Chapter Two: Friend or Foe?

Dean lauschte angestrengt nach weiteren Lauten des verschwundenen Jungen, um dessen genauen Standort lokalisieren zu können, während er den Gang entlang schlich. Dabei wanderte sein Blick immer wieder von links nach rechts. Einerseits wollte er seine Umgebung genau unter die Lupe nehmen, um herauszubekommen, mit was er es hier eigentlich zu tun hatte. Und andererseits bestand die Möglichkeit, dass aus jeder dunklen Ecke, in die er nicht hineinsah, ein Dämon oder irgendein anderes Monster hervorsprang und ihn anfiel.
Sam hielt diese Vorgehensweise zwar manchmal für paranoid und übertrieben, aber nach Deans Meinung konnte man nie vorsichtig genug sein.
Vor allem dann nicht, wenn es um Zwischenmenschliches ging.

Plötzlich spürte er hinter sich eine fremde Präsenz, doch er blieb nicht stehen, sondern tat so, als hätte er nichts bemerkt.
Irgendjemand oder irgendetwas verfolgte ihn, schlich hinter ihm her und beobachtete ihn.
Hoffentlich war es nicht Sam, der sich hatte befreien können und sich nun auf ihn stürzen wollte. Er wollte seinen kleinen Bruder nicht schon wieder verletzen müssen.
Unauffällig sah er sich aus den Augenwinkeln heraus um und entdeckte eine Tür links vor ihm. Er hielt inne und gab vor, zu lauschen. Dann streckte er vorsichtig die linke Hand aus, öffnete langsam die Tür, als würde er sich ganz auf das Geschehen vor ihm konzentrieren, und betrat mit gezogener Waffe den Raum dahinter.
Blitzschnell huschte er hinter die geöffnete Tür und wartete. Er hörte seinen Verfolger leise näherkommen und über die Schwelle treten. Doch bevor dieser die Gelegenheit erhielt, sich gründlich umzusehen, drückte ihm Dean schon den Lauf seiner Waffe gegen die Schläfe.
Der Fremde, dessen Gesicht im Dunkeln kaum zu sehen war, blieb völlig gelassen. „Nicht schlecht. Aber noch unerwarteter wäre es gewesen, wenn du von der Decke gekommen wärst."
Der Ältere der Winchester-Brüder erkannte die tiefe männliche Stimme sofort und ließ augenblicklich die Pistole sinken. „Dad?"
Mit einem schwachen Lächeln drehte sich John zu ihm um. „Hallo, Sohn."

„Na los. Umdrehen!", wiederholte Sam mit barscher Stimme seinen Befehl, während er die Waffe entsicherte, die Taschenlampe wieder einschaltete und hoffte, sein Gegenüber würde ihm nicht ansehen, dass der jüngste Winchester ihn nie töten würde.
Der Fremde hob folgsam die Hände und wandte sich langsam um. Als er Sam erblickte, legte sich Überraschung auf sein Gesicht. „Wer sind Sie? Und warum zielen Sie mit einer Pistole auf mich? Sind Sie ein Cop oder ein Ranger?"
„Und wer sind Sie? Was tun Sie hier im Wald? In der Nähe der Stelle, an welcher der kleine Junge verschwunden ist?", konterte Deans Bruder mutig, obwohl er sich innerlich nicht halb so autoritär fühlte, wie er klang.
Dabei studierte er unbewusst den Unbekannten ganz genau, um sich dessen Gesicht und besondere Merkmale einzuprägen. Dunkelblonde Haare, ovales Gesicht, schmale Nase, blaue Augen, schmächtiger Körperbau, vom Alter her etwa Anfang bis Mitte Vierzig.

Der Fremde schien sich nicht so leicht einschüchtern lassen zu wollen, obwohl er den Lauf der Waffe ständig im Auge behielt. „Mein Name ist Peter Michaels. Meine Schwester Sondra verschwand vor fünf Jahren an derselben Stelle. Seitdem versuche ich herauszufinden, was mit ihr passiert ist. Und was ist mit Ihnen?"
Sam erinnerte sich an den Zeitungsartikel über Sondra Michaels. Die junge Frau war mit ihren Freundinnen zelten gewesen und hatte nur kurz pinkeln wollen. Sie war nie wieder aufgetaucht.
Langsam ließ er seine Waffe sinken und holte den gefälschten Ausweis aus der Innentasche seiner Jacke hervor, den Dean ihm für den Fall gegeben hatte, dass sie Mitarbeitern staatlicher Behörden über den Weg liefen. „Sam Clark. Privatdetektiv. Die Fosters haben meinen Partner und mich damit beauftragt, ihren Sohn zu finden.", erklärte er und hielt Peter den Ausweis unter die Nase.
Dieser nahm seine Arme wieder herunter und sah sich irritiert um. „Partner?"
Sam seufzte frustriert. Irgendwie war es ihm peinlich, das Folgende gestehen zu müssen. „Ja, er ist vor etwa einer halben Stunde ebenfalls spurlos verschwunden."
Michaels runzelte beunruhigt die Stirn. „Das sieht wirklich nicht gut aus.", murmelte er und winkte ab, als er den Blick des jüngeren Winchesters bemerkte.
Doch so leicht gab dieser nicht auf. „Was hatten Sie mit dem Buch vor? Es sah aus, als hätten Sie irgendeine Beschwörung durchgeführt."
Sam hatte seine Frage betont ironisch klingen lassen, aber das war seinem Gegenüber anscheinend entgangen. Dessen Augen leuchteten für einen Moment freudig überrascht auf, bevor er sich räusperte, wahrscheinlich um nicht zu begeistert zu klingen. Was ihm nicht wirklich gelang. „Es sollte tatsächlich eine Beschwörung werden. Sie kennen sich ziemlich gut aus für einen gewöhnlichen Privatdetektiv."

Deans Bruder war einerseits verblüfft darüber, wie schnell Peter sein Vorhaben zugab. Entweder war dieser sich keiner Schuld bewusst oder er war verdammt dreist.
Andererseits verfluchte er sich im Stillen dafür, nicht gründlicher nachgedacht zu haben, bevor er gefragt hatte. Jetzt stand er nämlich vor der Entscheidung, ob er Michaels gestehen sollte, dass er schon mit Übernatürlichem zu tun gehabt hatte, oder ob er es abstreiten sollte.
Er wählte die erste Möglichkeit. Vielleicht wusste der Ältere ja mehr über diesen Ort und konnte ihm weiterhelfen. „Nun ja, wir übernehmen meist Fälle, bei denen Polizei und andere Behörden nicht weiterwissen. Ab und zu sind da auch ein paar verdammt rätselhafte und übernatürliche dabei."
Diesmal war das erfreute Leuchten in Peters Augen deutlich zu sehen. „Heißt das, Sie sind hin und wieder als Geisterjäger tätig?"

Sams Augenbrauen wanderten leicht nach oben, während er versuchte, möglichst gleichgültig zu bleiben.
Oh Mann, der Kerl hatte echt Glück, dass Dean nicht hier war, ging es ihm durch den Kopf. Sonst hätte Michaels jetzt bestimmt eine Kugel im Schädel oder die Faust des älteren Winchester im Gesicht. Zumindest in dessen Vorstellung.
„Na ja, eigentlich sind wir eher wie Mulder und Scully: Wir suchen uns die unerklärlichen Fälle heraus und versuchen, sie zu lösen."
Okay, diese Worte waren auch etwas, von dem Dean am besten niemals erfuhr. Wahrscheinlich hätte er sonst seinen jüngeren Bruder mit einem teils fassungslosen, teils vorwurfsvollen Blick angesehen und ihn sein ganzes restliches Leben über Dana genannt.
„Und was war das für eine Beschwörung?", erkundigte er sich mit interessiertem Tonfall bei Peter, als dieser nicht von sich aus zu erzählen begann.
Dieser musterte ihn mit einem Gesichtsausdruck, der Zweifel und auch die Angst vor einer Enttäuschung ausdrückte. Er kannte dieses Gefühl, das Michaels gerade empfinden musste. Er verspürte es jedes Mal, wenn er jemandem erklären musste, dass es Geister und Dämonen wirklich gab. Es war eine Art Furcht davor, dass dieser Jemand ihm nicht glauben würde und deswegen in Schwierigkeiten geriet oder Sam wie ein Trottel dastand und sich dumme Sprüche anhören musste.
„Nun, durch meine Nachforschungen bin ich zu der Meinung gelangt, dass meine Schwester und all die anderen Vermissten in eine Art mystische Parallelwelt verschwunden sind. Daher wollte ich versuchen, ein Tor in diese Welt zu öffnen, um auf diese Weise Sondra vielleicht endlich zu finden."
Der jüngere Winchester runzelte nachdenklich die Stirn. Diese Theorie klang ziemlich wissenschaftlich für ein übernatürliches Phänomen. „Mystische Parallelwelt?"
Peter nickte eifrig. „Ja, genau. Kommen Sie mal mit zu meinem Auto. Dann zeige ich Ihnen, was ich meine."
Zögernd folgte Sam ihm und fragte sich im Stillen, ob er diesem Kerl nun trauen sollte oder nicht. Dean wäre wohl nicht einfach hinterhergetrabt, ohne dem Mann zu drohen, keinen Scheiß zu machen. Doch sein jüngerer Bruder wollte unbedingt erfahren, was Michaels herausgefunden hatte. Und er wusste, dass er mit Hilfe von Drohungen und Waffengewalt nicht soviel erreichen würde, als wenn er dem Fremden etwas Vertrauen entgegenbrachte.

Dean wollte seinen Vater gerade umarmen, doch dieser sah sich beunruhigt um. „Wo ist dein Bruder?"
Der Jüngere seufzte und senkte schuldbewusst den Kopf. „Ich musste ihn außer Gefecht setzen und mit einem Salzkreis bannen."
John runzelte alarmiert die Stirn und sein Gesichtsausdruck verfinsterte sich zusehends. „Was ist passiert?"
Sein Sohn wich dem bohrenden Blick niedergeschlagen aus. „Als wir diesen Ort betreten hatten, hat er sich plötzlich verändert. Er reagierte aggressiv, wollte mich angreifen und seine Augen haben sich schwarz verfärbt. Es könnte sein, dass er von einem Dämon besessen ist. Oder dieses Haus beeinflusst ihn und hat von ihm Besitz ergriffen, um sich gegen uns zur Wehr zu setzen."
„Das wäre beides möglich." John seufzte leise, aber mit entschlossener Miene. „Wir sollten auf jeden Fall eine Austreibung vornehmen. Hast du mein Tagebuch dabei?"

Wieder wagte es Dean nicht, seinem Vater in die Augen zu sehen. Er hatte doch gewusst, dass dies irgendwann zur Sprache kommen würde und er sein Versäumnis würde zugeben müssen. „Es liegt im Wagen. Ich habe es im Kofferraum liegen lassen.", gestand er beschämt.
„Dort ist es wirklich sehr nützlich." Die Stimme des Älteren klang tadelnd und ein klein wenig enttäuscht, aber nicht wütend oder zornig.
Was dessen Sohn jedoch sehr viel lieber gewesen wäre. Schließlich hatte er seine Aufsichtspflicht vernachlässigt und den wichtigsten Ausrüstungsgegenstand vergessen, mit dessen Hilfe er seinem Bruder sofort hätte helfen können.
John bemerkte die Schuldgefühle seines Ältesten und warf ihm einen schwer zu deutenden Blick zu. „Du hast Glück, dass ich immer auf alles vorbereitet bin." Bei diesen Worten zog er ein kleines, aber dickes, ledergebundenes Buch unter seiner Jacke hervor. „Mit diesem Buch haben wir die besten Chancen, das richtige Ritual für deinen Bruder zu finden."

Nach einem wachsamen Blick hinter sich verließen beide Männer den Raum. John sah sich aufmerksam um und lauschte kurz nach verdächtigen Geräuschen, bevor er sich an seinen Sohn wandte. „Wo hast du ihn zurückgelassen?"
Erneut fühlte dieser eine Welle voller Schulgefühle in sich aufsteigen. Er hatte Sam einfach draußen in der Kälte liegen lassen, den Kreaturen der Nacht hilflos ausgeliefert. „Außerhalb des Hauses, etwa zweihundert Meter vom Eingang entfernt."
Sen Vater nickte, mit Erleichterung in den Augen. „Das ist gut. Wenn du Recht hast und es wirklich das Haus ist, das ihn verändert hat, ist wohl am besten, ihn so weit wie möglich von hier wegzuschaffen."
Dean atmete auf. Wieso fühlte er sich in der Nähe seines Vaters nur immer so, als wäre er nicht imstande, alles richtig zu machen? Als würde er einen Fehler nach dem anderen begehen. Hatte Sam etwa Recht mit seiner Behauptung, sein großer Bruder würde sich immer nur nach ihrem Vater richten, sodass er nicht mehr in der Lage war, eigene Entscheidungen zu treffen?
„Wir müssen uns beeilen, bevor ihm noch etwas Schlimmeres zustößt.", riss John ihn aus seinen Gedanken und er folgte diesem wortlos den Gang entlang zurück zur Eingangshalle.

Als der Ältere die Hand ausstreckte, um die Haustür zu öffnen, erwartete sein Sohn schon, dass irgendetwas Unvorhergesehenes passieren würde. Dass sein Vater zurückgeschleudert wurde oder die Tür sich selbst mit Gewalt nicht mehr öffnen ließ.
Aber sie glitt mühelos auf.
Also war es doch nur der Wind gewesen, der sie hatte zuschlagen lassen.
Dennoch wurde Dean dieses Gefühl nicht mehr los, dass bald etwas Schreckliches passieren würde. Während sie das Haus verließen und mit gezogenen Waffen und eingeschalteten Taschenlampen die Treppe hinuntereilten, wurde er immer unruhiger und sah sich ständig um, in der Erwartung, dass sie vielleicht verfolgt wurden.
Aber dies geschah nicht. Stattdessen erwartete sie eine andere, noch wesentlich schlimmere Überraschung.

Plötzlich blieb John stehen und seufzte, als der Lichtstrahl seiner Taschenlampe auf einem bestimmten Punkt am Erdboden verharrte.
Sein Ältester wollte, konnte nicht akzeptieren, was er da sah. Das durfte nicht wahr sein!
„Verfluchte Scheiße!", entfuhr es ihm, während er seine Augen einfach nicht von der Wahrheit abwenden konnte.
Direkt vor ihnen befand sich der intakte Salzkreis, den er um Sam gezogen hatte. Doch von seinem kleinen Bruder fehlte jede Spur.

„Früher stand an der Stelle, an der sämtliche vermissten Personen verschwunden sind, ein Haus im viktorianischen Stil. Es gehörte einer Catherine Meadows und ihrer Familie. Ihr Mann ließ es im frühen neunzehnten Jahrhundert für seine Frau und seine drei Töchter bauen. Nachdem Mr. Meadows schon 1847 verstarb und die Mädchen bald darauf heirateten und auszogen, lebte Catherine ganz allein in dem Gebäude. Man sagte, sie wäre eine weise Frau gewesen, die allen im nahen Dorf Greyview mit ihren Tränken und Salben geholfen hätte."
Sam sah von den vergilbten Originalseiten einer lokalen Zeitung aus dem neunzehnten Jahrhundert auf, die sie auf der Motorhaube von Peters Wagen ausgebreitet hatten, und warf diesem stirnrunzelnd einen fragenden Blick zu. „Eine Hexe?"
Dieser nickte. „Ja, scheint so. Aber ich konnte keine Hinweise darauf finden, dass sie böse gewesen ist."

Das Stirnrunzeln des jüngeren Winchester wurde tiefer, Skepsis schlich sich in seinen Blick. „Und was hat es dann mit dieser Parallelwelt auf sich? Warum lässt sie oder wer auch sonst zu, dass Menschen verschwinden?"
Michaels deutete auf einen Bericht aus dem Jahr 1879. „Es gab drei Männer in der Stadt, die sich vor Catherine fürchteten. Man sagte ihr nämlich nach, sie könne in die Herzen der Menschen sehen und erkennen, was diese vor anderen verbergen würden. Am elften Oktober 1879 schlichen sich die Drei in den Wald und steckten das Haus mitsamt seiner Bewohnerin in Brand. Das Gebäude wurde vollständig zerstört und die alte Frau starb, bevor sie sich in Sicherheit bringen konnte. Die Legende besagt, dass sie vor ihrem Tod versucht hat, die Männer mit Hilfe eines Zaubers aufzuhalten. Sie hat sie verhext, sodass sie mit ihren eigenen Ängsten konfrontiert wurden und darüber ihren Verstand verloren. Der Fluch soll angeblich immer noch bestehen und Menschen in seinen Bann ziehen, deren Ängste sie dazu bringen könnten, einen Mord an einem Menschen zu begehen."
Sam war immer noch nicht überzeugt. Warum Dean? Wen würde sein Bruder töten? Und weshalb eine Parallelwelt? Wieso war Dean verschwunden und halluzinierte nicht einfach? Aus welchem Grund hatte er diese Realität verlassen?
„Ja, aber weswegen existiert dieser Fluch noch? Wenn sowohl die Hexe verbrannt ist als auch ihr Haus, gibt es doch nichts und niemanden mehr, der ihn aufrecht erhalten könnte."

Statt einer Antwort öffnete Peter seine Aktentasche, in welcher er auch die Zeitungsausschnitte verstaut gehabt hatte, und holte vorsichtig einen alten, vergilbten Plan heraus, den er mit äußerster Sorgfalt über den Zeitungsseiten ausbreitete.
Wieder konnte der jüngere Winchester ein freudiges Funkeln in den Augen seines Gegenübers aufblitzen sehen, als dieser mit sichtlicher Aufregung auf einen bestimmten Punkt auf dem Papier deutete. Sam erkannte einen Gebäudegrundriss, der laut den Anmerkungen am Rand des Planes zum Meadows-Haus gehörte.
„Im Keller gab es einen feuerfesten Bereich, eine Art Tresorraum. Man munkelt, Catherine habe dort ihr Zauberbuch aufbewahrt, in dem sie sich auch die verborgenen Geheimnisse und Ängste der Bewohner von Greyview notiert hätte. Dieser Raum muss das Feuer damals unbeschadet überstanden haben. Aber man hat ihn nie gefunden."
Sam nickte langsam. „Das bedeutet, der Raum hält den Fluch am Leben, um das Buch zu schützen. Doch warum dann diese Parallelwelt?"
Michaels seufzte. „Catherine soll angeblich verschiedene Zauber ausgesprochen haben, um zu verhindern, dass jemand Unbefugtes den Raum betritt. Ich denke, sie hat ihn auf eine andere Ebene gehoben, in die nur jemand gelangen kann, der ein Tor dorthin öffnen kann. Das verbunden mit dem Fluch lässt diese Parallelwelt entstehen, in der bestimmte Menschen verschwinden. Da es jemanden geben kann, der die Macht und das Wissen dazu hat, in diese Welt zu gelangen, und hinter dem Buch her ist, um es zu zerstören -"
„- werden alle in Frage kommenden Kandidaten mit dem Fluch belegt.", vollendete der jüngere Winchester den Satz. „Aber weshalb ist der Junge verschwunden? Ich denke nicht, dass ein Zehnjähriger aus Angst jemanden töten würde. Und Menschen wie Ihre Schwester werden es bestimmt nicht darauf angelegt haben, dieses Buch zu finden.", wandte er dann ein.

Peter runzelte nachdenklich die Stirn und warf einen prüfenden Blick auf seine Unterlagen, während Sam sich etwas entfernte, um ungesehen das Tagebuch seines Vaters hervorzuholen.
Eigentlich hatte er es hauptsächlich aus dem Grund eingesteckt, Dean einen Dämpfer zu verpassen. Dieser hatte das Buch einfach im Kofferraum liegen lassen und sein jüngerer Bruder hatte es sich geschnappt, um es ihm unter die Nase zu halten, wenn er bemerkte, dass er es nicht bei sich trug.
Doch nun konnte er nur noch daran denken, Dean wiederzufinden, bevor dieser starb. Vielleicht hatte er ja etwas in Johns Notizen übersehen, was ihm weiterhelfen konnte.
Fahrig blätterte er die Papiere durch, bis er die richtige Stelle gefunden hatte: Mehrere Zeitungsausschnitte über die Vermissten, die in diesem Wald verschwunden waren.
Er sah sie sich nur kurz durch, aber plötzlich stutzte er. Seine Miene verfinsterte sich und vorsichtig warf er einen Blick nach hinten auf Michaels. Dieser stand immer noch vor seinem Wagen und studierte seine Unterlagen.

Verdammt, er hätte nicht so leichtgläubig sein sollen!, schimpfte sich Sam im Stillen, während er lautlos seine Waffe zog.
Die Hintergrundinformationen, die er erhalten hatte, mochten wirklich stimmen. Doch nach dem, was er gerade erfahren hatte, konnten sie auch nur dazu gedacht gewesen sein, ihn zu täuschen und von Dean wegzulocken.
„Vielleicht geht der Fluch davon aus, dass jeder, der aus Angst einen Mord begehen würde, das Buch zerstören will. Wahrscheinlich war das auch das Ziel der Männer, die Catherine getötet haben.", riss Peter ihn aus seinen Gedanken und er nickte instinktiv.
„Um hm, könnte sein.", antwortete er und versuchte dabei, seine Stimme so interessiert wie möglich klingen zu lassen, während er sich umdrehte und langsam auf den Anderen zu schlich.

Bevor Michaels erkennen konnte, was der jüngere Winchester vorhatte, hatte dieser schon dessen rechten Arm gepackt, ihm diesen auf den Rücken gedreht und dessen Oberkörper auf die Motorhaube gedrückt.
„Was zum Teufel tun Sie da?" „Peter" oder wer auch immer klang eindeutig panisch.
Was Sams Wut jedoch nicht gerade bremste. Wenn er sich vorstellte, dass dieser Typ vielleicht für Deans Verschwinden verantwortlich war, dann...
„Wer sind Sie wirklich? Ich habe gerade meine Notizen durchgesehen und feststellen müssen, dass Sondra Michaels überhaupt keinen Bruder hat. Nur eine Schwester. Also, was tun Sie hier und warum haben Sie mich angelogen?"

„Das muss ein verdammt starker Dämon sein, der Sam in Besitz genommen hat.", sprach Dean seine schlimmste Befürchtung aus.
„Oder das Haus ist mächtiger, als ich angenommen habe.", konterte John und warf einen beunruhigten Blick zurück auf das Gebäude, bevor er sich mit entschlossener Miene dorthin in Bewegung setzte.
Sein Ältester kam kaum hinterher. „Was weißt du darüber? Was denkst du, was hier vorgeht?"
„Ich glaube, es ist ein Fluch. Das Haus ist verflucht und es stellt grauenvolle Dinge mit denjenigen an, die ihm zum Opfer fallen."
Dean kam sofort ein schrecklicher Verdacht. „Meinst du damit den Jungen? Hast du ihn gefunden, Dad? Was ist mit ihm passiert?"
Sein Vater warf ihm einen kurzen Blick zu. „Ja, ich habe ihn gesehen. Er ist vor mir geflohen. Er hielt mich für einen Dämon. Wahrscheinlich gibt es hier noch mehr Fälle von Besessenheit und die früheren Vermissten haben das gleiche Schicksal erlitten wie dein Bruder."

Plötzlich zerriss der panikerfüllte Schrei eines Kindes die Stille und beide Winchesters begannen zu rennen.
Der Jüngere sah, wie sich Johns Gesicht versteinerte und seine Finger sich in den Griff seiner Waffe krallten, und bekam es mit der Angst zu tun. „Du glaubst doch nicht, dass Sam dem Kleinen etwas antun würde, oder?"
Abrupt blieb sein Vater stehen, packte Dean an den Schultern und zwang ihn, ihm in die Augen zu sehen. Zu seinem Entsetzen entdeckte dieser Tränen in den Augen des Älteren. „Hör mal, dein Bruder ist besessen. Besessen von einem Ding, das ihn langsam innerlich auffrisst, bis nichts mehr von Sam übrig ist. Wenn wir zu spät kommen, wenn wir ihn nicht mehr retten und den Dämon austreiben können, dann müssen wir ihn auf alle Fälle töten. Wir müssen dieses Ding wieder zur Hölle schicken, egal welche Hülle es sich ausgesucht hat."
Sein Sohn erstarrte, sah John mit großen, von Entsetzen erfüllten Augen an.
Das konnte sein Vater doch nicht ernst meinen! Er konnte doch nicht ernsthaft von ihm verlangen, seinen eigenen Bruder zu töten!