Wortanzahl: 815 Wörter
Kapitel 8
Warum habe ich mich für dieses Studium entschieden?
Von Elizabeth Weir
Warum?
Eine gute Frage, die ich auf Anhieb nicht so beantworten kann. Seitdem ich dieses Thema für unser Essay erfahren habe, überlege ich über die Antwort nach. Natürlich könnte ich sagen, dass ich die Welt verbessern will. Dies ist die klassische Antwort, die fast jeder wählt und ja, zum Teil trifft dies auch auf mich zu. Natürlich soll die Welt ein besserer Ort werden. Für meine Familie, meine Freunde und ja, auch für mich. Doch ist dies wirklich der echte Grund warum ich mir all dies "antue"?
In den letzten Monaten bzw. Jahren ist sehr viel passiert. Sowohl während meines Studiums als auch davor. Sowohl in meinem Leben als auch in dem meiner Freunde und in der ganzen Welt. So vieles davon hat mich beeinflusst, doch was ist davon der Grund warum ich dieses Studium gewählt habe?
Vielleicht haben meine Eltern Schuld, dass ich diesen Weg eingeschlagen habe? Sie haben zweifellos mit ihrer Ergebenheit zu ihren Berufen, selbst wenn dabei die Familie leidet, ihren Einfluss auf mich gehabt. Doch ich denke, dies spielt eher eine geringe Rolle für mich. Ist vielleicht meine erste große Liebe Schuld? Meine erste große Liebe, die ich geheim halten musste, weil ich seine Schülerin war oder eher er mein Lehrer? Ist mein Hass, meine Verzweiflung, die ich damals gefühlt habe, der Grund?
Ich habe es gehasst nicht zeigen zu können wie sehr ich ihn liebe und ich war verzweifelt, weil ich wusste, dass ich nie so eine Beziehung haben kann wie sie allgemein gezeigt wurde. Anstatt Küsse auf offener Strasse gab es geheime Küsse in verlassenen Klassenräumen und vielleicht will mein Unterbewusstsein dafür kämpfen, dass kein anderer dies erleiden will. Jede Art von Liebe soll nach dem Gesetz möglich sein, solange es alle Parteien wollen. Niemand anderes soll mit tränennassem Gesicht aufwachen, weil er sich nur noch daran erinnern darf wie ein bestimmtes Paar Lippen schmeckt. Ebenso wie niemand den Schlaf herbei sehnen soll, weil es der einzige Ort ist, wo er oder sie glücklich sein kann mit der Person, die in ihrem Herz wohnt.
Dies könnte durchaus der Grund sein, warum ich mich so sehr für dieses Studium entschieden habe. Aber ich bin ehrlich. Nur für mich alleine, nur wegen meiner eigenen Vergangenheit, würde ich nicht vollends meine Zukunft bestimmen.
Sie hat mich geformt und beeinflusst ebenso wie meine erste große Liebe mich nie verlassen wird, doch sie bestimmen beide nicht mein jetziges Ich, dass aus so viel mehr besteht. Inzwischen habe ich erkannt, dass eine erste Liebe nur eine erste Liebe ist. Egal wie glücklich man ist... meist merkt man, dass etwas fehlt, und es eben doch nur die ersten Schmetterlinge sind, die es besonders machen. Ich vermisse das Gefühl jemanden zu haben, der mich versteht und küsst und einfach nur liebt, aber deswegen habe ich mich nicht für dieses Studiumsfach entschieden. Ein viel wichtiger Fakt für meine Entscheidung war und sind meine Freunde.
Meine Freunde, die ich schon mein Leben lang kenne und von ihnen unterstützt werde. Unterschiedlicher wie meine Freunde kann kaum eine Gruppe von Menschen sein. Auch sie haben ihre erste Liebe erfahren und mussten feststellen, dass sie nicht das war, was sie sich erhofft hatten. Genauso wie ich. Und diese Leute haben maßgeblich meine Entscheidung dies zu studieren, beeinflusst.
Denn sie alle hatten ebenso wie ich Hürden zu überwinden, die gegen die Schmetterlinge in ihrem Bauch angekämpft haben, doch während meine... gestorben sind, haben ihre den Kampf gewonnen. Sie kämpfen immer noch, aber sie sind stark und geben nicht auf. Alle 6 dürfen nicht offen ihre Liebe zeigen, da vier von ihnen im Militär sind.
Doch nun frage ich, wer gibt diesen Menschen das Recht, solch wunderbare Dinge zu verbieten und sie als falsch abzutun. Kann Liebe denn, egal in welcher Form und wem sie geschenkt wird, falsch sein?
Egal, ob Mann/Frau, Mann/Mann, Frau/Frau, Frau/Mann/Mann oder Mann/Frau/Frau, solange die Menschen in diesen Beziehungen glücklich sind, sollen sie doch einfach nur ihre Liebe ausleben.
Deswegen studiere ich genau diese Richtung. Um den Menschen zu ermöglichen, die ihre Liebe gefunden haben, sie auch ausleben zu dürfen. Ohne Furcht und ohne sich jedes Mal umsehen zu müssen, ob sie jemand gesehen hat oder ob ein Vorgesetzter in der Nähe ist.
Ich will für meine Freunde die Welt verbessern. Sie sollen glücklich sein, sodass sie nicht merken, dass ich sie teilweise für ihr Glück hasse. Denn, wenn ich ehrlich bin, studiere ich diese Richtung nur aus diesem Grund. Ich will die Welt verbessern, so dass meine Freunde, meine Familie, mir irgendwann verzeiht, dass ich es nicht ertragen kann zu sehen wie glücklich sie sind, während ich einsam bin.
Dies ist die Antwort auf ihre Frage. Sie ist nicht schön, zeigt meinen Egoismus, meine dunkle Seite, aber sie ist wahr.
Ich will die Welt verbessern, weil ich meine Freunde um ihr Glück beneide.
Ende Kapitel 8
