so musste er den Zauber an sich doch selbst ausführen. Verdammt noch mal. Dieses Wiesel konnte doch nicht wirklich besser sein, als er. Das war ja die Peinlichkeit des Jahrhunderts.

„Na das klappt ja immerhin schon mal um einiges besser als heute morgen. Wenigstens haben sie die Zeit dazu genutzt um zu üben. Vielleicht sollten sie sich ein Beispiel an Mr. Potter nehmen oder ihn zumindest um Hilfe bitten". Ja sicher und Halloween und Weihnachten fallen auf einen Tag. War sein Professor eigentlich noch ganz bei Trost? Nie im Leben würde er auch nur auf die Idee kommen diesen Ich-muss-allen-das-Leben-schwer-machen-Potter um Hilfe zu bitten. Da konnte er sich ja gleich die Kugel geben. Als ob das heute Morgen nicht peinlich genug war. Wie würde er denn da vor seinem eigenen Haus dastehen, wenn er Potter um Hilfe bitten würde. Oh nein, nicht schon wieder dieses Würgegefühl. Schnell wieder auf die Aufgabe konzentrieren.

„Mr. Malfoy, sie müssen sich stärker konzentrieren. Ihre Gedanken wandern immer noch ab". Konnte er jetzt wirklich Gedanken lesen oder was?

„Versuchen sie eins mit ihrer Umgebung zu werden". Ich mach dir auch gleich was, mit eins mit deiner Umgebung werden. Wenn der weiter so daher redete, würde er sich noch vergessen und dann konnte der Prof. eins mit seinem dämlichen Teppichboden werden.

Aber der Spruch war ja auch das einfachste au der Welt. Eins werden mit der Umgebung. Wenn er das im Kopf hätte womit ich mich rumplagen muss, würde er nicht mehr so leicht daherreden.

„Mr. Malfoy Ihre Konzentration lässt schon wieder zu wünschen übrig. Wenn Sie es nicht endlich schaffen sich mehr zu konzentrieren, sitzen wir Beide morgen früh noch hier und versuchen Ihnen den Zauber einzutrichtern. Ich schlage Ihnen vor, Ihre Sorgen oder was auch immer sie im Kopf haben, wenigstens mal für eine Stunde auszublenden. Glauben Sie nicht, ich wüsste mit meiner Zeit nichts Besseres anzufangen".

„Ja Sir" gab er zähneknirschend zurück.

Also los Draco, konzentriere dich und dann schaffst du es auch. Er versuchte sich selbst ins Gewissen zu reden. Über deine Probleme kannst du auch später noch nachdenken, wenn das Nachsitzen vorbei ist. Je schneller du den Spruch drauf hast, desto schneller kommst du hier weg und hast deine Ruhe.

Und auf einmal klappte der Desillusionierungszauber wunderbar. Er wurde eins mit seiner Umgebung. Na das wurde jetzt aber auch Zeit, dachte er sich. Was eine Ablenkung alles mit ihm anstellen konnte. Er hatte die ganze Zeit gewusst, dass er diesen dämlichen Zauber drauf hatte. Ja nu lächele nicht so selbstverliebt, dämlicher neuer Lehrer. So jetzt noch den Schattenzauber dazu kombinieren und er konnte endlich gehen.

Nach einer weiteren halben Stunde des Übens, hatte er es endlich auch geschafft den Schattenzauber zu perfektionieren.

„So Mr. Malfoy, jetzt probieren Sie noch einmal Beide zusammen und wenn das klappt, machen wir für heute Feierabend".

Draco gab sich die größte Mühe und tatsächlich schaffte er es auch, den Zauber zu bewerkstelligen. Ha, er wusste doch, dass er diesen verflixten Zauber drauf hatte. Er musste endlich lernen sich zur richtigen Zeit konzentrieren zu können. Dann würde ihm manch peinlicher Moment erspart bleiben. Dennoch war er völlig zufrieden mit sich selbst und wollte sich schon auf den Weg in sein Zimmer machen, als ihm einfiel, dass er ja noch zu Dumbledore gehen musste. Das hatte ihm Professor Black ja schon angedroht. Geknickt ließ er sich wieder auf den Stuhl nieder und wartete auf Professor Blacks Reaktion.

„Na sehen Sie, was man mit ein bisschen Konzentration alles bewerkstelligen kann. Trotzdem kommen Sie um ein Gespräch mit Direktor Dumbledore nicht drum herum. Wenn Sie mir dann bitte folgen würden". Damit stand der Professor auf und machte sich auf den Weg zum Büro des Direktors.

Draco gäbe wahrscheinlich einiges dafür um die Gedanken seinen Prof. in diesem Moment zu kennen, denn dieser lächelte ihn nur mitleidig von der Seite an.

Oh Draco, wenn du nur wüsstest. Wenn du es weiterhin nicht schaffst dich zu konzentrieren, dann wird dich das noch in gewaltige Schwierigkeiten bringen. Ich weiß nur zu gut, wie dein Sommer war, ich weiß, was du alles durchstehen musstest und es ist kein Wunder, dass du Zeit brauchst, um dein Leben wieder in geregelte Bahnen zu bringen und deine Maske zu platzieren. Aber du musst es schaffen. Ich kann dir dabei nicht helfen, noch nicht. Ich muss meine eigene Tarnung aufrecht erhalten. Keiner der Anderen darf erfahren, wer ich wirklich bin.

Ich würde dir so gerne beistehen, dich unterstützen und dir auch die Angst nehmen. Wenn alles überstanden ist, wirst du verstehen, warum ich gerade dir gegenüber so verhalten bin, aber es geht nicht anders. Irgendwann werde ich dir alles erklären, aber bis dahin musst du durchhalten und darfst dir nichts anmerken lassen. Du musst stark sein, auch für deine Mutter. Irgendwann wird es wieder eine intakte Familie geben und du wirst endlich der Mensch sein können, der Du sein willst, nicht das was Andere von dir sehen wollen. Aber leider muss ich dich zum Direktor bringen, gehört alles mit zur Tarnung. Ich kann dir das leider nicht durchgehen lassen.

Nach ein paar Minuten hatten sie die beiden Wasserspeicher erreicht.

„Zitronendrops" und schon wurden sie die Treppe hoch gelassen. Oben angekommen klopfte Professor Black an die Tür.

„Herein", erklang es drinnen von Professor Dumbledore.

Professor Black trat zusammen mit Draco Malfoy ein.

„Oh was für eine Überraschung Sie hier Beide zu sehen. Wie kann ich Ihnen helfen?"

„Sir Mr. Malfoy hatte soeben Nachsitzen bei mir, weil er heute Morgen derart abgelenkt im Unterricht war, dass er den Zauber nicht zu Stande gebracht hatte, den er bis zum Ende der Stunde können sollte. Woraufhin ich natürlich gerne den Grund für diese Unaufmerksamkeit erfahren hätte. Mr. Malfoy zog es jedoch vor diesen für sich zu behalten. Allerdings teilte er mir dies in einer, sagen wir unschicklichen Art und Weise vor. Ich dachte mir, dass es vielleicht besser wäre, wenn Sie noch einmal mit dem Jungen reden. Diese Unaufmerksamkeit werde ich in meinem Unterricht nicht dulden".

„Gewiss nicht Professor Black. Ich kann ihnen jetzt schon versichern, dass Mr. Malfoy in Zukunft mit dem größten Engagement an ihrem Unterricht teilnehmen wird".

„Wenn ich das sagen darf Sir, mir würde es schon reichen, wenn er nur aufpassen würde und am Ende die Zauber beherrscht, die ich der Klasse beibringe".

„Ich habe verstanden Mr. Black. Sonst gefällt Ihnen ihre Tätigkeit an dieser Schule?"

„Außerordentlich Sir. Wenn Sie mich bitte entschuldigen würden, ich müsste mich dann auch noch an die Unterrichtsvorbereitung für den morgigen Schultag setzen".

Mit einem Kopfnicken und einen durchdringenden Blick in Richtung Dumbledore verschwand er auch schon.

„Mr. Malfoy", wandte sich Dumbledore jetzt an Draco, „was soll ich mit Ihnen machen? Sie können nicht während des gesamten Unterrichts teilnahmslos auf ihren Platz sitzen und ihren Gedanken freien Lauf lassen. Es ist wichtig, dass Sie sich auf das konzentrieren, was die Professoren Ihnen versuchen beizubringen. Und es werden nicht nur Professor Snape und Professor Black sein, denen auffällt, dass sie sich nicht konzentrieren können, sondern auch jedem andern Lehrer, bei dem sie Unterricht haben werden. Ich kann ihnen nur sagen, reißen sie sich zusammen. Mit ihrer inneren Unruhe ist keinem Geholfen".

„Professor, glauben Sie mir, es liegt mir vollkommen fern den Unterricht zu ignorieren, aber jedes Mal driften meine Gedanken wieder zu den Ferien zurück und alles was passiert ist. Ich weis, dass ich mich zusammenreißen muss, aber es ist eben nicht so einfach". Sein sie doch mal in der Situation, in der ich mich gerade befinde. Da möchte ich doch mal zu gerne wissen, wie sie da reagieren. Sie würde es doch auch nicht vollkommen kalt lassen. Klar, mit der ganzen Altersweisheit konnte man leicht sagen, konzentrieren sie sich. Von ihm erwartete ja auch keiner was Großes. Er konnte so sein, wie er sein wollte. Er, Draco, musste sein ganzes Leben lang eine Maske tragen, er musste während der Ferien die ganzen Dingen über sich ergehen lassen, ohne das ihm irgendjemand geholfen hätte.

„Das ist mir durchaus bewusst, aber auch andere Mitschüler haben in ihrem Leben schon die eine oder andere Schwierigkeit mit sich tragen müssen und lassen sich dennoch nicht gehen. Was Ihnen diesen Sommer widerfahren ist, lässt sich durch nichts abmildern, aber Sie müssen nach außen hin stark sein, wenn Sie nicht wollen, dass bald die ganze Schule über sie tratscht. Außerdem sollten Sie sich soweit im Griff haben, dass Sie das Amt des Schulsprechers ausüben können. Demnächst wird viel Arbeit auf Sie zukommen. Ich hoffe damit Ihre Gedanken auf andere Pfade lenken zu können. Es wäre schon, wenn Sie die Arbeit nicht alleine Miss Granger überlassen würden".

Wollte der alte Quacksalber jetzt auch noch allen Ernstes mit Sankt Potter vergleichen, oder was? Das konnte nicht sein Ernst sein. Und verdammt, warum musste er ausgerechnet mit dieser Granger zusammen arbeiten?

„Warum wurden ausgerechnet wir Beide für das Amt des Schulsprechers ausgewählt. Sie wissen, dass wir nicht eine Minute in einem Raum verbringen können, ohne uns gleich zu verhexen. Wie stellen Sie sich nur diese Zusammenarbeit vor?"

„Nun Mr. Malfoy, wenn ich das noch weiterhin annehmen würde, hätte ich Sie in der Tat nicht zu unseren Schulsprechern ernannt. Aber da ich davon ausgehen kann, dass Sie zwei erwachsene Leute sind und das irgendwie managen können, sehe ich kein Problem. Außerdem wird es langsam Zeit, dass die Häuser wieder etwas mehr zusammenrücken und keiner kommt dafür besser in Frage als Slytherin und Gryffindor bzw. in diesem Fall Sie und Miss Granger. Ich erwarte, dass Sie ihre Aufgaben zu meiner vollsten Zufriedenheit erledigen werden. Bei Miss Granger kann ich davon ausgehen, dass Sie über die Rivalitäten in der Zeit, wo Sie Beide zusammen arbeiten müssen, hinwegsehen wird. Dasselbe erwarte ich von Ihnen auch". Na ist ja wunderbar. Musste er sich also auch noch mit dieser besserwisserischen Kuh gut stellen. Reichte es denn nicht schon vollkommen aus, dass sie sich Beide die Räumlichkeiten teilen mussten, musste er jetzt also auch noch einen auf freundlich mit ihr machen. Wie ihn alles schon wieder ankotzte. Am liebsten würde er diesem alten Greis das Amt zurück geben, aber dann konnte er sich zu Hause auch nicht mehr sehen lassen. Und im Vergleich dazu, war Granger wohl das kleine Übel, auch wenn er sie nie leiden konnte, sie würde ihn jedenfalls nicht auf diese Art foltern.

„Ich werde mein Möglichstes tun Sir".

„Haben Sie noch irgendwas auf dem Herzen, bevor ich Sie für heute entlasse?"

„Nein Sir", antwortete Draco wahrheitsgemäß.

„Dann dürfen Sie jetzt in ihre Räumlichkeiten gehen. Dort sollte in der Küche auch Essen für sie bereit stehen. Sollten Sie irgendwann das Bedürfnis verspüren doch mit Jemandem über Ihre Gefühle zu reden, wissen Sie, wo sie mich finden können".

„Gute Nacht Sir". Damit machte sich Draco schnellstmöglich auf den Weg. Er wollte jetzt nur noch alleine sein und in Ruhe über alles nachdenken. Gut das diese dumme Kuh namens Pansy nicht mehr auf Hogwarts war. Er wusste zwar, dass die Geschichte, die Dumbledore und allen Anderen aufgetischt wurde, an den Haare herbei gezogen war, aber wenigstens hatte er hier in der Schule jetzt seine Ruhe vor ihr. Endlich mal kein Klammeräffchen, was sich an seiner Jacke festklammerte und ihn nicht mehr los lassen wollte.

Na hoffentlich ist Granger jetzt nicht in unserem Gemeinschaftsraum. Heute Abend konnte er sich einfach nicht auch noch mit ihr auseinandersetzen. Nicht nach der Schmach von heut Nachmittag. Sie würde sich noch genug darüber lustig machen. Und bevor er nicht gründlich über alles nachgedacht hatte, hatte er einfach keine Kraft gegen sie anzugehen. Sie würde ihn im Moment eh nur fertig machen.

Als er durch das Portraitlicht vorsichtig in den Gemeinschaftsraum spähte, war weit und breit keine Granger in Sicht. Puh, Glück gehabt. Schnell eilte er in die Küche, nahm sich ein paar Kleinigkeiten von der Anrichte und huschte lautlos die Treppe zu seinem Zimmer hoch. Kurz bevor er die Tür aufmachen wollte, hörte er sonderbare Geräusche aus Grangers Zimmer. Als er jedoch genauer hinhörte, musste er feststellen, dass es lediglich Musik war. Er öffnete und schloss leise seine Zimmertür. Das Essen stellte er auf seinen Schreibtisch. So hungrig war er im Moment gar nicht. Er beschloss noch kurz auf seinen Balkon zu gehen. Draußen war es mittlerweile dunkel geworden und der Mond stand hoch am Himmel. Wie schon gestern Abend Hermine, genoss auch er die leichte Briese, die vom See zu ihm herauf wehte. Er lehnte sich mit seinen Ellenbogen auf das Gelände und stützte sein Gesicht auf seine Hände.

Was sollte er bloß tun? Alles in seinem Leben wurde diesen Sommer gehörig auf den Kopf gestellt. Nichts war mehr so, wie er es kannte. Sein Vater wurde bei dem Angriff aus Askaban schwer verletzt. Weder er noch seine Mutter hatten die leiseste Ahnung, wie es ihm im Moment ging. Er konnte sich nicht mehr konzentrieren, konnte den Sommer einfach nicht vergessen, nicht eine Minute klar denken. Eigentlich wollte er sich nur irgendwo verstecken, verstecken, wo ihn keiner finden konnte, ihm keiner etwas anhaben konnte – wo er einfach nur er selbst war. Endlich die ganzen Sorgen hinter sich lassen, einfach nur frei sein. Sollten die Anderen doch diesen Kampf kämpfen.

Leider konnte er sich nicht einfach verziehen. Wer wusste schon, was sie mit seiner Mutter anstellten, wenn er auf einmal nicht mehr da war. Nein das konnte er ihr nicht antun. Das konnte er auch mit seinem Gewissen nicht vereinbaren. Er liebte sein Mutter wirklich über alles und es tat ihm in der Seele weh, wenn er sah, wie seine Mutter von diesen Idioten behandelt wurde. Er merkte, wie er langsam müde wurde. Das Grübeln hatte ihn bis jetzt kein Stück weiter gebracht, sondern einfach nur ausgelaugt. Vielleicht würde ihm ein bisschen Schlaf ja weiterhelfen.