Kapitel 2
Spät am Nachmittag, als er dachte, dass er kein weiteres Händeschütteln mehr ertragen konnte, stahl Harry Potter sich von der verweilenden Menschenmenge fort und fand sich selbst vor Dumbledores Marmorsarg stehen. Er fühlte sich erschöpft, aber glücklich. Vielleicht hatte er sich mitreißen lassen und vielleicht hätte er sich besser an Hermines Rede gehalten, dennoch war er zufrieden mit der Wahl seiner eigenen Worte. Und er konnte nicht anders als stolz darauf zu sein, wie die gesamte Zuhörerschaft sich am Ende seiner Rede erhoben hatte. Endlich allein, ließ er ein paar Tränen auf seine Wangen fallen, unverdeckt und frei.
„Man wird noch jahrelang über diese Rede sprechen", sagte eine vertraute Stimme unerwartet.
Er drehte sich um und da stand Ginny ein paar Schritte entfernt von ihm, während der Wind durch ihr Haar blies. Harry nahm sich nicht einmal die Zeit, sich über das Gesicht zu wischen. Er überbrückte die übrige Entfernung zwischen ihnen und küsste sie mit derselben Leidenschaft, die er an seinem Geburtstag im Fuchsbau gezeigt hatte.
„Es tut mir leid", flüsterte er ihr ins Ohr, während er sie in eine feste Umarmung schloss. „Ich hätte das früher tun sollen."
„Geh mir nie wieder aus dem Weg", erwiderte sie.
In diesem Augenblick landete ein Thestral anmutig neben ihnen, die Flügel weit ausgebreitet und mit himmlischem Aussehen. Er schien in der Luft nach etwas zu schnüffeln, das Harry nicht identifizieren konnte.
„Es ist merkwürdig, sie sehen zu können."
Harry blickte Ginny mitleidig an. Er wagte nicht zu fragen, wessen Tod sie mitangesehen hatte. Es konnte nicht Fred gewesen sein…
„Ich habe Tonks sterben sehen", sagte sie, als hätte sie seine Gedanken gelesen. „Sie war direkt an meiner Seite. Es hätte mich treffen können. Aber ich denke, genauso hätte sie sterben wollen."
Harry konnte nicht antworten. Ihm schienen im Moment die Worte zu fehlen. Er hatte noch nicht innegehalten, um darüber nachzudenken, wie sehr er sie alle vermissen würde: Lupin, Tonks, Fred. Die einzige Antwort, die er zusammenbringen konnte, war ein mattes Lächeln. Er war so müde.
„Lass uns nicht stehen", bot Ginny an. Sie zog an seiner Hand und setzte sich vor Dumbledores Sarg ins Gras.
Sie lehnte sich mit dem Rücken gegen das weiße Marmor und Harry tat es ihr nach. Die gesamte Zeit über ließ er ihre Hand nicht los.
„Du glaubst doch nicht, dass es ihm etwas ausmacht, oder?", sagte Harry nachdenklich und warf einen Blick über die Schulter.
„Nein, ich glaube, er mag dich."
Harry starrte in die Ferne.
„Ja", sagte er. „Ich denke, das hat er getan."
Es folgte ein Moment der Stille, in dem sie nur nebeneinander saßen, die Finger verschränkt, die Schultern aneinander gelehnt. Das war eins der glücklichen Wunder bei Ginny. Sie konnten schweigen, ohne dass es jemals unangenehm wurde. Harry hatte noch nicht die Worte finden können, ihr zu sagen, wie viel sie ihm während des letzten Jahres bedeutet hatte. Sie war sein Anker gewesen.
Harry überlegte noch, ob „Du bist wie ein Anker für mich gewesen" zu Ginny zu sagen angemessen war, als ihre Stimme die Stille durchbrach, nachdenklich und träumerisch.
„Der kleine Teddy tut mir leid. Aber zumindest hat er dich und uns. Hast du ihn schon gesehen?"
Harry richtete sich auf. Er war noch vor einer Sekunde an einem friedlichen Ort gewesen, so dass es einen Moment dauerte, seine Orientierung wieder zu finden. Sie sprach von Teddy Lupin natürlich, seinem Patenkind. Ich bin ein Pate, dachte er.
„Nein, habe ich nicht", sagte er ein wenig hastig. „Ich habe nur ein Bild gesehen. Ist er hier? Hast du…?"
Doch Ginny hatte seine Lippen mit einem Kuss versiegelt und die Wucht davon drückte ihn gegen den weißen Marmorsarg. In diesem Moment hatte er das Gefühl, dass er mit ihr in das Gras sinken könnte, und ihr blumiger Duft und ihr weiches Haar wehten um ihr strahlendes Gesicht herum.
„Entspann dich. Er wird schon nicht verschwinden. Ich habe nur gefragt. Du musst nichts überstürzen."
„Es gibt aber Sachen, die ich tun muss", sagte er zögerlich. „Teddy zu sehen ist nur eine davon. Die Dursleys, ich möchte derjenige sein, der sie nach Hause bringt. Dann muss ich nach Godrics Hollow zurück und zum Grimmauldplatz und zu Gringotts."
„Kommst du vorher mit uns nach Hause?"
Da war ein angespannter Ton in ihrer Stimme.
„Ja, sicher", sagte er halbherzig.
Er wollte ihr nicht sagen, dass er nicht allzu lange im Fuchsbau bleiben konnte. Der Elderstab musste wie schnell wie möglich zu einem sicheren Ort gebracht werden. Die Goblins hatten auch deutlich gemacht, dass sie noch nicht das letzte Wort mit ihm gehabt hatten. Nach der Rede war es offenkundig geworden, dass die gesamte Zauberergesellschaft nicht befriedigt sein würde, bevor er jedem Haushalt und jeder Abteilung des Zaubereiministeriums einen Besuch abgestattet hatte. Es gab so viel zu berichten, so viel zu besprechen und so vieles zu klären. Er war noch nicht sicher, wie viel der Geschichte er zu teilen gewillt war. Er würde sich mit Ron und Hermine darüber beraten müssen. Später, dachte er, nicht heute.
Es umwehte sie nun eine kühle Brise. Die Sonne ging jenseits der Berge unter. Harry und Ginny saßen eng beieinander, verborgen im Schatten von Dumbledores Sarg. Der Thestral hatte abgehoben und segelte nun tief über den Dunklen Wald. Harry konnte seine Umrisse im fahlen Licht des verblassenden Tages sehen. Er fiel in einen friedlichen Schlaf und er spürte weder das Bedürfnis noch das Verlangen, ihn abzuschütteln.
Als Harry aus seinem Schlummer erwachte, lag er auf dem Gras, den Kopf in Ginnys Schoß gelegt. Sie strich ihm sanft übers Haar. Er öffnete seine Augen nicht gleich. Er war einfach nur dankbar, dass ihr gemeinsamer Augenblick der Zweisamkeit länger als ein paar Minuten angedauert hatte. Ich frage mich, wie spät es jetzt ist, dachte er vage. Sie würden wahrscheinlich bald zum Fuchsbau aufbrechen.
„Hey, ihr beiden!", rief eine vertraute Stimme plötzlich.
Harrys Augen klappten auf und er sah Ron auf sie zukommen, der recht düster dreinsah. Ginny war bereits auf den Beinen und klopfte sich Gras von ihrem schwarzen Rock. Harry sah, wie sie zärtlich eine Hand auf ihre Weasley- Brosche legte, als wollte sie sichergehen, dass sie noch da war.
„Wie geht es George?", erkundigte sie sich, bevor Ron etwas sagen konnte.
Harry sank das Herz, als er die finstere Miene auf Rons Gesicht wachsen sah.
„Mum verlangt nach dir", sagte er zu Ginny.
Sie warf einen Blick zu Harry und wartete darauf, dass er ihr zunickte, während sich ein besorgter Gesichtsausdruck auf ihrem Gesicht zeigte. Und dann rannte sie davon. Harry sah, wie sie flüchtig Hermines Hand berührte, als sie an ihr vorbeirannte. Hermine kam langsam auf sie zu, mit einigen Schwierigkeiten wegen ihres langen Kleides.
Harry hatte erwartet, dass Ron einen Kommentar über ihn und Ginny abließ, doch offensichtlich hatte Ron viel mehr in den Gedanken. Harry konnte sich nicht daran entsinnen, ihn jemals mit solch einem herzzerreißenden Blick gesehen zu haben.
„Wie geht es ihm?", erkundigte Harry sich besorgt.
Ron zuckte nur die Achseln und starrte seine Schuhe an.
„Er ist nach deiner Rede zu Freds Sarg gegangen und weigert sich, es zu verlassen. Es ist furchtbar, ihn so zu sehen. Meine Eltern wollen, dass er mit uns nach Hause geht, aber er will sich nicht bewegen und keiner will ihn dazu zwingen, weißt du."
„Gibt es irgendetwas, das ich tun kann?", bot Harry an.
„Mum meint, dass Ginny zu ihm durchkommen wird. Sie war schon immer Fred und Georges Liebling gewesen."
Harry schwieg. Er konnte nicht darüber hinwegkommen, dass Fred und George niemals mehr als Paar in Erscheinung treten würden.
„Harry! Du solltest wirklich nicht einfach so davonlaufen", keuchte Hermine, als sie sie erreicht hatte. Sie nahm Rons linke Hand in ihre, als wäre es das Natürlichste auf der Welt. Ihre Augen waren blutunterlaufen und trocken, ihr Gesicht blass, doch sie lächelte warm und Rons Miene schien weicher zu werden.
„Ich hätte wissen müssen, dass du hier sein würdest", sagte Hermine zu Harry. Sie warf einen Blick auf das weiße Marmor und sah ihm dann direkt in die Augen. „Bist du okay? Du siehst fertig aus. Ich habe schon befürchtet, dass du auf dieser Bühne zusammenbrechen würdest. Deine Rede war übrigens wirklich gut, besser als meine. Du hast wirklich deine Seele hineingegeben."
„Deine war auch großartig", sagte Ron liebevoll und legte ihr einen Arm um die Schultern.
Als Ron sie näher an sich zog, sah Harry, dass sie immer noch die perlenbestickte Tasche unter dem Arm trug, und sofort dachte er an seinen Tarnumhang, den er völlig vergessen hatte, nach der Rede zu holen.
Gnädigerweise schien Hermine den Ausdruck des plötzlichen Einfalls auf seinem Gesicht aufgeschnappt zu haben. Eine Sekunde später zog sie den Umhang aus ihrer Tasche und streckte ihn Harry entgegen.
„Danke, Hermine. Ich werde ihn sorgsam verwahren, aber ich glaube nicht, dass ich ihn von jetzt an noch brauchen werde. Ich kann nicht behaupten, dass ich es vermissen werde, mich die ganze Zeit darunter zu verstecken, um ehrlich zu sein… Was?"
Hermine und Ron starrten ihn beide mit besorgten Mienen an.
„Was? Was ist denn jetzt wieder los?"
„Ich habe es dir doch erzählt", sagte Hermine spitz. „Es gehen Gerüchte um."
„Was für Gerüchte?"
„Du hast eins zu eins gegen Voldemort gekämpft", antwortete sie, „und ihr habt Sachen gesagt. Ich glaube nicht, dass ihr realisiert habt, wie viele Menschen eigentlich zugehört haben, und viele von ihnen sind zu ihren eigenen Schlussfolgerungen gekommen."
„Du meinst Leute wie Rita Kimmkorn?"
Harry rief sich in Erinnerung, dass er die Tagesprophet- Reporterin bei der Beerdigung gesehen hatte, wo sie sich in gedämpften Stimmen mit Professor Trelawney unterhalten hatte, die Schnellschreibfeder an ihrer Seite schwebend.
„Es ist nicht nur Rita Kimmkorn, die harmlos herumschnüffelt, Harry", sagte Hermine ernst. „Voldemort hat den Elderstab erwähnt. Einige Menschen haben das aufgeschnappt. Und du warst nicht gerade sorgfältig damit, deinen Tarnumhang zu verstecken."
„Worauf willst du hinaus?"
„Das Märchen von den Drei Brüdern, Kumpel", sagte Ron, als Hermine ihn hilfesuchend anschaute. „Es sind Gerüchte umgegangen, dass du möglicherweise die drei Gegenstände von dem Märchen besitzt. Es hat sich herausgestellt, dass viele Leute an das Zeug glauben. Xeno Lovegood ist nur einer von ihnen. Manche meinen, dass du dadurch überlebt hast. „Meister über den Tod" und all das."
Harry war verblüfft. Natürlich hatte er alle möglichen Theorien erwartet, die erklären könnten, wie und warum Voldemort zerstört worden war. Keiner außer Ron und Hermine wusste von den Horkruxen, außer vielleicht Professor Slughorn. Harry hatte sich noch keine Gedanken darüber gemacht, welche offizielle Version er verbreiten wollte. Es war ein wenig beunruhigend, dass Voldemorts Niedergang bereits mit den Heiligtümern des Todes in Verbindung gebracht wurde.
„Es gibt keinen „Meister über den Tod". Das ist nur symbolisch. Es sagt nur aus, dass man den Tod akzeptieren muss und nicht versuchen soll, ihn zu besiegen", sagte Harry lauter, als er beabsichtigt hatte. Die Narbe auf seiner Brust, wo er den Tötungsfluch erhalten hatte, schien einen flüchtigen Moment lang zu pochen, doch er überdeckte es mit einem kurzen Räuspern.
„Das wissen wir, Harry", sagte Hermine mitfühlend, „aber alle versuchen, sich zusammenzureimen, was passiert ist. Die Version der Todesser ist, dass du gestorben bist. Du bist von dem Tötungsfluch mitten in der Brust getroffen worden. Sie haben es alle gesehen."
Harry konnte nicht antworten. Er hatte keine klare Erklärung bezüglich der Geschehnisse, zumindest keine, die er der Zauberergesellschaft liefern konnte, ohne wichtige Informationen preiszugeben.
„Du meinst, dass ich eine Art öffentliche Äußerung machen sollte, nicht wahr?", sagte er zu Hermine.
Sie warf einen Blick zu Ron und Harry sah auf der Stelle, dass es etwas anderes gab, dass sie ihm verschwiegen.
„Was?", sagte er laut und starrte beide an.
„Manche Leute glauben, du könntest unsterblich sein", sagte Ron nervös. „Wenn du tatsächlich die drei Gegenstände hast, dann könntest du es sein, laut der Geschichte."
„Laut der Interpretation einiger Leute", fügte Hermine sofort hinzu. „Es ist natürlich lächerlich, aber die Menschen werden alles glauben, vor allem wenn sie so viel verloren haben."
„Über wen sprechen wir hier genau?"
„Xeno Lovegood", antwortete Hermine hastig. „Verdreh nicht so die Augen, Harry! Das ist ernst gemeint. Er ist nicht der einzige, der das glaubt, weißt du."
„Ich werde mir keine Sorgen über Gerüchte machen, die Xeno Lovegood in die Welt gesetzt hat", erwiderte Harry herablassend.
Er rollte den Tarnumhang unter seinem Arm zusammen, als würde es das Thema schließen, ihn wegzupacken. Ich bin fertig mit Verstecken, dachte er stur. Ich werde mich nicht mehr verstecken. Mir ist egal, was die Leute meinen oder glauben. Ich bin fertig mit Verstecken.
„Ich bin der gleichen Meinung wie Harry. Xeno Lovegood ist übergeschnappt", sagte Ron aus heiterem Himmel.
Scheinbar war Hermine genauso überrascht von Rons Position zu der Angelegenheit wie Harry. Sie knuffte Ron hart gegen die Schulter und warf ihm einen sehr anklagenden Blick zu, der ihn stark an Mrs. Weasley erinnerte.
„Ich sage nur, dass er zwar bekloppt ist, aber er ist nicht, weißt du, böse", sagte Ron. „Er würde Harry nicht in die Pfanne hauen, nur um zu beweisen, dass er Recht hat."
Hermines Gesicht war rot im Gesicht geworden. „Aber, Ronald, wir haben uns doch geeinigt, dass es wichtig ist, dass Harry das ernst nimmt. Weißt du noch?"
Harry fand, dass sie sich große Mühe gab, nicht wie ein Heuler zu klingen.
„Ich habe noch etwas gehört", unterbrach Ron.
Hermine verstummte.
„Bill war da, als sie Alecto Carrow mitgenommen hatten. Sie hat getobt. Sie hat immer wieder gesagt, dass sie Harry Potter in Namen des Dunklen Lords töten würde, oder so etwas in der Art. Sie ist nicht die einzige. Die Todesser, die nach Azkaban gebracht worden waren, sind außer Kontrolle und sie haben nur eine Sache im Sinn."
Hermine war sprachlos, aber Harry war nicht ganz so schockiert wie sie. Er war Todesdrohungen gewohnt. Er hatte einst gedacht, dass Sirius Black ihn töten wollte. Jahrelang hatte er unter Voldemorts ständigen Versuchen gelebt, ihn zu erledigen. Diejenigen, die die neue Ordnung des Dunklen Lords unterstützt hatten, waren nun auf der Flucht, die Träume zerstört, das Leben dramatisch verändert. Es war nicht überraschend, dass viele von ihnen ihn tot sehen wollten. Rache war wahrscheinlich ein Akt, den Voldemort zu belohnen pflegte.
Hermine jedoch wirkte bestürzt bei dem Gedanken von Todesdrohungen.
„Wann hast du das herausgefunden?", fragte sie Ron.
„Erst jetzt. Bill hat es mir unter vier Augen erzählt, bevor er mich geschickt hat, um Ginny zu holen. Er hat es Mum und Dad nicht gesagt, weil sie sich keine Sorgen machen sollen, und ich stimme ihm da in gewisser Weise zu. Wir können damit umgehen, aber wir müssen sicherstellen, dass Harry jederzeit gut beschützt ist."
„Aber du hast gerade gesagt, dass die Todesser nach Azkaban gebracht wurden", begann Harry zu entgegnen. Er fühlte sich ziemlich niedergeschlagen. „Die Dementoren werden auf sie aufpassen. Und die Auroren werden jeden besonders wachsam im Auge behalten, der potentiell gefährlich ist. Ich brauche nicht wirklich Schutz, oder?"
Harry sah hilfesuchend zu Hermine hinüber, doch ihr Gesicht war kreideweiß.
„Aber die Dementoren gehen nicht nach Azkaban zurück, oder?", flüsterte sie.
„Nein", sagte Ron und bestätigte somit Hermines Erkenntnis. „Kingsley meint, dass es Dumbledores Wunsch war, die Dementoren zu einem Ort schicken, wo sie niemandem etwas anhaben können. Wahrscheinlich irgendwo weit im Norden."
„Was heißt, dass die Sicherheit in Azkaban…"
„… nicht mehr so sein wird, wie es früher einmal gewesen war", beendete Harry Hermines Satz.
Dann gibt es also kein Entkommen, dachte er und starrte in die Ferne. Der Tarnumhang fühlte sich plötzlich sehr schwer an, wie eine Last. Würde er den Rest seiner Tage außer Sichtweite verbringen müssen? Was für ein Leben wäre das für seine Freunde, für Ginny? Die Sorgen und das Verstecken würden niemals ein Ende nehmen, nicht solange es Todesser in Azkaban gab.
„Oh, Harry!", rief Hermine. „Bitte schau nicht so aufgebracht. Ich bin sicher, das Ministerium wird einen Weg finden, die Todesser auch ohne die Dementoren in Azkaban zu behalten."
„Ja", erwiderte er halbherzig.
Alle seine Gedanken waren nun auf Ginny gerichtet. Brachte er sie schon in Gefahr, wenn er nur bei ihr war? Würden die Todesser sie zuerst holen, um ihn anzulocken?
Harry wurde aus seinen Gedanken gerissen, als ein silbernes Licht zu ihm, Ron und Hermine herüberglitt. Es hielt zu ihren Füßen an und die drei sahen im Halbdunkel entfernt die Gestalt einer schimmernden Katze mit Brille.
„Eine Nachricht von McGonagall", sagte Hermine.
„Harry, wenn du einen Augenblick entbehren könntest, Firenze würde gerne unter vier Augen mit dir sprechen. Er wartet in der Nähe von Hagrids Hütte auf dich, am Rand des Dunklen Waldes. Deine Rede war wundervoll. Dumbledore wäre stolz gewesen. Beste Grüße."
Und mit einem leisen Geräusch verschwand die silberne Katze in weißen Rauchschwaden.
„Was könnte Firenze von dir wollen?"
„Im Dunklen Wald, Harry, das ist gefährlich. Wir sollten mir dir gehen", bot Hermine verlegen an.
„Das macht nichts. Ich nehme einfach den Tarnumhang. Ich bin schon daran gewöhnt."
Ohne weitere Umstände zog Harry den Tarnumhang über den Kopf und hielt auf den Rand des Dunklen Waldes zu. Ron und Hermine blieben zurück, beide mit einem ernüchterten Gesichtsausdruck, den er nur zu gut kannte.
AN: Review bitte!!! Danke^^
