(Anm.: Dieses Kapitel beschäftigt sich ausschließlich mit 'Infoschutt', was eigentlich ein absolutes NO für eine Fanfiction ist. Allerdings ist es unumgänglich, um diese FF verstehen zu können und einen anderen Weg der Einbringung habe ich leider nicht gefunden. In diesem Kapitel erzählt Slytherin von der Entstehung Hogwarts, wie es zum Zerwürfnis der Gründer kam etc.. Weiterhin habe ich mich hier an die historischen Fakten gehalten und ggf. die Geschichte Hogwarts - über die JKR keine genaue Vorgaben aufgestellt hat - dem entsprechend angepaßt. Ich hoffe, ihr habt Spaß beim Lesen dieses Kapitels und es ist euch nicht zu 'trocken' J )
6. Die Schuld
Sirius ließ seinen Blick noch einmal über die übrigen Gründer schweifen, ehe er Slytherin zunickte. Es konnte nichts schaden diesem zuzuhören und am Ende war es doch seinem gesunden Menschenverstand überlassen ihm zu glauben, oder eben nicht. So lehnte er sich in den Sessel zurück und konnte die steigende Anspannung in seinem Körper nicht unterdrücken. Schon viel hatte er von der Gründung Hogwarts gehört, doch diese Geschichte aus dem Mund einer der Zauberer zu hören, der damals nicht nur dabei war, sondern beteiligt war, versetzte ihn in eine eigentümliche Stimmung, die er mit Worten kaum zu beschreiben vermochte.
Slytherin indes atmete noch einmal tief durch. Noch nie zuvor hatte er diese Geschichte jemandem erzählt. Dies war nun seine Gelegenheit die Dinge - zumindest Sirius gegenüber - ins rechte Licht zu rücken und seine Schuld einzugestehen, die eine noch viel größere nach sich gezogen hat…
"Wie du weißt Sirius, wurde Hogwarts im 9. Jahrhundert gegründet und zwar von uns vier. Die Gründe dafür waren recht simpel. Das Christentum, das erst durch die Römer in unser Land gekommen ist, hat sich mit der Eroberung der Angelsachsen zunehmend ausgedehnt. Unsere alten Götter wurden verdrängt, vernichtet, totgeschwiegen. Was am Anfang nur die 'Oberschicht' erreichte, weitete sich aus, immer mehr und mehr.
Nun, im 9. Jhd wie gesagt war die Christianisierung Britanniens weitestgehend abgeschlossen. Nur noch das so genannte 'einfache' Volk hielt unsere Götter, unsere Lebensweise überhaupt am Leben. Aber nur im Geheimen, versteckt. Die Welt an der Oberfläche hatte keinen Platz mehr für Zauberer und Hexen, taten unsere Traditionen als heidnische Riten ab. So haben wir Hogwarts gegründet, um sicher zu gehen, dass es jungen Hexen und Zauberern auch weiterhin möglich war die Kunst der Zauberei gezielt zu studieren und zu lernen, sie einzusetzen.
Die ersten 150 Jahre lief alles problemlos. Die Welt, die römische Kirche, blieb außerhalb der Mauern Hogwarts. Es holte uns erst wieder ein, als William von der Normandie in England einfiel. Nachdem er 1066 zum König gekrönt worden war, vermehrten sich die Probleme im Land, vor denen auch wir unsere Augen nicht schließen konnten. Am Anfang, da taten wir es noch alle, wir machten einfach weiter wie bisher, ungeachtet der Schwierigkeiten, Probleme, die in ganz England herrschten.
Du mußt verstehen Sirius, diese Zeit war schwierig, sie war gefährlich, für alle Menschen. Besonders aber für Hexen und Zauberer. Die Hexenverfolgung begann mitnichten erst im 13. Jhd, sie zeichnete sich schon vorher ab und warf ihre Schatten voraus. Diesen Problemen gegenüber konnten wir einfach nicht länger die Augen verschließen. Hinzu kam das, was William als Politik bezeichnete.
1089 drohten die Dänen - wieder einmal - England in einen langfristigen Krieg zu stürzen. William reagierte, oh ja und wie er reagierte… Er ließ Englands Küstengebiete verwüsten und ich weiß nicht, ob du dir vorstellen kannst, was ich hier mit verwüsten meine Sirius. Es gab nichts mehr. Über Kilometer wuchs kein Weizenhalm mehr. Williams Männer zogen durch das Land, mordeten und nahmen den Küstengebieten die Lebensgrundlage. Die Menschen flohen sich ins Landesinnere aber Nahrungsvorräte sind nicht unerschöpflich.
Auch durch Zauberei ist es nicht möglich Nahrung zu schaffen, wo keine ist. Eine Hungersnot von ungeheurem Ausmaß drohte, die auch Schottland früher oder später erreicht hätte. Hier, das gebe ich zu, lag mein Fehler, der so folgenschwer sein sollte…"
An dieser Stelle hielt Slytherin einige Augenblicke inne und fuhr sich mit der Hand durch die Haare. Fast glaubte Sirius in diesem Moment, die Augen des Gründers wären verdächtig feucht, doch schon im nächsten Moment mußte er sich wieder auf dessen Stimme konzentrieren, die - nun wesentlich leiser - fortfuhr:
"Ich fürchtete, wir könnten in absehbarer Zeit die große Schülerzahl in Hogwarts nicht mehr ernähren. Ich fürchtete eine Hungersnot, die unzählige der Kinder in Hogwarts das Leben hätte kosten können also… also machte ich den Vorschlag die Schülerzahl einfach dahingehend zu minimieren, dass wir nur noch durchweg reinblütige Kinder aufnahmen. Ich dachte - darin lag mein zweiter Fehler -, dass diese Kinder mehr als alle anderen auch durch die langsam auftauchende Inquisition gefährdet seien. Ich vertrat die Ansicht, daß es diesen Kindern fürs erste vorbehalten sein sollte in Hogwarts Schutz zu finden.
Daß dieser eine Satz, dass nur reinblütige Schüler in Hogwarts aufgenommen werden sollten solche Auswirkungen haben würde… Sirius ich schwöre dir bei den Göttern, dass ich das niemals beabsichtigt, oder auch nur erahnt habe. Niemals habe ich auch nur andeuten wollen, dass alle anderen es nicht 'wert' wären Zauberei zu studieren oder gar zu leben.
Die anderen teilten meine Sorge, fanden aber, man sollte abwarten was geschieht, waren der Überzeugung man könne nicht absehen, wie sich die Dinge entwickeln würden und… sie behielten Recht, nicht wahr?"
Wieder machte Slyhtherin eine Pause, wobei sein Blick dieses Mal zu Boden ging, fast einen schuldbewußten Ausdruck annahm.
"Ich überwarf mich mit Gothric, der einfach nur abwarten wollte, während ich etwas tun wollte, irgend etwas... Nun, ich tat das Dümmste, das ich tun konnte und verließ Hogwarts. Ich wollte nicht zusehen, wie alles das wir aufgebaut hatten zerbrach, unsere Schüler hungern, vielleicht sogar verhungern mußten. Ich resignierte, wollte den Problemen der Welt den Rücken kehren und… ging durch den Vorhang.
Hier wartete ich. Sah den Lauf der Welt und mußte feststellen, wie sehr ich Unrecht hatte. Hogwarts funktionierte, unabhängig von dem was in der Welt geschah, es überdauerte die Zeit, trotz aller Problem. Es dauerte sehr, sehr lange bis Gothric mir meine Feigheit schließlich nachsehen konnte…"
Als Slytherin dieses Mal endete, fühlte Sirius einen seltsamen Kloß in seinem Hals, der mit der Zeit immer weiter angewachsen war. Diese Variante der Geschichte war eine, die er nicht einmal im Ansatz angedacht oder für möglich gehalten hätte. Dennoch… die Betroffenheit die Slytherin ins Gesicht geschrieben stand, die Tatsache, dass Gryffindor, Hufflepuff und auch Ravenclaw nur schwiegen, er auf ihren Gesichtern stumme Zustimmung finden konnte, ließen ihn glauben, was er da hörte und leise aufkeuchen als ihm die ganze Tragweite dieser Worte bewusst wurde. Fast nahm sein Blick etwas bedauerndes an, als er ihn dieses Mal auf Slytherin richtete.
"Verstehst du nun Sirius?", erkundigte sich dieser, als er wieder den Blick hob und leicht mit der Schulter zuckte.
"Das, was ich hatte verhindern wollen, was mich zu dem getrieben hat was ich sagte und tat, das wird nun durch meine Schuld eintreten. Hogwarts so wie es sein sollte wird aufhören zu existieren weil ich so feige war und einfach gegangen bin…"
Die nun folgende Stille, die eine ganze Weile andauerte wurde erst durch die kräftige, energische Stimme Gryffindors unterbrochen, die sich an Sirius richtete.
"All die Jahre hatten wir, hatte ich gehofft, Salazar würde nach Hogwarts zurück kehren. Am Anfang spielten wir mit dem Gedanken - ich gebe zu, ich geleitet durch meine Wut über sein Aufgeben -, sein Haus zu schließen und die Schüler auf die übrigen Häuser zu verteilen. Aber das wäre nicht richtig gewesen und Rowena und Helga überzeugten mich schließlich davon, dass Salazar es einfach verdient hat in Hogwarts weiter zu leben. Ich… ich hatte den Schulsprechern aus Gryffindor und Ravenclaw gegenüber damals erwähnt - unbeherrscht und unüberlegt aus Enttäuschung und Wut -, dass ihr Tränkelehrer der Meinung sei es wäre besser nur noch reinblütige Schüler aufzunehmen und die Schule verlassen hat, weil es nicht nach seinem Willen ging.
Der Rest… ist Geschichte… Du siehst also Sirius, wenn es Schuld gibt, die zu tragen ist, dann dürfen Salazar und ich diese getrost teilen. Ich hätte ahnen müssen, welch fatale Auswirkungen ein aus dem Zusammenhang gerissener Satz haben kann. Ich hätte wissen müssen, dass diese Worte missverstanden werden würden und doch… habe ich niemals etwas getan um die aufkommenden Gerüchte zu widerlegen. Wir alle nicht. Niemand, niemand in diesem Raum ist ohne Schuld."
Nickend folgte Sirius Gryffindors Worte und fragte sich, ob Albus diese Variante der Geschichte kannte, tat dies jedoch sofort als unsinnig ab.
"Nein, er weiß es nicht, niemand weiß es", vernahm er nur eine Sekunde später Ravenclaws ruhige, angenehme Stimme an seiner Seite.
"Was… was ist meine Schuld?", erkundigte er sich schließlich, erschienen ihm die Streiche, die er und James Snape gespielt hatten - wenn sie auch nicht ohne waren - nicht als vergleichbar mit dem, was hier im Raum stand.
Freudlos lächelnd hob nun Slytherin wieder den Blick und sah Sirius kopfschüttelnd an.
"Wir beide Sirius haben Tom Riddle zu dem gemacht, was er ist. Ohne die Wut, den Haß, die Vorurteile, die meine Worte all die Jahre haben wachsen lassen wären seine Ideen niemals auf derart fruchtbaren Boden bei so vielen gefallen und ohne dein Verschulden wäre er schon lange vernichtet…"
"Was…", begann Sirius nun wieder, dieses Mal mit deutlich gehobener Stimme. Bei allem Respekt, den er vor den Gründern empfand, so zerrte es langsam an seinen Nerven, dass sie es so zu lieben schienen in Rätseln zu sprechen.
"Was bei Merlin habe ich getan??"
"Harry Potter Sirius", nickte Slytherin, "du weißt, dass dieses Kind niemals hätte geboren werden dürfen und erst durch dieses Kind wurde Voldemort Haus und Tür geöffnet…"
