Kapitel 24

Harrys Füße kamen mit einem Ruck auf hölzernem Boden auf. Es fühlte sich an, als würde er in eisiges Wasser eingetaucht. Ginnys Körper, der an ihm geschmiegt war, war die einzige Quelle von Wärme, die er spüren konnte. In seiner Brust pochte es wie in einer offenen Wunde. Alles, das er um sich herum sehen konnte, war der schwarze Rauch und Ginnys wehendes rotes Haar.

Sie hatten die hohe Plattform erreicht und der verborgene Treppenabsatz, von wo sie gekommen waren, befand sich wahrscheinlich direkt hinter ihnen, doch irgendwie wollten die Kälte und der Rauch sich nicht verflüchtigen und er konnte durch den Nebel kaum seine Umgebung ausmachen.

„Harry, was passiert hier?", fragte Ginny mit matter Stimme.

„Es… es will einfach nicht aufhören."

Er schauderte vor Kälte und die Finger seiner rechten Hand waren um den Elderstab herum erstarrt.

„Ich vertraue dir", sagte sie. „Du kannst es schaffen."

Sie legte beide Hände an sein Gesicht und küsste ihn inmitten der wirbelnden Schatten und der nebligen Dunkelheit. Ein Teil des dicken Schleiers um sie herum schien sich für einen kurzen Moment zu heben und Harry konnte die weiße und goldene Marmorwand des Stadiums vor sich erkennen. Doch der Augenblick dauerte nicht lange an.

Eine weitere Welle der Kälte traf ihn und diesmal versuchte er, ihr zu widerstehen. Er wollte nicht wieder verschwinden, doch irgendeine unsichtbare Gewalt riss an ihm. Es war ein Willenskampf. Seine Willensstärke gegen die Macht des Elderstabs. Wohin der Stab ihn auch bringen wollte, er würde keinen Erfolg haben. Harry konnte spüren, wie seine Kraft nachließ. Ihm war kalt und er war erschöpft.

Doch Ginny wurde mit ihm mitgerissen und er konnte es nicht zulassen.

Er hatte kaum genug Kraft in seinen tauben Gliedern, aber in einem verzweifelten Versuch gelang es ihm, Ginnys Umklammerung seines Halses zu durchbrechen und sie von sich zu stoßen, außer Reichweite des dunklen Rauchs.

Sie stürzte mit einem Kreischen auf die Plattform.

„Harry, nein! Tu das nicht! Lass nicht los!", rief sie sofort, als sie realisierte, was er getan hatte.

Er konnte nichts erwidern. Der Elderstab bebte in seiner Hand und zerrte an seinem Geist, was es ihm immer schwerer machte zu widerstehen. Wenn er es zuließ, würde er ins Nichts abgleiten, in die Welt der Toten vielleicht, und es wäre leicht… so leicht…

Etwas Helles und Silbriges schien sich im Rauch zu verflüchtigen und er erkannte den Umriss von Ginnys Patronus durch den Nebel. Ihr Zauberstab war vor sich gerichtet. Sie benutzte ihren silbernen Phönix, um die Dunkelheit um ihn herum zu vertreiben. Für einen kurzen Moment glaubte Harry, dass ihre Taktik funktionieren würde, doch das Gefühl dauerte nicht lange an. Er hatte keine Kraft mehr, um der Macht des Zauberstabs zu widerstehen, und Ginnys Phönix konnte die Schwärze um ihn herum nicht durchbrechen.

„Harry, bitte, was kann ich tun? Sag es mir", sagte Ginny beschwörend. „Lass mich nicht allein. Sag mir, was ich tun soll!"

Er erhaschte einen Blick auf ihr Gesicht und sah, dass sie nicht weinte. Stattdessen waren ihre Augen entschlossen. Und in diesem Moment wusste er, dass er sie liebte. Er wusste, dass er ihre Stärke brauchte. Er musste mit ihr zusammen sein. Sie würden ein langes Leben leben und eine Familie gründen. Sie würden ein Zuhause haben. Sie würden viele glückliche Erinnerungen schaffen. Er hatte schon so viel überlebt, er konnte noch eine Weile länger durchhalten.

„Entwaffne mich", sagte er, ohne weiter nachzudenken.

Was?"

„Entwaffne mich, Ginny! Das ist der einzige Weg. Du kennst den Zauberspruch. Führe ihn nachdrücklich aus. Tu es, als wäre es dir ernst."

Er musste nicht „Vertrau mir" sagen. Eine Sekunde später hörte er sie „Expelliarmus!" rufen und sah einen roten Lichtblitz durch die Dunkelheit auf ihn zuschießen. Der Zauber traf seine rechte Hand mit Wucht.

Sobald der Elderstab in die Luft geflogen war, spürte Harry, wie sein Geist und Körper von seinem Griff freiwurden. Seine Knie trafen am Boden auf und er merkte, dass die Kälte und der Schmerz in seiner Brust schwanden, und doch fühlte er sich schwächer als zuvor.

„Was soll ich damit machen?"

Harry sah zu Ginny hoch, die bleich war und den Elderstab fest in ihrer rechten Hand hielt. Da war kein schwarzer Rauch mehr um sie herum und Harry glaubte sogar, ein blasses weißes Glühen wie einen Windstoß vom Zauberstab in Ginnys Hand und dann in ihren ganzen Körper fahren zu sehen. Konnte er es sich eingebildet haben? Hatte er wirklich den Stab an einen neuen Meister weitergereicht?

Ginny sah ihn mit einem Blick an, der voller Fragen war, doch sie schien furchtlos.

Der Stab sucht sich den Zauberstab aus", murmelte er, als ihm der Satz aus längst vergangener Zeit wie aus einem vergessenen Traum in den Sinn kam.

„Harry", sagte Ginny besorgt, „du wirkst…"

Sie konnte ihren Satz nicht beenden. Ohne irgendeine Vorwarnung traf ein roter Lichtblitz die Wand hinter Harry mit einem ohrenbetäubenden Geräusch und prallte dann vom weißen Marmor ab, um Ginny in die Brust zu treffen und sie außer Gefecht zu setzen. Sie stürzte von der Wucht um und ihr Kopf schlug auf dem Boden auf.

„GINNY!", rief Harry hysterisch.

Er versuchte aufzustehen, doch er stellte fest, dass sein gesamter Körper zitterte. Seine Glieder wollten nicht auf ihn hören. Er fühlte sich krank und benommen und er hatte den entfernten Eindruck, dass er in Ohnmacht fallen würde, wenn er sich zu schnell bewegte.

„Er ist hier! Potter!", bellte eine männliche Stimme, die nur von unterhalb der Plattform kommen konnte, obwohl Harry die Person nicht sehen konnte.

Für eine Sekunde dachte Harry erschrocken, dass er unbewaffnet war, da der Elderstab außer Reichweite war. Da kam ihm sein alter Phönix- Stab in seiner Hosentasche wieder in den Sinn. Er zog ihn mit seinen tauben Fingern heraus, streckte ihn vor sich aus und murmelte „Protego!" gerade noch rechtzeitig, als zwei sengende Flüche auf ihn zukamen von Angreifern, die er nicht sehen konnte. Ein grüner und roter Blitz trafen seinen magischen Schild mit einer Kraft, die Harry durch seinen gesamten rechten Arm spüren konnte.

„Töte ihn nicht!", sagte die erste vermummte Gestalt, die Harry auf der Plattform sehen konnte.

Es war der Größte der Triskelionen. Ein paar Schritte dahinter stand die Person, die gedroht hatte, Slughorn umzubringen.

Harry hatte es geschafft aufzustehen und seinen Schildzauber vor sich aufrechtzuerhalten, doch er wusste, dass diese beiden Männer es angesichts seiner momentanen Verfassung mühelos mit ihm aufnehmen konnten. Er schauderte, als hätte er Fieber, und er fühlte sich noch schwächer, als wenn er Hundert Dementoren bekämpft hätte.

„Was ist los, Potter? Hat Karl dich zuerst erwischt? Er kann schlimme Dinge anstellen, dieser Karl", lachte der erste der beiden Männer. „Ich schätze, er hat schon deine Freunde Weasley und Granger erwischt."

„Töten wir ihn einfach, Draganov", sagte der große Triskelion. „Er hat den Dunklen Lord zerstört. Er verdient nichts anderes. Bringen wir es jetzt hinter uns."

Er richtete seinen Zauberstab auf Harry mit Rachelust in den Augen, doch der andere Mann legte beschwichtigend eine Hand auf seinen Unterarm und sagte: „Ganz ruhig, Boris, mein Freund. Denk an unseren Schwur Grindelwald gegenüber. Wir brauchen Potter lebendig."

Der Mann, der Draganov hieß, war neben Ginnys bewusstloser Gestalt stehen geblieben und betrachtete sie nun schweigend. Plötzlich bückte er sich und löste etwas von Ginnys Kleidung.

„Noch ein Weasley! Ich wusste gar nicht, dass sie auch Mädchen hervorbringen können", sagte er verschlagen, Ginnys Brosche in der Hand. „Eine der ältesten reinblütigen Familien. Nachfahren von Godric Gryffindor. Keine schlechte Wahl für dich, Potter. Sie zu heiraten, dürfte die Beleidigung gegenüber der Zaubererart in Form deiner Schlammblut- Mutter abschwächen."

„Da frage ich mich, was Sie so viel besser macht", begann Harry, doch die Anstrengung zu stehen ließ ihn auf der Stelle taumeln und sein Schild wankte.

Er holte tief Luft und versuchte, seine zitternden Arme zu kontrollieren, und packte den Phönix- Stab mit beiden Händen. Der andere Mann, der Boris hieß, stieg über Ginnys bewusstlose Gestalt und kam von Angesicht zu Angesicht mit Harry, nur wenige Zentimeter von dem Schild entfernt, den er krampfhaft aufrechtzuerhalten versuchte. Der Triskelion richtete seinen Zauberstab direkt auf Harrys Kopf und auf seinem Gesicht lag ein weites, höhnisches Lächeln.

„Kann ich nicht nur ein wenig Spaß vorher haben, bevor wir ihn an Karl aushändigen?", sagte er, während er seinen Zauberstab bedrohlich zwischen den Fingern umherwirbelte.

„Ehrlich, das ist nicht nötig, Boris", sagte der erste Mann, der nun zufrieden Ginnys Brosche hielt. „Potter wird kooperieren, jetzt da wir das Mädchen haben. Er wird uns ohne Aufstand folgen."

Harry sah von einem Mann zum anderen und entschied, dass es besser wäre, im Augenblick keine Konfrontation hervorzurufen. Er war nicht in der Verfassung, sich in einem Duell oder Kampf zu verstricken, und seine Gegner waren erfahrener und auch von kräftigerer Gestalt.

„Na schön", verkündete er so überzeugend wie er konnte. „Aber ich will zuerst sicherstellen, dass es ihr gut geht."

Draganov nickte und Harry trat langsam um den zweiten Mann, Boris, herum, der ihn immer noch höhnisch angrinste. Während er vorsichtige Schritte setzte, versuchte Harry sich an all die Flüche zu erinnern, die er kannte, um einen zu finden, mit dem er Ginny würde beschützen und befreien können, sobald er sie erreicht hatte. Hermine könnte einen Portschlüssel erschaffen, er aber nicht. Disapparieren war unmöglich innerhalb des Stadiums oder überhaupt auf dem Durmstrang- Gelände. Er hatte den Umhang nicht bei sich. Er hatte nichts außer seinem Zauberstab.

Während er das dachte, traf sein rechter Fuß etwas auf dem Boden, das ein kurzes Stück rollte und durch die Ritze des hölzernen Decks fiel. Ginnys Zauberstab, dachte Harry. Er warf einen raschen Blick zu Ginnys regungslosem Körper und entdeckte einen weiteren Zauberstab in ihrer Hand. Irgendwie hatte sie es geschafft, an dem Elderstab festzuhalten. Wenn er nur an ihn herankommen könnte, würde er vielleicht in der Lage sein, die Anti- Disapparier- Flüche zu durchbrechen, wie er es zuvor mit dem schwarzen Rauch getan hatte, und dann könnte er sie beide retten. Das heißt, wenn Peverells Zauberstab ihm noch gehorchte. Es war einen Versuch wert.

„Du, bleib da! Wir haben alles im Griff", sagte Draganov plötzlich. Und dann wiederholte er dasselbe noch mal auf Bulgarisch.

Harry drehte sich um und sah einen dritten Triskelionen die letzten Stufen zur Plattform hochsteigen. Er hatte eine schwarze Kapuze über die Augen gezogen, doch sein Umriss schien leicht vertraut. Er blieb nicht stehen, wie es ihm aufgetragen worden war, sondern ging weiter, bis er auf der Plattform stand.

Draganov sagte etwas Herrisches auf Bulgarisch, was den Neuankömmling anhalten ließ, wenn er auch kaum eingeschüchtert von der Anwesenheit der anderen beiden Triskelionen zu sein schien. Er hob leicht das Kinn und Harry konnte fast sein Gesicht sehen, doch dann wandte sich sein Blick nach unten und fiel auf Ginny, die leise stöhnte und sich anfing zu rühren.

„Oh, du bist es", sagte Draganov und starrte den Triskelion an. „Ich glaube nicht, dass du hier gebraucht wirst. Potter wird nirgendwo hingehen, solange wir sie in unserer Hand haben."

Harry hörte, wie der dritte Triskelion leise „Ja, Sir" brummte.

„Boris wird das Mädchen zu Karl bringen", sagte Draganov. „Du und ich werden uns mit Potter befassen."

„Lass mich nur nachsehen, ob sie in Ordnung ist", sagte Harry wieder, diesmal etwas drängender. Das könnte die letzte Chance sein, zu Ginny und dem Elderstab zu gelangen.

Draganov seufzte ungeduldig. „Bleib hier! Sie lebt noch. Wenn du willst, dass das so bleibt, dann händige uns deinen Zauberstab aus, Potter. Sonst werde ich dich lähmen müssen und du siehst schon jetzt halbgelähmt aus."

Harry."

Ginny öffnete die Augen. Sobald sie den großen, lächelnden Mann über sich gebeugt sah, versuchte sie, sich herumzudrehen, um ihm zu entkommen. Doch er war viel schneller. Er rief „Incarcerate!" und magische Fesseln erschienen, die sich wie Tentakel um sie schlangen und es ihr unmöglich machten, den Elderstab zu benutzen, der immer noch in ihrer Hand lag. Dann packte er sie an einer Schulter und legte seinen Arm um ihren Hals, um sie aufrechtzuhalten.

Harry sah entsetzt, dass Blut an ihrem Gesicht heruntertröpfelte. Ihr wurde nun ein Zauberstab ins Gesicht gehalten und sie konnte sich kaum bewegen.

„Tun Sie ihr nichts!", brüllte Harry alarmiert.

„Harry, verschwinde einfach!", rief Ginny.

„Es ist deine Entscheidung, Potter", sagte der erste Mann. Dann, zu seinem Kumpanen gewandt, fügte er hinzu: „Bring sie weg, sofort!"

Bevor Harry auch nur Zeit hatte zu reagieren, rief eine weitere laute Stimme „Expelliarmus!". Boris wurde fast vor Überraschung von den Füßen gefegt, doch er schaffte es, den Fluch mit einem Wedeln seines Zauberstabs gegen die Wand zu schleudern, ohne seinen Griff auf Ginny zu lockern. Draganov wirbelte herum und schoss einen Lähmfluch auf den dritten Triskelionen, dessen Kapuze vom Kopf rutschte, als der rote Lichtblitz sein linkes Ohr um Haaresbreite verfehlte.

„Krum!", lachte Draganov. „Das ist ein gewagter Zug, sogar für dich."

„Ich werde nicht zulassen, dass ihr sie entführt", sagte er heftig und richtete seinen Zauberstab auf Draganov.

„Du kommst zu spät, Krum", kicherte Boris hämisch.

Er vollführte eine komplizierte Bewegung mit seinem Stab und plötzlich umgab ihn und Ginny ein leuchtend rotes Licht und sie beide wirbelten durch das Stadium, gefolgt von einer Spur roter Funken. Sie landeten auf der gegenüberliegenden Plattform und verschwanden schnell durch einen verborgenen Gang.

„Nein!", riefen Harry und Krum gleichzeitig.

Krum rannte zum Geländer, aber er konnte nichts mehr tun. Er murmelte ein mattes „Accio", das überhaupt keine Wirkung zeigte. Dann fluchte er laut auf Bulgarisch.

Doch Draganov wollte solch einen perfekten Moment nicht verschwenden. Er hob seinen Zauberstab in Krums Richtung und auf seinen Lippen sah Harry die ersten Silben eines Zauberspruchs, den er nur zu gut kannte.

„Avada…!"

„Stupor!", rief Harry mit aller Kraft.

Doch seine Hand zitterte immer noch. Der Lähmfluch traf den Triskelionen in die rechte Schulter, aber nur knapp. Die Wucht warf Draganov aus dem Gleichgewicht und der Todesfluch, der auf Krum gezielt war, verfehlte ihn nur um wenige Zentimeter. Der bulgarische Sucher wirbelte herum und wandte seine Aufmerksamkeit wieder auf seine unmittelbare Umgebung. Er nahm eine Position ein, die Harry sofort als eine erkannte, die Lockhart sie zu lehren versucht hatte.

„Was suchst du, Krum? Ein Duell?", lachte Draganov. „Du bist immer noch ein Amateur. Du bist nur dazu gut, Jugendliche zu lehren, wie man einen Zauberstab richtig hält. Du würdest keine zwei Sekunden in einem echten…"

„Stupor!", brüllte Krum.

Sein Fluch flog am rechten Ohr des Triskelionen vorbei und für eine Sekunde dachte Harry, dass Krum sehr ungenau gezielt hatte, doch der Zauber traf in die Marmorwand. Eine Sekunde später krachte sie von hinten auf den Triskelionen. Der große Mann hatte gerade noch Zeit, sich umzudrehen und den roten Lichtblitz mit einer Art von Schild abzuwehren, die Harry noch nie zuvor gesehen hatte.

„Nicht einmal annähernd gut genug, Krum", höhnte der Triskelion wieder. „Aber wenn es das ist, was du willst…"

Ohne seinen Satz zu beenden, hob er seinen Zauberstab und schickte einen mächtigen Fluch in Krums Richtung, ohne auch nur ein Wort zu sagen. Krum versuchte sich zu ducken, doch er konnte dem braugrauen Lichtblitz nicht entgehen, auch wenn er „Protego!" rief. Winzige Pfeile durchstachen seinen Schild und trafen ihn wie Hundert kleine Messer. Blut tropfte auf die hölzerne Plattform, aber Krum stand noch aufrecht.

„Sectumsempra!", rief Harry in Draganovs Richtung.

Doch Draganov, so schien es, hatte einen Angriff von Harrys Seite erwartet. Er sandte einen Zauber schnell über die Schulter und Harrys Fluch wurde zu ihm zurückgeschleudert, als wäre er gegen eine Wand geprallt. Harry duckte sich und rollte sich zur Seite. Der Fluch verfehlte ihn, aber nur knapp. Dann zeigte Harry mit seinem Phönix- Stab auf den Triskelionen und rief fast instinktiv „Expelliarmus!"

Doch der Zauberstab hatte überhaupt keine Wirkung auf den Triskelionen.

„Expelliarmus? Lernt ihr Hogwarts- Leute nichts anderes? Ich denke, ich werde diese Gelegenheit ergreifen, dir ein paar Flüche beizubringen, Potter."

Der Austausch von Zaubern, der darauf folgte, war der schnellste und tödlichste, an dem Harry jemals teilgenommen hatte. Draganov zielte immer wieder mit Tötungsflüchen auf Krum und verschiedene Zauber prasselten mit unglaublicher Geschwindigkeit auf Harry ein.

Krums Erwiderungen waren schnell und beeindruckend. Er schien überall gleichzeitig zu sein und schütze Harry und sich selbst mit Zaubern, die Harry nicht einmal wiedererkannte. Doch nicht ein Mal murmelte er einen der Unverzeihlichen Flüche.

Harry für seinen Teil versuchte sich, so gut er konnte, zu wehren. Seine Flüche waren zittrig und er fühlte sich sogar außer Atem. Er wollte fliehen, nicht kämpfen. Er wollte über das Geländer springen und durch das Stadium zu der Stelle rennen, wo Ginny und der Triskelion verschwunden war. Doch die Stimme der Vernunft in seinem Kopf flüsterte ihm zu, dass Ginny wahrscheinlich schon weit von Durmstrang entfernt war.

Ein grüner Lichtblitz verfehlte Krums Kopf um Haaresbreite. Der bulgarische Sucher stand nun, nach vielem Ausweichen und Rollen, an Harrys Seite. Sie hatten beide den Rücken zum verborgenen Gang gewandt.

„Verschwinde von hier, Harry", sagte Krum zwischen zwei Flüchen.

„Nein!", brüllte Harry ohne nachzudenken.

Krum packte Harry am Nacken und zog ihn gerade rechtzeitig herunter, um einem grünen Lichtblitz zu entgehen.

„Du bist mir keine Hilfe, Potter", brachte Krum zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.

Der Bulgare lenkte einen weiteren Fluch ab und diesmal verlor sein Gegner für einen kurzen Moment sein Gleichgewicht und taumelte rückwärts gegen das halbzerstörte Geländer.

„Das ist deine Chance, Potter. Geh!"

Es geschah so schnell, dass Harry kaum wusste, wie Viktor Krum, der beste Sucher auf der Welt, doch leicht krummbeinig auf ebenem Boden, es schaffte, ihn hochzuziehen und in die kleine Öffnung hinter dem schwarzen Vorhang zu schleudern, während er gleichzeitig eine Serie von Flüchen zu dem Triskelionen schickte.

Bevor er auch nur realisieren konnte, was gerade geschehen war, war Harry schon auf halbem Wege auf den engen Stufen, die zur Großen Halle von Durmstrang hochführten. Flüche und Worte auf Bulgarisch wurden gebrüllte, doch vom Klang her schien Krum den Kampf von dem Geheimgang weggelockt zu haben, in dem Harry nun lag, auf der Treppe kauernd und bebend, sich nutzlos und leer fühlend.


AN: Hallo, liebe Leser! Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir einen Kommentar hinterlassen würdet! Danke! :D