Kapitel 11. Es lohnt sich, darum zu kämpfen.

Qui seminat mala, metet mala"

Draco schlief im Gryffindors Gemeinschaftsraum auf dem Sofa ein. Harry wollte nicht schlafen, war aber überzeugt, dass er mit ihm sein musste, und ging ins Schlafzimmer nicht. Das Feuer brannte noch lange, Harry sah die gelben Feuerzungen an und dachte an Vieles. Er erinnerte sich ins besondere an seinen eigenen Tod, den er schon gelernt hatte, zu akzeptieren. Er konnte nicht genau verstehen, wovor er eigentlich so viel Angst gehabt hatte, als er in Gefangenschaft war. War das bloß ein Ekel vor all diesem Bösen, das er dort gesehen hatte, oder was anderes? Die Angst und der Ekel sind verschiedene Dinge, und manchmal sind sie sehr ähnlich, аber er musste jetzt doch entscheiden und sich in seinen Gefühlen endlich zurechtfinden. Nach so einer Nervenerschütterung hatte er fast keine Träume und keine Visionen mehr, schlief aber schlecht. Er hat während dieser schlaflosen Nächte vieles gründlich durchdacht, hat aber keinen Ausweg gefunden. Und jetzt hat sich in ihm etwas gedreht, und er musste verstehen, in welche Seite. Der Tod von Narzissa Malfoy hat ihn aus dem kleinsten seelischen Gleichgewicht gebracht, er schloss immer wieder die Augen, und gleich sah ihr helles, befriedetes Gesicht, hörte ihre letzten Worte über ihren Sohn und fühlte, dass er die Welt etwas anderes wahrzunehmen begann. Und auch wenn er diese und andere Nächte geschlafen hätte, wusste er, dass diese Erfahrung nicht weggehen würde. Das Leben und der Tod wären überhaupt sehr merkwürdige Dinge, zwei der Hauptgeheimnissen des Daseins. Warum sollten sie sich aber nur dann für einen aufdecken, wenn man sie anschaulich beobachtet? Harry überführte den Blick vom Feuer auf Draco, der unruhig schlief und das Sofakissen mit den Fingern zusammenpresste. Harry wusste, was das ist, einen sehr nahen Verwandten zu verlieren. Er hatte damals auch sehr schlecht geschlafen und wollte daran nicht glauben. Aber seine Freunde waren mit ihm, und das, obwohl das den Verlust nicht mildern konnte, half ihm leben, sich über das Leben freuen, weiter kämpfen und etwas Neues schaffen. Wer konnte aber jetzt diesem Jungen helfen, den Schmerzen überwinden? Harry war nicht sicher, ob er es machen konnte, und war ganz sicher, dass seine gute Vorsätze nicht angenommen werden. Dieses Bewusstsein fiel ihm schwer, aber er wusste schon, dass er kein Wunder auf der Welt gibt, und folglich... wie wäre es denn mit den Dingen, die er in der letzten Zeit gesehen hatte? Sie haben vielleicht einen besonderen inneren Zustand von ihm gefordert. Er schmunzelte: noch ein bisschen, und er wird religiös... Gab es dort etwas Religiöses, daran, was damals passiert war? Wie dem auch sei, musste er etwas in seinem eigenen Leben genau wissen. Die Entscheidung war ganz nah, und trotzdem so zweifelhaft und kaum wahrscheinlich. Nur eines konnte er sicher sagen: er tut alles, damit niemand mehr verloren wird und um selbst niemanden im nächsten Krieg zu verlieren. Er warf doch die persönliche Verantwortung, die jeder Mensch hat, nach dem Sieg über Voldemort und seine Anhänger nicht ab. Und wenn dieser Zauberer wieder auferstehen wird, muss er... die Narbe flammte auf, und Harry zuckte instinktiv und nahm den Zauberstab heraus. Genau in diesem Moment ertönte ein leises Gestöhn und Draco sprang auf.

Was? - fragte Harry schnell.

Weiß nicht, - antwortete Draco automatisch, griff aber nach seinem linken Arm. – Ist nur vorgekommen. - Er sah sich ängstlich um und dann starrte Harry an: - Warum schläfst du nicht, Potter?

Ich will nicht. Sitze bloß hier...

Und bewachst mich? Wenn du es wissen möchtest, brauche ich das gar nicht! – Draco sah aus dem Fenster. – Wie viel Uhr ist es?

Halb fünf morgens, - erwiderte Harry. – Jetzt wäre es wirklich besser für uns beide, schlafen zu gehen.

Was du nicht sagst. Und ich dachte, du willst nicht schlafen.

Wenn du wirklich mit mir nicht sprechen willst, warum bist du hier? – Harry fühlte die Gereiztheit und musste sich in die Schranken weisen.

Du hast mich doch hierher gebracht, - parierte Draco. – Und ich habe auch viele andere Orte, wohin ich gehen könnte.

Welche denn?

Wozu belästigst du mich mit deiner Neugier? – Draco wandte sich ab, stand aber nicht auf. – Hast du Mitleid mit mir?

Ja, vielleicht, - sagte Harry unsicher.

Wenn du was daran Lächerliches finden willst, los! Ich nehme es mir nicht übel, weil mir deine Meinung egal ist, - sagte Draco herausfordernd.

Was gibt es dort Lächerliches? – Harry verstand nicht. – Das ist... entsetzlich.

Wozu denn diese laute Wörter – „entsetzlich"? – Draco winkte irritiert ab. – Das ist doch geschehen, und nichts mehr. Und es wäre gut, wenn man mir daran nicht ständig erinnert. Wenn ich damit was machen könnte... Sonst hat es keinen Sinn!

Glaubst du daran, was du sprichst? – Harry fragte erstaunt. – Es ist doch natürlich, dass du darüber sprechen willst, nicht wahr?

Nein, - erwiderte Malfoy hartnäckig, sein Gesicht wurde aber sehr blass. – Nicht mit dir jedenfalls.

Wunderschön, - sagte Harry aufstehend. – Dann lasse ich dich hier und gehe schlafen, und du kannst gehen in andere Orte, die du hast, aber wenn du etwas brauchst...

Ja, ja, Potter, darfst nicht fortsetzten, - Malfoy sah ihn immer noch nicht an.

Harry fühlte sich sehr müde und enttäuscht. Er konnte eigentlich nicht etwas anderes erwarten, aber er war auch von sich selbst enttäuscht: Malfoy war störrisch, das schon, aber er, Harry, der die letzten Minuten seiner Mutter im Unterschied zu ihm gesehen hatte, konnte es irgendwie anders sagen. Wozu aber schon wieder diese alte Feindschaft? Harry konnte viel zahlen, damit das alles endlich endet und eine neue Epoche beginnt.

Er war schon auf der dritten Stufe der Treppe, die zum Schlafzimmer führte, als Draco ihn anrief:

Potter, und wärest du mit mir geblieben, wenn ich dich darum gebeten hätte?

Wieso nicht?

Ich weiß nicht, wieso, - Draco verstummte verlegen.

Ich bin doch mit dir bis jetzt geblieben, - sagte Harry, - und ich wollte damit nur helfen... irgendwie... Ich kann doch eigentlich nicht vieles machen.

Ich musste dort, mit ihr, gewesen sein, - flüsterte Draco unerwartet. – Denkst du, dass ich es nicht gefühlt habe, als du dorthin gingst, dass ich sie nicht mehr sehen werde?

Harry wusste nicht, was er darauf antworten sollte. Er kehrte in den Gemeinschaftsraum zurück und setzte sich in den Sessel, rechts von Draco. Der fuhr fort.

Du weißt, was es ist: die Eltern zu verlieren. Weißt du, was ich immer das anbetreffend dachte? Dass es nicht so tragisch ist, weil du dich daran fast nicht erinnerst. Sage nichts, ich weiß, dass ich... nie über viele Dinge wusste. Ich wusste so wenig, dass als das vorkam, war ich hilflos. Im Gegensatz zu dir.

Was sagst du, Draco?

Was ich denke und worüber ich jetzt genau weiß, dass das wahr ist. Und alles Wahres ist... ich habe nie gedacht, dass alles Wahres so schwer ist.

Gar nicht, alles hängt von deinem Verhalten zu dieser Wahrheit.

Und ich weiß nicht, wie ich mich dazu verhalten soll. Dass sie jetzt... dass sie jetzt weg ist... Wie kann ich mich dazu verhalten? Und... und ich stelle mir nicht vor, wie der Vater das aushalten wird. Dort, - er schloss das Gesicht mit den Händen.

Du sollst dich dazu so verhalten, ich denke, wie sie.

Woher weißt du, wie ihr Verhalten war?

Ich habe das gesehen, - das Gespräch fiel Harry schwer, aber er wusste, dass er sich von etwas befreite, und das machte ihn strenger. – Ich habe sie gehört. Ihre letzten Worte waren über dich. Sie bat dir zu sagen, dass sie dich liebte. Und das bedeutet, dass sie dich immer noch liebt und immer lieben wird. Auch wie meine Mutter. Ich bin mir ganz sicher, dass ihre Liebe immer noch mit mir ist und dass sie mich schützt. Mit der Hilfe von Liebe kann man schützen.

Draco war ganz Auge. Er öffnete den Mund überrascht und fragte langsam.

Wie meinst du das, dass sie mich immer noch liebt?

Ich meine, dass obwohl sie dort ist, fährt sie fort, dich zu lieben und sich um dich zu kümmern. Alles endet sich mit dem Tod nicht, nicht immer.

Wirklich? – Dracos Augen waren rund wie Münzen, und Harry hätte beinahe geschmunzelt.

Ich dachte auch früher, dass alles endet. Dann habe ich aber über sehr viele merkwürdige Dinge erfahren. Ich dachte, man geht nicht weiter, man löst sich einfach auf. Aber ich habe meine Eltern einige Male gesehen, und sie waren keine Erinnerungen, sie waren... ich weiß nicht, was sie waren und will nicht wissen, aber sie existieren, nein, sie leben! Ich verstehe, dass ich unverständlich erkläre, aber...

Doch! Aber..., - Draco rückte sich sogar näher heran. – Wenn ich dann irgendwohin zu ihr gehe, treffen wir uns?

Ich glaube, alles ist möglich. Dort bin ich nicht gewesen. Nur in der Nähe...

Was heißt das, in der Nähe? – fragte Draco gierig.

Also im Vestibül, wenn man das so nennen darf, - lächelte Harry. – Ich bin jetzt ganz sicher, dass das Vestibül oder so ähnlich war. Und man kann dort leben, bin ich auch sicher.

Als eine Seele?

Vielleicht. Oder etwas mehr. Lies darüber besser, ich bin doch kein Spezialist.

Habe ich nichts zu tun, meinst du? Das letzte Mal, wann ich das Buch öffnete... Schwer zu erinnern. Und wer braucht überhaupt Bücher? Du hast das ja selbst erlebt!

Na und? Es ist schwer, daraus was Nützliches zu ziehen, ich meine.

Er meint! Wenn ich so was erleben würde, würde ich meine Mutter sehen, das willst du sagen? – Dracos Stimme war hoffnungsvoll, Harry wusste aber schon wieder nicht, was zu antworten.

Ich habe aber damals nicht meine Eltern gesehen. Und ich würde niemandem wünschen, so was zu erleben, ich bin nur durch ein Wunder am Leben geblieben.

Aber du weißt jetzt, ich meine überhaupt im Leben, womit du anzufangen hast?

Ich habe eigentlich vieles jetzt womit ich anfangen kann, - musste Harry gestehen. – Kann aber nicht alles davon allein schaffen.

Und wenn du jetzt allein wärest?

Wenn man wirklich allein ist..., - Harry wurde nachdenklich und erinnerte sich an diese einsame Nacht, als er in den Wald ging, um sich Voldemort zu ergeben. – Weißt du, ich meine, man kann dann alles schaffen, überhaupt alles. Sonst stirbt man.

Draco sah ihn ernst an und seufzte auf.

Ich dachte, ich werde heute sterben. Ich hoffte sogar darauf, kannst du dir vorstellen?

Kann, - nickte Harry finster.

Aber der Todesengel kam vorbei. Hast du von dem Todesengel gehört?

Nein, ich glaube an Engel nicht.

Ich auch, aber an ihn habe ich immer geglaubt, das ist bloß eine solche Bezeichnung... Na ja, und dann verstand ich, dass ich nicht allein bin. Nicht ganz. Du sitzt hier. Und das ist bewundernswert.

Was gibt's hier doch Bewundernswertes?

Ich musste eigentlich jeden außer dir erwarten haben.

Wenn du im Gryffindors Gemeinschaftsraum schläfst, ist das gar nicht so...

Potter, wo ist dein Gehirn? Stellst du dich verständnislos, oder?

OK, schreie mich nicht an. Aber ich muss zustimmen, ich bin jetzt etwas schwer von Begriff.

Das kann man leicht sehen, - erwiderte Draco höhnisch. Nach einer Weile schaute er Harry direkt an und wendete den Blick gleich ab. – Jedenfalls... danke...

Nichts zu danken, - Harry gähnte unwillkürlich. Er fühlte sich seltsam ruhig und wollte diesen Zustand auf lange Zeit bewahren. – Willst du schlafen?

Nein, als ob man nach solchen Gesprächen einschlafen kann! Ich werde jetzt ein bisschen fliegen. Gehst du mit?

Meinetwegen.

Nach dem Flug auf dem Besen gingen die beiden ins Schloss zurück. Harry fühlte sich irgendwie unsicher, und Malfoy schien an dasselbe zu denken. Schließlich waren die ersten Emotionen weg, und jetzt blieb nur die Verlegenheit, die auf irgendwelche Weise beigelegt werden sollte. Harry entschied sich aber nicht, das Gespräch anzufangen, und Draco schwieg auch. Aber als sie den inneren Hof betraten, hielt er plötzlich und sagte bitter:

Ich kann das nicht vergessen.

Was eben? – fragte Harry und hielt auch.

Dass ich ein Feigling und Schwein bin.

Warum denn?

Du weißt warum. Ich hatte Angst, dorthin, zu ihr... Das sollte ich gewesen sein, und nicht du! Ich, ihr Sohn! Und ich bin im anderen Raum geblieben! Der einzige Verwandte im Schloss! Der nächste Mensch angeblich, - er errötete und verstummte, nach der Luft schluckend.

Dieses Schuldgefühl wird aufs lange bleiben, - sagte Harry, - aber sie hat dich verziehen, bin ich überzeugt.

Du willst bloß trösten, Potter! – Malfoy stützte sich auf den Besen, als ob er Angst hätte, hinzufallen. – Aber ich weiß, dass ich sie damit beleidigt habe, ganz vor dem Tod...

Dann bitte sie um Verzeihung, - Harry zuckte die Achseln. Er wusste nicht mehr, was zu raten.

Wenn sie mir nur hört, - murrte Draco ungläubig, dann blickte er Harry hoffnungsvoll an: - Sag mir noch einmal, hat sie mich deiner Meinung nach verziehen?

Draco, wenn du daran so interessiert bist, frag Professor Snape, ihre letzten Worte waren eigentlich an ihn gerichtet, und nicht an mich. Ich habe bloß beigesessen.

Ihn zu fragen? – verzerrte sich Draco. – Der hat überhaupt nichts mit meiner Mutter zu tun.

Jedenfalls, viel mehr als ich, - bestand Harry. – Warum willst du ihn nicht ansprechen?

Erstens, halte ich es mit Verrätern nicht, und zweitens...

Aber wenn du es mit mir und sogar meinen Freunden hältst, kannst du dieses Prinzip ruhig lassen, - sagte Harry höhnisch. – Und nenne ihn nicht so.

Ach so? – Draco lächelte verachtungsvoll. – Eine seltsame Freundschaft, würde ich sagen.

Wer hat dir gesagt, dass es eine Freundschaft sei? – Harry wollte keineswegs zeigen, dass seine eigenen Worte ihn kränkten, und das schien ihm gelungen zu sein. – Du benimmst dich aber kindisch. Das ist nicht wichtig, mit wem es dir leichter zu sprechen ist, wenn die Frage für dich wichtig ist.

Doch, für mich ist es wichtig, - erwiderte Draco, aber nicht besonders sicher.

Harry sagte nichts mehr und sah den Himmel an. Alles sprach über den ankommenden Winter. Die Luft war sehr trocken und kalt, auf den Bäumen hingen die letzten Blätter, und in der Nacht gab es immer öfter Schnee. Harry seufzte auf, als er Draco wieder ansehen musste. Und was jetzt? Jemand rief ihn an. Er sah sich um und sah Luna Lovegood, die gerade aus dem Schloss herausging. Sie winkte mit der Hand und, zu Harrys Entsetzen, ging durch den Hof zu ihnen. Draco bemerkte sie einige Sekunden nicht, dann sah er sie schon in zehn Metern entfernt und wandte sich ab. Sie ging ihm immer auf die Nerven, und das hatte Harry von Anfang an befürchtet.

Hallo, Harry! – rief sie freudig.

Hallo, Luna, - begrüßte Harry sie etwas nervös. – Wie geht es dir?

Nicht besonders gut, aber ich verzage nicht, das ist so langweilig, zu verzagen, - sagte sie einfach und sah den verstummten Draco an, sagte aber nichts.

Was hast du nächstes Wochenende vor? Wirst es in Hogsmeade verbringen?

Ich denke nicht so, weißt du, Neville... er hat keine Lust, und ich bin jetzt auch sehr beschäftigt, ich bin doch die Aspirantur eingetreten und studiere jetzt sehr viel. Das ist sehr traurig, dass fast niemand sich mit dem Probleme des Aussterbens von Blibbering Himdingers beschäftigt. Ich werde das ernstlich machen, wenn ich mehr wissen werde.

Draco kicherte. Harry warf ihm einen warnenden Blick, und Luna sah ihn auch erstaunt an.

Und du bist Draco Malfoy, - sagte sie ihm. – Du hast uns das Essen gebracht, als wir im Keller saßen.

Draco verschluckte sich.

Ich erinnere mich ganz gut daran, - ihre Augen wurden hell vor Erinnerungen, und Harry konnte nicht verstehen, ob er sich einmischen sollte oder nicht. – Damals warst du schon betrübt, ich habe das sofort bemerkt.

Ich – betrübt? – wiederholte Draco verständnislos.

Aber du musst dich nicht ergeben! Wenn man eine regnerische Woche hat, dann bekommt man eine sonnige, - sie klopfte ihn auf die Schulter, sagte Harry „Tschüß!" und ging weg, hüpfend und pfeifend etwas vor sich hin.

Hast du das gehört? – Draco starrte Harry mit einem überraschten Blick an. – Was war das?

Sie wollte dich aufmuntern, glaube ich, - antwortete Harry. Er war auch überrascht, aber er hat sich doch an Luna gewöhnt.

Auf solche Weise? – empörte sich Draco. Dann sagte er aber nachdenklich: - Es ist aber wirklich etwas leichter geworden.

Sie ist ein wunderbarer Mensch und Freund. Und sie weiß, was es ist, die Mutter zu verlieren. Deshalb sprach sie dich zuerst nicht an.

Vielen Dank! – erwiderte Draco und sah Luna bestürzt nach. – Und was? Geht sie mit diesem... mit Longbottom aus?

Sie ging, aber etwas klappt dort nicht. Ehrlich gesagt, Ginny versuchte, mir zu erklären, aber ich habe nichts verstanden, - bekannte Harry.

Malfoy verstummte. Da sah Harry Ron und Hermine, die wahrscheinlich nach ihm suchten, weil sie sehr aufgeregt waren. Harry gab ihnen ein Zeichen, und Draco trennte sich von ihm und ging in eine andere Seite. Harry hielt, rief ihn aber nicht an. Er wusste, dass wenn sie zu vier zu kommunizieren versuchen, wird das schon zu viel sein.

Harry, wir beunruhigten uns um dich so! – rief Hermine auf.

Wo warst du mit ihm? – fragte Ron erstaunt.

Ah, flogen ein bisschen um Hogwarts herum. Er scheint mehr oder weniger in Ordnung zu sein, wenn man es so nennen kann.

Dann kannst du ruhig einpacken, - berichtete Hermine strahlend.

Was sagst du? – Harry verstand, dass er etwas vergessen hatte.

Morgen haben wir einen unheimlich komplizierten Test in allen Fächern, hast vergessen? Und du darfst nicht darauf verzichten, außerdem fühlst du dich wieder gut.

Aber, Hermine, wenn ich weggehe, kann ich dann keine Ermittlung weiterführen.

Welche Ermittlung? – wunderte sich Ron. – Harry, du kannst aber nichts machen, du hast es selbst gesagt. Aber nein, du kannst... versuchen, Mr. Holder zu finden und ihn auszufragen, wozu er die Grünen Moore braucht, oder kannst du dorthin selbst gehen und Unannehmlichkeiten bekommen.

Das ist doch nicht zum Lachen, Ron! – stoppte ihn Hermine streng. – Er will tatsächlich wegen einiger Persönlichkeiten bleiben. Aber das ist unvernünftig, Harry. Und du verstehst das selbst.

Harry sah seine Freunde an. Sie hatten recht, er konnte nichts mehr Wesentliches hier unternehmen, nur alles Notwendigstes aus der Geheimbibliothek zu klauen und sich auf den Weg nach den Grünen Mooren zu begeben. Die Idee kam ihm anziehend vor. Doch nickte er den Freunden zu und ging mit ihnen zusammen nach oben, um die Sachen zu packen. Er verstand, dass man ihn aus der Aurorschule nicht mehr weglässt, und er hat beschlossen, Malfoy am Arbeitstage wenigstens zu schreiben. Am Wochenende wartete aber ein Haufen von Hausaufgaben auf ihn und er riskierte schon seine Stelle an der Schule sehr.

Nach dem Einpacken hielt er nicht aus und ging in die Bibliothek, weil er nicht so einfach Hogwarts verlassen konnte. Er betritt den dunklen Saal und suchte mit den Augen nach seinem Lehrer. Er hatte ihn zuerst nicht bemerkt, aber das Flammen der Kerze tanzte auf dem Schrank rechts von ihm, und er ging den Schrank um.

Der Meister der Zaubertränke las wie immer. Und da war schon etwas Nahes und Bekanntes in all dieser Umgebung. Harry setzte sich wie üblich vor ihn und schwieg. Snape schwieg auch. Er zog die Brauen zusammen und führte mit dem Finger über das Buchblatt. Er suchte etwas aus. Und das, was er suchte, wollte er nicht finden, das begriff Harry sofort. Er beobachtete seinen Lehrer sehr lange und hatte gar keine Lust zum Sprechen, im Inneren hoffte er mit ganzem Herzen darauf, dass Snape alles versteht und ihn selbst anspricht. „Es wäre besser, wenn er mich beschimpfte, - dachte Harry und wendete seinen Blick ab: – Er denkt vielleicht, ich habe ihn hereingelegt, während er sich auf mich verlassen hat... Kann man sich aber überhaupt auf jemanden verlassen?"

Bei diesem Gedanken fuhr Snape auf, schlug mit dem Buch auf den Tisch und machte eine unbestimmte Bewegung. Harry sah ihn nicht an, lauschte aber. Aber das Wort blieb aus. Snape ging weg im Schnellschritt und Harry ging hinter ihm her raus. Er verstand Snape einerseits, andererseits würde er an seiner Stelle die Sache besser aufklären wollen, als jemands Gedanken abzulesen.

Die schlechte Laune gab nicht nach, auch nachdem Harry in Fulmenhard angekommen war, und als er im Schlafzimmer am Fenster stand, dachte er wieder, wie in der Nacht, an vieles, und verstand, dass er sich mit dem Bösen sehr bald treffen wird. Er verstand auch, dass Ron und Hermine bald auch aufwachen und alles verstehen werden, er kann ja nichts allein schaffen. Aber der einzige Mensch, der hier was raten konnte, sprach mit ihm nicht. Wenn er sich so weiter distanzieren wird, passiert etwas Schreckliches, daran hatte Harry keinen Zweifel, und er wusste nicht warum. Der klare Herbsthimmel schimmerte von Sternen. Der Mars flimmerte aber genauso grell, wie vor dem vorigen Krieg. Harry drehte sich um und schaute den schlafenden Ron an. Wenn er auch nichts mehr unternehmen kann, wenn nichts mehr außer seinen eigenen Handlungen von ihm abhängt, wird er sowieso kämpfen. Er kann verlieren, aber war es etwa viel schlimmer, als sie in einem Zettel wohnten oder als es dort einige Hundert Gegner gab, gegen einige Dutzend? Diesmal gibt er auch nicht auf. Koste es, was es wolle, aber er wird alles, was ihm lieb ist, schützen. Auch wenn es die dunkelste Magie auf der Welt wäre! Weil es lohnt sich, darum zu kämpfen...

Kapitel 12. Eine lange Vorbereitung.

Festina lente!"

Der nächste Tag war windig und sehr kalt. Harry wachte früher als gewöhnlich auf, ging ans Fenster und schlug es auf. Es wurde ihm nicht leichter, er fühlte sich schrecklich: sein Traum war sehr tief diese Nacht, die Bilder wechselten einander schnell, als ob er die Szenen aus verschiedenen Filmen auf einmal durchsah. Zuerst träumte er, wie es schon oft vorkam, von dem großen Becher in der unbekannten Höhle, oder so etwas. Dann sah er Voldemort. Der stand ihm gegenüber und richtete den Elder Stab auf ihn, das waren eine Art Erinnerungen, schwere und unruhige. Dann erschien Elf Dobby mit dem silbernen Dolch von Bellatrix Lestrange in der Brust, dann verwandelte er sich in den, durch das schwarze Pfeil schwer verwundeten Snape, dann apparierten sie los, aber das war nicht Hogsmeade. Hogsmeade konnte nicht so leer und leblos sein, auch nach dem Bierfest, und ohne jegliche Pflanzen. Snape war aber nicht auf der vor Regen nassen Erde, er stand mit Harry nebenan, der Elder Stab in seiner Hand, konzentriert und ruhig. Harry spürte, dass etwas Dunkles und Schreckliches sich ihnen entgegen aus der Finsternis bewegte. Harry holte eigenen Zauberstab heraus, dann aber wurde er von einem wilden Entsetzen gefesselt, als ob eine unbekannte, aber eine sehr mächtige Kraft ihm das Atmen entnommen hatte. Da war die Macht und die Kraft: eine Figur, aus der dunkelsten Magie geschaffen. Harry konnte diese Figur nicht mehr ansehen. Er drehte sich zu Snape, der lag aber jetzt links von Harry auf dem Boden, mit Blut bedeckt und – zweifellos – tot. Die regungslose Hand hielt immer noch den Elder Wand. Harry erstarrte für eine Sekunde, riss sich der Figur entgegen, wurde aber plötzlich blind vor Schmerzen und sprang auf dem Bett im Schlafzimmer in Fulmenhard auf. In der Hand hielt er den Zauberstab, von dessen Ende rote Funken herabfielen. Harry stand sofort auf, sein erster Gedanke war: wie lange kann ein Zauberer nicht schlafen und auch nicht dösen? Dann warf er den Blick auf schnarchenden Ron und schüttelte den Kopf, der immer noch nach solchen Schmerzen dröhnte.

An diesem Tag schlief er nicht mehr ein. Er ging zum Test, den er aus tiefster Seele hasste, hat nur die Hälfte der Aufgaben geschafft, und gleich nach dem Abendessen erzählte er über seinen Traum und seine Verdächte Ron und Hermine.

Denkst du, dass er wieder zurückgekehrt ist? – fragte Ron zum zehnten Mal, während Hermine überhaupt nicht sprechen konnte.

Ich sage dir wieder: ich weiß nicht! – erwiderte Harry schon zornig. – Ich weiß nicht, was es für eine Magie ist, die der Narbe Schmerz antut!

Die Erinnerungen spielen eine große Rolle, Harry, ich bin sicher! – sagte Hermine leise. – Und das ist nur deswegen, weil dein Bewusstsein sehr anfällig ist. Du kannst doch nicht behaupten, dass...

Hermine! Harry konnte sich nur mit Mühe beherrschen. – Wann wirst du es endlich anerkennen? Er ist wieder hier, in dieser Welt!

Harry, aber wir alle wissen, dass es unmöglich ist! – flüsterte Hermine. – Es existieren keine Horkruxe mehr, und wir stellen uns nach deiner Erzählung vor, was seine Seele darstellt. Denke nur nach, ich bitte dich, Harry, du musst dieser Stimmung nicht nachgeben, als ob er den Tod wieder hinters Licht geführt hätte. Das ist wahr, dass ich das nicht anerkennen will! Aber... wie stellst du es dir vor?

Harry antwortete nicht.

Harry, sie hat Recht, wir können gar nicht sicher sein..., - Ron begann.

Sicher? – rief Harry, senkte aber seine Stimme sofort. – Reicht es euch immer noch nicht? Wenn das alles, womit wir uns beschäftigt haben und womit Professor Snape sich jetzt beschäftigt, Unsinn ist, woher sind dann alle diese Zeichen? Versteht ihr immer noch nicht, dass, ungeachtet der Narbe, die nur in der letzten Zeit so schmerzt, all das nicht zufällig ist?

Was – „all das"? – Hermine hob die Augenbrauen.

Er meint, Hermine, all die Sache mit den Mooren, - antwortete Ron für Harry. – Ich habe selbst daran viel gedacht, aber... Holder kann doch nicht so ein Idiot sein.

Er ist aber kein Idiot, Ron! – rief Hermine ungeduldig auf. – Er glaubt einfach an solche Dinge nicht! Und ich, ehrlich gesagt, auch!

Glaubst du nicht, dass der Berg die Quelle der dunkelsten Magie auf der Welt ist? – fragte Harry boshaft.

Doch, aber hör mal, Harry, findest du das nicht merkwürdig, dass deine Narbe erst nach einigen Monaten zu brennen begann? Wo war denn Voldemort all diese Zeit gewesen? Wenn er am Leben wäre...

Ich weiß! – winkte Harry ab. – Aber, Hermine, bedeutet das etwa nicht, dass alle jetzt wieder in einer ernsten Gefahr sind, wegen Holder? Professor sagte...

Er hat überhaupt eine sehr reiche Phantasie, dein Professor! – erwiderte Hermine.

Während du gar keine hast!

Schreie sie nicht an! – fauchte Ron.

Harry, - sagte Hermine flehend, - warum denkst du nie zuerst an die Fakten? Holders Haltung ist doch verständlich. Er will eine Armee schaffen, um dann den amtierenden Minister abzusetzen, und außerdem wird ihm eine sehr wesentliche Unterstützung in den höchsten Kreisen geleistet.

Na und?

Hör weiter. Während ganzer Jahrhunderte konnte niemand etwas mit den Grünen Mooren machen, damit keine Menschen mehr verschwanden und die magische Gesellschaft ruhig schlafen konnte. Auch gibt es sehr viele ungeprüfte Gerüchte, dass Salazar Slytherin dort seine Schätze verstecken konnte. Das ist meiner Meinung nach eine reine Erdichtung, wir haben doch historische Zeugnisse gelesen. Wenn er sterben musste, wozu brauchte er denn die Schätze?

Unlogisch, - Ron zuckte die Achseln.

Nicht so sehr, wenn man sich an den Geist von Slytherin erinnert, - erwiderte Harry eifrig. – Wenn diese Schätze nur ein Lockmittel sind?

Aber wozu braucht er Besucher in einer geheimen Zuflucht? – gab Hermine nicht auf. – Nur wenn...

Wenn er sie braucht, um wieder lebendig zu werden.

Absurde... Eine vollkommene Absurde, - seufzte Hermine auf. – Hast du Angst, dass Voldemort auf irgendwelche Weise in die Moore gelangen ist und dass Slytherin ihm jetzt hilft, zurückzukehren? Klingt das glaubwürdig?

Nicht sehr, - musste Harry gestehen. – Aber die Narbe kann nicht nur wegen der Erinnerungen schmerzen, Hermine! So oft und gemeinsam mit diesen Träumen... mit Träumen etwa?

Was willst du sagen?

Ich habe ein sehr schlechtes Vorgefühl, dass das passieren kann... Aber ich kann sicher sagen, dass ich diese Höhle und diesen Becher nie im Leben gesehen habe... Wozu braucht man große steinerne Becher mit vielen Runen darauf, Hermine?

Sie runzelte die Stirn.

War der Becher groß? – präzisierte sie.

Ja, dreimal so groß, wie unser größter Kessel für Zaubertränke. Oder sogar größer.

Dann ist es entweder ein Teil des großen Monuments, das du nicht gesehen hast, oder ein Opferbecher.

Opferbecher? – schauderte Harry.

Na ja, um dorthin das Blut der Opfertiere zu sammeln, - erwiderte Hermine ruhig, - und was? Hast du das Blut im Becher gesehen?

Nein, - antwortete Harry verwirrt. – Ich habe dort Wasser gesehen, oder so etwas. Und etwas Dunkles unter dem Wasser... Dann verstehe ich nichts. Aber wenn der Professor sagt, dass das wichtig ist, ist das wichtig.

Harry, denkst du aber nicht, dass..., - Hermine zögerte.

Sprich schon zum Ende, - forderte Harry finster.

Also, wenn du darauf bestehst... Professor Snape muss immer was zu tun haben, das ist ersichtlich. Sonst findet er keine Lust zum Leben. Und jetzt auch Azkaban... Wenn er sich ein bisschen hinreißen lassen hat, brauchen wir das nicht unbedingt zu wiederholen.

Ein bisschen hinreißen lassen? – empörte sich Harry.

Lass das, Hermine, - sagte Ron, - siehst du nicht, dass man ihn nicht umstimmen kann? Ich kann dir, Harry, eines sagen: wenn du etwas unternimmst, gehe ich mit und versuche dich vom Schlimmsten abzureden, Hermine geht auch jedenfalls, was sie auch sagen mag, - Hermine öffnete dabei den Mund protestierend, Ron stoppte sie aber. – Aber du musst vorsichtiger sein, mein Freund. Was das für ein Nutzen sein wird, wenn wir dich umsonst verlieren, ohne Zweck und Grund überhaupt?

Wenn ich nichts mache, verliere ich den Professor, - sagte Harry eifrig. – Für euch ist es nichts, und für mich ist das vieles. Er riskiert jetzt sich selbst wegen mir, weil er weiß, dass ich dazu fähig bin, sich nach den Mooren zu begeben. Und ich habe schon einen schrecklichen Fehler gemacht, der nächste kann sich als letzte erweisen.

Er verstummte. Ron sah ihn mitfühlend an, Hermine suchte Worte, fand sie aber nicht. Nach diesem langen Schweigen ging Harry ins Schlafzimmer und schrieb Malfoy einen kurzen Brief, er erkundigte sich nur danach, ob alles mehr oder weniger in Ordnung wäre, und sagte, dass der ihm jeden Moment schreiben konnte, wenn die Notwendigkeit auftaucht.

Die Schuleule brachte die Antwort erst am dritten Tag, der Brief war eher ein Zettel und enthielt einige Worte, mit denen Malfoy zeigen wollte, dass er selbst mit allem jetzt fertig sein konnte. Harry bezeichnete sich selbst als eine zu aufdringliche Person, wenn man seine Hilfe so offen ablehnte. Dann fiel ihm aber ein, dass Draco vielleicht daran wirklich nicht glaubte, dass Harry mit ihm verkehren wollte und nicht mit Ron und Hermine. Harry fühlte die echte Reizung schon wieder: wann hört man endlich auf, für ihn zu entscheiden, welche Absichten er genau hatte und was er damit äußern möchte, das ging ihm schon sehr auf die Nerven. Er zerknitterte den Brief und kehrte zu seinen Hausaufgaben zurück. Danach hat die Eule ihm eine Nummer von „Tagespropheten" gebracht, und er vertiefte sich in alle Artikel, die Holder gewidmet waren. Die Nachrichten wurden dort großzügig mit Details versorgt, Harry sah aber, dass die Vollendung fast in jedem Absatz fehlte. Er bekam ein seltsames Gefühl, dass „Tagesprophet" ernst dachte, dass diese Expedition bloß ein Ausflug war, der nur für die Festigung der Macht des Ministeriums wichtig war. Manchmal stieß Harry sich auf die Auftreten von Kingsley. Sie waren sehr vorsichtig, was Harry sehr enttäuschte, aber er musste bemerken, dass Kingsley immer an etwas anzudeuten versuchte, aber wegen des Drucks, den man auf ihn verübte, nicht mehr sagen konnte.

„Das Ministerkabinett muss zustimmen, dass diese Expedition, über die man schon seit langem diskutiert, sehr wichtig für unseren Status in der magischen Welt insgesamt ist. Die Beseitigung dieser Drohung kann wesentlich das Sicherheitsniveau beeinflussen. Aber ich möchte unterstreichen, dass die Maßstäbe dieses Unternehmens unangemessen groß sind. Gleichzeitig ist ein großes Teil vom Kontingent der Aurorkräfte unbeteiligt. Ich möchte jetzt eine aufrichtige Hoffnung äußern, dass der Leiter der Abteilung für innere Angelegenheiten unsere Sicherheit in den kürzesten Fristen leisten wird, weil sein Kabinett sich darin gut auskennt". Damit wollte Kingsley eigentlich seine eigene Nichtbeteiligung bezeichnen und leistete sich auch eine bestimmte Ironie gegen Holder. Obwohl Holder etwas darauf unternommen hatte, konnte Harry aus dem „Propheten" nicht erfahren. Das Warten machte ihn schon krank, er wartete auf irgendwelche bedeutende Nachricht, wie auf den Schluck nach der Luft. Aber die Zeit verging allmählich, und nichts passierte. Auch seine Narbe machte ihm nicht so viel Sorge, als ob man ihn überzeugen wollte, dass er eine Halluzination gehabt hatte. Das machte ihn auch böse, besonders weil die Freunde sich dazu ruhig verhielten.

Das Weihnachten war schon nah.

Eine dunkle Höhle im Ostengland, irgendwo zehn Meilen von den Grünen Mooren entfernt. Die Höhle wurde gut bewacht, mindestens dreißig Posten wurden ausgestellt, in der Nacht löste man sie ab. Das Kontingent war hier sehr gemischt, was einen allerdings wundern konnte, aber der Leiter der Expedition machte sich deswegen keine Sorge, weil er sicher war: wenn es um den Erfolg des Unternehmens geht, kann man solche Unterschiede vernachlässigen. Man konnte aber nicht behaupten, dass die Auroren, die mit Vampiren zusammenarbeiten mussten, irgendwelche Unzufriedenheit demonstrierten, umgekehrt, warteten sie nur darauf, wann sie ihren Anteil der Schätze bekommen. Einige vermuteten ernsthaft, dass das alles für das allgemeine Wohl gemacht würde.

Mr. Holder saß im Zentrum der Höhle, von dort aus leitete er den ganzen Prozess und kontrollierte seine Untergebenen. Auf dem altertümlichen polierten Tisch vor ihm lagen zahlreiche Pläne und Karten. Holder selbst sah müde aus, irgendwelche neue Details brachten ihm neue Sorgen. Zum Beispiel wurde ihm die letzte Nacht berichtet, dass das Pfad, das auf der bekannten Karte deutlich zu sehen war, nicht mehr existierte, weil es bloß unter dem Wasser war. Jetzt musste er einen anderen Weg finden, der ins Innere des Bergs führen wird. Und das war eine echte Aufgabe für das Gehirn. Holder hatte schon einige Hunderte Zigarren ausgeraucht, bewegte sich aber langsam nach vorne. Besonders rasend machte ihn das Bewusstsein, dass die Leute, die scheinbar unter seiner Kontrolle standen, ihm entwischt sind. Wenn er sich daran erinnern musste, fing er an, auf und ab zu gehen.

Im Licht der Kerzen entstand die riesige Figur von Karlos. Er war verdrossen. Holder tat, als ob er ihn nicht bemerkt hätte. Seit den letzten Ereignissen war Karlos kein Günstling mehr.

Mein Herr, wir können jetzt sicher behaupten, dass wir den Weg gefunden haben.

Vor zwei Wochen hast du dasselbe gesagt, na und? – erwiderte Holder unzufrieden. – Weißt du, wann ich mir zum ersten Mal Gedanken zu machen begann, mit wem ich eigentlich arbeite?

Mein Herr, - wiederholte Karlos hartnäckig, - prüfen Sie es, wenn Sie kein Vertrauen zu mir mehr haben, aber...

Vertrauen? Über welches Vertrauen kann man sprechen, wenn...

Darf ich mich verbessern?

Meinst du, dass die Gelegenheit sich dir bieten wird? – Holder machte kleine Augen.

Ja, ich glaube so. Sie wissen doch die letzten Nachrichten, der Minister verdächtigt uns. Man wird versuchen, uns zu stören. Ich kann nur nicht fassen, mein Herr, warum Potter schweigt.

Weil er dann gestehen müssen wird, woher er selbst die Information bekommen hat, und das tut er nicht. Wann er diese Möglichkeit endlich erlangt, wird es schon zu spät sein, - antwortete Holder faul. – Aber das war ein sehr großer Fehler unsererseits, verstehst du, Karlos?

Ja, mein Herr, - verbeugte Karlos sich. Dann sagte er rasch. – Darf ich aber diesen Fehler verbessern, darf ich?

Wenn du es schaffst, - Holder sah ihn mit Bedenken an.

Ich schaffe das! – fauchte Karlos zornig. – Das ist schon was Persönliches für mich!

Gut, - nickte Holder ausdruckslos und vertiefte sich wieder in die Pläne. Dann drehte er sich aber um und fügte hinzu: - Du darfst gehen. Nach einer halben Stunde erwarte ich eine ausführliche Rechenschaft über diesen sozusagen Weg.

Ja, mein Herr.

Karlos verschwand. Holder sah ihm für eine Weile nach, zischte nur ein Wort „Enthusiast" höhnisch und ging zum niedrigen Schrank, der im Schatten stand. Er selbst hatte keinen Zweifel, dass er Severus Snape noch sehen wird und dass das irgendwelche Unannehmlichkeiten mitbringt, aber er war nicht sicher, ob Karlos es schaffen wird, diese ernste Gefahr loszuwerden. Man soll nie einen Feind unterschätzen, das hatte er tausendmal im Leben wiederholt, ist aber auf dieselben Harken getreten. Aber das war das letzte Mal, dachte er und öffnete den Schrank. Dort bewahrte er die teuersten Zigarren in der magischen Welt und die Kopie der Karte. Er holte sie raus und ging zum Tisch wieder. An der steinernen Wand dem Tisch gegenüber hing ein großer Spiegel, weil Holder hier sozusagen ein zweites Haus hatte. Holder beugte sich über der Karte, als ein sonderbarer Abglanz im Spiegel ihm vorkam. Er stand auf und ging vorsichtig zum Spiegel. Die gläserne Fläche war ruhig und reflektierte das künstliche Kabinett wie immer. Holder wollte schon sich abzuwenden, als die Reflektion verschwand. Er schrie nicht auf, weil er zu viel Angst bekommen hatte. Jetzt war die Fläche schwarz, dann aber sah er einen Menschen irgendwo in der Tiefe des Spiegels. Das war ein hoher und edler Greis, er trug einen sehr langen schwarzen Umhang, der abgetragen und stellenweise zerrissen war. Holder konnte seinen Blick von diesem Greis nicht abwenden, vom Entsetzen gepackt, versuchte er das Gesicht zu erkennen, denn es kam ihm merkwürdig bekannt vor. Der Greis hielt plötzlich und hob seine Augen. Die waren ohne Augäpfel, von ihnen aus schlug seltsames Licht, im nächsten Moment begriff Holder, dass das eher ein Skelett von einem sehr alten Menschen war, die Haut war gelb und schuppte sich. Trotzdem schien der Greis sehr rüstig, er hielt auch einen Zauberstab, das hat Holder erst jetzt bemerkt und holte instinktiv seinen raus.

Der Greis lachte. Das Lachen verklang nur im Spiegel und gar nicht in der Höhle, Holder schauderte, senkte aber sein Waffen nicht.

Die Stunde ist nah, - sagte der Greis in tiefer und sicherer Stimme. – Du siehst jetzt die Vergangenheit und die Gegenwart, und jetzt ... – das Bild im Spiegel kräuselte sich wie im Rauch und plötzlich sah der Greis schon viel jünger aus, - siehst du die Zukunft.

Wer sind Sie? – Holder erkannte seine eigene Stimme nicht.

Könntest schon darauf gekommen sein. Ich habe auf dich so lange gewartet, sehe aber einen Menschen, der an nichts glaubt, vor mir! Wer konnte das ahnen?

Ich... ich verstehe... anscheinend... Aber was kann ich dafür? – stammelte Holder, spürend, dass kein Zauberstab ihm helfen wird.

Du kannst etwas für mich machen. Das alles, was du um dich herum siehst, ist mein Reich, ich habe das geschaffen, und niemand geht davon raus, wenn ich das nicht will. Aber ich muss meine Kräfte wiedererlangen. Ich brauche nur ein bisschen mehr... Opfer auf meinem Altar. Und du kannst viele Opfer mitbringen, nicht wahr?

Ich? – stotterte Holder.

Du. Nicht jeder kann das zur rechten Zeit machen. Und dann sagst du einen einfachen Spruch, der wird auf dem Opferbecher erscheinen. Und länger will ich nicht warten, - die Stimme des Greises – oder war er einfach ein Unsterblicher – verwandelte sich in ein Zischen.

Warum sind Sie so sicher, dass ich es tue? – protestierte Holder. Wenn ich diesen Becher und Ihr „Altar" einfach vernichte? Haben Sie daran etwa nicht gedacht?

Doch. Narr, du weißt nicht, wie man das vernichten kann und du tust alles, was ich dir sage, nicht weil ich dich zwinge. Du tust es, weil es für dich günstig ist.

Wirklich?

Selbstverständlich. Du wirst solch eine Macht bekommen, von der du nicht einmal geträumt hast. Und die Schätze, erinnerst du dich an sie? Man braucht keinen Stein der Weise, um Metalle ins Gold zu verwandeln. Und ich habe die Kenntnis, und ich gebe sie dir.

Wieso denn soll ich Ihnen glauben?

Darin liegt all die Frage: es ist besser für dich, mir zu glauben, das ist eine Vorbestimmung, und wenn du daran einfach glaubst, wird es leichter gehen.

Leichter? Ich... ich kann...

Du kannst nichts! – antwortete der Mensch im Umhang scharf. – Du siehst jetzt bloß ein Phantom, einen Schatten, du kannst diesen Spiegel zerstören, aber du bist jetzt in meinem Reich, meinst du wirklich, dass ich dich nicht wieder finde? Ich kann dich auch im Schlafen, wann jeder Mensch wehrlos ist, besuchen, und du wirst dann zu meinem Sklaven. Ich brauche aber keinen Sklaven, ich brauche einen Verbündeten, ich habe zu wenige Kräfte, damit man meinen Körper einen Körper nennen konnte. Niemand weiß, wo er liegt, aber das Blut, das sich zur bestimmten Zeit mit dem Wasser vermischt, wird reichen, um mich zu beleben, und es gibt keine Kraft auf der Welt, die mir etwas entgegenstellen wird. Ich schlage dir jetzt also, zusammenzuarbeiten. Du wirst es nicht bedauern.

Ich habe keinen anderen Ausweg, - sagte Holder, nahm sein Taschentuch und wischte seine Stirn ab.

Du hast, aber das ist kein Ausweg, sondern ein Eingang.

Warum ich? – fragte Holder hoffnungslos.

Jeder macht etwas in der Geschichte zur bestimmten Zeit, ist das doch ein Geheimnis für dich?

Holder antwortete nicht, er sah den Mann, der wieder zum Greis wurde, nicht an, er wusste ganz genau, dass er ihm nicht vertrauen sollte, aber die leuchtenden Augen des Gesprächspartners brannten ihn durch. Holder erwog alles noch einmal und nickte.

Sei bereit, man wird dich stören, aber je mehr Menschen kommen, desto besser, der Becher kann nie voll sein, - der Greis brachte in ein grausames Gelächter aus, und nach einer Sekunde sah Holder nur sich selbst, blass und mit Schweiß bedeckt.

„Eigentlich ist alles gar nicht so schlimm, - dachte er nach einer Weile, - wenn der nicht lügt. Dann kann ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, nicht wahr? So viele Feinde in einem Ort an einem Tag zu vernichten? Das ist doch ein echter Traum! ... Moment mal... Was für ein Tag wird das sein?" Sein Blick fiel unwillkürlich auf den Abreißkalender neben dem Spiegel, er war merkwürdigerweise auf dem März geöffnet, und ein Datum – der 22. März – wurde mit einem Rund bezeichnet. „Die Frühlingstagundnachtgleiche", - schlussfolgerte Holder und rechnete im Kopfe nach, es wäre das Datum der sagenhaften Schlacht neben dem Verwünschten Berg. Es kam ihm als ein schlechtes Vorzeichen vor. Wie dem auch sei, achtete er nicht mehr auf solche Gedanken, die ganze Nacht erfand er neue Erklärungen für sein zukünftiges Zögern.

Das Tageslicht blendete. Überall lag Schnee, und das Meer schien schwarz und drohend. Vor einer Woche zeichnete sich Ron Weasley mit einem hervorragenden Sprung vom Pier ins eiskalte Wasser aus. Es könnte sich nicht so schlimm geendet haben, wenn das Meer genau am Ufer nicht so seicht wäre... Also außer Erkältung bekam der Kühne ein paar empfindliche Stöße, und sein Mädchen war gar nicht begeistert.

Ein Idiot! Er könnte sich stark kaputtgeschlagen haben! – beklagte sie sich bei Harry.

Ja. Aber, Hermine, du kannst es nicht verneigen, dass er das wegen dir gemacht hat.

Was? – Hermine stemmte die Hände in die Seiten und fauchte geärgert: - Was soll das bedeuten? Habt ihr beide bloß gedacht, ich würde davon begeistert sein? Habt ihr? Und jetzt erwartet er, dass ich ihm um den Hals falle und um Verzeihung bitte?

Ich weiß nicht, - antwortete Harry ehrlich. Vor kurzem hat sich dieses Pärchen schrecklich verzankt, und jeder von ihnen machte den anderen schuldig. – Aber es wäre jetzt angebracht, sich zu versöhnen, meinst du nicht?

Ich?... Ich werde daran morgen denken, - Hermine beruhigte sich allmählich, und das bedeutete, dass Harry bald mit ihr wieder sprechen konnte. – Sag mir lieber, wann hörst du mit deiner Trübsal auf?

Das ist keine Trübsal... Das ist vor Untätigkeit, - Harry sah sich die weißen Wellenkämme ganz am Ufer an und wollte nicht fortfahren.

Untätigkeit? – Hermine tat, als ob sie ihn nicht verstanden hätte. – Aber du sollst dich so viel Mühe gegeben haben, um an der Schule zu bleiben, ich habe doch gesehen, wie du gearbeitet hast.

Du weißt, Hermine, stell dich nicht, dass ich das machte, um etwas zu machen! – erwiderte Harry unzufrieden. – Ich weiß, dass es für dich und Ron angenehmer ist, wenn nichts Schlimmes vorkommt...

Fange nur nicht an, - Hermine verzog sich.

Gut, ich habe schon sowieso keine Hoffnung, dass ihr mir einmal zuhört.

Aber du hast keine Möglichkeit, etwas zu unternehmen. Ich habe dir schon vor zwei Tagen gesagt, dass ich mir alles einige Male überlegt habe.

Hat es dir geholfen? – erkundigte Harry sich bissig.

Ja, - antwortete Hermine mit Würde. – Und ich habe schlussfolgert, dass auch wenn Holder nichts über den Geist von Slytherin – und über Voldemort erst recht – weiß, ist das kein gutes Unternehmen. Wenn er aber weiß, dann haben wir einige Fragen, und die Antworten bekommen wir nur aus Vermutungen, was mir nicht gefällt.

Und ob, - erwiderte Harry und lehnte sich gegen die Wand im Korridor. – Ich habe die Karte schon durchaus studiert, und ich weiß, dass er dank meinen Nachweisungen das Zentrum des Berges erreichen kann. Vermutlich findet man dort einen Schatz. Aber... aber ich weiß, dass das nicht so ist. Dort befindet sich diese verdammte Höhle, der See und der Becher mit Runen.

Woher weißt du das?

Ich sehe diesen Traum immer öfter, ich kann mir alles ganz deutlich vorstellen, - Harry schloss die Augen müde. – Hermine, ich bin sicher, es wäre eine Falle. Für alle. Das Gemeinste ist, dass ich selbst so viel über die Unsterblichkeit und über diejenigen, die nach ihr gesucht haben und immer noch suchen, weiß, kann aber keine Antwort geben. Wie, Hermine? Wie?

Ist das denn die Sache, mit der du dich in der letzten Zeit beschäftigt hast? – fragte Hermine enttäuscht. – Ich dachte, du studiertest.

Ein bisschen, - schmunzelte Harry. – Ich habe eine Unmenge Informationen gefunden, habe über zahlreiche Experimente und Verwandlungen gelesen, aber der Becher gibt mir keine Ruhe, er tritt nirgendswo auf.

Das ist merkwürdig. Das bekräftigt aber meine Theorie, dass Slytherin eine eigene Weise erfunden hatte, mit einem bestimmten Risiko und Tiefsinn.

Es bleibt uns nur erfahren, was das für eine Weise ist, - Harry sah verzweifelt aus.

Ich meine, man braucht einen Spruch dazu, einen seltenen und fast bestimmt unbekannten, - Hermine war mit der Idee gepackt. – Aber, Harry, niemand weiß diesen Spruch. Oder meinst du, dass Holder ihn wissen könnte?

Vielleicht, - Harry verstummte für eine Weile. Er wusste, dass Hermine das sich nicht gern anhören würde, sagte aber leise: - Wir müssen uns doch mit dem Professor zusammenschließen.

Aber er will nicht, - Hermine zuckte die Achseln, dann fragte scharf: - Wenn auch schon Malfoy so viel über unsere Pläne weiß, kannst du ihm eine Zusammenarbeit anbieten, nicht wahr?

Wann hörst du auf, mich an diesen Fehler zu erinnern? – knurrte Harry.

Wie geht es ihm eigentlich? – fuhr Hermine sorglos fort.

Hat mir nichts mehr nach dem ersten Brief geschrieben. Ich auch... ich weiß aber nicht, was...

Ein ewiges Problem, - Hermine verdrehte die Augen. – Harry, wenn du es wirklich so willst, ihn zu rehabilitieren, sollst du nach Hogwarts fahren und dann... warum soll ich das dir immer wieder erklären? Was ist los mit dir?

Du hast recht, wie immer, werde dieses Wochenende versuchen.

Dieses Wochenende sammeln wir uns bei dir, auf dem Grimmauldplatz.

Warum? – Harry verstand, dass er etwas vergessen hatte.

Was soll das heißen – warum? Es weihnachtet.

Ach, ja! Wie konnte ich nur... ja, Hermine, wir haben ein Fest, und lassen wir Holder zum Teufel gehen!

Das ist schon was Vernünftiges! – erfreute sich Hermine. – Außerdem, wenn du den „Propheten" aufmerksam gelesen hast, wird die Expedition auf Frühling verschoben.

Wirklich? – der Umstand hat Harry sehr interessiert, er hatte ein seltsames Gefühl, konnte es aber nicht identifizieren. – Dann lassen wir uns entspannen.

Hurra! – grinste Hermine.

Aber...

Was denn?

Ich möchte mit dem Minister sprechen, - sagte Harry fest, - wenigstens, mit McGonnagal. Ich muss jemandem, der an der Macht ist, über meine Verdächte erzählen, auch wenn man mich nicht ernst nimmt.

Harry, - sagte Hermine vorsichtig, - Holder pflegt doch Fulmenhard.

Ja, ein kleines Hindernis, - erwiderte Harry unbeugsam, - aber das ist schon ein vortrefflicher Anlass, um zu versuchen, ein Kontakt mit dem Professor wiederaufzunehmen.

Hermine schüttelte den Kopf mit Bedenken.

Kapitel 13. Geschenke sind keine Pflichten, sie sind Liebesgaben.

Wenn der Berg nicht zu Mohammed kommt, muss Mohammed zum Berge kommen"

(Harry Potter, laute Gedanken)

Von Morgen an war schon alles anscheinend mit den Schneewehen bedeckt. Als die drei Freunde die Aurorschule verließen, versanken sie bis an den Gürtel im dichten Schnee. Hermine freute sich über die langsam herabfallenden Schneeflocken und fing sie mit den Händen in flaumigen Fäustlingen. Ron beobachtete sie mit einem seltsamen Lächeln: er hustete immer noch oft, aber sein Ziel war teilweise erreicht, weil Hermine sich sehr für seine Gesundheit interessierte. Harry hüllte sich wärmer in seinen Wintermantel ein und plante den bevorstehenden Tag. Gemeinsam haben sie beschlossen, nach London in drei Etappen für Sicherheit zu apparieren und nicht mit dem Besen zu fliegen, der Frost war ziemlich fühlbar. In London erwartete eine gründliche Vorbereitung zum Fest auf sie. Harry zupfte sich an seinem neuen und sehr schönen Strickschal, den Hermine selbst für ihn gemacht hatte, ihre Fähigkeiten haben sich sehr verbessert. Ron schenkte ihm einen reichen Satz von allerlei Ingrediens für besonders komplizierte Zaubertränke. Harry wusste, dass solch eine Sache sehr selten und teuer sein musste, Ron verzichtete aber auf irgendeine Erklärung. Hermine hatte Harry allerdings beruhigt: sie konnte Rons Geheimnis nicht verraten, teilte aber mit, dass das Geschenk legitim erworben wurde.

Harry presste das kleine Ding in seiner Tasche. Er war unsicher, ob er es jetzt schenken durfte, wollte aber mit niemandem raten, die Samtschachtel schien ihm heiß, und er holte die Hand aus der Tasche von Zeit zu Zeit raus. Der Tag versprach von Anfang an reich an Ereignissen zu sein. Harry zweifelte stark daran, ob ihm Nerven reichen, ihn zu überleben, aber er konnte sich nicht lange aufregen, weil Ron sich ständig an ihn wandte, um etwas über Hermine noch herauszufinden.

Nach einer Weile erreichten sie London. Bekannte Straßen und Gassen, bunte Schilder von verschiedenen Firmen und Geschäften, große und kleine Tannenbäume in Fensterscheiben und an Ecken, die hellen Kerzen in den Fenstern von Häusern, denen sie vorbeikamen – alles strotzte von unvergesslichem Weihnachtsgeruch, der alles häuslich und gemütlich machte, sogar die vergessenen Elendsviertel irgendwo am Rande der Großstadt. Das Haus Nummer 12 erwartete seinen Besitzer. Dort waren schon Ginny, Fred und George, Luna und Neville, und auch Lee Jordan. Sie gemeinsam mit brummenden Kreacher brachten das Haus in Ordnung. Das war eine echte Überraschung für Harry, und er konnte zuerst überhaupt nicht reden.

Denke bitte nicht, dass das unser Geschenk für dich wäre, - sagte George lustig, - die wahren Geschenke warten auf dich dort, unter dem Tannenbaum, und wir haben hier noch etwas zu tun! – er blinzelte seinem Bruder zu, und die beiden gingen nach oben, um „etwas Besonderes" zu holen, wie Harry vermutet hat.

Harry.

Das war Ginny. Es fiel ihm plötzlich ein, dass er sie nicht einmal begrüßt hatte. Sie lächelte ihm aufmunternd zu. Sie hatte ein sehr nettes wollenes Kleid an, das ihr sehr stand, und Harry besserte sich sofort und lobte ihr Aussehen. Sie lachte zufrieden und zog ihn zum Tannenbaum, wo man schon aktiv Geschenke austauschte. So viele Geschenke hatte Harry noch nie bekommen, und alle haben etwas Nötiges und Nettes zugleich gefunden, dort waren auch Geschenke von Mr. und Mrs. Weasley, von Andromeda Tonks, von Kreacher, von diejenigen aus der DA, die zu Hause feierten, und natürlich von Hagrid, und schon wieder von Professor McGonnagal. Zu seinem Erstaunen sah er auch etwas von Mr. Ollywander und von Xenofilius Lovegood. Die strahlende Luna erklärte ihm, es wäre ein ganz gewöhnliches Futteral für den Zauberstab, wenn man ihn lange nicht braucht. Das Futteral blieb immer trocken und weich, und ließ sich nicht verzaubern. Hermine vermutete nicht ohne Spott, dass die Sache irgendwelche verborgenen Eigenschaften haben musste, was Luna sehr beleidigte. Der Konflikt wurde aber schnell beigelegt.

Hör ihr nicht zu, sie tut es aus Neid, - flüsterte Luna Harry zu. – Papa wollte sich all diese Zeit entschuldigen, aber du weißt nicht, wie schüchtern er wird, wenn er schuldig ist.

Ich habe schon fast vergessen, kannst ihm das ausrichten, - lächelte Harry, indem er das seltsame Futteral betrachtete. Luna erglänzte wieder.

Wann warst du in Hogwarts letztes Mal? – fragte sie unerwartet.

Etwas stach Harry in die Brust. Er sah sie erstaunt an, konnte aber die Andeutung nicht fassen.

Ziemlich lange, und du?

Ich – vor zwei Wochen. Habe den lieben Hagrid besucht. Er interessierte sich so für meine zukünftige Dissertation über Blabbering Himgingers, kannst dir nicht vorstellen. Und ich dachte... ich dachte, du würdest Hogwarts auch oft besuchen...

Weshalb? – Harry vermied ihren Blick.

Na, es kam mir vor, dass dieser seltsame Junge, Draco, dich braucht. Oder hab ich nicht recht?

Er hat sich aber dagegen geäußert, - grinste Harry unlustig.

Das ist schade, - sagte Luna traurig. – Ich habe ihn nicht gesehen, und Hagrid konnte mir auch nicht sagen, wie es ihm ginge.

Wenn ich diese Ferien dorthin gehe, gebe dir Bescheid, - versprach Harry.

Danke, - sie lächelte und fügte dann hinzu. – Und im Schloss war ich auch. Filch schimpfte sehr, aber Professor McGonnagal hat mich gerettet. Ich gehe gern im Schloss spazieren, einfach so, um sich an alles zu erinnern.

Wirklich? – wunderte Harry sich.

Na ja, da gibt's aber so viele schöne Erinnerungen. Das Schloß ist voll von ihnen. Und auch unterhalte ich mich oft mit den Gespenstern.

Du bist überraschend.

Gar nicht, es ist doch selbstverständlich, nur Gutes zu sehen, - da wurde sie aber wieder ein bisschen traurig. – Weißt du, einmal stieß ich zufällig auf Professor Snape. Ich erwartete es natürlich nicht, dass er in Hogwarts ist, aber das ist logisch, Hogwarts ist ein guter Ort zum Verstecken.

Und was hat er dir gesagt? – fragte Harry erschrocken.

Er war natürlich nicht froh, es war schon sehr spät, und er musste damit rechnen, dass niemand ihn in diesem Korridor bemerken sollte. Aber ich versicherte ihn, dass ich ihn nicht verrate, und er hat mir geglaubt, ich meine. Ich denke, das kümmerte ihn im Moment gar nicht so, er schien in den Gedanken versunken zu sein, habe ihn so nie gesehen. Er ist sehr betrübt und müde, und spricht wahrscheinlich mit niemand. Ich dachte, dass du mit ihm sprichst, nicht wahr?

Schon nicht mehr... ich habe einen Fehler begangen, - Harry seufzte auf. Die Freude vom Fest war verschwunden.

Was du nicht sagst! Das ist doch kein Anlass, um nicht zu kommunizieren! – Luna schlug die Hände zusammen. – Man sieht dir ja an, dass du dich nach ihm sehnst.

Kein Bein! – erwiderte Harry empört. – Weshalb denn?

Wozu denn sich so aufzuregen? – lächelte Luna. – Heute ist doch Weihnachten, alle müssen sich versöhnen, sonst kann man das Fest nicht richtig empfangen.

Alles ist gar nicht so einfach, wie du denkst, - schaute Harry finster drein.

Du sollst aber deine Versuche fortsetzen. Außerdem ist heute so ein schöner und heller Tag, heute wirst du es schaffen.

Bin nicht sicher.

Jedenfalls überbringe ihm und Draco einen Gruß von mir, OK?

Ja, - murmelte Harry erstaunt, während sie schon in die Küche ging.

Er dachte natürlich schon daran, schon wieder nach Hogwarts zu gehen, um noch einmal zu versuchen. Aber nur Luna hat ihm bewiesen, wie es wichtig war. Er selbst war im Innersten sicher, dass man auf ihn gar nicht wartete und dass es sich nicht lohnte, die Zeit zu vergeuden. Heute ist Weihnachten... Für Luna bedeuteten diese Worte etwas Besonderes, ganz klar. Und für Narzissa Malfoy auch bestimmt. Harry stand in Nachdenklichkeit, und dann hörte er Ginnys Stimme.

Fühlst du dich gut?

Ja, - er drehte sich um und nahm ihr bei der Hand. – Komm, ich will dir was zeigen.

Er führte sie nach oben, sie kamen der Tür vorbei, hinter der Fred und Georges Stimmen zu hören waren. Sie besprachen vielleicht Feuerwerke. Es lärmte aber in Harrys Kopf so, dass er nichts verstand und nichts hörte. Dann öffnete er den Raum von Sirius, wo er jetzt selbst wohnte, und schloss die Tür. Ginny war neugierig, sie setzte sich aufs Bett, legte ein Bein auf das andere und starrte ihn wartend an. Er wurde stumm für einige Sekunden.

Ich... habe ein Geschenk... für dich... ach ja, ich wollte danken... für dein Kölnischwasser... wunderschön... also...

Sie sah ihn erstaunt an. Aber ein leichtes Lächeln spielte schon auf ihren Lippen. Harry nahm sich zusammen, kam auf sie zu und reichte ihr die Schachtel. Dann versteckte er die Hände hinter den Rücken aus unbestimmten Gründen. Ein wichtiger Schritt war gemacht.

Ginny sah die Schachtel an, dann führte den Blick zu Harry über, er hielt ihn dabei nicht aus, und öffnete dann das Geschenk. Ein goldener Ring kam zum Vorschein, mit drei Rubinen und einem Rauchtopas geschmückt. In der goldenen Fläche wurde sein Name eingraviert. Ginny hob den leuchtenden Blick.

Das ist ein Ring, - sagte Harry und verstummte.

Ich sehe, - erwiderte sie leise. – Und was soll das bedeuten?

Harry wurde auf einmal verwirrt. Er wusste schon die passenden Worte, fand sich aber nicht zurecht. Dann stotterte er:

Also, ich denke... jetzt bist du auch volljährig (was für ein dummes Zeug verzapfte er nur!)... Und jetzt könnten wir... na, du verstehst. Jetzt darf ich dir so was schenken, wenn ich es will, und niemand kann etwas erwidern...

Erwidern? – Sie erwartete etwas Anderes bestimmt. – Wer denn? Meinst du Ron? Das ist doch lächerlich! Er seinerseits hätte nicht daran gedacht, wenn er... Harry, das ist aber merkwürdig!

Was gibt's hier Merkwürdiges? – wurde Harry ganz verlegen. Alles ging schiff. – Jetzt fühle ich mich viel freier, wenn man so sagen kann...

Und deshalb schenkst du mir einen Ring? Wegen meiner Volljährigkeit?

Ja... Nein! Ginny, hör mal, ich habe viel an uns gedacht... Natürlich habe ich das nicht wegen deiner Volljährigkeit gemacht! Ich dachte viel daran, wie es zwischen uns... weitergehen könnte, verstehst du?

Ein bisschen.

Na ja, und ich wollte das irgendwie äußern, nicht in Worten... Also, das heißt... damit du dir meine Vorsätze gut verstehst...

Oh, - Ginny sah wieder den Ring an und dann lächelte. – Und das bedeutet, dass...

Ja, das bedeutet... dass meine Vorsätze ganz ernsthaft sind, - Harry errötete, konnte aber seinen Blick von ihrem Gesicht nicht abwenden, das Herz klopfte, die Kehle war ihm total ausgetrocknet.

Harry, - sagte Ginny lächelnd, - du... stellst dir nicht einmal vor, was das für mich bedeutet.

Doch, ich stelle mir das vor! – erwiderte er eifrig. – Jetzt wird niemand was über uns ausdenken, alle werden jetzt wissen, dass alles ernst ist!

Harry, - jetzt lachte sie schon, - du bist ein vollkommener Baby!

Ich? – Harry wurde wieder verwirrt.

Du hast bloß nichts verstanden!

Und was sollte ich denn verstehen?

Jetzt wird das mein Geheimnis bleiben, - schmunzelte sie schlau.

Nun gut, - sagte er nicht ganz befriedigt. Dann nahm er aber ihre linke Hand und den Schmuck und legte ihn an den Ringfinger an. – Jetzt sind wir...

Ver-lobt, - flüsterte sie langsam und sah ihm in die Augen.

Ja, und nach dem Studium...

Kannst du aber deine Meinung ändern, - scherzte sie und umarmte ihn.

Nie im Leben! Wie kannst du so was denken? – er streichelte sie übers Haar und dann spürte ihre feuchten Lippen auf seinen.

Nach einer halben Stunde kehrten die beiden ins Besuchszimmer zurück, wo der Tisch schon aufgedeckt war. In der Ecke thronte Hagrid. Er begrüßte Harry herzlich, und Harry und Ginny setzten sich neben ihn. Hagrid verbrachte das Weihnachten gewöhnlich in Hogwarts, konnte aber Harrys Einladung nicht vernachlässigen. Und er erzählte ausführlich über Hogwarts' Angelegenheiten, und Harry, mit Glück betrunken, lächelte ihm und allen anderen im Raum töricht zu.

Es ging dort hoch her. Die Zwillinge scheuten ihre besten Feuerwerke und Knallbonbons nicht. Außerdem waren alle Süßigkeiten auf dem Tisch mit Überraschungen (diesmal, harmlos und lustig), und man konnte nie ahnen, was jede von ihnen enthalten konnte. Der ganze Raum und die Küche waren festlich geschmückt, es gab sogar drei Tannenbäume im Haus, im Salon war bloß der größte. Nach dem zweiten Gang machte man den Platz für Tanzen frei, und der Abend wurde noch besser und lustiger, die Atmosphäre war ausgezeichnet.

Während des vierten Tanzes platzte Harrys Narbe plötzlich mit dem fürchterlichen Schmerzen. Er stöhnte leise und fiel mit dem Kopf auf Ginnys Schulter. Sie brachte ihn sofort in die Küche und setzte entschlossen auf den Stuhl.

Was, Harry?

Nichts, gehen wir tanzen.

Du bist aber blass! Und lüge mir nicht, - sie benetzte eine Serviette mit kaltem Wasser im Spülbecken und reichte sie Harry. – Ist es jetzt besser?

Ja, danke, - musste er gestehen.

Was hast du vor, zu tun?

Wie meinst du das?

Stell dich nicht. Du weißt, was das bedeutet, und du hast darüber schon gesprochen.

Ginny, das ist aber nicht der erste Anfall, das macht nichts aus.

Sage keine Dummheiten! Geh jetzt und sprich mit ihm!

Mit wem?

Wiederhole noch einmal: stell dich nicht! Du weißt, wen ich meine. Und das ist sehr wichtig, Harry, und wird immer gefährlicher für dich, du sollst doch alles selbst wissen. Und ich auch bin darauf gespannt, wann das alles enden wird. Und womit...

Weißt du... Ich gehe meinetwegen, aber... Ginny, heute ist Weihnachten, ich kann doch nicht so einfach abzittern!

Dann gehen wir schnell in die Winkelgasse und besorgen etwas dort, das ist doch keine Frage!

Was? – Harry weilte im starken Stupor. – Gehst du mit?

Ja, und du kannst damit nichts tun, du siehst schlecht aus!

Ginny, da gibt's aber gar keine Notwendigkeit! – versuchte Harry zu erwidern, die Tür ging aber auf, und strahlende Luna erschien an der Schwelle.

Oh, Harry... Ginny... Entschuldigung! – sie kicherte, unter der Wirkung von Feuerwhisky wurde sie noch einzigartiger.

Harry kam zu sich und ging schnell zur Tür. Luna sah ihm erstaunt nach.

Was hab' ich falsch gesagt? – stotterte sie.

Nichts, - tröstete Ginny sie. – Geh zu den Gästen und sage ihnen... wir müssen ausgehen... für eine Stunde oder so etwas.

Was soll ich denn sagen, wenn sie mich ausfragen werden?

Etwas, - Ginny klopfte sie auf die Schulter, rannte in den Korridor, riss ihren hübschen Mantel vom Haken ab und verließ das Haus. Harry schloss sich ihr in der nächsten Sekunde an.

Weißt du, das ist eine schlechte Idee, - sagte er unentschlossen, als sie schon die Winkelgasse vor sich sahen und sich zum ersten Laden eilten.

Warum denn? – Ginny versteckte ihr Gesicht im Schal und fragte dann scharfblickend: - Hast bloß keine Ahnung, was das sein könnte?

Genau, - Harry zögerte vor der Ladentür. – Was, wenn ich einfach ihm gratuliere?... Nein, im Ernst, Gin, ich bin nicht geldgierig, aber... ich weiß wirklich nicht!

Meinst du, dass er Geschenke oft bekommt? – Ginny kniff die Augen zusammen. – Ich – nicht.

Ich auch, - musste Harry gestehen, - aber es ist mir ganz flau zumute, wenn ich an... an den Prozess selbst denke...

Denke dann daran nicht, - Ginny zuckte die Achseln, griff nach der Türklinke, hielt plötzlich und sah Harry an: - Willst du das machen, das ist das Wichtigste!

Ja, - Harry fühlte, dass er die Wahrheit sagte und dass es ihm allmählich leichter wurde. Ginny lächelte.

Dann überlass das mir und kümmere dich nur um den Prozess... aber nicht so sehr.

OK.

Ginny betritt den Laden, Harry bemerkte erst jetzt, dass es ein neuer Laden wäre. Er konnte nur mit Mühe urteilen, worauf der sich spezialisierte: so vielfältige Waren gab es dort: Antiquitäten und ganz neue Dinge, darunter Musikinstrumente und Bücher, Attribute für besonders schwere magische Manipulationen und Zaubertränke, Wanduhren und Waffen aller Jahrhunderte. Harry bewunderte die Fensterscheibe und gab sich Mühe, an nichts mehr zu denken. Es gab so viele Dinge im Raum des Ladens, dass er Ginny nicht sehen konnte. Wahrscheinlich feilschte sie mit dem Verkäufer, was Ginny aber gar nicht ähnlich war. Harry hatte Angst, dass seine Beine zufrieren werden, außerdem machte ihn die verdichtende Finsternis nervös.

Da ging die Tür auf, und er sah die glückliche Ginny, sie reichte ihm ein mittelgroßes Bündel, und Harry betastete ihn behutsam mit den Fingern.

Hab' keine Angst, - lachte sie, - hol ihn daraus!

Und was ist das?

Wenn er ein Auge dafür hat, wird es ihm gefallen.

Gefallen? Kann etwas ihm überhaupt gefallen?

Harry, du bist böse.

Nicht im Geringsten. Aber du hast ihn nicht gesehen... ich meine, wie er mich jetzt ansieht und anspricht... Aber ich tue das!

Für ihn? – Ginny spannte sich etwas an. Harry sah ihr in die Augen und erstaunte. War das für sie wichtig oder wollte sie ihn bloß unterstützen?

Ja, - antwortete er und wendete den Blick ab. – Und für mich auch. Muss aufklären.

Harry griff mit der Hand ins Bündel und holte einen uralten Dolch in Scheiden daraus. Er war einfach, Harry verstand aber, dass er eine sehr wertvolle Sache in der Hand hielt. Der Dolch hatte einen Griff aus unbekannter Sorte des Holzes mit Schnitzerei, dunkel und warm. Harry wunderte sich über diese Wärme und führte mit dem Finger über die Klinge. Er bedauerte es im nächsten Moment: ein langer Schnitt erschien auf der Haut, und dann fühlte er den Schmerzen. Harry legte den Waffen zurück in die Scheiden hinein und wickelte sie ein.

Vorsichtig, - sagte Ginny besorgt.

Macht nichts! Sag mir aber, verstehst du denn von so was?

Nein, - Ginny hob die Augenbrauen, - aber ich kenne den Verkäufer, und er versteht davon, machte einen Rabatt für mich. Ich versuchte, zu verzichten, aber...

Ginny, was kostet das?

Eigentlich ist das von uns beiden, darfst so sagen! – sagte Ginny kaltblutig. – Und stelle keine dummen Fragen. Ehrlich gesagt, ist er unschätzbar. Ist sehr alt.

Harry verstand, dass er nichts erreichen wird, und beschloss, ihr alles langsam zurückzuzahlen, so dass sie es nicht bemerkt. Der Dolch war aber magisch bestimmt: er strahlte unerklärbare Wärme und seltsame Kraft. Harry warf einen nachdenklichen Blick auf das Bündel ab und zu, während die beiden suchten nach einem Kamin, um nach Hogsmeade zu gelangen (sie hatten jetzt ein ständiges Privileg bei Aberforth, seinen Kamin zu benutzen).

In Hogsmeade schneite es und Hogwarts war dicht mit dem Schnee bedeckt. Harry gratulierte Aberforth zum Weihnachten eilig und begab sich zum Schloss. Ginny blieb im „Eberkopf" und drückte Harry den Daumen. Harry benutzte nach der alten Gewohnheit den Geheimgang im „Süßen Königreich", dieser Weg war wirklich viel kürzer, und fing an, in den Verlies hinunterzusteigen, als er sich daran erinnerte, dass Snape ein Flüchtling war und im Raum der Wünsche wohnte. Harry fuhr zusammen und dann hörte er jemands Stimme ihn rufen.

Potter, bist du das?

Ja, und du?

Bist ganz betrunken? Oder ist es die Zeit, eine neue Brille zu kaufen?

Draco, - sagte Harry behauptend und fühlte sich verlegen. Er hatte nichts für Draco. Warum sollte er eigentlich haben?

Ähm... Frohe Weihnachten, Potter!

Dasselbe für dich, - antwortete Harry automatisch. – Wie hast du die letzte Zeit verbracht?

Langweilig, - erwiderte Draco mit abwesendem Blick. – Habe gelesen, bin geflogen, ein bisschen spazieren gegangen... eigentlich alles...

Und Quidditsch?

Hast du vergessen, Potter? Man spielt mit mir nicht. Und spricht mich nicht an.

Wieso denn? Und die Schüler aus der Slytherin?

Habe nichts mit ihnen zu besprechen. Will allein sein.

Wirklich?

Ab und zu, - gestand Draco unwillig. – Hör auf, Potter, deine Freunde warten auf dich, lass sie nicht warten.

Nicht ich habe doch das Gespräch begonnen, - bemerkte Harry müde. – Wenn du nichts dagegen hast, kannst du uns eine Gesellschaft leisten.

ICH? Euch? – Draco wurde böse. – Potter, du hast überhaupt keinen Sinn für Humor!

Das war kein Spaß. Ich weiß aber nicht, was ich dir noch vorschlagen kann. Heute, ich meine. Morgen könnten wir uns treffen und nach Hogsmeade gehen, ich habe sowieso keine Lust zu Hausaufgaben.

Ich weiß sogar nicht, - Draco stellte ein sehr überzeugendes Bedenken dar. – Ich habe eigentlich genug Zeit...

Schön, dann gebe ich dir Bescheid. Willst du übrigens deine Ausbildung hier nicht abschließen?

Wer braucht das? – verzerrte Draco sich.

Jemand, - Harry zuckte die Achseln. – Hast du Professor Snape heute gesehen?

Ich bin doch keine Kinderfrau! – Draco sah Harry mit Zorn an. – Wenn das dir so interessiert, geh hin und erkundige dich danach bei McGonnagal, sie ist verantwortlich und wird antworten.

Was sagst du da? – Harry kam auf ihn zu. – Warum denn antworten? Wer weiß davon? Hast du jemand gesagt?

Ja, Draco Malfoy... der anerkannte Zuträger..., - bevor Harry etwas erwidern konnte, drehte sich Malfoy der Jüngste um und rannte weg.

Harry fühlte sich fürchterlich. Er hatte es nicht gewollt. Warum kommt es dann immer so vor, dass... er ging zum Raum der Wünsche und besann, dass er die Parole nicht wusste. Er probierte einige Kombinationen und schleppte sich dann enttäuscht in die Bibliothek. Dort war niemand. Harry begab sich wieder zum Raum der Wünsche, wo er, wie er glaubte, sich befinden sollte. Er verstand, es wäre aussichtslos, dort einfach zu sitzen und auf etwas zu warten. Harry beschloss, nach zwei Stunden heimzukehren.

Plötzlich raschelten die Flügel über seinem Kopf, und eine riesige Fledermaus ging im Sturzflug zum steinernen Boden nieder. Harry fuhr auf. Die Fledermaus erstarrte für eine Sekunde, dann fing an, sich schnell zu vergrößern, und nach einigen Sekunden kam der Meister der Zaubertränke ruhig der Wand dreimal vorbei (dabei schob er Harry zur Seite), und eine kleine Tür kam zum Vorschein. Von unten her drang der Lärm des festlichen Abendessens.

Sir.

Snape öffnete die Tür.

Sir, - wiederholte Harry mit Nachdruck. – Darf ich Ihnen was sagen?

Ist es dringend? – Snape betritt den Raum, und Harry folgte ihm.

Ja, - sagte er und verstummte.

Dann könnte ich Sie bitten, sich ein bisschen zu beeilen, Mr. Potter? Sie können sich nicht einmal vorstellen, wie müde ich bin, und inwiefern wenig Lust ich habe, Ihnen zuzuhören.

Sie sind ungerecht, Sir, - entschlüpfte es Harry.

Tatsächlich? – Snape griff unwillkürlich nach dem Zauberstab, und Harry ging instinktiv rückwärts, dann riss sich Snape aber zusammen. – Wozu kommst du hierher und versuchst auf mein Gewissen zu drücken? Es ist längst gestorben, und du bemühst dich umsonst, los jetzt!

Sie lügen doch, Professor. Ich meine über Ihr Gewissen. Es ist am Platz, ich wollte eigentlich über meines sprechen.

Snape schwieg. Harry ging aber nicht weg, obwohl er es peinlich wollte, dass nicht er diese verdammte Stille brechen musste.

Gut, - sagte Snape endlich kurz, setzte sich aber nicht. Harry blieb auch stehen.

Sir, ich weiß immer noch nicht ganz, was jene Nacht passiert ist, - Harry begann. – Das ist aber auch nicht wichtig, ich verstehe... Ich habe es nicht gewollt, wirklich, dass Sie...

Du solltest das ahnen, Potter! Ich habe dir das am Schiff erklärt, aber schon damals verstand ich, dass das passieren wird! Dass man versucht, etwas mir durch dich zu entreißen! Und du hast darauf so eifrig hingearbeitet, dass wir uns treffen! – Snape sah ihn mit Abscheu an, und Harry zog sich innerlich zusammen. – Jetzt bedauere ich es natürlich, dass ich das Ding dir anvertraut habe... Ich habe die Gefahr bald eingesehen, aber ich befürchtete, es wäre zu spät. Sie haben mich zu gut bewacht, und diese Handschellen... Mit einem Wort, musste ich etwas schnell entscheiden. Und dann erfahre ich, dass du in Gefangenschaft geraten bist und dass niemand darüber weiß! ICH wusste es aber, Potter, und ich wusste, wo dieser Ort ist!

Woher? – fragte Harry leise.

Weil ich das wissen sollte! Und auch viele andere Dinge, die solche Toren, wie du, nicht angehen! Kannst du dir jetzt meine „Freude" vorstellen? Sie haben nicht gesagt, dass die Karte schon bei ihnen wäre. Wollten sie ganz bekommen. Sie haben mir natürlich eine Chance gegeben, haben versprochen, dass du bis zum Morgen nicht aushältst! ... Also, sie erwiesen sich als recht, nicht wahr?

Harry senkte den Kopf noch niedriger.

Dann weißt du doch selbst, was ich gemacht habe, - fuhr Snape erbittert fort. – Ich habe mich verwandelt, ungeachtet... ungeachtet der ganzen Wache und dieses... Menschen! Und ich flog ins Vampirennest. Unmerklich einzudringen... dass habe ich nicht geschafft, Karlos erwies sich als gar nicht dumm. Es war ein kurzer Kampf, und ich habe ihn verletzt. Ich dachte, aufs lange... Dann fing ich ein paar einfachere Kerle, verhörte sie schnell und erfuhr, wo du warst... Was möchtest du noch wissen?

Was kommt jetzt vor? – fragte Harry rasch. – Was unternimmt Holder und was bedeutet die Sache mit meiner Narbe?

Ich habe keine Antworten! – stieß Snape zwischen den zusammengebissenen Zähnen hervor. – Und wenn auch hätte, gehört es gar nicht zu meinen Plänen, dass du dich wieder einmischst, hast verstanden?

Nein! Ich muss doch wissen, was das alles bedeutet. Und außerdem, Sir, wie können Sie das alles allein schaffen? Das ist aber unmöglich! – schrie Harry schon halbverzweifelt auf.

Das ist doch meine Sorge, Potter, Sie können aber das Leben einfach genießen und mich nicht stören. Alles, was Sie tun konnten, haben Sie schon getan.

Harry hob den Blick auf Snape. Der sagte, er hat sich verwandelt, ungeachtet der Handschellen... Um die Karte zu retten? Oder um Harry nicht im Stich zu lassen? Harry suchte die Antwort, war aber gar nicht sicher, dass er sie hören möchte. Snapes Augen erloschen endgültig, nur gefährliche Funken flammten ab und zu in diesen ermüdeten Augen auf. Harry wollte etwas hinzufügen, er kam eigentlich, um die Informationen zu bekommen und darum zu bitten, sich Snape anzuschließen. Jetzt begriff er aber die ganze Unwahrscheinlichkeit und stand da, beschämt und hilflos und ging nicht weg. Snape trieb ihn aber nicht, er ging zum Nachttisch und zündete die Lampe an, dann warf seinen Umhang ab und endlich wendete er sich an Harry.

Also, soll ich dann von Anfang an erklären?

Harry drehte sich zu ihm und presste heiser hervor, ohne den Kopf zu erheben:

Verzeihen Sie.

Was?

Verzeihen Sie, - Harry zwang sich dazu, ihm in die Augen zu sehen. Snape schien, betäubt zu sein.

Potter, fühlst du dich wohl? – erkundigte er sich sarkastisch.

Nein, mir ist schlecht, Professor, und Sie wissen das. Ich verstehe, weshalb Sie mich nicht heranlassen wollten, aber... Sie irren sich nicht... fast. Ich bin unverlässlich und schwach, aber ich wollte nicht meines, sondern Ihr Leben retten. Und das war dumm meinerseits, aber ich wollte nicht, dass man Ihnen noch mehr weh antut...

Hast du dir immer noch nicht angeeignet, was wichtiger ist? Mein Leben oder alle diejenigen, die jetzt leiden werden? Mein Leben kostet nichts, Potter! Und schreib dir das hinter die Ohren! Wenn du überhaupt ein Gehirn hast, um das zu machen!

Es biss Harry in den Augen, und er zwinkerte. Snape setzte sich schwer aufs Bett und starrte ihn unbestimmt an. Harry holte das Bündel unsicher heraus, er wollte jetzt nur rausgehen, und nichts mehr, weil es keine Hoffnung mehr da war, und legte den Dolch auf den Nachttisch.

Was ist das, Potter? – Snapes Stimme war erstaunt und seltsam leise.

Ein Geschenk. Heute ist Weihnachten. Und wir mit Ginny dachten...

Ein Geschenk?... Für mich?

Na, wenn Sie es nicht wollen, - Harry wurde verwirrt, Snape griff aber schon nach dem Bündel mit einem überraschten Blick, er konnte es einfach nicht verbergen.

Er nahm den Dolch heraus und betrachtete ihn so aufmerksam, als ob er nach Defekten suchte. Harry erstarrte, er konnte nichts verstehen. Nach einer Weile richtete Snape sich auf und warf Harry einen sehr argwöhnischen Blick zu. Und Harry verstand endlich, und etwas in der Brust ließ nach, er nickte schon fast lächelnd und ging zum Ausgang. Snape sagte nichts, Harry spürte aber einen neuen Knoten in der Brust... Das war aber schon die Hoffnung.

Kapitel 14. Gespräche und Konsequenzen.

Harry fand Ginny im „Eberkopf". Sie plauderte mit Aberforth und bemerkte Harry erst nach einigen Minuten. Der sah fast zufrieden aus, und sie lächelte erleichtert.

Siehst wunderschön aus.

Du hast gut lachen, - murmelte Harry und setzt sich neben sie. – Ich habe mich so ekelhaft nie im Leben gefühlt. Oder... nein, ein paar Male meinetwegen.

Was hat er gesagt? – flüsterte Ginny ihm ins Ohr.

Vieles, - schmunzelte Harry und bestellte sich Bier. – Genau, was er von mir hält.

Hast du es aber geschafft?

Was?

Na, mit dem Geschenk.

Das schon, und ich meine sogar, es hat ihm gefallen. Er sagte keinen Dank, ich habe so was aber natürlich nicht erwartet. Er sah aber so aus, als ob er ein Geschenk zum ersten Mal im Leben sah.

Und warum denkst du, dass es nicht so ist?

Ich glaube aber nicht daran, dass er kein Geschenk von seinen Eltern im Leben bekommen hat, - erwiderte Harry, aber nicht sicher. – Oder kann das sein?

Vielleicht, alles hängt von den Eltern ab, - Ginny zuckte die Achseln. – In unserer Familie, zum Beispiel, strickte Mama immer etwas zum Weihnachten oder sogar zum Geburtstag, wenn es zu wenig Geld gab. Und wenn sie das nicht gekonnt hätte, hm...

Harry hörte ihr zu und stellte sich vor, dass er selbst ein Geschenk zum Weihnachten erst mit neununddreißig Jahren bekommen hat. Seine Reaktion darauf konnte er sich aber nicht einbilden. Er war froh, dass Ginny ihm bei all diesem geholfen hatte, sehr froh...

Woran denkst du? – fragte sie.

Ich glaube, es wäre nicht schlecht, herauszufinden, wann Professor Geburtstag hat.

Gut, - erwiderte Ginny und wurde plötzlich streng: - Hast du nicht vergessen, ihm zu sagen, dass es von uns beiden wäre?

Anscheinend, nicht, - Harry sah sie ängstlich an, - ja, ich erinnere mich, habe es erwähnt, bin aber nicht sicher, dass er mich richtig verstanden hat.

Es konnte auch schlimmer sein, - seufzte Ginny auf. – Jetzt darfst du wenigstens ihn besuchen, oder?

Ich meine, es wäre nicht so sehr vernünftig, - Harry senkte die Stimme bis zum Flüstern. – Niemand soll doch wissen, wo er ist, und wenn ich ihn, auch zufällig, noch einmal verrate... ja, ich habe auch Malfoy gesehen, - er erzählte Ginny über diese unglückliche Begegnung.

Ich sollte es nicht so sagen, - fügte er hinzu.

Stimmt, du kannst es aber nicht ändern, - Ginny legte ihre schmale Hand auf seine Schulter. – Das wird aber vorbei sein, rege dich nicht auf. Wenn ihr einander braucht, ich meine.

Ich und Malfoy? – Harry wurde nachdenklich. – Weißt du, es klingt vielleicht merkwürdig, aber ich kann es mir vorstellen.

Ich auch. Du hast dich sehr geändert. Genauso wie er.

Ich? – wunderte Harry sich. – Wie meinst du das?

Ich habe daran oft gedacht, - antwortete Ginny. – Du bist... ich meine... tiefer geworden, hast etwas... eine Grenze überschritten... und jetzt kannst dich mit allen vertragen, wenn du es willst.

Nanu? Ich glaube immerhin, nicht mit allen. Wenn du es nur wissen könntest, wie es ist, mit Professor Snape zu verkehren! Ich schaffe es fast nie: etwas zu sagen und dabei nicht beschimpft oder verächtlich angesehen zu werden.

Das ist bloß seine Gewohnheit, und nichts mehr, - sagte Ginny überzeugt. – Du hast es wahrscheinlich nicht bemerkt, aber du hast mir so viel über ihn erzählt, dass ich ihn jetzt fast verstehe, - sie schmunzelte.

Verstehst? Vieles erzählt? Hab' wirklich nicht bemerkt.

Nichts Wunderbares. Wenn etwas einem viele Sorgen macht, spricht man oft nur darüber, direkt oder indirekt.

Ja? Gehe dir schon mit diesem Thema bis zum Halse heraus? – Harry wurde traurig.

Nein, - Ginny sah ihn liebevoll an. – Im Gegenteil, es ist sehr interessant, wie es weitergeht.

Und wie kann es deiner Meinung nach weitergehen? Dieser... aus meinen Träumen wird kommen und... und ich schaffe das Wichtigste wieder nicht.

Weißt du wirklich nicht, wer das sein könnte? – Ginny sah erschrocken aus.

Ich vermute... Aber das ist nicht er gleichzeitig. Ron und Hermine meinen vielleicht, ich denke das aus. Aber sie scheinen mir helfen zu wollen.

Aber, natürlich, - sagte Ginny zornig. – Wie kannst du etwas anderes denken? Die ganze DA wird dabei nach deinem ersten Ruf sein!

Und das ist schrecklich, - unterbrach Harry. – Was fällt dir nur ein? Ich verstehe das selbst, aber da gibt's eine ganze Armee aus Vampiren und Auroren, und anderen unbekannten und fürchterlichen Wesen. Ich spreche mit McGonnagal und auch mit Kingsley darüber, aber wir haben wenige Leute auf unserer Seite. Das Risiko ist fast sinnlos. Außerdem erwartet etwas Unbekanntes und äußerst Gefährliches uns dort, neben den Mooren, ich fühle das. Ich weiß nicht, was meine Träume bedeuten, ich weiß nicht, wie ich die Katastrophe verhindern kann, aber ich weiß eines: ich kann niemand mehr verlieren! Ich ertrage es einfach nicht mehr, Ginny! Und dieser Verrückte will alles allein schaffen!

Du sollst ihn warnen. Auch wenn er dir nicht zuhören wird! Versuch das hundertmal, wenn es nötig ist. Wir werden aber keinen anderen Weg haben, wenn der Geist sich befreit! Ich habe gehört, dass die Geister, die einige Jahrhunderte in der Reklusion geweilt haben, werden stark und böse. Und wenn sie auch einen Körper bekommen... ist schrecklich, sich das vorzustellen! Harry, wenn er dir so teuer ist, darfst du es nicht zulassen, dass er dorthin allein geht. Bilde dir aber nicht ein, dass ihr das zu zweit schaffen könnt!

Er weiß etwas, Ginny, - sagte Harry plötzlich. – Und er will es mir nicht mitteilen. Ich kann auch vermuten, dass er zu viel weiß, um ruhig schlafen zu können. Und er arbeitet ständig an etwas, er fehlt sehr oft deshalb im Schloss. Ich werde mit ihm unbedingt sprechen, aber...

Harry, er wird seine Meinung ändern, das siehst du bald.

Ich hoffe darauf sehr. Wir haben nicht einmal zehn Minuten gesprochen.

Manchmal haben Worte keinen Sinn.

Ja, trotzdem... Es wurde mir schlecht zumute, als ich verstanden habe, dass er wegen mir... Oder irre ich mich?

Sein flehender Blick hielt auf Ginny, und sie schüttelte ihren Kopf.

Du bist doch ein ziemlich objektiver Erzähler. Und wenn du mir alle die Wahrheit immer erzähltest, irrst du dich nicht. Ich meine, er hat dann keinen anderen Sinn, zu leben.

Keinen anderen? Meinst du… mich? – Harry wurde rot.

Warum wunderst du dich? Ihr seid viel tiefer verbunden, als ihr denkt.

Habe es nie bemerkt, - fauchte Harry spöttisch.

Ja, du hast nicht bemerkt, dass du es schon bemerkt hast, - lachte Ginny. – Oder erinnerst dich nicht daran.

Und was, wenn ich mich jedoch irre? – fragte Harry verlegen.

Das ist aber fast unmöglich... Fast, weil das die interessanteste Persönlichkeit ist, die ich kenne.

Wirklich?

Ja. Du nicht?

Meinetwegen. Ron und Hermine aber...

Ron ist eifersüchtig, wie üblich. Natürlich gefällt es ihm nicht, wenn du neue Freunde unter ehemaligen Feinden findest.

Wenigstens verbirgt er das nicht schlecht. Und Hermine?

Ist einfach skeptisch. Sie hielt sich an die Meinung – und an eine vernünftige, - dass man nicht zu viel Hoffnung in solchen Fällen empfinden soll. So ist ihre Meinung, die beiden werden dich aber keinesfalls verlassen.

Meinst du, wenn es nötig ist... werden die mit Professor gehen?

Ich glaube, ja, - Ginny war sehr ernst. – Und du auch. Du hast Vertrauen zu ihm, und ich – zu dir. Welche Fragen noch?

Aber ich habe mich schon als unzuverlässig erwiesen, - Harry wandte sich ab. – Warum versteht doch niemand, wie ich mich jetzt fühle?

Du übernimmst einfach zu große Verantwortung, und das ist vollkommen falsch. Ich verstehe, du hast dich daran gewöhnt, lass jetzt aber jemand anderen handeln.

Ginny, dort gibt's etwas Ungeheures... im Osten, ich meine. Ich spüre deutlich, dass ein Krieg bald auftaucht, und ich kann nichts mit diesem Gefühl machen. Wenn du über die Unterstützung sprichst, fühle ich mich verpflichtet, mich um diese Menschen zu kümmern.

Harry, hast du daran nicht gedacht, dass man jetzt bloß mit unbekanntem Bösem konfrontiert wird, und nicht nur mit einem Zauberer, der dich vernichten will?

Ja, das ist schon was anderes, - Harry verstummte und trank sein Krügel aus. – Ich muss aber daran auch teilnehmen, weil ich es einfach muss. Kannst du dir vorstellen, dass ich aus dem Spiel bleibe?

Nein, - Ginny umarmte ihn.

Und Professor stellt das sich ausgezeichnet vor.

Er weiß doch über deine Narbe Bescheid. Das macht ihm Sorgen, auch wegen dir.

Vielleicht..., - Harry saß für eine Weile regungslos, dann stand er auf. – Morgen spreche ich mit McGonnagal. Sie versteht, ich glaube. Und jetzt kehren wir zurück: man bringt uns sonst um.

Auf dem Grimmauldplatz.12 lief das Fest weiter. Man hat natürlich bemerkt, dass der Gastgeber fehlte, Luna hat aber gesagt, dass er mit Ginny spazieren gehen möchte. Die Erklärung hat aber nicht alle überzeugt, zum Beispiel, Hermine. Harry hörte ihre unsicheren Vorwürfe abweisend ab und erklärte dann, dass er sich morgen nach Hogwarts für ein ernstes Gespräch begibt. Harry war sehr erstaunt, dass Hermine fast gleich zugestimmt hatte. Wie dem auch sei, war es ihm schon viel leichter, als er sich den Gästen wieder angeschlossen hatte.

Der Hauptschmuck des Hauses – der Weihnachtsbaum im Salon – hat das Fest mit einem besonders langen Feuerwerk, das von den kleinen Girlanden beim Bimbam der unsichtbaren Glöckchen gespielt wurde, vollendet. Dann wünschten alle einander gute Nacht und nämlich diejenigen, die noch imstande waren, auf den Beinen zu stehen: Kreacher, zum Beispiel, konnte das noch perfekt, Harry hatte jedoch seine Worte nicht gehört. Er küsste Ginny, schlenderte dann ins Sirius' Zimmer, machte sich dort auf dem Bett bequem und beschloss, ein bisschen ein Konspekt in der Verwandlung zu lesen. Eigentlich war er darüber selbst sehr verwundert, dass dieser Gedanke ihm einfiel, aber er wollte das am wenigsten, dass das Weihnachten sich mit einer neuen Serie der Träume endete, die von einem unbekannten Gegner handelten, der irgendwo entfernt anscheinend neue Kräfte sammelte und sich vorbereitete, einen Schlag zu versetzen.

Harry schauderte, als er sich ans Entsetzen erinnerte, das in ihm die gesichtslose Silhouette im Traum erweckte, undeutlicher, mit verschwommenen Umrissen. Ob das das Böse oder immerhin eine Persönlichkeit war, die noch nicht im Bösen zergangen war, deren Absichten aber gleichwohl klar zu erraten waren?

„Schluss damit! Daran zu denken ist nicht im Geringsten besser, als davon zu träumen!" – sagte Harry zu sich selbst und versuchte, sich auf den Inhalt der Konspekte zu konzentrieren. Nichts wurde aber daraus. Die Verwandlung an der Aurorschule, wie es schon erwähnt wurde, war dreimal so kompliziert, wie in Hogwarts, die Harry aber oft erst nach den Hermines Erklärungen verstanden hatte. Jetzt musste er im Wesentlichen sich mit seinen eigenen Begabungen zu begnügen, und er dachte oft daran, dass er sich bis zur dritten Studienetappe nicht halten wird.

Nachdem er im Konspekt noch zehn Minuten geblättert hatte, nahm er die Brille ab und schloss die Augen, indem er spürte, dass er dem Schlaf nicht mehr widerstehen konnte. Doch erwachte er am Morgen völlig ausgeruht und begriff, dass er von absolut nichts diese Nacht geträumt hatte und die Narbe also ihn nicht störte. Als ob jemand seinen Vernunft mit einem undurchdringlichen Schleier verdeckt und ihn dadurch vor prophetischen Träumen und übrigem Blödsinn geschützt hatte. Bewusst der Tatsache, dass er selbst das nie geschafft hatte, grinste Harry und ging ins Badezimmer, um die Schlafreste zu vertreiben.

Unten wartete das Frühstück schon auf ihn, von Ginny zubereitet. Ron und Hermine wussten über seine Absicht, Hogwarts zu besuchen, die übrigen haben diese Idee mit Begeisterung aufgenommen.

Da wird sich unser altes Haus freuen! – scherzten Fred und George. – Dann sollte man noch ein paar verzauberte Sümpfe irgendwohin in das Verlies zuschieben. In der Dunkelheit kann man sie doch nicht vom Fußboden unterscheiden.

Hermine teilte diesen Enthusiasmus nicht mit.

Ihr sollt mal überhaupt ein Gewissen haben! McGonnagal müht sich ab, um die Schule geeignet zum Lernen zu machen, und die Sache, dass ihr sich daran aktiv einmal teilgenommen haben, will mir nicht einfallen.

Ziegelsteine zu verstauen – die aktive Teilnahme? Meinst du das ernst, Hermine? – empörte Fred sich. – Du hast bloß keine Ahnung von einer aktiven Teilnahme. Du bist einfach böse, weil niemand dich informiert hat, worin nämlich unsere aktive Teilnahme besteht!

Aber bestimmt! Sie muss in der Vorbereitung der Spruchbänder „Die superklugen Weasleys sind die Hogwarts' Helden!" bestanden haben! – mischte Ginny sich verärgert ein.

Du schätzt deine Brüder nicht! – George machte eine beleidigte Miene. – Probier jetzt nur, bitt' uns mal darum, dir „Verzauberte Drops" umsonst zu verkaufen!

Wie schrecklich! Dann muss ich was selbst zuerst verkaufen! – Ginny warf ein Kissen auf den Bruder zu, George wich ihm aber aus und es traf den friedlich schlummernden nach dem reichlichen Frühstück Ron, der es sofort Fred abschickte. Danach folgte die verhängnisvolle Zwiebel, die den ganzen Tee für Harry verspritzt hat. Harry wischte sich mit einer Serviette ab, dankte Ginny und ging nach oben zum Einpacken. Von unten waren noch die Laute der kleinen Balgerei lange zu hören.

Die ganze Gruppe ist ins Schloss schon gegen Mittagessen angekommen, und Harry beschloss, nichts auf die lange Bank zu schieben. McGonnagal war in ihrem Kabinett und sah irgendwelche Listen durch. Er hatte schon den Plan seiner Rede im Kopf skizziert und kam mit einigen Minuten aus. All diese Zeit sah sie ihn aufmerksam an, und das hat ihn beunruhigt. Es wäre viel besser, wenn sie Fragen stellte, damit er sicher war, dass sie diese von ihm gesagten Wahnideen überhaupt verstand.

Sie verstehen doch, Mr. Potter, - sagte sie nach einem langen Schweigen, - das ist sehr ernst. Und nur noch einzelne Menschen in der magischen Gesellschaft sind dazu bereit, daran zu glauben, dass von Du-weißt-schon-Wem was Gefährliches noch ausgehen könnte. Und noch wenige glauben an die Existenz des Geistes von Slytherin, obwohl, ich muss das gestehen, die Aktivität des Nichtlebens in der Umgebung des Bergs mir Sorgen macht. Etwas wird dort bestimmt angestellt, aber die meisten glauben, es wäre die Hektik um die berüchtigten Schätze herum, die Holder absichtlich unterstützt, um die Macht zu ergreifen. Ja, das Ministerium musste doch wenigstens eine Gefahr einsehen. Aber, ich bin gezwungen, das zu sagen, Ihre Version sieht fast phantastisch aus.

Alle glauben also, dass Holder diese Gegend einfach von Nichtleben und den Legenden, die mit dem Schatz verbunden sind, „unschädlich machen" will, um die Macht zu ergreifen? – rief Harry auf. – Aber er arbeitet mit dem Nichtleben zusammen, nutzt ihren Schutz und Dienstleistungen! Ich habe gesagt...

Harry, - sagte Professor McGonnagal schon weicher, - du weißt doch, dass deine Aussage niemand überzeugen wird, du bist doch der Feind Nummer eins nach Holder für das Ministerium. Und außerdem gibt's keine Augenzeugen. Wenn Mr. Weasley und Miss Granger sagen, dass sie den Vampir Karlos gesehen haben, der dich entführte, wird das einfach lächerlich klingen. Es soll so sein, dass Vampire sich in einer Sonderreservation befinden...

O ja, wie auch Dementoren! – hielt Harry nicht aus. – Was soll das aber, wird der Minister mir nicht glauben?

Er wird, aber... Harry, dort haben wir gar wenige Leute. Das ist aber das Problem der Zeit.

Der Zeit? Man braucht aber nur einen Ruck!

Der kann sich als das Letzte erweisen, was wir tun? Wir werden nichts erreichen. Und außerdem wissen wir, ich und Kingsley, was es ist, sich ans Wort zu halten: wir passen auf Holder auf und merken uns, was er tut und wohin er sich bewegt. Übrigens ist er jetzt untätig und wir können nichts unternehmen. Wir wissen nicht, wann er angreifen wird.

Aber ihr wisst, wer das wissen könnte! – sagte Harry rasch. – Ich bin mir sicher, dass Pr. Snape...

Hat nicht vor, die Informationen jemand mitzuteilen, und das macht einen aufmerksam natürlich, - antwortete McGonnagal trocken. – Aber wir können kaum ihn zum Reden zwingen, er traut doch niemandem.

Haben Sie das doch versucht?

Einmal. Und werde das nicht mehr tun.

Verstanden, - sagte Harry gedehnt und stand auf: - Aber, wenn man ehrlich ist, haben wir doch Chancen, Holders Armee zu widerstehen, wenn es notwendig sein wird?

Ehrlich? – McGonnagal stand auch auf und stützte sich mit den Händen auf den Tisch. – Keine.

Harry nickte und verließ das Kabinett. Schon auf der Treppe begriff er, dass das seinerseits unhöflich war, ohne Abschied wegzugehen, aber er hoffte darauf, dass McGonnagal ein Verständnis für ihn haben wird. Endlich hatten die beiden jetzt was zum Nachdenken.

Auf der Etage, wo sich der Gryffindors Gemeinschaftsraum befand, stieß Harry auf Draco Malfoy. Der sah sich ängstlich um und eilte sich damit, abzutreten, Harry hat schon aber verstanden, dass er etwas vor dem Portrait der Fetten Dame erwartete... oder jemand.

Draco!

Malfoy hielt, drehte sich aber nicht um. Harry war schon an solche Äußerungen der Arroganz gewöhnt, deshalb wiederholte er seinen Anruf nicht. Einige Minuten des peinlichen Schweigens waren vorbei, als Malfoy endlich murmelte:

Was willst du, Potter?

Ich wollte eigentlich dasselbe fragen. Das bist du eigentlich, stehst am Eingang in Gryffindors Gemeinschaftsraum.

Wusste nicht, dass es verboten ist! – Malfoy versuchte, zu sticheln.

Warum denn? Korrigiere mich, wenn ich mich irre, aber du willst vielleicht über etwas sprechen.

Sprechen? Mit wem doch?

Weiß wirklich nicht. Selbst wenn mit mir.

Mit dir? Du bildest dir zu viel ein, Potter!

Lass schon dieses Spiel, Draco! Ich verstehe, dass ich mich bei dir entschuldigen soll. Und ich entschuldige mich... es tut mir wirklich leid, eigentlich... sollte ich nicht so reden haben.

Du hast gesagt, was du dachtest, brauchst dich nicht zu entschuldigen, - Draco zuckte die Achseln. – Ich bin schon daran gewöhnt, alle denken so an mich. Aber nicht einfach so, da gibt's Gründe dazu...

Harry wusste nicht, was er dazu sagen sollte. Er verstand deutlich, dass Draco noch lange solches Verhältnis zu sich selbst leiden musste, aber er hatte keine Ahnung, wie man ihn davor bewahren konnte. Er selbst hatte es leichter gehabt, immer wenn er zu einem Ausgestoßenen wurde, weil die Freunde immer dabei waren.

Möchtest du jetzt Quidditsch spielen? – sagte Malfoy unerwartet.

Nein, - antwortete Harry automatisch, besann sich aber sofort: - Verstehst du, ich hatte... mit einem Wort, ist das alles unwichtig, das ist einfach ein echtes Loch! Man kann sich schon das ganze Leben Mühe geben, aber auch die Nachkommen werden das Ergebnis nicht unbedingt sehen.

Meinst du all dieses Gelaufe um die Expedition herum? – Draco wurde belebt und machte einige Schritte Harry entgegen. – Ja, es gab verschiedene Gerüchte. Aber du bist deswegen hierhergekommen, nicht wahr? Um Snape zum Wort zu bringen? Zwar wirst du kaum was erreichen, aber trotzdem, - er näherte sich dicht zu Harry und fragte plötzlich sehr leise, fast im Flüsterton: - Du wirst mich doch mitnehmen?

Was? – wurde Harry verblüfft.

Na, dorthin, in die Moore! – erklärte Draco ungeduldig. – Ich gelange dorthin alleine nicht, und du wirst, wie üblich, eine Wache brauchen.

Du, aber, bist also einverstanden, mich zu bewachen? – schmunzelte Harry.

Muss ich, wenn es drauf ankommt. Weasley und Granger spielten diese Rolle immer mit Vergnügen.

Die sind meine Freunde! – brauste Harry auf. – Ich meine, du stellst dir nicht ganz klar...

Fahre nicht auf, Potter, sonst sagst du vieles Unnötiges! – stoppte Malfoy ihn. – Ich stelle mir eines deutlich vor: der Weg wird sehr schwierig sein, und du schleppst dich dorthin jedenfalls nicht allein.

Und wer hat dir gesagt, dass ich mich dorthin schleppen werde?

Wohin kommst du noch hin? Wie auch ich, eigentlich... Ich spüre, Potter, - Malfoy näherte seinen linken Arm zu Harrys Gesicht und fügte heiser hinzu: - Er ruft mich.

Harry sah ihm ins Gesicht entsetzt. Es äußerte nur versteckte Angst, Sehnsucht und den innerlichen Schmerz.

Ich fühle mich abgehetzt, Potter, - flüsterte Malfoy, sich fernhaltend. – Ich dachte, du wirst verstehen, du weißt, was es ist, und du weißt, dass der einzige Weg, sich zu befreien, ist – damit Schluss zu machen, der Sache entgegenzugehen. Nichts hält mich mehr, ich habe niemand außer mir, um mich Sorgen zu machen, kurz gesagt, es ist... Zeit! Ich dachte, du wirst verstehen...

Ja, ich weiß, ich verstehe, - Harry rieb sich die Nasenwurzel. – Du musst doch eine Sache verstehen: ich gehe mit dem Professor, so oder so, wenn er mich mitnimmt. Wenn nicht... es wird sehr schwer sein, dorthin einzudringen, die Hauptsache ist, dass ich keine bloße Ahnung habe, was zu tun ist. Ohne diese Ahnung hat das keinen Sinn. Auch möchte ich sehr begreifen, wie Voldemort es fertiggebracht und eine Hintertür gefunden hat. Jedenfalls ist das etwas sehr Gefährliches und Unbekanntes.

Ach so, du glaubst an die Magie des Berges! – Draco machte kleine Augen. – Du glaubst, dass alles da liegt? Ich auch. Na ja, wenistens hier stimmen unsere Ansichten überein, Potter, und das ist schon gut. Na was, nimmst du mich als deinen Verbündeten? Was dort in diesem Berg sitzen mag, hat das direkt damit zu tun, - er deutete wieder auf das Mal.

Was auch sein mag, ich bitte dich um einen Ding: versuche nie etwas „damit" zu machen, es ist verflucht, - sagte Harry eilig. – Und was Verbündete betrifft... habe niemals sie mitgenommen. Alles kam irgendwie von selbst heraus.

Draco grinste mißtraurisch, aber eine Frage stand in seinen Augen, und Harry ermahnte sich schon zum zehnten Mal, dass man die Menschen im Affekt oder ungefähr so vorsichtig ansprechen sollte.

Lassen wir uns lieber Zauberschach spielen! – schlug er vor. – Zugleich trainiere ich das Gehirn für die lange Situationsanalyse.

Sasa, los schon! – das Ende des Gesprächs war Malfoy ersichtlich nicht recht, aber er erwiderte nicht mehr, und Harry verstand, dass er jetzt in den Belagerungszustand geriet.

Sie spielten schon zweieinhalb Stunden, als Fred und George, Ginny, Ron mit Hermine und Neville sich in den Gemeinschaftsraum hineinstürzten. Draco verabschiedete sich eilig und versuchte, so unmerklich wie möglich zu werden. Die Gryffindors waren aber nicht zum Konflikt gelaunt und taten so, als ob sie ihn überhaupt nicht bemerkt hätten, außer Ron, der die Lippen zusammengezogen hat. Aber die nächste Sekunde setzte er sich schon, um die Partei bis zum Ende zu spielen. Harry dachte dazwischen über alles, was er gehört hatte, rechnete im Kopf nach, ob es sich lohnte, ein bisschen mehr Leuten über die Sache zu erzählen. „Endlich, - dachte er, - haben sie mich nach der Entführung über nichts ausgefragt und müssen jetzt vor Neugier sterben".

Er hatte selbstverständlich den DA-Mitgliedern nicht alles erzählt, besonders was Professor Snape anging. Das war sehr schwierig, von Zeit zu Zeit spürte er, dass die Geschichte ein wenig nicht zusammenhängend wirkte, niemand sagte aber was dagegen. Über Voldemort hat er auch nicht erwähnt: die Erinnerung daran, wie man ihn für einen Verrückten gehalten hatte, war noch frisch. Das betraf diese DA-Mitglieder natürlich nicht, aber Harry verstand instinktiv, dass wenn er selbst nicht wusste, wie es zu erklären, wäre es besser, nicht zu versuchen. Für sich selbst hatte er noch keine vernünftige Erklärung gefunden.

Er sprach mehr darüber, dass es notwendig war, Holder zu verhindern, nach der Macht durch das Erwachen der im Berg verborgenen dunklen Kräfte zu greifen, weil die Konsequenzen fürchterlich sein konnten. Alle nickten ernst zu, Ron, Ginny und Hermine wechselten aber dabei ihre Blicke, sagten aber nichts. Wenn man noch ein Thema geöffnet hätte, hätte das Gespräch sehr unangenehm enden können. Danach konnte Harry selbst nicht verstehen, wie es ihm gelang, alle Klippen zu umgehen. Das war aber schon ein Erfolg, sich den Beistand der solchen Leute, wie Neville und die Brüder Weasleys zu sichern.

Der Abend war sehr warm, ungeachtet des ankommenden Januars. Überall herrschte das Tauwetter und Fred mit George äußerten eine Befürchtung, dass sie alle gemeinsam eine Möglichkeit riskierten, noch mal dieses Jahr Schneeballschlacht zu spielen. Hermine hat die Andeutung sofort verstanden und fauchte spöttisch. Ron dachte konzentriert nach, wen er in dieser Situation unterstützen sollte. Neville murmelte zerstreut, dass er sich erkundigen musste, ob Luna schon da war, um sie zu rufen, und entwischte leise. Ginny legte ihren Kopf auf Harrys Schulter und schüttelte ihn verneinend als Antwort auf sich verstärkendes Freds Augenblinzeln.

Na, Bruder, wir sind also in der Minderzahl! – sagte George im tragischen Ton. – Dann schließen Sie uns später, Ihre Majestäten, wenn Sie so gnädig sein werden!

Die Zwillinge verbeugten sich und gingen zur Tür. Ron hielt plötzlich nicht aus, stand auf und zog Hermine hinter sich.

Komm mal, lassen wir uns amüsieren! Es wird cool sein.

Natürlich, kenn' ich dieses „cool"! – brummte Hermine.

Und außerdem... na, du verstehst, muss man, - er äugelte bedeutungsvoll zur Harrys und Ginnys Seite.

A-a, - sagte Hermine langgezogen und griff nach ihrer Mütze. Harry zeigte Ron schweigsam eine Faust.

Ich habe ein großes Bedenken, ob sie wirklich zur Schneeballschlacht gehen, - raunte Ginny Harry ins Ohr. – Glaube, Rons Pläne werden sich sehr schnell ändern, er hat uns alle doch gestern versichert, dass er wegen „dieser schrecklichen Schneehäufen" keinen Spaziergang in Hogsmeade unternehmen kann. Als ob er dorthin irgendwann allein ginge.

Willst du nicht auch dorthin gehen? – Harry umarmte sie kräftiger und fühlte ihr heißes Atmen auf seiner Wange.

Es ist mir auch hier ganz gut.

Ihr Kuss wurde mit einer plötzlichen Erscheinung von äußerst verstimmtem Neville unterbrochen. Er schien sie überhaupt nicht bemerkt zu haben, durchquerte das Zimmer schnell und rannte die Treppe hoch, die ins Schlafzimmer führte. Harry sah ihm verlegen nach.

Was meinst du, was ist los mit ihm? Vielleicht, ist Luna nicht gekommen?

Doch umgekehrt, muss sie gekommen sein, - sagte Ginny traurig.

Was ist denn los? – Ich meine, du hast gesagt, dass... na, sie konnte doch nicht ihm Abschied geben!

Warum?

Das ist aber... unwahrscheinlich!

Du bist aber doch ein Kind, Harry. Alles in zwischenmenschlichen Beziehungen ist immer sehr verwickelt, man kann ab und zu nichts voraussagen. Das war aber alles hier klar...

Ich dachte, Luna ist einfach... Aber es kann nicht deswegen sein, weil Neville da für etwas „nicht reif geworden ist"? – empörte Harry sich endlich.

Natürlich nicht! – Ginny schüttelte ihre fuchsrote Mähne und seufzte auf: - Allerdings ist Luna anders geworden.

Was du nicht sagst! Anscheinend ist alles, wie gewöhnlich.

Das kann man aber nicht auf den ersten Blick bemerken, und auch auf den zweiten.

Was bedeutet das deiner Ansicht nach? Ist was los?

Nein, so was nicht. Ich denke bloß, dass sie... na ja, dass sie in jemand anderen verschossen hat.

Hat sie das selbst gesagt?

Nein, - Ginny war offensichtlich betrübt, - aber das sieht man ihr an... Und sie will darüber mit niemandem sprechen. Vielleicht, damit niemand das ihm sagt.

Man darf aber das nicht lange außer Acht lassen!

Harry, sie ist ein vernünftiges Mädchen, sie findet sich darin selbst zurecht. Und es ist besser, Neville einstweilen nicht zu stören.

Ja-a, - sagte Harry gedehnt, - wenn ich das unbeteiligt beobachtete, würde ich nie im Leben vermuten, dass der Krieg schon an der Schwelle ist...

Du hast aber unbeteiligt beobachtet.

Was sagst du?

Ich spreche über deinen Zustand. Innerlichen. Für dich sind solche Dinge eine Nachricht, die für alle schon seit Monaten offenbar sind.

Du hast recht. Ich weile ständig irgendwo in einer... Prostration. Das beleidigt dich ganz sicher.

Nein, das beunruhigt mich eher, du kontrollierst das doch nicht und versuchst auch nicht... Weißt du, wie ich es möchte, dass das alles schneller endete.

Ich auch, aber es hängt davon ab, womit das alles endet, - Harry starrte den Kamin nachdenklich an. – Manchmal wünsche ich, dass diese Fristen nicht kommen. Und, weißt du, das ist vielleicht nicht gut, dass so wenige Leute über Voldemort wissen.

Du weißt aber auch selbst nicht, was genau zu sagen.

Ja, aber... Das bedeutet, ich muss das erfahren. So schnell wie möglich. Nur Professor...

Und was – Professor? Du weißt doch, wo er zu suchen ist.

Ja, nur wenn er den Raum der Wünsche nicht irgendwie anders verzaubert hat, damit ich dorthin nicht geraten konnte.

Ginny sah ihn misstrauisch an.

Glaubst du wirklich daran?

Weiß nicht, - antwortete Harry müde, - warum aber, hol's der Teufel, versteht er nichts? Ich weiß bestimmt, dass es ihm nicht egal ist, wie auch mir!

Na, du äußerst deine Gefühle unmittelbar, er ist aber nicht daran gewöhnt, wir haben das doch schon besprochen, - Ginny fing an, zu reizen. – Du forderst von ihm mehr zu äußern, als er imstande ist.

Aber das ist... Ist das etwa so schwierig?

Einem zu trauen? Sehr schwierig. Denke selbst nach, er hat doch niemanden mehr, um ihm zu vertrauen, er hat überhaupt niemand. Stell dir das nur vor, - sie verstummte und begann, auch das Feuer anzuschauen.

Harry wollte nicht über Ginnys Worte grübeln, sie krochen aber in seinen Kopf selbst. Schon einschlafend dachte er daran, was er selbst fühlen würde, wenn er das größte Teil des Lebens ein Doppelspiel treiben müsste und dabei benutzt wäre. Kein volles Bild tauchte auf, weil Harry jedoch immer sich selbst blieb. Und er wusste theoretisch, was Snape für ein Mensch war: unsicher, aggressiv, verschlossen, aber immerhin war er ein endlos tapferer Mensch, der Mensch, der fähig war, sein eigenes Leben für jemand zu opfern, den er liebte. Harry war so gerührt, dass er beinahe ein wenig geweint hätte, besann sich aber rechtzeitig: auch im Vergleich zum Rons nicht aufhörenden Schnarchen wäre der Schnauf von Neville hörbarer. Und das bedeutete, das Ginny recht hatte...

Die Sonne schlug gegen die Augen, und Harry setzte sich mit einem Ruck auf dem Bett und richtete die Brille auf die Nase auf. Er hatte das schon vergessen, wie es ist: in Hogwarts zu erwachen und wieder die lustigen Lichtflecken auf den purpurroten Vorhängen und auf der Decke zu sehen. Das Herz füllte sich mit Freude und Rührung, und Harry, grundlos lächelnd, fing an, sich die Schuhe anzuziehen. Dann fiel ihm ein merkwürdiges Geheul im Zimmer auf, Rons Pig konnte nichts solch einen Klang von sich geben. Er kam nicht zurecht, die Quelle aufzufinden, als die Tür aufging, und der strahlende Ron an der Schwelle erschien. Nach einer Sekunde öffnete er seinen Mund, er sah sich aber etwas vorüber Harry an.

Hedwig, - presste er hervor.

Harry fuhr auf und wirbelte herum: auf dem Fensterbrett hinter ihm stand ein riesiges Bauer, und da saß eine weiße Schneeeule. Harry sah sie genau fünf Minuten lang an, bevor er sich vergewisserte, dass es nicht Hedwig war. Diese hatte einen größeren Kopf und ein paar schwarze Feder auf dem linken Flügel, aber übrigens... Harry konnte den Blick vom Vogel nicht abwenden. All diese Zeit konnte er sich nicht dazu zwingen, sich eine neue Eule anzuschaffen, obwohl er manchmal einige Briefe gleichzeitig beantworten musste und es ein Problem mit Eulen in Fulmenhard, im Unterschied zu Hogwarts, gab. Die Eule hat verstanden, dass Harry ihr endlich seine Aufmerksamkeit geschenkt hat, und schlug mit den Flügeln gegen das Bauergitter, und heulte noch lauter auf.

Will essen, - stellte Ron fest in einem maßgeblichen Ton, nahm das Futter bei Pig und schüttete ein bisschen der Schneeeule ein. Die knallte mit dem Schnabel verächtlich, dann fand sich aber mit dem Schicksal ab und fing an, zu picken.

Und du..., - Harry hat die Sprechfähigkeit wiedererlangen, - warst du lange abwesend?

Ja. Du hast dich einen großen Stiefel zusammengeschlafen, Mensch, bis zum Mittag! Man muss sie gebracht haben, als ich weggegangen bin.

Wer?

Wer weiß doch?

Es gibt fast keine Schüler im Schloss, Ron, außer uns, Absolventen, und einigen Erstklässlern.

Eigentlich muss das wahrscheinlich Hagrid sein.

Er hat aber schon mir ein paar Fäustlinge aus der Drachenhaut geschenkt.

Dann weiß ich nicht, - Ron zuckte die Achseln.

Harry kam auf das Bauer zu und öffnete das Türchen. Die Eule flatterte prompt heraus, machte drei Kreise unter der Zimmerdecke und landete scharf auf Harrys Schulter.

Guck mal, sie hat dich anerkannt, - schmunzelte Ron.

Harry lächelte.

Hedwig.

Die nächste Sekunde rief er auf. Er versuchte die Eule zu streicheln, sie biss ihn aber so in den Finger, dass es ihm vorkam, es wäre jetzt ein Finger weniger auf der Erde.

Mit'em Charakter, - bemerkte Ron.

Ja, - stimmte Harry zu, am Finger saugend und sich die gelben, nicht blinzelnden Augen anschauend. Er verstand schon, genauer gesagt, vermutete, wessen Geschenk das war, und ein Dankgefühl ergoss sich in der Seele, und noch etwas sehr warmes, was er nie gern analysiert hatte.

Die Eule schwang mit mächtigen Flügeln, heulte aufmunternd und flog ins Bauer gehorsam hinein. Harry bewunderte sie hingerissen und hat für einen Moment ganz und gar über Rons Existenz vergessen. Ron schnaubte missbilligend, dann schlug den Freund kräftig auf die Schulter.

Was machst du? – rief Harry.

Was ist los mit dir? Du hast gleichsam geglast. Ist ein schlechtes Zeichen.

Warum denn? – wurde Harry unruhig.

Darum. Die Eule ist die Eule, na, es ist gut, ich meine, dass man sie dir geschenkt hat. Das ist aber noch nicht der Anlass...

Der Anlass wozu? – Harry wurde vollkommen verwirrt vor diesen unklaren Andeutungen.

Hm, das weiß ich sogar nicht, - ärgerte Ron sich. – Wer ist das, deiner Meinung nach?

Du hast das aber schon selbst verstanden, - murmelte Harry. Er wollte gar nicht darüber sprechen, mit wem er jetzt kommunizierte und warum so wenig Zeit mit seinen Freunden verbrachte.

Na, und ob! – grinste Ron sarkastisch. – Mir ist nicht zum Lachen, Harry! Und Hermine meint auch, dass es mit nichts Gutem enden wird.

Dann geh und höre Hermine zu, - sagte Harry leise. – Ich will dir nicht etwas erklären, was ich selbst noch nicht verstanden habe.

Natürlich!

Hör mal, das ist albern! Ich bin euch natürlich sehr dankbar für ihre Fürsorge, aber das ist schon zu viel! Ich... suche, verstehst du? Und, es sieht danach aus, habe mich verwickelt... Aber ich muss doch irgendwohin gehen, nicht wahr? Kurz gesagt, ist das alles kompliziert, - verstummte Harry besorgt.

Das alles ist aber cool, natürlich, - wurde Ron verlegen, - was kann aber hier...

Weiß nicht, - winkte Harry ab. – Ich weiß nur, dass ich niemand verlieren und mit niemandem streiten will.

Malfoy hat dich in der Großen Halle gesucht, - teilte Ron unwillig mit.

Und über Malfoy apropos, - Harry seufzte auf, - er will sehr zum Berg gehen. Einerseits kann ich ihn seinen Wunsch zu handeln verstehen, andererseits... er nimmt das meiner Meinung nach mehr als ein Abenteuer wahr und besinnt die ganze Gefahr nicht. Und auch... sein Dunkles Mal wird greller, er spürt, wie auch ich, wann diese verdammte Narbe... Ron, ich will sagen...

Kurz gesagt, willst du uns auf ihn aufpassen?

Na ja, vielleicht... Im großen und ganzen ist das meine Sorge, ich befürchte doch, dass ich keine solche Möglichkeit bekommen werde.

Hier kannst du aber ewig streiten! – erwiderte Ron eifrig. – Wir lassen dich allein und mit deinem Professor zu zweit nicht dorthin!

Erstens, ist der Professor sein eigener, Ron, und zweitens... woher weißt du, wie es wird?

Na, wir müssen uns doch zusammenhalten. Obwohl... schon beim Gedanken, dass ich näher zu Malfoy sein soll, verliere ich den Appetit.

Er hat sich verändert, Ron! – sagte Harry fest. – Ich weiß leider nicht, was er weitertun wird... Zum Anfang aber muss man versuchen, einfach zu überleben.

Ja, und so schnell wie möglich lernen, wie man Basilisken erledigt, - schmunzelte Ron. Harry klopfte ihn freundlich auf die Schulter, und die beiden eilten zum Quidditschfeld. Im Inneren war Harry sicher, dass er sich bei Professor Snape erst am Abend bedanken konnte, weil der letzte oft im Schloss fehlte. Auch wäre es unvernünftig und vielleicht schon gefährlich, ihn am helllichten Tage wegen „einer einfachen Sentimentalität", wie das selbst der Professor nennen würde, zu stören, deshalb genoss Harry bloß die Freiheit und gute Laune bis zum Mittagessen.

Die Große Halle war schön verziert zum Weihnachten, die Girlanden und Tannenbäume blieben gewöhnlich bis Neujahr, und einer der Tannenbäume stand direkt vor dem Gryffindorstisch, wohin Harry, Ron und Hermine sich gewohnheitsmäßig gesetzt hatten; nebenan plauderten die Erstklässler laut, Neville saß schwermütig gegenüber, außerdem sangen einige DA-Mitglieder Weihnachtshymnen. Draco Malfoy kam ihnen vorbei und blieb vor Harry unsicher stehen. Ohne lange nachzudenken, griff Harry nach seiner Hand und zwang ihn dazu, sich zu setzen. Der ganze Tisch erstarrte, auch an den Nachbarstischen verstummten alle und drehten sich um. Draco zuckte nervös, Harry bat ihn aber mit einer Geste, zu bleiben, und sah erwartungsvoll seine Freunde an. Ron und Hermine regten sich nicht, obwohl Ron eine unzufriedene Miene nicht unterdrücken konnte. Die anderen rutschten für eine Weile hin und her, dann lenkten sich auf ihre Teller ab.

Na, so was! – flüsterte Draco. – Früher, als ich mich setzte, rückte man sofort zur Seite.

Wirklich? – Harry dachte nicht einmal, dass alles so vernachlässigt wäre. – Na ja, es wird mehr nicht so sein. Das ist endlich nur Mahlzeit, man kann immer ruhig an einem Tisch essen.

Ich habe es fast gern, wenn du philosophierst, Potter, - sagte Malfoy erleichtert. – Das macht sogar den Eindruck, als ob du ein Gehirn hättest.

Ron verschluckte sich mit Kürbissaft und drehte sich zu Malfoy.

Ich habe auf meine Meinung von dir nicht verzichtet, klar? Wenn Harry...

Halt! – schnitt Harry ihm das Wort ab. – Ron, sei bitte nicht für mich beleidigt, ich kann das selbst machen. Draco, ich wusste, dass du meine geistigen Fähigkeiten hochschätzt, aber wenn du mitgehen willst, musst du dich damit begnügen.

Malfoy zuckte die Achseln gleichgültig und machte sich an den Auflauf. Ron kochte noch fünfzehn Minuten vor Wut, bevor Hermine es schaffte, ihn zu beruhigen.

Am Abend hatte Harry alles sorgfältig durchdacht, was er zu sagen vorhatte, um niemand den unnötigen Wortschwall aufzubürden. Um neun Uhr schlich er vorsichtig in die Etage mit dem Raum der Wünsche, sich ständig mit der Karte der Rumtreiber vergleichend, und ging dreimal an der Tür vorbei. Wie sonderbar es auch scheinen mochte, tauchte sie auf. Harry drehte den Türgriff. Die Tür knallte, Harry hat nur noch den Fuß auf die Schwelle zu stellen, als ein Fluch gegen den Pfosten schlug. Die Späne flogen in alle Seiten, und Harry prallte zurück, die Augen zusammenkniffend. Nach einem Augenblick wurde er am Kragen gepackt und in den Raum hineingestoßen, danach drehte sich der Schlüssel im Schloss.

Hast aber die Zeit gefunden! – fauchte der gereizte Snape. – Ich habe sogar noch nicht die Tür gesperrt! Hab beschlossen, man hätte mich ausgespürt. Und ich hätte dich danach gefragt, Potter, wenn ich nicht danebengeschossen hätte.

Sie haben das Ziel nur ein bisschen verfehlt, Professor, - versuchte Harry, zu scherzen.

Und das wird mich nächstes Mal mein Leben kosten! – Snape war deutlich schlechter Laune. – Du sollst wenigstens geklopft haben!

Und höchstens – überhaupt nicht hierher kommen? – fragte Harry traurig.

Wenn du alles selbst weißt, wozu denn diese Fragen zu mir? – murmelte Snape und wandte sich ab, Harry fing aber schon auf, dass er nicht mehr schimpfen wird, wenigstens darüber.

Sir, - Harry begann, - ich bin gekommen, um sich bei Ihnen zu bedanken.

Mhm, - Snape hing seinen Umhang an den Haken, und nahm die Stiefel ab, dann warf sie in die Ecke ganz rücksichtslos.

Ich bin wirklich... sehr... Sie waren gar nicht gepflichtet, das zu tun.

Nein, wieso denn? – meldete Snape sich unerwartet. – Man sollte doch solch eine Geste irgendwie beantworten.

Das war keine Geste, Sir, - erwiderte Harry, - es war einfach schwer, auszudenken...

Genug, Potter, das sind bloß alle deine Sentimentalitäten, sonst nichts! – Harry lächelte, und Snape ärgerte sich noch mehr: - Was starrst du mich an? Bist hierhergekommen, um dich lustig zu machen?

Nein, hab schon gesagt, warum ich hier bin. Auch möchte ich Sie bitten, etwas mir doch mitzuteilen, es geht über meine Kräfte, ahnungslos zu bleiben. Und sagen Sie nicht, dass es noch nicht die Zeit ist, dann kann es schon spät sein.

Wen willst du lehren, Potter?

Nicht lehren, Sir, ich bitte nur. Ich hätte beinahe beschlossen, dass es ein Schritt zur Versöhnung wäre.

Er hat beschlossen... Ich habe eine Gefälligkeit beantwortet, und das wäre alles! – schnitt Snape ab, stand auf und kreuzte die Arme über der Brust. Harry wurde plötzlich mit Neugier gepackt und er platzte heraus.

Sir, woher haben Sie aber das Geld, um eine Eule zu kaufen? Ich meine, missverstehen Sie nicht... der Preis interessiert mich nicht, aber das ist... eine sehr teure Gattung.

Potter..., - Snape presste die Lippen aufeinander und schüttelte seinen Kopf, dabei wurde es Harry klar, dass seine Geduld zu Ende ging, - hast du nichts zu treiben?

Harry schwieg.

Warum steckst du deine Nase in alles, was dich nicht angeht, stellst die Fragen, für die du wenigstens verdienst, aus dem Zimmer rausgeworfen zu werden? Vielleicht wirkt die einzigartige Erziehung der nächsten Verwandten sich aus, aber endlich solltest auch du die Bedeutung des Wortes „Grenze" begreifen!

Das war eine unhöfliche Frage, Sir.

Ja, Minimum! – Snape fing an, hin und her zu gehen, indem er auf Harry wütende Blicke ab und zu warf. – Und warum interessiert dich das eigentlich?

Na ja, ich glaube nicht, dass Sie viel Taschengeld haben mussten. Vielleicht gibt's Vorräte bei Ihnen zu Hause, aber es wäre zu gefährlich, sie zu beschaffen, und Ihr Konto in Gringotts ist geblockt... Deshalb ist es einfach interessant...

Wie alt bist du, Potter?

Harry errötete: immer wieder dieses Lied!

Genau! – stieß Snape zwischen den Zähnen hervor, den Kopf ein bisschen geneigt zu haben. – Und du findest das, stellen Sie sich vor, interessant, dabei weißt du ganz gut, dass die Vorräte nicht die einzige Quelle sind, die man in diesem Fall benutzen kann.

Wahrscheinlich äußerte Harry mit dem Blick den höchsten Grad der Verwunderung; er kam damit nicht zurecht, etwas zu sagen, Snape fauchte aber schon geärgert und fuhr fort, auf und ab zu gehen. Es kam Harry vor, dass er sich für etwas entschied. Plötzlich hielt er neben dem Tisch und sagte, ohne Harry anzublicken:

Ich habe nichts geklaut, Potter. Und du wirst es dir noch hundertmal in der Zukunft überlegen, bevor du so was vermutest! Im allgemein... Ich brauchte nie viele Sachen... die meisten von ihnen sind nutzlos, einige sind keinen Groschen wert, die anderen aber... kurz gesagt, habe ich noch was loszuwerden. Das ist sogar gut, dass du es mir ermöglicht hast.

Harry erinnerte sich an das baufällige, verwüstete Häuschen, das vollkommen herausgenommen worden war, wenn es dort noch kein unglaubliches Versteck gäbe, und sein Herz krampfte sich zusammen. Er wollte plötzlich diesen müden, in sich selbst verlorenen Menschen umarmen, damit er verstand, dass er nicht allein war.

Snape hob den Kopf mit einem Ruck und antwortete Harry mit so einem überraschten Blick, dass der beinahe ins Gelächter ausgebrochen hätte.

Das ist schon zu viel, Professor. Mit Ihnen soll man jede Sekunde auf der Hut sein, Sie aber...

Du bist doch krank, Potter, - Snape versuchte, seiner Stimme die gewöhnlichen Kaltblütigkeit und Bissigkeit wieder zuzugeben, aber er hat das nicht geschafft, und er fügte zornig hinzu: - Wenn alle solche Tölpel, wie du, wären, und keine Schranken im Bewusstsein errichteten, hätte ich schon längst rausgefunden, was ich brauche! Und ich muss jetzt noch mich mit dir abgeben! Während dir schön darüber bewusst ist, dass deine Visionen nicht zufällig sind!

Das sind doch Sie gewesen? – fragte Harry überrascht. – Sie haben mich geschützt... vor kurzem hab' gefühlt!

Na, wenigstens ein Progress, - Snape spielte eine respektvolle Verbeugung. – Schau mal, wirst du bald schon das Schwarze vom Weißen unterscheiden, Potter. Damit du es weißt, habe ich dich immer geschützt, wie ich es nur konnte, obwohl du immer nach Abenteuern Lust hattest, besonders im Schlaf, wenn du so verwundbar bist.

Harry wusste nicht, ob er sich ärgern oder danken sollte.

Haben Sie ja alles gesehen, wovon ich geträumt habe?

Teilweise. Vergiss nicht, dass hundert Kilometer zwischen uns waren. Und immerhin haben diese Auskünfte mir getaugt.

Und Sie wollen immer noch nicht, mir alles erzählen? – Harry entschied sich für Entrüstung.

Es soll dir genug sein, dass du relativ sicher bist, und, wenn alles glatt geht...

Sir! – rief Harry auf. – Wollen Sie etwa, dass ich Sie jetzt in Ruhe lasse? Sie werden das allein nicht schaffen! Und niemand wird! Sie wollten doch erklären...

Wollte, - Snape kam dicht auf ihn zu, und Harry zog sich zusammen – so kühl blitzten die schwarzen Augen, - jetzt aber ist alles anders. Du brauchst mich nichts zu beweisen, Potter! Jetzt störe mich einfach nicht. Wenn ich das nicht schaffe...

Wie werden wir denn... unklar wen aufhalten, ohne eine bloße Ahnung davon zu haben, womit wir es zu tun haben? – unternahm Harry den letzten Versuch. – Das ist ein sicherer Tod. Sir, das ist doch...

Ein Wahnsinn? Nein, nur noch eine Berechnung. Und wenn sie sich nicht erfüllt, wird eine andere sich erfüllen.

Sie sind ein ausgemachter Egoist! – sagte Harry in einem Atem. – Alle sind Ihnen schnuppe!

Snape lief rot an.

Hinaus mit dir! – er hob den Stab scharf.

Es wurde plötzlich dunkel in Harrys Augen. Er hörte ein entferntes Wassergeräusch, dann jemandes Geschrei, und dann schrie er selbst: der Kopf platzte vor unerträglichem Schmerzen, und er rutschte zu Boden die Wand entlang ab.

Kapitel 15. Wenn man den Weg wählt...

Alea jacta est"

(Caesar)

Eine ungeheure, drückende Stille, zähe Luft mit einer grünen Schattierung, entfernte Schreie, geschlossene Dunkelheit vor den Augen... Harry schnappte einige Male nach der Luft, seine Zähne klapperten. Er versuchte, sich zu bewegen, fühlte aber seinen Körper nicht, als ob ein gesichtsloses Entsetzen alle seine Glieder zusammengeschmiedet hätte, mit seinen kalten Fesseln verbunden... Harry versuchte aufs neue, sich selbst zu beherrschen, und spürte plötzlich ein kaltes Metall auf seinen Lippen. Das war eine Feldflasche. Er machte die Zähne mühsam auf und machte instinktiv einen Schluck. Und alles hörte auf, genauso plötzlich, wie es begonnen hatte. Er lag auf dem Boden, der Raum der Wünsche war schwach beleuchtet, und er konnte zuerst nur unklare Umrisse einiger Möbelstücke unterscheiden. Die Feldflasche war mit etwas heißem gefüllt, Harry hätte sich fast die Zunge verbrüht und konnte den Geschmack nicht bestimmen.

Nimm noch drei Schlucke! – forderte Snape, der sich über Harry geneigt hatte. Seine Stimme war leise und voll Wut.

Harry gehorchte. Die Flüssigkeit verbrannte seinen Hals zum zweiten Mal, und er schaffte es, sich zu regen. Die Schwäche und die Kälte waren weg, es fröstelte ihn aber immer noch. Harry vermied, Snape in die Augen zu sehen, er wusste, dass der darüber völlig bewusst war, was in seiner Seele vorkam, und er fühlte Entrüstung schon wieder. So stark, dass als Snape versuchte, ihn auf die Beine zu stellen, riss er seinen Ellbogen los, schwankte, stützte sich gegen die Wand und presste den Zauberstab in der Tasche auf jeden Fall.

Du bist ein ebensolcher Grünschnabel, Potter! – Snape ging zur Seite und steckte die Flasche ins Innere seines Anzugs. – Nächstes Mal werde ich keinen Finger rühren, ehrlich gesagt, gehst du mir schon zum Hals heraus. Die Flüssigkeit wird dich vor dem Eindringen von außen mindestens für einen Tag schützen, alles hängt aber von der Kraft des Zauberers.

Für Sie macht's bestimmt nichts aus! – rief Harry jähzornig.

Nein, nichts, - stimmte Snape ruhig zu. – Aber es ist besser, wenn ich das tue, als jemand anderer. Genauso wie jetzt.

Wer war das? Und stellen Sie sich nicht, dass Sie nichts wissen! – es war Harry schon egal; er kam aus der Fassung und sah das einzige Ziel vor sich: Snape zum Reden zu zwingen.

Schwer zu sagen, wer genau, das ist aber nicht so wichtig: ich habe es nicht geschafft, ihn zu identifizieren, ist zu stark.

Das kann aber nicht er sein, Sir! Fast nichts ist von ihm geblieben, und um die Legillimenz zu benutzen, muss man imstande... ich meine, mindestens muss man aus Fleisch und Blut sein!

Lord Voldemort verfügte über solche Möglichkeiten, insbesondere über die Fähigkeit zur Legillimenz, dass, ich glaube, der Tod, oder wie man es nennen kann, sich wesentlich auf diese Möglichkeiten nicht auswirken kann, - brummte Snape. – Und der Körper ist keine Pflichtbedingung, damit man Zauberei machen kann, Potter, einfach eine verblüffende Unwissenheit!

Harry bevorzugte, zu schweigen.

Doch ist es offensichtlich notwendig..., imstande zu sein, - fuhr Snape fort und fing an, das Zimmer mit Schritten nervös zu messen, ohne zu bemerken, dass er auf das Prinzip „Je weniger Harry Potter weiß, desto besser" allmählich verzichtete. – Ich zerbrach mir den Kopf darüber mehrere Monate lang, habe in meinem ganzen Leben keinen so vielen Stoff in schwarzer Magie studiert, wie während der letzten eineinhalb Jahre! Und überall gab es bloß die Nachweisungen, Andeutungen, Runenschriften, deren Bedeutung keiner von den jetzt Lebenden weiß. Ich konnte nicht fassen, warum man sie nicht zu übersetzten versuchte, als viele noch diese Kunst beherrschten. Die einzige logische Konsequenz war folgende: sie hatten in sich etwas solches, dass niemand sie übersetzten wollte, in der Hoffnung, dass in diesem Fall nichts Schlimmes passiert. Ich fühlte immer das Atmen des Bergs, als ich mich mit diesem Rebus beschäftigte. Und nicht nur mit diesem. Ich musste die Ereignisse der tausendjährigen Entlegenheit im Gedächtnis erfrischen und auch die Urquellen durchlesen. Aber auf die Antworten musste ich auch selbst kommen.

Auf die Antworten? Sir, was kann der Berg dafür?

Meine ganze Unruhe war ursprünglich auf Ihn konzentriert, - Snape hielt und seufzte schwer auf. – Du hast schon vielleicht verstanden, was ich in meiner Höhle machte. Aber das war noch nicht alles. Ich sammelte die Informationen über den Berg, und sie wurden immer alarmierender. Ich fühlte kein Brennen des Dunklen Mals, wie es Mr. Malfoy jetzt fühlt, deshalb hab ich beschlossen, dass wenigstens auf dieser Front alles aus ist. Kennst du die Legende über Slytherin?

Ja, wir haben sie gelesen. Dort steht nur, dass er die Möglichkeit erwartet, sich zurückzukehren, aber... wie ist es möglich?

„Zurückkehren" kann man durch mehrere Weisen, und fast alle von ihnen vermuten die Anwendung der schwarzen Magie. Eine der Weisen ist die Ausnutzung von Horkruxen und ein besonderes Ritual, dem du eine Möglichkeit bekommen hast, beizuwohnen. Aber es gibt auch andere... viel ältere. Man braucht einfach zu viel Zeit, um sie alle zu entdecken. Das Leben kann dafür nicht ausreichen, damit alle uralten Schriften studiert werden, ich verfüge zum Glück aber über gewisse Fähigkeiten zu Altsprachen.

Weiß etwa niemand darüber? – wurde Harry erstaunt. – Wenn es aber solche Quellen gibt, muss man sie verbieten oder vernichten.

Und wie wäre es mit der Tatsache, dass das die ältesten Kulturdenkmäler der magischen Welt sind? – verzog sich Snape. – Glaubst du im Ernst, Potter, dass die magische Gesellschaft das tun würde? Nein, sie sind sehr wertvoll und stellen eine große Gefahr dar. Salazar Slytherin hat nämlich keine ausführlichen Beschreibungen hinterlassen, wie er den Schlüssel zur Unsterblichkeit suchte, aber einige seine Aufzeichnungen wurden jedoch bewahrt... von Rowena Ravenclaw.

Ja, sie hat ihn doch nach der Schlacht besucht! – rief Harry auf und wurde düster. – Sie fand doch Gefallen an ihm und das bedeutet, dass sie etwas wissen konnte.

Offensichtlich, - stimmte Snape kalt zu. – Sie war doch sehr vorsichtig und hat alles, was sie finden konnte, versiegelt. Sie hat sehr starke Sprüche verwendet, aber sie wurden schwach mit der Zeit, und einen schönen Tag wurden die Schriften gestohlen.

Von wem?

Das ist gerade völlig unbedeutend, sie wurden in einer reich inkrustierten Schachtel bewahrt, so dass das ein ganz gewöhnlicher Dieb war. Er hatte keine Ahnung, was da drin war, und versuchte, sie aufzumachen. Da braucht man sich nicht zu wundern, dass die angekommenen Mitarbeiter vom Ministerium ihn nicht einmal beerdigen konnten...

Wann war das? – flüsterte Harry entsetzt.

Anfang des vorigen Jahrhunderts. Seitdem wurden sie in vielen Orten bewahrt und ständig übertragen. Ihre Lage war nur einem sehr engen Menschenkreis bekannt, und alle mussten wenigstens halbblutig sein. Keiner von Muggeln kann am Leben bleiben, wenn er sie sieht.

Ja, Salazar Slytherin hatte den Sinn für Humor, - murmelte Harry. – Aber Sie haben das eben gesagt... Sir, treten Sprüche etwa nicht außer Kraft, wenn der Zauberer stirbt?

Nicht alle, - Snape wirkte schon stark irritiert. – Man sollte doch ein Stück mehr, als Konspekte vor der Prüfung, lesen, Potter! Die Schutzsprüche können ziemlich lange funktionieren, was Flüche angeht, werden sie mit der Zeit erst recht stärker.

Wie haben Sie es geschafft, die Schriften zu kriegen?

Das ist nicht mein Verdienst. Nämlich... hatte ich keine Ahnung von irgendwelchen „Rückkehren", und erst recht – über die Weisen, wie man das tun könnte. Das war für mich eine Art Mystikbereich, und die Quellen in diesem Bereich wurden immer gut bewacht. Deshalb war für mich die Entdeckung solches Begriffes, wie zum Beispiel „Horkrux", schon wie die Explosion einer Supernova für einen Astronomen. Ich fuhr selbstverständlich fort, die Sache weiter zu forschen, und kam sehr bald auf die Informationen, die man von mir so geschickt verbarg..., - Harry erhörte aufrichtige Bitternis in seiner Stimme. – Und dann... dann habe ich noch eine Bestätigung bekommen.

Harry erstarrte, Snape eilte aber mit der Fortsetzung nicht. Er stand regungslos, wie ein Standbild, blass und entschlossen, aber da war die Übererschöpfung in jedem Zug, in jeder Geste und Bewegung. Es fiel Harry ein, dass er zu viel auf sich genommen haben musste, hielt es aber für seine heilige Pflicht, dieses enorme Stück zu verschlingen.

Ich wusste über die Legende schon seit langem, natürlich, habe aber sie nie ernst genommen, - fing Snape an, leise zu sprechen. – Aber so lange, bis ich begriff, dass Lord Voldemort sie ernst nähme. Doch interessierte er sich nicht zu eifrig für die Schriften, er hatte doch andere Sorgen. Das heißt, bis er den Elder Stab erwischt hat, - Snape warf einen mit Abscheu vollen Blick auf den Elder Stab in seinen Händen. – Dann hat er die Schriften bekommen.

Hat Voldemort die Schriften durchgelesen? – rief Harry ach, und sein Herz klopfte beschleunigt.

Klar, sie alle, - erwiderte Snape gelassen. – Es handelte dort von vielen Dingen, darunter von Unsterblichkeit. Selbstverständlich, verließ er sich auf seine Horkruxe, aber die Alternativen lockten ihn auch an, obwohl sie sich als nicht sehr verführerisch erwiesen haben. Slytherin wusste sehr gut, was er tat. Laut der Schriften, bewohnt sein Geist immer noch den Berg und wartet nur auf jemand, der sich dort einfindet, um ihn zu befreien. Das ist aber nicht so einfach. Eine kleine Bedingung ist erwünscht.

Was für eine?

Im allgemein, noch ein Geist.

Was? – Harry war mit dieser Entdeckung betäubt, er sprang auf und näherte sich Snape zu. – Bedeutet das etwa, dass...

Erstaunlich, wie schnell manchmal das Gehirn bei denen arbeitet, die diese Fähigkeit gewöhnlich nicht benutzen, - Snape trat zurück, in die Finsternis. – Das bedeutet nichts, Potter, eine reine Vermutung. Du hast gesagt, dass nichts von ihm übriggeblieben ist, aber es steht nirgendswo in den Schriften darüber, inwiefern schwach oder stark der Geist sein soll. Folglich...

Viele müssen doch versucht haben! – unterbrach Harry ihn, es schüttelte ihn, wie ein Fieber. – Es kann nicht sein, dass das der erste Vorfall...

Hast mir überhaupt zugehört, Potter? – fauchte Snape böse. – Niemand hat diese Schriften bis zum Ende gelesen, bevor Lord Voldemort, niemand versuchte, sie genau zu übersetzen. Natürlich verstand Rowena Ravenclaw, zum Beispiel, worum es ging, aber sie hatte doch keine Erklärungen beigelegt, weißt du? ... Weiter stand dort, dass ein Blutopfer gefordert wird, viele Opfer.

Der Becher! Ich habe ihn schon mehrmals gesehen.

Ja, das ist wirklich ein großer Becher. Darüber existieren auch zahlreiche Legenden, auch sehr alte, aber sie sind nur in wenigen Quellen bewahrt. Und die dritte Komponente des Rituals - ein Spruch, nur noch ein Spruch, um das Fleisch wiederzuerlangen.

Und jeder kann ihn aussprechen, nicht wahr?

Nein, nur derjenige, der den Becher erreicht und am Leben bleibt, viele sozusagen zufällige Personen wurden von der Zauberei des Bergs vernichtet. Das ist ihr Blut, das jetzt im Becher gesammelt ist, noch ein bisschen...

Sie sagen es so, als ob der Berg lebendig wäre, - Harry schauderte.

Ja und nein, - erwiderte Snape unbestimmt. – Niemand weiß genau, was für eine Substanz Ihn bewohnt, aber, wie dem auch sei, der Berg hat den Slytherins Geist bewahrt und verstärkt. Und er hat vielleicht damit gerechnet, damit niemand ihn siegen kann.

Gryffindor hat ihn besiegt, - sagte Harry langsam. – Also, wie stark rasend er in seiner Einsperrung werden mag, gibt's eine Weise...

Eigentlich, die einzige, - schnitt Snape ihn ab, - den Becher zu vernichten. Das ist aber niemandem nach Kräften, wenn man einen besonderen Spruch nicht weiß. Ich werde ehrlich sein, der ist mir unbekannt, und es ist fast keine Zeit mehr für Nachsuche.

Und was hat Voldemort getan, nachdem er die Schriften durchgelesen hatte?

Hat beschlossen, ihre Echtheit zu prüfen.

Und er hat sich zum Berg begeben?

Ja. Er weilte dort ziemlich lange, und es ist unbekannt, welche Konsequenzen er daraus gezogen hat, aber das hat mich beunruhigt. Eigentlich, war das das Erste, was ich zu unternehmen versucht habe, - die Schriften nach seinem Tod zu stehlen, das habe ich nämlich geschafft.

Haben Sie das mit Dumbledore besprochen? – fragte Harry rasch.

Snape zögerte. Harry wusste, dass er ihm weh tat, aber er war auch darüber bewusst, wie wichtig es für ihn selbst war, alles zu wissen, um den Entschluss zu fassen.

Nein, habe ich nicht, - antwortete Snape endlich. – Wennschon du über die Flüche, die nach dem Tod des Zauberers ihre Wirkung aufgeben, erwähnt hast... Ich und Voldemort hatten was Gemeinsames: wir vertrauten niemandem.

Sir, wenn er Sie verzaubert hat, bedeutet das, dass etwas Ihnen bekannt war?

Sehr vieles, Potter... Lord Voldemort war am Berg nicht alleine...

Wissen Sie den Weg zum Berg? – Harry wurde überrascht, tatsächlich aber nicht erstaunt über diese Offenbarung.

Weiß ich. Alles, was in den Legenden steht, ist wahr, aber Lord Voldemort konnte mit den Basilisken und Inferi umgehen, so dass keine Probleme da entstanden waren. Der Ort selbst ist untauglich für Menschen, es ist gefährlich, sich dem Berg zu nähern. Ehrlich gesagt, ist Azkaban viel fröhlicher.

Harry schauderte und sah sich Snapes Gesicht, in Finsternis verborgen, genau an. Auf seinen Lippen spielte ein seltsames Grinsen. Eine Grauenwelle packte Harry, und er wankte unwillkürlich zurück.

Also, - schluckte er, den Blick mit Mühe abwendend, - der Spruch hat Sie verhindert, darüber zu sprechen?

Hat verhindert, sich daran zu erinnern, sagen wir so, - präzisierte Snape. – Dann musste ich verschwinden, und ich habe die Schriften mitgenommen. Parallel begann ich, alle diejenigen zu verfolgen, die was damit zu tun hatten. So stieß ich auf Holder, - jetzt klang die stärkste Feindseligkeit in Snapes Stimme, - einen großen Spezialisten in diesem Bereich, der die Anerkennung heiß begehrte. Sehr bald stellte ich fest, dass er auch nach den Schriften suchen musste, und da nur ein Teil von ihnen in meinen Händen war, über den er nicht gewusst hatte, suchte Holder gerade den, wo es über die Schätze geschrieben ist. Über den Berg wusste er genug und war sicher, dass diese Kenntnisse ihm taugen werden, wenn er Hindernissen begegnet.

Hatte er es doch nicht im Begriff, dass ein Teil davon weg war?

Was am erstaunlichsten ist, gehörte er überhaupt nicht dem Kreis, der wusste, wo die Schriften waren, deshalb musste er eine große Findigkeit vorzeigen, vielleicht auch Veritaserum oder den Imperius-Fluch benutzen, aber er hat immerhin ein Richten erhalten und suchte dann die Karte überall.

Wo kommt diese Karte überhaupt her? – fragte Harry, indem er alles daransetzte, um die Information zu verdauen.

Man soll vermuten, wurde von Slytherin selbst hergestellt, ich finde das nicht zum Wunder, wenn er darüber Rowena Ravenclaw gebeten hatte, seine Notizen zu bewahren. Wie du dich daran wahrscheinlich erinnerst, ist die Karte sehr einfach, nur noch einige Symbole zeugen, dass es sehr gefährlich ist, ihr zu folgen. Ich mutmaßte dunkel, dass Slytherin bald seine Stunde bekommen konnte, und sammelte irgendwelche Informationen auch über Holder. Hinter dem Rücken hatte ich zahlreiche Verfolger, deshalb musste ich vorsichtig handeln. Und dann bist du ins Haus geschneit gekommen! Insgesamt konnte ich die Tätigkeit erst Ende Frühling aufnehmen, und nach einer Weile verstand ich, dass etwas schon passiert ist. Über deine Narbe habe ich mit dir gleichzeitig erfahren...

Was bedeutet das, Sir? Ich war sicher, dass die nie mehr weh tut! Und außerdem bedeutet das, dass Voldemort... dass er sich damals schon Slytherin angeschlossen hatte?

Scheinbar, ja, - erwiderte Snape trocken. – Auch Mr. Malfoy... Siehst du, seine Mutter war durch das Dunkle Mal beunruhigt, hatte niemand, darüber zu schreiben, so hatte sie das mir mitgeteilt. Dann bekam ich die Möglichkeit, das mit eigenen Augen zu beobachten, aber heimlich von Mr. Malfoy.

Verfolgen Sie auch ihn?

Es kommt so. Meinerseits wäre das nicht sehr gut Narzissa gegenüber gewesen, wenn ich ihn sich selbst überlassen hätte. Zumal wenn Slytherin wiedererwacht, glaube ich nicht, dass wir alle bei ihm in Ehren stehen werden.

Und was hat Voldemort davon? Er wird doch nichts kriegen, Slytherin wird kaum seine Macht mit ihm teilen.

Ich denke, er rechnet damit, Slytherin zu betrügen. Hat nicht viele Chancen, aber er hat doch nichts zu verlieren. Eigentlich, gibt's noch Holder. Er hat nicht vor, jemand beim Wiedererwachen zu helfen, aber Slytherin, bin mir sicher, wird ihn zwingen, den Spruch auszusprechen, mit allen Mitteln. Ich versuche, die Zeit zu bestimmen, Holder vertraut aber seine Ideen niemandem seiner Anhänger. Es hat doch jetzt keinen Sinn, zurückzutreten. Wenn ich den Zerstörungsspruch wüsste, würde ich dorthin gerade jetzt aufbrechen.

Aber, Sir, kann man ja nicht, einfach etwas sehr Zerstörendes verwenden?

Nein, Potter, kann man nicht! – Snape geriet wieder in Wut und fing schon wieder an, auf und ab zu gehen. – Du kannst es dir nicht vorstellen, womit man zu tun haben muss. Der Berg verzaubert, unterwirft, saugt alle Lebenskräfte aus, wie Tausende Dementoren! Der Becher ist kein einfaches Artefakt, sondern ein echtes Konzentrat der schwarzen Magie. Vielleicht ist er – der Körper von Slytherin, verwandelt oder einfach illusorisch. Potter, ich würde nie im Leben dem Berg noch einmal nahen, wenn jemand die Karte Holder nicht preisgegeben hätte!

Harry lief purpurrot an und stürzte sich in Kampf.

Donner und Teufel! Habe ich eigentlich das nicht so einfach getan, war nicht nur auf meine eigene Rettung bedacht, sondern auch auf jemands andere! Man könnte auch glauben, hätte Slytherin keine andere Weise gefunden, den Weg Holder mitzuteilen, wenn die Vampire mich umgebracht hätten!

Idiot! – Snape presste seinen Zauberstab fest zusammen. – Man könnte glauben, wäre Holder gegangen, wenn er verstanden hätte, womit er was zu tun hat und womit es drohen kann. Er ist jetzt so nah zum Berg, dass Slytherin eine bestimmte Macht jetzt über ihn hat, was nämlich seine Absicht war!

Erstens, dürfen Sie mich nicht einen Idioten nennen, Professor, - sagte Harry deutlich, seinen Stab hebend, - und zweitens... hmm, sie wollen, anscheinend, das allein verhindern, haben aber Angst, mit Holder von Angesicht zu Angesicht zu treffen, na ja, dort gibt's eine starke Wache...

Was hast du gesagt?

Oh, es sieht danach aus, als ob ich den wunden Punkt getroffen hätte! – sagte Harry höhnisch. – Es wäre aber einfacher, Holder zu erledigen, als den Becher zu zerstören, oder?

Er wusste selbst nicht, was doch in ihn gefahren war, die Worte entkamen aber ihm, einander anstoßend, in der Absicht, einen Schlag zu versetzen. Harry wusste, dass er sich nicht so ärgern sollen hätte, aber der Schmerz peinigte ihn immer noch, weil Snape ein gutes Verhältnis zu seiner Person nie geschätzt hatte. Und Harry war schon davon müde, zu erklären, warum er die Karte verraten hatte, obwohl das natürlich nicht der einzige Grund war.

Er war sicher, dass er jetzt solch eine gute Ladung von Zauberei kriegt, dass er bis zum Lebensende stammeln wird, nichts aber geschah. Snape maß ihn mit einem abwesenden Blick und griff, wer weiß wozu, mit der Hand in seine Tasche. Harrys Emotionen ließen allmählich nach, die nächste Sekunde möchte er schon seine Worte zurücknehmen, die Zunge gehorchte ihm aber nicht. Snape reichte ihm die Flasche und sagte:

Einmal pro Tag sollte man das einnehmen. Drei Schlucke reichen. Wenn Sie nichts dagegen haben, Mr. Potter, möchte ich mich jetzt ausruhen.

Harry nahm die Flasche verwirrt und fing an, zu gucken, wie Snape die Reisedecke vom Bett abnahm und sie in den einsamen Sessel vor dem Kamin warf.

Werden Sie dorthin doch nicht allein gehen, Sir? – entfuhr es Harry plötzlich.

Man könnte glauben, kümmert das Sie tatsächlich. Sie haben es einfach nicht gern, geschäftslos zu bleiben, - Snape gab sich sehr viel Mühe, um ruhig zu sprechen, Harry fing aber sowieso die Spannung auf.

Ich möchte... ich möchte sehr mit Ihnen gehen, Sir.

Um umzukommen? Sehen Sie, Potter, ich glaub nicht, dass ich zurückkehre.

Deshalb müssen Sie nicht allein gehen, wir können das gemeinsam schaffen.

Haben Sie denn keine Angst, Mr. Potter? Ich bin ja ein Feigling, kann Sie plötzlich im Stich lassen, und Sie finden sich nie heraus.

Hören Sie auf, Sir, Sie wissen doch, dass ich das nur so einfach... aus Bosheit, - murmelte Harry. – Und sonst... verstehen Sie doch, was ist denn das für eine Gewohnheit, nach Komplimenten zu fischen? Das ist auch so selbstverständlich, dass Sie unter uns der Tapferste sind... Aber nur ein bisschen exzentrisch...

Schon so? – Snape kam auf Harry zu, und der sah ihn unwillkürlich an. Jetzt ging von ihm kein Grauen, sondern etwas anderes aus, meinetwegen, etwas an Lustigkeit grenzendes. Die schwarzen Augen schienen, zum ersten Mal seit vielen Jahren lebendig geworden zu sein. – Ein bisschen, ja? Ist das doch Ihr Kompliment, Potter?

Harry lächelte. Snape wurde doch schon wieder düster und zuckte misstrauisch die Achseln.

Wissen Sie was, Professor, - sagte Harry, - ich glaube an Sie. Und das, was ich hier jetzt zusammengeredet habe, ist... ist gar nichts wert! Ich will einfach, dass Sie wissen...

Ich habe dich ja schon verstanden, Potter, verschwinde mir aus den Augen! – sagte Snape verlegen und ging zum verhängten Fenster. – Vergiss nur den Trank nicht.

Schon gut, Sir. Gute Nacht.

Welche Nacht?

Na, genug schon, - wurde Harry ein wenig ärgerlich, setzte aber den Streit nicht fort, drehte die Türklinke und ging in den Korridor hinaus.

Der Kopf verlangte eine Guillotine. Unter den zahlreichen Gedanken und Schlüssen begann Harry, eine positive Lösung krampfhaft zu suchen. Es fiel ihm aber nur eines ein: es nicht zuzulassen, dass Snape allein in die Grünen Moore aufbrach. Harry hatte ein sehr mieses Vorgefühl wegen des Endes des ganzen Unternehmens in diesem Fall und wusste auch fest, dass er sich selbst nie verziehen wird, wenn er einfach sitzt und das Ende erwartet. Wäre das aber kein Verrat den Freunden gegenüber? Sie haben versprochen, ihm zu folgen, aber was, wenn das es einfach ein Gemetzel sein wird? Harry erinnerte sich an den Becher, der, wie es sich herausstellte, mit Blut gefüllt wurde, - das hob sich nämlich schwarz unter der spiegelglatten Wasserfläche ab. Das bedeutet, dass Professor Snape nach dem Spruch sucht, dass dieses ungeheuerliche Artefakt zerstören könnte... Aber wo könnte das geschrieben stehen? Ob etwas in dem Teil der Schriften, der bei Holder ist? Wo ist er aber jetzt? In einem Geheimraum oder in einer gut bewachten Bibliothek? Ist sehr möglich. Snapes Erzählung war wie immer durch keine Einzelheiten gekennzeichnet, wozu Harry schon längst gewohnt war, jetzt aber brachte das ihn aus der Fassung. Es fielen ihm die Erinnerungen über die Höhle mit dem Inferisee ein. Da war also Voldemort auf die Idee gekommen! Als er diese alten Legenden als Halbwüchsige durchgelesen hatte! In den Büchern, die später verboten wurden. Nichts aber ist neu auf dieser Welt! Na ja, wird aber der Slytherins Zauberstab auch im Berg bewahrt? Zwar kann er schon so von der Macht des Bergs erfüllt gewesen sein, dass er ihn vielleicht schon nicht braucht.

Harry!

Er drehte sich abrupt um und sah Luna. Sie kam auf ihn unschlüssig zu und hielt nebenan.

Luna, bist du das? – fragte er verspätet.

Ja, bin ich das, - sie sprach irgendwie merkwürdig, gar nicht ihrem gewöhnlichen überirdischen Ton ähnlich. – Bist du hier allein gewesen?

Nun... ja, - wunderte Harry sich.

Ich dachte bloß, ob du vielleicht gesehen hast... Alles Gute dann, - sie lächelte vage und ging weg.

Meinst du Neville? Er ist in unserem Gemeinschaftsraum bestimmt! Soll ich ihn rufen?

Nein, nein, - antwortete sie erschrocken, ohne sich umzudrehen. – Er wird bald zu sich kommen, rege dich nicht auf. Und außerdem, suchte ich nicht nach ihm.

A-ach, so - sagte Harry verwirrt.

Das macht aber nichts aus, dass du nicht gesehen hast, alles muss gut sein.

Äh, natürlich.

Tschüss dann, Harry!

Tschüss.

Harry sah ihr nach, bis sie hinter der Kurve verschwand, und seine Verwunderung steigerte immer hoch. Es gelang Luna immer, ihn nur mit ihrer Erscheinung zum Bewusstsein zu bringen, jetzt fühlte er, dass sie jetzt jemand brauchte, hatte aber nicht. Es konnte aber so sein, dass niemand wusste, wie man an sie herankommen musste.

Harry schüttelte seinen Kopf. Wenn Ginny es nur erraten konnte, dass Luna Hilfe brauchte. So oder so, konnte er selbst nichts Wesentliches unternehmen, weil er schon seine Chance verpasst hatte. Sich selbst stark tadelnd für die Unaufmerksamkeit, stieg Harry in den Gemeinschaftsraum der Gryffindor, fand dort aber niemand.

Wo amüsieren sie sich doch bei solchem Frost? – Harry zuckte verblüfft die Achseln, drehte sich im Sessel am Kamin zusammen und versuchte, einzuschlafen.

Sein letzter Gedanke war: „Ich habe immerhin noch ganz viel zu lernen".

Die einigen darauffolgenden Tage schneite es in dicken Flocken, eine ausgestreckte Hand weit war es schon nichts zu sehen. Aber die wenigen Bewohner des Schlosses schafften es jedoch, von Zeit zu Zeit zu verschwinden: jemand nach Hogsmeade, die anderen zum Ufer des Schwarzen Sees, wenn das Schneegestöber ein bisschen nachließ, oder wagte man zu einem Quidditschspiel, nach dem die Kühnen, vom Schnee angehaftet, mit verheiserten Stimmen, sich in Scharen in den Gemeinschaftsraum hineinstürzten und bis in die Nacht hinein Schach oder Karten spielen.

Harry verbrachte fast die ganze Zeit mit Ginny, Ron und Hermine. Manchmal blieben sie mit Ginny zu zweit und fingen an, im Schloß zu schlendern, wie in alten guten Zeiten. Einmal entschloss sich Harry zu einem Spaziergang in Hogsmeade, das Ergebnis erwies sich doch als beklagenswert: Ginny sank im Schneehaufen bis an den Gürtel ein, hat sich erkältet und musste einige Tage im Bett verbringen, dabei klagte sie sich über den Verlust der Immunität.

Hermine bestand auf die verstärkte Vorbereitung auf neue Teste. Das war ein großes Glück für Harry, dass Ron ihren Enthusiasmus nicht teilte, und er konnte wenigstens ihrem Andrang widerstehen. Außer Ginnys Krankheit tauchte eine andere wesentliche Veränderung in Harrys Leben auf: fast alle Mitglieder der DA fehlten in Hogwarts, es wurde ihm dort ein bisschen langweilig und er musste also pauken. Übrigens blieb Luna im Schloss, aber er wusste absolut nicht, worüber er mit ihr sprechen sollte, und sie verhielt sich zurückhaltend, sogar Ginny versuchte nicht, ein Gespräch mit ihr anzuknüpfen. Harry hatte eine besondere Angst, an Snape vorbeizukommen, konnte aber nicht genau sagen, warum. Nachdem er den Trank regelmäßig einzunehmen begonnen hatte, erlangte er die Fähigkeit, klar und deutlich zu denken, und begann, das letzte Gespräch in Einzelheiten zu analysieren. Snapes allgemeine Stimmung machte ihn aufmerksam, der den Eindruck eines Menschen machte, dem es völlig recht war, dass er alles allein ausrichten musste und sich dann ohne jegliche Kontrolle zeigen konnte. Harry fragte sich sogar, ob Snape vielleicht das über den Spruch, der ihm angeblich von Voldemort aufgehalst wurde, gelogen hätte. Snape konnte doch Dumbledore in Voldemorts Pläne beabsichtigt nicht eingeführt haben, wenn er schon ahnte, wozu das führen wird. Harry wies sich aber sofort zurück, der Verdacht hat jedoch nur zugenommen.

Am einen der kalten Abende saß Harry im Gemeinschaftsraum und dachte nach.

„Warum hat Voldemort Snape überhaupt mitgenommen? Wir haben das schon mit Dumbledore festgestellt, dass er immer bevorzugte, seine Angelegenheiten allein zu erledigen. Und soviel ich ihn selbst kenne, eher fühle, stimmt das voll und ganz. Warum doch solche Ausnahme?" – Harry erstarrte plötzlich. Ob Voldemort schon damals jemand suchte, der nötigenfalls denselben Spruch aussprechen könnte? Die Gedanken fingen an, fieberhaft zu arbeiten. Ob Snape selbst das verstand? Aber es wäre jetzt ihm wahrscheinlich egal. Er ist doch so mit den Suchen nach dieser unglückseligen Beschwörung beschäftigt... Harry versuchte immer wieder, für sich selbst zu entscheiden, ob er die DA mitnehmen wird, er wusste dabei hundertprozentig, dass Snape sie in diesem Fall auf halbem Wege lassen und allein weitergehen wird. Und niemand von den Freunden konnte das begreifen, und die allgemeinen Empörung und Einspruch waren schon jetzt völlig garantiert. Harry fühlte sich von allen Seiten verantwortlich, aber er hielt es doch für seine größte Verantwortung, über Snapes Schicksal Bescheid zu wissen, der davon auch wusste aber nichts dazu sagte. Harry versank mit dem Gedächtnis in den Moment, als er verstand, dass er sterben musste, er wusste darüber und nahm das fast ruhig an. Jetzt wäre er auch völlig dazu bereit, das wieder zu machen, aber... mit einem anderen Ende. Harry verstand, dass er zu einem Egoisten wurde, allen Dumbledores Versicherungen zuwider, aber er wollte einfach, dass dieser Mensch lebte und glücklich war, wenn das nur möglich wäre. Snapes innere Zustand beunruhigte ihn am meisten: wie eine straff aufgezogene, zerrissene Saite... Es musste nämlich an diesen verdammten Schriften, an diesen idiotischen Dunklen Arten liegen! ... Harry schlug mit der Faust auf den Tisch und sprang hoch. Jetzt musste er mit jemandem sprechen, aber nicht aus der DA. Und auch nicht mit Ginny. Harry schmunzelte sarkastisch, als er sich Malfoys Reaktion auf die Erzählung über seine Frustration vorstellte.

„Hagrid! – schoss es ihm durch den Kopf. – Ich bin bei ihm ja seit Ewigkeiten nicht gewesen! Ja, gerade zu ihm brauche ich jetzt!"

Harry ging ins Schlafzimmer und machte das Licht auf. Die aufgeweckte Hedwig schlug zornig mit den Flügeln und fing an, zu heulen. Harry entschuldigte sich und warf ihr ein bisschen Futter. Sie aß ein wenig, dann verfolgte, wie er sich in den Wintermantel und den Schal einmummte.

Heut' bin ich bei Hagrid, - sagte er zu ihr, die Fäustlinge anziehend. – Denk', bin sehr spät zurück.

Hedwig nickte verständnisvoll und begann plötzlich, mit den Flügeln zu rauschen, sich mit ganzem Körper zum Fensterbrett ausdehnend. Harry sah in die Richtung und – aber, natürlich – bemerkte die Feldflasche mit Snapes Zaubertrank. Heute hat er ihn noch nicht eingenommen. Verdankt und überrascht, streichelte er den Vogel mit den Fingern und steckte die Flasche in die Umhangstasche.

Die Finsternis draußen schien milchweiß wegen der Schneewehen, sie schimmerten stellenweise orange, wenn das Licht einer Fackel auf sie fiel. Sich nach diesen Flämmchen orientierend, erreichte Harry die Außenwand des Schlosses und verließ das Territorium durch einen der Brüche, die noch nicht instandgesetzt worden waren. Hagrids Hütte war nicht zu sehen, und Harry ahnte nur die ungefähre Richtung. Bald kam sie zum Vorschein, renoviert und fast ganz aus Holz; sie schien ihm so, als ob ein kleiner Schneehafen sich aus der Weiße hervor schwamm. Der Halbmond kam Harry zu Hilfe, er tauchte hinter den Wolken hervor, und der Schneefall beruhigte sich. Harry erstarrte, die Natur bewundernd, sich jeden Ton dieser Schneenacht anhörend. Und da fing er etwas Fremdes auf: der Schnee knisterte unter jemands leichten und scharfen, wie bei einem Tier, Schritten. Welches Tier würde aber sich aus seinem Bau bei solchem Wetter hinausstrecken? Harry spannte sich innerlich an, nahm den Zauberstab heraus. Die Schritte kamen immer näher, er sah aber niemand dabei und konnte aus unbestimmten Gründen nicht feststellen, von welcher Seite dieses unerkannte Subjekt sich ihm näherte.

„Ein guter psychologischer Angriff, - munterte Harry sich auf. – Die kennen aber den Gryffindor noch nicht!" – ohne lange nachzudenken, beschloss er mindestens auf sich die Aufmerksamkeit zu lenken, richtete den Stab in die Finsternis und flüsterte:

Expecto Patronum!

Der silberne Hirsch beleuchtete im Nu eine große Fläche, und Harry fuhr zurück: zwei Meter von ihm entfernt krümmte sich eine menschliche Figur. Sie presste ihre Hände an den Kopf, und bei jedem Lichtstrahl, die der Patronus aussendete, bedeckte die Haut auf den Händen sich mit neuen schrecklichen Brandwunden, von denen ein gräulicher Rauch ausging. Der Mensch, wenn das nur ein Mensch war, schrie laut. Harry lauschte instinktiv, zu neuen Angriffen bereit, nichts aber passierte. Ein Licht wurde in Hagrids Hütte angezündet, Harry lenkte sich darauf ab und leitete den Stab zur Seite. Ein erbittertes Geheul, der kaum einem Menschen gehören konnte, ertönte. Harry drehte sich erschrocken um und wurde stumm: die Figur griff ihn an, statt der Finger hatte sie aber jetzt was Scharfes, das Gesicht war hinter einer Kapuze versteckt. Sobald die Angst ins Herz eindrang, fing der Patronus an, zu erschlaffen und zu verblassen, Harry schleuderte mit ein paar Angriffsprüchen, aber das hat der Figur nicht im Geringsten geschadet. Harry spürte, dass er im Schnee steckenblieb. In der Hütte bellte Fang, Hagrid klirrte schon mit den Riegeln, alles dauerte ein paar Sekunden... Etwas Dunkles erschien aus nirgendswoher, machte eine schroffe Bewegung und hielt sich neben der Figur in der Kapuze an. Und die wurde weich, und dann verwandelte sich in Asche.

Harry erkannte Snape mit Mühe und senkte sofort den Zauberstab. Der wollte, anscheinend, schon in eine zornige Tirade ausbrechen, aber an der Schwelle der Hütte war schon Hagrid mit der Armbrust bereit und sagte bedeutend:

Was ist hier los? Ins Licht treten, rasch! Sonst schieße ich! Fang, los!

Fang mit einem rasenden Gebell stürzte sich auf sie zu. Harry deckte Snape auf jeden Fall mit sich selbst, und Fang rannte ihn um.

Fang! – rief er vor Schmerzen, und das Knurren über ihm hörte sofort auf. Die nächste Sekunde leckte der Hund schon Harrys Ohren und Nase.

Ein blöder Hund! – fauchte Snape leise, und dann hörte Harry das pfeifende Geräusch der kleinen Flügel.

Was für'ne Teufelei? – rief Hagrid auf, Harry aufhebend. – Man kann von hier aus aber nicht apparieren! Eine tolle Sache! Was war hier los, Harry? Ich meine, hat man dich angegriffen?

Gab's so was, - bestätigte Harry, sich die Aschenreste auf dem Schnee anschauend, - man hat mir aber rechtzeitig ausgeholfen, du brauchst dich aber nicht aufzuregen, Hagrid, alles'st OK.

Warum musste mich der Teufel reiten, mich voll und ganz zu verriegeln! – grämte Hagrid sich. – Konnte doch zu spät sein, äh? Oder hast du denn'ne Wache?

So ähnlich, - wurde Harry lustig. – Ich ging nämlich zu dir.

Zu mir? – erstaunte Hagrid. – Du bist hier schon seit...

Ich weiß, - sagte Harry schuldbewusst, - etwas klappte immer nicht...

Hagrid fing an, gutmütig zu nicken, und lud ihn hinein, ohne weiter auszufragen. Harry erinnerte sich an die Feldflasche, nahm sie heraus und machte drei Schlucke.

Was'st mit dir, Harry? – fragte Hagrid argwöhnisch. – Möchtest vielleicht lieber Tee?

Das ist kein Feuerwhisky, - lachte Harry, - das ist so... nützlich für die Gesundheit.

Ist was los? Siehst nicht besonders gut aus. Hast dir was zugezogen?

Nein, - Harry wollte sehr über etwas erzählen, aber er stellte sich Hagrids Entsetzen vor, und der Wunsch verging. – Einfach eine kleine Mattigkeit, weißt du, man gibt so viel, wie noch niemals, auf. Sogar Hermine beklagt sich darüber.

Na, so was, - fühlte Hagrid ihm mit, sich mit dem Teekessel beschäftigend. – Und ich habe gehört, dass die dort die Zeit für, sozusagen, selbstständiges Studium geben.

Na ja, das lockt natürlich viele Narren an, - grinste Harry und machte sich in einem riesengroßen Sessel bequem. Fang hat schon seine ganzen Knie begeifert. – Ehrlich gesagt, wäre ich jetzt eher damit einverstanden, noch fünfmal die Prüfungen abzulegen, als dort zu studieren.

Da wird es aber leichter, wenn der Abschluss nah wird, - meinte Hargrid vernünftig, - irgendeine Praxis und so weiter.

Hoffe ich. Hör mal, Hagrid, bist du mit mir wirklich nicht böse? – Harry errötete ein bisschen. – Das war aber eine Schweinerei meinerseits...

Nein, Harry, nein, - Hagrid schüttelte den Kopf energisch, seine Augen wurden aber düster. Er nahm den Kessel vom Herd ab und stellte ihn schwer auf den Tisch, dabei hätte er beinahe die ganze Tischdecke mit dem siedenden Wasser bespritzt. Er wischte es ab, setzte sich dann und sah Harry direkt ins Gesicht: - Ich war mit dir zuerst böse... na, ungefähr zwei Monate. Dann aber... jedes Mal, wenn ich dich anblicke, siehst du mich nicht, immer so bist du ganz in Gedanken. Und diese Gedanken... als ob sie dich zum Boden beugen. In der letzten Zeit wurden sie nur stärker. Jetzt – glaubst du oder nicht – haben sie dich ganz und gar gedrückt. Wäre diese Qual schon vorüber!

Harry stellte die Tasse scharf auf den Tisch.

Hagrid, du verstehst nicht. Es gibt zwei Variante, und einer kommt jedenfalls, aber... Einfach etwas zu wissen und das nicht ändern zu können!

Über welche zwei Variante sprichst du da, Harry? – wurde Hagrid unruhig.

Für mich ist es wie üblich: entweder komme ich um, oder nicht, - antwortete Harry direkt.

Kümmern also dieser verdammte Südost und der verrückte Bürokrat dich so?

Also, das sind schon diese zwei Variante, - Harry nippte aus seiner Tasse wieder, dann seufzte auf und sagte: - Es wird einen neuen Krieg geben, Hagrid.

Hagrid nickte, ihn bestürzt ansehend.

Wir haben uns doch schon daran gewöhnt, nicht wahr? – fragte er beunruhigt, Harry aufmerksam betrachtend. – Sei ruhig, wir werden alles, was uns teuer ist, schützen, das mussten wir schon mal.

Verstehst du, ich... weiß jetzt genau, was ich verlieren muss, und das ist unerträglich, Hagrid. Ich kann das nicht verhindern, weil... weil ich schwach bin, weil ich nicht weiß, wie!

Kann nicht verstehen, Harry! Hast selbst unlängst über die Wahl geredet, alles erklärt, wie man gegen das Schicksal geht, und jetzt erklärst du mir, verstehst du, alles umgekehrt: sagst, hab ein Vorgefühl und kann nichts damit tun. Ist jemand krank?

Na... nein, - erwiderte Harry unsicher.

Wovon reden wir denn? 'st was dir gar nicht ähnlich. Na erinnere dich mal daran, was du über deine Mutter immer gesagt hast!

Harry starrte ihn überrascht an.

Was?

Schon vielmals, - sagte Hagrid ernsthaft. – Dass sie, du sagst, dich sehr geliebt und dadurch geschützt hat, so oder nicht? Und was'st du diesem Blutsauger ins Gesicht gesagt? Dass du alle geschützt hast, weil du für sie zu allem bereit bist, nicht wahr? Ich erinnere mich, ja... Dann kann ich nicht verstehen, bist du etwa beschwipst, Harry?

Harry sah Hagrid an, und einige grüne Sprossen kamen aus dem Frostboden in seiner Seele hervor, und reckten sich zur Sonne. Er lächelte diesem neu entdeckten Amerika zu und leerte dann seine Tasse mit einem Zug.

Du kannst dich nicht vorstellen, Hagrid, was du gemacht hast!

Und was? – erstaunte der Riese.

Weiß nicht, aber das gefällt mir! Ich kann jetzt atmen, Hagrid! – Harry sprang auf und begab sich zum Ausgang: - Danke, ich war ein hirnloser Kretin, und du bist einfach... einfach sehr gut, Hagrid. Danke.

Na, dann komm an mir noch vorbei, Harry, - Hagrid fuhr fort, ihn überraschend anzuschauen, er hatte nie solche Rede von Harry gehört. – Moment, ich begleite dich!

Hagrid führte ihn fast bis zur Innenwand, als sie Draco begegneten, ohne Mütze und im aufgeknöpften Mantel.

Weiter tue ich selbst, - sagte Harry zu Hagrid und holte Malfoy ein. – Möchtest du dich abhärten?

Waas? Ah, das bist du es, Potter.

Wer doch sonst? Eigentlich ist es heute gefährlich, so einfach herumzuschlendern, weil irgendwelche Typen in der Gegend herumlaufen, den Vampiren ähnlich. Einer...

Pfeife ich auf sie! – sagte Malfoy gelassen. – Hau ab, Potter.

Weißt du, ich meine, dass sie auf dich gar nicht pfeifen würden, - sagte Harry. – Wo warst du denn?

Und was?

Einach so. Kannst nicht antworten, wenn nicht willst.

Na, bei der Mutti, - antwortete Malfoy leise. – Weißt du, wen ich dort getroffen habe?

Nein.

Die Loony Lovegood. Sie reinigte das Grab vom Schnee, kannst du es dir vorstellen?

Kannst du aber sie danach Loony nennen? – empörte Harry sich.

Sie ist aber wirklich nicht recht im Kopf, - Malfoy zuckte die Achseln. – Ich fragte sie, wie zum Teufel sie dorthin geraten ist, sie erwiderte, es schien ihr so, dass es dann besser wird, wenn sie das machen würde, bei solchem Wetter usw. Mit einem Wort, labberte sie wie immer tolles Zeug. Sie ging dann schnell weg... Was machst du?

Harry bemerkte es nicht, wie er ihn am Kragen packte, seine Hände zitterten.

Rede-nie-so-was-über-sie! – sagte er getrennt. – Niemals!

Na gut, was spinnst du? – Malfoy schüttelte seine Hand ungeduldig ab. – Kannst du es aber nicht verneinen, dass sie... seltsam ist?

Dafür ist sie eine perfekte Hexe und eine wunderschöne Freundin! – stieß Harry boshaft hervor.

Ja, ich habe sie im Kampf gesehen, - stimmte Malfoy zu, er wurde auf einmal schlaff und dann sagte unerwartet: - Es wäre nur ein nasser Fleck von mir geblieben, ich kann ja nichts... Weißt du, ich fange schon an, es zu bedauern, dass ich die Lehrbücher nur während der Schlaflosigkeit aufgemacht habe.

Das kann man aber nachholen. Und außerdem haben wir jetzt Ferien, man kann eine Art Duellklub einrichten.

Nein, - Malfoy zuckte. – Ich werde mich vor euch blamieren, Leute.

Was schlägst du sonst vor?

Weiß nicht, - Draco sah sich um und flüsterte Harry ins Ohr: - Hör mal, ich hab' es versucht... na ja, du weißt... den Patronus auszurufen. Kurzum meine ich, dass ich das nicht schaffe. Ich trainiere tagelang und alles ist umsonst.

Weißt du, was man tun soll?

Etwas habe ich davon gehört. Mit halbem Ohr, - musste Draco unwillkürlich gestehen. – Man muss anscheinend an was Positives denken, ja?

Ja, aber wenn man damit beginnt, muss das die glücklichste Erinnerung sein, die stärkste.

Eine Erinnerung? – auch im schwingenden Licht der Fackeln konnte Harry sein verwirrtes Gesicht erkennen.

Und sie soll keinesfalls durch etwas finster werden! – sagte Harry mit Nachdruck. – Du hast so was unbedingt, man muss nur in sich selbst herumkramen.

Ach so, - sagte Malfoy gedehnt und wirkte schon total defätistisch. – Weißt du, es gibt vielleicht wenig Zeit...

Harry nickte.

Und das klappt bei mir nicht... ähm, daran nicht zu denken.

Das lässt sich verstehen, - erwiderte Harry ruhig. – Ich bemühe mich darum, nur daran zu denken, was für mich jetzt wichtig ist. Im allgemein bin ich froh, dass es so viele Probleme all diese Zeit gab, sonst hätte ich immer nur an die Verluste gedacht und mich an sie erinnert. Ich liebte sie alle..., die schon weg sind. Und die sind sehr viele, es schien mir sogar vor, dass zu viele für mich einen.

Wie hast du denn überlebt? – Malfoy verschlang ihn mit den Augen.

Überlebt? – Harry lächelte unwillkürlich. – Ich wurde, natürlich, manchmal von all diesem richtig überkommen. Für einige Tage oder mehr. Dann benutzte ich eine der effektivsten Ausgangsvarianten oder die beiden gleichzeitig, um mit der Depression fertig zu werden. Die erste ist: ich dachte an diejenigen, um die ich mich jetzt kümmern muss, und an diejenigen, um die ich mich in der nächsten Zukunft kümmern werde, ich dachte daran, wie ich mein eigenes Leben aufbaue, die nicht zu Ende ging, zum Glück oder Unglück, man muss aber das Erste vermuten. Die zweite folgt eigentlich aus der ersten: ich bin bestimmt dafür verantwortlich, was geschehen war, ich hatte mehrere blöde Fehler begangen, ich soll aber jetzt das Zerstörte wiederherstellen, und nicht mich von sich selbst und von diesem Last verstecken. Wenn die Freunde nebenbei sind, fühle ich es fast nicht, nicht weil ich davon entflohen bin, aber weil ich es nicht allein trage... Ähm, eigentlich irgendwie so ist es, - beendete Harry seine Rede ungewandt.

Cool ist wahrscheinlich, wenn nicht allein..., - flüsterte Draco neidisch, irgendetwas neben Harry anstarrend.

Man darf aber nicht vergessen, dass man sich selbst anvertrauen, sich öffnen soll, wenn jemand einem helfen will. Meiner Meinung nach, steht es mit Luna sehr einfach.

Hab' nicht probiert. Kannst du es mir etwas beibringen?

Meinst du den Patronus? Versuchen wir. Aber morgen, oder bringt Hermine mich wegen der Hausaufgaben um.

Ist es dort schwierig? – erkundigte Malfoy sich.

Wo? Ah, an der Schule? Na... ja, wenn ich ehrlich bin. Ohne Pauken geht's nicht.

Was lockt doch dort die Leute an?

Na, wenn man ein Ziel vor sich hat, muss er Hindernisse überwinden, um es zu erreichen...

Aha, wirst du also nach schwarzen Magiern jagen, Potter?

Ja, mit der Zeit. Wenn am Leben bleibe, - schmunzelte Harry.

Gerade du wirst am Leben bleiben, du bist doch bei uns ein...

Weiß schon, - winkte Harry ab, - aber da muss man abschwitzen.

Wann machen wir morgen an die Sache?

Glaube, gleich nach Mittagessen, geht es?

Ja, - Malfoy schien, sich den bevorstehenden Unterricht vorgestellt zu haben; er verstummte und antwortete den übrigen Weg unaufmerksam.

Ein freundlicher Tag fiel am nächsten Morgen aus, die Sonnenlichtreflexe flatterten leicht vom Stuhl aufs Bett, vom Bett – zum vergitterten Fenster und dann liefen sie die Wand entlang, auf niemand bekannten Pfaden. Der Verbotene Wald erhob sich majestätisch über den Schwarzen See, die Riesen-Bäume flüsterten leise miteinander, alle lebendigen Wesen schienen, in gespannter Erwartung erstarrt zu sein. Die Sonne wärmte fast nicht, und ihr nördliches kaltes Licht ergoss sich über die beschneiten Wiesen jenseits des Tals. Ein schwarzer Zentaur sprang plötzlich auf einen kleinen Hügel auf und blieb stehen, statuarisch, den zartblauen Horizont aufmerksam ansehend. Die Augen auf dem klugen uralten Gesicht verengten sich unruhig, er streifte leicht die Sehne des Bogens, den er in den Händen hielt, und sie gab einen feinen und langen Ton von sich. Dann drehte sich der Zentaur um und verschwand in einem dichten Gebüsch, ohne eine Schneeflocke auf den dünnen Zweigen berührt zu haben.

Der weitere Wiederaufbau des Schlosses begann sofort nach dem Frühstück. Alle gähnten, dehnten sich, krächzten, ächzten, man musste aber Professor McGonnagal bestimmte organisatorische Fähigkeiten nachrühmen. Die Arbeit ging flott von der Hand bis zum Mittag, dann kam das Schlusssignal, jetzt schon endgültig.

Besten Dank euch allen! Endlich sind wir damit fertig! – erklärte das Haupt von Hogwarts laut. – Heute haben wir einen Strich drunter gemacht, das Übrige – ich meine den magischen Schutz – ist die Angelegenheit der Professoren. Ja, ich würde auch Sie, Miss Granger, bitten, zu bleiben.

Hermine war äußerst mit sich selbst zufrieden. Eine winzige Unruhe flog ihr Gesicht vorbei, offensichtlich, ging sie die Hausaufgaben an, Ron fing aber an, ihr was Schmeichelhaftes und Aufmunterndes zu reden, und sie ging zu Professor McGonnagal strahlend.

Ist ja eine schöne Bescherung, alter Junge! – sagte Ron, sich auf Harrys Schulter stützend. – Ich dachte bloß, es wäre schon längst vorbei, das mit dem Schloss, und diese Breschen sind so, ein Gedächtnis... Es soll also bedeuten, dass das Ministerium sich auch hier als gemein erwiesen hat.

Sieht danach ähnlich, - antwortete Harry, seinen funkelnden Zauberstab betrachtend. – Hast du apropos Draco nicht gesehen?

Ron machte ein langes Gesicht.

Hast du etwa gehofft, er wird arbeiten?

Weiß nicht, aber er kann doch nicht immer noch im Bett sein.

Warum nicht? Er hat doch nichts zu tun.

Ich denke, er wird doch die UTZs machen, - erwiderte Harry. – Merkwürdig. Wahrscheinlich übt er was.

Malfoy? – Ron biss sich auf die Lippen, um nicht in ein Gelächter auszubrechen.

OK schon, ich weiß, was du von ihm hältst. Ich habe auch so gedacht. Man soll ihm aber eine Chance geben, irgendwelche.

Du brauchst es, gib also, - sagte Ron gleichgültig. – Ehrlich, kann ich mich keineswegs zwingen, etwas außer Verachtung ihm gegenüber zu empfinden.

Ron, niemand zwingt dich aber dazu, - sagte Harry überzeugend. – Um einen Anfang zu machen, kannst du keine so deutliche Feindseligkeit vorzeigen.

Er verspottet ja auch dich!

Nein, er... äußert sich so einfach.

Was?

Wirklich. Na ja, ich fühle es jedenfalls so.

Das hast du sehr gut gesagt, Harry, - ertönte Lunas Stimme nebenan plötzlich. – Wenn du so was in deinem Herzen hast, bedeutet das, du wärest auf dem richtigen Weg. Ich habe das schon seit langem bemerkt, was für ein großes Herz du hast.

Harry fühlte seine Backen erglühen und schwieg. Ron starrte Luna verblüfft an, versuchend ihre Worte zu erfassen. Sie lächelte aber leicht und schwebte davon, etwas singend.

Sie ist doch unvergleichlich, nicht wahr? – schmunzelte Ron. – Schon, wie üblich, wurde der berühmte Harry Potter durch ihre Worte bis über die Ohren zum Erröten gebracht!

Lass das, - fauchte Harry gutmütig.

Ist OK, „das Große Herz", - verbeugte Ron sich. – Ein großes Herz ist gut, aber solch ein Herz muss dann entsprechend viele Schläge aushalten... Kurzum behaupte ich nicht, dass du keinen Umgang mit allen diesen Snapes und Malfoys haben sollst, aber... pass auf dich auf, wenn du auf diesem Weg bist. Ich und Hermine – wir können diesen Weg nicht gehen, aber wir können neben gehen... auf jeden Fall.

Harry fühlte sich mit einem Schlag niedergeschmettert. Er hatte nicht einmal geahnt, dass Ron und Hermine über das alles so fein nachdachten. Es wäre ihnen alles ihrem Ansehen nach egal. Fein... Harry machte sich darüber Gedanken, was dieses Wort für ihn bedeutete. Etwas, was sich nicht mit einem Blick erfassen ließ, was man nicht mit den Ohren hören konnte, was wirklich nur in einem Herzen existieren konnte...

Ginny berührte seine Hand.

Komm ins Schloss, Harry. Die Arbeit ist fertig, und du solltest in die Wärme gehen, du hast doch deinen Schal absichtlich abgenommen.

Harry lächelte ihr zu und zog sie an sich näher, ohne die fremden Blicke zu beachten. Er wollte den ganzen selbst in diese Umarmung hineinlegen, oder sogar mehr – die ganze Liebe, die es auf der Welt gibt. Ginny bedeckte ihn mit ihrem warmen, nach ihrem Lieblingsparfüm riechenden Schal und lächelte zurück. Harry sah sich um: Ron fasste Hermine, die schon frei war, bei der Hand, und sie gingen zum Schloss, etwas gedämpft besprechend. Ginny zog Harry in dieselbe Seite.

Weißt du, ich hab verstanden, was genau mit Luna los ist, - sagte Harry für sich selbst unerwartet.

Ich auch, - fauchte Ginny, - schon längst. Ich beschloss aber, sie nicht auszufragen, ich denke, sie hat Angst, darüber zu sprechen.

Du kannst aber es geheim halten! – wurde Harry erstaunt. – Ich meine, es wird ihr dann leichter sein, sonst werden darüber alle sowieso bald erfahren. Ist leicht doch, zu erraten.

Na ja, wir sind zu wenige im Schloss, damit man es verbergen könnte, - stimmte Ginny ihm zu. – Sie tut mir wirklich leid.

Ich würde aber es nicht so eilig behaupten. Erinnere dich doch, wann ich selbst darauf gekommen bin.

Ha, wenn sie auch so lange abwarten muss, wird sie es vorher schaffen, ihre Ausbildung abzuschließen und sogar jemand zu heiraten.

Warum denn?

Was – warum?

Ich meine die Heirat, - Harry weilte in einer starken Verwirrung.

Das ist doch ihr größter Traum, siehst du nicht? Außer Reisen und Forschungen. Und, ich bin mir absolut sicher, sie wird sich gerade auf solche Weise finden.

Also, vielleicht, - sagte Harry unsicher. – Ich möchte es so sehr, dass alles bei ihr gut geht.

Du blendest mich jetzt, - brach Ginny in ein Gelächter. – Solche Wärme geht von dir aus, Harry. Nein, ist wirklich! Aber es ist mir unruhig.

Harry wurde finster.

Ich stelle mich doch nicht optimistisch, Ginny. Noch mehr, wird alles ganz bald geschehen, und es ist unbekannt, ob ich wieder überlebe... Aber ich habe jetzt ein riesengroßes Bedürfnis nach anderen Menschen, ein Bedürfnis danach, ihnen etwas Gutes zu tun... Bin ich ein Verrückter, oder?

Nein, du bist Harry. Harry Potter.

Eine volle Synonymie!

Die beiden fingen an, zu lachen, umarmten sich und betraten die Vorhalle von Hogwarts, Filch trampelte krächzend vorbei, Mrs Norris schleppte sich hinter ihm; Harry und Ginny schenkten auch Filch ein Lächeln, und er, die Überraschung überwunden, fing an zu murmeln, dass die halbgebildeten Zauberer und Hexe nichts zu tun mehr hatten, als ihn zu belästigen.

Am Mittagessen hat Harry Draco nicht gesehen.

„Versucht er etwa den ganzen Tag den Patronus auszurufen?" , dachte er und wunderte sich über solchen Enthusiasmus. Andererseits machte Draco sich daran ganz ernst ursprünglich, was für ihn im Prinzip nicht üblich war. Und der Patronus selbst in seinem Zustand war eine gar nicht so einfache Aufgabe. Es blieb Harry nur eine Hoffnung übrig, dass diese Übung zu keiner Erschöpfung oder etwas Schlimmerem führen wird.

Aber, ehe Harry nach dem Essen die Große Halle verließ, holte Draco ihn am Ausgang und sah ihn erwartungsvoll an. Ginny wusste über Harrys Versprechen und äußerte keine Verwunderung, im Unterschied zu Ron und Hermine. Harry nickte den Freunden zu und trat an Malfoy heran.

Wo werden wir trainieren? – fragte der Letztere nervös. – Ich habe den ganzen Tag im Stübchen in der dritten Etage verbracht. Es ist ziemlich geräumig.

Gut, - stimmte Harry zu, - gehen wir dann.

Wohin geht ihr denn? – Ron begann, Hermine schmunzelte und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Er zuckte die Achseln, und sie beiden, und Ginny auch, gingen in Gryffindors Turm.

Malfoy versuchte, so gleichgültig und selbstsicher, wie möglich, zu wirken, und Harry dachte an sich selbst zurück, als er sich bemühte, seine Leistungen in Okklumenistik von Snape zu verbergen. Im Unterschied zu ihm hatte Draco sich aber große Mühe gegeben, um etwas zu erreichen, und jetzt befürchtete er wahrscheinlich, dass, wenn er scheitert, wird Harry sich nach den Mooren ohne ihn begeben.

Das Stübchen war wirklich geräumig. Die dicken Wände des Schlosses haben es mit Schallundurchlässigkeit versehen, ein enges Fenster ging an den Schwarzen See und gab genug Licht. Außerdem war der Raum fast leer: zwei alte Schrubber und ein rostiger Eimer machten eine ausgezeichnete Komposition in der Ecke, die unbeleuchtet war.

Also? – fragte Harry, seinen Stab herausholend. – Wie ist es?

Weiß nicht... schlecht.

Ist aber was aus der Zauberstab erschienen? Ich meine, ein silberner Dunst oder Glimmen?

Vielleicht einmal... Und vielleicht war das die Sonne.

Woran hast du gedacht, wenn ich fragen darf?

Ähm, ist das verbindlich? – Draco fing an, sich fortwährend zu rühren.

Sonst kann ich dich nichts raten.

Na ja... Das war schon längst... als wir, also, meine ganze Familie, zum ersten Mal auf Urlaub gegangen waren. Ich meine, es klappte ewig bei dem Vater nicht, und wir waren mit Mutti zu zweit, - er schluckte. – Es war sehr gut, und der Vater war gut gelaunt... Aber, verstehst du, es fällt mir schwer, an Mutti zu denken, und wenn ich mich an sie nicht erinnere, dann ist es schon...

Ja, - gab Harry zu, - aber wenn du daran auf solche Weise herangehen willst... Hör auf, an sie, wie an eine Verstorbene, zu denken, sie hat dir ja so viel Gutes in deinem Leben geschenkt. Denke an sie nicht so, bewahre nur das Hellste und konzentriere dich nur darauf. Erinnere dich an alles Schönes, was mit deiner Mutter verbunden ist, nichts Nebensächliches soll im Gedächtnis bleiben: keine Gedanken, keine Philosophie. Du vertiefst dich vollkommen in die Erinnerung und darin, was das für dich bedeutet. Da braucht man aber Zeit, so eile dich nicht. Und dann wird das spürbar, wird sozusagen in deinen Stab eindringen und sich in die positive Energie verwandeln, die dich vor allem Dunklen schützen wird, was das auch darstellen möge.

Ich dachte, das wirkt allein auf Dementoren, - murmelte Draco.

Ich habe gestern versucht, das gegen einen Vampir zu verwenden. Es ist gelungen.

Ist er verreckt?

Nein, aber das hat mir einen bestimmten Zeitvorteil gebracht. Nicht bloß, dass er blind wurde, er ist doch ein Nichtleben, und das Nichtleben stellt die negative Energie dar.

Ist schon klar, - Draco schien, sich die vorhergehenden Harrys Erklärungen zu überlegen. – Ich verstehe, was du sagst, aber... kompliziert ist das alles.

Ich habe doch nicht versprochen, dass alles leicht sein wird, - grinste Harry. – Dann wird es aber immer leichter, den Patronus auszurufen, das heißt, sich einfach auf etwas Positivem zu konzentrieren. Vorläufig versuche aber das zu schaffen, was ich dir gesagt habe. Gib Bescheid, wenn du bereit bist.

OK... Und dann?

Dann kann man eine Szene spielen, ich kann versuchen, dich anzugreifen, aber zuerst... ist besser, einfach zu trainieren.

Jawohl, - erwiderte Malfoy unsicher, drehte seinen Stab in den Fingern ein bisschen und fragte dann wieder: - Jetzt?

Na ja, wir können bis in die Nacht hinein hier sitzen, - scherzte Harry.

Malfoy nickte und faltete die Stirn.

Vergiß nicht, den Spruch dann auszusprechen! – ermahnte Harry ihn und ging zur Seite, in die Ecke mit den Schrubbern und dem Eimer.

Draco stand da mit geschlossen Augen etwa fünf Minuten, und seine ganze Figur verriet seine Anstrengung. Das war schon ein Fehler, aber Harry wollte ihn nicht antreiben. Noch ein bisschen Zeit verging, und Draco seufzte krampfhaft auf und presste seinen Zauberstab kräftiger zusammen.

Bereit? Der Spruch!

Expexto Patronum! – rief Draco und schwenkte aus irgendwelchem Grund den Stab, aber der silberne Nebel war meilenweit davon entfernt, aufzutauchen. Enttäuscht, ließ Draco seinen Kopf hängen. – Na also, den ganzen Morgen diese Sache! Und auch vorher.

Du konzentrierst dich bloß schlecht, lenkst dich auf finstere Gedanken ab, da gibt's keinen Erfolg! – sagte Harry, kam auf ihn zu und klopfte ihn auf die Schulter. – Du darfst deine Versuche nicht aufgeben, wenn du das in der Tat willst.

Ich will! – antwortete Draco böse. – Tu es aber nicht so, als ob du mich für einen starken Zauberer haltest. Ich weiß das selbst, dass...

Wovon sprichst du denn da? Es liegt nicht am Können, bunte Strahlen und Funken aus der Zauberstab zu ziehen! Damit du es weißt, fühlte Neville sich auch sehr unsicher, er hatte Probleme mit hellen Erinnerungen, aber er hat das überwunden. Er wollte kämpfen, und er hat das überwunden. Du bist nicht er, das bedeutet aber nicht, dass deine innerliche Kraft schwächer ist oder dass du weniger erfolgreich bist. Alles, was du jetzt brauchst, ist die Konzentration und der Glauben an sich. Und rede nicht, dass du ihn nicht hast, ich fühle ihn! Los, trainiere weiter, und keine defätistische Stimmung!

Draco zwinkerte verloren, dann nickte wieder, und Harry ging abermals zur Seite und fing an, zu beobachten.

Die Dunkelheit stieg aufs Schloss herab, als ein dünner Nebelfaden aus Dracos Stab ausfloss, eine Wolke bildete und in der Luft hängen blieb.

Macht nichts! – sagte Harry munter. – Nachdem ich mein erstes Wölkchen geschafft habe, gelang mir nichts viele Tage danach.

Wirklich?

Ja, ich war sehr verdrossen, konnte mich nicht konzentrieren, also... das Ergebnis war eine Null.

Klar. Du gehst ja bald weg.

Du hast dir ja aber die wichtigsten Prinzipien angeeignet, kannst jetzt selbst weitermachen. Und außerdem werde ich doch Hogwarts ab und zu besuchen, gibt's also nichts Fürchterliches.

Ja, vielleicht, - Draco wirkte gleichzeitig traurig und verlegen. – Es wird hier langweilig sein.

Da hast du die Zeit fürs Studium, - merkte Harry.

Habe das ganze Leben davon geträumt! – verzerrte Draco sich. – Na, es lässt sich sowieso nicht ändern. Gehen wir schlafen?

Ich bin eigentlich für ein gediegenes Abendessen.

Weiß nicht, habe kein' Appetit.

Stell dich nicht dumm! Du bist gerade der Mensch, der das als erster braucht.

Na gut, - willigte Draco ein. Er wirkte jetzt tief damit befriedigt, dass man ihn überreden musste.

Einige Tage vergingen unmerklich, und Harry fühlte die ankommende Trennung von Hogwarts immer stärker. Wenn man es in Anspruch nahm, was das Haupt von Fulmenhard vor den Ferien gesagt hatte, konnte Harry Hogwarts gar nicht oft besuchen, der Inhalt des Lehrplans erschreckte einen. Nur Hermine freute sich auf diese Aussicht, Ron hat aber den Mut verloren und deutete Harry von Zeit zu Zeit an: Schluss mit dem Warten, gehen wir dorthin und zerschmettern die Schule zur Teufels Großmutter. Harry hat das nicht ernst genommen, spürte aber die gleiche unbewusste Sehnsucht nach der Handlung, aber nicht nach dem Krieg...

Er war aber jetzt ganz seiner Wahl sicher, deshalb machte die bevorstehende Prüfung ihn nicht so viel Angst mehr, er dachte darüber nach und besprach die Lage der Dinge mit den Freunden viel. Da die Narbe ihm keine Sorgen mehr machte, bekam er eine bestimmte Freiheit, und seine Gedanken erwarben eine größere Ordnung. Er suchte sorgfältig die Informationen aus, die er den Übrigen mitteilen sollte. Eigentlich erzählte er alles, wie es war, und verursachte dadurch Hermines Schock. Sie kam zu sich sehr lange, versuchte aber nicht, zu erwidern. Alles schien ihr komischerweise keinen Blödsinn zu sein, obwohl es keine Nachrichten aus Südosten schon lange gab. Alles wäre still. Hermine meinte, dass der Donner bald ausbricht, sie konnte aber nicht einmal vermuten, dass alles soweit... sie hatte keine passenden Worte gefunden, um ihre Gefühle zu beschreiben. Ginny reagierte ruhig, als ob sie so was erwartet hätte, Ron wirkte nervös, sein Gesicht drückte aber eine verzweifelte Resolution aus. Auf einem Puff in der Ecke hockte Malfoy sich hin. Harry konnte nicht verstehen, was er davon hielt und was er fühlte, sein Blick war total abweisend.

Was sagen wir zu den anderen? – fragte Ginny.

Alles im allgemein, - antwortete Harry. – Der Mechanismus ist hier, meiner Meinung nach, unwichtig, und dazu sind wir in den Dunklen Künsten gar nicht weit gekommen.

Aber wir können doch selbst was überschlagen, - sagte Ron nachdenklich. – Ich meine, Hermine kann das jedenfalls... sie weiß doch über alle diese... zerstörenden Gegenstände... Du erinnerst dich doch selbst daran, Harry!

Und was kann aber hier... was meinst du damit? – Harry verstand nicht.

Ich dachte bloß, der Spruch ist vielleicht gar nicht so notwendig, man kann doch einfach etwas wie einen Reißzahn des Basilisken oder das Dämonfeuer benutzen.

Malfoy fing an, auf dem Puff hin und her unruhig zu rutschen.

Das ist doch sehr gefährlich, Ron, - sagte Harry rasch, das bemerkt zu haben. – Wir können auf solche Weise nicht am Leben bleiben, und das kann zusätzliche Zerstörungen bringen.

Aber das kann sich als notwendig erweisen! – erwiderte Ron. – Dann werden wir an die Ethik bestimmt nicht denken.

Ich denke, wir sollen uns darauf orientieren, was der Professor sagen wird, - sagte Harry fest. – Ist möglich, dass unsere Hilfe auch taugt.

Ich glaube nicht, dass er uns darum bitten wird, - sagte Ginny. – Aber ich bin mit Harry einverstanden, wir sollen etwas anderes suchen.

Etwas anderes, - fauchte Ron. – Wenn du gegen Voldemort und Slytherin in einer Person kämpfen musst, erinnere dich an meine Worte, Ginny, es wird aber schon spät sein.

Ginny wollte etwas erwidern, da ertönte aber Hermines schwache Stimme.

Harry, ich verstehe immer noch nicht... Eigentlich, wie ist deine Rolle in all diesem... ich will sagen, was hast du vor, zu unternehmen? Du hast was im Sinne, ich denke, wir haben das Recht, zu wissen.

Ich... Hermine..., - Harry wurde verwirrt. – Das Wort „Rolle" passt dazu überhaupt nicht, ich meine. Alles dreht sich jetzt nicht um mich herum, aber im allgemein... Ich bin der gleiche erzwungene Teilnehmer an diesen Ereignissen, wie ihr alle.

Nein, nicht der gleiche, Harry! – rief Hermine aus und sprang vom Sessel hoch. – Wenn alles so ist, wie du sagst, wirst du dann den schrecklichsten Schlag übernehmen müssen, weil du der Hauptfeind von Voldemort bist!

Ich weiß, - meldete Harry sich sauer. – Wenn ich ehrlich bin, ist Slytherin viel mehr gefährlich, ich weiß das, ich habe seine Kraft gespürt. Wenn Voldemort beschloss, ihn hereinzulegen und seinen Körper allein zu ergreifen, hat er keine Chancen. Da liegt also der Haken: ich stelle mir gar nicht vor, was man gegen solch einen Gegner machen kann, wenn er immerhin wiedererwachen wird, deshalb hat die folgende Sache die allergrößte Bedeutung: man darf das nicht zulassen!

Eine ganz undeutliche Aufgabe, - gab Ron nicht auf. – Bist du sicher, dass die Eigeninitiative hier nur schaden kann?

Ja, bin ich sicher, - sagte Harry nach einer kurzen Pause. – Und ich will dieses Thema nicht mehr besprechen. Wirklich, Leute, es ist nicht die Zeit für solche Experimente.

Malfoy, der all diese Zeit den Mund nicht aufgetan hatte, begrenzte sich mit einem ironischen „hm". Ersichtlich hatte er eine andere Meinung dazu, was man „ein Experiment" nennen könnte.

Weder dieses noch die darauffolgenden Gespräche haben es zu etwas gebracht. Harry erwartete das auch nicht, deshalb fuhr er ruhig fort, sich auf das nächste Semester vorzubereiten, weil der Umfang der Arbeit ungeheuer war. Abends übten er und Draco den Patronus und, man muss sagen, haben sich Dracos Fähigkeiten nach einigen Tagen wesentlich verbessert: er konnte schon einen deutlichen silbernen Schleier ausrufen, die etwa zehn Sekunden aushielt, aber man konnte noch über keine Gestalt sprechen.

Nur Mut! – munterte Harry Draco unaufhörlich. – Niemand hat das sofort geschafft. Bei einigen geht es schneller, bei anderen – langsamer.

Und bei einigen dauert es das ganze Leben! – murmelte Draco zurück, ließ aber nicht nach.

Einen Januarmorgen wurde Harry durch ein lautes Hedwigs Geheul aufgewacht, er fuhr auf, wie gestochen, und besann, dass er heute zurück nach Fulmenhard kehren sollte. Er wollte an die Abfahrt nicht denken, und auch daran, dass er höchstens zwei Drittel der Aufgaben geschafft hatte. Also stand er auf, zog sich an, fütterte seine Eule und ging zum Frühstück. Ron stand unwandelbar früher, als er, auf, und Harry hatte einen seriösen Verdacht, dass Hermine ihn zum Joggen um Hogwarts herum zwingen musste.

Das Schloss war kalt und kam noch leerer vor. Harry fröstelte versuchend, ein Gähnen zu unterdrücken, und bedauerte, dass er sich nicht richtig gewaschen hatte. In einem der dunklen Korridore des zweiten Stocks sperrte eine dunkle Figur ihm den Weg und gab ihm ein Zeichen, in den Schatten zu treten. Harry wurde ein bisschen verwirrt: es war genug dunkel im Korridor, und es wäre noch unangenehmer, irgendwohin in die Ecke zu gehen. Ehe er das dachte, wurde er rücksichtslos am Ellbogen gepackt und etwa drei Meter über den Boden geschleppt. Endlich riss er sich los und sagte laut: „Lumos!" Der Zauberstab beleuchtete einen dünnen schwarzhaarigen Mann mit Hakennase, der Harry äußerst verächtlich ansah.

Wozu so viel Panik, Potter? Tun Sie das Licht weg!

Aber ich sehe Sie nicht, Sir, - erwiderte Harry und hob den Stab noch höher.

Das ist vollkommen egal, die Hauptsache ist, du kannst mich hören, - Snape holte den Elder Stab heraus, scannte damit den Korridor und die Treppen und wandte sich endlich wieder Harry zu. Dem letzten fiel die Totenblässe und Unruhe in jedem Zug seines abgequälten Gesichts.

Sir, verzeihen Sie mir die Neugier... essen Sie überhaupt irgendetwas? – Harry schaffte es wie üblich nicht, sich zurückzuhalten.

Manchmal, aber das hat mit der Sache nichts zu tun! – sagte Snape mit Nachdruck. – Machen Sie das Licht sofort aus, Potter!

Harry fügte sich.

Also, fahren Sie ab, - begann Snape behauptend. – Sie werden also eine neue Trankportion brauchen. Ich habe es nachgerechnet, - er reichte Harry einen Flakon, - das wird für zwei Wochen reichen. Und das bedeutet, dass wir uns leider ein wenig öfter sehen werden, als ich das möchte! Und auch Sie, wenn Sie mir eines einzigen Besuchs während Ihres ganzen Aufenthaltes hier gewürdigt haben.

Harry war schon an solche Tiraden gewohnt, und er hörte Snape völlig wohlwollend bis zur letzten Phrase zu. Ein schöner Vorwurf! Jedoch hatte er keine Zeit, um sich zu empören.

Und das soll seinerseits bedeuten, dass Sie jede zwei Wochen unterwegs sein müssen. Das ist gefährlich für uns beide, aber ich sehe keinen anderen Weg, Sie zu sichern.

Das ist zu regelmäßig, Sir, kann jemand auffallen, - flocht Harry ein Wort ein. – Wir könnten uns, sagen wir, monatlich treffen, es wird doch den Flakons nichts passieren, wenn ich zum Beispiel auf einmal zwei nehme.

Bin ich deiner Meinung nach ein Automat, Potter? – brauste Snape auf. – Die Sache besteht nämlich darin, dass der Trank zwei Wochen ziehen muss! Oder glaubst du, dass ich keine Alternativen berücksichtigt habe? Jetzt kann man nur zwei Flakons jede zwei Wochen herstellen, und ich werde dir nicht erklären warum, weil Ihre Kenntnisse in Zaubertränken ein bisschen... hm, bescheiden sind.

Zwei, Sir? – Harry tat so, als ob er kein Sticheln an seine Adresse bemerkt hätte.

Natürlich, für Sie und Mr. Malfoy.

Aber er dachte... es wirkt, wenn...

Snape nahm sich viel Luft, und Harry brach seine Phrase ab, in der Hoffnung, dass nichts dann passieren wird. Da Snape zögerte, bekam Harry eine Chance, das Thema schnell zu wechseln.

Danke, Sir! Ich weiß nicht, wie ich ohne Sie umgehen könnte! Ich besuchte Sie nicht, weil ich... nicht sicher war, dass ich... etwas zu sagen habe. Ich musste mir das überlegen...

Schluss jetzt damit, Potter! Du hast alles herausgefunden, was du brauchtest, es hatte keinen Zweck mehr für dich zu kommen... Denke aber nicht, dass du mich hereingelegt hast, du wirst nichts Bestimmtes mehr von mir hören!

Harry traute seinen Ohren nicht.

Sir..., - flüsterte er vollkommen überrascht. – Wo denken Sie hin! Wenn ich ehrlich bin, hatte ich Angst...

Wirklich? – meldete Snape sich giftig.

Ja, etwas hat mir Angst gemacht, als Sie das erzählten... über all diese schwarze Magie. Es schien mir etwas einfach in Ihnen zu stecken, etwas sehr Gefährliches, Sie fühlen das sicher in sich selbst auch!

Snape schaute Harry noch einige Sekunden zornig an, dann sagte er mit einer erzitterten Stimme:

Da hast du recht, Potter. Das ist wie eine Leere, die sich in mir gebildet hat, ein schwarzes Loch, das alles auf seinem Weg verschlingt. Es reibt mich auf, aber ich weiß, dass ich das schaffe, bis zum Ende gehe und mit allem Schluss mache. Und ich brauche niemand, um das zu schaffen. Niemand, verstehe das!

Sie werden umkommen, Sir, - sagte Harry leise, Snape in die Augen schauend. – Sie kommen schon um. Der Berg ist aber noch nicht alles, das ist nicht die stärkste Magie der Welt, Sie wissen das perfekt selbst. Ein schwarzes Loch lässt sich vernichten, aber das kann nur ein sehr starker Mensch machen. Solcher wie Sie, Sir. Ich würde alles tun, damit Sie es anders fühlen, aber ich kann das gegen Ihren Willen nicht machen. Denken Sie daran, Sir, ich bitte Sie. Ich will ja nur...

Er sprach nicht zu Ende. Snape wendete seinen Blick ab und fing an, in den Falten seines Umhangs zu kramen. Dann tat er es so, als ob Harry überhaupt nichts gesagt und er nichts gehört hätte.

Also, Potter, da Ihre Reisen sich als gefährlich erweisen können, werden Sie etwas außer dem Zauberstab brauchen. Hier, - er reichte Harry etwas, was einem Bündel aus rauem Stoff ähnlich war. – Sie wissen, was damit zu tun ist. Ich habe es geschafft, das aus dem Direktors Kabinett zu nehmen... Mit einem Wort, seien Sie vorsichtig, man dürfe das nicht hott und har verwenden! Ich warte auf Sie in zwei Wochen wieder hier, Sie wissen, wo ich zu finden bin, - mit diesen Worten trat Snape zurück und wurde zu einer riesigen Fledermaus, die sofort sich zur Decke schwang. Harry sah ihr nach, und es war ihm schwer am Herzen. Dann beleuchtete er das Bündel in seine Händen und erstarrte: das war der Sortierende Hut.

„Weiß ich, was damit zu tun ist?" – fragte er sich selbst.

Die Antwort kam fast gleich und Harry wurde über Snapes Erfindigkeit entzückt. Ja, er wäre darauf nicht gekommen. Und jetzt... das Schwert musste unbedingt verborgene Eigenschaften haben, die man gegen Vampire verwenden konnte. Unbedingt musste man auch Hermine fragen!

Harry versteckte den Hut an der Brust und machte sich zufrieden in die Große Halle, wo er es nicht unterließ, die Nachricht den Freunden mitzuteilen.

Da sind wir Hirnis! Sind doch nicht darauf gekommen! Hab'n uns in die Kammer des Schreckens hineingedrängt! – Ron stieß demonstrativ die Tischplatte mit dem Kopf, Hermine verhielt sich dazu mit Nachsicht.

Also, wo das Schwert auch sein möge, kommt er dir zu Hilfe, - sagte sie befriedigt.

Oder einem von uns, - korrigierte Harry sie. – Die Hauptsache ist: mehr über es zu erfahren.

Wie ich es vermute, muss ich das auf meine Schulter nehmen, - seufzte Hermine. – OK dann, esst schneller, ihr zweit, sonst kommen wir in der Dunkelheit an. Ihr habt doch eure Sachen noch nicht gepackt!

Harry und Ron machten sich ans Frühstück eifrig, um Hermine zu erweichen. Nach fünf Minuten waren sie schon oben. Als er das Schloss nach einer Stunde verließ, dach Harry ans unvorstellbar „schöne" Semester, das auf ihn wartete, spürte aber eine seltsame Ruhe in der Seele, die Resolution, die wenigstens einen Kampf mit dem Tod, wie gleich zu gleich, versprach.