Wortanzahl: 489 Wörter

Kapitel 20

Ein üblicher Tag in meinem eben so „üblichen" Leben. Okay, bei diesem Satz muss ich unweigerlich grinsen und wische weiter über den Tresen. Die Leute hetzten wie immer von einer in die andere Richtung. Geschäftsleute, die es eilig haben. Dann haben wir da noch Familie mit kleinen Kindern, die trödeln.

In so einem Flughafengebäude herrschte schon wirklich sehr viel Trubel. Für mich schon nichts mehr Neues, aber als ich aus dem Augenwinkel die kleine Gruppe sah, musste ich meine Meinung ändern. So etwas, sah man nicht alle Tage.

Ein junges Mädchen... nein eine junge Frau mit kurzen, braunen Haaren und in einer strikten Militäruniform stand neben einem anderen jungen Mann, der ebenfalls braune Haare hatte. Vielleicht war dies ihr Bruder? Zumindest würde es zu ihrer beiden Verhalten passen. Er schien nervös zu sein und sie strich ihm immer wieder beruhigend über den Rücken, während sie beide zu dem Rest ihrer Gruppe sahen. Eine andere junge Frau mit etwas dunkleren Haaren redete und zeigte immer wieder ein beruhigendes Lächeln, das nichts gegen die Anspannung brachte, die diese Gruppe ausstrahlte.

Neben dem jungen braunhaarigen Mann war ein anderer Mann, der Hektik und Nervosität ausstrahlte. Mit weitausschweifenden Arm- und Handbewegungen schien er einen jungen Soldaten auszuschimpfen. Dieser trug jedoch nur ein lässiges Lächeln und schien das Verhalten des hektischen Mannes zu genießen. Unter seiner Uniform, die der von der jungen Frau ähnelte, blinzelten vereinzelt Verbände auf, und der Körper, der so geschmeidig aussah, erschien mir irgendwie steif.

Unweigerlich huschten meine Gedanken zu dem Artikel, den ich heute Morgen gelesen hatte. Weitere vier junge Männer und Frauen würden nie wieder in den Schoß ihrer Familie und Freunde zurückkehren, da sie ihr Leben für den Kampf für Demokratie gelassen hatten. Dieser junge Mann schien einen Schutzengel gehabt zu haben und seine Freunde schienen dies zu wissen.

Doch ein weiterer Blick in die Augen dieser jungen Menschen, die mich so sehr an meine Enkel erinnern, zeigte mir dass wohl nicht jeder aus ihrer Gruppe dieses Glück gehabt hatte. Obwohl sie alle eine Aura der Nervosität und Glückes hatte, strahlte besonders die junge Frau in der Uniform Traurigkeit aus. Sie stand inmitten ihrer Freunde und schien doch nicht da zu sein. Die Brünette trat neben sie und legte nun auch ihr die Hand auf den Rücken um sie zu beruhigen. Oder doch eher aufzubauen?

Und dann, wie auf Schlag, wurde die Gruppe ruhig und blickte nach rechts. Auf dem Gesicht des brünetten Jungen mit der Brille zeichnete sich ein strahlendes und auch erleichterndes Lächeln ab. Mit schnellen Schritten ließ es seine Freunde zurück und ging auf jemanden zu, den ich aus meinem Blickwinkel nicht erkennen konnte.

„Ich hätte gern einen Scotch.", riss mich eine tiefe, männliche Stimme aus meiner Starre.

Ach ja, ich hatte einen Job den ich erledigen musste. Lächeln schenkte ich ihm das verlangte Getränk ein und hoffte, dass für die jungen Leute das Leben wieder in Ordnung war.

Ende Kapitel 20