Hallo, liebe Leser! Jetzt ist es soweit: Der Epilog, d.h. der allerletzte Teil dieser Geschichte, ist fertig.
Ich möchte erstmal allen danken, die mir treu gefolgt sind und mir auch ab und zu Kommentare hinterlassen haben!
Und jetzt viel Spaß beim Lesen! :D
Epilog
Das würde ein Weihnachtsfest wie kein anderes werden, dafür würde er sorgen. Tatsächlich konnte er sich nicht daran erinnern, jemals so enthusiastisch über Weihnachten oder eine Party gewesen zu sein. Sie alle waren voller Furcht, was vor ihnen lag.
Es hatte immer diese stille Bedrohung über ihm gehangen und war ihm überallhin gefolgt, zum Fuchsbau, nach Hogwarts oder sogar zu den Dursleys. Er hatte es damals noch nicht gewusst, aber er hatte ein Stück von Voldemorts Seele in sich getragen. Erst jetzt konnte er zur Gänze wertschätzen, wie frei er war ohne jene Bedrohung und der Last auf seinen Schultern. Jetzt konnte er ein normaler Jugendlicher sein. Oder war er jetzt ein junger Mann? Er konnte nicht wirklich sagen, was er war, doch es war trotzdem ein gutes Gefühl.
Naja, fast normal… dachte er und dann konnte er ein Lächeln nicht unterdrücken, während er mit seinem Zauberstab wedelte und der gesamte Inhalt eines Pappkartons in die Luft flog und ordentlich auf den Zweigen eines leuchtenden Weihnachtsbaums landete. Die Kerzen brannten von selbst ohne irgendwelche hässlichen Kabel. Die Holzfiguren, die an jedem Zweig hingen, versprühten ab und zu Funken. Und wenn es keine Funken gab, stritten sie miteinander darüber, wer den besten Platz an dem Baum innehatte.
Er hörte, wie die Eingangstür sich öffnete und schloss, und er verspürte unbändige Freude, dass er nicht mehr bei jedem Geräusch zusammenzuckte. Sein nervlicher Zustand hatte sich definitiv verbessert.
Die Stimme war vertraut und unbestreitbar willkommen. „Ich könnte etwas Hilfe gebrauchen!"
Eine Gestalt erschien im Wohnzimmer, rothaarig und mit Schnee auf ihrem smaragdgrünen Umhang. Ihre Arme waren beladen mit Gläsern, Taschen, Pappschachteln und anderen Weihnachtsleckereien. Harry registrierte sofort den Duft von Gewürzen an ihr, Ingwer und Zimt, doch außerdem noch einen stechenden Geruch.
„Hier, nimm das", sagte sie und übergab ihm einen schweren Kessel. „Das ist Diptam- Essenz. Mum meinte, es könnte dir ausgegangen sein."
„Naja, man kann nie genug Diptam- Essenz dahaben", erwiderte er scherzhaft.
Sie lächelte.
„Das Witzereißen bedeutet jedenfalls, dass du den Weihnachtsbaum gebändigt hast."
„Wir haben uns für eine Weile duelliert, aber ich habe gewonnen."
Er konnte nicht anders. Er war glücklich. Es gab kein anderes Wort dafür. Alles, das er tun wollte, war, Ginny in seine Arme zu ziehen und sie für alle Ewigkeit zu küssen.
„Willst du mal aufhören, mich anzustarren und zu grinsen?", stichelte sie. „Lass mich den Baum begutachten."
Sie folgte ihm ins Wohnzimmer. Da wurde sie fast von einem kleinen Spielzeugflugzeug getroffen. Seine Baumdekoration schien in ein Feuerchaos ausgeartet zu sein. Die Kerzen entpuppten sich als kleine Knallkörper. Die Spielzeugfiguren evakuierten den Baum und der falsche Schnee war auf dem Boden geschmolzen.
„Du hast doch gesagt, du hättest gewonnen!", brüllte Ginny über den Lärm eines Feuermelders hinweg, der unsichtbar war.
Sie zog ihren Zauberstab hervor, den Elderstab, und als sie ihn wedelte, kehrten die Dekorationen in ihren ursprünglichen Zustand zurück. Sie schwang wieder ihren Stab und die Kerzenlichter wurden rot und grün. Mit einem letzten Schlenker schuf sie silbrig- weiße Schneeflocken, die den geschmolzenen Schnee ersetzten.
Harry lächelte unwillkürlich.
„Du hast wirklich den Dreh mit dem Zauberstab rausgekriegt", kommentierte er.
„Ich glaube schon", erwiderte sie, während sie ihn wieder in die Hintertasche ihres schwarzen Rocks steckte. „Er macht nichts Komisches. Ich glaube, er hat mich erwählt, weißt du?"
„Ja, ich schätze, du hast Recht."
„Sollen wir weiter die Party vorbereiten?"
„Das kommt darauf an", sagte er und zog sie näher zu sich.
„Worauf denn?"
„Darauf."
Der Kuss, der darauf folgte, war etwas, woran er sich noch jahrelang erinnern würde.
Der Rest der Vorbereitungen wurde recht schnell beendet angesichts der ständigen romantischen Impulse.
Er hatte seine engsten Freunde zu einer Weihnachtsfeier im Grimmauldplatz eingeladen. Er hatte allen gesagt, dass eine Begleitung gern willkommen war, und er wusste, dass sie alle davon Gebrauch machen würden. Harry Potter und Ginny Weasley waren nicht die einzigen, die romantische Impulse verspürten. Es hatte nun den Anschein, als würde der Tagesprophet jeden Tag von einer neuen Verlobung oder Hochzeit berichten.
Es war allgemein bekannt, dass der Junge, der lebte, die Liebe seines Lebens im Fuchsbau gefunden hatte. Harry war kurz nach dem Ausflug nach Durmstrang in den Grimmauldplatz gezogen und Ginny war ebenfalls Teil des Hauses geworden.
Sie hatte die Gewohnheit, kleine Sachen vom Fuchsbau mitzubringen, wann immer sie ihm einen Besuch abstattete: einen Stuhl, einen Teppichvorleger, ein paar Haushaltsbücher, die Mrs. Weasley nicht mehr wollte, farbenfrohe Kissen, um das Wohnzimmer gemütlicher zu machen, eine alte Lampe, die Mr. Weasley repariert hatte („faszinierend, diese Lichterkugeln!") und, was Harry am meisten gefiel, ein großes Familienporträt, das am Eingang zu Fred und Georges Scherzladen aufgenommen worden war.
Er hatte das Bild in den Korridor gehängt, damit er es möglichst oft sehen konnte. Darauf trug Ginny ein waldgrünes Kleid, ein sehr kurzes Kleid, mit einem schwarzen Umhang und ein weißes Band im Haar. Hermine war ebenfalls auf dem Bild. Sie stand nah bei Harry, mit einem kleinen Abstand zu Ron und seinen Brüdern. Das war nach Harrys Geschmack das beste Familienporträt, das er jemals haben könnte.
Die Stunden vergingen rapide bei der Vorbereitung der Party und der Grimmauldplatz war bald voller Gäste. Insgesamt war Harry stolz auf sein Arrangement, doch er erklärte das Kochen offen zu Kreachers Verdienst. Der Hauself hatte sich tatsächlich beim Salat, Kartoffelbrei, Roastbeef und zu Fleurs Entzücken Ratatouille selbst übertroffen.
Nachdem Harry eine Weile zwischen Küche und Wohnzimmer hin und her gelaufen war, um Kreacher zu helfen, ließ er sich zufrieden aufs Sofa sinken, einen Teller auf den Knien und den laufenden Unterhaltungen lauschend, während er sein köstliches Mahl verspeiste. Das Nächstbeste war, dass Ginny sich an seine Seite setzte.
„Ausgezeichnetes Essen, Harry, mein Lieber", lobte Mrs. Weasley.
Ginny sah ihn zärtlich an und er musste sich über seinen Teller beugen, um zu vermeiden, dass ihm das Blut ins Gesicht schoss.
„Er hat sich wirklich gut geschlagen", sagte sie. „Und ich sollte hinzufügen, dass er das alles ohne die Hilfe von Hermine Granger geschafft hat."
„Hermine Granger!", rief Mr. Weasley und hob sein Butterbier, „der wir diesen wunderbaren Plattenspieler verdanken!"
Rons Dad hatte einen guten Teil des Abends damit verbracht, den Spieler zu begutachten, welchen er als ein Kunstwerk bezeichnete.
Hermine konnte nicht aufhören, sich dafür zu entschuldigen. „Mein Großvater wollte ihn loswerden", sagte sie zu Fleur.
„Alors là, bravo! On a pas finit de se faire les oreilles", raunte sie Bill zu, während sie ihn am Arm nahm.
„Es ist die Schwangerschaft. Es müssen die Hormone sein oder so. Sie mag tatsächlich Musik", sagte Bill entschuldigend zu Hermine.
„Wir sollten dich lobpreisen", raunte Ron mit sanfter Stimme in Hermines Ohr. Sie saßen beide neben Harry auf dem Sofa und Ron versuchte immer wieder, Hermines Hand zu nehmen, doch es schien ihr etwas peinlich, es vor aller Augen zu tun. „Wir wären wahrscheinlich tot, wenn du nicht gewesen wärst, Mine."
Als er das sagte, zeigte Ginny ein Grinsen, das an George erinnerte. „Das musst du mir nicht sagen, Ronald. Ich habe nur Witze gemacht. Tatsächlich weiß ich mehr als du denkst."
Hermine schnappte nach Luft. „Du weißt bescheid? Harry, was genau weiß sie?"
Er konnte ein Lächeln nicht unterdrücken, als er Ron und Hermines entgeisterte Gesichter sah, und sagte dann einfach: „Alles."
Ron schaute ungläubig. „Was? Wirklich alles? Auch die Du- weißt- schon- was?"
„Ja."
„Wann hast du es ihr erzählt?", fragte Hermine.
Ginny senkte die Stimme. „An dem Tag, an dem Harry ein- oder ausgezogen ist, je nach dem, wie ihr es betrachten wollt."
Hermine hatte Tränen in den Augen. „Harry, ich bin so stolz auf dich!"
„Du hattest Recht. Ich habe mich hinterher viel besser gefühlt…"
Er konnte seinen Satz nicht beenden. Hermine schlang ihre Arme um seinen Hals und küsste ihn auf die Wange.
„Okay, das reicht jetzt", sagte Ron nach ein paar Sekunden und zog Hermine von Harry weg.
Den Rest des Abends gab es Geschenke, Butterbiere, Umarmungen, Küsse und die ein oder andere rührende Rede. Mr. Weasley hob sein Glas für all diejenigen, die nicht mehr anwesend waren, die ihr Leben dafür gegeben haben, dass Harry Potter, der Junge, der Lebte, den mächtigsten Zauberer aller Zeiten vernichten konnte.
„Macht das Harry eigentlich zum mächtigsten Zauberer unserer Zeit?", kommentierte Luna nachdenklich.
Alle lachten, als hätte sie einen Witz gemacht, aber Harry wusste, dass es ihr damit ernst gewesen war.
Er setzte an zu sagen „Ich glaube wirklich nicht…", während er angestrengt überlegte, wie er das in einen Scherz umwandeln konnte, als er von Neville Longbottom unterbrochen wurde.
„Der mächstigste Zauberer unserer Zeit, was? Träum weiter, Potter", sagte er und klopfte Harry auf den Rücken. „Vergiss niemals, dass ich die Schlange getötet habe."
Schallendes Gelächter folgte darauf.
Die Geschenke waren natürlich toll. Ron schenkte Hermine einen Weasley- Anstecker, durch den sie zum dritten oder vierten Mal am Abend den Tränen nahe war. Harry schenkte Ginny einen Feuerblitz, Siegeredition. Und Teddy Lupin bekam einen riesigen Feuerwehrwagen von seinem Paten.
„Ich glaube, ich mag es, Pate zu sein", sagte Harry glücklich zu Ginny, während er mit dem kleinen Jungen spielte.
Ihre einzige Erwiderung war ein liebevolles und bedeutungsvolles Lächeln.
Es war schon weit nach Mitternacht, als Harry den Drang nach etwas Ruhe verspürte. Er suchte gerade nach einem Vorwand, für ein paar Minuten in den oberen Stock zu gehen. Da hörte er Teddy weinen. Mrs. Tonks war bereits aufgesprungen.
„Ich mache das schon, Mrs. Tonks. Bleiben Sie hier. Genießen Sie den Tee", sagte Harry hastig.
Er hörte, wie sie sagte „Remus und Nymphadora hätten keine bessere Wahl für meinen Enkel treffen können", während er zwei Stufen der Treppe auf einmal nahm, aber er war nur zu froh, dem Lärm und den Unterhaltungen entfliehen zu können, nur für eine kleine Weile. Außerdem gingen ihm die ständigen Lobpreisungen auf die Nerven.
Teddys Wiege war im großen Schlafzimmer aufgestellt worden. Es war ein großer, doch dunkler Raum mit einem dunkelroten Teppichvorleger und einem riesigen Bett, in dem Harry noch nicht geschlafen hatte. Er zog vielmehr Sirius' altes Schlafzimmer vor, das ihm mehr wie sein eigenes vorkam. Außerdem hatte er es nicht geschafft, das große Fenster des großen Schlafzimmers sauber zu kriegen, weshalb das Zimmer für seinen Geschmack zu düster war.
Sobald er das Zimmer betreten hatte, wusste er, was er zu tun hatte. Harry wedelte seinen Zauberstab, um das Nachtlicht anzuschalten. Das Weinen hörte sofort auf. Das Kleinkind schaute auf, lächelte seinen Paten an und drehte sich dann auf die Seite, um zu schlafen.
„Das ist gar nicht so schwer", murmelte Harry, während er die Decke über das zusammengerollte Kind zog.
„Na, na. Ist das deiner? Bist du nicht noch ein bisschen jung?"
Harry wirbelte herum, erschrocken von der Stimme, die von hinten ertönt war. Sein Zauberstab lag bereit in seiner Hand.
Er rief das erste, das ihm in den Sinn kam: „Was machen Sie hier? Gehen Sie von ihm weg!"
Der Mann, der aussah wie Sirius Black, trat ein paar Schritte ins Licht. Er sah sehr gut aus mit dem schwarzen Samtumhang, das wellige Haar hinter die Ohren gestrichen.
Doch da war wieder die Selbstgefälligkeit, Selbstherrlichkeit, die Harry nur zu gut kannte, wodurch er auf der Stelle bemerkte, dass er nicht mit Sirius sprach.
„Das wäre wirklich ironisch, weißt du", sagte der Herr der Unterwelt. Er lief im Raum umher, während Harrys Zauberstab ihm folgte. „Wenn du dich für ein Kind einsetzt und dabei stirbst. Das wäre ein sehr passendes Ende, meinst du nicht?"
„Sind Sie hier, um mich zu töten?"
Der Mann stieß ein genervtes Seufzen aus. „Ich töte keine Menschen. Das ist nicht mein Job."
„Was wollen Sie dann?"
Harry folgte ihm immer noch mit dem Zauberstab. Er wollte einen Abstand zwischen Hades und Teddys Wiege halten.
„Ich will dich nur wissen lassen, dass mein Angebot immer noch steht", erwiderte Hades. „Ich könnte dir das Leben geben, das du dir immer gewünscht hast, ohne Schmerz und Leiden. Du wirst leiden, weißt du."
Der Herr der Unterwelt nahm ein Bild der Weasleys in die Hand und dann ein Bild vom Orden des Phönix. Dies waren Dinge, die Harry um den kleinen Jungen herum aufgestellt hatte, um ihm das Gefühl von Zuhause zu geben. Nun wünschte er, er könnte sie auf Sirius' Kopf zerschlagen.
„Ich habe Ihnen schon gesagt, dass ich nicht interessiert bin", brachte er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.
Hades ließ ein grausames Lachen hören. „Wir werden sehen. Die Dinge können sich ändern und das werden sie, vor allem für dich. Ich meine, du bist du. Die Leute stehen Schlange, nur um einen Blick auf dich zu werfen. Der Rest von ihnen will für dich sterben. Es ist die Art von Situation, in der jemand wieder verletzt werden könnte."
„Meinen Sie etwa, das weiß ich nicht?", platzte Harry heraus. „Ich habe schon gesagt, dass ich Ihre Hilfe nicht möchte."
Er musste sich beruhigen. Er wollte keine Konfrontation heraufbeschwören, jedenfalls nicht mit Teddy im Zimmer.
„Ja, nun", fuhr Hades fort, „es ist eine wunderschöne Nacht. Heiligabend und all das. Eine Menge Sachen können in solch einer Nacht geschehen."
Ein Dutzend verschiedener Szenarien rauschten in Harrys Kopf und so ziemlich alle von ihnen endeten damit, dass sein Haus in Feuer aufging.
„Was haben Sie getan?", brüllte er wütend.
Der Herr der Unterwelt schaute ihn mit durchdringendem Blick an. Seine Augen glichen so sehr Sirius, dass Harry wegsehen musste.
„Wieder nimmst du an, dass ich Einfluss habe. Oder auch nur einen Körper, was das betrifft. Was, glaubst du, bin ich? Vielleicht bin ich" – er schaute auf sein Gesicht in einem Wandspiegel – „er. Ich könnte es sein. Ich könnte nach unten gehen und jeder würde in Tränen ausbrechen, weil sie sich so freuen, mich zu sehen."
Harry spürte Wut wie ein Stromstoß durch ihn fließen. „Sie werden es Ihnen niemals abkaufen", sagte er zornig.
Hades zuckte nur die Achseln. „Es ist nur ein Vorschlag. Ich kann jeden darstellen, den du willst. Es wäre nur eine Täuschung. Nur du würdest jemals wissen, dass Fred Weasley wirklich tot ist."
Harry war erstarrt vor Entsetzen.
„Komm schon, sei kein Spielverderber. Es wäre lustig. Nein? Tja, vielleicht bin ich nur ein Fragment deiner Einbildung und du verlierst den Verstand. Der berühmte Harry Potter. Sieht Voldemort in seiner Suppe. Greift Leute an, von denen er denkt, dass sie ein Stück von jemandes Seele in sich tragen. Kaputt. Erledigt. Puff! Einfach so."
„Das bezweifle ich!"
Die Tür flog auf und Ginny trat über die Schwelle, zornentbrannt. Sie durchquerte zügig den Rum und hielt nicht an, bis die Spitze ihres Zauberstab nur wenige Zentimeter von Hades' Brust entfernt war.
Der Herr der Unterwelt schien zurückzuweichen, doch nur ein wenig.
„Jetzt weiß ich, wo dieser Zauberstab geblieben ist", sagte er resigniert. „Übrigens gute Wahl, Harry. Was für ein toller Weg, den mächtigsten Zauberstab auf der Welt nah bei dir zu halten, indem du ihn deinem Mädchen gibst."
Ginny war ungerührt. „Sie werden gleich sehen, wie nah dieser Zauberstab Ihnen wirklich ist."
Als sie den Zauberstab hob, sprühten rote Funken aus der Spitze. Ein kühler Wind schien durch den Raum zu blasen. Es war das Signal, das Harry gebraucht hatte, um wieder zur Besinnung zu kommen und an Ginnys Seite zu treten.
„Vorsicht", sagte Hades warnend. „Dieser Zauberstab ist mächtiger als dir klar ist."
Doch Harry würde nicht zulassen, dass er Ginny verspottete. „Sie haben Ihre Ansicht zum Ausdruck gebracht. Jetzt verschwinden Sie aus meinem Haus."
Hades' Blick flog von Harry zu Ginny und zum Elderstab in ihrer Hand. Er schien für eine Weile nachzudenken.
„Okay, aber ihr könnt nicht sagen, dass ich euch nicht gewarnt habe."
Er trat einen Schritt vor, als wollte er sie herausfordern, ihn anzugreifen. Doch Ginny stellte sich mit der gleichen Entschlossenheit vor Harry, mit der sie vor ein paar Monaten die Särge vor dem rasenden George beschützt hatte.
Hades machte eine schwunghafte Bewegung mit der Hand und er verschwand in einer Wolke aus schwarzem Rauch. Harry und Ginny seufzten beide gleichzeitig, doch bevor sie die Zeit hatten, tief Luft zu holen, erspähte Harry ein Funkeln auf dem Boden.
„Was ist das?"
„Es ist eine… Ich glaube, es ist eine Halskette."
Ginny ließ ein Licht aus ihrem Zauberstab auf das Schmuckstück fallen. Es bestand aus einer silbernen Kette mit einem dreieckigen Anhänger in der Form der drei Spiralen, die im Zentrum verbunden waren.
Die tiefe Stimme, die sie über ihren Köpfen hörten, ließen sie zusammenzucken. „Für den Fall, dass ihr eure Meinung ändert."
Harry stieß ein langes Seufzen aus. Seine Augen konnten den Gegenstand auf dem Boden nicht verlassen.
„Ich werde nichts behalten, das von Hades stammt", sagte Ginny stur.
Sie trat vor und richtete die Spitze des Elderstabs auf das Medaillon. Sie rief: „Reducto!"
Nichts geschah. Sie versuchten noch einige andere Zauber, doch alle waren nutzlos.
Harry konnte Verzweiflung in sich aufsteigen spüren. „Nicht noch ein Gegenstand, den wir zerstören müssen. Ron und Hermine werden einen Anfall kriegen."
Ginny schien sprachlos. „Wir… wir müssen es ihnen nicht erzählen. Wir können es einfach in deinem Verlies in Gringotts aufbewahren."
„Ich werde nichts vor Ron und Hermine verheimlichen."
„Aber du hast ihnen auch nichts von deinen Visionen zu unseren Kindern erzählt, genau wie du niemand anderem in meiner Familie von den Horcruxen berichtet hast. Es hat übrigens einen Monat gedauert, bis du mit mir darüber geredet hast."
Harry dachte angestrengt nach. Es war der letzte Teil der Mission gewesen, das einzige, das er vor sich her geschoben hatte, seit er Voldemort vernichtet hatte.
„Ich habe mich so gut danach gefühlt", sagte er und schaute auf Teddys Wiege hinunter, als würde der kleine Junge ihm eine Antwort geben. „Ich kann diese Geheimniskrämerei nicht mehr ertragen. Das muss aufhören. Noch heute Abend. Meinst du, wir können deine Eltern und Brüder bitten dazubleiben, wenn alle anderen gegangen sind? Neville und Luna auch. Und Fleur natürlich. McGonagall, sie verdient es zu wissen. Und Krum."
Ginny stand jetzt nah bei ihm. „Viktor? Bist du dir sicher?"
„Er hat mehr als nur ein Mal geholfen. Er ist einer von uns. Einer von Dumbledores Armee, meine ich."
Ihre Augen weiteten sich, während sie sagte: „Du hast dich wirklich entschlossen?"
„Ja, habe ich."
„Ich finde, du tust das Richtige."
„Ich auch. Ich…"
Doch er beendete seinen Gedanken nicht. Auf dem schmutzigen Fenster hatte sich ein Schatten geregt. Jemand stand draußen. Jemand spähte herein.
Was als nächstes geschah, ereignete sich sehr schnell. Ginny stieß Harry aus dem Weg. Ein roter Lichtblitz schoss an ihr vorbei und traf den Spiegel, der zersplitterte. Harry nahm Teddy Lupin auf den Arm. Ginny beschwor einen Schildzauber herauf, der sie beschützte, während ein weiterer roter Lichtstrahl die Wand traf. Und dann rannten sie die Treppe hinunter, wo sie von Musik und Gelächter empfangen wurden.
Ron grinste ihnen entgegen. „Wir haben uns schon gefragt, ob ihr beide jemals wieder herunterkommt…"
Er wurde von Hermine unterbrochen. „Was ist los?"
Harry versuchte, Teddy zu beruhigen. Er stöhnte im Schlaf, als wüsste er, dass etwas geschehen war. Schreie des Entsetzens würden ihm nicht dabei helfen, wieder tief einzuschlafen.
„Ihm geht's gut", sagte Ginny hastig, als sie Mrs. Tonks' besorgte Miene sah. „Etwas hat uns angegriffen. Da war etwas draußen vor dem Fenster. Wer auch immer es war, hat Flüche auf uns abgeschossen. Sie haben uns fast erwischt."
Es trat plötzliche Stille ein.
Die erste Stimme, die Harry hörte, war nicht die, die er erwartet hatte.
„Also gut, hört mal her. Wir müssen sicherstellen, dass die Muggle uns nicht sehen. Aber das heißt nicht, dass wir im Haus bleiben müssen."
„Neville, was machst du?", sagte Harry, während Mrs. Tonks Teddy in ihren Armen wiegte.
„Er kämpft zurück", sagte Ginny eifrig. „Du hast Recht, Neville. Wir dürfen keinen Augenblick verlieren."
George und Krum hatten bereits ihre Zauberstäbe gezückt. „Diese Leute müssen verrückt sein, wenn sie denken, dass sie es mit uns allen aufnehmen können."
Der Rest der Gäste nickte zustimmend.
„Teilen wir uns in Teams auf", sagte Bill Weasley.
Harry konnte nicht ganz fassen, was er da hörte. Das war Wahnsinn. Er konnte nicht zulassen, dass seine Freunde sich an Heiligabend einer Gefahr stellten. „Niemand wird da rausgehen. Wir werden Zauber auf das Haus legen."
Hermine legte eine Hand auf seine Schulter. „Es ist okay, Harry. Ich denke, sie wissen, was sie tun."
„Nein, wissen sie nicht!", rief er unwillkürlich.
Er schaute Ginny an, doch sie schien so entschlossen wie die anderen.
„Es gibt noch eine Menge Sympathisanten der Todesser", sagte sie ernst und legte eine Hand auf seinen Arm. „Wir werden keinen Augenblick des Friedens finden, wenn wir ihnen nicht zeigen, dass wir keine Angst haben."
In Harrys Kopf schwirrten die Gesichter von Fred, Lupin und Tonks umher. Er wünschte, er könnte mehr wie Ginny sein: furchtlos, aufgeschlossen und zuversichtlich. Nach einem Jahr der Vorsicht fiel es ihm nicht mehr leicht, impulsiv und planlos zu handeln.
Doch seine Freunde würden sich nicht verstecken, dessen war er sich sicher. Was er nicht wusste, war: wenn einer seiner Freunde heute Abend starb, könnte er dem Drang widerstehen, die Kette hevorzuholen?
Ginny schien aufzuschnappen, was ihm durch den Kopf ging, denn sie nahm seine Hand und drückte sie sanft. Und während sie das tat, nahm sie gleichzeitig die Kette aus seiner Hand.
„Ich weiß, dass du nicht willst, dass uns etwas zustößt", sagte sie leise. „Wir rennen nicht blind in Gefahr. Das Schlimmste ist vorbei. Wir werden nur ein paar Witzbolden einen Schreck einjagen. Was sagst du dazu?"
Harry nickte.
„Keine Sorge, Harry. Es kann nicht schlimmer sein als die Schlacht von Hogwarts", sagte Luna nüchtern. „Oder als in die Mysteriumsabteilung einzubrechen. Oder sich in Snapes Büro zu stehlen. Oder als…"
„Wir haben es begriffen", unterbrach Krum.
Die anderen hatten bereit begonnen hinauszueilen, die Zauberstäbe gezückt. Er spürte, wie Bill Weasley ihm auf den Rücken klopfte und mit ernster Stimme murmelte: „Bleib aber besser drinnen, nur für den Fall."
Während das Haus sich leerte, trat Harry zum vorderen Fenster, damit er beobachten konnte, was vor sich ging. Mr. und Mrs. Weasley, Mrs. Tonks, Fleur und Hermine waren im Haus geblieben, ganz zu schweigen von Teddy.
„Ich weiß, was du denkst, Harry", sagte Hermine sachte.
„Ich kann einfach… ich kann nicht glauben, das all die Gefahr wirklich fort ist, dass es wirklich sicher ist, da rauszugehen und nicht um unser Leben zu fürchten."
„Ja", flüsterte Hermine verträumt. „Es fühlt sich gut an, nicht wahr?"
„Ich weiß nicht, wie ich mich fühle, um ehrlich zu sein."
Hermine drehte sich zu ihm. Sie hatte einen mütterlichen Ausdruck im Gesicht.
„Es ist nur normal. Du brauchst nur etwas länger, um zu akzeptieren, dass es alles vorbei ist."
„Ist es wirklich vorbei?", sagte er gedankenverloren.
Sie lächelte, während sie sein Gesicht musterte. „Sag du es mir."
Er wollte sie umarmen, doch er wurde unterbrochen von Kreacher, der ihnen verkünden wollte, dass Kuchen und Nachtisch bereit waren zum Servieren.
Etwa eine Viertelstunde später kamen Neville und Luna mit Schnee auf ihren Köpfen herein.
„Ginny hatte Recht: es war nur ein Streich!", verkündete Neville, sobald er ins Wohnzimmer getreten war. „Diese Kinder haben Wahrheit oder Pflicht gespielt. Einer von ihnen sollte das Haus von Harry Potter angreifen. Sie leben in der Nachbarschaft, weißt du, deshalb wissen sie alles über dieses Haus. Sie sind Zauberer und außerdem Slytherins. Sie haben dieses Jahr in Hogwarts angefangen. Mr. Weasley wird ein ernsthaftes Wörtchen mit ihren Eltern führen."
„Rons Dad ist hier bei uns geblieben", sagte Hermine ein wenig überrascht.
„Er meint Percy", berichtigte Luna. „Aber ich habe den Verdacht, dass die Nargoyles auch beteiligt waren. Sie spielen auch gerne Streiche, wisst ihr, vor allem an Heiligabend."
Als der Rest seiner Gäste hereinkam, servierte der aufmerksame Kreacher Tee und Plätzchen. Sie aßen alle fröhlich, während diesmal George die Geschichte der Weihnachtswitzbolde erzählte, die dachten, sie könnten es mit Harry Potter und Dumbledores Armee aufnehmen. Harry lachte ausgiebig und seine Freunde lachten mit ihm.
Dann begannen einige Gäste zu gähnen. Die Umhänge wurden geholt und es gab ein paar Verabschiedungen. Während er seinen Gäste eine Gute Nacht wünschte, führte Ginny den ersten Teil des Plans aus. Die auserwählten Leute waren gebeten worden, noch ein Weilchen zu bleiben. Im Augenblick saßen sie alle im Wohnzimmer und sahen müde aus.
„Wo ist Ginny?", fragte Hermine, als Harry endlich wieder ins Zimmer trat, eine frische Tasse Tee in der Hand.
„Sie musste einen schnellen Abstecher nach Gringotts machen", erwiderte er schlicht.
Hermine öffnete den Mund, um weiter nachzubohren, doch sie wurde unterbrochen von einem Klopfen an der Tür.
Er hätte nicht gedacht, dass er nervös sein würde. Er hatte diese Szene mehr als ein Mal in den letzten paar Monaten in seinem Kopf eingeübt. Jetzt da es so weit war, jetzt da er sich dazu durchgerungen hatte, spürte er Schmetterlinge im Bauch, genauso wie damals, als er Cho Chang zum Weihnachtsball eingeladen hatte.
Ron überraschter Ruf riss ihn aus seinen Gedanken. „Professor, was machen Sie denn hier?"
Zu aller Erstaunen stand Minerva McGonagall in einem langen Reiseumhang auf der Türschwelle und wirkte unsicher, ob sie ihn ablegen sollte oder nicht.
„Ron, wo bleibt denn dein Benehmen?", rief Mrs. Weasley empört. „Kommen Sie her und setzen Sie sich, Minerva."
Die neue Hogwarts- Schulleiterin blieb weiter stehen.
„Danke, Molly. Offensichtlich ist das ein Familienereignis. Haben Sie etwas auf dem Herzen, Potter?"
Alle Blicke wandten sich zu ihm und sein Magen tat wieder einen Satz. Ginny strahlte, doch Hermine schaute ihn an, als hätte sie ihn dabei erwischt, wie er sich die Narbe rieb.
„Ich fand, dass Sie hier sein sollten, Professor. Sie gehören auch zur Familie."
Er wusste, dass er rot wurde, weshalb er hastig zu Boden schaute.
„Das weiß ich zu schätzen, Potter. Ich habe gedacht, es gäbe eine Art Notfall, als der Patronus aufgetaucht war. Es ist übrigens ein schöner Phönix, Miss Weasley. Wann hat es diese Form angenommen?"
Ginny sah die Schulleiterin an und erwiderte mit gesenkter Stimme: „Als Sie letztes Jahr verletzt worden waren, Professor, haben sich alle Gryffindors versammelt und wir haben geschworen, dass wir für immer Dumbledores Armee bleiben würden. Seitdem hat sich mein Patronus verändert."
George beäugte sie mit leicht genervter Miene. „Es ist ein bisschen kitschig, oder, Schwesterherz?"
Sie zuckte die Achseln, lächelte aber ihren Bruder an. „Vielleicht ein wenig."
Doch McGonagall schien ungerührt. Sie musterte Harry, als versuchte sie durch ihn hindurchzusehen.
„Ich schätze, ich brauche eine neue Eule", sagte er scherzhaft.
Hermine konnte ihr Schweigen nicht länger halten. „Was hat es mit der ganzen Geheimniskrämerei auf sich, Harry?"
Er konnte sie nicht anschauen. Es würde ihn sofort verraten.
„Es ist ein sehr schöner Abend gewesen", sagte er zu allen im Raum, „und ich wollte ihn nur noch ein wenig ausweiten, wenn es niemandem etwas ausmacht zu bleiben."
Hermine schaute zwischen ihm und Ginny hin und her. „Harry, du benimmst dich eigenartig. Was ist los?"
Bevor er antworten konnte, stieß Ron ein Quietschen aus, als hätte er etwas vor allen anderen begriffen. „Wenn ihr beide uns sagen wollt, dass ihr verlobt seid oder so was…"
„Was?"
Mrs. Weasley war aufgestanden, als hätte sie etwas gestochen.
„Niemand ist verlobt, Ron!", platzte Ginny hervor.
„Nun", sagte Mr. Weasley. Er erhob sich ebenfalls. „Ich denke, es ist klar, dass Harry unseren Segen hat…"
Ginny sah entsetzt aus. „Wir sind nicht verlobt, Dad!"
„Oh, Ginny! Es ist einfach vorherbestimmt", rief ihre Mutter mit Tränen in den Augen.
Sie schloss ihre Tochter in die Arme, bevor Harry realisierte, was vor sich ging. George, Percy, Bill und Charlie brachen in Gelächter aus.
„Mum, also ehrlich, ich bin siebzehn! Ich will jetzt noch nicht heiraten!", protestierte Ginny über das wachsende Gelächter hinweg.
Harry merkte, dass ihm die Kontrolle über die Situation entglitt. Es würde eine lange Nacht werden, wenn er alle nicht zur Konzentration bringen konnte.
„Bitte, wenn ihr alle einfach ins Speisezimmer gehen würdet, fangen wir gleich an. Hermine, ein paar Schutzzauber, wenn es dir nichts ausmacht."
Doch als er zu Hermine hinüberschaute, sah er, dass sie Ron leidenschaftlich unter einem Mistelzweig küsste.
„Lass sie", sagte Ginny beschwichtigend.
Sie nahm den Elderstab und begann im Haus herumzuwandern, während sie Hermines übliche Schutzzauber murmelte.
„Wie kommt es, dass ihr die Zauber zufallen?", spottete Ron in Ginnys Richtung, während Hermine ihn Richtung Speisezimmer zog.
Eine gute Viertelstunde später waren alle um den Tisch herumplatziert. Kreacher hatte ihnen Wasser und eine Schüssel mit Obst gebracht. Harry ließ seinen Blick um den Tisch schweifen und kostete den Moment aus. Sie sahen alle glücklich und entspannt aus. Sogar Krum hatte ein Lächeln auf dem Gesicht, während er sich mit George unterhielt. Nur McGonagall wirkte leicht fehl am Platz mit ihrem schwarzen Kleid und müden Augen.
Mr. Weasley erhob sich als erster über den Lärm hinweg. „Also, Harry, was hast du auf dem Herzen?"
„Naja", begann er gewichtig, „ich dachte, da ihr schon alle hier seid, ist es vielleicht Zeit für die ganze Geschichte."
Stille trat ein.
„Das wird gut", sagte George aufregt.
Neville war sofort aufgesprungen. „Harry, ehrlich, ich muss nicht hier sein."
„Das soll wohl ein Witz sein!", platzten Ron und Hermine gleichzeitig heraus.
Es gab eine Welle des Protests. Luna saß neben Neville und sie zupfte an seinem Arm, bis er sich wieder hingesetzt hatte.
„Also ehrlich, Neville", sagte George verärgert.
Harry wusste, dass er aller Aufmerksamkeit innehatte. Er nahm neben Ginny Platz. Sie hatte gerade einen Muffliato- Zauber auf Tür und Fenster des Speisezimmers gelegt, welche fest verschlossen waren.
„Sie haben Recht, Neville", sagte Harry mit ernster Stimme. „Ich finde, es ist an der Zeit, dass du begreifst, was für eine große Rolle du in allem gespielt hast."
„Ihr wisst, dass wir die ganze Nacht hier sein werden, oder?"
Ron sah leicht ungläubig drein. Er schaute zu seinen Eltern hinüber.
Sein Vater fing seinen Blick auf und sagte entschlossen, während er die Hand seiner Frau nahm: „Ich schätze, das können wir verkraften."
Es trat wieder eine kurze Stille ein, welche von Hermines Stimme durchbrochen wurde.
„Wo möchtest du anfangen?"
„Ich habe darüber nachgedacht und ich denke, es ist besser, bei unserem sechsten Schuljahr anzufangen, da alle schon von der Dritten Aufgabe wissen und wie Voldemort zurückgekehrt ist und auch von der Prophezeiung."
Fleur hob die Hand. „Et moi, alors? Ich weiß nichts von einer Prophezeiung."
Neville schien das gleiche durch den Kopf zu gehen. „Vielleicht könnt ihr es… zusammenfassen", sagte er zögerlich.
Hermine öffnete den Mund, doch Ron legte einen Arm um sie und sagte leise: „Ich glaube, er schafft es auch ohne die Hilfe von Hermine Granger."
„Wir sind ganz Ohr, Harry", sagte George begierig.
Doch da stand McGonagall unerwartet auf.
„Kann ich einen Moment mit Ihnen sprechen, bevor Sie anfangen, Potter?"
Er trat um den Tisch herum, um seiner ehemaligen Verwandlungslehrerin aus dem Speisezimmer zu folgen. Er hörte Gemurmel, aber er konnte keine Kommentare ausmachen. Doch es scherte ihn nicht. Was auch immer McGonagall zu sagen hatte, musste wichtig sein.
Im Augenblick wartete sie nahe der Vordertür auf ihn und sie sah aufgewühlt aus.
„Ich erwarte nicht von Ihnen zu verstehen, was ich gleich sagen werde, Potter. So viel ist geschehen und ich will nicht leugnen, dass Sie sich heldenhaft verhalten haben. Ich sehe, wie Sie sich geschlagen haben, und kann Ihnen gar nicht sagen, wie stolz ich darauf bin, was Sie vollbracht haben und was aus Ihnen geworden ist. Dumbledore hat zu Recht solches Vertrauen in Sie gesetzt."
„Ich spüre ein Aber, Professor."
McGonagall fuhr fort: „Ich kann sehen, dass Sie Wunden davongetragen haben, aber Sie sind jung. Sie haben heute Abend die ersten Schritte zur Genesung getan. In diesem Raum sind Freunde, die wahrscheinlich für den Rest Ihres Lebens an Ihrer Seite bleiben werden."
Harry sah über die Schulter zu dem langen Korridor, während eine Welle der Wärme in ihm aufstieg.
„Sie sind mehr als Freunde. Sie sind meine Familie."
„Genau bei solch einem Treffen hat Dumbledore den Orden des Phönix gegründet und ich habe keinen Zweifel, Potter, dass Sie sich außerordentlich gut als Anführer dieses neuen Ordens schlagen werden, den Sie jetzt ins Leben rufen."
Die Schulleiterin wirkte eine Weile gedankenverloren. Während er sie ansah, begann er zu begreifen. Da war so viel Trauer in ihrer Stimme.
„Sie möchten nicht Teil davon sein", sagte er.
Sie schüttelte den Kopf. „Ich weiß das Angebot zu schätzen, wirklich. Aber ich bin alt, Potter, und mein Kopf braucht Ruhe. Ich muss zurück zu meiner Schule und die Schäden beheben, die sie erlitten hat. Da ist eine tiefe Magie… eine, die Heilung bedarf. Es gibt im Augenblick keine andere Aufgabe für mich. Aber ich würde gern eins wissen, wenn es Ihnen recht ist."
Harry war erstaunt, doch er schlug es ihr nicht ab. „Sie können alles fragen, Professor."
„Ist er wirklich fort?"
Er wählte seine Worte mit Bedacht und versuchte, überzeugend zu klingen. „Ich glaube schon, Professor. Wir haben jeden Teil von ihm zerstört, der zu zerstören war. Am Ende, als wir uns duellierten, war er nur noch ein Mensch. Er war wieder Tom Riddle und er konnte getötet werden."
Er war nicht sicher, was er von ihrer Miene halten sollte. Sie schien erleichtert, doch gleichzeitig traurig und distanziert.
„Dann werde ich nichts mehr von Tom Riddles alten Schulsachen in Hogwarts finden?"
„Nein, Professor."
Sie öffnete die Tür. Es schneite draußen leicht. Der Wind war kühl und einladend.
„Werden Sie zurechtkommen, Professor?", erkundigte sich Harry.
Ihre Antwort war ein halbes Lächeln. „Mir mag Dumbledores Stil fehlen, aber ich weiß, wie ich auf meinem eigenen Schulgelände apparieren kann, Potter. Sie können alle von mir grüßen. Frohe Weihnachten…" Sie schien zu zögern und dann sagte sie sanft „Harry."
„Frohe Weihnachten, Schulleiterin."
Als er zusah, wie die alte Hogwarts- Lehrerin in die verschneite Nacht hinaustrat, traf ihn ein letzter Gedanke.
„Sie haben doch von Voldemort gesprochen, oder, Professor?"
Doch es kam keine Antwort, nur ein fernes Popp- Geräusch, als McGonagall in die Nacht verschwand. Nicht alle trauern auf die gleiche Weise, dachte Harry. Er schloss die Tür und legte Muffliato darauf, nur für den Fall.
Während er zum Speisezimmer zurückschlenderte, dachte er an George und dann an Teddy und Mrs. Tonks. Er, Harry, hatte Dumbledore angebrüllt und sein Büro demoliert, als Sirius gestorben war. Und doch war der Schmerz nach Jahren immer noch spürbar. Und Dumbledore… das war ebenfalls jeden Tag schwer zu ertragen. Doch nun machte ihm der Schmerz nichts mehr aus. Er bedeutete ihm etwas. Er war ein Teil von ihm.
Also lag es nun an der neuen Generation. Doch in welcher Rolle würde er diese Mission fortführen? War er ein Held? Harry Potter, der Junge, der lebte, der den Dunklen Lord vernichtet hat? Oder war er nur ein Junge, ein junger Mann, der anderen anhand seiner Erfahrung seine Geschichte erzählen würde, damit kein dunkler Zauberer sich jemals wieder würde erheben können?
Mit diesem Gedanken trat Harry Potter ins Speisezimmer, wo seine engsten Freunde versammelt waren und auf ihn warteten.
Es würde eine sehr lange Nacht werden.
So, nun ist es vollbracht. Die Geschichte ist jetzt endgültig zu Ende.
Ich habe mir auch schon ein neues Projekt ausgesucht. Leider wird es wahrscheinlich den Großteil von euch nicht ansprechen, da ich mich entschieden habe, erstmals vom Deutschen ins Englische zu übersetzen.
Wer des Englischen halbwegs mächtig ist, ist herzlich eingeladen, meine neue Übersetzung zu lesen. Ich würde mich darüber sehr freuen.
Den anderen möchte ich zum Trost ans Herz legen, sich meine anderen Geschichten zu Gemüte zu führen oder die Originalgeschichte meiner neuen Übersetzung "Das sechste Element" von Bint- Anath zu lesen.
Ich hoffe, ihr seid nicht allzu enttäuscht und bleibt mir weiterhin treu!
Eure luckyserpent
