Kapitel 26

Als die Fahrstuhltüren sich zur Hotellobby öffneten, spürte Harry, wie er vor Schock schwankte, und musste eine Hand gegen die Wand legen, um aufrecht zu bleiben. Die Welt um ihn herum schien sich zu drehen, doch er wusste, dass dem nicht so war.

Er war nur erschüttert von Schuldgefühlen und Scham.

„Komm schon, Harry. Wir müssen hier raus!"

Hermine zog so sanft sie konnte an seinem Arm. Er wusste, dass jetzt nicht der rechte Moment war zu trödeln, aber seine Furcht war überwältigend.

Sie rannten durch die Stadt zum Movieplex auf einer viel direkteren Route als beim ersten Mal. Harry versuchte, so viele seiner Gedanken auf die anstehende Aufgabe zu richten wie möglich. Er wusste, dass sie weiterrennen mussten. Er wusste, dass sie ohne weiteren Aufschub die Stadt verlassen mussten, doch es fiel ihm schwerer als alles, das er jemals hatte tun müssen. Als er Hogwarts verlassen hatte, um sich Voldemort auszuliefern im Wissen, dass er sterben würde, hatte er es aus freiem Willen getan. Es war seine eigene Entscheidung gewesen, wie schwer sie ihm auch immer gefallen sein mochte.

Dies war etwas anderes. Er würde Ginny verlassen. Er konnte sich des Gefühls nicht verwehren, dass er sie im Stich ließ. Er fragte sich vage, ob Krum das gleiche empfand, doch das Gesicht des Bulgaren war im Augenblick schwer zu durchschauen. Er schien darauf konzentriert auszuführen, was der Durmstrang- Schulleiter ihm aufgetragen hatte.

Komm schon, krieg dich wieder in den Griff, dachte Harry kopfschüttelnd. Die kürzlichen Geschehnisse rasten durch seinen Kopf: die Beerdigung, die Gerüchte, der Dunkle Wald, das schwarze Mal auf seiner Brust, Dementoren über dem Fuchsbau, der Blick auf die Zukunft, sein älteres Selbst zu sehen und die Namen seiner Kinder zu kennen. Doch nun war Ginny fort. Würde sich die Zukunft verändern? Wie konnten sie Kinder miteinander haben, wenn sie starb?

„Wir sind fast da", sagte Viktor Krum, als das alte Opernhaus, das zu einem Filmtheater umgebaut worden war, in Sicht kam.

Mehrere Movieplex- Mitarbeiter in Uniform standen am Eingang und schienen sie zu erwarten. Sie gaben Krum ein Zeichen und führten die Gruppe zum Vorführraum, in dem sie zuerst appariert waren. Viele Muggle wandten die Köpfe zu der Gruppe und schienen sich zu fragen, was vor sich ging. Doch weitere Movieplex- Wachmänner waren erschienen und Harry war sicher, dass sie gekommen waren, um die nötigen Erinnerungszauber auf die Muggle zu legen, die zu viel gesehen hatten.

Während die vier auf die Bühne vor der Filmleinwand traten, schüttelte Krum die Hand von einem der Movieplex- Leute und sprach schnell auf Bulgarisch. Er kam an Harrys Seite.

„Wo ist ein sicherer Ort, wo wir unterschlüpfen können?", fragte Krum.

„Grimmauldplatz", erwiderte Hermine. „Haltet euch an mir fest."

Harry spürte sofort den Sog von Hermines Seit- an- Seit- Apparier- Zauber. Der Boden verschwand unter seinen Füßen, bevor er Zeit hatte, sich dagegen zu wappnen oder seine Gedanken zu sammeln.

Sobald sie auf die oberste Stufe von Sirius' Haus appariert waren, drehte es sich in seinem Kopf. Sein Magen tat einen Satz und seine Beine gaben nach. Das war eine größere Anstrengung als sein Körper aushalten konnte. Glücklicherweise war Viktor Krum neben ihm und fing ihn an den Schultern auf, bevor er von den Stufen stürzen konnte, wo er außerhalb der Sicherheit der Schutzzauber auf dem Haus gewesen wäre.

Ron schob die Tür auf und die vier taumelten ins Haus, wobei sie fast übereinander purzelten.

„Tut mir leid. Ich habe euch ja gewarnt, dass man eng gedrückt wird", brummte Hermine, die sich das linke Knie hielt, nachdem sie damit gegen den Türrahmen gestoßen war.

Harry trat ein paar Schritte vorwärts, um sich von Krums Griff zu befreien, und stützte sich mit einer Hand an der Wand ab. Dieselbe Frage schwirrte immer wieder in seinem Kopf herum: Was würde er tun, wenn Ginny starb?

„Harry…?"

Hermines Stimme klang unverkennbar besorgt, doch ihm war noch nicht nach Sprechen zumute. Er brauchte ein paar Augenblicke, um seine Orientierung wiederzuerlangen. Er kämpfte mühsam gegen einen Anfall von Übelkeit an. Hermine schien zu verstehen, denn sie drängte nicht weiter nach.

„Ihr seid wieder da!", rief eine vertraute Stimme vom oberen Absatz der Treppe. „Wir haben das Haus sicher gemacht und Mum und Dad und Hermines Eltern sind zum Fuchsbau zurückgekehrt…"

„Shacklebolt hat eine Ermittlung angeordnet und ein paar Leute geschickt, um…"

Harry schaute auf und sah Percy und George eifrig herunterkommen, während sie sprachen. Sie kamen zuerst bei Harry an und verstummten sofort.

„Was ist passiert? Wo ist Ginny?", fragte George. Er starrte Harry an.

„Sie ist nicht tot, also flippt bloß nicht aus", erwiderte Ron hastig.

„Was ist mit ihr geschehen?", entgegnete George zwischen zusammengepressten Zähnen.

„Die Triskelionen haben sie entführt", antwortete Krum geradeheraus. „Sie werden ihr nichts tun. Sie ist ihre Geisel."

Harry war überrascht, wie kontrolliert Krum klang. Er wünschte sich plötzlich, dass er über diese Art von Stärke verfügte.

„Ich will es aus seinem Mund hören", blaffte George.

„Lass es ja nicht an Harry aus", warf Ron warnend ein. „Es ist nicht so, als hätte er es gewollt!"

„Tja, das hätte er sich vielleicht überlegen sollen, bevor er mit ihr anbändelt."

„Du meinst, dass Harry kein normales Leben führen sollte. Ist es das, was du sagen willst?"

„Hört auf!", rief Hermine besorgt, was Ron sofort zum Schweigen brachte. „Das ist auch so schon schwer genug. Ihr beide hört sofort mit dem Zanken auf oder ich jage euch beiden einen Fluch auf den Hals", fügte sie an Ron und George gewandt zu.

Das nächste, das Harry spürte, war Hermines Hand auf seiner Schulter, doch er schüttelte sie hastig ab und sagte: „Wir haben fünf Stunden, um einen Plan zu schmieden." Er bemühte sich krampfhaft darum, seine Stimme ruhig zu halten. „Gehen wir in die Küche und lassen uns einen Plan einfallen. Bitte?"

Ron schien es als Aufruf zu verstehen, die anderen in den nächsten Raum zu führen. Er schob Percy und George vorwärts und Viktor folgte gehorsam, während er die Gemälde an der Wand betrachtete.

„Du musst dich auch ein wenig ausruhen", sagte Hermine mit mütterlicher Besorgnis. Sie musterte sein Gesicht. „In diesem Zustand kannst du nicht weitermachen."

„Ich muss aber. Es geht hier um Ginny. Die Visionen, die ich hatte, handelten von unserer gemeinsamen Zukunft. Ich kann sie nicht verlieren, Hermine. Ich werde alles tun, um…"

Doch er konnte seinen Satz nicht beenden. Hermine hatte ihn in eine enge Umarmung gezogen. Es schien einen Teil seiner Schuldgefühle und Anspannung freizulassen, die er verspürte. Er ließ es zu, dass einige Tränen an seinen Wangen herunterliefen, aber er wischte sie schnell ab, als Hermine sich wieder von ihm löste.

„Es ist nicht so hoffnungslos, wie du vielleicht denkst, Harry. Der Bogengang befindet sich in der Mysteriumsabteilung im Zaubereiministerium. Das wird zu unseren Gunsten sein. Du bist Harry Potter. Wie viele Leute, denkst du, würden uns eine helfende Hand anbieten, wenn du darum bitten würdest? Aber wir haben nicht viel Zeit."

Sie nahm seine Hand und führte ihn in die Küche, wo Ron, George und Percy am Tisch saßen. Viktor Krum stand immer noch. Er schien seine Umgebung mit großem Interesse zu betrachten.

Harry war noch nicht danach zumute, George und Percy die neuesten Ereignisse mitzuteilen, und er war nicht sicher, wie viel er ihnen eigentlich erzählen wollte. Deshalb war er sehr froh, dass Viktor Krum als erster die unbehagliche Stille durchbrach.

„Viele deiner Vorfahren waren in Durmstrang", stellte der Bulgare sachlich fest, der ein Bild an der Wand anstarrte, welches Harry noch nicht bemerkt hatte.

„Das ist das Haus von meinem Paten", erwiderte Harry. „Vor dir ist die Black- Familie oder wahrscheinlich die Lestranges", fügte er verlegen hinzu, als ihm das „D" auf seinem Shirt und dessen Ursprung in den Sinn kamen.

„Nein, nein", beharrte Krum und deutete auf den Rahmen. „Das ist Georgiana Potter. Sie ist mit meinem Großvater zur Schule gegangen. Sie ist eine sehr berühmte Malerin, sehr alt jetzt. Neben ihr ist Charles Potter. Meine Eltern kannten ihn. Er hatte vier oder fünf Kinder mit einer französischen Frau. Sie sind ziemlich viel herumgekommen. Einige der Kinder leben noch, glaube ich. Meine Mutter weiß es sicher. Sie ist sehr… Da ist sie, im Hintergrund. Das ist ein Bild von einer Duellier- Meisterschaft. Es sieht so aus, als wären wir fast verwandt, Potter."

Er hielt inne, als er den Schock auf Harrys Gesicht bemerkte. Harry wusste nicht viel über die Potter, außer dass sie reinblütig und Nachfahren der Peverells waren. Er hatte immer gedacht, die Dursleys wären seine letzten lebenden Verwandten. Natürlich war er bei den Dursleys vom Blut seiner Mutter beschützt gewesen, das durch die Venen seiner Tante Petunia floss. Doch andere Potters? Er hatte nie über die Möglichkeit nachgedacht. Der Ausdruck auf Hermine und Rons Gesicht war gleichfalls verblüfft.

„So überraschend ist es nicht, Potter. Ehrlich. Du bist ein Reinblüter. Die meisten Reinblüter- Familien haben eine gemeinsame Vergangenheit. Wusstest du das nicht?"

„Nach all diesen Jahren bei den Dursleys…", sagte Ron, „meinst du, dass Dumbledore das wusste?" Doch Hermine stupste ihn gegen die Schulter, bevor er seinen Kommentar beenden konnte, und Harry hörte sie deutlich vor sich hin murmeln „Das bringt uns nicht weiter, Ron".

Harry verspürte sofort den Drang, Kreacher herbeizurufen. Der alte Hauself erschien mit einem leisen Plop.

„Woher hast du das?", fragte Harry geradeheraus und zeigte auf das Bild.

„Kreacher richtet das Haus für Harry Potter her. Die Herrin wollte die Bilder nicht mehr haben, als Meister Sirius wegging, um mit den Potters, den Blutsverrätern, zu leben. „Aus meinen Augen", sagte sie. Also ließ Kreacher sie verschwinden. Jetzt ist Meister Harry Potter wütend auf Kreacher. Böser, böser Kreacher."

Der alte Hauself begann langsam zum Ofen zu wandern. Harry, dem die Selbstbestrafungen von Dobby in den Sinn kamen, dachte sofort, dass es besser wäre, Kreacher eine Aufgabe aufzutragen. Außerdem warf Hermine ihm flehende Blicke zu und Ron schaute hoffnungslos zur Speisekammer.

„Ich bin nicht wütend, Kreacher. Du bist ein guter… Kreacher. Du machst deine Sache gut. Jetzt bring uns bitte etwas zu essen."

Am Speisetisch bot Percy an, in den Archiven des Ministeriums nach Aufzeichnungen des Potter- Familienstammbaum zu suchen. Harry lächelte und dankte ihm, während ein Teil von ihm sich fragte, ob der Name Potter mit ihm aussterben würde, falls er keine Kinder bekam. Es dauerte ein paar Minuten, bis er den schrecklichen Gedanken abgeschüttelt hatte.

Das Essen duftete gut und war sehr beruhigend: Schüsseln von dampfender Suppe, Brot backfrisch aus dem Ofen und viele verschiedene Arten von Käse. Harry gestattete es sich, nichts zu denken, während er sein spätes Mittagessen verzehrte. Es war sehr still am Tisch, außer Rons Schlürfen seiner Suppe und Hermines fieberhaftem Kritzeln auf einem Stück Pergament, das sie aus ihrer bestickten Perlentasche herausgezogen hatte.

George schob seine leere Schüssel nach nur fünf oder zehn Minuten von sich und entschied, dass es Zeit war, sich an die Arbeit zu machen.

„Habt ihr herausgefunden, wer die Dementoren geschickt hat?"

„Es war Schlug-ormff", sagte Ron mit dem Mund voll Brot.

„Aber es stecken die Triskelionen dahinter", warf Hermine ein. „Sie gehören einer Geheimgesellschaft an, die davon besessen ist, die Heiligtümer des Todes zu vereinen. Die Heiligtümer enthüllen, wer der Erbe von William Peverell ist. Nur der Erbe kann durch den Bogengang der Toten treten und hoffen, eine Vereinbarung mit dem Herrn der Unterwelt treffen zu können."

„Lasst mich raten", sagte George halb grinsend. „Harry ist der Erbe."

„Und die Triskelionen wollen, dass er durch das Tor tritt und die Rückkehr von Voldemort und Grindelwald aushandelt", schloss Hermine.

„Und Harry würde nicht sterben wie Sirius?", fragte George.

„Doch, würde er. Die drei Objekte deuten darauf hin, dass Harry der würdige Nachkomme von Peverell ist, aber das ist auch schon alles. Um aus der Unterwelt zurückzukommen, würde Harry mit Hades verhandeln müssen", erwiderte Hermine. Sie strich sich über die Haare. „Das bedeutet auch das Mal."

Ich habe das Mal nicht mehr, dachte Harry sofort. Und dann erinnerte er sich daran, dass es nun Ginny war, die die Herrin über den Elderstab war.

Seine Vernunft wollte Hermine diese neue Informationen mitteilen, doch da war ein anderer Teil in ihm, der sich fragte, ob das der richtige Weg war, ob er die Tatsache verbergen sollte, dass er nicht länger im Besitz des Elderstabs war.

Seine Freunde glaubten, dass er beschützt wurde, dass er wie William Peverell einst durch das Tor treten und seine Rückkehr aushandeln konnte. Die Wahrheit war, dass seine Anwesenheit unbemerkt bleiben würde, wenn er tatsächlich ohne das Mal, das ihn als Peverells Erben auszeichnete, durch den Bogengang trat. Der Herr der Unterwelt würde kein Interesse an ihm haben. Er wäre eine uninteressante Seele unter Tausenden von anderen, die nur zum nächsten Leben fortschritten.

Peverells Fluch war dazu bestimmt, seinen Erben zu enthüllen, seinen würdigsten Nachkommen, denjenigen, der die Heiligtümer kontrollieren konnte. Hades würde sich nicht damit aufhalten, eine Unterhaltung mit jemand anderem zu beginnen.

Harry konnte den Reiz einer solchen Gelegenheit erkennen. Eine private Audienz beim Herrn der Unterwelt war die Chance, um alles zu bitten, jedoch mit einem Preis. Peverell hatte Azkaban, Kontrolle über die Dementoren und Unsterblichkeit erlangt, im Austausch gegen seine Seele und eine kindlose Zukunft.

Ich hätte um die Macht, Ginny zu retten, bitten können, und um die Rückkehr von all jenen, die durch Voldemorts Hand umgekommen sind, dachte er voller Bitterkeit. Tja, das ist jetzt alles vorbei. Es wird keinen Pakt geben. Ich habe darin versagt, die Heiligtümer zu vereinen. Ich bin des Namens Peverell nicht würdig. Wenn ich jetzt durch das Tor trete, gibt es keine Rückkehr für mich, das ist mal sicher.

Hermines klare und entschlossene Stimme riss ihn aus seinen Gedanken und er realisierte, dass sie schon einige Zeit gesprochen hatte.

„Also sind wir uns einig, dass Harry nicht durch das Tor treten wird. Ist das allen klar?"

Percy, George, Ron und Viktor nickten, doch Hermine schien mehr interessiert an einer Bestätigung von Harry.

„Ich weiß, dass du es in Erwägung ziehst, Harry, aber Mr. Lovegood hat Recht, weißt du. Es kann keinen Pakt geben, wenn du deine Seele als Bezahlung aufgeben musst."

Alles, das Harry erwidern konnte, war ein mattes „Richtig".

Seine Gedanken waren bei Ginny. Er sah keinen Weg, wie er ihre Sicherheit garantieren konnte, wenn die Triskelionen den Eindruck bekamen, dass er nicht tun würde, was sie verlangten.

„Das lässt uns nicht viele Optionen", sagte Percy gewichtig.

„Es gibt nur eine Option", keifte Hermine, die Stimme klar und resolut. „Wir greifen an."

„Sie werden uns kommen sehen, Mine", erwiderte Ron. Er legte sein Stück Brot auf den Teller. „Sie werden Ginny umbringen, bevor wir auch nur zu ihr können."

„Nein, werden sie nicht, weil Harry auftauchen wird, wie es ihm aufgetragen worden war. Sie werden glauben, dass sie ihn in die Enge getrieben haben. Es muss nicht einmal Harry sein. Ich habe genug Vielsafttrank für mindestens drei Leute da drinnen", sagte sie und deutete auf ihre Handtasche.

Als Ron ihr einen fragenden Blick zuwarf, fügte sie hinzu: „Ich… äh… Slughorn hatte noch etwas davon in seinem Büro, also habe ich mir die Freiheit genommen… Es gingen all diese Gerüchte um und ich dachte mir einfach, dass es sich als nützlich erweisen könnte."

Der zärtliche Ausdruck auf Rons Gesicht war fast peinlich anzusehen.

Meine Hermine", murmelte er liebevoll.

„Vielsafttrank. Ein Déjàvu, aber es könnte funktionieren", sagte George. „Sie werden Harry mit Sicherheit folgen, sobald er im Zaubereiministerium auftaucht. Wenn wir ihnen drei oder vier zum Verfolgen geben, werden sie bestimmt zerstreut."

„Da werden nicht viele von ihnen übrigbleiben, die wir bekämpfen müssen", warf Ron ein wenig zu enthusiastisch ein. „Und ich habe das hier!"

Er zog den Deluminator aus seinem Chudley- Cannon- Rucksack heraus.

„Da ist immer noch die Sache, wie wir durch die Mysteriumsabteilung kommen", erhob Percy ernst das Wort. „Ihr wisst es vielleicht nicht, aber der Raum ist voller Fallen. Zum Bogengang der Toten zu gelangen, könnte tückischer werden als ihr glaubt."

„Ich glaube, wir wissen ein wenig darüber, Percy, vielen Dank", sagte Ron spöttisch.

Er schaute, nach Unterstützung suchend, zu Harry und Hermine, doch Hermine schien etwas bestürzt.

„Daran habe ich nicht gedacht", gab sie zu. „Die Mysteriumsabteilung ist ein echter Irrgarten und wir können es uns nicht leisten, dort auch nur eine Person zu verlieren. Unsere Stärke liegt in unserer Anzahl."

Unsere Anzahl?", blaffte George sie an. „Ich sehe nur fünf Leute um diesen Tisch herum. Sechs, wenn wir Mr. Quidditch- Weltmeister mitrechnen", fügte er mit einem unüberzeugten Stirnrunzeln zu Viktor Krum hinzu.

„Natürlich bin ich dabei!", platzte Krum empört heraus.

„Es sind nicht nur wir! Seht mal, ich habe eine Liste aufgestellt", fuhr Hermine hastig dazwischen. „Wenn wir jedem eine Zeit und einen Ort zuteilen in den" (sie warf einen Blick auf ihre Armbanduhr) „drei Stunden, die übrig sind, dann können wir mit zwanzig oder dreißig Mann auf einmal zuschlagen. Die Triskelionen werden ums Fünf- oder Sechsfache in der Unterzahl sein."

Es folgte eine Stille, in der alle den Plan zu überdenken schienen. Harry konnte nicht umhin zu denken, dass es ein guter Plan war, sofern es Ginnys Rettung betraf.

Er konnte nur einen Makel darin erkennen. Während sie alle die Mysteriumsabteilung stürmten und die Triskelionen auseinanderlockten, würde er vor dem Tor stehen und versuchen, etwas Zeit zu schinden. Er würde den Duelliermeister und Triskelion Karl lang genug ablenken müssen, bis die Rettungstruppe ankam. Doch was, wenn es ihm nicht gelang? Was, wenn es zur einzigen Option wurde, durch das Tor zu treten?

„Das wird nicht ausreichen", sagte Krum plötzlich. Er legte beide Hände auf den Tisch.

Er hatte das Bild der Duellier- Meisterschaft an der Wand angestarrt.

„Die Triskelionen, du hast diese Männer nicht duellieren sehen. Sie sind Meister ihres Fachs."

„Naja, wir sind eurem Duellierstadion entkommen, oder nicht?" Ron schnaubte.

„Sie haben sich zurückgehalten, weil sie Angst hatten, Harry zu töten", erklärte Krum unverwandt. „Diesmal werden sie euch umbringen und jeden anderen, den ihr mit euch bringt. Ihr seid nicht genug Leute."

„Tja, mir fällt niemand anderes mehr ein. Viele Auroren sind umgekommen", verteidigte Hermine ihren Plan.

Ron streckte seinen Arm aus, um ihre Hand zu nehmen. Als er sie so sah, fiel Harry unwillkürlich das Bild von Lupin und Tonks ein, deren Leichname er in der Großen Halle von Hogwarts gesehen hatte.

„Auroren werden nicht reichen", gab Krum zurück. „Was ihr braucht, sind Duellier- Meister. Viele Duellier- Meister."

George, Percy und Ron schien der Gedanke nicht viel auszumachen.

„Ja, und außerdem Quidditch- Spieler", schnaubte George. Die Ironie in seiner Stimme war deutlich zu hören.

Nur Hermine schien hoffnungsvoll. Sie schaute von ihrem kleinen Pergament zu Krum und sagte: „Wir haben nicht viel Zeit, aber wir werden jeden aufnehmen, der bereit ist zu helfen. Wie viele Leute kannst du auftreiben?"

„Acht, zehn, vielleicht mehr."

„Wow. Zehn werden uns echt weiterhelfen", spottete George wieder.

„Diese Leute werden euch Flüche zeigen, die sie in Hogwarts nicht lehren!", bellte Krum in Georges Gesicht.

„Sie müssen aber eines verstehen", warf Harry ein.

Plötzlich herrschte Stille um den Tisch herum, als hätte keiner von ihnen erwartet, dass er sich einschaltete. Er fühlte sich für einen flüchtigen Moment verlegen, doch er fuhr fort.

„Das sind keine Duelle in einem Stadium. Menschen können umkommen. Jeder, der kommt, muss das begreifen."

Als er seinen Satz beendet hatte, wandte George seinen Blick von Harry ab und Ron drückte Hermines Hand fester. Doch Krum schien entschlossen. Er stand sofort auf und strebte auf die Tür zu.

„Lasst mich einfach Zeit und Ort durch die DA- Münzen wissen. Das geht doch noch, oder?"

Hermine war für einen Augenblick überrascht. Krum zog die falsche Galleone hervor, die Hermine vor dieser ganzen Ewigkeit für die DA- Treffen hergestellt hatte.

„Ginny hat mir letztes Jahr eine gegeben", murmelte er hastig.

Harry fand, dass er bekümmert klang, als er Ginnys Namen aussprach, was ein gutes Zeichen war. Es bedeutete, dass Krum sich genug um sie sorgte, um sie um jeden Preis zu retten.

Krum war fast schon aus der Tür, als ein letzter Gedanke durch Harrys Kopf schoss.

„Was hat dein Schulleiter dir gesagt, als du ihn zurückgelassen hast?"

Krum blieb kurz stehen.

„Er sagte, dass er Durmstrangs neuen Duellier- Meister nicht verlieren will."

Und danach war er fort.

„Tja, ich hoffe, dieser Schulleiter hat überlebt und wird auftauchen, um uns zu helfen", sagte Ron hoffnungsvoll, aber mit einem neckischen Grinsen. Er fügte ein stummes „Idiot" in die Richtung hinzu, in der Krum verschwunden war.

Doch Harry war gar nicht nach Scherzen zumute. Ihm ging immer wieder das gleiche Thema durch den Kopf. Es war ein guter Plan unter diesen Umständen. Der Fokus lag auf der Rettung von Ginny. Es gab nur eine Sache, die er nicht verwinden konnte: Er wollte nicht durch das Tor treten und er wollte nicht sterben.

„Harry, was ist los?"

Hermines Stimme riss ihn aus seinen Gedanken.

„Da ist noch etwas, das ihr wissen solltet." Er holte tief Luft. „Ich habe den Stab nicht mehr. Ich konnte ihn nicht kontrollieren. Ich habe Ginny gebeten, mich zu entwaffnen. Sie hat jetzt den Elderstab. Ich konnte die Heiligtümer des Todes nicht unter einem Meister vereinen. Deshalb ist das Mal von Destina Nobilis, oder wie auch immer es heißt, verschwunden. Wenn ich durch das Tor treten, werde ich nicht zurückkommen."

Er ließ die Worte aus dem Mund strömen und wollte seine Freunde nicht mehr ansehen, jetzt da das Geheimnis heraus war.

„Es spielt keine Rolle", sagte Hermine leise. „Wir haben uns schon darauf geeinigt, dass du nicht dadurch treten wirst. Harry, es ist schon gut. Du solltest dir keine Gedanken darum machen. Du solltest versuchen, ein wenig zu schlafen. Wir werden uns um alles kümmern, während du dich ausruhst. Du kannst es gebrauchen."

Harry merkte, dass Hermine sich bemühte, so tröstend wie möglich zu klingen, obwohl ihnen die Zeit davonlief und er eine Variable in ihrem Plan änderte.

„Ja", stimmte Ron zu. „Du brauchst Schlaf, Kumpel. Du siehst…"

Furchtbar aus, ich weiß", warf Harry ein. „Tut mir nur einen Gefallen. Wenn ihr die Chance bekommt, zerstört ihn. Den Torbogen, meine ich."

Hermine wirkte bestürzt bei dem Gedanken. Ihr war natürlich bewusst, was die Zerstörung des Tors zur Bedeutung hatte: Azkaban würde die Dienste der Dementoren verlieren. Es würde Ausbrüche geben. Todesser und andere Dunkle Zauberer auf freiem Fuß in den Straßen.

Doch irgendwie hatte er das Gefühl, dass es das Richtige war. Ein Zugang zu der Welt der Toten war nichts Natürliches. Es war zu verlockend und zu schrecklich.

Er wartete auf eine Antwort. Schließlich schien Hermine sein Urteil zu verstehen.

„In Ordnung, Harry, wir werden ihn zerstören."

Ohne ein weiteres Wort erhob er sich und steuerte auf die Treppe zu in der Hoffnung, dass er seinen rasenden Gedanken lange genug Einhalt gebieten konnte, um ein paar Minuten Schlaf zu bekommen. Als er auf halbem Weg auf der Treppe war, hörte er Georges schelmische Stimme:

„Einen Haufen Felsen zersprengen? Ich glaube, da habe ich genau das Richtige dafür."


AN: Hallo, Leute! Bitte schreibt mir, was ihr von dem Kapitel haltet! Danke!